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Kommissar Beck ermittelt

Zugegebenermaßen bin ich nicht der Welt größter Krimifan, aber ein gut gemachter Kriminalroman kann mich trotzdem immer begeistern. Zumal wenn der Ermittler einer vom Schlag des Kommissar Martin Beck ist. So lakonisch, nachdenklich und mit einer so eigenen traurigen Familiengeschichte. Das gefällt mir, und offenbar nicht nur mir: Die inzwischen riesige Fangemeinde des kauzigen Kriminalers kann schließlich nicht irren.

Wenn Kommissar Beck im kühlen Stockholm ermittelt, muss man einfach dranbleiben. Denn hinter den Fällen des Schweden menschelt es oft gewaltig. Da tun sich Abgründe auf in der so heil scheinenden Welt der Nordlichter.

Zwar erschien Martin Beck schon Mitte der sechziger Jahre auf dem Markt, aber erst seit einigen Jahren – mit dem Boom der Schwedenkrimis – wird der Ahnherr dieses Krimi-Genres richtig gewürdigt. Das liegt sicherlich auch an der gut gemachten und erfolgreichen Fernsehserie mit Peter Haber in der Rolle von Kommissar Martin Beck. Hier werden immer auch die Schattenseiten der perfekt wirkenden schwedischen Gesellschaft kritisch thematisiert und Beck selbst ist oft zerknirscht und ratlos – einfach menschlich eben. Das Autorenpaar Per Wahlöö und Maj Sjöwall hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet.

Komissar_Beck.jpgDass die Bücher um Martin Beck so einen Spaß machen, liegt auch am Ermittlungsteam. Der rüpelhafte und nicht sonderlich beliebte Gunvald Larsson etwa ist einer dieser Charaktere, mit denen man sich als Leser gern beschäftigt. Oder als Hörer. Denn den Kommissar aus dem hohen Norden gibt es auch als Hörbuch. Ein Genuss – immerhin geben sich hier Kultsprecher wie Christian Brückner oder Hannelore Hoger ein Stelldichein.

Die heutige Devise lautet also: kaufen, hören, feinsten Krimistoff genießen!

http://www.jokers.de/3/16165495-1/hoerbuch/die-neuen-faelle-kommissar-beck-ermittelt-6-audio-cds.html

16.07.2010, 13.26 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Kommissar Beck, Schwedenkrimis, Gunvar Larsson, Christian BrücknerKommissar Beck ermittelt Zugegebe,

Was wir schon immer über Könige wissen wollten

Royalisten auf der ganzen Welt fiebern dem Hochadel-Ereignis des Jahres entgegen: die schwedische Kronprinzessin Victoria heiratet ihren Untertan und Fitnesstrainer Daniel Westling. Ein richtiges Märchen. Es ist ein Phänomen, dass in unserer aufgeklärten Welt die königlichen Familien noch immer eine solche Anziehungskraft besitzen. Irgendwie finden wir Normalsterbliche die Blaublütigen so faszinierend, dass sich allerlei Gazetten Woche für Woche damit füllen lassen. Und die werden auch gelesen – offensichtlich nicht nur beim Friseur.

Die royale Hochzeit im Norden Europas ist ein schöner Anlass, Ihnen ein Buch vorzustellen: „Alles, was Sie schon immer über Könige wissen wollten, aber nie zu fragen wagten“. Autor ist niemand geringerer als Alexander von Schönburg, der schon mit „Die Kunst des stilvollen Verarmens“ seine Fähigkeit bewies, Launiges mit Zeitgeist zu einem unterhaltsamen Cocktail zu mixen. Und auch hier zeigt der Journalist wieder, dass er nicht nur tolle Themen entdecken, sondern sie auch gekonnt umsetzen kann. Außerdem gehört er selbst zum Adel und hat damit besten Zugang zu den gekrönten Häuptern und ihren kleinen Geheimnissen.

Wer also wissen möchte, was die Queen in ihrer Handtasche hat, ist hier goldrichtig. Zu intime Details allerdings erfahren wir nicht – man weiß schließlich, was sich gehört und möchte es sich mit den erlauchten Herrschaften auch nicht verscherzen – aber wir bekommen eine amüsante und geistreiche Mischung aus gepflegtem Klatsch und echtem Insiderwissen.

Dass das Buch zu einem ganz und gar unadligen Preis über unsere Jokers-Ladentheke geht, ist Ehrensache!

http://www.jokers.de/3/14954217-2/buch/alles-was-sie-schon-immer-ueber-koenige-wissen-wollten-aber.html





Bild Schloss Chambord: Manuel L./panthermedia

15.07.2010, 10.38 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Könige, Adel, Alexander von Schönburg, Royalisten,

Gedichte gegen die WM

Friedrich_hoelderlin_kl.jpgAlso jetzt, wo so langsam an Urlaub und faule Nachmittage auf der Gartenliege zu denken ist (und gerade mal kein WM-Fußball läuft), brauchen Sie natürlich eine entsprechende Lese-Empfehlung. Eine, die nicht schwer im Magen liegt und trotzdem anspruchsvoll ist. Da passt die kurze Form doch besonders gut – sprich: Gedichte.

Friedrich Hölderlin „Hundert Gedichte“ möchte ich Ihnen da ans Herz legen. Ob Dichtung über Natur oder Freundschaft, über die Liebe oder die Jahreszeiten, alles ist in diesem wunderschönen Bändchen zu finden.

Um 1800 entstanden gelten Hölderlins Werke in der Literaturgeschichte als einer der Höhepunkte der europäischen Poesie. Der Poet machte auch die Bekanntschaft der Dichtergrößen Goethe und Schiller. Aber ich möchte hier nicht zu viel Ehrfurcht verbreiten, die sprachliche Schönheit der Dichtung Friedrich Hölderlins erschließt sich auch so.

Um das Leben des Dichters aus Lauffen am Neckar ranken sich viele Geschichten und Mythen. Kein Wunder, denn immerhin verbrachte er 36 Jahre im später nach ihm benannten „Hölderlin-Turm“ in Tübingen, offenbar dem Wahnsinn verfallen. Jahrelang hatte er sich zuvor als Hauslehrer bei vermögenden Familien durchgeschlagen und nebenbei seine Werke verfasst. Auf einer dieser Stellen traf er auch seine große Liebe Susette Gontard, eine Frankfurter Bankiersgattin. In der Figur der „Diotima“ seines berühmten Briefromans „Hyperion“ erlangte sie literarische Unsterblichkeit.

Friedrich Hölderlin hat viele spätere Dichter mit seinem Werk beeinflusst, etwa Stefan George oder Ingeborg Bachmann. Eine schillernde Dichterpersönlichkeit also, die uns ein Werk von großer Intensität und Schönheit hinterlassen hat. Genießen Sie die „Hundert Gedichte“ des Ausnahme-Dichters – quasi als literarisches Ausgleichsprogramm zur WM.

http://www.jokers.de/3/14788316-2/buch/hundert-gedichte.html

„Hundert Gedichte“ von Friedrich Hölderlin bei Jokers

Bild Friedrich Hölderlin: wikimedia


12.07.2010, 17.16 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Lyrik, Gedichte, Friedrich Hölderlin, Lauffen am Neckar,

So muss der Himmel klingen

Frederic_Chopin_kl.jpgEin Bekannter sagte neulich zu mir „Chopin kann dein Leben verändern“. Und er erzählte mir, wie er gezeichnet von zu strenger Musik-Didaktik in der Schule viele Jahre ausschließlich Popmusik hörte. Jeder Klassik hatte er sich nach Schulabschluss beharrlich verschlossen. Als er aber bei einer nächtlichen Autofahrt „aus Versehen“ im Klassiksender Chopin hörte, fühlte er sich nach eigenen Aussagen wie verzaubert.

Mir war es vor vielen Jahrzehnten nicht anders ergangen. Damals hörte ich meine Jugendliebe auf einer Mitternachtsparty am Klavier die Nocturnes Nr. 7 in Cis-Moll spielen. Noch immer jagt es mir bei der Erinnerung einen Schauer über den Rücken. Doch anders als mein Bekannter fand ich so schon früh zur Klassik.

Ähnlich muss es wohl auch Maarten 't Hart ergangen sein. Eins der Lieblingsmotive seiner Romane ist die klassische Musik, vor allem Johann Sebastian Bach. Poetisch wie warmherzig erzählt der niederländische Autor zum Beispiel im „Schneeflockenbaum“ die rührende Geschichte zweier Jungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Da ist einerseits der charmante Mädchenschwarm Jouri und andererseits sein introvertierter Freund, der namenlose Ich-Erzähler, der „den ganzen Tag furzt wie ein Waldesel“. Auch der Erzähler erlebt eine Offenbarung, als er die Klassik entdeckt und erkennt, „Diese Musik spielt man im Himmel“. Stück für Stück erkundet er die alte Plattensammlung Jouris Vater und bemerkt dabei, „dass sich in meiner Seele Kräfte verbargen, von denen ich bis dahin nichts gewusst hatte.“ Wenn das nicht Poesie ist, die Leben verändert …

„Mozart und ich“ von Maarten 't Hart bei Jokers

http://www.jokers.de/3/13632081-1/buch/mozart-und-ich-m-audio-cd.html

09.07.2010, 17.07 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Maarten 't Hart, Mozart und ich, Schneeflockenbaum, Chopin, Klassik,

Am besten, man beginnt mit dem Anfang

Blutlinie_kl.jpgNoch nie waren Thriller so angesagt wie heute. Je mehr Horror, Splatter, Gore und Blut drin vorkommt, umso besser lässt sich ein Buch anscheinend verkaufen. Nachdem auch ich erst vor wenigen Jahren mein Interesse an diesem Genre entdeckt hatte, nahm ich mir den Autor Nr. 1 auf diesem Gebiet vor: Simon Beckett. Doch bald hatte ich alle seine Werke durch und war auf der Suche nach frischem Material. Dabei stieß ich zufällig auf „Das Böse in uns“ von Cody McFadyen und griff zu.

Auch dieser amerikanische Autor ist ein Meister auf seinem Gebiet. Allerdings beging ich unbewusst einen fatalen Fehler: Ich stieg mitten in der Reihe ein anstatt mit „Die Blutlinie“ zu beginnen, und erst nach „Der Todeskünstler“ den dritten Thriller zu lesen. Ohne Vorkenntnisse fiel mir schnell auf, wie unrealistisch mitgenommen die Protagonisten waren. Denn die Hauptfigur, Agentin Smoky Barrett, hatte bereits mehr durchgemacht, als ein normaler Mensch in drei Leben. Sie hat Tochter und Ehemann verloren, wurde von üblen Psychopathen mehrfach gefoltert und schließlich aufs Grausigste entstellt. Und dennoch arbeitet sie weiter und jagt Mörder.

Sicher wäre mir der Widerspruch zur Realität nicht aufgefallen, hätte ich, wie bei Beckett, McFadyens Werk chronologisch gelesen. So aber nahm diese Realitätsfremde der Geschichte fast jede Faszination. Natürlich las ich das Buch dennoch bis zum Ende durch. Allerdings lerne ich Agentin Barrett jetzt noch mal ganz neu kennen. Und zwar mit dem ersten Band der Thrillerreihe.

„Die Blutlinie“ auf Englisch: „Shadow Man“ bei Jokers

http://www.jokers.de/3/14188140-1/buch/shadow-man.html




08.07.2010, 16.51 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Cody McFadyen, Blutlinie, Smoky Barrett, Thriller,

Unser Bild von Afrika

Afrika.jpgDemnächst ist Fußball-WM in Südafrika. Hand aufs Herz – was wir so über den Kontinent denken, geht oft in die Richtung: irgendwie wild, irgendwie schwarz. Unser Afrika-Bild scheint zu einem Teil noch immer aus dem imperialen 19. Jahrhundert zu stammen, in dem sich die Europäer auf den Weg in die Weiten des noch fremden Kontinents machten.

Ein Buch, das ganz entscheidend zu unserem Afrika-Bild beitrug, ist Joseph Conrads Weltbestseller „Herz der Finsternis“. Dort, in den Tiefen des Kongo, lauert ein bedrohliches Dickicht aus Wahnsinn und Verderbnis – schlicht das Unheimliche.

Wenn Marlow, ein Flusskapitän im Auftrag einer Handelskompanie, in die Tiefen des kongolesischen Dschungels eindringt, kann einem beim Lesen schon mal das Blut in den Adern gefrieren. Dabei liegt das nicht etwa daran, dass Afrika hier besonders schaurig dargestellt wird. Vielmehr entströmt dieses gruselige Gefühl der Figur des zwielichtigen Elfenbeinhändlers Kurtz. Der beutet die Einheimischen aufs Grausamste aus und ist ein absolut skrupelloser Schurke, der dem Wahnsinn nahe ist. Sein Leben haucht er mit den Worten aus: „Das Grauen! Das Grauen!“ Ich kenne kaum eine düsterere literarische Figur als Joseph Conrads Mr. Kurtz. Es ist einfach faszinierend zu sehen, wie sich unter der dünnen Kruste der Zivilisation etwas Wildes Bahn bricht. Eine Reise in die Tiefen des Ungewissen und des eigenen Ichs.

Conrad, der gebürtige Ukrainer aus polnischer Familie, hat mit „Herz der Finsternis“ ein Werk von Weltruhm erschaffen, das nicht nur Vorlage für den Film „Apocalypse Now“ war. Auch Werner Herzogs „Aguirre, der Zorn Gottes“ wurde von Joseph Conrads Buch inspiriert. Und das Beste: das berühmte Buch gibt es zu diesem Top-Preis nur bei Jokers!


http://www.jokers.de/3/14840997-1/buch/herz-der-finsternis.html


07.07.2010, 16.30 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Joseph Conrad, Herz der Finsternis, Elfenbeinhändler, Grauen,

Auf Schatzsuche

Der_Goldsucher.jpgAuch wenn der Sommer 2010 zickt, lässt sich mein Bedürfnis nach Sonne, Strand und Meer nicht verhageln. An einem verregneten Juni-Wochenende, an dem der Wind besonders kalt um die Häuser pfiff, schnappte ich mir deshalb „Der Goldsucher“ von J.M.G. Le Clézio, der vor zwei Jahren den Literaturnobelpreis erhielt. Wie der Klappentext versprach, sollte es ein Abenteuerroman um einen Jungen sein, der den sagenhaften Goldschatz des Korsaren finden möchte.

Besser hätte ich es nicht treffen können. Denn das Buch beginnt im tropischen Paradies der Insel Mauritius. In unendlich poetischen Bildern beschreibt Le Clézio, wie sogar im Winter die Tage sonnendurchflutet dahin fließen, die Wellen sich warm und sanft am Muschelstrand brechen. Die Handlung nimmt eine jähe Wendung, als die Familie durch den Geschäftsbankrott des Vaters verarmt und ein Zyklon die Idylle verwüstet. Um der Familie den alten Wohlstand zurückzubringen, macht sich Protagonist Alexis mit einem Segelschoner auf die Suche nach dem Gold des Korsaren, dessen Versteck sein Vater ihm kurz vor seinem Tod verraten hatte. Doch bis auf die Liebe zu Uma, einer jungen Schwarzen, findet er nichts.

Als der erste Weltkrieg ausbricht, meldet sich Alexis freiwillig bei der englischen Armee. Der Traum vom Paradies scheint endgültig zerstört, als er nach „toten Jahren“ im Krieg in die Heimat zurückkehrt. Dort ist nichts mehr, wie es war, die Familie ist ihm fremd, Uma nicht mehr da, die Suche nach dem Schatz gescheitert. Doch hier tritt die poetische Leistung Le Clézios hervor. Denn anstatt an Verlorenem zu verzweifeln, entdeckt Alexis etwas viel Wertvolleres als das Gold des Korsaren: den eigenen Schatz in sich selbst.

http://www.jokers-buecherboerse.de/app/detail.php?id=612821710&setMediaType=0


06.07.2010, 15.59 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Le Clézio, Goldsucher, Abenteuerroman,

Sorry

Sorry.jpg„Es tut mir leid“ war laut Elton John schon immer einer der schwierigsten Sätze. Wie schwer das Thema „Entschuldigung“ für einen Schriftsteller sein kann, zeigt Zoran Drvenkar mit seinem neuesten Werk „Sorry“. Die spannungsgeladene Geschichte dreht sich um vier Berliner, die mit ihrer Agentur für Entschuldigungen eine lukrative Geschäftsidee verwirklichen. Eines Tages liegt vor den Agenturtüren eine verstümmelte Frauenleiche. Der Auftrag: Die vier Unternehmer sollen sich bei ihr für die schweren Todesqualen entschuldigen.

Nach eigenen Aussagen nahm den Autor die eigene Geschichte so schwer mit, dass er in der Mitte des Buches aufhörte zu schreiben. Stattdessen schob Drvenkar lieber noch zwei Kinderbücher dazwischen. Erst danach nahm er das Entschuldigungshema wieder auf, rasierte sich nicht mehr und schrieb das Werk in vier Monaten zu Ende. Die brillantesten Geschichtenerzähler, wie z. B. auch Umberto Eco oder Rafik Schami, beherrschen meist mehrere höchst unterschiedliche Metiers. Und je mehr Fachgebiete der Autor kennt, desto spannender werden die einzelnen Bücher, meine ich.


05.07.2010, 15.21 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Zoran Drvenkar, Sorry, Entschuldigung, Frauenleiche, Thriller,

Heilkunde für Kritische

Geahnt haben wir es ja schon immer. Aber jetzt gibt es den Nachweis dafür, dass Studien zur Medikamentenwirksamkeit meist vom Finanzgeber abhängen. Eine neue Metastudie fasst deutlich zusammen, dass von Pharmafirmen finanzierte Studien deren Produkte positiver beurteilen als unabhängige Studien.

Nach einer systematischen Suche in der Datenbank PubMed wurden aus dem Zeitraum zwischen 2002 und 2009 insgesamt 57 Publikationen für die Studie ausgewählt. Der erste Teil wurde im Deutschen Ärzteblatt unter http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=74299 veröffentlicht.

Heilkraft aus dem Klostergarten.jpgIch will Sie hier gar nicht mit den Einzelheiten langweilen oder schockieren, denn, wie gesagt: Geahnt haben wir es ja alle schon seit langem, dass auch die Wissenschaft nicht gänzlich unbestechlich ist. Die wichtige Frage ist, wie wir denn mit diesen Ergebnissen umgehen. Solange sich die Richtlinien, unter denen Studien durchgeführt und publiziert werden, nicht ändern, werden wir wohl falsch oder sagen wir interessengeleitet über Medikamente informiert bleiben.

Eine Freundin ist in dieser Hinsicht ganz rigoros: Sie kehrt der Schulmedizin den Rücken und vertraut nur noch auf Homöopathie. Ich selbst bin da weniger homöopathiegläubig, bin ich doch nur allzu dankbar, wenn ich beispielsweise akuten Kopfschmerzen mit einem schnell wirkenden Medikament entgegenwirken kann. Aber trotzdem halte auch ich mich auf dem Laufenden, was die Heilkraft aus der Natur angeht. Zwar kenne ich nicht viele Mittelchen und Kräuter, aber seitdem ich "Heilkraft aus dem Klostergarten" entdeckt habe, steht das reich bebilderte Werk bei mir im Regal. Vielleicht gibt es ja eine pflanzliche Alternative zu manchem Produkt der Chemie.

"Heilkraft aus dem Klostergarten" bei Jokers

Bild Kräuter: Sigrid Rossmann/pixelio.de

30.06.2010, 12.52 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Heilkraft, Homöopathie, Klostergarten, Medikamentenwirkung,

Märchenhaft-magisches Meisterwerk

TimeGypsies_SC_05_kl.jpg"Time of the Gypsies /Zeit der Zigeuner" - das klingt nach überschäumender Lebensfreude und Freiheit. Tatsächlich wird in dem Film des Regisseurs Emir Kusturica viel gelacht, getanzt und geliebt; aber auch getäuscht, betrogen, bestochen, geweint und gestorben - und das sind die Abgründe des vielfach preisgekrönten Meisterwerkes.

Irgendwo im ehemaligen Jugoslawien, in einem abgelegenen Landstrich, lebt eine Gruppe Roma. Sie haben ihr Nomadentum längst aufgegeben und sind sesshaft geworden - in einem slumähnlichen Dorf in ärmlichen Hütten. Der Waise Perhan (Davor Dujmovic), an der Schwelle zum Erwachsenenalter, hat die übersinnlichen Fähigkeiten seiner Großmutter Chaditza (Ljubica Adzovic), bei der er lebt, geerbt. Doch statt wie sie die Gabe für Sinnvolles wie die Krankenheilung zu verwenden, lässt Perhan Besteck die Wände entlang kriechen. Er ist ein bisschen faul und liederlich, hat aber ein gutes Herz und kümmert sich hingebungsvoll um seine kleine Schwester Danira (Elvira Sali) mit dem verkrüppelten Bein, seine Freundin Azra (Sinolicka Trpkova) und seinen Truthahn. Die Liebe seiner Großmutter gibt ihm Geborgenheit, macht ihn aber unselbständig. So ist es nicht verwunderlich, dass Perhan auf den Aufschneider Ahmed (Bora Todorovic) hereinfällt, der eines Tages im Dorf auftaucht: vermeintlich zu Wohlstand gekommen, mit einem großen Wagen, protzigem Schmuck, einer eleganten Frau. Perhan folgt Ahmed ins Land der Träume, nach Italien, wo dieser mit seinen Brüdern von Zuhälterei lebt. Ahmed, der Bandenchef, ist für Perhan Vorbild und Vaterersatz. Der Junge lernt stehlen, betteln, betrügen, um sich und denen, die er liebt, eine goldene Zukunft zu ermöglichen. Zu spät merkt Perhan, dass er selbst der Bestohlene und Betrogene ist. Er fällt in abgrundtiefe Verzweiflung und sinnt auf Rache, die schließlich im Showdown endet.

Emir Kusturicas bildgewaltiges Drama ist eine tragisch-komische Reise voller Wunder und Grausamkeit in eine fremde Welt, in der die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen, eine Liebeserklärung an die Lebenskultur der Roma, magisch, märchenhaft und mörderisch - ein delirierendes Meisterwerk, vorangepeitscht durch die mitreißende Musik von Goran Bregovic und den ewig heulenden Wind, der über die Szenen fegt. Es ist eine Geschichte vom Erwachsenwerden und Dazugehören, von der Einsamkeit und Andersartigkeit, von Liebe, Familie und Heimat. Auf eine seltsame Art wirkt der Film wie aus der Zeit gefallen. Zur Entstehungszeit 1988/89 begann der Untergang Jugoslawiens - der zusammenbrechende Vielvölkerstaat schimmert, obwohl nicht direkt angesprochen, durch die Handlung mit ihrer seltsam surrealen Endzeitstimmung. „Time of the Gypsies“ ist nicht nur ein Film über die Roma – es ist ein Film mit ihnen, sie sind ein Teil davon. Kusturica lebte fast ein Jahr lang im Roma-Dorf Schutka, einem Ghetto in der Nähe von Skopje im heutigen Mazedonien. Dort drehte er auch seinen „Zigeunerfilm“ mit vielen Laiendarstellern.

Die DVD „Time of the Gypsies /Zeit der Zigeuner“ ist ab
02. Juli im Handel erhältlich.

29.06.2010, 13.07 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Gypsies, Jugoslawien, Emir Kusturica, Roma,

Netzkarte

Bahnschiene_klein.jpgIch mag Bücher über Taugenichtse, Flaneure und Hochstapler. Warum? Vielleicht weil diese Herrschaften einfach tun, was sie möchten und nichts darauf geben, was die Gesellschaft von ihnen erwartet. Sie sind lässig und unabhängig, selbstironisch, entspannt und nachdenklich ohne Grübler zu sein. Manchmal suchen sie auch nach dem für sie richtigen Lebensweg.

Angefangen hat meine große Sympathie für Nichtstuer und Schlitzohren mit der Lektüre von Thomas Manns „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ – spritzig, leicht und mit einem faszinierenden Protagonisten, der das Leben liebt. Auch bei Wilhelm Genazino tauchen solche Herren gern auf – komisch, diese Sorte Mensch wird in der Literatur meist von Männern verkörpert. Offensichtlich trauen Autoren eher Männern als Frauen diese liebenswerte Unverfrorenheit zu ...

Netzkarte.jpgEin weiterer Vertreter dieser Spezies taucht bei Sten Nadolny in seinem Roman „Netzkarte“ auf. Er heißt Ole Reuter und begibt sich mit besagter Fahrkarte, die dem Buch den Titel gibt, einen Monat auf die Reise. Kreuz und quer durch Deutschland fährt der junge Mann, lässt sich treiben und mag sich so gar nicht festlegen. Ein windiger Filou ist dieser Ole Reuter aber nicht. Er steht kurz vor seinem Lehramts-Staatsexamen, als er sich zu der Fahrt entschließt. Ein letzter, wenn auch eher zahmer „Ausbruch“, bevor die Berufstätigkeit beginnt? Oder eher eine Suche? Nach Erlebnissen, vielleicht sogar nach sich selbst? Sicher spielt hier all das eine Rolle.

Sten Nadolny gelingt es bravourös, das Nachdenken über das eigene Leben, über Entscheidungen oder Entscheidungsvermeidungen zu schildern. Ein bisschen schimmert in diesem frühen Werk Nadolnys schon das Thema des Lebenstempos hindurch, das dann in seinem späteren Bestseller „Die Entdeckung der Langsamkeit“ zum Hauptmotiv wird. Ein spannendes Buch also, diese „Netzkarte“, und ich empfehle es nicht nur als Zuglektüre!


Bild Schienen: Thorben Wengert/pixelio.de

29.06.2010, 12.35 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Netzkarte, Sten Nadolny, Ausbruch, Zuglektüre,

Golfbälle im All

Satellit_klein.jpgRein äußerlich betrachtet scheint es, als ob zwei überdimensionale Golfbälle unsere Erde umkreisen. Und das schon seit vielen Jahren! Denn es ist bereits acht bzw. 34 Jahre her, dass die Satelliten LAGEOS I und II als Variante der überholten Flaschenpost auf einer stabilen Umlaufbahn um den Globus vagabundieren. Das werden sie auch noch eine Weile tun, wenn nicht vorher eine extraterrestrische Zivilisation die gut 400 Kilo schweren Kapseln mit einem Durchmesser von 60 Zentimeter einfängt. Acht Millionen Jahre haben die LAGEOS-Satelliten noch, bevor sie ihr programmiertes Ende finden. Ihre Aufgabe ist es, die irdische Kontinentalverschiebung auszumessen.

Fast 6.000 Kilometer sind LAGEOS I und II von der Erde entfernt: Sie registrieren die Bewegungen und Stauchungen der Erdkrustenplatten und gehen auch den Ursachen von Vulkanismus und Erdbeben auf den Grund. Die Kugelsonden umrunden den Erdball binnen 225 Minuten einmal.

Außerdem sollen die beiden Satelliten eine Botschaft übermitteln. Auf Stahlplatten sind historische und aktuelle Weltkarten eingeätzt, der Abflug des Satelliten wie auch ein Zukunftsentwurf, wie die Erde beim geplanten Absturz des Satelliten in acht Millionen Jahren aussehen könnte, sind ebenfalls vermerkt. Oder wie der Urkontinent Pangäa aussah.

Ein bisschen crazy, finden Sie nicht? Was sollte das ein außerirdisches Lebewesen interessieren? Nun gut, wer weiß. In der "National Geographic Enzyklopädie Weltall" habe ich die Informationen zu den beiden LAGEOS-Satelliten gelesen. Ein geniales Werk für alle, die sich ein wenig für "Überirdisches" begeistern können.


"National Geographic Enzyklopädie Weltall" bei Jokers

Bild: David R./panthermedia.de

28.06.2010, 12.13 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: National Geographic, Enzyklopädie Weltall, Satelliten, Lageos,

Lob der Leidenschaft

Buch_Herz.jpgSie wissen es, ich weiß es und Stefan Bollmann weiß es auch: Lesen macht glücklich. Wenn man sich im Zug, in der Sofaecke oder sogar im Wartezimmer in ein Buch vertieft, ist man ganz weit weg und vergisst alles um sich herum. Wer die Fähigkeit hat, sich auf eine faszinierende Geschichte, einen gefühlvollen Roman oder einen spannenden Krimi einzulassen, der kann in seinem Kopf mal kurz Urlaub machen und hat damit Nichtlesern etwas voraus. Schließlich ist man bei seiner persönlichen Lese-Auszeit völlig frei und absolut ortsunabhängig.

Der Autor Stefan Bollmann hat aus dieser Einsicht ein kleines Werk gemacht. Es führt uns vor Augen, dass unser Zufriedenheitsgefühl beim Lesen nicht trügt. „Warum Lesen glücklich macht“ heißt das kluge Brevier, in dem er schildert, was beim Lesen das Wohlbefinden auslöst, wie sich unsere Lesegewohnheiten ändern, wie unterschiedlich Männer und Frauen lesen und was das Schöne am Vorlesen ist.

Wir sollten Stefan Bollmanns Analysen vertrauen, denn der Mann ist nicht nur Germanist und somit Fachmann in Sachen Sprache und Literatur, sondern hat auch Philosophie studiert. Das qualifiziert ihn für den geisteswissenschaftlichen und eben philosophischen Hintergrund der Lesepassion. Also nicht, dass das jetzt abschreckend theoretisch klingt: das Buch ist spritzig, humorvoll und unterhaltsam. So wie wir es von Stefan Bollmann schon kennen, denn der hat mit „Frauen, die lesen, sind gefährlich“ bereits zuvor einen Überraschungs-Bestseller gelandet.

Und warum sollte es uns Lesern anders gehen als anderen Passionierten: wir beschäftigen uns gern mit dem, was uns froh macht und lesen gern etwas darüber, warum das so ist. Eine tolle Lektüre für bekennende Buchfreunde! Dass man außerdem noch Jokers-typisch sparen kann, ist da fast Nebensache ...

http://www.jokers.de/3/14911516-1/buch/warum-lesen-gluecklich-macht.html


18.06.2010, 10.14 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Stefan Bollmann, Passion, Lesepassion, Lesen,

Kabbalistik gegen die Krise?

Bei manchen Menschen herrscht zurzeit Weltuntergangsstimmung. Die Ölkatastrophe in den USA, die Kirchenkrise hierzulande, die Angst um den Euro, die Prophezeiungen der Maja, Skandale und Tragödien allenthalben. Gestern meinte meine Frau, als wir die Nachrichten sahen: 2010 ist kein gutes Jahr. Es ist nicht leicht, sich im Moment nicht von düsteren Stimmungen anstecken zu lassen. Da fällt unser Freund Markus ganz aus dem Rahmen. Wir philosophierten mit erhitzten Gemütern über den angeblich schlimmen Lauf der Welt, nur er blickte gelassen in die Runde: „Habt ihr die Kabbala gelesen?“. Sofort verstummten alle, blickten ihn fragend an: Die jüdische Geheimlehre? Nein, keiner von uns wusste mehr von der Kabbala, als dass sie Jahrtausende alt war und etwas mit dem Judentum zu tun hatte.

Da fing Markus an zu erzählen: von Sephiroth, von Lebensbäumen, von Emanationen, von Malkuth und von anderen fremd klingenden Dingen. Keiner verstand ein Wort. Aber er sprach auch von Selbstbewusstsein, von Kraft und von Gnade. Und davon, dass die Kabbala und der christliche Glaube sehr ähnlich seien. Zu Hause schlug ich nach, wovon Markus berichtete. „Empfangen“, „Erhalten“ oder „Annehmen bedeutet das hebräische „Kabbalah“: Adam, Symbol für die Menschheit, soll die Kabbalah durch Raziel, den Erzengel der Weisheit, empfangen haben. Dies geschah, so berichtet die Überlieferung, nach dem Fall aus dem Garten Eden.

Das vom Engel überlieferte Wissen, die geheime Weisheit um die praktische Anwendung von magischen Namen der Kraft sollten Adam als Instrumente dienen. Instrumente, die es dem Menschen möglich machen, wieder in das verlorene Paradies zurück zu finden und auch in der irdischen Welt Zugang zu höheren Welten zu haben.

Seit Jahrtausenden wird die Kabbalah von Mund zu Ohr weitergegeben, und fast so lange stand das so weitergegebene Wissen in keinem Buch. Erst 1900 erschien „Die Kabbala“, die Geheimlehre der jüdischen Mystik, im französischen Original in Paris. Der „Balzac des Okkultismus“, ein damals bedeutender Gelehrter, hielt die theosophischen Annahmen in seinem Werk fest. In der Übersetzung von Prof. Julius Nestler liefert uns „Die Kabbala“ einen Schlüssel zum Verständnis kabbalistischer Theorie und Praxis; sie ist wohl auch als Versuch einer Synthese religiöser Traditionen in Juden- und Christentum zu sehen. Aber ob kabbalistisches Wissen gegen Weltuntergangsstimmungen hilft? Ich weiß nicht, finde das Thema aber zumindest interessant.

http://www.jokers.de/suche/index.html?com=kabbala&search.x=0&search.y=0&f=search.getsearch&tracksearch=true


17.06.2010, 13.44 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kulturgeschichte | Tags: Kabbala, Raziel, Engel, Weisheit, Weltuntergangsstimmung,

Auf der Suche nach einem geglückten Leben

Ein hergelaufener Hund und eine wunderliche russische Aristokratin. Diese beiden bringen das Leben der nicht mehr ganz jungen Johanna komplett durcheinander. Der Hund heißt Bredow, weil Johanna ihn an der gleichnamigen Autobahnauffahrt findet, und sein neues Frauchen liebt ihn innig. Denn er sprudelt vor Lebensfreude und Zuneigung – und das sind genau die Dinge, die Johanna in ihrem Leben zu vermissen beginnt. Seit 30 Jahren ist die Biografienschreiberin mit Achim verheiratet, der sich als Forscher hinter seinen Büchern verschanzt. Beide arbeiten zu Hause, man kennt sich in- und auswendig, die Tage ähneln einander, Bekanntenkreis und Freizeitgestaltung im Berlin der Nachwendezeit bergen kaum Überraschungen. Und so fragt sich Johanna, ob es nicht noch mehr gibt im Leben. So etwas wie Glück.

Nach dem zotteligen Vierbeiner ist es ein russischer Galerist, der diese geheime Sinnsuche Johannas anfeuert; er stellt nämlich den Kontakt zu Natalia Timofejewna her. Die alte Aristokratin ist auf der Suche nach ihrer Jugendfreundin Leonora Carrington, einer schrulligen, etwas verrückten Künstlerin, die in Mexiko lebt. Johanna bekommt das Angebot, die selbstbewusste alte Dame zu begleiten. Und das Erstaunliche ist: Sie tut es tatsächlich, sie geht das Wagnis ein, mit einer ihr fast unbekannten Frau eine zwölfstündige Flugreise ins Ungewisse zu unternehmen. Zurück lässt sie einen zutiefst verunsicherten Ehemann, der ruhelos umherstreift und sich fragt, warum sich seine Frau plötzlich so merkwürdig verhält.

Monika Maron schildert die Gefühlslage des Ehepaares durchweg sensibel und klug. Alles, was sich bereits im Titel ausdrückt, kommt in dem Roman zum Tragen: „Ach Glück“ – das sind Wehmut, Selbstironie, ein Hauch Verbitterung und eine Prise Spott. Der Ausgang, soviel sei verraten, bleibt offen. Das macht nichts, denn um ein Ergebnis kann es in einer solchen Gefühls-Gemengelage nicht gehen. Aber das, worum es geht, die Schilderung der Suche nach einem geglückten Leben, das gelingt Monika Maron in diesem Buch wirklich meisterhaft.

http://www.jokers.de/3/15936359-1/buch/ach-glueck.html


16.06.2010, 13.27 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Belletristik, Monika Maron, Ach Glüc,

Bücher als Strafe?

Wie ich neulich auf Spiegel online las, greift in Fulda ein Jugendrichter zu recht ungewöhnlichen Erziehungsmaßnahmen. Anstatt Sozialarbeit verordnet er jugendlichen Straftätern die Lektüre eines Buches. Je nach Straftat müssen die Jugendlichen ein Buch lesen, das ihnen die Konsequenzen für sich und die Opfer verdeutlicht. Sexualstraftäter müssen z. B. „Kurzer Rock“ von Christina Wahlden lesen. Es geht darin um die Vergewaltigung einer Frau durch zwei junge Männer. Schläger bekommen hingegen „Evil“ von Jan Guillou aufgebrummt.

Wie der Jugendrichter Christoph Mangelsdorf sagt, wirkt die Buchlektüre zum Thema besser als Arbeiten, die mit der eigentlichen Straftat wenig zu tun haben. Die Lektüre scheint die jungen Menschen deutlich mehr zu berühren und Prozesse des Nachdenkens über die Tat in Gang zu setzen. Erschütternd finde ich nur, dass es tatsächlich auch schon Jugendliche gegeben haben soll, die lieber arbeiten wollten als lesen.

Aber vielleicht sollte man die Sache missionarisch sehen. Wenn nur ein paar junge Menschen den Geschmack an Gewalt verloren und dafür an Büchern gewonnen haben, ist die Welt schon ein bisschen schöner und besser geworden.

15.06.2010, 13.12 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Strafe, Jugendrichter, Erziehungsmaßnahmen, Fulda, Sozialarbeit,

Männerdomänen

Vor kurzem stand eine Freundin mit ihrem 1980er-Jahre-Kadett in der Pampa. Nichts ging mehr. Sie rief mich an, ihr zu helfen. Als ungefähre Wegbeschreibung erhielt ich vage Angaben wie „da ist ein LKW-Parkplatz in der Nähe“ und „ein Spargelhäuschen ist auch da“. So dauerte es fast 2 Stunden, bis ich sie gefunden hatte. Sie war bis zu den Ellbogen ölverschmiert und doch strahlte sie vor Freude, als sie mir kundtat, sie hätte die vermeintlichen Fehlerquellen aufgetan.

Super, dachte ich. Ich hätte den ADAC angerufen. Doch da war sie natürlich nicht Mitglied. Ich sah mir die Sache an. Aber helfen konnte ich nicht. Inzwischen war es dunkel. Da kam ihr, dass sie bei ihrer Versicherung einen Schutzbrief abgeschlossen hatte. Ein Glück: Die Versicherung bestätigte meiner Freundin, dass sie tatsächlich stolze Inhaberin eines Schutzbriefes sei. Und es würde auch nur etwa eine Stunde dauern, bis der Abschleppdienst vor Ort wäre.

Nun gut, es dauerte dann doch fast zwei Stunden, bis uns der Service-Wagen im Nirvana fand. Nachdem meine Freundin dem Mechaniker vom Dienst berichtete, dass die Benzinleitung total trocken sei, fragte er: „Haben Sie da auch Benzin drin?“ Eine Frage, die meine Freundin völlig unangebracht fand und sich schmollend zurückzog. Ja, es war genug Benzin im Tank und der Mechaniker stellte bald schon fest, dass der Schaden an der Pumpe und an der Zündspule lag. Der alte Kadett musste abgeschleppt werden.

Meine Freundin beschwerte sich hinterher bitter bei mir: „Glaubst du, dass ein Mann auch gefragt worden wäre, ob er Benzin im Tank hat? Solche dämlichen Fragen bekommen nur wir Frauen gestellt.“ Stimmt, musste ich zugeben. Mit der Gleichberechtigung und Gleichbehandlung ist es auch heute oft gar nicht so weit her, wie man annimmt.

14.06.2010, 12.35 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Gleichberechtigung, Gleichbehandlung, Männerdomänen, Geschlechterverhältn,

Ein Pole, der mir ans Herz gewachsen ist

Gäbe es einen Preis für den kompliziertesten Autorennamen, wäre dieser hier einer meiner Favoriten: Andrzej Szczypiorski. Ausgesprochen klingt der polnische Name wunderbar melodisch, beim Schreiben muss man sich allerdings richtig konzentrieren.

Literarisch ist Szczypiorski einer meiner Favoriten, seitdem ich seinen wohl bekanntesten Titel, „Die schöne Frau Seidenman“ gelesen habe. Was da aus dem Warschau während des Zweiten Weltkriegs geschildert wird, ist nichts weniger als ein ganzes Universum an menschlichen Empfindungen – Feigheit, Mitgefühl, Hass, Wahnsinn und Hoffnung. Viele Einzelschicksale spiegeln sich in der Verhaftung der jüdischen Arztwitwe Irma Seidenman und erzählen dabei Polens wechselvolle Geschichte zu dieser Zeit.

Dass Andrzej Szczypiorski ein philosophischer Chronist und sensibler Beobachter ist, zeigt sich auch in seinem Buch „Der Teufel im Graben“. Hier wirft die Vergangenheit des Krieges erneut Schatten auf das Dasein der handelnden Personen und lässt die Zeiten verschwimmen. In einem Nest in der polnischen Provinz trifft der durchreisende Stanislaw Ruge auf Rostocki, der in diesem Dorf lebt und Ruge für einen ehemaligen Kollaborateur hält. Der Verdächtige wird am folgenden Tag tot auf den Bahngleisen aufgefunden – war es tatsächlich Selbstmord?

Das bei Andrzej Szczypiorski immer wiederkehrende Motiv der Kriegs- und Nachkriegszeit erklärt sich aus seiner Biographie: Er erlebte als Jugendlicher die Besetzung seiner Heimatstadt Warschau durch die Deutschen, zeitweise war er im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Rastlose politische Aktivität kennzeichnete sein ganzes Leben, noch in den neunziger Jahren war er Mitglied des polnischen Parlaments.

Szczypiorskis Todestag jährt sich in diesen Tagen zum zehnten Mal – Grund genug, den polnischen Autor und ein Stück literarisches Europa (wieder)zu entdecken.

http://www.jokers.de/3/14603605-1/buch/der-teufel-im-graben.html

Autoren

Andrzej Szczypiorski, KZ Sachsenhausen, Chronist, polnischer Autor

08.06.2010, 15.09 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Ist Liebe lauter nichts...

Ist Liebe lauter nichts, wie dass sie mich entzündet?
Ist sie dann gleichwohl was, wem ist ihr Tun bewusst?
Ist sie auch recht und gut, wie bringt sie böse Lust?
Ist sie nicht gut, wie dass man Freud aus ihr empfindet?
Lieb ich gar williglich, wie dass ich Schmerzen trage?
Muss ich es tun, was hilft´s, dass ich solch Trauren führ?
Tu ich´s nicht gern, wer ist´s, der es befiehlet mir?
Tu ich´s gern, warum, dass ich mich dann beklage?
Ich wanke wie das Gras, so von den kühlen Winden
Um Vesperzeit bald hin geneiget wird, bald her.
Ich walle wie ein Schiff, das in dem wilden Meer
Von Wellen umgejagt nicht kann zu Rande finden.
Ich weiß nicht was ich will, ich will nicht was ich weiß,
Im Sommer ist mir kalt, im Winter ist mir heiß.

(aus dem Italienischen von Martin Opitz)

Jedes Mal, wenn ich diese Zeilen lese, entsteht vor meinem inneren Auge das Bild jenes einsamen Manns, der im Staub Italiens durch die Provinzen zieht, immer auf der Suche nach Linderung seines Liebesleids. Ja, er wusste, was ein gebrochenes Herz bedeuten kann, er spürte am eigenen Leib, wie schmerzvoll eine unmögliche Liebe sein kann. Sein Leben lang liebte Francesco Petrarca Madonna Laura. Sie war es, die ihn Jahrzehnte lang inspirierte, sie war es, die er nicht vergessen konnte. Doch im 14. Jahrhundert war es unmöglich, dass eine verheirate Frau wie Madonna Laura einen Liebhaber erhören würde.

Der großartige Poet Francesco Petrarca wurde 1304 in Arezzo geboren. 1310 folgte er seinem Vater, einem florentinischen Notar, in die politische Verbannung; zunächst nach Pisa, später nach Avignon. Dort erhielt er Unterricht in Grammatik, Rhetorik und Dialektik. Schließlich nahm er ein Studium der Rechtswissenschaften auf, das er zeitweilig in Bologna und Montpellier fortsetzte; er schloss es jedoch nicht ab. 1326 kehrte er nach Avignon zurück. Es war sein Schicksalsjahr: In Avignon traf er die verheirateten Madonna Laura zum ersten Mal. Ihr widmete er sein berühmtes Werk "Canzoniere", eine Gedichtsammlung, die von nichts anderem als seiner unerfüllten Liebe zu ihr handelt.

Mit dieser neuartigen Form der Liebesdichtung übte Petrarca so großen Einfluss auf die europäische Dichtung des Mittelalters aus, dass diese Stilform nach ihm benannt wurde: der Petrarkismus. Er löste den Minnegesang ab und lebte bis weit in die Neuzeit hinein.

Anno 1337 zog sich der Weitgereiste schließlich nach Vaucluse zurück, um sich nun vollständig seinem Schaffen zu widmen. Petrarcas Werk stellt in der italienischen Literatur den Übergang von einer mittelalterlichen, Dante verpflichteten Tradition zur neuzeitlichen Literatur dar, wobei Italienisch als lyrische Sprache verwendet wird.

Suesses_UebeljpgPetrarca war von großer humanistischer Gesinnung, die vor allem in seinem Werk "Epistulae" deutlich wird. Vollkommen neu ist in diesem Werk auch die erste literarische Naturschilderung: Petrarca beschreibt den Aufstieg auf den Mont Ventoux. Vor vielen Jahren habe ich diese Schilderung einmal gelesen.

1341 führte Rom zur Ehrung Petrarcas die altrömische Tradition der Krönung des "Poeta laurentis" wieder ein, was unter anderem auf das religiös-humanistische Werk "Trionfi", eine allegorisch-didaktische Dichtung, zurückgeht.

1353 schließlich ging Petrarca nach Mailand, um als Diplomat im Dienst der Visconti zu arbeiten. 1368 kehrte er zurück nach Argua, wo er am 18. Juli 1374 starb.

"Süßes Übel, süßes Leid und süße Lust" bringt Ihnen auf klangvolle Weise die zarte Poesie Petrarcas näher: Die Audio-CD zum Dahinschmelzen bietet mit 70 Minuten Laufzeit das Schönste, was uns die Liebeslyrik des 14. Jahrhunderts schenkt.

"Süßes Übel, süßes Leid und süße Lust" bei Jokers

Bild Francesco Petrarca: wikimedia.de

01.06.2010, 13.52 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Petrarca, Liebesleid, Petrarkismus,

Fordern wir das Realistische!

Fordern wir das Realistische!

„Seien wir realistisch: Fordern wir das Unmögliche“. Dieses Zitat stammt von Che Guevara. Der Revolutionär gilt vielen als moderner Robin Hood, schon zu Lebzeiten war der Guerillero eine Legende. Auch heute noch ist er die Vorzeigefigur und das Leitbild vieler Vertreter der Arbeiterbewegung oder auch Anarchisten. Vor allem am 1. Mai schwenken sie seine Fahnen.

Für mich ist der 1. Mai, den wir grad passiert haben, nicht nur ein Feiertag, sondern steht im Zeichen seiner Geschichte. Was für uns heute selbstverständlich ist, nämlich ein 8-Stunden-Arbeitstag, war im Jahre 1884 eine Utopie. In diesem Jahr nämlich forderten die "Föderierten Gewerkschaften und Arbeitervereine der USA und Kanadas", dass ab dem 1.Mai 1886 der Arbeitstag nicht mehr als 8 Stunden betragen sollte. Um diese Forderung zu unterstreichen, traten am 1. Mai 1884 in den USA 340.000 Arbeiter in den Streik, allein in Chicago waren es 40.000. Chicago war einige Tage später der grausige Schauplatz des „Massakers vom Haymarket“, bei dem durch einen von Provokateuren angezettelten Bombenanschlag ein Polizist und in einer folgenden Schießerei sechs Polizisten und mehrere Arbeiter getötet wurden. In einem anschließenden Schauprozess wurden sieben Personen, die sich selbst zu den Anarchisten zählten, zum Tode verurteilt. Diese Tragödie trug dazu bei, dass am 14. Juli 1889 auf dem internationalen Arbeiterkongress in Paris auf Vorschlag der amerikanischen Delegation in Erinnerung an die Opfer von Chicago der 1. Mai zum internationalen Arbeitertag erklärt wurde.

Bis zu unseren heutigen Arbeitsbedingungen war der Weg jedoch noch lang und steinig: Erst 1900 wurde der 10-Stunden-Arbeitstag und die 6-Tage-Woche und in den Jahren 1918/19 der 8-Stunden-Arbeitstag gesetzlich geregelt. 1955/56 wurde in der damaligen Bundesrepublik schrittweise die 5-Tage-Woche eingeführt, 1965 die 40-Stunden-Woche. Seit 1990 dürfen sich einige Angestellte über eine 35-Stunden-Woche freuen.

Was hätte Che Guevara dazu gesagt? Vielleicht: „Seid vor allem immer fähig, jede Ungerechtigkeit gegen jeden Menschen an jedem Ort der Welt im Innersten zu fühlen. Das ist die schönste Eigenschaft eines Revolutionärs.“ Wenn Sie mehr über Ernesto Che Guevara erfahren wollen, lege ich Ihnen unsere beiden Audio-CD „Che Guevara“ nahe. Hier erfahren Sie wirklichkeitsnah und nicht beschönigend viel Wissenswertes aus dem Leben des weltberühmten Kämpfers.


http://www.jokers.de/3/14267857-1/hoerbuch/che-guevara-2-audio-cds.html


Hör-Bar

Che Guevara, 1. Mai, Arbeitertag

13.05.2010, 11.51 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Che Guevara, 1. Mai, Arbeitertag,

Eine ungewöhnliche Freundschaft

Warum müssen so viele Romanen über frustrierte Großstadtsingles um die 30 geschrieben werden? Nicht alle Singles sind frustriert und nicht alle alten Leute haben Alzheimer. Das zeigt Marina Lewycka mit „Das Leben kleben“. Darin trifft die frisch getrennte Georgie Sinclair auf die exzentrische Greisin Mrs. Shapiro. Diese bewohnt mit ihren sieben Katzen ein altes Haus, um das sich trotz mangelnder Hygiene in den Räumen bald alle Immobilienmakler der Stadt reißen. Als die alte Frau schließlich gegen ihren Willen in ein Heim gesperrt werden soll, nimmt Georgie den Kampf gegen Immobilienhaie und unfähige Sozialarbeiterinnen auf.

Unaufgeregt und wunderbar poetisch beschreibt Lewycka die ungewöhnliche Freundschaft der beiden Frauen. Wenn Mrs. Shapiro zum Beispiel im Supermarkt auf Schnäppchenjagd geht und Rentnern die reduzierten Würstchen aus den Fingern reißt oder sich das Katzenpärchen Violetta und Mussorgski vor dem tyrannischen Kater Wonder Boy in seinem heimlichen Liebesnest versteckt, dann ist das wahre Liebe zu den Romanfiguren. Wer Menschen sucht, die nahe an der Hysterie mit dem Älterwerden hadern und manisch dem Liebesglück hinterher jagen, wird hier nicht fündig. Im Gegenteil. Wenn Mrs. Shapiro in ihren Peeptoes mit viel zu grellen Make-up und verrutschtem Lippenstift von ihrer großen Liebe erzählt, fühlt man sich fast schon stolz, selbst bereits einige Jahrzehnte auf dem Buckel zu haben …

12.05.2010, 11.08 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Marina Lewycka, Das Leben kleben, alt werden, Großstadtsingles,

Für alle, die einen Knacks haben

Egal, wie spät es ist, egal, wie früh man am nächsten Morgen aufstehen muss – erst, wenn die letzte Zeile verschlungen ist, legt man gewisse Werke beiseite. So ein Buch war „Der Knacks“ von Roger Willemsen für mich. Dabei kann ich nicht einmal sagen, ob diese Geschichte ein Essay, ein Roman, eine autobiografische Geschichte ist.

Ich denke, es ist eine Erzählung, eine Erzählung, die von den großen und den kleinen Momenten im Leben handelt, von jenen Augenblicken, die, einmal vorbei, die eigene Zukunft gnadenlos auf den Kopf stellen. Zumindest das, was man bis dato von der Zukunft glaubte, von ihr erhoffte. „Der Knacks“ erzählt von großen Brüchen, aber vor allem von der monoton anmutenden Malocherei der Zeit: Nämlich all den unmerklichen, namenlosen Veränderungen, den hauchdünnen Rissen in einer Beziehung, dem Altern von Menschen, von Orten, von Kunstwerken, nicht zu vergessen von der Enttäuschung, den Niederlagen, den Zweifeln… Ja, „der Knacks“ beschreibt, wie unser Leben von einem Moment auf den anderen die Richtung wechselt.

In einem Interview berichtet Roger Willemsen von dem ersten tiefen Knacks, den er selbst bekam. 15 Jahre war der Autor alt, als sein Vater starb. Ausgesehen hat er wie Janis Joplin und musste gerade eine Ehrenrunde in der Schule drehen. Heute ist der 1955 geborene Schriftsteller ein promovierter Alleskönner. Er beendete sein Studium mit dem Doktor über die Ästhetik Robert Musils. Nach Tätigkeiten als Übersetzer und Korrespondent hatte er 1991 seine erste eigene Fernsehsendung bei „Premiere“, anschließend machte er sich mit „Willemsens Woche“, „Nachtkultur mit Willemsen“ und „Willemsens Musikszene“ einen Namen. Er publizierte mehrere Bücher, drehte und produzierte zahlreiche Filme und zeichnete verantwortlich für das EXPO-Projekt „Welcome home. Künstler sehen Deutschland“.

Seine eigenen Erfahrungen spielen sicher in „Der Knacks“ eine bedeutende Rolle, doch immer ist sein Werk so, als ob es dem Leser über die Schulter blickt.

http://www.jokers.de/3/15928911-1/buch/der-knacks.html

11.05.2010, 10.46 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Roger Willemsen, Knacks, Enttäuschung,

Ideale Meereslektüre

Beim Durchstöbern meines Lieblingsbuchladens fällt die Entscheidung meist sehr schnell. Ein Blick auf Klappentext und Buchrücken, schnell die ersten Seiten überflogen und ich weiß, ob ich das Buch brauche oder nicht. Erst neulich wieder fräste ich mich auf diese Art durch eine Reihe von Regalen. Eine um die andere Neuerscheinung legte ich zurück: zu langweilig, Thema schon zehnmal da gewesen, schon gelesen, nicht interessant. Doch dann geschah, worauf ich gehofft hatte. Die Lektüre der ersten Sätze eines bestimmten Buches ergriff mich plötzlich so sehr, dass ich mitgerissen wurde. Bei „Wir Ertrunkenen“ von Carsten Jensen.

„Larudis Madsen war im Himmel gewesen, doch dank seiner Stiefel war er auch wieder heruntergekommen. Er war nicht bis hoch zum Masttopp geflogen, eher so auf die Höhe der Großrahe eines Vollschiffs.“ So beginnt ein wunderschöner Roman über Seefahrer und das Meer, über Träume, Abenteuer und Freiheit, und über Frauen, die sich an der See rächen, die ihnen ihre Männer und Söhne genommen hat. Ein herrlich dicker Schmöker, der mir das Warten auf den nächsten Urlaub versüßt. Ein Urlaub, den ich dieses Jahr ganz sicher wieder am Meer verbringen möchte.

10.05.2010, 10.15 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Carsten Jensen, Wir Ertrunkenen, Neuerscheinung,

Hinter verschlossenen Türen

Was haben Joanne K. Rowling und Simon Beckett gemein? Beide mussten erst einmal viele Klinken putzen, bevor sie mit ihren Büchern erfolgreich wurden. So hatte Simon Beckett mit „Voyeur“ bereits alle wichtigen Verlagshäuser in Großbritannien abgeklappert, bis ihn der Independent-Verlag Allison & Busby entdeckte. Das Erstlingswerk reicht zwar noch nicht ganz an den Thrill seiner späteren Romane um den Forensiker David Hunter, ist aber ebenso leicht lesbar und hält den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in Atem.

Dabei verliebt sich der Schöngeist und Kunsthändler Donald Ramsey in seine jugendliche Assistentin Anna. Doch diese ist mit Marty liiert und lässt sich auch vom attraktiven, aber eitlen Zeppo nicht dazu verführen, Marty zu verlassen. Seine Obsession treibt Ramsey schließlich sogar zu Mord und Totschlag, bis er schließlich bekommt, was er will. Doch das ist etwas völlig anderes, als der Leser vermutet hätte …

Ähnlich wie in „Obsession“ lässt Beckett den Leser wieder aus der Außenseiterperspektive hinter verschlossene Türen blicken. Dabei entdeckt er menschliche Abgründe, die in jedem schlummern könnten. Für mich noch immer der beste „Gruselfaktor“ moderner Literatur.

07.05.2010, 09.53 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Simon Beckett, Obsession, Voyeur,

Am Strand

Florence liebt Edward und Edward liebt Florence. So weit so gut. Dass das Verharren in dieser Ausgangssituation keinen guten Roman ergeben würde, ist unschwer zu erkennen. Da es sich bei Ian McEwans „Am Strand“ aber um einen sehr guten Roman handelt, muss hier also noch etwas kommen. Florence und Edward also, ein frisch verheiratetes junges Paar, verbringen 1962 ihre Flitterwochen im südenglischen Chesil Beach. Die Hochzeitsnacht steht bevor und das Paar läutet den bedeutenden Abend mit einem mehrgängigen Festessen ein.

Die Nerven der beiden sind zum Zerreißen gespannt, aus lauter Nervosität führt man eine belanglose Smalltalk-Konversation, schließlich steht die erste körperliche Annäherung der unerfahrenen Eheleute an – Anfang der 60er Jahre im prüden England durchaus die Regel.

Während Edward die Intimität kaum erwarten kann, kämpft Florence jedoch gegen Widerwillen, ja regelrechten Ekel an. Für sie ist allein die Vorstellung, sich ihrem Mann körperlich zu nähern, ein Alptraum. Das ganze Unterfangen endet folgerichtig in einem Desaster und der raschen Trennung des Paares. Und all das tragischerweise, obwohl sich die Eheleute aufrichtig lieben und Edward auch als alter Mann seine damalige Ehefrau nicht vergessen kann. Eine traurige Geschichte, aber faszinierend und brillant erzählt.

Wie in seinen anderen Werken, etwa „Abbitte“ oder „Saturday“, schafft es McEwan, eine ganz persönliche Geschichte zu schildern und damit gleichzeitig den Zeitgeist einer Epoche einzufangen. Und genau das ist zweifellos Ian McEwans große Kunst, denn viele seiner Bücher wurden erfolgreich verfilmt und Literaturpreise gab es für den britischen Schriftsteller schon zuhauf.

Britisches Understatement herrscht bei uns natürlich, was den Preis des Buches angeht. Aber ganz ohne Understatement sage ich Ihnen: dieses Buch ist großartig!

http://www.jokers.de/3/13875690-1/buch/am-strand.html

30.04.2010, 11.24 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: McEwan, Am Strand, Flitterwochen, Desaster,

Enfant terrible

Mal wieder hat es eine Klassiker-Neuverfilmung ins Kino geschafft: „Das Bildnis des Dorian Gray“, Oscar Wildes großer – und übrigens einziger – Roman, ist derzeit in den Lichtspielhäusern zu sehen. Ben Barnes gibt den jungen Mann, der im London Ende des 19. Jahrhunderts sein Leben völlig dem schönen Schein widmet und statt seiner selbst sein Bild altern lässt. Eine faszinierende Geschichte!

Als der ebenso reiche wie gutaussehende Dorian Gray das Porträt, das der Maler Basil Hallward von ihm angefertigt hat, sieht, wünscht er sich, niemals zu altern. Sein Wunsch, stattdessen mögen die Spuren seines Lebens nur auf seinem Abbild zu entdecken sein, erfüllt sich. Von dem Dandy Lord Henry Wotton wird der noch unverdorbene Jüngling zu einem Leben voller Genuss verführt. Es ist ausschweifend und voller Reize, aber da es auch voller Herzlosigkeit und ohne Moral ist, nimmt das Porträt des schönen Dorian bald unverkennbar scharfe Züge an. Der junge Aristokrat nämlich schreckt vor nichts mehr zurück, verliert alle moralischen Schranken und führt über zwanzig Jahre lang ein rücksichtsloses Leben in Saus und Braus. Sein Bildnis wird in dieser Zeit immer scheußlicher – und zwar so sehr, dass er es schließlich wegen seiner Hässlichkeit verstecken muss. Am Ende bereut Dorian Gray zwar den teuflischen Pakt, auf den er sich eingelassen hat, doch es ist bereits zu spät ...

Der Ire Oscar Wilde, der das Buch 1890 verfasste, war ein bunter Vogel, das enfant terrible des prüden viktorianischen England. Kein Wunder also, dass er in seinem Roman die Dekadenz der britischen Oberschicht mit größter Scharfsichtigkeit porträtiert. „Das Bildnis des Dorian Gray“galt bei seinem Erscheinen als überaus anrüchig und unmoralisch. Wildes Zeitgenossen wussten das Buch, heute ein Klassiker der Weltliteratur, noch nicht wirklich zu schätzen.
Aber Sie wissen es sicher zu schätzen, dass wir dieses hervorragende Buch nicht nur im Angebot haben, sondern auch noch in hochwertiger Ausstattung und zu einem fast skandalös niedrigen Preis.

http://www.jokers.de/3/15851875-1/buch/das-bildnis-des-dorian-gray.html

27.04.2010, 15.10 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Dorian Gray, Oscar Wilde, London, Bild,

Ein Kater im xten Frühling

Vom Kater auf die Katzenherde gekommen ist meine Freundin Susanne. Nach drei Jahren harmonischen Zusammenlebens mit dem betagten Stubentiger begann dieser nach Vollendung seines 19. Katzenjahres müde zu werden. Doch sein Frauchen ertrug den Gedanken nicht, auf ihren lieb gewonnen Wohnungsgenossen verzichten zu müssen. So ging sie schnurstracks ins Tierheim und holte noch zwei zehnjährige Wohnungskatzen ins Haus. Diese sollten, so der Plan, den Lebensabend des alten Herrn versüßen und wenn möglich verlängern.

Doch selbst „Das große Felidae-Katzenbuch“ von Akif Pirincci, „Nero Corleone“ von Elke Heidenreich, „Schmitz´ Katze“ von Ralf Schmitz oder „Die Katze, die rückwärts lesen konnte“ von Lilian Jackson Braun hatten Susanne nicht auf das Pelztheater vorbereiten können, das nun folgte.

Denn die neue Bewohnerin „Blacky“ ist zwar lieb und anhänglich. Allerdings auch nicht kastriert. Den gesetzten Herrn bringt das völlig aus dem Häuschen. Halbblind, stocktaub und zeugungsunfähig sollte er eigentlich längst über den Dingen stehen. Doch die jüngeren Katzendamen bescheren ihm den dritten Frühling. Trotz schmerzender Hüfte und kurzem Atem jagt er die Damen über Kratzbaum, Polstersessel, Näpfe und Teppiche und besteigt sogar die Höhen des Bücherregals wieder. Blacky und Lucy freut das nicht immer. Und so erwartet Susanne jeden Morgen eine neue Überraschung in Form von umgestürzten Wäscheständern, zerpflückten Büchern, hier und da einem Häufchen Erbrochenem.
Der Kater allerdings, der noch zwei Monate dem Leben zuvor dem Leben Ade zu sagen schien, lebt jetzt seinen xten Frühling aus. Susanne dagegen ist in ihrer Not kurz davor, selbst ein Katzenbuch zu schreiben. Quasi als Ka(ter)tharsis zum Katzentheater um sie herum.

Bücher rund um Katzen

http://www.jokers.de/suche/index.html?com=katzen&f=search.getsearch&tracksearch=true&search.x=0&search.y=0




26.04.2010, 20.55 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln | Tags: Katzen, Dritter Frühling, Katzenbuch,

Tiger Team

Am  06. Mai ist es endlich soweit: Das großartige Detektiv-Trio kommt in die Kinos! Seit langem schon sind die Kinder-Krimis von Thomas Brezina Bestseller unter den Jugend-Büchern: Sie wurden in 26 Sprachen übersetzt und verkauften sich bis heute mehr als 20 Millionen Mal! Vor allem in China ist das Tiger Team der absolute Favorit bei den jungen Lesern – die drei Kinder-Detektive haben dort weitaus mehr Fans als Harry Potter! Kein Wunder, denn die drei Freunde Patrick, Biggi und Luk sind keineswegs nur mutige Helden – im Gegenteil, sie sind manchmal genau so feige, stur und naschsüchtig wie jedes andere Kind auch.
In dem neuen Kino-Highlight führt eine besondere Herausforderung die Kids bis ins ferne China. Zeit haben sie genug, denn es sind Ferien – aber die Rettung der Menschen drängt! Denn die dämonische Q (verkörpert von einer überzeugenden Iris Berben) will sich des sagenumwobenen Zauberelexiers bemächtigen, das ihr Unsterblichkeit und Unbesiegbarkeit verleihen würde. Auf der Jagd nach den legendären Schätzen, die tief im Mondscheinpalast im Berg der 1000 Drachen verborgen liegen, muss das Tiger Team zahlreiche Gefahren überwinden. Und das nur, weil die Drei auf einen mysteriösen Drachen-Schlüssel gestoßen sind und einem uralten chinesischen Mythos auf die Spur kommen wollten…

Thomas Brezina, der erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautor, ist einer der phantasiereichsten Gegenwartschriftsteller mit einem Faible für das Außergewöhnliche: Der gebürtige Wiener sammelt beispielsweise leidenschaftlich Uhren – ein besonderes Exemplar seiner Sammlung zeichnet sich dadurch aus, dass sie rückwärts läuft! Wichtige und witzige Details zu dem sympathischen Mann, von seiner Schuhgröße bis zu seinem Lieblingsbuch als Kind, finden sich unter http://www.thomasbrezina.com.

Nehmen Sie jetzt an unserem Jokers Kinogewinnspiel teil! Es gibt jeweils 3 x das Buch zum Film und ein Filmposter zu gewinnen.

Sie brauchen nur folgende Frage zu beantworten:

Wen spielt Iris Berben in „Tiger Team“?

-    Biggi
-    Q
-    Luk

26.04.2010, 11.30 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Tiger Team, Kinofilm, Gewinnspiel, Thomas Brezina, Detektive,

Pippa Lee

Als „die Tochter oder der Sohn von ...“ kategorisiert zu werden, nervt nicht nur Autoren, Schauspieler und Künstler. Aber wenn der Vater so prominent ist wie der Dramatiker Arthur Miller, tue ich das jetzt auch einmal: Die Autorin, deren Buch ich lobe, ist die Tochter des Pulitzer-Preisträgers, der nicht nur mit seinem Stück „Tod eines Handlungsreisenden“ weltberühmt wurde, sondern auch als Ehemann von Marilyn Monroe.

Aus einer späteren Ehe stammt Rebecca. Sie war zunächst Schauspielerin, Regisseurin und Künstlerin, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte. Die Frau hat etwas zu sagen. Ihren Roman „Pippa Lee“ habe ich jedenfalls genossen. Denn die Protagonistin ist ganz schön schräg. Inzwischen eine verheiratete Frau in gesetztem Alter, erfährt man in Rückblenden von allerlei Exzessen in ihrer Jugend – und einen Funken von Wildheit hat sich Pippa Lee offensichtlich bewahrt. Immer auf der Suche nach dem großen Glück und ihren Träumen, fragt sie sich, ob sie tatsächlich im gewünschten Leben gelandet ist.

Als sie sich dabei ertappt, wie sie morgens um zwei Uhr, halb im Schlaf, Kartoffeln kauft und anschließend ihren Wagen samt Schüssel vor der Spätverkaufsstelle stehenlässt, fragt sie sich, ob mit ihrem Leben noch alles in Ordnung ist. Ist es natürlich nicht!

Hinzu kommt, dass ihr Mann sie betrügt und kurz nach der Trennung an einem Schlaganfall stirbt. Pippa erkennt, dass sie nun ihr Leben ändern muss. Die Devise lautet: Jetzt oder nie. Das ist auch ein gutes Motto bei Jokers. „Jetzt zugreifen“ heißt die Devise für Sie, denn „Pippa Lee“ ist richtig gute zeitgenössische amerikanische Literatur zu einem Spitzen-Preis!

http://www.jokers.de/3/15593059-2/buch/pippa-lee.html





23.04.2010, 20.47 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Arthur Miller, Rebecca Miller, Pippa Lee,

Reisen bildet

14 Tage durch Namibia reisen ich könnte mir Schlimmeres vorstellen. Fremde Kulturen sehen, Tiere beobachten und nachts unter einem Sternenhimmel schlafen, wie man ihn sich im lichtverschmutzten Europa nicht zu träumen wagt. Dass aber aus einem vermeintlichen »Traumurlaub« ein Alptraum werden kann, in dem deutsche Touristen zum Volltrottel werden, Pärchen an den Rand der Verzweiflung getrieben und auch noch Erdmännchen getötet werden, zeigt »Hummeldumm«, der neue Roman von Tommy Jaud.

Darin unternimmt Matze Klein zusammen mit seiner Freundin Sina in einer Reisegruppe mit sieben weiteren Touristen einen »Touri-Trip« durch Namibia. Ähnlich wie in »Vollidiot« wird der Großstädter dabei von Alltagsproblemen wie mangelhaftem Handyempfang, ungeduldigen Immobilienmaklern und Eifersucht gebeutelt. Wer schon einmal eine Pauschalreise im Bus durch ein fremdes Land unternommen hat, findet sich bei Jaud bestätigt. Für alle anderen, die schon immer wussten, dass sie sich in großen Reisegruppen nie wohl fühlen werden, ist das Buch eine nette Bestätigung der eigenen Vorurteile. Ein bisschen Schadenfreude muss auch mal sein.

22.04.2010, 13.13 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Namibia, hummeldumm, Tommy Jaud, Reisegruppen, Vorurteile,

Warum Rentner nie Zeit haben

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Manchmal bleibt einem nur übrig, Dinge zur Kenntnis zu nehmen: Zum Beispiel, dass in weniger als 9 Monaten Weihnachten schon wieder vorbei ist. Dass wieder einmal ein Jahr an mir vorbei gerauscht ist, ohne dass ich es wirklich merkte. Dass meine Nichte nun schon bald von der Unter- in die Mittelstufe wechselt, obwohl es mir so vorkommt, als ob sie erst gestern eingeschult worden wäre.

Geht es Ihnen auch so? Früher war ein Jahr wie eine Ewigkeit, alleine die Sommerferien glichen einem nicht endenden Jahrzehnt… Und heute? Wir schreiben das Jahr 2010, ich erinnere mich aber genau, wie wir alle dem Jahrtausendwechsel schon Jahre zuvor entgegenfieberten.

So ist das mit dem Älterwerden, und die Theorien zum subjektiven Zeitempfinden sind zahlreich: Meine Lieblingsthese ist diese: Je älter wir werden, desto schneller scheint die Zeit zu vergehen. Alleine deswegen, weil wir doch schon einige Erinnerungen und Erfahrungen mehr haben als Kinder – unser Gehirn vergleicht angeblich stets die bereits gelebte Zeit mit eben jener Zeitspanne, die uns gerade bewusst ist. Nehmen wir mal an, Sie sind 45 Jahre alt: Was sind denn schon 12 Monate zu den 540 bereits gelebten Monaten? Treiben Sie das Spiel ruhig weiter und rechnen Sie mal nach, wie viele Wochen, wie viele Tage schon auf Ihr Lebenszeitkonto gehen… Wahrlich: Was sind da schon 24 Stunden?

Nur manchmal wird es mir richtig deutlich, dass ich keine 20 mehr bin: Dann nämlich, wenn ich 20-Jährige sehe und von ihnen als „Kinder“ denke. So jung sehen sie aus, so kindlich verhalten sie sich… Ich in ihren Augen bin hingegen wohl ein Greis, genau so, wie uns früher alle über 30 vorkamen…

Was heißt hier alt?“ von Lo von Gienanth ist eines meiner derzeitigen Lieblingsbücher. Der Untertitel „Anstiftung zum Eigensinn“ spricht für sich und bedarf keiner weiteren Erläuterungen.

Ach, lieber Leser, Älterwerden kann so amüsant sein!

21.04.2010, 10.10 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Lo von Gienanth, Alter,

ARTHUR UND DIE MINIMOYS 2

arthur_minimoys2.jpg2006 lockte er mit der rasanten Mischung aus Spielfilm und Computeranimation zahlreiche Zuschauer ins Kino: Luc Besson begeisterte nicht nur Kinder, sondern auch ihre Eltern und großen Geschwister mit den wahnwitzigen Abenteuern des Jungen Arthur in "Arthur und die Minimoys".
Wer bis heute nicht weiß, was Minimoys sind, kann sich mit dem zweiten Teil des gewaltigen Fantasy-Epos auf das Laufende bringen: Endlich erscheint der Film, über den alle reden, auf DVD! Ende 2009 zog die Fortsetzung um den Kampf zwischen Gut (die Minimoys, die als winzige Lebewesen den Garten von Arthurs Großmutter bevölkern) und Böse (allen voran der böse M, dem sich Arthur auch nun wieder eine gehörige Schlacht liefert) wieder alle Zuschauer in ihren Bann. Und das nicht nur, weil in der deutschen Synchronisation der Held Arthur von "Tokio Hotel"-Frontmann Bill Kaulitz gesprochen wird.
arthur_minimoys1.jpgWeshalb der Name Arthur für unseren Helden so passend ist, sei an dieser Stelle schon einmal verraten: Genau wie König Arthur lange, lange vor ihm konnte auch unser kleiner Junge ein Schwert aus einem Stein ziehen… Und da steckt es nun, bis Arthur in Teil 2 der Saga ins Land der Minimoys wiederkehrt…
Natürlich ist auch Prinzessin Selenia wieder mit von der Partie: Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu, als Arthur ein eiliger Hilferuf erreicht - geschrieben auf einem Reiskorn. Ihm ist natürlich schnell klar, dass der von den Minimoys kommen muss! Arthur begibt sich auf die gefährliche Reise. Kopfüber landet er in Max Bar. Sofort muss er sich mit den Truppen von Kröb, dem neuen Tyrannen der Sieben Königreiche, anlegen, um seinen Freund Beta zu befreien. Als die beiden schließlich im Dorf der Minimoys ankommen, ist Selenia verschwunden. Dahinter kann nur einer stecken: der böse M, der einen finsteren Plan schmiedet... Ob es Arthur und seinen tapferen Mannschaft auch dieses Mal gelingt, gegen das Böse zu siegen? Wird ihm Prinzessin Selenia vielleicht sogar einen zweiten Kuss schenken?
2 Stunden können sich alle Fantasy- und Animationsfreunde an „Arthur und die Minimoys“ auf DVD erfreuen – das umfangreiche Bonusmaterial auf der Scheibe tut ein Übriges, dass dieses Package bei allen „Arthur“-Fans heiß begehrt ist!

Bei Jokers haben Sie die Chance auf diesen tollen Gewinn:

arthur_minimoys3.jpgGewinnfrage:
In welcher Band ist der deutsche Synchronisationssprecher von Arthur Sänger?

a)    Hotel California
b)    Tokio Hotel

Jokers verlost 3 Merchandisingpakete, jeweils bestehend aus: DVD, Hörbuch zum 1.Teil und ein Filmposter.

Schicken Sie die Lösung bitte an jokersrestseller@jokers.de mit dem Betreff "Minimoys".

Teilnahmeschluss ist der 07. Mai 2010.

19.04.2010, 10.16 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Gewinnspiel, DVD, Computeranimation, Kinder, Fantasy,

Die Habenichtse

»Die Habenichtse« das klingt wahrhaftig nicht nach einem Kompliment. Und das soll es auch nicht sein. Wenn Buchpreis-Gewinnerin Katharina Hacker mit der Generation der Mitt- und Enddreißiger abrechnet, dann wird deutlich, dass hier niemand gebauchpinselt wird. Im Gegenteil. Die Hauptpersonen des Romans, Isabelle und Jakob, sind ebenso rastlos wie ratlos, wenn es um die Gestaltung ihres eigenen Lebens geht. Sie sind gebildet, wohlhabend und doch nicht mit sich im reinen. Als frischverheiratetes Paar gehen sie nach London Jakob ist Anwalt, Isabelle Grafikerin und erwarten, dass sich dadurch viele Türen öffnen, sie das Leben irgendwie mitreißt. Stattdessen erleben sie merkwürdige Dinge in der fremden Nachbarschaft und fühlen immer stärkere Entfremdung statt mehr Nähe. Das Viertel, in dem das Paar lebt, ist kein schicker Stadtteil, sondern ein Ort, der etwas latent Gewalttätiges ausstrahlt. Aber selbst das lässt die Protagonisten seltsam unberührt. Manchmal möchte man die beiden am liebsten an den Schultern packen und rufen: »Aufwachen! Lebt doch endlich mal euer Leben, statt nur so distanziert herumzustehen!« Nein, diese emotionalen Habenichtse kommen bei Katharina Hacker nicht gut weg, an ihnen perlt alles ab, was sie tatsächlich berühren könnte.

Dass die beiden sich am 11. September 2001 nach einer früheren Verabredung wiedertreffen, ist hier ein geglückter Kunstgriff, denn bei dieser medial erlebten Katastrophe kann man so gut einen auf betroffen machen, ohne selbst wirklich involviert zu sein. Und genau diese Distanz in allen Lebenslagen passt zu Isabelle und Jakob als typische Vertreter ihrer Generation. Als Leser allerdings muss man damit klarkommen, dass einem die Hauptpersonen so gar nicht ans Herz wachsen wollen. Aber dafür bekommt man einen klugen, wachen, sprachlich ausgefeilten Roman, der am Puls der Zeit und absolut lesenswert ist.

Die Habenichtse zum Jokerspreis

HYPERLINK "http://www.jokers.de/3/13664534-1/buch/die-habenichtse.html"

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16.04.2010, 12.07 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Habenichtse, Katharina Hacker , 11. September, Entfremdung,

Träumereien

als_haett_der_himmel.jpgEs ist Frühling, das ist keine Neuigkeit. Ich würde es auch ohne meine Frau bemerken. Aber mit meiner Frau ist es bedeutend einfacher mitzukriegen, dass es an der Zeit wird, die dicken Jacken und Schals auf dem Dachboden verschwinden zu lassen. Und das liegt keineswegs nur daran, dass sie nun wieder beginnt, sich luftiger zu kleiden.
Nein, den Frühling merke ich bei uns zuhause vor allem daran, dass meine Frau trällernd durch die Zimmer schwebt, Blumen kunstvoll in Vasen arrangiert, abends mit großen Augen auf dem Balkon steht, um den Vollmond zu bewundern – und dass sie sich ein neues Hobby sucht. Alle Jahre wieder.
Ja, Frühling ist Zeit für den Neubeginn, für den Aufbruch, für das Anstrengen neuer Unterfangen. Und er läutet eben auch die Phase ein, in der meine Frau nach einem frischen Zeitvertreib sucht.
Seltsame Tätigkeiten wurden da im Laufe der Zeit schon ausprobiert – ich verstehe immer noch nicht, weshalb sie unbedingt den Schweißerkurs machen musste oder weshalb das Seminar in Wünschelrutengehen nötig war, aber sei´s drum – diese Saison hat sie tatsächlich etwas in meinen Augen sehr Schönes aufgetan: Sie kombiniert nun nämlich ihre Leidenschaft für Poesie mit der Aquarellmalerei.

Ein Beispiel: Sie liebt seit jeher die „Perle der Perlen“, wie Thomas Mann die „Mondnacht“ von Joseph von Eichendorff nannte: Und mit diesen Klängen im Ohr schwingt sie ihren Pinsel, so dass er wie von selbst über das Papier tanzt, und bringt ihre Emotionen, die Eichendorffs Verse in ihr wachrufen, so zum Ausdruck. Traumhaft!

Mondnacht
Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.
 
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
 
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Für alle, die nicht ganz so begabt mit dem Pinsel sind, haben wir ein wunderschönes Büchlein im Programm: „Als hätt der Himmel die Erde still geküsst“ heißt der Geschenkband, in dem die schönsten Gedichte Eichendorffs von zauberhaften Fotoimpressionen begleitet werden.

16.04.2010, 10.08 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Gedichte, Hobby, Eichendorff,

Deutsch brachte Twain zum Schwitzen

Wenn Sie wissen, wer Samuel Langhorne Clemens ist, können Sie sich gleich bei »Wer wird Millionär« anmelden. Dass sich hinter diesem Namen der weltberühmte Autor Mark Twain verbirgt, weiß wirklich nicht jeder.

Dieser Tage ist der 100. Todestag des amerikanischen Schriftstellers, der mit seinen Geschichten über Tom Sawyer und Huckleberry Finn aus keinem Kinderzimmer-Buchregal wegzudenken ist.

Was für die Mädchen Pippi Langstrumpf ist, sind für die Jungs die beiden kleinen Abenteurer vom Mississippi: frech, wild und ganz weit weg von jeglicher Autoritätshörigkeit Kinder müssen sie einfach lieben! Weniger bekannt ist, dass der Amerikaner Mark Twain als ruheloser Weltenbummler in seinem Leben viel in Europa unterwegs war und darüber den faszinierenden und humorvollen Bericht »Bummel durch Europa« verfasst hat. Auf mehreren Reisen entdeckte er die »Alte Welt« und hielt sich auch lange in Deutschland auf. Besonders gut gefielen ihm Heidelberg und Berlin, wo er jeweils einige Monate verbrachte.
Twain versuchte sogar sehr eifrig Deutsch zu lernen mit bescheidenem Erfolg, wie er selbst glaubte. Denn die deutsche Sprache habe so viele Fallstricke, dass ein Ausländer niemals in der Lage sein werde, eine deutsche Zeitung zu lesen und zu verstehen. »Die schreckliche deutsche Sprache« heißt daher auch das Buch, in dem er sich mit dem Deutschen und seinen Absonderlichkeiten befasst.

Für uns Muttersprachler ein großes Vergnügen, wenn der Amerikaner sich etwa über die typische Teilung von Verben auslässt, die der Deutsche so schön in seinen Sätzen versteckt, dass der Deutschlernende sie nur mit größter Konzentration finden und zu einem sinnvollen Ganzen zusammenfügen kann. So von außen betrachtet wirkt unsere Sprache wirklich höchst kompliziert ... Allein die zusammengesetzten Wörter wie »Wiederherstellungsbestrebungen« lassen Twain ins Schwitzen geraten und bei den verschiedenen Endungen der Fälle ist dann schließlich der Ofen aus. Und zwar so sehr, dass er für die Abschaffung des Dativs plädiert Bastian Sick, bitte weghören! Aber Mark Twain gibt freimütig zu, dass das Deutsche für die Bereiche Natur, Zuhause und Gemütlichkeit besonders schöne Worte bereithält und richtig gut klingt. Na, immerhin!

Tipp: Mark Twain bei Jokers

15.04.2010, 16.17 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Mark Twain, Europa, deutsche Sprache, 100. Todestag,

Schöne neue Spielewelt

So schnell kann´s gehen: Aus einem vermeintlich langweiligen Computerspiel, das mir eine Freundin vor einigen Monaten schenkte, wird auf einmal ein literarisch wertvolles Studienobjekt. Und das nur, weil mein belesener Freund Elmar mal wieder mehr wusste als ich. Bei seinem letzten Besuch fand er das Spiel auf meinem Tisch und meinte: »Ich wusste gar nicht, dass du daddelst.« Dieser Begriff war mir neu, drum wusste ich nur zu erwidern: »Ach das Computerspiel? Das hat mir eine Freundin geschenkt.« »Guter Geschmack. Das basiert ja auf dem Buch `Der Hexer´von Andrzej Sapkowski .« Und schon war ich hellhörig.

Computerspiele sind gut, um aufgestaute Aggressionen abzubauen und basieren auf der Erfindungsgabe von Teenagern. So hatte ich bis dato geglaubt. Dass aber plötzlich ein polnischer Fantasy-Autor hinter einem Computer-Spiel steht, war ein völlig neuer Aspekt für mich. Zwar hatte ich von ihm noch nichts gelesen, erfuhr aber jetzt, dass Sapkowski gern slawische Mythen und Märchen thematisiert. Der Hexer Geralt ist eine seiner bekanntesten Figuren. In einer Art Episodenroman reist er als Monsterjäger durch eine Fantasiewelt voller Märchenfiguren der Gebrüder Grimm und Hans Christian Andersens. Dass auch Computerspiele Bücher weiterentwickeln und neu erfahrbar machen, finde ich klasse. Eine Romanverfilmung macht das Gelesene zwar lebendig, aber nicht direkt erfahrbar. Ein Computerspiel hingegen lässt den »Leser« die Geschichte selbst erleben und durchspielen. Das erschließt ungeahnte Möglichkeiten: Welche wunderbaren Werke man als Computerspiel aufbereiten könnte! Ich dachte gleich an »Schiffbruch mit Tiger« von Yann Martel, »Krieg und Frieden« von Tolstoi oder »Narziss und Goldmund« von Hermann Hesse.

14.04.2010, 15.37 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Poesie | Tags: Andrzej Sapkowski, Der Hexer, Computerspiele,

Spiel mit mir!

Jeder Elternteil oder geplagte Verwandte kennt die leicht trotzig herausgebrachte Aufforderung: „Spiel mit mir!“. Manchmal klingt dieser kleine Satz so gar nicht nach Bitte, sondern kommt einem Befehl gleich. Und es ist ja nur richtig: Denn wie oft bekommen Kinder die tollsten Spiele geschenkt, ohne dass jedoch irgendein Spielgefährte da wäre, der mit ihnen das neueste „Spiel des Jahres“ bis zum Exzess spielen würde?! Ich zähle mich ja auch zu den Spiele-Muffeln: Spätestens nach der 2. Runde „Mau Mau“ geht mir eindeutig die Lust aus.
Deshalb habe ich den Osterhasen dieses Jahr auch bestochen: Schokolade will man als braver und gesundheitsbewusster Onkel ja nicht unbedingt in Massen schenken, aber was sonst? Es ist ja Ostern und der Hase kann nicht so schwer wie das Christkind tragen…
Und so stöberte ich in unserem Programm, bis mir eine zündende Idee kam: Spannung, Spiel und Schokolade mal ganz anders!
Und so wartete heuer etwas im Osternest auf meine kleine Nichte, was nicht so schnell verdaut wie der obligatorische Schokoladenhase ist. „Wo kommt die Schokolade her?“ heißt das Quizz-Buch, das sogar uns Erwachsene manchmal ins Grübeln bringt.
Denn bei Weitem nicht alle der 75 Fragen, die die Autorin Friederike Wilhelmi in ihrem quietschvergnügten Buch zusammenträgt, sind kinderleicht zu beantworten: So wird zum Beispiel nach der Bedeutung von Redensarten („Warum sagt man ‚toi, toi toi'?“), nach Erfindungen („Wer erfand die Turnschuhe/den Klettverschluss/Coca-Cola/Cornflakes…“) und nach naturwissenschaftlichen Themen („Welcher Planet ist der heißeste in unserem Sonnensystem?“, „Wo liegt der tiefste See?“) gefragt – aber es gibt immer 3 Antworten zur Auswahl! Die wissbegierigen Rätselfreunde sollen die richtige aussuchen, auf der Rückseite wird dann die Lösung noch einmal ausführlich erläutert. Doch die „falschen“ Antworten sind nicht leicht herauszufinden: Denn es sind intelligente Lügengeschichten, stimmige Halbwahrheiten oder manchmal auch nur lustiger Quatsch, was manchmal durchaus nach einer plausiblen Antwort klingt …

Und dieses Mal war es doch tatsächlich so, dass ich ständig meine Nichte mit „Spiel mit mir!“ nervte – denn bis man alle 75 Fragen durch hat, nun, das dauert schon einige Zeit …

13.04.2010, 10.01 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kinder und Jugend | Tags: raten, Quiz, Kinder,

Liebe ist …

…wenn man von seinem Angebeteten eine Musikkassette mit selbst aufgenommenen Liedern bekommt. So ähnlich kicherte letztens eine Freundin, Miriam ist ihr Name, als wir in geselliger Runde zusammen saßen und in Erinnerungen schwelgten: Sie war nämlich frisch verliebt, die Gute, „wie ein Teenager“, stellte sie selbst fest. Tja, und früher war das halt so: Wenn der Andere auch etwas für einen empfand, konnte es schon mal geschehen, dass er den ganzen Freitag Abend vor dem Radio verbrachte, um bei der Hitparade die Songs aufzunehmen, die seiner Ansicht nach seine Gefühle am besten widerspiegelten. Je nachdem, was für ein Bursche er war, mischte sich dann unter „Dreams are my reality“ auch mal ein „Rebell Yell“ oder ein „Wild Boys“ – alles Lieder der tiefsten 80er Jahre eben.
Meistens hielt die kleine Jugend-Romanze sowieso nicht so lange, wenn man Miriam glaubt, es waren eben schnell lebige Zeiten. Und so manche Liebeskummer gequälte Göre versuchte sich dann mit keinem anderen Lied als den „Sad Songs“ von Elton John zu trösten – wir schrieben immer noch Mitte der 1980er.
Die Zeiten ändern sich. Der, von dem sie kürzlich noch eine selbst gebrannte Audio-CD mit echt abgefahrenen Soundtracks bekam, wobei die sagenhafte CD allerdings im MP3-Format war, was wiederum ihr Player nicht lesen konnte, also jener übriggebliebene Romantiker teilte ihr mit, dass er eigentlich schon seit langem vergeben ist. Und was tat Miriam?
Nein, sie suchte nicht ihre alten Elton John Platten raus, denn einen Plattenspieler besitzt sie, wie die meisten Mitmenschen heutzutage, nicht mehr. Stattdessen kramte sie ihre seit Jahren verstaubende Wandergitarre hervor, und schnappte sich ein Heft mit Seltenheitswert: Das „Songbook Elton John“ nämlich. 14 seiner Tophits sind hier für Gitarre, Keyboard oder auch Gesang genauestens aufgeführt. So genau, dass Miriam tatsächlich „Don´t go breaking my heart“ auswendig lernte, auf Gitarre und singenderweise. Und eben dieses Stück gab sie nun im Anschluss an ihre Schwelgereien in besseren Zeiten, als sie noch Kassetten statt CDs bekam, zum Besten.
Ich kann nur sagen. Das Songbuch ist toll, aber letztendlich hängt es vom Interpreten ab, wie gut die Lieder rüber kommen …

13.04.2010, 09.54 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln | Tags: Musik, Elton John, CD, MP3,

Leser sind Meinungsführer

Langendorfs Dienst, ein Wirtschaftsinfo-Dienst speziell für die Buchbranche, zitierte kürzlich eine Umfrage unter 25.000 Menschen, die herausfand: Menschen, die sich als Meinungsführer empfinden, sind bessere Buch- und Hörbuchkäufer als solche Menschen, die sich ihre Meinung lieber von anderen führen lassen.

Das überrascht mich in keiner Weise. Leser, so meine ich, sind immer unabhängiger als Nicht-Leser. Denn Leser lernen selbst zu denken, sich Urteile zu bilden, nicht der Masse hinterherzulaufen. Leser sind schwieriger zu manipulieren als Nicht-Leser, weil sie sich im Laufe der Jahre viele Informationen angeeignet haben, über die andere nicht verfügen und die sie untereinander in Korrelation setzen können.

Lesen ist nämlich etwas anderes als fernsehen oder im Netz surfen. Es ist eine andere Art der Informationsverarbeitung, ich würde sagen: eine gründlichere. Und deshalb speichert das Gehirn erlesene Informationen auch anders ab als Infos, an denen ich vorbeisurfe oder die mir vom Fernsehen in die Augen gefeuert werden, ohne dass ich genügend Zeit habe, sie zu verarbeiten.

Es hat sich gezeigt, dass eine Person desto mehr zum Lesen neigt, je stärker ihre Meinungsführerschaft ausgeprägt ist. Wenn das keine Motivation zum Lesen ist!

31.03.2010, 15.47 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Meinungsführerschaft, Lesen, Buchkauf,

Makroaufnahmen vom Leben

makroaufnahmen_leben.jpgUnbekannte Welten – das klingt nach Raumschiff Enterprise und der Entdeckung seltsamer Aliens. Unser eigener Körper erscheint uns im Großen und Ganzen doch recht bekannt. Wer jedoch ein Buch von Lennart Nilsson aufschlägt, wird eines besseren belehrt. Der Wissenschaftsfotograf hat ganz fremd anmutende, fantastische Gebilde eingefangen, die doch alle zu unserem Körper gehören.

Lennart Nilssons Buch „Ein Kind entsteht“ gehört zu den großen Sachbuch- Klassikern. Ein Weltbestseller, den fast jeder heute erwachsene Mensch kennt.

Unter dem Titel „Leben“ hat der berühmte Fotograf erneut ein Werk vorgelegt, das seinesgleichen sucht: Makroaufnahmen der menschlichen Entwicklung vor der Geburt ebenso wie die Darstellung von Viren und Bakterien lassen den Betrachter staunen über die anmutige und faszinierende Welt in uns.

Wissenschaft trifft Kunst: Blutkörperchen und Killerzellen, Nervenfasern und Hormone, all diese mit dem bloßen Auge nicht erkennbaren Bausteine des Körpers fängt Nilsson mit einem hochmodernen Rasterelektronenmikroskop ein und lässt die dabei entstehenden Bilder einfach für sich selbst sprechen – so kann der Betrachter ungestört in die beeindruckende Schönheit der Fotos eintauchen.

Der schwedische Fotograf gilt als Pionier der mikroskopischen Aufnahmen des menschlichen Körpers und ist mehrfacher Ehrendoktor. Wer sich den Bildband „Leben“ ansieht, weiß warum: so atemberaubend kann kein anderer die Geschehnisse in unserem Körper darstellen.

Und natürlich wären wir nicht Jokers, wenn wir bei diesem spannenden Buch nicht auch einen fantastischen Preis zu bieten hätten ...

30.03.2010, 15.41 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Lennart Nilsson, Wissenschaftsfotograf, Bausteine des Körpers,

Eine weniger bekannte Seite von Precht

kosmonauten.jpg"Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?" Das ist einfach ein genialer Titel, das muss man Autor und Verlag lassen. Gefragt haben wir uns das doch schon alle mal zu dem einen oder anderen Zeitpunkt. Mit dieser scharfsinnigen Frage, hinter der sich ein Bestseller verbirgt, überraschte uns vor drei Jahren der Autor Richard David Precht. Da er nicht nur gut schreiben kann, sondern darüber hinaus ausgesprochen telegen ist, kann man ihn häufig in Talkshows erleben. Dort äußert sich Precht nicht nur druckreif über philosophische Fragen, sondern auch zu Zwischenmenschlichem. „Liebe: Ein unordentliches Gefühl“ ist ein weiterer erfolgreicher Titel des Autors aus Solingen.

Dass sich der promovierte Germanist auch im belletristischen Bereich mit diesem Thema beschäftigt, ist nicht ganz so bekannt – vielleicht weil seine Sachbücher mit ihrer Popularität und Verkaufsstärke alles überstrahlen. Jedenfalls hat Richard David Precht mit „Die Kosmonauten“ eine veritable Liebesgeschichte geschrieben.

Sie spielt zu Beginn der neunziger Jahre in Berlin, wo die Wiedervereinigung mit ihrer ganzen Aufregung und der brodelnden Aufbruchstimmung eine prima Kulisse für die Geschichte zweier Frischverliebter abgibt. Georg und Rosalie sind Ende zwanzig und lernen sich in Köln kennen. Es zieht sie jedoch aus dem Westen der Republik ins pulsierende Nachwende-Berlin, das mehr Bohème, mehr Zeitgeist verspricht. In der Hauptstadt stürzen sie sich mitten hinein ins Leben, treffen auf Künstler, Nachtschwärmer und allerlei wunderliche Gestalten. Ein Leben wie im Rausch. Doch plötzlich stellen Georg und Rosalie fest, dass ihnen das Gefühl füreinander abhanden gekommen ist.

Großstadtroman und Liebesgeschichte in einem, von einem der derzeit angesagtesten deutschen Autoren und das Ganze zum portemonnaiefreundlichen Taschenbuchpreis – was will man mehr?

29.03.2010, 15.34 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Richard David Precht, Die Kosmonauten, Liebesroman, Nach-Wendezeit,

Thema Veränderung

veraenderung_meistern.jpg"Sich beobachten heißt sich verändern...", sagte der französische Philosoph und Schriftsteller Émile-Auguste Chartier. Unter dem Pseudonym Alain verfasste er unzählige Aphorismen und aphoristische Essays, den so genannten Propos. Wöchentlich gab er seine „Libres Propos“ heraus, auch andere Magazine veröffentlichte er.

Am 3. März 1868 wurde er in Mortagne-au-Perche geboren; am 2. Juni 1951 starb er in Le Vésinet. Seine Texte drehten sich immer wieder um politische Themen. Als Pazifist mit leicht anarchistischen Zügen drückte er sein Misstrauen gegenüber den Mächtigen öfter in seinen Essays aus.

Sich beobachten heißt sich verändern… Oft habe ich mit Freunden über den philosophischen Hintergrund dieses Satzes diskutiert. Ist es nicht so, dass die meisten Menschen Veränderung eher als gefährlich oder bedrohlich empfinden? Auch ich selbst muss das zugeben. Auch sich selbst zu verändern, wer macht das gern? Lieber verharren die meisten Menschen in Stagnation. Sicherheit aufgeben? Nie und nimmer. Ich nehme mich da nicht aus. Schon Seneca, der altrömische Philosoph und Dichter, fasste seine Ansicht so zusammen: „O wie gut erginge es manchen Menschen, wenn sie einmal aus ihrem Geleise herauskämen.” Aber anscheinend ist nur lebendig, wer sich wirklich wandelt. Ganz drastisch formulierte es Richard Wagner: „Wandel und Wechsel liebt, wer lebt.”

Veränderung meistern“ ist der Titel der MP3-CD, die fünf Vorträge während eines Retreats in Leuk / Schweiz, 2005 umfasst. Die Original-Referate des Psychologen und Therapeuten Chuck Spezzano sind auf Englisch mit anschließender Übersetzung. Als Bestsellerautor, Seminarleiter und spiritueller Wegbegleiter hat sich Spezzano weltweit einen Namen gemacht.

28.03.2010, 15.17 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Veränderung, Wandel, Émile-Auguste Chartier,

Ach, du dickes Ei!

dickes_ei_cd.jpgKaum zu glauben: Bald ist Ostern. Vor kurzem noch schimpften wir über meterhohen Schnee, die ersten Frühlingsstürme zogen schon über unsere Lande hinweg und einige haben sich schon ihren ersten Sonnenbrand des Jahres in der noch zaudernden Frühjahrssonne geholt. Für mich läutet immer Ostern den Frühling ein. Dieses Jahr fällt Ostern zwar sehr früh auf Anfang April, aber auch diesmal werde ich das Osterfest als meinen persönlichen Frühlingsbeginn begehen.

Und mit der Wärme der Sonne traut sich auch die Heiterkeit wieder hinter dem Ofen hervor, wo sie während der langen Wintermonate Zuflucht suchte. Es ist die Zeit der Freude, der Fröhlichkeit, des Witzes, des Charmes. Ringelnatz, der Meister der Heiterkeit, hat Ostern ein eigenes Gedicht gewidmet.

Ostergedicht

Wenn die Schokolade keimt,
wenn nach langem Druck bei Dichterlingen
Glockenklingen sich auf Lenzeschwingen
endlich reimt,
und der Osterhase hinten auch schon presst,
dann kommt bald das Osterfest.

Und wenn wirklich dann mit Glockenklingen
Ostern naht auf Lenzesschwingen, -
dann mit jenen Dichterlingen
und mit deren jugendlichen Bräuten
draußen schwelgen mit berauschten Händen –
ach, das denk ich mir entsetzlich,
außerdem - unter Umständen –
ungesetzlich.

Aber morgens auf dem Frühstückstische
fünf, sechs, sieben flaumweich gelbe frische
Eier. Und dann ganz hineingekniet!
Ha! Da spürt man, wie die Frühlingwärme
durch geheime Gänge und Gedärme
in die Zukunft zieht,
und wie dankbar wir für solchen Segen
sein müssen.
Ach, ich könnte alle Hennen küssen,
die so langgezogene Kugeln legen.

Auch unsere Audio-CD „Ach, du dickes Ei“ steht ganz im Zeichen von Ostern. Kecke und übermütige Texte laden alle Hörer ein, sich einfach nur zu freuen. Über Ostern, über den Frühling, über die Sonne…

27.03.2010, 15.35 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Osterei, Ostern, Frühling, Freude,

Très bon!

maigret_cote.jpgWaren Sie schon einmal in Belgien? Das kleine Königreich steht ja immer ein wenig im Schatten seiner „großen Schwester“ Frankreich. Dabei hat das Land einen ganz eigenen Reiz. Wer schon einmal in Lüttich war und vielleicht den legendären Flohmarkt direkt am Ufer der Maas besucht hat, weiß, was ich meine.

Es gibt in Belgien tatsächlich nicht nur die – jedenfalls für mich – besten Pommes Frites der Welt, sondern auch den Charme hübsch verfallener Häuser, großartige Backwaren, witzige Comics und natürlich einen der populärsten Krimiautoren überhaupt. Georges Simenon stammt aus Lüttich. Seinen Kommissar Maigret kennt man auch als nicht eingefleischter Krimi-Enthusiast. Und wenn man eine Vorliebe für Krimis hat, dann gehört Maigret in die gleiche Liga wie Wallander oder Kommissar Beck: Wir kennen seine Vorlieben (etwa Bier trinken und Pfeife rauchen) und haben ihn einfach in unser Herz geschlossen.

Seine Fälle löst der Pariser Kommissar meist in Mantel und Hut gewandet, sein Büro am Quai des Orfèvres, dem tatsächlichen Sitz der französischen Kriminalpolizei, teilt er sich mit Inspektor Lucas. Zuweilen ziehen ihn seine Fälle aber aus der Hauptstadt in andere Landesteile Frankreichs. Zum Beispiel an die Côte d’ Azur wie in „Maigret und die Keller des Majestic“. Der Fall einer ermordeten Amerikanerin führt den Kommissar nach Cannes in ein großes Hotel. Die Beschreibung der dortigen Hierarchien und der Abläufe hinter den Hotelkulissen sind brillant.

Für die Ermittlungen in „Maigret und der Spitzel“ wird der Polizist mitten in der Nacht aus seinem wohlverdienten Schlaf gerissen, um den Mörder eines Restaurantbesitzers dingfest zu machen.

Zwei mitreißende Fälle in einem Band, mit französischem Flair und einem gewohnt knurrigen Ermittler. Mehr braucht der Krimi-Fan nicht, um die Nacht durchzulesen. Das Ganze mit dem guten Gefühl, so viel Unterhaltung für einen so attraktiven Preis zu bekommen: Das ist einfach très bon!

27.03.2010, 15.08 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Belgien, Lüttich, Georges Simenon, Kommissar Maigret,

Ein alternder „Everyman“

RothWie Sie vielleicht wissen, habe ich etwas übrig für Bücher im Original. Deswegen scheue ich mich auch nicht, Ihnen mal ein Reclam-Buch ans Herz zu legen. Der Verlag möge mir verzeihen, aber diese Reihe gehört optisch sicherlich nicht zum Schönsten, was Buchgestaltung angeht. Dafür ist der Preis meist unschlagbar. Und der Inhalt ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. So auch bei „Everyman“ von Philip Roth. Dieser Roman über das Altern gehört für mich zum Besten, was ich gelesen habe.

Man weiß nie so recht, ob man ihn mögen oder hassen soll, den namenlosen Mann, dessen Beerdigung am Beginn des Romans steht. In der Rückblende erzählt Roth das Leben des Werbefachmanns, der drei Ehefrauen, drei Kinder und diverse Geliebte hatte. Zu seiner Tochter aus zweiter Ehe hat er ein recht gutes Verhältnis, doch die beiden Söhne aus erster Ehe verachten ihn. Beruflich war er eine zeitlang ganz weit oben. Aber er muss sich eingestehen, dass sein Privatleben kein großer Wurf war: zu viele oberflächliche Liebschaften, erfolglose Ehen, wenig Beziehung zu den Kindern, später Krankheit und Verfall. Komischerweise begegnet dieser einsame amerikanische „Everyman“, der in einem Seniorendorf in New Jersey lebt, all dem mit einer gewissen stoischen Ruhe und – trotz allem – erhobenem Kopf.

Seit Jahrhunderten gibt es dieses Motiv des alten Mannes, der sich mit dem Tod auseinandersetzen muss, in der Literatur. Bereits in mittelalterlichen Moralitätenspielen taucht er auf und noch heute ist „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal jedes Jahr bei den Salzburger Festspielen vertreten. Es geht also etwas Faszinierendes von diesem Thema aus: Ein alternder Mensch denkt über sein vergangenes Leben nach, über wahre und falsche Freunde, Laster und Freuden, Glück und verpasste Gelegenheiten.

Philip Roth versteht es, diese alte Thematik noch einmal packend neu zu erzählen. Sein Scharfblick und sein großes schriftstellerisches Können machen ein Erlebnis daraus, und Ihre Englischpraxis wird es Ihnen danken ...


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

26.03.2010, 16.19 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Englische Bücher | Tags: Philip Roth, Everyman, Jedermann, Hugo von Hofmannsthal,

Raritäten

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Das Schreiben stirbt, tönt es immer wieder aus den Reihen von Zeitgenossen: Wer schreibt denn heute noch Briefe? Ja, da haben sie wohl recht: Außerhalb der Geschäftskorrespondenz schreiben tatsächlich nur noch wenige Menschen Briefe. Vielleicht mal eine Karte zu Weihnachten oder zum Geburtstag, aber auch hier sind E-Mails oder SMS deutlich im Vormarsch.

Ja, aber sind denn E-Mails keine Briefe? Gut, sie sind nicht mehr per Hand auf Papier niedergeschrieben, aber sie ähneln doch dem, was Briefe früher waren: Mittel zu dem Zweck, dem Empfänger eine Botschaft zu übermitteln – oder ihm auch einfach nur zu zeigen, dass man an ihn denkt.

Ich sehe es ähnlich, und eigentlich bin ich froh, dass ich nicht mehr allzu viele handgeschriebene Briefe erhalte. Wer schreibt denn heute noch leserlich genug, dass es eine Freude wäre, die Zeilen zu lesen? Über Mails freue ich mich jedoch immer. Die Leserlichkeit ist gewährleistet und Rechtschreibkorrekturprogramme sorgen dafür, dass auch der Orthografie Genüge getan wird.

Einen Nachteil hat das Ganze jedoch: Alles Digitale ist mehr als vergänglich. Wer hebt schon Mails auf, wer legt sie ab, wer liest sie nach Jahren noch einmal? Das war früher anders: Gott sei Dank, sage ich, gab es zu Schillers Zeiten noch keine Computer. Dann hätten wir heute nämlich nicht das Vergnügen, seine zahlreichen Briefwechsel mit großen Persönlichkeiten wie Goethe, Lotte v. Lengefeld und Caroline v. Beulwitz, Gottfried Körner oder Georg Göschen und anderen nachverfolgen zu können. Und da würde uns wirklich etwas entgehen. Über 2.200 Briefe verfasste Schiller!

Ein Brief an Goethe zum Beispiel lautet so – achten Sie auf die wunderbare, ausgefeilte Wortwahl, auf die eloquenten Formulierungen:

Hochwohlgeborner Herr,
Hochzuverehrender Herr Geheimer Rath!

Beiliegendes Blatt enthält den Wunsch einer Sie unbegrenzt hochschätzenden Gesellschaft, die Zeitschrift, von der die Rede ist, mit Ihren Beiträgen zu beehren, über deren Rang und Werth nur Eine Stimme unter uns sein kann. Der Entschluß Euer Hochwohlgeboren, diese Unternehmung durch Ihren Beitritt zu unterstützen, wird für den glücklichen Erfolg derselben entscheidend sein, und mit größter Bereitwilligkeit unterwerfen wir uns allen Bedingungen, unter welchen Sie uns denselben zusagen wollen.

Hier in Jena haben sich die HH. Fichte, Woltmann und von Humboldt zur Herausgabe dieser Zeitschrift mit mir vereinigt, und da, einer nothwendigen Einrichtung gemäß, über alle einlaufenden Manuscripte die Urtheile eines engern Ausschusses eingeholt werden sollen, so würden Ew. Hochwohlgeboren uns unendlich verpflichten, wenn Sie erlauben wollten, daß Ihnen zu Zeiten eins der eingesandten Manuscripte dürfte zur Beurtheilung vorgelegt werden. Je größer und näher der Antheil ist, dessen Sie unsre Unternehmung würdigen, desto mehr wird der Werth derselben bei demjenigen Publicum steigen, dessen Beifall uns der wichtigste ist. Hochachtungsvoll verharre ich

Euer Hochwohlgeboren gehorsamster Diener und aufrichtigster Verehrer
Jena 13. Juni 1794
F. Schiller.

Als Rarität bieten wir Ihnen einige wenige Exemplare des Werkes „Schöne Briefe“ an: Eine besondere Auswahl von Schillers Briefen wird in dieser luxuriösen und bibliophilen Ausgabe in Faksimiles und Transkriptionen mit Erläuterungen vorgestellt. Ein echtes Fundstück für alle Literaturbegeisterten!

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

22.03.2010, 17.18 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Schöne Briefe, Schiller, Briefkultur,

Harry heißt jetzt Percy

Wer einmal süchtig war, kennt das Problem sicher: Kaum ist die geliebte Serie oder Buchreihe zu Ende, muss ganz schnell etwas Neues her. Am besten eine neue Serie, die möglichst an der alten anschließt. Im Fernsehen konnte man dieses Phänomen an den „Desperate Housewifes“ als Nachfolger von „Sex and the city“ beobachten. Doch was für Damen um die 30 gilt, trifft Kinder mindestens genauso. So reihen sich derzeit einige Titel im Bücherregal, um die Leere zu füllen, die nach dem Harry-Potter-Ende entstanden war.

Hoch im Trend steht immer noch die zuckersüße Vampir-Romanze von Stephenie Meyer, deren Ende noch lange nicht absehbar ist. Für Fantasy-Fans produziert der Jungautor Christopher Paolini die „Eragon“-Saga. Doch am nächsten dran am legendären Erfolg der Joanne K. Rowling scheinen Rick Riordan und seine Romane um den jungen Halbgott Percy Jackson. Band Eins kam vor wenigen Tagen erst unter dem Titel „Percy Jackson – Diebe im Olymp“ in deutsche Kinos und läuft seitdem ungebrochen erfolgreich.

Als alten Skeptiker verblüffen mich solche Phänomene immer wieder aufs Neue. Denn vom Buchcover her und über den überraschten Spross übermenschlicher Eltern, der auf eine Schule für „Half-Blood“ (Halbblüter) geht, bis hin zum bösartigen Stiefvater sind sich die Geschichten zum Verwechseln ähnlich. Was bei Rowling Zauberer, Hexen und magische Wesen waren, sind bei Jackson griechische Gottheiten. Natürlich muss auch Percy erst seine besonderen Fähigkeiten entdecken und zu bändigen lernen, um schließlich zusammen mit seinen Freunden einen weltbewegenden Kampf gegen das Böse zu führen.

Eines muss man Rick Riordan allerdings lassen: Er unterrichtete 15 Jahre lang amerikanische Schüler in Geschichte und ist ein Spezialist auf dem Gebiet griechischer Historie. So bieten seine Geschichten nicht nur Action und Unterhaltung. Dank detailreicher Kenntnisse können seine Fans auch noch einiges über Zeus, Athene und Co. lernen. Und das Beste: Im Anhang seiner Bücher findet sich ein Glossar mit Quellenangaben, wo es weitere Informationen zum Thema gibt.


21.03.2010, 17.08 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kinder und Jugend | Tags: Rick Riordan, Joanne K. Rowling, Percy Jackson, Halbgott,

Das Verlangen nach Liebe

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Der Valentinstag ist vorbei, der romantische Monat Mai liegt noch in weiter Ferne. Umso wichtiger erscheint es mir, Ihnen in der Zwischenzeit mit ein wenig Literatur zum Thema Liebe die Zeit zu verkürzen. Der absolute Experte in Sachen Liebe ist für mich ein Mann. Das ist insofern bemerkenswert, als man gewöhnlich Frauen auf diesem Gebiet für sachkundiger und verständiger hält.
Aber mit dem vielsagenden Titel „Die große Liebe“ hat sich Hanns-Josef Ortheil bei mir einen sicheren Platz auf dem Gebiet der unkitschigen, sülzfreien, einfach nur tiefromantischen Liebes-Literatur erkämpft. Vielleicht liegt es auch ein wenig daran, dass ich seit geraumer Zeit einen Lesetipp meiner Bekannten Ruth befolge und im Urlaub nun immer Bücher lese, die in meinem aktuellen Urlaubsland spielen. Ich habe das Buch in Italien gelesen. Die Handlung des Titels findet an der Adria statt und lebt davon, dass die Liebe einfach einmal gelingt. Das hat man in Büchern ja sonst nicht so oft, denn unglücklich Liebende sind mit ihren Seelenqualen nun einmal literarisch meist interessanter.
Auch Ortheils Nachfolge-Roman „Das Verlangen nach Liebe“ ist, soviel sei verraten, nichts für Schwarzseher: Nach achtzehn Jahren treffen sich Kunsthistorikerin Judith und Konzertpianist Johannes, früher ein Paar, zufällig in Zürich wieder. Man verabredet sich nun beinahe täglich, berichtet aus seinem Leben, lotet aus, was erneut möglich sein könnte – die alte Anziehung erflammt erneut. Und nein, am Ende erfolgt keine Katastrophe.
Das tut uns Lesern, die wir verzweifelt und unerwidert Liebende in der Literatur so viel häufiger erleben, doch auch mal gut! Wie schön, dass es das Ganze ebenfalls als Hörbuch gibt, so kann man „Das Verlangen nach Liebe“ ganz unmittelbar erleben.
Dass das Hörbuch außerdem ein geradezu unverschämtes Jokers-Schnäppchen ist, traue ich mich fast nicht zu sagen, das klingt so unromantisch ...

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

20.03.2010, 17.07 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Hanns-Josef Ortheil, Liebe, Hörbuch,

Ein Autor, der in seinen Bann zieht

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Zu den großen Freuden jedes Buchfreundes gehört die (Wieder-)Entdeckung eines Autors. Zum Beispiel diejenige Sándor Márais, der vor gut zehn Jahren durch die Veröffentlichung seines Romans „Die Glut“ erneut beim Lesepublikum präsent wurde. Zwar gehörte Márai bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts zu den wichtigen Autoren seiner Heimat Ungarn, doch geriet er nach seiner Emigration für lange Zeit in Vergessenheit.

Zum Glück für uns Lesehungrige, die wir immer auf der Suche nach neuen Erlebnissen sind, sind die Werke Márais (der übrigens eigentlich Grosschmid hieß) seit Ende der neunziger Jahre wieder auf dem Markt.

Sie eröffnen uns eine Welt, die längst versunken ist, eine Welt der altmodisch-mondänen Hotels, der monokeltragenden Herren und der Damen, die mit Sonnenschirm zum Nachmittagstee flanieren. Hinter dieser großbürgerlichen Fassade des alten Europa lauern bei Sándor Márai aber immer die menschlichen Abgründe, die die Menschen gnadenlos umtreiben, ihnen den Frieden rauben und sie nicht selten ins Verderben ziehen.

Im Roman „Die Fremde“ ist der Autor radikaler als sonst. Der alternde Professor Viktor Askenasi verlässt Frau und Kind und stürzt sich in eine oberflächliche Affäre mit einer Tänzerin. Doch auch dadurch findet er keinen Seelenfrieden, es bleibt eine stets flackernde Unruhe. An der dalmatinischen Küste versucht Askenasi auf Anraten seiner Freunde, durch einen allein verbrachten Urlaub wieder zu sich selbst zu finden. Wie dies gründlich misslingt und schließlich in einer sinnlosen Katastrophe endet, das ist, so komisch das klingt, wunderbar zu lesen. Márai beschreibt den Strudel, in den sein Held gerät, so plastisch, dass man ganz hautnah miterlebt, wie er langsam jegliches Maß verliert und unaufhaltsam in einen unheilvollen Wahn gerät.

Ein faszinierendes Buch und – falls Sie den ungarischen Autor noch nicht kennen – ein perfekter Einstieg in sein Werk. Denn ich prophezeie Ihnen: wenn Sie einmal angefangen haben, werden Sie mehr davon lesen wollen.

In unserer Auswahl von Sándor Márai stöbern.

19.03.2010, 16.56 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Sándor Márai, Askenasi, Die Fremde,

Mein Ideal-Castorp

Der ZauberbergEine Traumbesetzung! Christoph Eichhorn als Hans Castorp in der Verfilmung des Thomas-Mann-Romans „Der Zauberberg“. Noch nie hat meine Vorstellung vom Aussehen einer Romanfigur so perfekt zu der Filmfigur gepasst wie in der Verfilmung von Hans W. Geißendörfer.

Meist muss ich bei einer Buchverfilmung erst ein wenig warm werden mit den fremden Personen auf der Leinwand, die jemanden darstellen, der mir im Laufe des Lesens mit einem bestimmten Bild ans Herz gewachsen ist – zumal wenn das Werk von so epochaler Länge ist wie „Der Zauberberg“ mit seinen fast tausend Seiten.

Hier jedoch war das nicht so – Eichhorn, der Schauspieler mit dem eleganten, leicht blasierten Gesichtsausdruck und der schmalsten Nase, die ich kenne, ist mein Ideal-Castorp. Genau so habe ich mir den Hamburger Patriziersohn vorgestellt, der in einem Schweizer Sanatorium statt wie geplant einige Wochen sieben Jahre verbringt, sich dort verliebt und ausdauernde philosophische Diskussionen führt. Er hält sich in dieser wie zeitlos wirkenden, morbiden Welt übrigens auf ohne selbst krank zu sein.

Hans Castorp ist Held eines Bildungsromans, der gleichzeitig den Geist der gesamten Epoche vor dem Ersten Weltkrieg zeichnet. All das in der typisch Mannschen Manier der kunstvollen Schachtelsätze und intellektuellen Reflexionen, der genauen Milieuschilderung und detailverliebten Ausschmückung.

Wer sich dafür begeistern kann, wird auch die 1981 entstandene Verfilmung des Werkes lieben – sie hat den Deutschen Filmpreis erhalten und das zu Recht. Die leicht makabre Stimmung von Krankheit gemischt mit trotziger Lebensfreude, Eleganz und Pracht, die verschiedenen Charaktere der Sanatoriumsbesucher, all das setzt Geißendörfers Film meisterhaft um. Das ist Unterhaltung vom Feinsten! Also: zugreifen, denn diese DVD gehört in jeden gut sortierten Haushalt und unser Preis ist einfach unschlagbar!


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

19.03.2010, 08.41 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Christoph Eichhorn, Hans Castorp, Thomas Mann, Der Zauberberg, Verfilmung,

Tucholsky war nicht nur politisch

Den meisten seiner Texte merkt man seine zerrissene Seele kaum an. Und doch beging Kurt Tucholsky 1935 im schwedischen Exil Selbstmord. Er spaltete die Meinungen der Leser wie kaum ein anderer nicht nur zu Lebzeiten während der Weimarer Republik, sondern weit über seinen Tod hinaus. Wer kennt nicht seinen Ausspruch „Soldaten sind Mörder“? Das Zitat stammt aus Tucholskys Werk Der bewachte Kriegsschauplatz:

Tucholsky„Der Feldgendarm wachte darüber, dass vorn richtig gestorben wurde. Für viele war das gar nicht nötig. Die Hammel trappelten mit der Herde mit, meist wussten sie gar keine Wege und Möglichkeiten, um nach hinten zu kommen, und was hätten sie da auch tun sollen! Sie wären ja doch geklappt worden, und dann: Untersuchungshaft, Kriegsgericht, Zuchthaus, oder, das schlimmste von allem: Strafkompanie. [...] Manche Nationen jagten ihre Zwangsabonnenten auch mit den Maschinengewehren in die Maschinengewehre. So kämpften sie. Da gab es vier Jahre lang ganze Quadratmeilen Landes, auf denen war der Mord obligatorisch, während er eine halbe Stunde davon entfernt ebenso streng verboten war. Sagte ich: Mord? Natürlich Mord. Soldaten sind Mörder.“

Doch Kurt Tucholsky war keineswegs „nur“ ein politischer Journalist. Viele seiner Werke sind geprägt von seinem speziellen Humor, der oft die herrschenden Gesellschaftsverhältnisse kommentiert. Doch auch der Mensch als Individuum bekommt wie der Mensch als Herdentier immer wieder auf ironisch-bezaubernde Weise sein Fett ab. Ganz besonders hat es mir sein Frühlingsgedicht angetan:

Das Lenzsymptom zeigt sich zuerst beim Hunde,
dann im Kalender und dann in der Luft,
und endlich hüllt auch Fräulein Adelgunde
sich in die frisch gewaschene Frühlingskluft.

Ach ja, der Mensch! Was will er nur vom Lenze?
Ist er denn nicht das ganze Jahr in Brunst?
Doch seine Triebe kennen keine Grenze –
dies Uhrwerk hat der liebe Gott verhunzt.

Der Vorgang ist in jedem Jahr derselbe:
Man schwelgt, wo man nur züchtig beten sollt,
und man zerdrückt dem Heiligtum das gelbe
geblümte Kleid – ja, hat das Gott gewollt?

Die ganze Fauna treibt es immer wieder:
Da ist ein Spitz und eine Pudelmaid,
die feine Dame senkt die Augenlider,
der Arbeitsmann hingegen scheint voll Neid.

Durch rau Gebrüll lässt sich das Paar nicht stören,
ein Fußtritt trifft den armen Romeo
mich deucht, hier sollten zwei sich nicht gehören...
Und das geht alle, alle Jahre so.

Komm, Mutter, reich mir meine Mandoline,
stell mir den Kaffee auf den Küchentritt.
Schon dröhnt mein Bass: Sabine, bine, bine ...
Was will man tun? Man macht es schließlich mit.

Selbstverständlich haben wir einen ganzen Fundus an Werken von Kurt Tucholsky in unserem Programm: Stöbern Sie doch einfach mal darin!

(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

19.03.2010, 08.07 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Kurt Tucholsky, Soldaten, Mörder, Journalist,

Von goldenen Salamandern und blutenden Lilien

„Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabríel Garcia Márquez ist ein moderner Klassiker. Seit vielen Jahren steht der Roman in meinem Regal. Gelesen habe ich ihn allerdings noch nie. Das lag vor allem daran, dass ich über die Geschichte Lateinamerikas nicht viel weiß und befürchtete, das Buch nicht zu verstehen. Völlig zu Unrecht, wie ich jetzt bemerkte. Denn wie bei so vielen großartigen Romanen sind historische Vorkenntnisse zwar hilfreich, aber nicht zwingend. Wie gute Geschichtslehrer verpacken Autoren im Format eines Garcia Márquez die Historie in so spannende Handlungsfäden, Charakterdarstellungen und Landschaftsbeschreibungen, dass der Leser nicht anders kann, als wie ein Schwamm alles aufzusaugen.

Der kolumbianische Schriftsteller ist fürwahr ein echter Erzählkünstler. Allein, wie er auf den ersten Seiten die verzweifelte Reise durch den Dschungel schildert, machte mich sofort süchtig nach mehr: „In jenem Paradies aus Feuchtigkeit und Schweigen vor dem Sündenfall, wo die Stiefel in dampfenden Ölpfützen versanken und die Buschmesser blutende Lilien und goldene Salamander köpften, wurden die Männer der Expedition von ihren ältesten Erinnerungen heimgesucht.“ Düsterer, bezaubernder und schöner kann man einen Dschungel nicht beschreiben, finde ich. Diesen Stil nennt man „Magischen Realismus“. Er integriert magische Elemente in realistischen Situationen. Als Erfinder gilt Garcia Márquez.

Am liebsten würde ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. So begeistert bin ich, nach Rafik Schami wieder einen Schriftsteller gefunden zu haben, der mich fesselt. Und das Beste: „Hundert Jahre Einsamkeit“ ist nicht die einzige Perle, die ungelesen in meinem Regal schlummert. Dort stehen noch „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ und „Chronik eines angekündigten Todes“.

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

18.03.2010, 16.36 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Hundert Jahre Einsamkeit, Garcia Márquez, magischer Realismus,

Etwas Spätromantisches von Heine

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Mehr als 150 Jahre ist er bereits tot und immer noch aktuell: Heinrich Heine, der große deutsche Dichter, geboren 1797 in Düsseldorf, gestorben 1856 in Paris, beeindruckte zahlreiche seiner berühmten Autoren- Kollegen. Die Resonanz war nicht immer positiv, Heines Schriften provozierten jedoch immer starke Reaktionen.

"Heine habe ich mit Tränen in den Augen gelesen", ehrte ihn z. B. Christian Morgenstern. "Eine kleine Probe von Heines politischem Wischiwaschi hab ich ... neulich ... gefunden und großen Ekel dagegen gefasst." Oder "Er ist ein Dichter ganz und gar, aber nit eine Viertelstunde könnt' ich mit ihm leben...", bewertete Eduard Mörike seine Begegnung mit ihm. Friedrich Nietzsche hingegen war begeistert: "Den höchsten Begriff vom Lyriker hat mir Heinrich Heine gegeben ... Er besaß jene göttliche Bosheit, ohne die ich mir das Vollkommene nicht zu denken vermag ... Man wird einmal sagen, dass Heine und ich bei weitem die ersten Artisten der deutschen Sprache gewesen sind ..."

Heinrich Heine war einer der Hauptvertreter des Jungen Deutschland. Empfindungsreichtum ging in seinen spätromantischen Werken und Gedichten mit Skepsis und Ironie („Buch der Lieder“, 1827; „Romanzero“, 1851) Hand in Hand. Sein unterhaltsamer Prosastil („Reisebilder“, 1826 bis 1831) machte ihn zum Begründer des modernen Feuilletonismus.

Jetzt im Monat März fiel mir eines seiner Gedichte wieder in die Hände:

Die Liebe begann im Monat März,
Wo mir erkrankte Sinn und Herz.
Doch als der Mai, der grüne, kam:
Ein Ende all mein Trauern nahm.

Es war am Nachmittag um Drei
Wohl auf der Moosbank der Einsiedelei,
Die hinter der Linde liegt versteckt,
Da hab ich ihr mein Herz entdeckt.

Die Blumen dufteten. Im Baum
Die Nachtigall sang, doch hörten wir kaum
Ein einziges Wort von ihrem Gesinge,
Wir hatten zu reden viel wichtige Dinge.

Wir schwuren uns Treue bis in den Tod.
Die Stunden schwanden, das Abendrot
Erlosch. Doch saßen wir lange Zeit
Und weinten in der Dunkelheit.

Stöbern in unserem Heinrich Heine-Fundus

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

17.03.2010, 16.05 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Heinrich Heine, Feuilletonismus, Junges Deutschland,

Selbstgewählte Einsamkeit

Zufällig hörte ich neulich im Fernsehen ein paar Zeilen von Emily Dickinson (1830 bis 1886):

„Da ist ein Licht,
das schräg sich neigt
an Wintertagen,
schwer wie das Gewicht
von kathedralen Klängen.
Und wenn es kommt,
hört alle Landschaft zu.
Schatten halten den Atem an,
wenn es vergeht.“

In diesen Tagen, in denen der Hochnebel wie über den Dächern festgefroren wirkt, die Vögel frierend in den Bäumen kauern und von Frühlingserwachen weit und breit keine Spur ist, trifft sie den Nagel auf den Kopf. Jedes Mal, wenn ich über die amerikanische Schriftstellerin nachdenke, die seit ihrem 20. Lebensjahr das Leben einer menschenscheuen Einsiedlerin führte, staune ich. Denn obwohl sie kaum Kontakt zu Menschen pflegte und ihr Zimmer bis zum frühen Tod mit 56 Jahren kaum verließ, schuf Dickinson ein mannigfaltiges Gedankenwerk, das noch heute seinesgleichen sucht: Nach ihrem Tod entdeckte man 40 handgebundene Bücher mit über 800 Gedichten von ihr.

Dieser Gedanke spendet mir immer wieder Trost, wenn ich denke, noch nicht genug von der Welt gesehen zu haben. Denn genau dagegen steht Emily Dickinsons legendärer und wunderschöner Satz: „To make a prairie it takes a clover and a bee, one clover, and a bee, and revery. The revery alone will do, if bees are few.”


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

12.03.2010, 02.20 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Emily Dickinson, Hochnebel, Gedicht,

Auch bei Kehlmann kann man sparen!

Wissen Sie, worüber ich mich richtig freue? Nach einer langen Flaute gibt es seit einigen Jahren wieder tolle neue deutsche Literatur. So haben etwa alle bisherigen Preisträger des Deutschen Buchpreises Werke abgeliefert, die mir persönlich durch die Bank gefallen. Unter den neuen deutschen Autoren gibt es allerdings einen, der diesen speziellen Literaturpreis gar nicht mag, weil er ihn nicht nur für ein Spektakel hält, sondern auch für eine „Quelle der Sorge und der Depression“ für die Autoren, die sich der Auswahlprozedur unterziehen müssen.

Der dies gesagt hat, ist kein geringerer als Daniel Kehlmann, der mit „Die Vermessung der Welt“ 2005 einen fulminanten Bestseller verfasst hat. Mit 1,5 Millionen verkauften Exemplaren (nur im deutschsprachigen Raum!) und Übersetzungen in etwa 40 Sprachen ist Kehlmann zweifellos in die Kategorie der Bestsellerautoren emporgestiegen. Und das mit dem eher sperrigen Thema der Entstehung der modernen Wissenschaft, dargestellt am Leben des Forschers Alexander von Humboldt und des Mathematikers Carl Friedrich Gauß.

Beide Wissenschaftler bewegen sich ständig zwischen Erfolg und Niederlage, beide sind ein wenig sonderbar und schrullig, aber mit Leib und Seele ihrer Wissenschaft verschrieben. Das Ganze ist voller Fantasie und kommt ebenso abenteuerlich wie philosophisch daher – ein bisschen denken muss man bei der Lektüre also schon...

Bei uns können Sie sich sogar zwischen zwei Ausgaben von Daniel Kehlmanns Weltbestseller entscheiden. Kräftig sparen können Sie bei beiden!

              



(Geschrieben von Matthias Stöbener)

26.02.2010, 17.02 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Die Vermessung der Welt, Daniel Kehlmann, Weltbestseller,

Emil entdeckt den Fluss des Lebens

Hermann HesseWie sehr der eigene Perfektionismus oft zum Verhängnis wird, zeigt mir gerade wieder Emil. Seit ein paar Jahren beschäftigt sich mein Freund intensiv mit fernöstlichen Meditationsarten. Dabei versucht er sich aktiv in Tai Chi Chuan, dem chinesischen „Schattenboxen“. Doch je mehr er sich bemüht, umso verzweifelter wird er. „Ich entdecke ständig wieder eine neue Bewegung, die ich nicht kann und auch nicht verstehe. Und am Ende habe ich das Gefühl, überhaupt nichts verstanden zu haben.“ Als Laie auf dem Gebiet meditativer Lehren weiß ich mir wieder einmal nur mit Literatur zu helfen. So empfahl ich den Klassiker, Hermann Hesses „Siddharta“.

Das Buch erzählt vom jungen Brahmanen Siddhartha und seinem Freund Govinda. Beide begeben sich auf die Suche nach dem Atman, dem All-Einen, der obersten Erkenntnis, die in jedem Menschen ruht. Dabei führt der Lebensweg Siddharta vom Asketen und Bettler über den Kaufmann, den Fährmann, den Vater bis hin zum Erleuchteten. Immer wieder begegnet der Suchende dabei einem Fluss. Allmählich beginnt er, vom Rauschen des Flusses zu lernen, der sich im ständigen Wandel befindet und doch immer der Gleiche bleibt.

So wenig ich tatsächlich von fernöstlichen Lehren verstehe, so viel hat mich doch diese Erzählung gelehrt. Wie schon in „Narziss und Goldmund“ zeigt Hesse darin, dass Leben Bewegung und Entwicklung bedeutet. Die endgültige Erleuchtung gibt es, wenn überhaupt, erst nach lebenslangem Streben. Emil selbst hat nach eigenen Angaben „Siddharta“ auf einen Rutsch durchgelesen und übt wieder fleißig Tai Chi Chuan. „Jetzt gewöhne ich mir das Denken einfach ab“, erzählte er mir heute. „Stattdessen folge ich einfach dem Fluss des Lebens und übe weiter.“

(Geschrieben von Matthias Stöbener)  

26.02.2010, 15.01 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Siddharta, Hermann Hesse, Fluss des Lebens,

Gewinnspiel: Keine Siege ohne Ziege - bitterböse Satire ab 4. März in den Kinos!

Filmplakat„Männer, die auf Ziegen starren“: Alleine der Titel des Kinoregiedebüts des Schauspielers und Produzenten Grant Heslov deutet darauf hin, dass das Publikum ein ziemlich ungewöhnlicher Film erwartet. Und tatsächlich sucht diese Adaption des gleichnamigen Sachbuchs des britischen Journalisten Jon Ronson ihresgleichen. Die wahre Geschichte um den Versuch des US-Militärs, Soldaten mit übersinnlichen Fähigkeiten auszubilden, ist Futter für eine politisch inspirierte Satire. Schon die Vorlage von Ronson begeisterte mich, obwohl sie ja alles andere als ein Unterhaltungsroman war.

Das Drehbuch hat es in sich: Kleinstadtreporter Bob Wilton (Ewan McGregor) interviewt den bei seiner Mutter wohnenden Frühpensionär Gus Lacey (Stephen Root, Ein verlockendes Spiel). Lacey behauptet, vom Militär in paranormalen Fähigkeiten wie Gedankenlesen, durch Wände gehen und dem Killen durch bloße Blicke geschult worden zu sein.

Maenner die auf Ziegen starrenAls den ungläubigen Reporter seine Frau (Rebecca Mader, Lost) verlässt, geht er als Journalist in den Nahen Osten, um über den Irak-Krieg zu berichten. Doch der begehrte Truppenzugang bleibt ihm verwehrt. Also vertreibt er sich die Zeit in einer Kuwaiter Hotelbar. Dort trifft er auf Lyn Cassady (George Clooney), den er bereits aus Laceys Erzählungen kennt. Cassady gilt als bester Mann der parapsychologisch geschulten Truppe unter Führung des Hippie-Ausbilders Bill Django (Jeff Bridges). So bricht der nichts ahnende Journalist mit dem Alt-Blumenkind zu einer mehr als geheimen Operation in den Irak auf.

„Männer, die auf Ziegen starren“ basiert nur vage auf der Sachbuchvorlage. Drehbuchautor Peter Straughan orientierte sich zwar an echten Begebenheiten, die im Sachbuch geschildert sind, strickte aber seine ureigene und äußerst skurrile Story. Der Sachbuch-Bestseller "The Men Who Stare At Goats" von Guardian-Kolumnist Jon Ronson erschien in Deutschland unter dem Titel "Durch die Wand".


Unsere Gewinnfrage:

Wer ist Drehbuchautor von „Männer, die auf Ziegen starren“?
a)    Peter Straughan
b)    Jon Ronson


Wir verlosen:

3 Verlosungspakete, bestehend aus je 2 Freikarten, Buch zum Film und ein
Filmplakat.


Schicken Sie die Lösung an jokersrestseller@jokers.de  mit dem Betreff
"Männer die auf Ziegen starren." Teilnahmeschluss ist der 05. März 2010.

26.02.2010, 12.25 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Gewinnspiel, Männer die auf Ziegen starren,

Verblüffendes rund ums Auto

Es gibt Geschichten, die sind einfach unglaublich. Zum Beispiel die, dass ein Tierarzt plötzlich zum Erfinder des Luftreifens wird. So geschehen anno 1888 im damals sicher noch idyllischen Dublin.

QuizDort lebte nämlich ein kleiner Junge, Johnnie, seines Zeichens Sohn des Tierarztes John Boyd Dunlop und stolzer Besitzer eines gummibereiften Dreirads. Leider jedoch hinterließ dieses Gefährt tiefe Furchen in dem gepflegten Garten des Doktors. Kurzerhand zerschnitt der Tierarzt daraufhin seine Gummischürze und klebte die einzelnen Streifen zu einem Schlauch zusammen, als Ventil bediente er sich eines Babyschnullers. Mit einer Fußballpumpe bläst Dunlop den zum Schutz mit Segelstoff umwickelten Schlauch auf und tauft ihn „Pneu“ (griechisch pneuma = Luft). Ein Glück, dass kurz vorher Carl Benz das Automobil erfunden hatte! Eisenbeschlagene Holzräder waren dafür nicht geeignet, schon bald schwebten die Autos der neuen Generation auf ihren Luftreifen …

Ich habe keine Ahnung, ob diese Anekdote stimmt oder fiktiv ist. Fakt ist allerdings, dass eben jener Tierarzt als Erfinder des Luftreifens gilt: Und noch heute sind ja die „Dunlop“-Reifen sehr beliebt.

Überhaupt: Die Geschichte des Automobils weist zahlreiche unglaubliche Begebenheiten auf. Nicht nur damals, sondern auch in jüngeren Jahren verblüfft uns die Auto-Szene mit erstaunlichen Anekdoten. 180 Fragen und Antworten rund ums Auto finden Sie in dem Quiz „Auto“. Hier sind so manche Aha-Erlebnisse garantiert, zum Beispiel, wenn es um die Frage geht, was „Audi“ bedeutet, was es mit dem „Elchtest“ auf sich hat u.v.m …


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

26.02.2010, 09.19 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches | Tags: Automobil, Dunlop, Luftreifen, Elchtest,

Dostojewski, Tolstoi, Puschkin, Weltliteratur, Ausstattungsfilme

Krieg und FriedenWas für ein Winter! Diese Allgegenwart von Schnee und Kälte! Der Anblick von dick vermummten Menschen hat so etwas Russisches, finde ich. Jedenfalls passt derzeit die Lektüre von Dostojewski, Tolstoi, Puschkin und Co. besonders gut in die Landschaft. Beim Blick aus dem Fenster in das Schneetreiben draußen wirken „Schuld und Sühne“, „Krieg und Frieden“ und „Anna Karenina“ einfach noch intensiver.

Und nicht zuletzt sind diese ja meist recht seiten- und personenreichen Werke im Winter besser zu verdauen – flockige Sommerlektüre ist das nicht. Eher etwas für lange Winterabende, an denen man etwa in Dostojewskis „Der Idiot“ den Fürsten Myschkin dabei erlebt, wie er verzweifelt einer unerreichbaren Liebe hinterherhetzt.

Den ganz Lesewütigen empfehle ich natürlich das Hauptwerk des 2010-Jubilars Lew Tolstoi – er hat in diesem Jahr den 100. Todestag – „Krieg  und Frieden“, die faszinierende Geschichte dreier Familien vor dem Hintergrund der russisch-napoleonischen Kriege. Ein Meisterwerk der Weltliteratur und ein Reigen an großen Gefühlen, der seinesgleichen sucht: Krieg, Liebe, Hass, Abenteuer – alles dabei. Dass es sich hier auch um starken Filmstoff handelt, ist klar und für Freunde prächtiger Ausstattungsfilme ein echtes Muss!

Bevor also die Tage wieder frühlingshafter werden und Sie das dringende Bedürfnis nach Spaziergängen und Gartenarbeit verspüren (das wird nicht mehr allzu lange dauern ...), lassen Sie doch noch ein wenig russische Seele einwirken – das ist gut fürs Gemüt und schadet trotz des Seitenreichtums auch dem Geldbeutel nicht!


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

26.02.2010, 09.09 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Russische Literatur: jetzt genau das Richtige!

Bert Brecht und Lion Feuchtwanger

Am 10. Februar 2010 feierten wir Bert Brechts 112. Geburtstag. Was wurde über Eugen Berthold Friedrich Brecht – erst später machte er seinen zweiten Vornamen ohne das „h“ zu seiner „Marke“ – nicht schon alles gesagt und geschrieben! Wir wissen, dass er bei Karl Valentin in die „Schule“ ging, und wir wissen auch, dass er Lion Feuchtwanger auf eine sehr spezielle Weise freundschaftlich verbunden war.

Marta Feuchtwanger erzählt unter anderem vom Beginn dieser ungewöhnlichen Männerfreundschaft, die nicht immer unproblematisch war: „Brechts Vater kam aus Augsburg zu Lion, um ihn um Rat zu bitten. Sein Sohn habe jetzt vor, das Medizinstudium aufzugeben, um Schriftsteller zu werden. Und da wollte er Lion fragen, der doch schließlich schon ein bekannter Autor sei, ob er glaube, dass sein Sohn genügend Talent habe, um es zu etwas zu bringen. Feuchtwanger antwortete: ‚Ich bin sonst nicht der Ansicht, dass man einem jungen Menschen anraten soll, Schriftsteller zu werden. Aber wenn Brecht nicht schreibt – der ist nämlich ein Genie -, wäre es eine Sünde.’ Da hat der Vater gesagt: ‚Schön, ich werde Ihren Rat befolgen und ihm auch weiter seinen Scheck schicken.’ Als er an der Tür war, drehte er sich noch einmal um und sagte: ‚Sehen Sie, ich bin Fabrikant, ich fabriziere wunderbares weißes Papier, und dann bedrucken Sie es.’“

Auch der umfangreiche Briefwechsel zwischen Brecht und Feuchtwanger ist sehr aufschlussreich und informativ (Lion Feuchtwanger. Briefwechsel mit Freunden 1933 – 1958, Band 1. Aufbau-Verlag. Berlin). Der Freundschaft zwischen Brecht und Feuchtwanger entstammen sogar drei gemeinsam erarbeitete Stücke: „Das Leben Eduards II“, „Kalkutta, 4. Mai“ und „Die Geschichte der Simone Machard“.

Dabei wäre die Freundschaft beinahe in die Brüche gegangen, weil sich Brecht in Feuchtwangers Roman „Erfolg“ sehr ungünstig charakterisiert empfand. Dort hat Feuchtwanger mit der Figur des Kaspar Pröckl seinem Freund Bert Brecht ein literarisches Denkmal gesetzt, das diesem ganz und gar nicht gefiel, wie man leicht verstehen kann, wenn man nur einige Stellen in dem wunderbaren Roman, der so etwas wie ein Zeitdokument ist, liest: „Der Kerl roch wirklich wie Soldaten auf dem Marsch“, oder an anderer Stelle: „die anstrengend, unmanierliche, schrille, schreiende Stimme Pröckls“. Brecht soll sogar wiederholt auf Feuchtwanger eingeredet haben, diese Stellen zu entschärfen. Aber Feuchtwanger wollte dies offensichtlich nicht, da es sich schließlich um einen Roman und nicht um eine Dokumentation handelte. Hätte er sich von seinem Freund dazu erweichen lassen, wäre dies gewissermaßen eine Bankrotterklärung seines künstlerischen Schaffens gewesen.

Brecht und Feuchtwanger haben sich zeitlebens gegenseitig sehr viel gegeben, vom politischen Durchblick bis hin zum dramatischen Bewusstsein. Nachzulesen in: „Schatten über München“. Eine Dokumentation von Reinhart Hoffmeister. Langen Müller, München, sowie in Volker Skierka: „Lion Feuchtwanger. Eine Biographie, erschienen im Quadriga Verlag J. Severin, Berlin, oder im oben erwähnten Briefwechsel bzw. in „Nur eine Frau“ von Marta Feuchtwanger. Aufbau-Verlag, Berlin.

Wer mehr über diese seltsam anmutende Seite Brechts erfahren will, dem seien die hier erwähnten Bücher wärmsten ans Herz gelegt. Wenn er nicht bei uns im Shop etwas findet!

http://www.jokers.de/suche/index.html?com=bertolt+brecht&search.x=0&search.y=0&f=search.getsearch&tracksearch=true



(Geschrieben von Matthias Stöbener)

26.02.2010, 08.51 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Freundschaft, Marta Feuchtwanger,

Sidney Sheldon: Nicht nur ein Schriftsteller

Sein Todestag jährte sich gerade zum dritten Mal. Am 11. Februar hätte er Geburtstag gehabt: Der facettenreiche US-Autor Sidney Sheldon wurde an jenem Datum 1917 in Chicago geboren. Seine schriftstellerische Karriere begann mit Theaterstücken und Filmdrehbüchern für die Studios in Hollywood. Unter anderem stammt auch das Drehbuch zum Musical »Annie, Get Your Gun« von 1932 aus seiner Feder. 1947 erhielt er den Oscar für das beste Drehbuch zu »So einfach ist die Liebe nicht«.

Erst als er 50 Jahre alt wurde, schrieb er Bücher, vor allem Krimis: Sie wurden sämtlich zu Weltbestsellern, die meisten wurden verfilmt. Als meistübersetzter Autor unserer Zeit wurde er ins Guinness-Buch eingetragen. Wahrscheinlich kennen auch Sie viele seiner Romane: „Der Zorn der Götter“, einen seiner besten Krimis, haben wir derzeit im Programm. Für alle Freunde originalsprachiger Literatur bieten wir „The Naked Face“ an.

Aber wussten Sie auch, dass Sheldon als Drehbuchautor hinter zahlreichen Fernsehserien steckt, die viele Menschen in ihrer Kindheit fesselten? So stammen sowohl „Hart aber herzlich“ als auch „Bezaubernde Jeannie“ von ihm.

Sidney Sheldon erhielt für seine Filmdrehbücher zahllose Ehrungen und Auszeichnungen, unter anderem den Edgar Allan Poe Award im Jahre 1969. Sein Privatleben fand zwischen seinen Wohnsitzen in Los Angeles, Palm Springs und in London statt. Am 30. Januar 2007 starb Sidney Sheldon an den Folgen einer Lungenentzündung.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)  

26.02.2010, 08.51 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Sidney Sheldon, Zorn der Götter, The Naked Face,

Gewinnspiel zu „Hier kommt Lola“

Mädchenhelden der Kindheit waren Ronja Räubertochter, Silas oder auch Momo. Doch die Zeiten ändern sich. Heute bekommen die Kleinen vor allem dann große Augen, wenn Kinderstars wie Hannah Montana über die Leinwand flimmern.

Jetzt hat es die deutsche Hannah Montana in die Kinos geschafft. Nach der Kinderromanvorlage von Isabel Abedi träumt die neunjährige Titelheldin Lola von einem aufregenden Leben als Sängerin, Spionin oder Hochzeitsplanerin. Gekonnt werden Wirklichkeit und Traumwelt zu einem wunderbaren Abenteuer verwoben, das ganz auf die großen und kleinen Probleme der Kinder eingeht.

Lola hat einen brasilianischen Vater, eine 80 Zentimeter große Tante und Millionen Fans, wenn sie sich nachts in die berühmte Sängerin Jacky Jones verwandelt. Was Lola allerdings nach ihrem Umzug in die Großstadt besonders fehlt, ist eine beste Freundin – und die wünscht sie sich am allermeisten. In der Schule muss Lola aber neben der nach Fisch stinkenden Flo sitzen, und Annalisa besucht sie ausgerechnet in dem Moment, als Lolas Vater splitterfasernackt und fuchsteufelswild durch die Wohnung stürmt, weil ihn Lola, natürlich aus Versehen, den ganzen Tag im Badezimmer eingesperrt hat. Doch dann lässt Lola bei einem Fest einen Luftballon mit ihrem großen Wunsch steigen – und erhält als Antwort eine geheimnisvolle Flaschenpost.

Das witzige Kinderbuch wurde mit dem "Paderborner Hasen 2006" und der "Nordstemmer Zuckerrübe 2007" ausgezeichnet. Nach den WILDEN HÜHNERN, TKKG und BIBI BLOCKSBERG produziert Uschi Reich nun HIER KOMMT LOLA!. Die Erwachsenen- Hauptrollen spielen Julia Jentsch, Nora Tschirner, Fernando Spengler, Margareta Broich und Axel Prahl. Die Kinderrollen sind mit neuen jungen Talenten besetzt. Die aufgeweckte Lola wird von Meira Durand verkörpert. HIER KOMMT LOLA! ist eine Produktion der Bavaria Filmverleih- und Produktions GmbH in Co-Produktion mit Constantin Film und Kiddinx. Co-Produzent ist Martin Moszkowicz, Vorstand Film und Fernsehen der Constantin Film AG.

Lolas Abenteuer sind mit einer Auflage von über einer Million nicht nur hierzulande längst Bestseller, sondern auch international erfolgreich. Sie wurden bereits in dreizehn Sprachen übersetzt.

Unsere Gewinnfrage an Sie:
Aus welchem Land stammt Lolas Vater?
a)    Italien
b)    Brasilien

Schicken Sie die Lösung an jokersrestseller@jokers.de mit dem Betreff
"Lola" Teilnahmeschluss ist der 05. Februar 2010.

26.02.2010, 08.15 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Gewinnspiel, Lola,

Die Welt der verbrannten Bücher

Das Buch der verbrannten BücherErich Kästner gehört zu den deutschen Kinderbuch-Autoren, die in der ganzen Welt bis heute am meisten gelesen werden. Seine bekanntesten Werke “Emil und die Detektive”, “Pünktchen und Anton” und “Das doppelte Lottchen” wurden in über 100 Sprachen übersetzt und teilweise mehrfach verfilmt.

Doch seine bezaubernden Kinderbücher, die auch noch Erwachsene verzücken, waren nicht immer so beliebt, wie sie heute sind: In der Nazizeit hatte der deutsche Literat nicht nur Publikationsverbot, seine Bücher wurden sogar verbrannt. Es lag sicher auch an seinen Antikriegs-Gedichten, die trefflich die kalte Sinnlosigkeit von Waffengewalt beschreiben. Das folgende Gedicht sollte man kennen:



Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn


Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Dort stehn die Prokuristen stolz und kühn
in den Büros, als wären es Kasernen.

Dort wachsen unterm Schlips Gefreitenknöpfe.
Und unsichtbare Helme trägt man dort.
Gesichter hat man dort, doch keine Köpfe.
Und wer zu Bett geht, pflanzt sich auch schon fort!

Wenn dort ein Vorgesetzter etwas will
- und es ist sein Beruf etwas zu wollen -
steht der Verstand erst stramm und zweitens still.
Die Augen rechts! Und mit dem Rückgrat rollen!

Die Kinder kommen dort mit kleinen Sporen
und mit gezognem Scheitel auf die Welt.
Dort wird man nicht als Zivilist geboren.
Dort wird befördert, wer die Schnauze hält.

Kennst Du das Land? Es könnte glücklich sein.
Es könnte glücklich sein und glücklich machen?
Dort gibt es Äcker, Kohle, Stahl und Stein.
und Fleiß und Kraft und andre schöne Sachen.

Selbst Geist und Güte gibt's dort dann und wann!
Und wahres Heldentum. Doch nicht bei vielen.
Dort steckt ein Kind in jedem zweiten Mann.
Das will mit Bleisoldaten spielen.

Dort reift die Freiheit nicht. Dort bleibt sie grün.
Was man auch baut - es werden stets Kasernen.
Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!

Unser heutiges Angebot „Das Buch der verbrannten Bücher“ sollte in ihrem Regal nicht fehlen: Es bewahrt Dutzende von Texten, die einst dem Flammentod zum Opfer fielen. Volker Weidermann hat diese einmaligen Schriftstücke, die gleichsam ein Porträt ihrer Zeit sind, gesammelt. Klassiker finden sich hier neben wieder zu entdeckenden Schätzen.


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

19.02.2010, 02.03 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Bücherverbrennung, verfemte Autoren, Erich Kästner,

Eine Wiederentdeckung

Als Avantgardistin der modernen amerikanischen Literatur galt sie: Gertrude Stein, die die Dinge immer ein wenig anders betrachtete als ihr Umfeld, ist für mich eine der größten US-Autorinnen überhaupt. Das, was Menschen von Tieren unterscheide, sei nur das Geld, stellte sie einmal in einem ihrer Prosatexte fest. Sie hatte den hohen Anspruch, „Stücke wie Landschaften“ zu schreiben. Am 3. Februar 1874 in Allegheny, heute Pittsburgh, Pennsylvania, wurde sie geboren. Sie starb am 27. Juli 1946 in Paris. Dort war es auch, wo sie ihren berühmten Salon unterhielt.

Sie war Sprössling einer deutsch-jüdischen Familie. Ab 1902 lebte sie in Paris. Steins Salon wurde zum Treffpunkt von Malern der Moderne (Matisse, Picasso) und US-Schriftstellern (John Dos Passos, Ernest Hemingway). Gertrude Stein übte mit ihren sprachlich gewagten Experimenten (Klangspiele, keine Interpunktion etc.) einen bedeutenden Einfluss auf ihre Kollegen aus.

Gertrude SteinIhr Leben war mehr als ungewöhnlich: In Cambridge studierte sie Biologie und Philosophie am Radcliffe College, dem Harvard-Ableger für Frauen. Als Hörerin des Psychologen und Philosophen William James beeindruckte dessen Begriff Bewusstseinsstrom (stream of consciousness) die gelehrige Studentin sehr. Ab 1897 nahm Gertrude Stein deshalb ein Studium der Psychologie und Medizin an der Johns Hopkins Medical School in Baltimore auf und bezog mit ihrem Bruder Leo eine gemeinsame Wohnung. Baltimore sollte ihr Leben grundlegend beeinflussen. Denn dort begann sie in einem Kreis von Gleichgesinnten die ästhetischen und moralischen Regeln des puritanischen Bürgertums zu hinterfragen und schließlich abzulehnen.

Die Jahre in Baltimore waren ebenso von ihrer langen Beziehung zu einer Kommilitonin geprägt: Gertrude Stein hatte ein Verhältnis mit May Bookstaver. Mary war diejenige, die Gertrude zu dem kurzen Roman Q. E. D. (Quod Erat Demonstrandum), 1903 verfasst, inspirierte. Posthum wurde er im Jahr 1950 unter dem Titel The Things as They Are veröffentlicht. Literaturkritiker betrachten den Roman, thematisch eine Dreierbeziehung, als Autobiografie.

Zu ihrem Geburtstag haben wir z. B. „Porträts und Stücke“ von Gertrude Stein im Angebot: Viele Werke der großartigen Literatin sind hier zusammengefasst.


12.02.2010, 23.01 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Gertrude Stein, Avantgardistin, Literatin,

Hilfe, Liebeskummer!

Anna GabaldaSusanne wird von Liebeskummer geplagt. Als guten Freund fragte sie mich, welche Bücher ich ihr empfehlen kann. Bekanntlich soll gute Literatur ja jede Not lindern. Spontan fiel mir Judith Hermanns „Nichts als Gespenster“ ein. Das Folgewerk des vom Feuilleton viel gepriesenen „Sommerhaus, später“ behandelt in sieben Kurzgeschichten die unglückliche Liebe und die Verlorenheit im Leben. Ich meinte es gut und empfahl ihr das Buch. Kurze Zeit später gab sie es mir zurück, noch niedergeschlagener als zuvor. „Zu deprimierend“, war ihr Urteil.

Da legte ich ihr „Kannst du“ von Benjamin Lebert ans Herz. Allerdings konnte auch die Geschichte um zwei seelisch schwer belastete Jugendliche, die auf Interrail-Reise durch Skandinavien gehen, nicht trösten. Im Gegenteil. „Mit 35 können mich die Liebesgeschichten von Menschen Anfang 20 doch nur noch niederschmettern“, erklärte sie.

Als ich meiner Frau von Susannes Kummer erzählte, empfahl sie mir „Alles Glück kommt nie“ von Anna Gavalda. Nach dem Erfolgsroman „Zusammen ist man weniger allein“ handelt das neue Werk der Autorin vom 46-jährigen Großstädter Charles Balanda. Von der Midlife-Krise gebeutelt, erfährt er, dass seine große Liebe überraschend gestorben ist. Anouk war die Mutter seines Freundes - und gute 20 Jahre älter. Er begibt sich auf Spurensuche nach seiner früheren Geliebten. Dabei nimmt sein Leben eine völlig neue, glückliche Wendung.

Mit diesem Buch traf ich bei Susanne ins Schwarze. „Das ist es!“ berichtete sie mir. „Wenn bei Liebeskummer etwas hilft, dann Bücher, die Hoffnung machen. Hoffnung, dass man sein Leben in Krisenzeiten zum Besseren wenden kann – oder dass das Gute nur auf einen wartet. Natürlich mit Happy End.“ Anna Gavalda sei Dank!


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

12.02.2010, 09.27 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Naturwissenschaften | Tags: Anna Gabalda, Liebeskummer, Bücher, Hilfe,

Ein Gedicht zum Auswendiglernen

Erich KästnerAm 23. Februar diesen Jahres würde Erich Kästner 111 Jahre alt: Wenn diese Schnapszahl nicht ein besonderer Geburtstag ist! In Dresden geboren, studierte der weltbekannte deutsche Autor nach dem Ersten Weltkrieg Germanistik, Geschichte und Philosophie. Im Jahre 1925 promovierte er in Philosophie, 1927 übersiedelte er nach Berlin.

Auch als Theaterkritiker und als freier Mitarbeiter bei verschiedenen Zeitungen war Kästner tätig. Doch seinen Ruhm erlangte er sicherlich mit seinen in mehr als einhundert Sprachen übersetzten Kinderbüchern. Doch er war auch ein Schriftsteller für „große“ Leser: Viele seiner Romane wurden auch verfilmt. Drei Männer im Schnee, Der kleine Grenzverkehr, Notabene, Die Schule der Diktatoren, Kurz und bündig, Die kleine Freiheit, Die verschwundene Miniatur, Fabian, Gesang zwischen den Stühlen, Ein Mann gibt Auskunft, Lärm im Spiegel, Herz auf Taille hießen die Verfilmungen.

Die „Lyrische Hausapotheke“ ist einer meiner Lieblingsgedichtbände von Kästner: Wir bieten sie Ihnen jetzt als besonderen Hörgenuss auf CD an. Hier ein kleiner Vorgeschmack auf die Verse des einzigartigen deutschen Autors:

Sachliche Romanze

Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen, sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie anderen Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wussten nicht weiter.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken. –
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Café am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend saßen sie immer noch dort.
Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.



(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

12.02.2010, 09.11 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Erich Kästner, Sachliche Romanze, Lyrische Hausapotheke,

Füße hoch und genießen!

Das Auge liest mit – also ich jedenfalls freue mich immer, wenn ein Buch ein besonders schönes Cover hat. Wenn der Inhalt dann auch noch richtig gut ist, handelt es sich um einen Glücksfall und löst bei mir sofort den Kauf- und Leseimpuls aus.

Annie ProulxUm einen solchen Glücksfall handelt es sich zweifellos bei „Hinterland“ von Annie Proulx. Auf dem Cover zwei riesige Kuhköpfe, im Innern herrliche Geschichten aus Wyoming, einem amerikanischen Bundesstaat, den man so gar nicht mit der Coolness New Yorks oder dem ausgeflippten Hippietum San Franciscos verbinden mag. Wyoming klingt nämlich ganz stark nach Kaff, Hinterwäldlertum und sehr, sehr viel Gegend. (Nur mal so am Rande: Wyoming ist so groß wie Rumänien, hat aber nur so viele Einwohner wie Hannover – noch Fragen?)

In dieser ländlichen Einsamkeit lebt die Autorin Annie Proulx seit einigen Jahren selbst. Man darf also annehmen, dass sie genau weiß, wie es dort zugeht, unter all den Farmern, Cowboys, Kühen und Lebenskünstlern. Und sie kann so lakonisch, schnörkellos und wunderbar komisch davon erzählen, dass die elf Geschichten sich weglesen wie nichts. Es lohnt sich, das spleenige Personal dieses ganz speziellen „Hinterlands“ kennenzulernen, etwa den Wildhüter, der einen Wilderer stellt, der vor seinen Augen buchstäblich im Höllenschlund versinkt. Oder das Ehepaar, das plötzlich in der Einöde feststellt, dass es gar nicht zusammenpasst.

Die Pulitzerpreisträgerin ist Spezialistin für interessante Gestalten – denken Sie an „Schiffsmeldungen“, ihren ersten Welterfolg, oder an „Brokeback Mountain“, das 2005 mit Heath Ledger und Jake Gyllenhaal verfilmt wurde und viele Auszeichnungen erhielt. Ich empfehle Ihnen also: Setzen Sie sich in den imaginären Schaukelstuhl auf Ihrer Veranda, blicken Sie in die endlose Weite, legen Sie die Cowboystiefel hoch, freuen Sie sich über Ihr preiswertes Jokers-Schnäppchen und genießen Sie „Hinterland“!


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

12.02.2010, 08.20 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Annie Proulx, Wyoming, Hinterland,

Handlung in drei Aufzügen

Tristan und IsoldeVor wenigen Jahren (2006) wurde die große Sage von Tristan und Isolde in die Kinos gebracht. Regisseur war Kevin Reynolds („Robin Hood: König der Diebe"), in den Hauptrollen waren James Franco („Spider Man") und Sophia Myles („Underworld") zu sehen. Ausführender Produzent war Ridley Scott, der sich mit den Kino-Hits „Königreich der Himmel" und „Gladiator" einen Namen machte.

Die Inhaltsangabe des Films wurde folgendermaßen publiziert: Nach dem Ende des römischen Reichs sind die Stämme Englands mit Irland verfeindet. Einer ihrer Führer, Lord Marke, zieht mit dem jungen Kämpfer Tristan, den er wie seinen eigenen Sohn liebt, in eine große Schlacht. Sie werden vernichtend geschlagen. Tristan selbst wird verwundet und vorschnell für tot erklärt. Sein vermeintlicher Leichnam wird, wie es die Tradition für Könige verlangt, mit einem Boot aufs Meer geschickt. Er strandet an der Küste Irlands und wird dort von Isolde, der Tochter des irischen Königs Donnchadh gefunden. Sie pflegt ihn heimlich gesund und zwischen ihnen entwickelt sich eine innige Liebe. Doch Irland ist zu gefährlich für Tristan und so kehrt er zurück nach England und zu Lord Marke. Die Rückkehr des Totgeglaubten wird begeistert gefeiert, aber Tristans Herz gehört von nun an Isolde. Und als Isolde als Teil eines Friedensvertrags mit Lord Marke vermählt wird, sind sich die Liebenden plötzlich wieder nah und doch so fern, denn ihre Liebe darf nicht sein. Doch je mehr sie versuchen, ihre Gefühle füreinander zu unterdrücken, desto stärker brennt die Leidenschaft in ihnen und so riskieren sie alles für einen letzten Moment in den Armen des anderen. Ohne es zu ahnen beschwören sie großes Unheil herauf. Heldenhafte Schlachten, königliche Intrigen und eine große Liebe unter einem schlechten Stern: Das ist die große Sage von Tristan & Isolde.

Noch bekannter als der Film und die Sage in Schriftform ist allerdings die große Oper von Richard Wagner. Tristan und Isolde wurde von Richard Wagner selbst als „Handlung in drei Aufzügen“ bezeichnet. Die Uraufführung fand am 10. Juni 1865 im Königlichen Hof- und Nationaltheater in München statt, Hans von Bülow leitete die Inszenierung.

Für nur 1.99 EUR bieten wir Ihnen die keltische Sage aus dem König-Artus-Kreis nun als besonderes Hörspiel an: Spielszenen und Original-Opern-Musik begeistern nicht nur eingefleischte Opern-Fans, sondern bringen auch Kindern das wunderbare Stück näher.


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

05.02.2010, 10.41 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Tristan und Isolde, Richard Wagner,

Psychologie-Klassiker

PsychologieAn wen denken Sie, wenn Sie „Psychotherapie“ und „Analyse“ hören? Natürlich: An Sigmund Freud, den österreichischen Begründer der Psychoanalyse. „Wir streben mehr danach, Schmerz zu vermeiden als Freude zu gewinnen.“, stellte Sigmund Freud treffsicher fest.

Doch auch seine Schüler und Mitarbeiter machten von sich reden: Alfred Adler beispielsweise hinterließ ebenso bedeutende Schriften und Erkenntnisse. Der Psychologe und Psychiater lebte von 1870 bis 1937, eines seiner bekanntesten Zitate ist: „Die größte Gefahr im Leben ist, dass man zu vorsichtig wird.“

Und wenn Sie an die neueren Forschungsergebnisse der Psychologie denken? Welche Themen, welche Namen fallen Ihnen dazu ein? Sicherlich darf auf dieser Liste ein amerikanischer Wissenschaftler nicht fehlen: Martin Seligman. Der Forscher beschäftigte sich eingehend mit dem Phänomen des Glücks. Mit seiner entwickelten Strategie schaffen es angeblich sogar die ärgsten Pessimisten (die wohl gemerkt eine kürzere Lebenserwartung als Optimisten haben), dem Leben positive Seiten abzugewinnen.

Wenn Sie sich dafür interessieren, wie Gefühle, eben auch das Glücklichsein, entstehen und weshalb sie manchmal so schwer zu kontrollieren sind: Auch dann ist unser Werk „50 Klassiker der Psychologie“ für Sie bares Gold wert. Aber nein, keine Bange, teuer ist dieses „Must have“ überhaupt nicht: Für weniger als 8 Euro haben Sie die wichtigsten Werke und Erkenntnisse aus über 150 Jahren Psychologie-Geschichte von den Anfängen der Psychoanalyse bis zu modernsten Erkenntnissen der Neurologie bei sich zu Hause.


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

05.02.2010, 10.18 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nachdenkliches | Tags: Klassiker der Psychologie, Sigmund Freud, Alfred Adler, Martin Seligman,

Die weiße Nacht des Todes

Die weiße Nacht des TodesWaren Sie schon einmal in Finnland? Ich sage Ihnen, es lohnt sich! Vor allem im Sommer, wenn es in den so genannten „weißen Nächten“ gar nicht richtig dunkel wird und die sonst eher schweigsamen Finnen vor Freude über ihren lang ersehnten Sommer richtig strahlen. Dann wird Tango getanzt und gefeiert bis zum frühen Morgen. Und bei all dem fühlt man sich stets sicher, denn trotz der sommerlichen Ausgelassenheit wirkt sogar die Hauptstadt Helsinki so ruhig, als könne einem hier schier gar nichts passieren. Doch der Volksmund weiß ja schon: Stille Wasser sind tief und so lauert hinter der friedlichen Fassade doch das Verbrechen ...

„Die weiße Nacht des Todes“, die in einer hellen Juninacht die Polizei von Helsinki aufrüttelt, hat es jedenfalls in sich: Eine verkohlte Leiche in einem ausgebrannten Lastwagen führt Kommissar Takamäki in das Drogenmilieu der finnischen Großstadt. Um dort ermitteln zu können, benötigt die Polizei die Mitarbeit von verdeckten Ermittlern – eine gefährliche Angelegenheit, wie sich erweist. Schließlich sind auch Polizisten nur Menschen und damit dem Reiz ausgesetzt, die eigene Position persönlich auszunutzen. Die Berufsehre des Undercover-Ermittlers wird auf eine harte Probe gestellt und damit die Lösung des grausigen Falls erschwert.

Man merkt, dass Autor Jarkko Sipilä weiß, wovon er schreibt, hat er doch viele Jahre als Polizeireporter gearbeitet und gehört nun zu den führenden Krimi- und Drehbuchautoren des Landes.

Ein typischer nordischer Krimi mit viel Lokalkolorit – voller Spannung und unerwarteter Wendungen, so ein richtig schöner Schmöker für kalte Winterabende und alle, die mehr als Schweden kriminologisch entdecken möchten.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

29.01.2010, 14.54 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Finnland, Helsinki, Leiche, Jarkko Sipilä,

Familie im Focus

Leben mit verwirrten älteren Menschen„Dieses so kostbare Leben“ – ein Titel, der eigentlich schon alles Wesentliche sagt. Eine Frau begleitet ihren alten Vater beim Sterben und lässt sein langes Leben Revue passieren. In einer Mischung aus Dankbarkeit, Pflichtgefühl und manchmal auch Angst kümmert sie sich um den 96-Jährigen und beschreibt, wie schwer es ist, dem starrsinnigen alten Mann seine Würde zu lassen und nicht mehr zu versuchen ihn zu ändern, sondern ihn so zu akzeptieren, wie er ist – mit all seinen Fehlern und Unzulänglichkeiten. Auch die Schwägerin der Erzählerin liegt im Sterben. Ein Buch also, das ganz eindeutig vom Tod handelt. Deprimierend? Nein. Eher ein Loblied auf die Familie, auf Zusammenhalt und eben auf das „so kostbare Leben“.

Margaret Forsters Bücher wie „Familiengeheimnisse“ und „Das Vermächtnis meiner Mutter“ sind nicht umsonst Bestseller. Alle sind gefühlvolle Schilderungen des Kosmos Familie, in dem sich jeder von uns befindet. Die britische Autorin lotet sie aus, die ganzen Verstrickungen und Geheimnisse, das Unausgesprochene und die vielfältigen Verbindungen, die jede Familie ausmachen. Wir alle stecken mitten drin und genau das macht Margaret Forsters Titel so spannend für jeden, der sich für mitreißende Familiengeschichten, die oft über Generationen reichen, interessieren.

Bei „Dieses so kostbare Leben kommt hinzu, dass es sich bei dem Buch um eine autobiographische Schilderung handelt, was die Intensität dieses Themas noch steigert. Also der Tipp: sich nicht abschrecken lassen von einem Titel, der von Krankheit und dem Sterben handelt. Die Autorin schreibt so behutsam und klug darüber und entdeckt neben der Tragik auch so komische Momente, dass man sich darauf mit Gewinn einlassen kann.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

29.01.2010, 13.52 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Familiengeheimnisse, Familie, Margaret Forster,

Weg mit dem Gerümpel!

Seit Neujahr beutelt meine Familie ein seltsames Fieber: das so genannte Entrümpelungs-Fieber. Seinen Mittelpunkt fand es in meinem Schwager, der vor einiger Zeit „Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags“ von Karen Kingston entdeckte. Nachdem er sich die Ratschläge darin streng zu Herzen genommen hatte, wollte er auch die Familie an seiner neuen Erkenntnis Teil haben lassen und verschenkte das Buch zu Weihnachten an seine Verwandten. Seitdem wird reihum fleißig entrümpelt, aussortiert, weggeschmissen. Es ist die wahre Freude.

Selbst meine Mutter, die eine Überflutung im Keller vor drei Jahren unfreiwillig zum Entrümpeln zwang, kriegt vom Wegschmeißen derzeit nicht genug. Auch ich entmiste fleißig. So fleißig, dass schon am ersten Tag, nachdem ich Schreibtisch, Kommoden, Küchenschränke und Kleiderschrank durchforstete, die Mülltonne im Hof fast überquoll. Ich staune selbst, wie leicht ich mich nach der Lektüre von meinen Habseligkeiten trenne.

Liebgewonnenes aus über drei Jahrzehnten, darunter alte Fotos, Briefe, CDs, DVDs, selbst gestaltete Musikkassetten und sogar Bücher habe ich entsorgt. Ja, tatsächlich, ich habe auch meinen Bücherschrank aussortiert und viele Bücher dem Papiermüll übergeben: veraltete Lexika, Romane, die mir nie gefallen haben, geschenkte Bücher, die ich nie zu lesen gedenke. Bislang schien mir das Wegwerfen von Büchern ein Frevel. Doch der neu gewonnene Platz für gute Bücher, die ich längst in zweiter Reihe oder oberhalb des Regals gestapelt hatte, entschädigt mich für alles. Nun herrscht in Regalen, Schränken und Schubladen wieder mehr Platz.

Erstaunlicherweise fühle ich mich, als hätte ich auch meinen Kopf entrümpelt. Frisch, erleichtert und so, als bekäme ich nach jahrelanger Bedrückung durch zu viel Gerümpel wieder Luft.

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

29.01.2010, 11.11 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Feng Shui, Gerümpel, entrümpeln,

Familie im Focus

Dieses so kostbare Leben„Dieses so kostbare Leben“ – ein Titel, der eigentlich schon alles Wesentliche sagt. Eine Frau begleitet ihren alten Vater beim Sterben und lässt sein langes Leben Revue passieren. In einer Mischung aus Dankbarkeit, Pflichtgefühl und manchmal auch Angst kümmert sie sich um den 96-Jährigen und beschreibt, wie schwer es ist, dem starrsinnigen alten Mann seine Würde zu lassen und nicht mehr zu versuchen ihn zu ändern, sondern ihn so zu akzeptieren, wie er ist – mit all seinen Fehlern und Unzulänglichkeiten. Auch die Schwägerin der Erzählerin liegt im Sterben. Ein Buch also, das ganz eindeutig vom Tod handelt. Deprimierend? Nein. Eher ein Loblied auf die Familie, auf Zusammenhalt und eben auf das „so kostbare Leben“.

Margaret Forsters Bücher wie „Familiengeheimnisse“ und „Das Vermächtnis meiner Mutter“ sind nicht umsonst Bestseller. Alle sind gefühlvolle Schilderungen des Kosmos Familie, in dem sich jeder von uns befindet. Die britische Autorin lotet sie aus, die ganzen Verstrickungen und Geheimnisse, das Unausgesprochene und die vielfältigen Verbindungen, die jede Familie ausmachen. Wir alle stecken mitten drin und genau das macht Margaret Forsters Titel so spannend für jeden, der sich für mitreißende Familiengeschichten, die oft über Generationen reichen, interessieren.

Bei „Dieses so kostbare Leben“ kommt hinzu, dass es sich bei dem Buch um eine autobiographische Schilderung handelt, was die Intensität dieses Themas noch steigert. Also der Tipp: sich nicht abschrecken lassen von einem Titel, der von Krankheit und dem Sterben handelt. Die Autorin schreibt so behutsam und klug darüber und entdeckt neben der Tragik auch so komische Momente, dass man sich darauf mit Gewinn einlassen kann.


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

29.01.2010, 08.58 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Familiengeheimnisse, Familie, Margaret Forster,

Neu: Literatur-Podcast von Jokers.de

Audio-Magazin informiert aktuell über den Literatur-Betrieb

Augsburg, 25.01.2010
Jokers, der Spezialist für Restauflagen und Sonderausgaben, bietet Bücherfreunden unter www.jokers.de/podcast einen neuen Literatur-Podcast. Das kostenlose Audio-Magazin wird von René Wagner (Hörbuchmagazin „hoerothek.de“) produziert und befasst sich mit Themen rund ums Lesen, die Literatur und die Bücherwelt. Die erste Ausgabe des Literatur-Podcasts steht ab sofort kostenlos zum Download bereit. Sie liefert 25 Minuten lang interessanten und unterhaltsamen Hörstoff zu den wichtigsten Events des Literatur-Frühlings – zur Leipziger Buchmesse und zum Kölner Literaturfestival lit.COLOGNE, deren jeweilige Macher direkt im Podcast zu Wort kommen, sowie zum Münchner Krimifestival. Außerdem wurde für den Literatur-Podast Verleger Klaus Humann, Chef des Carlsen-Verlags, interviewt. Das Fachmagazin „BuchMarkt“ wählte Humann zum Verleger des Jahres 2009. Mit Jokers spricht er über die neuen Bestseller der Jugendliteratur und wagt einen Blick in die Zukunft des Buchmarkts: „Die Attraktivität des Buches ist ungebrochen“, so Humann im Literatur-Podcast von Jokers.

„Unser neuer Literatur-Podcast stellt Menschen aus der Branche und besondere Ereignisse rund ums Buch in den Mittelpunkt“, so Wolf Nikrandt, Geschäftsleitung Jokers: „Zusätzlich liefert er interessante Tipps und Hintergründe und stellt auch neue Trends wie etwa das eBook vor. Dieser Podcast ist kein Werbe-Podcast, sondern ein Audio-Magazin, das Jokers eigens für seine Kunden produziert. Der große Vorteil unseres Literatur-Podcasts ist, dass man ihn komfortabel immer dann hören kann, wenn man persönlich Zeit und Lust dazu hat – zum Beispiel beim Joggen, Bügeln oder auf dem Weg zur Arbeit.“

Der kostenlose Literatur-Podcast von Jokers kann unter www.jokers.de/podcast als MP3 oder als RealAudio-Datei heruntergeladen werden. Interessierte können sich über einen eigenen Download-Newsletter informieren lassen, wann eine neue Ausgabe des Audio-Magazins zur Verfügung steht, oder den Podcast ganz komfortabel abonnieren, zum Beispiel über iTunes.

Über Jokers: Der Buchversender Jokers, Spezialanbieter für hochwertige Restauflagen und Sonderausgaben und Marktführer in diesem Segment des Buchhandels, wurde im Jahr 1999 gegründet. Jokers gehört zur Augsburger Verlagsgruppe Weltbild GmbH.


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Jokers in der Verlagsgruppe Weltbild GmbH
Matthias Stöbener
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25.01.2010, 10.30 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Podcast, Literatur-Podcast,

Stille Zeile Sechs

Monika MaronEin bisschen stolz bin ich schon, dass ich es geschafft habe. Uwe Tellkamps Roman „Der Turm“ mit seinen fast tausend Seiten. Ein mitreißendes Panorama der letzten Jahre der DDR, wirklich faszinierend. Viele der dort beschriebenen Themen und Details waren mir neu und ich fand es spannend, sich als Wessi in diesen Kosmos zu begeben.

Mehr als zwanzig Jahre nach der Wende ist es immer noch interessant, die Welt der DDR in den 1980er Jahren zu entdecken. Mit dieser Welt beschäftigt sich auch Monika Maron in „Stille Zeile Sechs“: Die Historikerin Rosalind Polkowski kündigt ihre Arbeitsstelle und lässt sich vom ehemaligen Funktionär Herbert Beerenbaum anstellen, der seine Memoiren aufschreiben lassen möchte.

Rosalind Polkowski sieht in Beerenbaum einen Täter, einen skrupellosen bildungsfeindlichen Parteigenossen, der in ihren Augen auch an der Verurteilung eines ihrer Freunde Schuld trägt. Sie konfrontiert ihn mit Vorwürfen. Der alte Mann erleidet einen Schlaganfall. Erneut also Schuld und Täterschaft – diesmal auf Seite der Historikerin, die in ihrer unbändigen Wut keine Rücksicht auf die angeschlagene Gesundheit Beerenbaums nimmt.

Monika Maron war in der ehemaligen DDR als Regieassistentin und Journalistin tätig, bevor sie Schriftstellerin wurde und schließlich 1988 in den Westen Deutschlands ging. Die Autorin soll selbst einige Jahre für die Staatssicherheit tätig gewesen sein – aber wie dem auch sei, „Stille Zeile Sechs“ ist in jedem Fall eine fesselnde Auseinandersetzung mit dem Leben in der DDR.

Wenn man die Geschichte des eigenen Landes auf eine so gefühlsintensive Weise (und, ganz nebenbei, zu einem solch attraktiven Preis) präsentiert bekommt, kann ich nur sagen: unbedingt zugreifen!


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

22.01.2010, 10.28 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Der Turm, Tellkamp, Stille Zeile Sechs, Monika Maron,

Woody Allen

Woody Allen„Whatever works“ heißt der neue Kinoerfolg des genialen Komikers, der fast zeitgleich zu seinem Geburstag auf die Leinwände kam. Am 1.12. feierte er seinen 74. Geburtstag. Im Jahre 1935 wurde er als Allan Stewart Konigsberg in Brooklyn, New York, geboren. Was auch immer er anfasst, es verwandelt sich in Gold: Die Talente von Woody Allen sind fast nicht aufzuzählen. So hat er als Komiker, Filmregisseur, Autor, Schauspieler und Musiker große internationale Auftritte.

Dabei hat er selbst sein Können stets vortrefflich aufs Korn genommen. Eines seiner berühmtesten Zitate ist: „Ich habe keine Ahnung, was ich da tue ... Aber Inkompetenz hat mich auch noch nie von etwas abgehalten...“

Über 50 Filme hat er als Drehbuchschreiber und Regisseur gemacht. Daneben schrieb er zahlreiche Erzählungen, Theaterstücke und Kolumnen und auch als Jazzmusiker kann er sich sehen bzw. hören lassen.

Woody Allen ist Balsam für die geschundene Alltags-Seele. Seine Filme umgeben den Zuschauer mit einer ganz bestimmten Gravitation. Angezogen von diesem unendlich erscheinenden Universum voller Melancholie, Verzweiflung und Leidenschaft, Absurdität und tiefer Wahrheit. Woody Allen nimmt uns durch seine Filme in eine Zelluloid-Familie auf und gibt uns eine cineastische Heimat. Jeder findet in Woodys intellektuellem Krieg der Dialoge eine Rechtfertigung- auch für die allerletzte menschliche Regung. Woodys Filme sind Antidepressiva, Aufputschmittel und Seelen-Tankstelle zugleich. Man könnte sich verlieben- in diese Art des Filmemachens. Seine Filme machen glücklich. Zumindest für 90 Minuten.“, heißt es auf der Seite www.woody-allen.de .

Zu Ehren seines Geburtstages haben wir Werke zu dem Künstler ins Angebot genommen.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

08.01.2010, 19.30 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Woody Allen, Filme, Geburtstag, Biographie,

Ach, Shakespeare!

Bei kaum einem anderen Autor gerate ich so ins Schwärmen wie bei dem englischen Dramatiker und Dichter. Wer einmal die wunderbaren Sonette oder eines seiner intelligenten Dramen gelesen hat, ist für immer ein Fan. Das behaupte ich jetzt einfach mal und hoffe, dass Sie in der Schule nicht mit einer Shakespeareschen Tragödie gequält wurden, die Sie im Englischunterricht zu Tode interpretieren mussten. Und wenn es doch so war: Geben Sie dem Mann noch eine Chance, sein Werk hat sie wahrhaftig verdient!

ShakespeareUnglaublich, wie viele der Redewendungen aus seinen Stücken in unsere Alltagssprache übergegangen sind. Denken Sie nur an „Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage“ und „Der Rest ist Schweigen“ (Hamlet) oder „Gut gebrüllt, Löwe!“ (Ein Sommernachtstraum) Also mich macht so etwas neugierig, ich will dann auch wissen, was um die noch heute bekannten Aussagen herum passiert. Welche Ränke, Irrungen und Wirrungen um seine charismatischen Figuren sich der Autor hat einfallen lassen.

Dass die Werke Shakespeares inzwischen vierhundert Jahre alt sind, macht diese literarische Entdeckungsreise noch faszinierender, finde ich. Die großen Gefühle wie Rache, Eifersucht, Machtgier und enttäuschte Liebe sind bei ihm ebenso zu finden wie lustige Verwechslungen, Liebeshändel und romantische Verstrickungen. In eleganter Sprache, genau beobachtet und zweifellos noch immer gültig. Die Menschen haben sich seit dem 16. Jahrhundert offenbar nicht grundlegend geändert ...

Der Autor selbst ist noch immer von einem Hauch Geheimnis umweht, denn es heißt ja immer wieder, er habe die berühmten Werke gar nicht selbst verfasst. Fest steht, dass er bereits zu Lebzeiten ein berühmter und angesehener Mann war, der es mit seinen Werken und als Miteigentümer des Londoner Globe-Theaters zu einigem Wohlstand gebracht hat.

Wer Spaß an kunstvoller Sprache und ausgefeilten Charakterstudien hat, ist bei Shakespeare absolut richtig. Hier bei Jokers finden Sie eine schöne Auswahl seiner Werke: als Buch – auf Deutsch und im englischen Original – und als Film. Die Preise sind allesamt fantastisch, wie Sie es von uns kennen!


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

08.01.2010, 19.26 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Shakespeare, Dramatiker, Globe, Redewendungen,

Michael Moore für Intellektuelle: Noam Chomsky feierte Geburtstag

Noam Chomsky ist der Michael Moore für Intellektuelle, titulierte der Spiegel einmal einen Bericht über den amerikanischen Professor für Linguistik am MIT. Als Großvater der Amerika-Kritik gilt er, aber berühmt geworden ist Chomsky vor allem mit seinen psychologischen und sprachwissenschaftlichen Beiträgen. In den 1960er Jahren hat der Wissenschaftler die Vorstellungen über Sprache und Denken revolutioniert.

Obwohl der Kritiker des US-Imperialismus von der New York Times als "einflussreichster westlicher Intellektueller" und als "bekanntester Dissident der Welt" beschrieben wird und über 57 Bücher über US-Interventionismus in den Entwicklungsländern, die politische Ökonomie der Menschenrechte und die Propagandarolle der Medien in unserer Gesellschaft geschrieben hat, ist sein politisches Wirken doch nur wenigen „Insidern“ ein Begriff.

Und auch die „Chomsky-Hierarchie“ werden nicht allzu viele kennen, auch wenn es sich um einen etablierten Begriff handelt. Mit dieser Hierarchie von Klassen formaler Grammatiken werden formale Sprachen erzeugt. Die vier von Noam Chomsky beschriebenen Grammatiktypen entstehen aus einer nicht eingeschränkten Grundgrammatik (der Typ-0-Grammatik), indem zunehmend Einschränkungen bezüglich der für den Typ erlaubten Produktionsregeln gemacht werden. Entsprechend dem Typ einer Grammatik, die mindestens erforderlich ist, um eine bestimmte formale Sprache zu erzeugen, werden auch formale Sprachen in dieselben Kategorien von Typ 0 bis Typ 3 eingeteilt.

Am 7. Dezember hatte Chomsky Geburtstag: 1928 wurde der Akademiker in Philadelphia geboren. Ein ganz herzliches nachträgliches HAPPY BIRTHDAY!


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

31.12.2009, 10.08 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Noam Chomsky, Chomsky-Hierarchie, Amerika-Kritik,

Lesen kann sich lohnen

Kürzlich ging es in einer TV-Rateshow mal wieder um eine Literaturfrage. Es wurden einige Joker bemüht, bis die richtige Lösung aufleuchtete: „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ wurde von Robert Louis Stevenson verfasst. Ebenso wie „Die Schatzinsel“.

Tatsächlich hat man ja manchmal die Autoren solcher populären Titel einfach nicht im Kopf, auch oder gerade wenn die Bücher so für sich stehen wie diese beiden Klassiker. (Zugegeben, ich hatte auch kurz an Daniel Defoe gedacht, aber das war ja der mit „Robinson Crusoe“ ...)

Der Schotte Stevenson schrieb schon als Kind und Jugendlicher ständig kleine Geschichten, er hatte eine schwache Gesundheit und musste viel ruhen. Der Hang zur Schriftstellerei wurde in der Familie zwar akzeptiert – der Vater hatte selbst einmal derartige Ambitionen – eine ordentliche Ausbildung als Rechtsanwalt war dennoch ein Muss.

Richtig Fuß fasst er in seinem erlernten Beruf aber nie, er hält sich hauptsächlich mit dem Geld seiner Eltern über Wasser. Robert Louis Stevenson erkrankt als junger Mann an Tuberkulose und malt während seiner Krankheit für den halbwüchsigen Sohn seiner Ehefrau Fanny Osbourne eine Schatzinsel. Die Idee zu seinem berühmtesten Roman entsteht. In kurzer Zeit wird das Werk zum Bestseller. Ein richtig spannendes Buch! Kein Wunder, dass es viele Male verfilmt wurde, denn die Suche nach dem legendären Schatz von Captain Flint hat alles, was ein waschechtes Abenteuer braucht: böse Schurken, üble Spelunken, gerissene Piraten und natürlich einen Schatz.

Echte Weltliteratur ist auch die berühmte Geschichte einer gespaltenen Persönlichkeit: Wenn Dr. Jekyll nachts zu Mr. Hyde wird, dann ist der gutherzige Arzt plötzlich ein gewissenloser Mörder – eine der ersten Darstellungen einer solchen Wesensverwandlung und heute aus großen Comics wie Spiderman gar nicht mehr wegzudenken.

Auch wenn Sie nicht vorhaben, demnächst in einer Ratesendung mitzumachen: Robert Louis Stevenson zu kennen lohnt sich! Bei uns finden Sie seine wichtigsten Werke als Buch, Hörbuch und Film.




 




(Geschrieben von Matthias Stöbener)

31.12.2009, 09.34 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Robert Louis Stevenson, Jekyll und Hyde, Schrecken der Karibik,

Münchhausens Tipps

SchweinehundEs hilft alles nichts, es ist mal wieder so weit: das Jahr neigt sich dem Ende entgegen und die Zeit der guten Vorsätze beginnt. Selbst wenn man dem Ganzen entfliehen möchte, beinahe in allen Magazinen und Zeitungen, auf sämtlichen Fernsehkanälen wird man damit konfrontiert: der bessere (wahlweise auch gesündere, sportlichere, geselligere, ausgeglichenerer) Zeitgenosse ist gefragt im neuen Jahr.

Der ärgste Feind des Besserwerdens: der innere Schweinehund. Das hinterlistige Tier sagt uns mit verführerischer Stimme, dass es doch viel kuscheliger ist, auf dem Sofa zu liegen als sich nach Feierabend noch einmal zum Joggen in den Wald zu begeben. Es flüstert uns ein, dass es Ok ist, immer wieder die wirklich letzte Zigarette zu rauchen. Und dass die Garage eigentlich gar nicht zugemüllt ist und ruhig noch ein wenig auf ihre Entrümpelung warten kann.

Haben Sie den inneren Schweinehund schon oft besiegt? Der Autor Marco von Münchhausen (ja, der Jurist ist tatsächlich ein entfernter Verwandter des berühmten Lügenbarons, aber das nur am Rande) rät dazu, das hartnäckige Vieh nicht zu bekämpfen, sondern sich mit ihm zu verbünden. Und schon sollen die Dinge weniger schwierig werden. „So zähmen Sie Ihren inneren Schweinehund“ heißt der Titel.

Die These ist verblüffend einfach: Es muss nicht immer alles zu hundert Prozent perfekt werden, diese Hürde stellen sich die meisten Schweinehund-Opfer selbst auf. Manchmal reichen auch 70 Prozent, Hauptsache, man fängt überhaupt erst einmal mit seinem Vorhaben an. Und wenn man dann das innere „Ich muss“ durch ein „Ich möchte“ ersetzen kann, ist man auf dem richtigen Weg, sich das Leben deutlich zu erleichtern. Klingt gut, oder?

Sie können dem Jahresende nun gelassener begegnen, es gilt nur noch einmal den inneren Schweinehund zu überwinden und das Buch zu lesen. Mit dem Schnäppchen-Preis machen wir es Ihnen extra einfach, Ihre guten Vorsätze umzusetzen ..


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

30.12.2009, 18.10 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches | Tags: Innerer Schweinehund, Vorsätze, Münchhausen,

A Christmas Keepsake

A Christmas keepsakeIch merke vor allem an meiner kleinen Nichte, dass Weihnachten näher rückt: Die heute 11-Jährige hat schon begonnen, einen eigenen Adventskalender für eine Freundin zu basteln. Ihre Freundin ist, genau wie sie selbst, zweisprachig aufgewachsen und hat auch einen amerikanischen Vater. Und so ist es für die beiden Mädchen ein tolles Erlebnis, Weihnachten nach deutscher und amerikanischer Art begehen zu können.

Der Begriff „Advent“ tritt in Amerika allenfalls im kirchlichen Kontext auf. Adventskränze mit Kerzen gibt es nicht, dafür große Kränze aus Tannengrün, die mit einer dicken roten Schleife verziert die Haustüren schmücken. Jedoch wird meist bald nach Thanksgiving der Christbaum aufgestellt, der dann aber nur bis kurz nach dem Weihnachtsfest stehen bleibt. Weihnachtsbäume sind in den USA nicht überall anzutreffen wie bei uns. Vor allem in öffentlichen Schulen wird in nicht auf Weihnachten als religiöses Fest eingegangen. „Happy Holidays“, frohe Festtage, aber nicht: frohe Weihnachten wünschen dort die Lehrer ihren Schülern.

Für alle Kids, die des Englischen schon etwas mächtig sind, haben wir einen ganz besonders liebevollen Adventskalender im Angebot: Und ganz nach amerikanischer Art, wird dort doch Weihnachten am 25.12. gefeiert – und so finden sich 25 Überraschungen im Kalender. Denn unser Adventskalender ist ein Geschichten-Schatzkästchen mit 25 Mini-Büchern zum Herausnehmen und Aufhängen!

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

27.12.2009, 09.12 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Englische Bücher | Tags: Amerikanischer Adventskalender, Happy Holidays,

Deutsche beim Fleisch

Katherine MansfieldEine Neuseeländerin als Kurgast im tiefsten Bayern. Das klingt interessant, dachte ich mir. Und tatsächlich – der Erzählungsband „In einer deutschen Pension“ von Katherine Mansfield war ein Glücksgriff: detailverliebte Momentaufnahmen, bissige Beobachtungen und feiner Humor, der die dargestellten Personen zwar scharf zeichnet, aber nicht bloßstellt.

Die Erzählungen Katherine Mansfields sind voller Aufmerksamkeit gegenüber Menschen und Dingen. An Kleinigkeiten macht sie ihre zart pointierten Sätze fest und überlässt es dem Leser, sich ein Urteil über die dargestellten Personen zu bilden. Die illustre Tischgesellschaft etwa, die in der bayerischen Pension über die Gesellschaft plaudert, erweist sich als so bigotte und spießige Runde, dass man schmunzeln muss und die nächste Erzählung kaum erwarten kann. Dort erwarten einen wieder neue Charakterzeichnungen von äußerst vergnügten Witwen oder bornierten Aufschneidern. Herrlich! Ich habe mir beim Lesen immer vorgestellt, wie die Autorin heimlich Notizen in ein Büchlein macht, das sie unter einer Tischdecke mit Häkelkante versteckt.

Ihr eigenes Leben war kurz und wohl nicht sehr glücklich. Das Zerwürfnis mit ihrer Familie und ein chronisches Lungenleiden ließen sie nur 34 werden.

Die Freude an der sprachlichen Kunst, die man bei Katherine Mansfields Geschichten empfindet, ist kein Wunder, gehört die Autorin doch zu den Klassikern der Literatur des 20. Jahrhunderts. Auch wenn „Deutsche beim Fleisch“ – das sind einige der Geschichten aus „In einer deutschen Pension – zugegebenermaßen etwas martialisch klingt. Aber wie vergnüglich das Ganze tatsächlich ist, habe ich Ihnen ja schon beschrieben.

Hier bei Jokers bekommen Sie Katherine Mansfields prächtige Erzählungen als Schnäppchen-Hörbuch.

http://www.jokers.de/3/14910258-1/hoerbuch/deutsche-beim-fleisch-1-audio-cd.html



(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

27.12.2009, 08.31 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Deutsche beim Fleisch, In einer deutschen Pension, Katherine Mansfield,

Empfohlen: eine Hör-Biographie

Ingeborg BachmannMögen Sie Biografien? Ich finde es immer spannend in ein fremdes Leben zu schauen, besonders wenn die Person so interessant ist wie Ingeborg Bachmann.

Die Österreicherin war eine der wichtigsten Schriftstellerinnen der Nachkriegszeit. Als ihr Gedichtband „Die gestundete Zeit“ 1953 erschien, wurde sie schlagartig bekannt. Auch denen, die bislang mit Lyrik nichts am Hut hatten. Ihren Erzählband „Das dreißigste Jahr“ und den Roman „Malina“ haben viele gelesen, und in der Form des jährlich verliehenen Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Preises ist ihr Name aus der Literatur-Szene nicht mehr wegzudenken – immerhin ist dies einer der renommiertesten Literaturpreise im deutschsprachigen Raum.

Das klingt recht schön und erfolgreich. Aber das Leben der Schriftstellerin war alles andere als unbeschwert und endete ebenso früh wie tragisch: Sie starb an den Verletzungen, die sie sich bei einem Brand in ihrer Wohnung in Rom zugezogen hatte. Das Ende ihrer langjährigen Beziehung zu dem Autor Max Frisch hat sie schwer getroffen, sie war alkohol- und tablettenabhängig.

Das grandiose Werk Ingeborg Bachmanns steht für sich, das ist keine Frage. Auch ohne Kenntnis ihres Lebens ist es ein Stück große Literatur. Aber woher kam Ingeborg Bachmann? Was trieb sie an? Wer hat sie beeinflusst und begleitet?

Gut, wenn die Antworten auf diese Fragen dem Literaturfreund auf einem Hörbuch von einer so umwerfenden Stimme nahe gebracht wird wie der von Sophie Rois. Wer sie einmal gehört hat, wird sie immer wieder erkennen. Sie macht die Biografie Ingeborg Bachmanns auf zwei Audio CDs zu meiner ausdrücklichen Hör-Empfehlung. Und bei dem Preis können Sie meiner Meinung nach sowieso nicht nein sagen ...


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

23.12.2009, 09.17 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Ingeborg Bachmann, Biographie, Sophie Rois,

Apokalyptisch!

Kein Kinogänger kommt an dem neuen Film von Roland Emmerich vorbei: „2012“ entwickelt sich zum neuen Kassenschlager. Ich persönlich habe mich an den Weltuntergangsfilmen satt gesehen. Es vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht ein anderer Apokalypsen-Streifen über die Leinwände flimmert.

ApokalypenDabei ist die düstere Zukunftsprophezeiung keinesfalls ein Phänomen der Neuzeit. Wie es Emmerich in „2012“ verwertete, sollen schon die Maya den Weltuntergang für dieses Jahr prophezeit haben. Auch in der Bibel, etwa in der Offenbarung des Johannes, kann man vom Ende der Welt lesen. Dabei schaffen es Mythen und Schriften, den Leser ganz ohne Spezialeffekte und künstliches Dynamit zu fesseln. Für mich sind die so manche Aussagen der Apostel und Jünger viel spannender als jedes Drehbuch zu einem Kino-Schocker.

Düster und beängstigend lesen sich die Weissagungen aus der biblischen Zeit. Texte von Abraham bis in die ersten Jahrzehnte nach dem Tod Jesu beschäftigen sich mit der Apokalypse und mahnen zur Besinnung. „Die Apokalypsen“ vereint alle bekannten biblischen Aussagen zum Thema Weltuntergang: Als Sonderausgabe bietet Jokers Ihnen das Werk nun für weniger als 3 EUR.

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

23.12.2009, 09.07 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: In der Presse | Tags: Apokalypsen, 2012, Roland Emmerich,

Wo Bücher töten können

MoersBücher können schrecklich heimtückisch sein. Sie können sogar töten. Das glauben Sie nicht? Dann kommen Sie mal mit in „Die Stadt der träumenden Bücher“, dort werden Sie sehen, dass ich recht habe ... Dass Lesen ein Abenteuer wird, wenn man die Tür öffnet zu Buchhaim, wo die träumenden Bücher zu Hause sind und es verführerisch nach Druckerschwärze, Papier und Leim duftet. Genau diese verlockende Tür nämlich öffnet der junge Dichter Hildegunst von Mythenmetz, der unbedingt das Geheimnis eines geerbten Manuskripts ergründen möchte. In der geheimnisvollen Stadt trifft er auf leidenschaftliche Bücherjäger und seltsame Buchlinge, bis er sich fast in der labyrinthischen Welt der Bücher verliert.

Autor der herrlich verrückten Geschichte ist Walter Moers, der Tausendsassa unter den deutschen Autoren der Gegenwart. Moers, der auch als Comiczeichner und Illustrator arbeitet, ist mit „Käpt’n Blaubär“ und dem „Kleinen Arschloch“ einem großen Publikum bekannt geworden – keine Frage, der Mann hat einen brachialen Humor und Sinn fürs Groteske. Alles ist in der Regel wahnsinnig übertrieben und politische Korrektheit ist definitiv Fehlanzeige.

Was ich wirklich bewundere, ist seine überbordende, alle Grenzen sprengende Phantasie. Was Walter Moers einfällt, ist einfach kaum zu glauben: Sprachspiele, wilde Zeichnungen und eine eigentümliche Mischung alter Mythen und Sagen gemixt mit den Fakten der postmodernen Welt.

Da ich auch Sie als Bücherjäger einschätze – sonst wären Sie ja nicht bei Jokers unterwegs, oder? – lege ich Ihnen diesen über 400 Seiten feinsten Lesestoff zum fantastischen Preis gern ans Herz!


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

22.12.2009, 09.58 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Walter Moers, Stadt der träumenden Bücher,

Weihnachtliche Sozialkritik

Charles DickensEbenezer Scrooge ist wohl der bekannteste Geizhals der Welt. Allein dieser Name lässt einen schon frösteln. Der alte Grantler gehört zu den wichtigsten Figuren von Charles Dickens und begegnet uns dieser Tage wieder im Kino. Diesmal in 3D und verkörpert von Jim Carey. Er zeigt uns, wie er durch den Besuch von drei Geistern eine Persönlichkeitswandlung vom Bösen zum Guten vollzieht.

„Eine Weihnachtsgeschichte“ heißt Charles Dickens berühmte Erzählung, auf der dieser Film beruht. Ich habe bislang nur den Trailer zum Kinofilm gesehen und fand Scrooge ziemlich düster und unheimlich. Und Dickens’ Erzählung selbst ist ja auch nicht ohne: Dem knauserigen alten Mann, der ohne Mitleid über die Armen und Benachteiligten der Gesellschaft urteilt, wird durch die drei Geister der Weihnacht gnadenlos der Spiegel vorgehalten.

In einer der Traum-Szenen in der Nacht vor Weihnachten erlebt Ebenezer Scrooge sogar seinen eigenen Tod und muss erkennen, dass ihm niemand nachtrauert. Er erkennt, wie unbeliebt er sein muss – als kalter, nur am Profit interessierter Geschäftsmann, der keine Almosen gibt und sich dem Elend anderer gegenüber verschließt.

Charles Dickens schlägt hier ganz deutliche sozialkritische Töne an, die auch für seine übrigen Werke charakteristisch sind. Denken Sie nur an „Oliver Twist“. Die Darstellung von Kinderarmut ist hier wirklich drastisch. Auch in „David Copperfield“ widmet sich Dickens dem Thema Kindheit. Kein Wunder, hatte doch Charles Dickens selbst eine harte Jugend in einer kinderreichen Familie, die zeitweise sogar im Londoner Schuldgefängnis leben musste.

Die Lektüre dieses englischen Klassikers lohnt sich auf jeden Fall. Bei Jokers haben wir eine Vielzahl an Titeln von und über Charles Dickens, in Deutsch und im englischen Original – selbstverständlich zu unwiderstehlichen, fast schon „Scrooge“-mäßigen Preisen.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

22.12.2009, 09.20 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Englische Bücher | Tags: Charles Dickens, Sozialkritik, Ebenezer Scrooge,

Die Frau des Zeitreisenden

Meist tue ich es zuerst nicht ganz freiwillig, aber manchmal führt es zu unerwarteten Entdeckungen: ein Buch lesen, das ich auf den ersten Blick für eine süße Romantik-Schnulze halte. Bisweilen gefällt es mir nämlich auf den zweiten Blick sehr gut. Das war schon bei „P.S. Ich liebe dich“ von Cecelia Ahern so, und bei Audrey Niffenegger ging es mir ähnlich. Als „Die Frau des Zeitreisenden“ so mit seinem geblümten Cover auf meinem Tisch lag, hatte ich die schlimmsten Vorurteile in Richtung Kitsch. Doch ich habe das Buch tatsächlich sehr gern gelesen.

Die Geschichte von Clare und Henry, dem Zeitreisenden, ist nicht umsonst ein Bestseller. Es ist schon mitreißend zu erleben, wie Henry, der aufgrund eines genetischen Defekts in der Zeit reist, seine spätere Frau Clare als kleines Mädchen trifft. Zu diesem Zeitpunkt ist er 36 Jahre alt und eigentlich schon lange mit ihr verheiratet...

Sie sehen schon, hier ist vom Leser Konzentration gefordert, um die vielen Zeitsprünge und Begegnungen von jungen und alten Ichs im Kopf zu behalten. Die ganze Kindheit Clares hindurch finden die Treffen statt, bis sich beide – sie sind nun etwa gleich alt – in der Gegenwart finden und eine Familie gründen. Da die Zeitreisen Henrys oft unvermutet passieren, ist das eine große Belastung für seine Frau und auch sonst gibt es Schwierigkeiten und Schicksalsschläge, die den Roman nicht in die Rührseligkeit abdriften lassen.

Sobald man die Fiktion des Zeitreisens einmal akzeptiert hat – das ist die einzige inhaltliche Hürde – kann man sich getrost von dem Roman in den Bann ziehen lassen. Dann ist er sehr unterhaltsam und man ist von der Handlung mit ihren vielfältigen Sprüngen in Raum und Zeit sofort fasziniert. Dass dieses romantisch-abenteuerliche Buch verfilmt wurde und kürzlich in die deutschen Kinos kam, liegt auf der Hand.

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

22.12.2009, 08.49 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Audrey Niffenegger, Die Frau des Zeitreisenden,

Lexikon der überflüssigen Dinge

Für den einen sind es rote Ampeln, für den anderen Nikotinpflaster, für den dritten Hair-Extensions: Jeder von uns hat seine persönliche Liste von bevorzugten Überflüssigkeiten.
Die Gründe dafür sind vielfältig – und müssen meistens nicht erklärt werden. Weil eben jeder seine eigene Hass-Liste hat.

Das Lexikon der überflüssigen Dinge stellt eine durch und durch erheiternde Auflistung überflüssiger Dinge dar. Und der Autor ist kein anderer als Alexander von Schönburg (das „Graf“ in seinem Namen ist überflüssig). Kennen Sie nicht? Und wenn ich Ihnen zwei seiner berühmten Schwestern verrate, Gloria von Thurn und Taxis und Maya Flick?

Vielleicht hat ihn seine Erbfolge zu seinem Lexikon veranlasst – wir wissen es nicht. Seit dem Tod des Vaters im Jahr 1998 ist er Chef des gräflichen Zweigs des bis 1740 souveränen Adelsgeschlechts von Schönburg und führt als solcher nach adeligem Kodex den Titel "regierender Graf" und das Prädikat "Erlaucht".

Fakt ist auf jeden Fall, dass sein Werk unglaublich Spaß macht. Und wenn Sie es durchgeschmökert haben, können Sie ruhig zur weiterführenden Lektüre – oder, besser gesagt: Audio-türe, übergehen. Auf zwei Kassetten gibt der Graf nämlich eine Einweisung in das, was Sie schon immer über Könige wissen wollten ... Na, wenn das mal keine Informationen aus erster Hand sind!


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

20.12.2009, 08.34 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Lexikon der überflüssigen Dinge, Alexander von Schönburg,

Mein Kurz-Trip ins All

Dass die Science-Fiction-Literatur nicht gerade mein Spezialgebiet ist, beweist mir immer wieder mein Freund Gerhard. Als bei einer unserer regelmäßigen Stammtischrunden neulich die Sprache auf Frank Schätzings neuen Roman „Limit“ kam, zeigte Gerhard unerwartete Fachkenntnis. Ich wollte gerade Schätzings Vorliebe für wohl recherchierte Hintergründe preisen und über den Abbau neuer Energiestoffe auf dem Mond philosophieren, da brachte er die Sprache auf Stanislaw Lem.

EdenDer polnische Science-Fiction-Autor, der mir bislang nur wenig bekannt war, sei einer seiner Lieblingsautoren. „Dieser Mann hatte noch Visionen und schrieb schon vor über 50 Jahren Romane, an denen sich Nachfahren wie Frank Schätzing, Andreas Eschbach oder der mittlerweile verstorbene John Michael Crichton noch eine Scheibe abschneiden konnten.“

Die heutigen Science-Fiction-Autoren hielten sich zu streng an die Regel, in einem Roman nie mehr als ein spektakuläres wissenschaftliches Gedankenkonstrukt vorzustellen. Dabei kritisierte Gerhard vor allem den Vorsatz, das Publikum geistig keinesfalls zu überfordern. „Derweil gibt es sehr viele Leser, die genau das wollen. Ich liebe es, mit neuen Gedanken herausgefordert zu werden. Eben so, wie es Lem zum Beispiel in seinem letzten Buch `Fiasko´ tut.“ In diesem Werk konstruiert der Autor eine mögliche Zukunftsvision des wissenschaftlichen Menschheitsfortschritts.

Dass Lems Werke ebenso witzig wie anspruchsvoll sind, entdeckte ich vor wenigen Tagen selbst, als ich per Zufall im Fernsehen „Ijon Tichy: Raumpilot“ sah. Basierend auf „Die Sterntagebücher des Weltraumfahrers Ijon Tichy“ erzählt die Kurzfilm-Serie verschiedene Abenteuer einer Art Weltall-Münchhausen. Das hat mir auf jeden Fall Lust auf mehr Science-Fiction gemacht. Ich denke, ich werde meinen Trip ins All mit Stanislaw Lem beginnen.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

18.12.2009, 01.48 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Stanislaw Lem, Eden, Science-Fiction,

José M. Sousa Saramago

SaramagoVor 11 Jahren erhielt er den Literaturnobelpreis: Kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass seine Großeltern noch nicht lesen oder schreiben konnten. José Saramago, der portugiesische Vorzeige-Autor, wurde am 16. November 1922 in Azinhaga in der portugiesischen Provinz Ribatejo geboren und wuchs in einer Kleinbauernfamilie auf, bis sein Vater 1924 mit der Familie nach Lissabon zog, um eine Anstellung als Polizist anzutreten.

Als José zwölf Jahre alt war, schenkte ihm seine analphabetische Mutter sein erstes Buch: Den Besuch des Gymnasiums musste er 1936 allerdings aufgrund von finanziellen Problemen, seine Eltern konnten das Schulgeld nicht aufbringen, vorzeitig abbrechen. José wechselte auf eine technische Realschule, im Anschluss machte er eine Schlosserlehre.

1944 heiratete er die Malerin Ilda Reis. Drei Jahre später wurde als einziges Kind des Paares seine Tochter Violante geboren. José Saramago verdingte sich als technischer Zeichner, Behördenangestellter, Verlagsmitarbeiter, Übersetzer, Journalist und Literaturkritiker. Im Alter von 47 Jahren schloss er sich der unter Salazar und Caetano verbotenen Kommunistischen Partei Portugals an. Nach dem Scheitern seiner Ehe, die 1970 geschieden wurde, lebte er bis 1986 mit der Autorin Isabel da Nóbrega, im Jahre 1988 heiratete er die spanische Journalistin Pilar del Río. Mit ihr zog er später auf die kanarische Insel Lanzarote.

Seinen ersten Roman hatte José Saramago im Alter von fünfundzwanzig Jahren veröffentlicht ("Land der Sünde", 1947), dreißig Jahre später erschien sein zweiter ("Handbuch der Malerei und Kalligraphie", 1977). International bekannt wurde er 1982 mit dem Roman "Das Memorial", für den er den Nobelpreis für Literatur erhielt.
Hier bei Jokers finden Sie derzeit das „Handbuch der Malerei und Kalligraphie“, ein stimmungsvolles Porträt des Vorabends zur portugiesischen »Nelkenrevolution« vom April 1974, für nur 3.95.

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

17.12.2009, 15.40 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: José Saramago, Handbuch der Malerei und Kalligraphie, Nelkenrevolution,

Weiße Weihnacht

Jedes Jahr habe ich das Gefühl, dass die Zeit noch ein wenig schneller vergangen ist. Schon wieder befinden wir uns mitten in der Adventszeit, schon wieder duftet es überall nach Lebkuchen, die Straßen sind mit den Christkindlesmärkten hell erleuchtet und wunderbar geschmückt. In den Kaufhäusern und Cafés schmachten die besten Weihnachtssongs, die Kinder laufen jeden Morgen zum Fenster, um zu sehen, ob es denn endlich schneit...

Doch die Vorweihnachtszeit ist für einige auch Stress. Plätzchen müssen gebacken werden, Geschenke besorgt und verpackt werden, der Christbaum ausgesucht und dekoriert werden... Wie begegnen Sie diesen Herausforderungen des Advents? Wie entspannen Sie sich? Jeder hat da ja so seinen Geheimtipp... Bei dem einen ist es ein heißes Fußbad, der andere liest Wintergedichte, der nächste entfacht ein wohliges Kaminfeuer...

Ich habe mir gestern eine CD mit Weihnachtsliedern eingelegt und vor mich hingeträumt. Mein Favorit aus der CD-Box „Christmas Legends“ mit sage und schreibe sechs Scheiben (für nur 9.99 €!) ist „White Christmas“, gesungen von Bing Crosby.


White Christmas

I'm dreaming of a white Christmas

Just like the ones I used to know

Where the treetops glisten and children listen

To hear sleighbells in the snow

I'm dreaming of a white Christmas

With every Christmas card I write

May your days be merry and bright

And may all your Christmases be white

I'm dreaming of a white Christmas

With every Christmas card I write

May your days be merry and bright

And may all your Christmases be white





(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

14.12.2009, 15.26 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kino & Film | Tags: Bing Crosby, Christmas Legends, Weiße Weihnacht,

Mittelmäßiges Heimweh

Wilhelm GenazinoWer sich auf den Autor Wilhelm Genazino einlässt, der muss damit rechnen, dass er mit merkwürdigen Dingen konfrontiert wird. Etwa damit, dass ein Mann, dessen Hauptbeschäftigung im Flanieren und Denken besteht, Luxushalbschuhe zur Probe trägt und darüber Gutachten verfasst. Oder ein anderer Mann sucht im Park nach Wacholderdrosseln. Nicht weil er Vogelkundler wäre, sondern weil er das Wort „Wacholderdrossel“ denken möchte. Ganz zu schweigen von Herrn Rotmund, der während einer Fernseh-Fußballübertragung ein Ohr verliert.

Klingt ganz schön schräg? Das ist es auch. Aber auf eine so schöne, ironische Weise, dass Wilhelm Genazino bereits viele Literaturpreise bekommen hat. Das Besondere ist dieser ganz eigentümliche, typische Genazino-Ton, der viel Wert auf detaillierte Beschreibungen legt und sich an scheinbar Nebensächlichem ergötzt. Die verschrobenen Denk-Kaskaden im Kopf seiner Hauptfiguren sind einfach sagenhaft. In der Regel geht es um Menschen, die sich irgendwie durchs Leben lavieren. Richtig schlecht geht es ihnen nicht, sie sind keine „Gescheiterten“. Sie sind mittelmäßig, kämpfen zwar die kleinen Schlachten der Geschlechter, lassen sich aber auf nichts so richtig ein. Sie beobachten. Und in diese beobachteten alltäglichen Banalitäten steckt Genazino eine subtile Komik, die die absurden Aspekte des Lebens greifbar macht.

Wer einmal völlig neue Wortkombinationen kennen lernen möchte, ist hier richtig. „Mittelmäßiges Heimweh“ – hier geht es um den oben schon erwähnten Verlust von Körperteilen des Herrn Rotmund – ist so ein kleines Juwel aus Wilhelm Genazinos Werk, das Sie bei uns als Hörbuch entdecken können. Der Preis ist allerdings nicht mittelmäßig, sondern bestens!

(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

13.12.2009, 08.57 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Wilhelm Genazino, mittelmäßiges Heimweh,

Für die Alphabetisierung

Fast eine halbe Million Analphabeten gibt es nach einer Statistik aus dem Jahre 2007 in Deutschland, weltweit sind 84 andere Länder noch stärker betroffen. Spanien mit knapp 730.000 liegt noch ein gutes Stück weiter vorne auf dieser zweifelhaften Rangliste.

Lesende FrauenMich erschrecken diese Zahlen: Schlussendlich ist die Schulpflicht in den meisten Ländern nicht erst gestern eingeführt worden, unser Bildungssystem halte ich nicht für eines der schlechtesten, und die Zeiten, in denen insbesondere Mädchen das Lesen verweigert wurde, sind lange passé.

Wir von Jokers möchten die Alphabetisierungskampagnen unterstützen: Wir spenden 10.000 Euro an den Bundesverband Alphabetisierung.

Sie können mithelfen: Für jedes verkaufte Exemplar des Kunstkalenders „Lesende Frauen“ erhöhen wir unsere 10.000-Euro-Spende um einen weiteren Euro. Die Sonderausgabe des Kunstkalenders “Lesende Frauen“ haben wir speziell für unsere Spendenaktion aufgelegt. Sie ist exklusiv bei Jokers erhältlich.

Monat für Monat erfahren Sie andere wissenswerte Details über eine der großartigen Autorinnen, die Geschichte schrieben, z.B.:

  • Doris Lessing
  • Simone de Beauvoir 
  • Katherine Mansfield 
  • Karen Duve 
  • Selma Lagerlöf 
  • Carson McCullers 
  • Rahel Sanzara 
  • Dorothy Parker

(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

06.12.2009, 08.26 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Lesende Frauen, Alphabetisierungskampagne, Analphabetismus,

Jokers Dankeschön-Aktion zu Weihnachten: Bis 21. Dezember sind alle Online-Bestellungen versandkoste

WeihnachtenWir von Jokers bedanken uns zum Ende unseres Jubiläumsjahrs bei unseren Kunden mit einer besonderen Aktion: Von 4. bis 21. Dezember 2009 werden alle Bestellungen über den Online-Shop www.jokers.de versandkostenfrei verschickt.

Wolf Nikrandt, unser Geschäftsleiter: „Das Jubiläumsjahr 2009 war für uns ein voller Erfolg. Unsere Kunden haben uns viele positive Rückmeldungen gegeben und sich sehr zahlreich an unseren verschiedenen Geburtstagsaktionen zum 10-jährigen Bestehen beteiligt. Darum möchten wir uns zum Abschluss dieses Festjahres noch einmal bei allen Jokers-Freunden bedanken. Wir schenken ihnen die Versandkosten für alle Internetbestellungen, die bis zum 21. Dezember eingehen. So macht Schenken zu Weihnachten gleich noch mehr Freude! Legen Sie doch gleich noch den spannend komischen Roman „Die alltägliche Physik des Unglücks“ von Marisha Pessl als Geschenk unter den Weihnachtsbaum. Bei Jokers kostet er statt 19,90 € nur noch 4,95 €!“

1999 waren wir mit dem Konzept, hochwertige Restauflagen zu günstigen Preisen zu vertreiben, gestartet. Inzwischen sind wir Marktführer in diesem Segment. Das ganze Jahr 2009 über feierte Jokers das zehnjährige Bestehen mit einer Reihe von attraktiven Geschenkaktionen und Gewinnspielen. Unter anderem wurden eine 18-tägige China-Reise, ein Smart for two sowie zahlreiche Geld- und andere Sachpreise verlost. Die Versandkostenfrei-Aktion zum Jahresende läuft von 4. bis 21. Dezember 2009 und gilt für alle Bestellungen über den Online-Shop unter www.jokers.de .


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

05.12.2009, 13.51 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Versandkostenfrei, Jubiläumsjahr,

Antworten in bewegten Zeiten

Sokrates antwortetVielleicht gehören Sie auch der „Douglas-Adam-Generation“ an: Sein „Per Anhalter durch die Galaxis“ wurde zum Bestseller. Bis heute hat sich hartnäckig ein eigentümlicher Witz gehalten, den allerdings nur Adam-Leser verstehen. Wenn jemand eine Frage stellt, auf die es keine wirkliche Antwort gibt, so grinst der Gefragte gerne: „42“.

Genau diese Antwort spuckte der in Adams Buch gebaute Riesen-Computer aus: Er wurde vor langer, langer Zeit eigens konstruiert, um die Antwort auf die Frage aller Fragen zu finden. Und so rechnete die Maschine Ewigkeiten, um schließlich die Antwort „42“ zu geben. Das Problem war nur, dass keiner mehr wusste, welche Frage dem Computer vor Urzeiten gestellt worden war.

Die Anekdote hat durchaus etwas Wahres: Wie oft verirren wir uns auf der Suche nach dem „Sinn des Lebens“ in seltsamsten Antworten? Wie oft stellen wir unseren Mitmenschen Fragen, die nicht zu beantworten sind? Dieser Durst nach Wissen ist kein Phänomen unserer Zeit. Schon in der Antike stellten Menschen ähnliche Fragen wie wir heute. Und schon damals war jeder froh, wenn er Wahrheiten an die Hand bekam, die es ihm ermöglichten, ein harmonisches Leben zu führen.

Sokrates antwortet“ heißt das Büchlein, das eine wahre Schatztruhe an Weisheiten für den Alltag und auch auf der Suche nach „mehr“ ist. Treffend und wortgewandt sind hier die besten Aussagen der antiken Philosophie zusammengefasst. Für weniger als 4 € finden Sie rund 555 Lebensweisheiten zu allen wichtigen Themen. Eines der Zitate, die mir am meisten zusagen, ist: „Es ist besser, einen einzigen Freund zu besitzen, der viel wert ist, als viele, die nichts taugen.“


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

30.11.2009, 09.27 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Naturwissenschaften | Tags: Sokrates, 42, Antworten,

Enzensberger – Eine Auseinandersetzung, die sich lohnt

Er mischt sich ein, gibt seinen Senf dazu, regt an und regt auf. Hans Magnus Enzensberger gehört zu den deutschsprachigen Schriftstellern, die man in öffentlichen Diskussionen deutlich wahrnimmt. Dieser Tage wird er 80 Jahre alt. Aus diesem Grund erscheint nun bei Suhrkamp eine CD-Box mit filmischen Zeugnissen aus Enzensbergers äußerst bewegtem Leben – ein Blick hinein dürfte sich also lohnen!

Unbequem war Enzensberger schon immer, so unterstützte er in den späten 1960er Jahren die Studentenbewegung, sein Bruder Ulrich lebte sogar in der berühmt-berüchtigten „Kommune I“. Der Lebensweg des Autors führte ihn nach Norwegen, Italien, in die USA und nach Kuba. Gern greift Hans Magnus Enzensberger noch heute provokativ ins Geschehen ein.

EnzensbergerBekannt wurde er vor allem durch seine scharfe Medienkritik, so auch am „Nullmedium“ Fernsehen. Dabei gerät manchmal fast in Vergessenheit, dass Hans Magnus Enzensberger auch erfolgreich schreibt. Lyrik, Romane und Essays gehören ebenso zu seinem Werk wie Kinderbücher und Dramen. Er ist nicht nur ein vielseitiger Autor, sondern auch Übersetzer, Herausgeber und insgesamt ein widerspenstiger Querkopf, den es sich zu entdecken lohnt.

Für mich hat dieser Schriftsteller ganz unmittelbar etwas mit meiner Liebe zur Literatur zu tun, wenn auch nicht unbedingt nur inhaltlich, das muss ich zugeben. Mir hatte früher „Die Andere Bibliothek“ angetan, die Enzensberger zusammen mit dem Buchgestalter und Verleger Franz Greno herausgab. Insbesondere der wundervollen Ausstattung wegen. Das lederne Rückenschild, das feine Lesebändchen und vor allem der qualitativ hochwertige tiefschwarze Bleisatz haben mich beeindruckt. Diese Bücher gehören nach wie vor zu den Schmuckstücken in unserem Bücherregal. Aber das nur nebenbei... Hans Magnus Enzensberger zu lesen ist auf jeden Fall lohnenswert, denn dieser Mann hat etwas zu sagen.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

30.11.2009, 08.53 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Hans Magnus Enzensberger, Franz Greno, Die andere Bibliothek,

Hans Theodor Woldsen Storm

Parkbank im OktoberSie wissen, dass ich um diese Jahreszeit stets etwas sentimental werde. Die kurzen Tage schaffen es nur noch selten, sich gegen Nebel und Dunkelheit zu behaupten. Wer sich gerade noch schweren Herzens von der Leichtigkeit des Sommers verabschiedete, wird vom Herbst direkt in den Winter geworfen. Und Sie wissen auch, dass ich immer wieder in der Literatur Trost finde. Heute ein Gedicht, das einer der bedeutendsten deutschen Anwälte verfasste: Theodor Storm.

Unter dem bürgerlichen Namen Hans Theodor Woldsen Storm wurde er am 1817 in Husum als Advokatensohn geboren. Er besuchte die Gelehrtenschule in Husum, anschließend ein Gymnasium in Lübeck, bevor er von 1837-1842 in Kiel und Berlin Jura studierte. 1843 wurde er Rechtsanwalt in Husum. Storm verließ während der dänischen Besetzung seine Heimat und kehrte erst 1864 nach Holstein zurück. Er starb am 1888 in Hademarschen/Holstein.
Einige seiner besten Werke sind:
  • 1849 Immensee
  • 1857 Gedichte
  • 1859 Auf dem Staatshof (Novelle)
  • 1866 Die Regentrude (Novelle)
  • 1875 Pole Poppenspäler
  • 1877 Aquis submersus
  • 1878 Renate
  • 1878 Carsten Curator
  • 1881 Die Söhne des Senators
  • 1884 Zur Chronik von Grieshuus
  • 1887 Bötjer Basch
  • 1888 Der Schimmelreiter

Auf heitere Weise macht Fontanes „Oktoberlied“ Mut, die Nostalgie beiseite zu lassen und sich trotz des nahenden Winters des Lebens zu freuen. Lesen Sie es in unserer Gedichte-Datenbank:

http://www.jokers.de/1/poem.show/oktoberlied.html?id=1440


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

30.11.2009, 08.41 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Oktoberlied, Theodor Storm, sentimental,

Ein Ausflug in die Fantasy

Karen DuveLisvana lebt in Snögglingduralthorma. Ok, werden Sie vielleicht denken, wir befinden uns offensichtlich irgendwo bei „Herr der Ringe“ oder in ähnlich sagenhaften Gefilden. Dort, wo Elfen und Trolle wohnen und wo alle wallende Gewänder tragen. In gewisser Weise stimmt das auch, denn das Land mit dem unaussprechlichen Namen ist wirklich ein Reich voller märchenhafter Wesen. Erfunden hat es Karen Duve und es ist Handlungsort ihres Romans „Die entführte Prinzessin“.

Wer schon einmal etwas von Karen Duve gelesen hat, dürfte sich nicht wenig wundern, ist die Hamburger Autorin doch eher für ihre schnoddrig-modernen Bücher wie „Dies ist kein Liebeslied“ oder „Taxi“ bekannt. Aber Frau Duve kann auch anders, wie sie uns mit „Die entführte Prinzessin“ beweist.

Hier geht es um eine Brautwerbung, die grandios mit Märchenmotiven und Elementen der Fantasy-Welt spielt. Zwei Galane buhlen trotz popeliger Mitgift um die Gunst einer schönen Königstochter. Kammerjungfern, Drachen mit Mundgeruch, edle Ritter und Zwerge geben sich ein Stelldichein – eine schillernde, bunte Märchen-Parodie! Etwas, was typisch für die Schriftstellerin ist, bleibt aber zur Freude der Duve-Leser auch bei diesem Genrewechsel erhalten: Spaß, Humor und Unterhaltung. Sie versteht es, überall komische Momente zu platzieren, zu überzeichnen und amüsant zu parlieren.

Ganz offensichtlich hatte die Autorin großes Vergnügen am Ausflug in die Fantasy- und Märchenwelt und das überträgt sich! Wer also einmal Karen Duves andere Seite entdecken und sich dabei köstlich amüsieren möchte, ist hier richtig. Und absolut fantastisch ist natürlich auch unser Preis.

(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

30.11.2009, 08.27 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Karen Duve, Hamburger Autorin, Die entführte Prinzessin,

Zu schön, um schreiben zu können?

Marisha PesslEigentlich ist es ja völlig egal, wie Autoren aussehen. Man will ja schließlich nicht mit ihnen ausgehen, sondern ihre Werke lesen. Dennoch wird das Äußere von Autoren bisweilen eben doch kommentiert. Vor einigen Jahren betraf es Judith Hermann, die Autorin des gefeierten Buches „Sommerhaus, später“, zuletzt die Frisur der frischgebackenen Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller.

Auch über die Autorin des Buches, das ich Ihnen nun empfehlen möchte, gibt es einiges zu hören. Und zwar nur Positives. Denn die Autorin von „Die alltägliche Physik des Unglücks“, Marisha Pessl, ist ausgesprochen attraktiv. Und jung obendrein. Natürlich gab es auch Kommentare nach dem Motto „Wer so hübsch und jung ist, der kann doch gar nicht gut schreiben können“ – von wegen vermuteter Oberflächlichkeit und angeblich mangelnder Lebenserfahrung. Marisha Pessl hat solche Negativ-Kommentatoren aber eines besseren belehrt und ein viel beachtetes Debüt hingelegt, das ihr erstmal einer nachmachen muss.

In ihrem Buch geht um das 16jährige Mädchen Blue. Ihre Mutter lebt nicht mehr und so zieht sie mit ihrem Vater, einem Universitätsprofessor, nach jedem Semester von Ort zu Ort durch viele Bundesstaaten der USA. Sie liest sich quer durch alle Klassiker, die sie in die Finger bekommt, ist aber auch einer feuchtfröhlichen Feier nicht abgeneigt. Als plötzlich ihre charismatische Lehrerin ermordet aufgefunden wird, gerät ihr Leben aus den Fugen und sie begibt sich auf die Suche nach den Gründen für deren Tod.

Das Buch strotzt nur so von Filmzitaten, Liedtexten und Anspielungen auf Werke der Weltliteratur. Von Shakespeare über Gustave Flaubert, Herman Melville und Joseph Conrad bis zu Franz Kafka geht der Reigen der großen Namen. Das macht Vergnügen, bringt immer wieder neue Facetten ins Spiel und liest sich intelligent und spannend. Mit 600 Seiten mein Lesetipp für lange Herbstabende!

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

30.11.2009, 08.20 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Marisha Pessl, Debüt, Lesetipp,

Wir wissen, was Florian Illies meint

OrtgesprächeSind Sie auch vom Land? Damit meine ich nicht, dass Sie morgens uns fünf Uhr aufstehen und erst einmal im Kuhstall nach dem Rechten sehen. Nein, ich meine Menschen aus Kleinstädten, Dörfern und Marktflecken. Menschen, die ihre Jugend in Vereinen verbracht haben, wenn sie nicht gerade mit dem frisierten Mofa oder Moped unterwegs waren, um in der nächstgelegenen halbwegs größeren Stadt ins Kino zu gehen. Und die heute noch – oder wieder – in einem überschaubaren Städtchen leben, weil Berlin und London laut, teuer und anstrengend sind.

In den kleinen Orten gibt es sie manchmal noch, die Geschäfte, in denen man seinen Einkauf per Bleistifteintrag in einem roten Büchlein anschreiben lassen kann. Die Bäckersfrau fragt nach dem Befinden des Hundes, die Friseuse ist eine Schwippschwägerin des besten Freundes und das Eiscafé heißt „Venezia“, wenn es eines gibt.

Ein Hoch auf die Provinz! Das sage ich völlig ohne Ironie. Und lege Ihnen Florian Illies’ Buch „Ortsgespräch“ ans Herz. Bekannt geworden durch „Generation Golf“, schildert der Autor hier die Skurrilitäten seines Heimatstädtchens Schlitz, all das Liebenswürdige und Vertraute, manchmal auch Halsstarrige, was das Leben in kleinen Orten ausmacht. Deutlich wird: Schlitz ist überall. „Ortsgespräch“ ist voller Erinnerungen, aber nicht übertrieben nostalgisch. Eher eine Liebeserklärung an all die Städtchen, die im besten Fall als Randnotiz im Reiseführer vorkommen.


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

29.11.2009, 09.37 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Ortsgespräch, Florian Illies, Provinz,

Seine Krimis machen süchtig

Jeffrey DeaverDer gehetzte Uhrmacher nennt sich der siebte Fall des querschnittsgelähmten Lincoln Rhyme und seiner „Assistentin“ Amelia Sachs. In diesem Thriller wird eine neue Protagonisten-Figur eingeführt: Kathryn Dance, eine Expertin für Körpersprache, greift dem Kriminalisten-Duo bei einem besonders prekären Fall unter die Arme.

Ich habe alle Fälle des außergewöhnlichen Rhyme gelesen. Für mich ist Jeffrey Deaver einer der besten lebenden Krimi-Autoren. Sobald ein neues Buch von ihm erhältlich ist, bin ich einer der ersten, die es lesen. Und weil Deaver Amerikaner ist, lese ich seine Thriller meist im Original und habe auf diese Weise mein Englisch – wie ich hoffe - schon verbessern können. Zumindest, wenn es darum geht, jemandem zu erklären, was „to walk the grid“ bedeutet, bin ich inzwischen perfekt.

Jeffery Wilds Deaver wurde 1950 geboren und wuchs auf Glen Ellyn, Illinois, bei Chicago auf. Heute lebt er in Clifton, Virginia, und in Kalifornien. Schon früh schrieb er Gedichte und Lieder. Fünf Jahre zieht der musikalische Künstler als Folksinger durchs Land, bevor er Journalismus an der University of Chicago studiert. Für verschiedene Zeitungen schreibt er nach Abschluss des Studiums Artikel und Berichte.

An der Fordham Law School beginnt er ein Abendstudium mit dem Ziel, Gerichtsreporter für New Yorker Gazetten zu werden. Doch nach dem Studium arbeitet er die nächsten acht Jahre als Anwalt an der Wall-Street. Erst 1988 veröffentlicht ein kanadischer Taschenbuch-Verlag die Horrorgeschichte „Voodoo“, nachdem Deaver zahllose Absagen von anderen Verlagshäusern erhielt. „Always a Thief“ ist dann sein erster publizierter Kriminalroman.

Mit zwei Serientitel-Figuren erlangt der Autor nun wachsende Popularität: Nancy Drew, Rune genannt, ist sozusagen eine Kriminalisten wider Willen. Der erste Rune-Roman (Manhattan is my Beat, 1989) wird für den Edgar nominiert. Der andere Serien-Protagonist heißt John Pellam und löst als Amateurdetektiv Mordfälle. Auch Deavers erster John Pellam-Roman („Shallow Graves“, 1992) wird für den Edgar nominiert.

Sein bislang erfolgreichster Roman ist „The Bone Collector“ aus dem Jahre 1997. Es ist die Geburtsstunde des ungewöhnlichen Kriminalisten-Paares Lincoln Rhyme und Amelia Sachs. Dieser Thriller wurde mit Denzel Washington und Angelina Jolie als Hauptdarsteller verfilmt. Für das Portrait des Lincoln Rhyme erhielt Jeffrey Deaver den „Dream-Award-Preis“. Das „Western Law Center for Disabled Rights“ würdigt mit diesem Preis Autoren, die in ihren Werken das Leben Behinderter realistisch darstellen.

Fangen Sie besser nicht an, Deaver zu lesen! Er macht süchtig!


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

29.11.2009, 09.34 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Jeffrey Deaver, Lincoln Rhyme, Edgar,

Flohmärkte, ich liebe euch!

Städtereisen finde ich toll. Man kann eine neue Stadt erleben, ihr ganz eigenes Flair genießen, Spezialitäten probieren und natürlich einkaufen. Mein Metier sind weniger die großen Shoppingmeilen (ob Budapest oder Recklinghausen – mal ehrlich, die sehen heute doch fast überall gleich aus), ich liebe die Antiquariate und versteckten Lädchen. Und ganz besonders mag ich die Flohmärkte. Denn wo sonst kann man kleine Kostbarkeiten ergattern, feilschen wie auf dem Basar und sich dabei noch an den Eigenheiten der jeweiligen Städte erfreuen? Ich habe schon einiges gefunden, was kaum etwas gekostet hat, für mich aber etwas Besonderes ist.

Richtig Spaß macht es natürlich, wenn man versucht, in der Landessprache zu verhandeln. Das garantiert auch einer eventuell nicht so flohmarktbegeisterten Begleitung einen gewissen Unterhaltungswert ... Das auf dem Flohmarkt gesparte Geld kann man dann anschließend gemeinsam beim „richtigen“ Shopping oder abendlichen Essengehen verprassen. Viele Flohmärkte habe ich auf Städtereisen nur durch Zufall entdeckt. Wer weiß, was mir da so alles entgangen ist!

Damit Ihnen das nicht auch so geht und Sie Ihren Flohmarktbesuch richtig planen können, möchte ich Ihnen dieses Buch empfehlen:



In ganz Europa können Sie nun ganz gezielt auf Schnäppchenjagd gehen. Sie bekommen hier Infos zu Parkmöglichkeiten, Hinweise auf Termine, Öffnungszeiten und das Angebot des Flohmarkts. Reise-Tipps gibt es noch dazu. Dass Sie das Buch bei uns zum Top-Basar-Preis bekommen, muss ich ja wohl nicht extra betonen ...


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

29.11.2009, 08.49 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Flohmärkte, Schnäppchenjagd, Flohmarktbesuch,

Ist mehr vom Guten besser?

Paul WatzlawickPaul Watzlawick avancierte zum Kult-Autor. Seine „Anleitung zum Unglücklichsein“ ist die Taschen-Fibel der Postmoderne geworden. Der schlaue und vor allem unterhaltsame wie tiefgründige „Ratgeber der anderen Art“ gibt dem Leser Hinweise, wir er das wunderbar selbst gemachte Unglück perfektionieren kann. Der Kommunikationspsychologe legt dabei die Mechanismen und Taktiken offen, mit denen wir alle uns so häufig das Leben selbst schwer machen. Der Titel des Werks ist ironisch gemeint: Gerade das Nichtbefolgen seiner Tipps sind der Schlüssel zur individuellen Zufriedenheit. Seit seinem Erscheinen im Jahr 1983 ist die „Anleitung“ in den Bestsellerlisten. Über 1 Million Exemplare wurden verkauft.

Natürlich finden Sie Watzlawicks Hauptwerk auch bei uns im Programm, aber wahrscheinlich sind Sie bereits mit dem Glücks-Büchlein vertraut. Was Sie aber sicher noch nicht kennen, ist die Doppel-CD „Mehr des Guten ist nicht notwendigerweise besser“. Zum Sonderpreis bieten wir Ihnen zwei Gespräche des im April 2007 verstorbenen Autors und einen Originalvortrag zum komplexen Thema der Kommunikationspsychologie.

Seine fünf „Grundregeln“ zur menschlichen Kommunikation werden bis heute als pragmatische Axiome von Psychologen genutzt, um das Funktionieren und die Missverständnisse von Kommunikation zu erklären:
  1. Man kann nicht nicht kommunizieren.
  2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt.
  3. Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung.
  4. Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten.
  5. Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär.

Wenn auch Sie sich für Psychologie interessieren, sollten Sie sich vor allem den Vortrag „An der Wiege der Missverständnisse - Über Störungen der Kommunikation“, der sich auf dem CD-Doppelpack befindet, zu Gemüte führen. Wetten, dass Sie genauso wie ich über die vielen Paradoxien menschlicher Kommunikation erstaunt sein werden?


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

29.11.2009, 08.41 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichsein, Kommunikation,

November, der neunte

NovemberGibt es jemanden, der den November mag? Er war der neunte Monat im Römischen Kalender (November - von nove = neun), er trug viele andere Bezeichnungen: Keine einzige Umschreibung des ersten Wintermonats weckt freundliche Assoziationen. So nennt er sich auch der Nebelung, Nebelmond, Nebelmonat, Wintermond und Windmond.

Herbistmanoth, die althochdeutsche Bezeichnung für den November, enthält bereits das Bezugswort Herbst. Totenmonat heißt er wegen der Trauertage Allerseelen, Volkstrauertag, Buß- und Bettag und dem Totensonntag, doch auch der schaurige Name Schlachtmonat kam ihm zu: Im kälteren Wetter begann das Schlachten wieder.

Ein wunderbarer Dichter fasste diesen trüben Monat in wunderschöne Worte. Der deutsche Dramatiker und Poet Arno Holz wurde am 26. April 1863 in Rastenburg, Ostpreußen geboren, er starb am 26. Oktober 1929 in Berlin. Wer weiß – vielleicht wollte er den beginnenden neunten Monat nicht mehr miterleben. Als sein Hauptwerk gilt der Gedichtband Phantasus aus dem Jahre 1898. Darin findet sich dieses Gedicht:


Unter dunklen, treibenden Novemberwolken

Unter dunklen, treibenden Novemberwolken
verdämmert die Heide.

Gebückt,
am Wegrand,
sitzt du und starrst
auf deine welken Hände.

Lebst du noch?
Gemartert,
im Dornenstrauch,
zittert ein letztes Blättchen!




(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

29.11.2009, 08.36 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kulturgeschichte | Tags: November, Winterbeginn, Arno Holz,

Schenken à la Tante Frieda

WeihnachtenBeim Entrümpeln eines meiner Bücherregale fand ich neulich einen echten Schatz. Zwischen dicken Bildbänden über Inneneinrichtung eingeklemmt entdeckte ich eine Sammlung alter Weihnachtslieder und –Texte, die ich vor langer Zeit bei der Wohnungsauflösung meiner Oma gefunden hatte. Damals schob ich sie erst einmal ins Regal und vergaß sie dann. Bis jetzt.

Vor dem Hintergrund der derzeitigen Wirtschaftskrise erstrahlt dieser Schatz noch einmal so hell. Denn die insgesamt 40 Seiten mit dem Titel „Viele shöne (sic) Weihnachtslieder – aufgeschrieben für Männlein und die Mama von Tante Frida“ zeigen, wie man auch mit wenig Geld, aber viel Liebe ein schönes Geschenk bereitet. Im Jahr 1923, zu einer Zeit, in der man in Deutschland für ein Kilogramm Brot rund 233 Mrd. Reichsmark zahlte, hatte „Tante Frida“ meinem Opa ein wertvolles Geschenk bereitet, ohne große Ausgaben.

Ich wusste gar nicht, welche Künstler ich in meiner Familie hatte. Denn nicht nur, dass die Texte auf den DIN A3 großen Kartonseiten in Schönschrift verfasst waren. Jedes Lied erhielt sogar eigene Illustrationen, die auf einem Niveau gezeichnet waren, wie es ein Laie wie ich niemals hinbekäme. Auch die Noten wurden mit fachkundiger Hand gezeichnet und stimmen bis auf den letzten Ton.

Noch sind Bücher keine Luxusartikel. Aber eine Inspiration habe ich mir schon für Weihnachten geholt. Zumindest die Weihnachtskarten werde ich wieder etwas persönlicher gestalten, vielleicht mit kleinen Zeichnungen. Denn einen Stern, einen Weihnachtsbaum oder einen kleinen Engel bekomme sogar ich noch hin. So wird das Weihnachtsfest wieder ein Stück persönlicher. Und das ohne Extra-Kosten.


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

08.11.2009, 12.26 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches | Tags: Weihnachten, Weihnachtsfest, Weihnachtskarten,

Brechts Anekdoten

Brecht„Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt“, sagte Bert Brecht. Als einflussreichster deutscher Dramatiker und Lyriker des 20. Jahrhunderts wird er bezeichnet, er gilt als Begründer des epischen Theaters bzw. „dialektischen Theaters“. Bert Brecht machte aus seiner politischen Einstellung nie ein Hehl. Er war ein bekennender Anti-Nazi, er bezeichnete sich selbst als "Kommunisten". Diese Haltung brachte ihm zu seiner Zeit natürlich sehr viel Ärger und schlussendlich auch das Exil ein.

Dennoch war sein Leben reich an Esprit und Anekdoten. An dieser Stelle möchte ich nur zwei der zahlreichen „Geschichten vom Herrn B“ widergeben:

"Im Namen des Volkes"

In dem Lazarett, wo Herr B. Dienst tat, fehlten Decken. Neben dem Lazarett lagerten Decken und Herr B. ließ sie stehlen und gab sie den kranken Soldaten. Der Diebstahl wurde entdeckt und Herr B. wurde mit der Untersuchung beauftragt. Er führte sie mit aller Strenge, aber leider erfolglos.

"Zuviel Folgsamkeit"

Die Schriftstellerin Anna S. hatte einen Roman geschrieben, und Herr B. wurde nach seinem Urteil gefragt. Er meinte: "Sie ist eine große Novellistin. Wenn sie dabei geblieben wäre, hätte man nicht umhin gekonnt, ihr eines Tages auch den Nobelpreis zu geben. Leider hat Georg L. ihr eingeredet, sie müsse "Krieg und Frieden" noch einmal neu schreiben. Da hat sie sich als gute deutsche Hausfrau hingesetzt und ihre Novellen zu Romanen zusammengehäkelt. Das hat ihr sehr geschadet."

Bereits in 10. Auflage liegen die gesammelten Geschichten vor. Jetzt bieten wir sie Ihnen zum Sonderschmökerpreis. Denn: So lange viele an BB denken, ist er nicht wirklich tot.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

08.11.2009, 12.18 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Bertolt Brecht, Geschichten vom Herrn B,

Ich fand es nicht gruselig

Ein Kinobesuch ist eine feine Sache. „Wo die wilden Kerle wohnen“ ist ein Film, der in wenigen Tagen anläuft. Das gleichnamige Buch aus der Feder des amerikanischen Illustrators und Kinderbuchautors Maurice Sendak, erschienen im Jahr 1967, habe ich als Kind gelesen.

Es war schön, sich in Max hineinzuversetzen, der zur Strafe für sein „wildes“ Benehmen ohne Abendessen ins Bett geschickt wird. Diese Sanktion kümmert den kleinen Kerl nämlich wenig. Denn in seinem Zimmer, das sich in einen Wald verwandelt hat, steigt er einfach in ein Boot und fährt rüber zu den wilden Kerlen. Er zähmt die Monster und wird zu ihrem König erhoben. Als er Hunger bekommt, segelt er zurück nach Hause.

Mit erwachsenen Augen betrachtet kann ich heute die Kritik vieler Eltern natürlich verstehen, die behaupten, das Buch – und somit auch der Film – seien zu düster. Die Monster mit ihren langen Zähnen und Klauen zu bedrohlich. Als Kind jedoch fühlte ich mich nicht im Geringsten verängstigt von der Geschichte, die hauptsächlich aus Zeichnungen besteht.

Was Eltern gruselig finden, macht Kindern oft gar nichts aus. Das Gleiche gilt übrigens nicht nur für Gruselgeschichten, sondern auch für Spannung, Abenteuer und Humor. Kinder haben eben einen ganz eigenen Geschmack, der sich nicht von Mama und Papa diktieren lässt. Zum Glück.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

08.11.2009, 09.33 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kinder und Jugend | Tags: Maurice Sendak, Wo die wilden Kerle wohnen, Kinobesuch,

Eine Ehrensache

Wir fliegenLiebe, Angst, Scheitern, Suche – Peter Stamm schreibt über die großen Themen. Kürzlich ist sein neuer Roman „Sieben Jahre“ erschienen. In den Büchern des Schweizers – es sind hauptsächlich Romane und Bände mit Erzählungen – geht es immer um Umbruchsituationen, um Lebensentscheidungen, kurz: um die Frage nach dem Sinn. Das ist in seinem ersten großen Erfolg „Agnes“ ebenso der Fall wie in „Blitzeis“ und in „An einem Tag wie diesem“, wo ein Lehrer, ausgelöst durch die Angst vor einer negativen medizinischen Diagnose, kurzerhand sein bisheriges Leben aufgibt und sich auf die Reise in seine Vergangenheit macht.

Auch die Geschichten in „Wir fliegen“ zeigen Menschen, die sich selbst hinterfragen, am liebsten noch einmal von vorn beginnen würden und zu träumen wagen, auch wenn der Alltag festgefahren scheint. Die verheiratete Heidi gehört dazu, die eigentlich Künstlerin werden wollte, oder Daphne, die ihren Nachbarn zwar oft hört, ihm aber nicht nahe kommen kann.

Peter Stamms karge, einfache Sprache ist sicher nicht jedermanns Sache. Oft wirkt die Erzählweise regelrecht distanziert und kühl. Aber ich finde, gerade dadurch kommt man sehr nahe an die Personen seiner Erzählungen und Romane heran. Er ist ein Schriftsteller, dessen leiser Stil den Leser gefangen nehmen kann – im positiven Sinne. Ich jedenfalls hätte schon einmal fast meinen Zielbahnhof verpasst, weil ich mich im Zug so an einem seiner Bücher festgelesen hatte.

Den ErzählungsbandWir fliegen“ möchte ich Ihnen wärmstens empfehlen. Dass er außerdem preiswert ist, ist Jokers-Ehrensache.

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

06.11.2009, 08.28 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Peter Stamm, Lebensentscheidungen,

Der lange Weg ins Glück

Jeder will glücklich sein. Jeder sucht den Schlüssel zum Glück. Aber das Glück ist nicht allein durch den Wunsch schon da. Seit Urzeiten jagen wir Menschen dem Glück hinterher, abertausende von Schriften und Büchern wurden dazu verfasst.

Eines der bekanntesten „Handbücher“ zum Glück sind die „Desiderata“. Lange glaubte man, bei den Versen handele es sich um eine uralte Inschrift der St. Pauls Kirche in Baltimore. Heute geht man jedoch davon aus, dass Reverend Frederick Ward Kates, der von 1956 bis 1961 Rektor (Pfarrer) von Old St. Paul´s war, die Desiderata 1959 in einer Sammlung seiner Pfarrbriefe festhielt. Sein Buch trägt den bezeichnenden Namen „Between Dawn and Dark“.

Ich möchte Sie Ihnen an dieser Stelle zitieren:

Gehe ruhig & gelassen durch Lärm und Hast & sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann.

Stehe soweit ohne Selbstaufgabe möglich in freundlicher Beziehung zu allen Mitmenschen.

Äußere deine Wahrheit ruhig & klar und höre anderen zu, auch den Geistlosen & Unwissenden; auch sie haben ihre Geschichte.

Meide laute & aggressive Menschen, sie sind eine Qual für den Geist.

Wenn du dich mit anderen vergleichst, könntest du bitter werden & dir nichtig vorkommen; denn immer wird es jemanden geben, größer oder geringer als du.

Freue dich deiner eigenen Leistungen wie auch deiner eigenen Pläne.

Bleibe weiter an deiner eigenen Laufbahn interessiert, wie bescheiden auch immer. Sie ist ein echter Besitz im wechselnden Glück der Zeiten.

In deinen geschäftlichen Angelegenheiten lass Vorsicht walten; denn die Welt ist voller Betrug. Aber dies soll dich nicht blind machen gegen gleichermaßen vorhandene Rechtschaffenheit.

Viele Menschen ringen um hohe Ideale; und überall ist das Leben voller Heldentum. Sei du selbst, vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung. Noch sei zynisch was die Liebe betrifft; denn auch im Angesicht aller Dürre und Enttäuschung ist sie doch immerwährend wie das Gras.

Ertrage freundlich-gelassen den Ratschluss der Jahre, gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf.

Stärke die Kraft des Geistes, damit sie dich in plötzlich hereinbrechendem Unglück schütze. Aber beunruhige dich nicht mit Einbildungen. Viele Befürchtungen sind Folge von Erschöpfung und Einsamkeit.

Bei einem heilsamen Maß an Selbstdisziplin sei gut zu dir selbst.

Du bist ein Kind des Universums, nicht weniger als die Bäume & Sterne; du hast ein Recht hier zu sein. Und ob es dir nun bewusst ist oder nicht:

Zweifellos entfaltet sich das Universum wie vorhergesehen.Darum lebe in Frieden mit Gott, was für eine Vorstellung du auch von ihm hast und was immer dein Mühen & Sehnen ist.
In der lärmenden Wirrnis des Lebens erhalte dir den Frieden mit deiner Seele.

Trotz all ihrem Schein, der Plackerei & den zerbrochenen Träumen ist diese Welt doch wunderschön.

Sei vorsichtig.

Strebe danach, glücklich zu sein.


Mehr zu den Desiderata und ihrer Auslegung finden Sie in dem Buch von

Bernhard Langenstein:





(Geschrieben von Matthias Stöbener)

31.10.2009, 17.41 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Naturwissenschaften | Tags: Desiderata, Glück, Weg ins Glück,

Am besten im Original lesen

Virginia WoolfKönnen Sie sich vorstellen, dass man einem Klavier anstandshalber die Beine verhüllt, um dieses angeblich anzügliche „Körperteil“ des Instruments zu verdecken?

Die viktorianische Zeit im England des späten 19. Jahrhunderts trieb solche absonderlichen Blüten. Natürlich, um die Moral der Bürger zu wahren... Unglaublich! Kein Wunder, dass Frauen, die es sich gesellschaftlich leisten konnten, immer häufiger dagegen rebellierten.

Die britische Schriftstellerin Virginia Woolf war eine von ihnen. Als Jugendliche stand sie noch unter dem Einfluss der viktorianischen Enge, später kämpfte sie vehement dagegen – im Leben und in ihren Büchern, wobei „Mrs Dalloway“ das wohl bekannteste ist. Das Werk wurde übrigens mit Vanessa Redgrave in der Hauptrolle verfilmt.

Virginia Woolfs damals experimentelle Schreibweise mit psychologischem Tiefblick und inneren Monologen ist noch heute einfach großartig. Nicht umsonst gehört sie zu den bedeutendsten Autorinnen der literarischen Moderne. Und sie war eine schillernde Persönlichkeit. Zusammen mit ihren Freunden der „Bloomsbury Group“ bekämpfte sie das britische Spießertum des frühen 20. Jahrhunderts. Die Gruppe bestand aus Künstlern, Intellektuellen und Wissenschaftlern. Im Londoner Stadtteil Bloomsbury fand man sich zu Diskussionen, Ausstellungen und Gesprächen zusammen – und hatte teilweise offene Beziehungen. Absolut skandalös in der damaligen Gesellschaft – man denke nur an die Klavierbeine ...

Trauen Sie sich ruhig, Virginia Woolf im englischen Original zu lesen: Das ist eine tolle und dabei nicht zu schwierige Leseerfahrung. Bei uns finden Sie eine schöne Auswahl ihrer Werke zum kleinen Preis.

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

31.10.2009, 09.44 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Englische Bücher | Tags: Virginia Woolf, Bloomsbury Group, Mrs Dalloway,

Überraschende Auszeichnungen

Natürlich haben Sie es mitbekommen, dass der diesjährige Nobelpreis für Literatur an die in Rumänien geborene Deutsche Herta Müller ging. Die Königlich-Schwedische Akademie in Stockholm begründete ihre Auswahl unter anderem mit der „Reinheit der Dichtung“, die Müllers Werke beinhalten. Die Autorin Herta Müller zeichne "mittels der Verdichtung der Poesie und der Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit".

Bereits 1987 war sie mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Richard Wagner, von Rumänien nach Deutschland ausgewandert, sie ließ damit ein von ihr verabscheutes politisches System zurück, das sie in vielen Erzählungen beschrieb. Müllers Werke sind hauptsächlich von jenen Erfahrungen im totalitären System des rumänischen Ceausescu-Regimes geprägt.

Wichtige Werke sind die Bände "Niederungen" (1984), "Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt" (1986) und "Barfüßiger Februar" (1987). Ihre bedeutendsten Romane sind: "Der Fuchs war damals schon der Jäger" (1992), "Herztier" (1994), "Heute wär ich mir lieber nicht begegnet" (1997) und ihr letztes Werk "Atemschaukel" (2009).

Herta Müller publizierte auch die Essay-Sammlungen "Der fremde Blick oder Das Leben ist ein Furz in der Laterne" (1999), "Der Teufel sitzt im Spiegel" (1991), "Hunger und Seide" (1995) und "Der König verneigt sich und tötet" (2003).
Mit Herta Müller ist zum 13. Mal ein deutschsprachiger Autor mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet worden. Hier eine Übersicht über ihre deutschsprachigen Vorgänger:

1902 Theodor Mommsen
1908 Rudolph Eucken
1910 Paul Heyse
1912 Gerhart Hauptmann
1919 Carl Spitteler (Schweiz)
1929 Thomas Mann
1946 Hermann Hesse (Schweiz)
1966 Nelly Sachs (schwedisches Exil)
1972 Heinrich Böll
1981 Elias Canetti (Bulgarien)
1999 Günter Grass
2004 Elfriede Jellinek (Österreich)
2009 Herta Müller

Die Auszeichnung Herta Müllers ist genauso viel diskutiert worden wie die Ehrung des amerikanischen Präsidenten Barack Obama mit dem Friedensnobelpreis. Der „Hoffnungsträger für eine friedlichere Welt“ ist der dritte US-Präsident, der während seiner Amtszeit den Friedensnobelpreis erhält. Vor ihm hatten Theodore Roosevelt im Jahr 1906 und Woodrow Wilson 1919 die Ehre. Nach ihrem Ausscheiden aus dem Weißen Haus erhielten Jimmy Carter (2002) und Ex-Vizepräsident Al Gore die Auszeichnung.

Egal, wie sehr die beiden frisch gekürten Nobelpreisträger polemisiert werden: Ich finde, beide haben ihren Preis verdient. Und ich gratuliere ihnen aus ganzem Herzen.

(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

31.10.2009, 09.26 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Literaturnobelpreise, Friedensnobelpreise, Herta Müller, Barack Obama,

Kunstlexikon des 20. Jahrhunderts

KunstLeisten kann ich mir ihre Werke nicht, aber klar kenne ich die Künstler Neo Rauch und Jonathan Meese. Die Medien berichten schließlich sehr gern über die neue deutsche Kunst mit ihren „wilden“ Vertretern.

Einige ihrer Werke gefallen mir sogar ganz gut. Aber wenn ich ganz ehrlich sein soll, ich hab’s eher mit der Kunst des letzten Jahrhunderts. Für das Werk eines Andy Warhol würde ich schon ein paar Euro lockermachen. Wir hätten da auch noch eine geeignete Wand im Wohnzimmer. Bis genug zusammengespart ist, gehe ich mit meiner Frau eben ins Museum, um die berühmten Werke des 20. Jahrhunderts von Kandinsky, Klee, Picasso und Warhol zu bewundern.

Gut ist dann natürlich, wenn man ganz nonchalant ein paar Fachbegriffe wie „Abklatschverfahren“ oder „Konstruktivismus“ fallen lassen kann, um Menschen, die nahe stehen, in angemessenes Erstaunen zu versetzen. Noch besser ist es allerdings, wenn man sich tatsächlich einmal mit solchen Begrifflichkeiten und Stilrichtungen beschäftigt. Das macht einen Museums- oder Ausstellungsbesuch – wie heißt es im Moment allenthalben – nachhaltiger.

Selbstverständlich kann ich Ihnen dafür ein geeignetes Werk empfehlen, das ganz nach Jokers-Art zudem einen überaus attraktiven Preis hat: DuMonts Kunstlexikon des 20. Jahrhunderts. Damit werden Sie einfach ein bisschen mehr Kunstkenner – und das kann nicht schaden.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

31.10.2009, 09.19 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kunst | Tags: Kunstlexikon des 20. Jahrhunderts, Dumonts Kunstlexikon, Kunstkenner,

Eine spezielle Herausforderung

KochenMit dem scheinbar unverfänglichen Thema „Kochen“ habe ich mich ziemlich in die Nesseln gesetzt. Mein Freund Gregor gestand mir vor einiger Zeit, großer Fan der TV-Sendung „Rach, der Restauranttester“ zu sein. Als ich dann kurze Zeit später „Das Gästebuch. Kochen für besondere Anlässe“ des Sternekochs im Buchhandel entdeckte, war mir klar, was ich meinem Freund zum Geburtstag schenken wollte.

Doch als ich Gregor, dem ambitionierten Koch, sein Geschenk überreichte, wollte er sich gar nicht freuen. „Nicht schon wieder ein Kochbuch für Gesunde“, stöhnte er. „Ich bin mir sicher, auch hier werde ich keine Rezepte für Gicht-Geplagte finden.“ Man muss vorausschicken, dass Gregor erst vor Kurzem einen schweren Gichtanfall erlitt. Aufgrund eines angeborenen Organdefekts muss der Mittvierziger ab jetzt streng Diät halten, auch ohne zeitlebens ungesund gelebt zu haben.

Umso größer ist Gregors Frust. Und die Verzweiflung seiner Freundin, passende Rezepte zu finden, die einen künftigen Gichtanfall verhindern. Denn schmecken sollten die Rezepte ja auch. Kein Fisch, Fleisch sowieso nicht, kein Spargel, keine Pilze, keine Bohnen, keine Meeresfrüchte, fast alle Lieblingsgerichte wurden von Gregors Speisekarte gestrichen. „Und das, was ich essen darf, schmeckt mir nicht“, beklagt er sich.

Kein Wunder, dass Gregor mit dem Thema „Kochbücher“ nur noch wenig anfangen kann. Seine Freundin umso mehr. Zur Sicherheit hat sie sich gleich mal einen ganzen Schwung Gicht-Kochbücher zugelegt, und probiert jetzt ein Gericht nach dem anderen aus. Leider schenkte Christian Rach dem Thema „Gicht“ in meinem Geschenk bislang keine große Beachtung. Aber das kommt vielleicht noch. Ich würde es auf jeden Fall begrüßen.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

31.10.2009, 08.47 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Rach, Restauranttester, Gicht, Gichtkochbuch,

Her mit Beckett

Die Chemie des TodesAlles begann damit, dass ich aus reiner Neugier den Klappentext zu Simon Becketts „Obsession“ las. Die Geschichte eines jungen Mannes, der von heute auf morgen die Verantwortung für ein autistisches Kind übernimmt und dabei in große Konflikte mit dessen leiblichem Vater gerät, interessierte mich sofort. Becketts Kunst den Spannungsbogen leise, aber unwiderstehlich zu steigern, tat ihr übriges. Schließlich konnte ich nicht anders, als mir gleich das nächste Buch dieses wunderbaren Autors zu kaufen: „Die Chemie des Todes“.

Die Geschichte rund um den forensischen Anthropologen David Hunter erinnerte mich zwar sehr an Kathy Reichs Figur Temperance Brennan. Doch die anfängliche Skepsis verflog schnell, als mich auch dieses Mal die spannende Handlung von der ersten Seite an in ihren Bann zog.

Selbst die teilweise sehr unappetitlichen Beschreibungen der vielen verschiedenen Leichen konnte mich nicht schrecken. Vergangenen Urlaub habe ich dann Becketts neuestes Werk „Leichenblässe“ verschlungen und warte seitdem ungeduldig auf eine Fortsetzung.

Um meinen Hunger nach Thrillern zu stillen, greife ich jetzt auch zu anderem „Stoff“. Eben erst habe ich mir „Illuminati“ von Dan Brown gekauft. Der „Da Vinci Code“ liegt auch schon im Regal bereit. Ach ja, und in wenigen Tagen erscheint ja auch Dan Browns neuestes Werk, „Das verlorene Symbol“ …


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

31.10.2009, 08.14 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Simon Beckett, Obsession, Die Chemie des Todes,

Günstiger als die Praxisgebühr

Eckart von HirschhausenWer Richtung Wochenende abends den Fernseher einschaltet und bei einer der vielen Comedyshows landet, wird voraussichtlich auch auf ihn treffen: Eckart von Hirschhausen. Er ist im Comedy-Bereich zur Zeit quasi allgegenwärtig.

Zum ersten Mal trat er in Jürgen von der Lippes Kuppel-Show „Geld oder Liebe“ mit Zaubertricks auf, dann hat er uns in Harald Schmidts Late Night Show medizinisch-humorige Nachhilfe für alle Fälle des Lebens gegeben und auch in der Tageszeitung stolpert man öfter über seinen Namen. Als König des lustigen Halbwissens vermittelt er oft kuriose und absurde Wahrheiten über medizinische Besonderheiten, Gesundheitsthemen und Quacksalbereien.

Wer sich zum Beispiel schon lange fragt, ob Verheiratete tatsächlich länger leben oder weshalb die Menschen so gern schadenfroh sind, der findet bei ihm kurzweilige Belehrung dazu. Und kompetent sind die Äußerungen des Herrn von Hirschhausen sowieso, ist er doch promovierter Mediziner.

Dass der Autor vom Fach ist, macht das Ganze nicht nur authentischer, sondern irgendwie auch lustiger. Denn Eckart von Hirschhausen lässt auch seine eigene Zunft nicht ungeschoren davonkommen und gibt den Kollegen und ihren berufstypischen Ritualen gern mal einen Seitenhieb mit. Ich empfehle Ihnen das Buch „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“ jedenfalls nachdrücklich als Wartezimmer-Lektüre für Ihren nächsten Arzttermin. Der Taschenbuchpreis liegt übrigens unter der Praxisgebühr …


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

25.10.2009, 09.56 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln | Tags: Hirschhausen, Leber, Taschenbuchpreis,

Zum Gedenken: Heinz Rühmann

Heinz RühmannGerade um diese Jahreszeit, wenn es draußen kalt und dunkel wird, hat der Film „Die Feuerzangenbowle“ wieder Hochkonjunktur. Wie „Dinner for 1“ ist er einer der wenigen Filme, die man jedes Jahr erneut ansehen kann. Zu Lebzeiten und nicht nur in jüngeren Jahren galt er als Herzensbrecher: Der Schauspieler Heinz Rühmann war einer der bestaussehenden Künstler zu seiner Zeit.

Am 3. Oktober jährte sich sein Todestag zum 15. Mal. Geboren wurde Heinrich Wilhelm Rühmann am 7. März 1902 in Essen, er starb 1994 am Starnberger See in Aufkirchen. Im Januar des Jahres war er noch bei „Wetten, dass...?“ aufgetreten. In mehr als einhundert Filmen spielte er mit, sein Leben war die Schauspielerei. Der schönste aller Berufe sei sie, soll er gesagt haben. Im Jahr 1999 wurde er von der „TV Hören und Sehen“ zum „Schauspieler des Jahrhunderts“ gewählt.

Auf www.ruehmann-heinz.de finden Sie eine Gedenkseite, die an den großen Schauspieler erinnert. Auch einige Anekdoten finden sich hier, die beschreiben, welch einzigartige Persönlichkeit Heinz Rühmann war. Meine Lieblingsgeschichte stammt von Dr. Manfred Barthel, dem Produzenten und Drehbuchautor einiger Rühmannfilme. Er schreibt:

„Anfang der 60er Jahre muss das gewesen sein, da traf ich Heinz Rühmann bei einer ganz normalen Vorstellung in den Münchner Kammerspielen. Man spielte eine der Shakespeare-Komödien. Mir gefiel die Inszenierung nicht. In der Pause begrüßte ich Rühmann, der ein 13jähriges Mädchen dabei hatte, die Tochter von Verwandten. Ich hatte gerade angesetzt, meine nicht sehr positive Meinung über die Aufführung zu formulieren, da fiel er mir - was nun wirklich nicht seine Art ist - ins Wort und schwärmte, ja schwärmte: 'Ist das nicht ein schöner Abend, so heiter so beschwingt, so voll Shakespearescher Phantasie...!?' Ich schwieg ebenso erstaunt wie verwundert, denn meist hatten wir die gleiche Meinung von Stücken und Aufführungen. Als die Kleine mal verschwand, sagte er leise, fast verschwörerisch, zu mir: 'Wir beide wissen natürlich, was von dieser Inszenierung zu halten ist, aber die Kleine sieht den ersten Shakespeare ihres Lebens, und ich meine, sie muss ihn einfach großartig finden!' Nie werde ich diese pädagogische Lektion vergessen. So kann nur einer denken und handeln, der das Theater nicht nur liebt, sondern dem es alles bedeutet."

Zu seinem Todestag haben wir die DVD „Die Feuerzangenbowle“ als Weihnachtsedition im Angebot: In diesem Spezial-Paket finden Sie zwei DVDs zum Preis von 14.99.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

25.10.2009, 09.43 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Feuerzangenbowle, Heinz Rühmann,

In 3D und zum Ausklappen

Labyrinthe und IrrgärtenWenn ich mit dem Auto zur Arbeit fahre, komme ich an einem Maisfeld vorbei. Dort steht ein Schild, das auf ein Labyrinth hinweist. Ich bin noch nie dort gewesen, dabei hört es sich richtig verlockend an. Mal durch ein Feld mit mannshohen Mais-Pflanzen laufen und den Weg aus dem Labyrinth suchen, das klingt nach Spaß und Kindheit.

Schon seit der Antike waren die Menschen fasziniert von Labyrinthen. Und wer als Herrscher in Renaissance und Barock etwas auf sich hielt, hatte ein Labyrinth oder einen Irrgarten. Dort konnten die Damen und Herren der gehobenen Gesellschaft mit ihren gepuderten Perücken und Reifröcken zum Vergnügen umherwandeln.

Heute können Sie eine Irrgarten-Erfahrung zum Beispiel im Park von Schloss Schönbrunn in Wien erleben. Wozu Labyrinthe ursprünglich dienten, ist ungeklärt. Sie wurden möglicherweise zu kultischen Zwecken oder als symbolische Darstellung der Verwicklungen einer sündigen Welt entworfen. Was auch immer die Menschen dazu bewogen hat, Irrgärten und Labyrinthe anzulegen, sie sind offenbar noch immer interessant, auch wenn man ein Maisfeld nicht gerade mit gepflegtem Lustwandeln in Verbindung bringt. Aber mein Mais-Labyrinth um die Ecke ist natürlich auch kein Maßstab.

Schauen Sie sich doch lieber mal unser Buch zum Thema an, darin können Sie ebenso schöne wie faszinierende Labyrinth-Anlagen und Irrgärten entdecken, samt einer Menge von Plänen und 3D-Abildungen zum Ausklappen.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

25.10.2009, 09.32 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Irrgärten, Labyrinthe, 3D, Symbol,

Zitate zum Klüger-werden

KonfuziusSie wissen ja bereits, wie sehr ich Zitate liebe. Auch Konfuzius hat es mir angetan. Immer wieder bin ich verblüfft, wie treffend und dabei doch oft überraschend er knallhart Schwächen des Menschen trifft. In einem Satz fasst er unsere Eitelkeiten zusammen, trifft sozusagen mit der Faust aufs Auge, um uns dann doch gnädig eine Alternative aufzuzeigen. Hier nur wenige Beispiele seiner Einsichten:
Der Narr tut, was er nicht lassen kann, der Weise lässt, was er nicht tun kann.

Die eigenen Fehler erkennt man am besten mit den Augen anderer.

Die Lebensspanne ist dieselbe, ob man sie lachend oder weinend verbringt.

Natürlich haben auch wir verschiedene Werke zu und über den klugen Mann im Angebot: Zum Klüger-werden!


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

25.10.2009, 08.53 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Naturwissenschaften | Tags: Konfuzius, Einsichten, Zitate,

Ehrengast China

ChinaAm 14. Oktober öffnet die Frankfurter Buchmesse ihre Pforten für Abertausende von Besuchern, deren Herzen für Bücher schlagen. China: Alleine bei diesem Ländernamen gerät so mancher ins Träumen, ins Schwärmen! Die wenigsten von uns waren dort, und doch haben wir alle eine Vorstellung von Mandarinenhainen, anmutigen Tanzaufführungen, hochmodernen Milliardenstädten und zerbrechlichem Teegeschirr im Kopf. Wir denken an die farbenprächtigen Trachten, wir stellen uns Hightech-Computer in jeder Wohnzimmerwand vor, die es erlauben, per Stimme das Licht zu dimmen. Wir schwelgen in Vorstellungen der Verbotenen Stadt, wir lassen uns das Wort „Shanghai“ auf der Zunge zergehen.

Doch was wissen wir über dieses ferne Land, welche Fakten kennen wir? China liegt im Osten Asiens und hat eine Landesfläche von 9,6 Millionen Quadratkilometern, das ist etwas weniger als die Größe des europäischen Kontinents. Die Hauptstadt Peking heißt auf Chinesisch Beijing, was der Bedeutung von „Nördlicher Hauptstadt“ entspricht.

Die Chinesen rühmen sich einer 5000-jährigen Geschichte. Gerechnet vom Jahr 2698 v. Chr. an, in dem der Gelbe Kaiser (Huang Di), Chinas erstes "Staatsoberhaupt", sein Reich gründete, bis zum Jahr 1911, in dem der letzte Kaiser der letzten Dynastie Chinas, Aisin-Gioro Pu Yi, aus der Verbotenen Stadt vertrieben wurde. Daraufhin wurde die Republik ausgerufen, die bis heute währt.

In diesen 5 Jahrtausenden erlebte China 83 Dynastien unterschiedlicher Größenordnung und verschiedener Lebensdauer mit 559 Herrschern: China hatte 397 Kaiser, darunter eine Kaiserin, und 162 Könige. 95 Hauptstädte wurden in dieser Zeit errichtet.

Ja, ich freue mich darauf, ein wenig mehr über dieses geschichtsträchtige und gleichzeitig hochmoderne Land zu erfahren, wenn ich über die Buchmesse streife und die Veranstaltungen besuche. Und für alle, die nicht persönlich zu dem großen Frankfurter Event reisen können: Klicken Sie doch mal in unserem Programm, welche Filme und Bücher wir über China anbieten!

(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

25.10.2009, 08.47 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: China, Buchmesse, Ehrengast,

Horizonterweiterung

LaterneSchon im Vorfeld der Buchmesse gab es kürzlich die ersten Kontroversen mit dem Ehrengast. Es ging um die Anreise von Autoren, die der Regierung Chinas unliebsam sind. Häufig bleiben im Kopf solche Diskussionen hängen und man hat schnell ein Urteil dazu parat. Was dabei manchmal auf der Strecke bleibt, ist die Literatur selbst, die auf einer Veranstaltung wie der Buchmesse neben der Kultur des Landes im Mittelpunkt stehen sollte. Und die Literatur Chinas ist ebenso wie die Bücher über China auf jeden Fall einen Blick wert.

Das riesige Land ist faszinierend und verblüfft die Besucher mit wundervollen Landschaften, fremden Gepflogenheiten und erstaunlichen Bauten wie der Chinesischen Mauer. Auch medizinisches und philosophisches Wissen hat in vielen Fällen seinen Ursprung im Reich der Mitte. Wie in wenigen anderen Regionen der Welt treffen in China hochmoderne Wirtschaft und Tradition unmittelbar aufeinander.

Die Literatur, die diesem Spannungsfeld entstammt, ist mit Sicherheit Wert gelesen zu werden. Die vielfältige Kultur des asiatischen Landes kann auf der Messe natürlich nur angerissen werden, aber vielleicht eröffnen sich dem Besucher ja mal wieder neue Horizonte, die den eigenen erweitern helfen …


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

25.10.2009, 08.38 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Buchmesse, Horizonterweiterung, China, Literatur Chinas,

In Linz gestorben

Linz ist mir sehr sympathisch. Nicht nur weil man dort sehr nett an der Donau sitzen kann und ein alter Freund von mir dort wohnt, auch der Titel „Kulturhauptstadt 2009“ ist nicht der eigentliche Grund dafür. Aber es hat damit zu tun.

Die oberösterreichische Stadt hat sich meine Zuneigung durch ein Detail ihres Kulturhauptstadt-Programms verdient. Man hat in Linz nämlich ein Akustisches Manifest verabschiedet, das sich gegen die allgegenwärtige Beschallung unserer Umgebung richtet. Das gefällt mir außerordentlich! Denn mich stören aufdringliches Werbegeplapper im Supermarkt, nervige Jingles, doofe Klingeltöne, piepsende Warntöne (warum, liebe Autobauer, baut ihr nicht einfach Autos, in denen man SEHEN kann, wohin man fährt, anstatt es an allen Ecken piepsen zu lassen?) und alberne Reklameliedchen.

Viele Leute haben beim Lesen Musik im Hintergrund laufen. Sie auch? Also ich kann das nicht, sondern bin da etwas eindimensional veranlagt und kann mich nicht auf zwei Dinge gleichzeitig konzentrieren.

Vielleicht möchten Sie sich auch gern einmal wieder konzentrieren, und zwar auf ein Buch eines österreichischen Autors? Zum Beispiel auf eines von Adalbert Stifter, der in Linz starb. Lange verkannt, gilt Stifter längst als einer der großen Autoren Österreichs. Bei uns können Sie ihn zum Top-Preis entdecken:



Was Sie von mir allerdings nicht bekommen, ist eine Musikempfehlung dazu ...


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

25.10.2009, 08.31 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Adalbert Stifter, Linz, Kulturhauptstadt 2009,

Die Blechtrommel vertont

Es war ein doppelter Geburtstag: Am 3. Tag der Frankfurter Buchmesse, also am 16.10., feierte der Autor Günter Grass seinen 82. Geburtstag und gleichzeitig den „Runden“ seines wohl bekanntesten Werks: „Die Blechtrommel“ wurde 50 Jahre alt.

Die BlechtrommelGünter Grass wurde am 16. Oktober 1927 in Danzig-Langfuhr geboren: Er ließ wohl keine Kunstrichtung aus, probierte sich mit großem Erfolg in den veschiedenen Künsten. So betätigte er sich im Laufe seines Lebens als Schriftsteller, Bildhauer, Maler und Grafiker.
Für seine „Blechtrommel“ erhielt er im Jahr 1999 den Nobelpreis für Literatur.Nicht nur in deutschsprachigen Ländern sondern weltweit gilt diese Erzählung als ein wichtiges Stück Literaturgeschichte. Heute ist das Buch in 52 Sprachen übersetzt.

Im großen Kino der Buchmesse fand eine Geburtstagsfeier der besonderen Art statt: Günter Grass und der Free-Jazzer Baby Günter Sommer traten zusammen auf und begeisterten mit einer unglaublichen Performance zur „Blechtrommel“ das Publikum. Schon vor rund 20 Jahren stand das Team zusammen auf der Bühne, um die „Blechtrommel“ den Lesern mit allen Sinnen nahe zu bringen: „Es war einmal ein Land“ war der Titel der musikalischen Lesung.

Wir haben zwar leider nicht den genialen Auftritt des unglaublichen Künstler-Gespanns im Mitschnitt, dafür aber „Die Blechtrommel“ als vertontes Meisterwerk im Angebot: Sehen Sie selbst!


http://www.jokers.de/3/15767159-1/hoerbuch/die-blechtrommel-3-mp3-cds.html
(Geschrieben von Matthias Stöbener)

25.10.2009, 08.08 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Die Blechtrommel, Günter Grass, Nobelpreis für Literatur,

Mongolische Kunst und Literatur

kamelDie Mongolei gehört noch zu den Gegenden, die uns ziemlich fremd sind. Von der schier unendlichen Landschaft und den Hirten in ihren Zelten, da wissen wir ein bisschen was. Und durch den Film „Das weinende Kamel“ wurde uns die Mongolei und ihre Menschen etwas vertrauter. Ziemlich exotisch ist für uns die mongolische Kultur. Sie ist interessant, das beweist uns die Seite „Mongolian Art“.

mongolenAllein schon der Comic über „Die Geheime Geschichte der Mongolen“ ist den Besuch dieser Seite wert. Die historische und spannende Bildergeschichte stammt von Otgonbayar Ershuu aus Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei, wo der Künstler geboren wurde.  Von ihm sieht man auch weitere Bilder aus den Themenbereichen Pferde, Götter bis Erotik. Auch traditionelle mongolische Malkunst kann er. Wobei die Wimmelbilder mit unangezogenen Menschen, na ja, immerhin mit Farbe ausgestattet,  hineintauchenswert sind, zumindest mit neugierigen Blicken.  

Mongolische Autoren und ihre Literatur werden auf „Mongolian Art“ von Renaet Bauwe, eine promovierte Mongoistin aus Merseburg, liebevoll und kenntnisreich betreut.

(Geschrieben von Otgo)

25.10.2009, 08.04 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kunst | Tags: Miniaturmalerei, Comic, Zeichnung, buddhistische Thangka Malerei, Mongolei,

Friedenspreisverleihung des deutschen Buchhandels

Traditionell wird am Sonntag, dem letzten Tag der Buchmesse, in der Frankfurter Paulskirche der Friedenspreis des deutschen Buchhandels verliehen. Dieses Jahr wurde der italienische Schriftsteller Claudio Magris damit geehrt.

Am 10. April 1939 geboren, studierte der italienische Autor in Turin und Freiburg im Breisgau Germanistik. Heute ist er vor allem als Essayist und Kolumnist für die italienische Tageszeitung Corriere della Sera und andere europäische Zeitungen tätig.

In seiner Dankesrede trat der heute 70-jährige Schriftsteller stark auf: Es sei „Blendwerk, von der Universalität des Kriegs besessen zu sein und ihn für unvermeidlich zu halten“.

Der deutsche Historiker Karl Schlögel hielt die Laudatio auf den Preisträger. Claudio Magris verkörpere mit seiner Literatur die „bessere Seite“ der mitteleuropäischen Tradition. Das bedeute, „die andere Seite immer mitzudenken“, so Karl Schlögel.

Gottfried Honnefelder, der Vorsteher des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, meinte, Magris kämpfe für ein Europa, das nicht allein unter ökonomischen Aspekten sein Selbstverständnis erreicht.

Mit 25.000 Euro ist der Friedenspreis dotiert. Auch die diesjährige Nobelpreisträgerin Herta Müller zählte bereits zu den Preisträgern in Frankfurt.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

23.10.2009, 17.03 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Friedenspreis, Paulskirche, Claudio Magris,

Man wird sich doch noch was wünschen dürfen!

Wenn mich eine gute Design-Fee fragen würde, welchen Wunsch ich habe, wüsste ich genau, was ich antworten würde: ein Sitzmöbel von Alvar Aalto sollte es sein. Ich habe ganz entschieden etwas übrig für skandinavisches Design. Und der Finne Aalto hatte ein Händchen dafür, strenge mit organischen Formen zu mischen und daraus seine typisch geschwungenen Möbel, Lampen und Einrichtungsgegenstände zu formen. Seine Entwürfe wirken noch heute zeitgemäß und modern. Die Gebäude und Entwürfe des Architekten orientierten sich stark an Natur und Landschaft, vielleicht macht sie das so faszinierend.

Aalto war stark vom Bauhaus beeinflusst und hat auch in Deutschland viele Spuren in den Städten hinterlassen. So stehen in Hamburg, Leverkusen, Wolfsburg und Bremen von ihm entworfene Gebäude. Zusammen mit seiner Frau Aino hat Alvar Aalto Designgeschichte geschrieben. Also noch einmal, liebe Design-Fee: ein Aalto-Stuhl für mich! Oder ...

Eigentlich gefallen mir auch die Möbel von Charles und Ray Eames, die haben so etwas Entspanntes ... der Lounge Chair würde sich bei uns daheim auch gut machen. Ok, bis sich die Fee bei mir blicken lässt, lese ich meine Bücher auf meinem No-name-Sofa. Ist auch bequem, wenn die Abende jetzt wieder länger werden. Aber wünschen wird man sich ja noch was dürfen, oder?

Preiswerte Design-Bücher bei Jokers:






(Geschrieben von Matthias Stöbener)

18.10.2009, 14.11 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Alvar Aalto, Charles und Ray Eames, Design-Fee,

Hoffnung für Gelähmte

NeuromedizinMit Erstaunen las ich einen Artikel in der „Nature Neuroscience“. Forschern ist es geglückt, rückenmarksverletzte Ratten nach einer Lähmung wieder laufen zu lassen.

Die Tiere wiesen eine Unterbrechung der Verbindung zwischen Rückenmark und Gehirn auf, wie sie etwa 2,5 Millionen Menschen, die beispielsweise bei einem Autounfall verletzt wurden, erlitten. Durch elektrische Stimulation und mit Hilfe spezifischer Medikamente ist es den Wissenschaftlern gelungen, die Aktivität der Beinmuskeln zu koordinieren. Eine unglaubliche Geschichte, finde ich.

Das Forscherteam um Grégoire Courtine, Professor an der Universität Zürich, arbeitet nun an Prothesen, die in die Wirbelsäule eingesetzt werden können und dort elektrische Impulse abgeben – es besteht Hoffnung, dass diese Prothesen binnen vier Jahren tatsächlich für Menschen funktionsbereit sind.

Ich selbst verfolge schon seit geraumer Zeit die Innovationen der Neuromedizin – dazu gehört für mich auch das genaue Studium des Gehirns. Vielleicht interessieren Sie sich auch für den Themenbereich Neurowissenschaft und Gehirn?


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

18.10.2009, 14.06 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Gehirnforschung, Geist und Gehirn, Neurowissenschaft,

The winners are...

Zum 61. Mal wurden am 20. September die Annual Primetime Emmy Awards verliehen. Die dritte Auszeichnung in Folge erhielten „30 Rock”-Schöpferin Fey und ihre Kollegen Alec Baldwin und Tracy Morgan für die erfolgreiche Comedy-Serie. "Mad Men" im Genre “Drama“ wurde ebenfalls mit einem Emmy Award geehrt. "30 Rock" gewann unter anderem gegen "Entourage", "Family Guy", "Flight Of The Conchords" und "How I Met You Mother".

DVDGlenn Close wurde für ihre Rolle in "Damages" zum zweiten Mal zur besten Hauptdarstellerin in einer Drama-Serie gekürt. Ihr männliches Äquivalent in einer Drama-Serie ist Bryan Cranston, der für "Breaking Bad" ebenfalls einen Emmy erhielt. Die Preisverleihung 2009 fand im Nokia Theater in Los Angeles statt.

Der Emmy Award ist eine der wichtigsten US-Fernsehauszeichnungen, schon seit 1949 wird der Preis jährlich verliehen. Seit 1976 ist die Emmy-Nominierung in zwei Gruppen unterteilt: Es gibt Auszeichnungen, abhängig vom Sendeplatz im TV, in den "Daytime Awards" und den "Primetime Awards". Die Primetime Awards werden von der "Academy of Television Arts & Sciences" bewertet, die Daytime Awards von der "National Academy of Television Arts & Sciences". Der Unterhaltungswert der Sendungen ist beim Emmy Award ausschlaggebend.

Eine der erfolgreichsten Serien überhaupt ist Star Trek. „Star Trek: The Next Generation“ hält immer noch den Rekord bei den meisten Nominierungen und Awards einer Fernsehserie. Klicken Sie doch mal in unser Programm - auch wir bieten Ihnen wunderbare Serien zum Schnäppchenpreis an!

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

18.10.2009, 09.38 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Kultfilme, Serien, Emmy Award, Star Trek,

Buchmesse-Podcast mit über 30 Autoren-Interviews

In der Zwischenzeit hat sich der Buchmesse-Podcast des Literatur-Cafés, den wir von Jokers sponsern, durchgesetzt. Sogar den 1. Deutschen Podcast Award hat er bekommen!

Mehrmals täglich können Sie den Podcast unter

http://www.jokers.de/frankfurt

in der Buchmessezeit vom 14. bis 18. Oktober abrufen und dann auf dem PC oder dem MP3-Player anhören. Auch bei iTunes ist der Podcast gelistet und kann bequem auf iPod oder iPhone geladen werden.

Ich wünsche viel Vergnügen beim audiovirtuellen Messebummel!


(Geschrieben von Matthias Stöbener)  

18.10.2009, 08.55 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Buchmesse-Podcast , Literatur-Café, audiovirtuell,

Buchmesse-Podcast mit über 30 Autoren-Interviews

In der Zwischenzeit hat sich der Buchmesse-Podcast des Literatur-Cafés, den wir von Jokers sponsern, durchgesetzt. Sogar den 1. Deutschen Podcast Award hat er bekommen!

Mehrmals täglich können Sie den Podcast unter

http://www.jokers.de/frankfurt

in der Buchmessezeit vom 14. bis 18. Oktober abrufen und dann auf dem PC oder dem MP3-Player anhören. Auch bei iTunes ist der Podcast gelistet und kann bequem auf iPod oder iPhone geladen werden.

Ich wünsche viel Vergnügen beim audiovirtuellen Messebummel!


(Geschrieben von Matthias Stöbener)  

18.10.2009, 08.55 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Buchmesse-Podcast , Literatur-Café, audiovirtuell,

Ein Jahr von Selbstmorden

Die Selbstmordschwestern„Die Selbstmordschwestern“ – ok, ich gebe zu, dieser Buchtitel klingt ein wenig morbide. Aber lassen Sie sich nicht abschrecken – das Lesen lohnt sich. Der Autor Jeffrey Eugenides präsentiert in diesem Buch das kurze Leben der fünf Lisbon-Schwestern in einer amerikanischen Vorstadt der siebziger Jahre.

Aus der Sicht der Nachbarsjungen sind die fünf schönen Töchter der Lisbons so faszinierend, dass sie das Geschehen um die Mädchen herum wie besessen verfolgen, Fotografien sammeln und jedes Detail analysieren. Als Leser verfolgt man mit ihrem Blick die Vorkommnisse in der scheinbar ganz normalen Familie, die durch den Selbstmord der jüngsten Schwester aus den Fugen gerät. Aber wirklich eindringen kann man nicht.

Die vier verbleibenden Schwestern sind unergründlich, ihr Verhalten ist unauffällig, aber man ahnt, dass dahinter einiges brodeln muss. Die Strenge des Elternhauses allein kann es wohl nicht sein. In den Mädchen scheint etwas zu stecken, das das Weiterleben einfach nicht zulässt. Das Ganze ist verstörend, aber auch wunderbarer, poetischer Lesestoff. Die kleinbürgerliche Kulisse und die sich durch den Roman ziehenden Motive der Vergänglichkeit machen den Roman des Pulitzerpreisträgers zu einem wirklich großen Wurf. Auch die Verfilmung von Sofia Coppola ist übrigens hervorragend. Der Film lief bereits im Fernsehen, sollte er mal wieder gezeigt werden: unbedingt anschauen!

Aber zurück zum Buch. Wenn Sie etwas übrig haben für zeitgenössische amerikanische Literatur der nicht ganz simplen Sorte, werden Sie die Lektüre – trotz des melancholischen Titels – sicher genießen. Diesen Debüt-Roman von Jeffrey Eugenides erhalten Sie bei uns natürlich zum Top-Preis.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

11.10.2009, 08.52 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Selbstmordschwestern, Pulitzerpreisträger, Jeffrey Eugenides,

Junge Politik

Mal ganz ehrlich: Gehören Sie zu den Leuten, die den Tag der Bundestagswahl im Kalender angestrichen haben, die sich diesen Termin frei halten, um ja den Gang zur Urne nicht zu verpassen? Oder zählen Sie eher zu denen, die „halt vorbeischauen“, wenn „es sich einrichten“ lässt, die aber der Politik nicht mehr allzu viel Bedeutung bei messen?

Kurz vor der Bundestagswahl in Deutschland ist ein Projekt gestartet, das die Wähler von morgen zur Wahl ruft. Kinder und Jugendlichen verschiedener Wahlkreise können in einer Art „Probe-Abstimmung“, die in den tatsächlichen Wahllokalen stattfindet, ihren Kanzler-Favoriten wählen.

Wie tickt die PolitikAuch meine kleine Nichte durfte zur Wahl. Die Elfjährige erzählte begeistert von der Stimmung vor den Wahlkabinen. Es war für die jungen Politikinteressierten sehr aufregend, ihre eigene Stimme abzugeben. Selbst, wenn die (noch) gar kein Gewicht hatte.

Ich unterhielt mich mit der Kleinen über das deutsche Wahlsystem und war verblüfft, wie gut das Mädchen Bescheid wusste. Fast besser als so mancher Wahlberechtigte, vermute ich. Und ich war fasziniert von der Leidenschaft, mit der das Kind politisches Geschehen betrachtete: eben genau mit der Passion, die uns Erwachsenen längst schon abhanden kam.

Als ich sie fragte, ob sie denn ihr Wissen allein in der Schule vermittelt bekommen habe, schmunzelte sie: Sie hat ja gerade erst mal Geschichte als Fach bekommen, irgendein Fach, das mit Politik zu tun hätte, hat sie gar nicht. Aber sie hat etwas anderes: Ihre Mutter schenkte ihr das Buch „So tickt die Politik“ – ein anregendes Einführungsbuch in das politische Geschehen für Kinder. Ich habe recherchiert und dieses Kinderwerk nun in unser eigenes Programm aufgenommen. So können auch Ihre Sprösslinge ihr Interesse für Wahlen und Co. entdecken.


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

30.09.2009, 16.49 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kinder und Jugend | Tags: Kinder und Politik, So tickt die Politik,

Michael Ende – Ein Rückblick

Michael EndeAm 28. August 1995 starb Michael Ende an Magenkrebs in Filderstadt-Bonlanden, geboren wurde er am 12. November 1929 als Michael Andreas Helmut Ende in Garmisch-Partenkirchen. Er zählt zu den bekanntesten deutschsprachigen Autoren der neueren Zeit. Insbesondere seine Kinderromane wie „Die unendliche Geschichte“ oder „Momo“, aber auch „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ sind auch international bedeutend. So mancher erinnert sich an eine seiner Figuren noch in hohem Alter. Ich zum Beispiel habe als Kind vor allem den weißen Glücksdrachen Fuchur über alles geliebt, der in der „unendlichen Geschichte“ durch die Lüfte flog. Letztens besuchte ich meine Nichte: Die Kleine besitzt schon ein eigenes Handy und spielte mir ihre neuesten Klingeltöne vor. Ihr ganzer Stolz ist zur Zeit „Eine Insel mit zwei Bergen“, das Lummerlandlied aus Jim Knopf. Ich war entzückt!

Michael Endes Leben war genau wie seine Bücher abwechslungsreich und ausgefüllt. Seine Eltern waren Luise Ende (1892-1973) und Edgar Ende (1901-1965). Der Vater Edgar Carl Alfons Ende war ebenfalls Künstler, ein surrealistischer Maler, seine Kunst galt während der NS-Zeit als "entartet". 1933 erhielt er deswegen von der Reichskulturkammer ein Ausstellungsverbot. Der Sohn Michael wuchs im Zweiten Weltkrieg auf, erlebte die Bombenagriffe und die weitgehende Zerstörung Hamburgs 1943 mit. In Hamburg sollte er als 16-Jähriger im Jahre 1945 zur Waffen-SS eingezogen werden, Michael floh zu seiner Mutter nach München. Der Vater geriet während dieser Zeit in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Im Jahr 1946 konnte Michael Ende bereits wieder ein Gymnasium in München besuchen, wechselte aber in die Waldorfschule Stuttgart. 1947 wurde sein erster Text "Der Gaukler" in einer Zeitung veröffentlicht. Von 1948 an besuchte er die Schauspielschule Otto Falckenberg der Münchner Kammerspiele. Dort studierte er 2 Jahre klassische und moderne Schauspieltheorien. Daran anschließend erhielt er ein Engagement an der Landesbühne Schleswig-Holstein. In der Zeit von 1954 bis 1962 war Michael Ende Mitarbeiter sowie Filmkritiker beim Bayerischen Rundfunk. Um sein mageres Gehalt aufzubessern begann er, Sketche und Kabarett-Stücke zu schreiben.

1960 wurde „Jim Knopf“ veröffentlicht und postwendend mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Michael Ende erlangte Popularität. Im Jahr 1962 wurde der zweite Band „Jim Knopf und die Wilde Dreizehn“ veröffentlicht. Das Buch wurde in mehreren Sprachen herausgegeben, der erfolgreiche Autor erlangte so finanzielle Unabhängigkeit. Michael Ende heiratete am 7. August 1964 die Schauspielerin Ingeborg Hoffmann, die er bereits seit 1952 kannte. Gemeinsam zogen sie in das italienische Genzano in der Nähe von Rom.

Der internationale Durchbruch gelang Ende im Jahr 1972 mit "Momo", ein Buch, das verfilmt wurde. 1974 wurde „Momo“ mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Zu Endes bekanntesten Werken zählt „Die unendliche Geschichte“ aus dem Jahr 1979, für die er 1981 mit dem Europäischen Jugendbuchpreis prämiert wurde. „Der Spiegel im Spiegel“ ist eines seiner anderen Werke, die international bekannt wurden.

Im März 1985 starb seine Frau Ingeborg. Ende zog zurück nach München. 1989 heiratete Michel Ende in zweiter Ehe Mariko Sato. Zu seinem 60. Geburtstag wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

In den 1990er Jahren folgten Romane wie „Der lange Weg nach Santa Cruz“, „Die Vollmondlegende“ oder „Lirum Larum Willi Warum“. „Die Geschichte von der Schüssel und dem Löffel“ wurde posthum im Jahr 1996 publiziert.

Mein Favorit bleibt nach wie vor „Die unendliche Geschichte“: Es beflügelt auf packende Weise die Phantasie.


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

30.09.2009, 16.35 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Michael Ende, Biographie, Die unendliche Geschichte, Momo, Jim Knopf,

Krieg und Frieden

Krieg und FriedenEin Klassiker der Weltliteratur, ein Monumentalroman, ein Epos der Historie: Der vierteilige historische Roman von Leo Tolstoi ging in die Geschichte ein. „Krieg und Frieden“ zeichnet das Bild eines Russlands, das durch den Kampf mit Napoleon, mit Westeuropa gebeutelt wird. Sieben Jahre gewaltige Ereignisse (1805-1812) führt der Roman vor, Napoleon, Alexander I., Kutusow prallen aufeinander, „Krieg und Frieden“ ist voller gesellschaftlicher und politischer Gegensätze. 1863 erschien das Werk und gilt noch heute als Pflichtlektüre eines jeden gebildeten Lesers.

Im September ist sein Gedenktag: Geboren wurde Leo Nikolajewitsch Tolstoi am 9. September 1828 in Jasnaja Poljana. Das Adelsgeschlecht, dem er entstammte, soll angeblich vor vielen Jahrhunderten aus Deutschland eingewandert sein, die Familiennamen Dick oder Dickmann wurden in wörtlicher Übersetzung zu Tolstoi.

Leo wurde früh zum Waisen: Seine Mutter starb, als er zwei Jahre alt war, seinen Vater verlor er mit neun Jahren. Von Verwandten erzogen, studierte Leo bereits mit 15 Jahren an der Universität Kasan orientalische Sprachen, dann Recht, 1848 kehrte er auf sein Gut zurück.

Nach einem eher ausschweifenden Leben trat Leo Tolstoi 1851 als Artilleriefähnrich in ein kaukasisches Regiment ein. Im Krimkrieg wurde er zur Donau-Armee versetzt und nahm an Schlachten und Belagerungen teil. Länger als ein halbes Jahr, von November 1854 bis August 1855, befand er sich im belagerten Sewastopol in der gefährlichen "vierten Bastion". Nach dem Friedensschluss nahm er seinen Abschied und widmete nun sein Leben der Schriftstellerei: Während der nächsten 15 Jahre verfasste er seine großen Romane.

Um 1877 trat seine bedeutungsvolle religiöse Krise ein: Als einfacher Bauer lebend und arbeitend lehnte er den ihm zugestandenen Nobelpreis ab. Im März 1901 wurde er von der griechisch-orthodoxen Kirche exkommuniziert. Bereits sehr betagt verließ er 82-jährig im Winter 1910 Haus und Hof, nur wenige Tage später verstarb er am 20. November. Seinen Frieden mit der Kirche fand er nie mehr.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

30.09.2009, 09.30 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Leo Tolstoi, Krieg und Frieden,

Eichendorff fürs Gemüt

Dass Jokers seinen 10-jährigen Geburtstag feiert, haben Sie natürlich mitbekommen: Wir haben ja auch mit genügend Jubiläums-Angebote gefeiert.

Nun habe ich mir persönlich noch überlegt, was für mich diese zehn Jahre Jokers bedeuten. Was heißt es, zehn Jahre lang den Menschen den Zugriff auf kostengünstige Bücher zu ermöglichen? Was meint denn „LESEN“ für uns alle?

Ich glaube, dass uns Geschichten vor allem eines schenken. Zuversicht. Sie spenden Trost, sie geben Mut, sie beflügeln die Phantasie, sie helfen, den Alltag erträglich zu machen. Ja, Bücher stehen dem Leser zu Seite, auf sie ist Verlass, sie scheinen einem still zuzuflüstern: Komm zu mir, ich bin dein Versteck, mit mir kannst du die Welt außen vor lassen. Literatur ist Trost. Jedenfalls kann das ein Aspekt von Literatur sein, wie ich meine.

Und über diese Gedankenkette bin ich bei dem wunderbaren Gedicht von Eichendorff gelandet: „Komm, Trost, du stille Nacht“ heißt es:

Komm, Trost der Welt, du stille Nacht!
Wie steigst du von den Bergen sacht,
Die Lüfte alle schlafen,
Ein Schiffer nur noch, wandermüd',
Singt übers Meer sein Abendlied
Zu Gottes Lob im Hafen.

Die Jahre wie die Wolken gehn
Und lassen mich hier einsam stehn,
Die Welt hat mich vergessen,
Da tratst du wunderbar zu mir,
Wenn ich beim Waldesrauschen hier
Gedankenvoll gesessen.

O Trost der Welt, du stille Nacht!
Der Tag hat mich so müd' gemacht,
Das weite Meer schon dunkelt,
Lass ausruhn mich von Lust und Not,
Bis dass das ew´ge Morgenrot
Den stillen Wald durchfunkelt.

Noch mehr Eichendorff fürs Gemüt gibt es hier bei Jokers:


Eichendorff


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

30.09.2009, 09.28 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Naturwissenschaften | Tags: Eichendorff, Trost der Welt, Phantasie,

Joe CockerSind Sie auch schon ein bisschen Hippie? Es fällt zur Zeit ja schwer, das Thema „40 Jahre Woodstock“ auszuklammern. Wenn man die verwackelten Bilder des Kultkonzerts sieht, die noch heute legendären Bands und die entrückten Gesichter der Festivalteilnehmer, kann man fast ein wenig neidisch werden. Solche Entspanntheit und pure Lebensfreude strahlt das Ganze bis heute aus!

Eine halbe Million Menschen fanden sich in Bethel im Bundesstaat New York zu diesem Mega-Konzert zusammen und ließen sich auch von Regen, Sturm und chaotischen Verhältnissen nicht den Spaß verderben. Dokumentationen und Filme wurden über das Phänomen „Woodstock“ gedreht und so mancher Musiker – sollte er nicht wie Janis Joplin und Jimi Hendrix übermäßigem Drogenkonsum zum Opfer gefallen sein – zehrt noch heute vom damaligen Ruhm.

Wer Folk, Blues, Soul und Rock liebt, der gerät bei Nennung des Namens „Woodstock“ noch immer ins Schwärmen. Haben Sie mal den Auftritt von Joe Cocker bei diesem Festival gesehen? Ein Herumzappeln und Schreien ist das – da ist so viel Kraft drin, da kommt einem ein Bühnenauftritt vieler anderer heutiger Musiker geradezu lahm dagegen vor.

Ok, Sie möchten das jetzt auch selbst versuchen und mal ein wenig abrocken. Kann ich verstehen und empfehle Ihnen unser Joe Cocker Songbook für Gitarre, Keyboard und Gesang. „Woodstock“ für zu spät Geborene sozusagen ...


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

30.09.2009, 09.20 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kino & Film | Tags: Für zu spät Geborene

Entspannt die Vergangenheit genießen

Canterbury ErzählungenEs hat keinen Zweck zu jammern, wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass die Tage wieder kürzer werden. Aber das hat auch sein Gutes. Endlich kann ich es mir abends wieder so richtig schön mit einem Buch gemütlich machen. Ich meine, ohne dass mir die Sonne sagt: Buch zuklappen und raus an die frische Luft, du Stubenhocker!

Das Buch, das ich Ihnen für kühle Abende ans Herz legen möchte, ist aus einer fernen Zeit, amüsant und mit feinem Humor. Geoffrey Chaucers „Canterbury Erzählungen“ sind etwas für diejenigen, die sich für vergangene Zeiten interessieren, aber nicht so sehr auf den klassischen historischen Roman stehen. Es geht zwar laut Rahmenhandlung der „Tales“ um eine Pilgerfahrt, doch geht es nicht wirklich fromm zu. Die insgesamt 22 Geschichten werden von den unterschiedlichsten Teilnehmern der Reise zum Besten gegeben und handeln von Liebe, Habsucht, Betrug, Rache und allerlei Menschlichem. Dabei bekommen alle Stände ihr Fett weg, Adel, Klerus und Bauern gleichermaßen. Die Geschichten stammen aus dem 14. Jahrhundert und bieten einen spannenden Einblick in eine für uns heute fremde Welt. Wer sie liest, wird feststellen: Die Umstände haben sich zwar enorm geändert, die Menschen selbst aber nicht.

Beeinflusst von Boccaccios Decamerone sind die „Canterbury Tales“ immerhin ein Stück Weltliteratur. Und Sie müssen die Geschichten schließlich nicht im originalen Mittelenglisch lesen, sondern können sie auf Deutsch ganz entspannt genießen.


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

30.09.2009, 09.08 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Canterbury Tales, Geoffrey Chaucer, Decamerone ,

Sir Arthur Conan Doyle

Sherlock HolmesSherlock Holmes kennt jeder. Aber wussten Sie, dass der geistige Vater des findigen Detektiven, Sir Arthur Conan Doyle, schon lange vor „Jurassic Park“ und Co. Geschichten um prähistorische Abenteuer schrieb? In „Die vergessene Welt“ reist zu Anfang des 20. Jahrhunderts der Wissenschaftler Challenger mit einem Forscher-Team ins tiefste Amazonasgebiet. Dabei entdecken sie Dinosaurier, die man seit Millionen von Jahren für ausgestorben geglaubt hat ... Diese faszinierende Geschichte gibt´s bei uns als Hörbuch: 6 Audio-CDs zum Satthören!

Am 22. Mai 2009 hätte Sir Arthur Conan Doyle seinen 150. Geburtstag gefeiert. Er wurde in Edinburgh geboren. Nach dem Medizinstudium praktizierte er von 1882 bis 1890 in Southsea. Seine vielen Reisen führten ihn von den Polargebieten bis nach Westafrika.

1887 erschuf er seinen Meisterdetektiv Sherlock Holmes. 1902 wurde der Mediziner zu Sir Arthur Conan Doyle geadelt. Sein Sohn starb früh, bereits im Jahre 1921 fiel er ihm 1. Weltkrieg. Sir Arthur Conan Doyle wandte sich daraufhin dem Spiritismus zu. Er starb am 7. Juli 1930 in Crowborough/Sussex.

Hier finden Sie eine Kurzbiografie des facettenreichen Autors und Arztes:

1859 22. Mai: Arthur Conan Doyle wird als Beamtensohn im schottischen Edinburgh geboren.
1882 Nach seinem Medizinstudium in Edinburgh praktiziert Doyle als Arzt in Southsea.
1887 In der Erzählung "A Study in Scarlet" taucht bereits zum ersten Mal die Figur des Detektivs Sherlock Holmes auf.
1890 Doyle nimmt eine Tätigkeit als Schiffsarzt auf.
ab 1891 Er arbeitet als freischaffender Schriftsteller, veröffentlicht kurze Abenteuer seines Sherlock Holmes im "Strand Magazine". So wird Doyle zum Begründer des modernen Kriminalromans, der zahlreiche Nacheiferer fand. Sein Erzählstil wird zum Vorbild des bürgerlichen Detektivromans des 20. Jahrhunderts.
1893 Doyle wollte Sherlock Holmes nach dem Erscheinen des zweiten Sammelbands "The Memoirs of Sherlock Holmes" sterben lassen, beugt sich aber dem Wunsch des Verlegers und der Leserschaft: Holmes darf weiter leben. In den Folgejahren erscheinen nach den ersten zwei Sammelbände mit "The Return of Sherlock Holmes" (1903/04) und "The Case Book of Sherlock Holmes" (1927) noch zwei weitere Ausgaben.
um 1896 Doyle, die Politik der konservativen Regierung unterstützend, nimmt als Arzt freiwillig am Burenkrieg teil.
1900 Danach veröffentlicht er die Schrift "The Great Boor War" ("Der Krieg in Südafrika").
1901/02 Die Erzählung "The Hound of the Baskervilles" erscheint.
1902 Doyle wird wegen seiner Verdienste im Burenkrieg geadelt.
um 1918 Scheinbar aus Verzweiflung über den Tod seines Sohns, der im Ersten Weltkrieg gefallen ist, wendet sich Doyle dem Mystizismus und Spiritismus zu.
1930 7. Juli: Arthur Conan Doyle stirbt in Crowborough (Sussex).


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

30.09.2009, 09.02 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Sir Arthur Conan Doyle, Kurzbiografie, Sherlock Holmes,

Glücksmomente

GlückEs gibt wohl kaum ein Gefühl, über das so viel geschrieben und gedichtet wurde wie über die Liebe: In Abertausenden von Büchern, Geschichten, Filmen und Versen sterben und leiden, kämpfen und siegen die Helden und Heldinnen für oder wegen der Liebe.

„Jemanden sehr zu lieben, verleiht Stärke. Von jemandem sehr geliebt zu werden verleiht Mut“, sagte Laotse. Dieser eingängige Spruch findet sich unter vielen anderen in unserer Schatzkiste „Meine Glücksbox für sonnige Tage“, die leider schon ausverkauft ist. Die Käufer dürfen sich jede Woche an einem anderen Zitat, begleitet von einem wunderbaren Bild, erfreuen. Nicht nur um die Liebe geht es da, viel mehr alles, was unser Herz erfreut. Gute Worte sollen uns Tag für Tag, Woche für Woche durch die Jahreszeiten begleiten. Eine schöne Idee, wie ich finde.

Doch zurück zur Liebe: Haben Sie ein Lieblingszitat? Vielleicht eines von Konfuzius, der riet: „Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir – für immer.“ Oder die Einsicht von Mahatma Gandhi: „Du und ich: Wir sind eins. Ich kann dir nicht wehtun, ohne mich zu verletzen.“

Schreiben Sie mir doch hier als Kommentar die Zeilen, die Sie am meisten berühren!

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

30.09.2009, 08.58 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Naturwissenschaften | Tags: Liebeszitate, Glücksbox,

Eine Passion

BergsteigerReinhold Messner hat ein neues Buch geschrieben. „Westwand“ heißt es und beschreibt nicht nur seine Besteigung des Ortlers, sondern auch seine kritische Einschätzung des Bergtourismus generell.

Wenn ich jemanden bewundere, dann sind das Bergsteiger. Die professionellen wie Messner, nicht die leichtsinnigen Möchtegern-Alpinisten, die in Flipflops die Berge hinaufkraxeln. Da ich selbst am Berg leider nur mäßig bin (gute Ausrüstung bei mittelprächtiger Kondition, gepaart mit leichter Höhenangst), bekomme ich als Belohnung zwar auch oft eine tolle Aussicht und das gute Gefühl, den Berg selbst erklommen zu haben. Aber bei meinen Touren treffe ich auf dem Gipfel auf eine gut bewirtschaftete Hütte und eine Menge weiterer Individualisten.

Das ist natürlich nicht zu vergleichen mit den Extrem-Erfahrungen der „richtigen“ Bergsteiger: Natur pur, eisige Kälte, übermenschliche Anstrengungen, aber auch phänomenale Erlebnisse und die atemberaubende Schönheit einsamer Gipfel.

Der Faszination der Berge kann man sich kaum entziehen, wenn man sich für Natur interessiert. Als passionierter, wenn auch meist eher passiver Bergfreund möchte ich Ihnen unsere Bücher zu diesem Thema ans Herz legen, und sollten Sie Reinhold Messner mal auf einer Ihrer Wanderungen treffen, grüßen Sie ihn von mir!

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

30.09.2009, 08.51 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Reinhold Messner, Bergsteigen, Extrem-Erfahrungen,

Die Ikone der 1970er Jahre

Romy Schneider wäre am 23. September 2008 70 Jahre alt geworden. In Österreich, Deutschland und Frankreich war die Schauspielerin beliebt wie keine andere. Obwohl sie nie eine Schauspielschule besuchte, schien es, als ihr die verschiedenen Rollen auf den Leib geschrieben worden wären. In dem Heimatfilm „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“ begeisterte sie, gerade einmal 15 Jahre alt, das Publikum an der Seite von Götz George, doch als „Sissi“ erlangte sie internationalen Ruhm.

Die in Wien geborene Schauspielerin hieß mit bürgerlichem Namen Rosemarie Magdalena Albach. Beide Eltern waren ebenfalls Schauspieler, die Mutter ist auch in den “Sissi"-Filmen zu sehen. Als sie 1958 den französischen Schauspieler Alain Delon kennen lernt und eine Beziehung mit ihm beginnt, ist dies der erste Schritt zu ihrer großen Karriere in Frankreich. Darauf aufbauend bekommt Romy Schneider auch Angebote aus Hollywood.

Doch im Privatleben ist Romy nicht vom Glück verfolgt: Sie hat das Scheitern ihrer Beziehung und einen Selbstmordversuch zu verkraften. Schließlich heiratet sie den Regisseur Harry Meyen und bringt David Christopher zur Welt. Doch die Ehe mit Meyen hält nicht. Später heiratet sie den elf Jahre jüngeren Sekretär Daniel Blasini. Nach sechs Jahren ist auch diese Ehe gescheitert, Romy Schneider ist schwer erkrankt. Tragisch stirbt ihr Sohn David bei einem Unfall.

Am 29. Mai 1982 findet ihr Lebensgefährte Laurent Petin Romy Schneider tot. Herzversagen wird als Todesursache angegeben, doch die Gerüchteküche spricht von Selbstmord und gebrochenem Herzen.

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

30.09.2009, 08.48 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Romy Schneider, Ikone,

Eduard Mörike: eine Empfehlung

Eduard MörikeAm 8.September wäre er 205 Jahre alt geworden: Eduard Mörike wurde am 8. September 1804 in Ludwigsburg geboren. Er starb am 4. Juni 1875 in Stuttgart. In Ludwigsburg besuchte er die Lateinschule, ab 1818 wechselte er zum Seminar in Urach. 1826 begann er als Vikar seine Tätigkeit in Nürtingen, dann arbeitete er 1827/1828 zwei Jahre lang als Zeitschriftredakteur. Von 1834-1843 war er Pfarrer im Ort Cleversulzbach.

Eduard Mörike wurde vorzeitig pensioniert, in dieser Zeit „jobbte“ er als Literaturlehrer in Stuttgart, 1855 war er Hofrat und 1856 erhielt er eine Professur. Ab 1871 lebte er wieder in Stuttgart.

Ich persönlich mag manche seiner Gedichte sehr gerne, bekannt wurde Eduard Mörike aber vor allem mit seinen Erzählungen und Prosatexten wie „Mozart auf der Reise nach Prag“ oder den „Brautbriefe“. Seine Mozart-Erzählung bieten wir Ihnen als umfangreiches Hörbuch auf drei CDs an, auch die Brautbriefe finden Sie in unserem Programm. Ich will Ihnen aber an dieser Stelle eines seiner Gedichte vorstellen:

Nimmersatte Liebe

So ist die Lieb! So ist die Lieb!
Mit Küssen nicht zu stillen:
Wer ist der Tor und will ein Sieb
Mit eitel Wasser füllen?
Und schöpfst du an die tausend Jahr,
Und küssest ewig, ewig gar,
Du tust ihr nie zu Willen.

Die Lieb, die Lieb hat alle Stund
Neu wunderlich Gelüsten;
Wir bissen uns die Lippen wund,
Da wir uns heute küssten.
Das Mädchen hielt in guter Ruh,
Wie's Lämmlein unterm Messer;
Ihr Auge bat: nur immer zu,
Je weher, desto besser!

So ist die Lieb, und war auch so,
Wie lang es Liebe gibt,
Und anders war Herr Salomo,
Der Weise, nicht verliebt.

Wenn nun auch Sie Gefallen an den poetischen Gedanken von Eduard Mörike gefunden haben, lege ich Ihnen den Band „Hundert Gedichte“ ans Herz: Hier finden Sie traumhafte, manchmal heitere, manchmal melancholisch-nachdenkliche Verse des genialen Poeten.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

30.09.2009, 08.44 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Eduard Mörike, Brautbriefe, Gedichte, Mozart auf der Reise nach Prag,

Billy wird 30!

Stieg LarssonSelbstverständlich machen wir hier keine Werbung für irgendwelche skandinavischen oder sonstigen Einrichtungshäuser. Aber wer Bücher hat, vielleicht wie Sie und ich sogar ein paar mehr, hat auch Bücherregale. Man möchte seine Schätze ja schließlich um sich haben und nicht in irgendwelchen Schränken einsperren.

Seit drei Jahrzehnten jedenfalls dominiert besagtes Regal mit fünf Buchstaben viele Arbeitszimmer, Wohnzimmer und Bücherstuben, die ich kenne. Es scheint der kleinste gemeinsame Nenner von Bücherverstauern rund um den Erdball zu sein. Ich habe die Angewohnheit, bei Besuchen in fremden Wohnungen mehr oder weniger unverhohlen das Bücherregal in Augenschein zu nehmen. Dabei ist es mir völlig egal, aus welchem Möbelhaus es stammt, ob es beleuchtet ist oder eine kleine Staubschicht hat. Mich interessiert nur der Inhalt.

Ich finde, aus dem, was jemand liest, kann man eine Menge über ihn erfahren. Was ich außerdem spannend finde: Wie ist das Regal sortiert? Nach Genre? Nach Epochen? Gar nicht? Oder vielleicht nach Größe oder Farbe? Mein Freund Götz beispielsweise sortiert nach dem Herkunftsland des Autors. Ich fand das so pfiffig, dass ich diese Methode nun teilweise auch mit großem Vergnügen anwende (in der Belletristik). Sollten Sie Ihr Regal auffüllen wollen, etwa mit Büchern aus oder über Schweden, gibt es hier reichlich Material. Und besonders günstig, versteht sich.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

30.09.2009, 08.33 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Schwedenbücher, Billy, Ikea,

Reicher werden nur die Reichen

Ich mag meinen Job sehr, aber reich werde ich damit nicht. Warum ich Ihnen das so deutlich sage? Kürzlich sah ich in einer Fernseh-Talkrunde einen interessanten Beitrag der Journalistin Heike Faller. Sie hat ein Buch geschrieben, das perfekt zum momentanen Zeitgeist passt. Es heißt: „Wie ich einmal versuchte reich zu werden“.

Als sie beschrieb, wie sie vor der Recherche zu diesem Buch in Sachen Geld und Wirtschaft tickte, glaubte ich fast, dass sie von mir sprach: Der Wirtschaftsteil der Tageszeitung wurde meist ungelesen zur Seite gelegt und die New Economy ließ sie kalt. Was ein Hedgefond ist? Keine Ahnung!

Anfang 2008 entschließt sich Heike Faller, eine berufliche Auszeit zu nehmen und ihr Geld, das bislang auf einem unspektakulären Sparkonto vor sich hindümpelte, zu verdoppeln. Sie taucht ein in die Welt der Banker, Investoren und Finanzzocker und berichtet in ihrem Buch, wie sie versucht, das nun erworbene Wissen gewinnbringend umzusetzen.

Ein witziger und aufschlussreicher Blick hinter die Kulissen der scheinbar glitzernden Finanzwelt. In der Talkshow verrät sie: Man kann sich recht schnell in diese Materie einarbeiten, manchmal hat das Ganze trotz Krise sogar komische Momente, aber so richtig reich geworden sei sie trotzdem nicht. Ich finde das beruhigend und werde auch in Zukunft guten Gewissens das Feuilleton dem Wirtschaftsteil vorziehen...

Zum Thema Geld werden Sie bei uns natürlich auch fündig, zum Beispiel mit diesem Titel:



Noch mehr Titel finden Sie hier : Geld

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

30.09.2009, 08.18 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Heike Faller, Zeitgeist, New Economy, Finanzwelt,

In diesen Spiegel sollen schauen die Menschen alle, Männer, Frauen

„Zů nutz vnd heylsamer ler / vermanung vnd
ervolgung der wyßheit / vernunfft und gůter
sytten: Ouch zů verachtung vnd straff der narheyt /
blintheyt yrrsal vnd dorheit / aller stæt / vnd
geschlecht der menschen: mit besunderem flyß
ernst vnd arbeyt / gesamlet zů Basell: durch
Sebastianū Brant. in beyden rechten doctor.“

Mit diesen Versen beginnt die Vorrede des „Narrenschiffs“ von Sebastian Brant, dem großen Humanisten. Auf Latein wurde er Titio genannt. Der deutsche Professor lebte von 1457 (oder 1458) bis zum 10. Mai 1521. Sein genaues Geburtsdatum ist unbekannt, Straßburg war seine Heimatstadt: Hier wurde er geboren und hier starb er.

Albrecht DürerTitio war Jurist, von 1489 bis 1500 Professor für Rechte an der Universität und von 1502 bis zu seinem Tod 1521 Stadtschreiber und Kanzler der Freien Reichsstadt Straßburg. 1494 veröffentlichte Sebastian Brant das berühmte „Narrenschiff“. Mit dieser gereimten Satire auf die gesellschaftlichen Missstände seiner Zeit wurde er als humanistischer Autor international bekannt. Und schon in der Vorrede zum „Narrenschiff“ deutet Brant an, in welche Richtung sein Text geht: „In diesen Spiegel sollen schauen die Menschen alle, Männer, Frauen.“

Ich habe eine wunderbare Internetseite zum „Narrenschiff“ entdeckt: http://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/15Jh/Brant/bra_n000.html bringt den kunstvollen Text in digitaler Form. Was mir daran so gut gefällt: Auch die originalen Holzschnitte sind abgebildet, die Brants Verse untermalen. Angeblich hat Albrecht Dürer die Schnitte angefertigt. Und eines haben Brant und Dürer sicher gemeinsam: Beide sollen sich durch eine besonders feinsinnige und ironische Ständekritik ausgezeichnet haben...

Albrecht Dürer war zweifelsohne einer der genialsten Künstler seiner Zeit: 1471 wurde er in Nürnberg geboren, dort starb er 1528. Klicken Sie doch mal, welche Werke zu Dürer wir für Sie auf Lager haben!


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

20.09.2009, 09.59 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Narrenschiff, Sebastian Brant, Albrecht Dürer,

Liebe jenseits der 50

Alte LiebeLiebe hat kein Verfallsdatum. Den schönsten Beweis dieser Tatsache liefert Marc Fitten mit „Valerias letztes Gefecht“ (engl. Valeria’s last stand). Valeria, eine missmutige alte Frau in den 60ern verliebt sich unerwartet in den verwitweten Töpfer ihres kleinen ungarischen Dorfs. Plötzlich erwacht die ehedem verbiesterte alte Dame zu neuem Leben. Doch auch Ibolya, die in die Jahre gekommene, aber nicht minder aktive Wirtshausbesitzerin, hat sich in den alten Mann verliebt. Als auch noch ein gerissener Wanderschornsteinfeger ins Dorf kommt und sich der hiesigen Damenwelt annimmt, beginnt eine Amour Fou, die das ganze Dorf umkrempelt.

Dass es sich bei den Protagonisten durchgehend um Menschen jenseits der Lebensmitte handelt, kann der Leser getrost vergessen. Denn eins macht alle Menschen gleich: die Liebe zu einem anderen Menschen. Ein wunderschönes Buch, wie ich finde. Besonders tröstet es frisch gebrochene Herzen, die meinen, nach diesem Einen oder dieser Einen gäbe es in Zukunft niemanden mehr.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

20.09.2009, 09.52 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Marc Fitten, Valerias letztes Gefecht, Liebe jenseits der Lebensmitte,

Ein Buch mit Suchtfaktor

Ich bin etwas skeptisch, wenn auf einen großen Bestseller eine Fortsetzung folgt. Das gilt fürs Kino, aber noch mehr bei Büchern. Umso kritischer beäugte ich das jüngste Erscheinen von „Die Tore der Welt“ von Ken Follet. Dieser Roman ist die viel gepriesene Fortsetzung des Monumentalwerks „Die Säulen der Erde“ aus dem Jahr 1990.

Doch angesichts meines Urlaubs überkam mich der Wunsch, mal wieder ein dickes Buch zu lesen, in dem man über einige Tage richtig versinken kann. Das Buch „Die Tore der Welt“ (engl. „World without End“) ist nicht nur spannend geschrieben, sondern Follet zeigt sich wieder als Meister der Spannungsbögen und der ausgefeilten Charakterentwicklung. Seine Geschichten in den über 1200 Seiten sind nie verworren oder unübersichtlich. Die Handlung ist gut recherchiert und überraschend wohl durchdacht. Mittelalter-Klischees und Rollenstandards bedient Follet sichtbar ungern.

Und dann ist da natürlich noch dieser Suchtfaktor, der sich schon nach wenigen Zeilen einstellt und dafür sorgt, dass ich mich am Abend vor dem Einschlafen schon auf den nächsten Tag freue, wenn ich endlich weiter lesen kann. Genauso hatte ich es mir gewünscht.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

20.09.2009, 08.46 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Ken Follet, Die Tore der Welt, Mittelalter-Klischees, Suchtfaktor,

Isaac Asimov's "Three Laws of Robotics"

NeudeckPlötzlich wird das Thema erneut diskutiert. Seit im Februar ein Treffen der Association for the Advancement of Artificial Intelligence in Kalifornien stattfand, richtet sich das Augenmerk einer bestimmten wissenschaftlichen Gemeinde wieder auf den Angriff der Roboter auf die Menschheit, der bald bevorstehen soll.

Mich belustigt das. Hatte nicht schon Isaac Asimov in den 40er bis 50er des letzten Jahrhunderts eindeutige Regeln für das Miteinander von Mensch und Maschine kommuniziert? Wie war das noch einmal mit seinen „Robotergesetzen“, die er in „I, Robot“ so klar beschrieb?

  1. 1. A robot may not injure a human being or, through inaction, allow a human being to come to harm.
  2. A robot must obey orders given it by human beings except where such orders would conflict with the First Law.
  3. A robot must protect its own existence as long as such protection does not conflict with the First or Second Law.

Auf Deutsch in etwa:

Ein Roboter darf kein menschliches Leben verletzen oder durch Untätigkeit gestatten, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.

Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.

Ein Roboter muss seine eigene Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.

Eine eventuelle Übernahme der Weltherrschaft durch ein System der Künstlichen Intelligenz erachte ich persönlich schlichtweg als Nonsens. Mein Problem mit den „Robotergesetzen“ bezieht sich auf den Begriff „Mensch“. Was hat es denn auf sich, das mit dem Menschsein? Welche Definition von Menschsein liegt hier zugrunde? Der Mensch als biologischer Organismus?

Ich beschäftige mich manchmal gerne mit den philosophischen Aspekten des Menschseins. So kommt es, dass ich Bücher entdecke, die diesen Themenkomplex ganz unterschiedlich beleuchten. Meine neueste Entdeckung ist „Abenteuer Menschlichkeit“, ein Werk, das die Arbeit und den Kampf des Menschenrechtlers Rupert Neudeck beschreibt. Er will Menschlichkeit, Menschenrechte und Menschenwürde real bewahren und sich nicht in theoretischen Horrorszenarien von Künstlicher Intelligenz verlieren.

http://www.aaai.org/home.html

 
(Geschrieben von Matthias Stöbener)

13.09.2009, 09.51 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Künstliche Intelligenz, Robotergesetze, Isaac Asimov, Rupert Neudeck,

Ich empfehle ein vergnügliches leichtes Lispeln

Ueber AmerikanerMan liebt ihn, oder man findet ihn unerträglich: Marcel Reich-Ranicki ist Deutschlands bekanntester Literatur-Kritiker mit einem Faible für deutliche Worte. Welchen Autor er schätzt und welchen nicht, daran lässt Reich-Ranicki in der Regel keinen Zweifel. Auch wenn er polarisiert, mit seiner scharfen Zunge, der prägnanten Stimme und dem typischen leichten Lispeln gehört er zu den unterhaltsamsten Darstellern im Literaturbetrieb.

Von ihm verfasste Bücher zu lesen ist daher stets nur der halbe Spaß. Man liest seine markigen Aussagen über literarische Qualität zwar mit Vergnügen, hört aber nicht, wie er die Worte seinem Publikum temperamentvoll entgegenschleudert.

Anders beim Hörbuch „Über Amerikaner“, hier hört man die markante Stimme des „Literaturpapstes“ selbst. Und auch der Inhalt ist grandios: Kritiken zu großen amerikanischen Schriftstellern. Meist verbindet man Marcel Reich-Ranicki ja mit deutscher Literatur. Weniger bekannt ist, dass er sich auch den amerikanischen Autoren gewidmet hat: von Ernest Hemingway über Arthur Miller bis zu John Updike, Joyce Carol Oates und Philip Roth reicht die Palette der US-Schriftsteller, die Reich-Ranicki hier präsentiert.

Mein Tipp: lassen Sie sich von diesem älteren Herrn, der zweifellos eine Menge von Literatur versteht, die amerikanischen Schriftsteller und ihre Werke per Hörbuch nahe bringen – so bekommen Sie Hörvergnügen und wertvolle Lesetipps in einem.

 
(Geschrieben von Matthias Stöbener)

13.09.2009, 09.42 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Über Amerikaner, Literaturpapst, Marcel Reich-Ranicki,

Ein goldtiger Sprachkosmos

Max Goldt ist ein Phänomen. Seine Bücher haben die tollsten Titel, die ich kenne. Sie heißen beispielsweise „Vom Zauber des seitlich dran Vorbeigehens“ oder „Der Krapfen auf dem Sims“.

Der Inhalt ist in höchstem Maße erheiternd und wenn man einmal eine Sammlung der Goldtschen Essays gelesen hat, will man sie alle lesen. Wilde Assoziationsketten lassen den Leser taumeln, Goldts virtuoser Sprachgebrauch versöhnt mit den vielen Sprachschlampereien des Alltags.

Mit seinen Beobachtungen der sehr besonderen Art hat sich Max Goldt einen Namen gemacht. Als „Titanic“-Kolumnist war er Kult, seine Texte haben eine riesige Fangemeinde. Kein Wunder, kaum jemand formuliert so schräg, so pointiert und bizarr-beschwingt wie Goldt. Naturgemäß sind die Häppchen, die die Sammelbände fassen, nicht mehr tagesaktuell, sobald sie in Buchform erscheinen. Was ein Nachteil sein könnte, ist bei Goldt aber keiner, denn sein skurriler Wortwitz setzt keinerlei Patina an. Die Abschweifungen des Schriftstellers sind legendär, ich jedenfalls bin noch nie in Versuchung gekommen, so ein Goldt-Gebilde nachzuerzählen – keine Chance!

Da hilft nur: selber lesen, sich amüsieren, eintauchen in den kuriosen Sprachkosmos des Herrn Goldt.

http://www.jokers.de/3/15603922-1/buch/der-krapfen-auf-dem-sims.html





(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

13.09.2009, 09.29 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln | Tags: Der Krapfen auf dem Sims, Max Gold, Essays, Titanic-Kolumnist,

Partnertausch im Urlaub

Die WahlverwandtschaftenSie heißen Eduard und Charlotte, Otto und Ottilie. Klingt schon fast wieder modern, es handelt sich aber um die Hauptfiguren in Goethes Roman „Die Wahlverwandschaften“. Zwei Paare, die sich unglücklicherweise in den jeweils anderen Partner verlieben.

Heute heißen Sie Hanna und Thomas, Fritz und Augustine und sind die Filmcharaktere des Films „Mitte Ende August“, der sich an Goethes großen Roman anlehnt. Vielleicht haben Sie „Die Wahlverwandschaften“ schon einmal gelesen, vielleicht können Sie das Buch neu entdecken. Wie gesagt, es geht um Partnerwechsel: Während sich Baron Eduard rückhaltlos in Ottilie, die Pflegetochter seiner Frau Charlotte verliebt, gesteht diese sich ihre Neigung zu Otto, Eduards altem Freund, zunächst nicht ein. Beide neuen Paare finden schließlich, zumindest zeitweise, zusammen.

Sollten Sie das Buch noch nicht gelesen haben, verzeihen Sie mir, wenn ich es schon einmal verrate: Das Ganze geht nicht gut aus. Es wird gelitten und gestorben und es kommt schließlich zur Katastrophe. Dennoch eine unbedingte Lese-Empfehlung meinerseits – ein ganz und gar unverstaubter Klassiker.

Den Film können Sie sich ja trotzdem noch anschauen. Der ist jedenfalls weniger hart im Umgang mit seinen Protagonisten und unserer Zeit entsprechend lässiger. Wo Goethe noch große Konsequenzen folgen lässt, es um alles oder nichts geht, ist heute nur noch der Sommerurlaub ruiniert.

Ihr Urlaub soll hingegen erholsam und einfach schön sein? Dann nehmen Sie doch Eduard, Charlotte, Otto und Ottilie einfach mit und genießen Sie Literatur vom Feinsten.

 
(Geschrieben von Matthias Stöbener)

13.09.2009, 09.04 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Die Wahlverwandtschaften, Mitte Ende August, Sommerurlaub, Partnertausch,

Nur militärisches Sperrgebiet bleibt verschont

Der malerische Sonnenuntergang in Italien, Fischerkähne am Nordseestrand, ein Esel in der heißen Sonne Griechenlands – im Sommer hat sie Hochsaison, die Fotografie. Ein jeder knipst, was Kamera und Speichermedium hergeben. Zu Hause glüht dann die Festplatte, wenn die vielen Ferienfotos hochgeladen werden.

Oft nehme ich mir vor, ausgewählte Fotos auszudrucken und mal wieder ein schönes Album zu machen, das man sich im Winter dann auf dem Sofa gemütlich anschauen kann. Meist wird allerdings nichts draus, stattdessen landen die digitalen Schätze im Daten-Nirwana. Vielleicht kennen Sie das ja auch.

Dann denke ich ein wenig wehmütig an die gute alte Analogfotografie und kaufe mir gleich wieder einen Farbfilm, den ich unter leisem Fluchen umständlich in meine in die Jahre gekommene analoge Kamera packe. Zur Belohnung fühle ich mich aber fast wie ein verkannter Künstler, wenn ich mit der schweren Ausrüstung auf Fototour ziehe.

Manche sehen mich verdutzt an, es scheint auch etwas Mitleid dabei zu sein. Aber ich entschließe mich, die Blicke für Bewunderung zu halten und es werden, so bin ich zuversichtlich, bestimmt tolle Bilder. Das Ergebnis: manche Aufnahmen sind über-, manche sind unterbelichtet. Egal, ich habe mich kurzzeitig wie ein Foto-Rebell gefühlt und einige Bilder sind wirklich ganz gut ... Beim nächsten Mal bekommt die Digitalkamera wieder eine Chance – soll sie mal zeigen, was sie draufhat!

Wenn Sie sich auch fürs Fotografieren interessieren, werden Sie bei uns auf jeden Fall fündig, und sparen können Sie bei diesen Titeln natürlich auch.



Ach so, noch etwas: Auf www.bilderpics.de können Sie Ihre Urlaubsbilder natürlich auch hochladen – statt die eigene Festplatte zu belasten.

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

13.09.2009, 08.20 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Bilderpics, Fototour, Fotografieren auf Reisen, ,

Stau? Na und!

HörbuecherMitteleuropa ist im Urlaubsfieber: Die Staus auf den Autobahnen zeigen es. Ich selbst gehöre zu den Menschen, die sich gerne aufregen, wenn sie zwischen Tausenden von Mitreisenden im Auto gefangen sind. Meine Geduld reicht nicht einmal aus, mir einen Radiosender mit guter Musik auszusuchen und einfach meine Gedanken ein wenig fließen zu lassen. Ganz im Gegenteil: Mich machen Staus wahnsinnig!

Ganz anders ist da eine Freundin. Kürzlich erzählte sie mir, dass sie die lange Warterei auf den Straßen ab und zu sogar genießt. Weil eben dieses erzwungene Nichtstun einem Zeit-Geschenk gleichkomme. Plötzlich gewinnt man Zeit, kann sie nicht mit Effizienz füllen, man muss diese Zeit mit sich selbst verbringen. Sie hat einen ganz einfachen Trick, sich Staus zu verkürzen: Wenn sie sich an den kleinen Szenen, die sich in den Autos vor, neben und hinter ihr abspielen, satt gesehen hat, hört sie sich ein Buch an. Dazu ist sie ja immer ausgestattet. Sie benutzt nämlich ihr Handy, um ein Audio-Book zu genießen.

Sie können das auch. Denn die Hörbücher, die wir im Angebot haben, laufen auf ganz unterschiedlichen Geräten, vom Computer bis zum Handheld. Gucken Sie doch mal selbst nach, ob Sie sich lieber mit einem Krimi oder einer Novelle den Stau verkürzen wollen! Ich probiere es diesen Sommer ebenfalls.

http://www.jokers-audio.de/


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

07.09.2009, 08.58 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Stau, Zeitgeschenk, Handy, Audio-Book, Urlaubsfieber, Zeitvertreib,

Happy birthday, Mr. Ex President

Am 19. August 1946 wurde William Jefferson „Bill“ Clinton geboren. Er war von 1993 bis 2001 der 42. Präsident der Vereinigten Staaten. Amtsnachfolger von George H. W. Bush und Vorgänger von George W. Bush. Seit 1975 ist der Baptist mit Hillary Clinton verheiratet, die Lewinsky-Affäre brach ihm neben anderen Faktoren politisch das Genick. Der Prozess gegen ihn glich einer Inszenierung, einer Show. Trotz des Vorwurfs des Meineids wurde er freigesprochen. Lange Zeit blieb er der Buh-Mann in der amerikanischen Öffentlichkeit und darüber hinaus.
Es gab keinen Präsidenten, über den so viele schmutzige Witze kursierten. Sein Privat- und Liebesleben empörte und faszinierte die ganze Welt. Und bis heute fragt man sich, ob ein Politiker, also ein Mann der öffentlichen Aufmerksamkeit, tatsächlich auch im Privaten ein ethisch unantastbares Leben führen muss – oder ob er sich, wie jeder andere Sterbliche, nicht auch einmal einen Ausrutscher erlauben darf. Bill Clinton wurde sein Ausrutscher nie verziehen.
Michael Schwelien widmet sich in einem ganz besonderen Werk der Entzauberung eines Mythos: „Die voyeuristische Gesellschaft oder Bill Clinton und die Selbstzerstörung der amerikanischen Demokratie“ untersucht auf anschauliche Weise, wie es dazu kommen konnte, dass das höchste amerikanische Amt entzaubert wurde, ein politisch gelähmter Präsident mit sprichwörtlichem Knebel und metaphorischen Handfesseln im Amt bleiben, die Volksvertreter das Volk vergessen konnten und schlussendlich die Gewaltenteilung aus dem Gleichgewicht geriet.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

31.08.2009, 15.44 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Bill Clinton, Demokratie, Gewaltenteilung, Buh-Mann,

Mit einem der Größten in den Urlaub

Karl ValentinSie, lieber Leser, kennen uns: „Normalerweise“ brauchen wir unsere Preise nicht zu betonen. Sie wissen selbst, wie günstig Jokers ist. Aber ab und zu bin ich selbst noch erstaunt über die Preispolitik meines Chefs. Vor allem dann, wenn ich einen meiner Lieblingsautoren als Sonderausgabe bei uns entdecke. Wie zum Beispiel die Komplettausgabe des Gesamtwerks von Karl Valentin. Als Sonderedition für 29.95 € sparen Sie nämlich 440 Euro (!) gegenüber der Originalausgabe. Und ich finde, dass sich die neun Bände sogar dazu eignen, mit in den Urlaub genommen zu werden. Da geht Ihnen der Lesestoff sicher nicht aus und bei diesem Sommerpreis bleibt genug Taschengeld für einige Souvenirs mehr.

Wussten Sie, dass Karl Valentin mit Bert Brecht befreundet war? Karl Valentin war ein waschechter Münchner: Er verbrachte nicht nur die meiste Zeit in dieser Stadt, sondern wurde sogar auf dem Planegger Friedhof beerdigt. Seinen bürgerlichen Namen kennen nicht viele. Als Valentin Ludwig Fey wurde er am 4. Juni 1882 geboren, er starb am 9. Februar 1948.

Seine Kindheit in der Münchner Vorstadt Au erlebte er als Einzelkind. Eine Schwester und zwei ältere Brüder starben kurz nach Karls Geburt. Karl Valentin war kein fleißiger und williger Schüler. Von der Volksschule (1888 bis 1895) sprach er später als Zeit im „Zuchthaus“. Bis 1901 war er nach einer Schreinerlehre Facharbeiter. In diese Zeit fielen auch erste Auftritte als „Vereinshumorist“. 1911 heiratete er Gisela Royes, das Dienstmädchen im Hause Fey. Zwei Töchter entstammten dieser Verbindung, aber treu war er nicht.

1902 trat er erstmals als Karl Valentin auf. Er hatte ein Gastspiel am Varieté Zeughaus in Nürnberg. Nach dem Tod seines Vaters, der Übernahme der Leitung der Speditionsfirma Falk und Fey zusammen mit seiner Mutter, der Pleite des Unternehmens im Jahre 1906 und einem Umzug nach Sachsen kehrte Karl nach einer erfolglosen Tournee durch verschiedene Städte 1908 nach München zurück. Hier schrieb er den Monolog Das Aquarium.

Sein Engagement an der Volkssängerbühne im „Frankfurter Hof“ beendete seine Geldsorgen. 1911 traf er Elisabeth Wellano, die als Liesl Karlstadt seine Bühnenpartnerin werden sollte.

Dann ging es zum Film. Ab 1912 war Valentin, der sich in München ein eigenes Filmstudio eingerichtet hatte, Darsteller in gut 40 Kurzfilmen, die auch nach seinen Sketchen gedreht wurden. Auf der Bühne inszenierte Valentin ab 1914 Tingeltangel, sein eigenes Bühnenprogramm in mehreren Versionen. 1915 wird Valentin Direktor des Münchener Kabaretts Wien-München, der Waffendienst während des 1. Weltkriegs blieb ihm, dem Asthma-Kranken, erspart.

Mit Bertolt Brecht parodierte er im Jahre 1922 dessen „Trommeln in der Nacht“ an den Münchner Kammerspielen. Die gemeinsame Arbeit hat das spätere Schaffen Brechts stark beeinflusst. Valentin übernahm in dem surrealistischen Film „Mysterien eines Frisiersalons“ von Brecht und Erich Engel eine der Hauptrollen. Ab 1922 und 1923 trat Karl Valentin auch im Ausland auf, die Schweiz und Österreich waren erste Erfolgsstationen.

1931 eröffnete Karl Valentin ein eigenes Theater (Goethe-Saal) in der Münchner Leopoldstraße. Nach nur acht Wochen musste er jedoch wieder schließen, weil er gegen die Regeln der Feuerpolizei verstieß und auf eine brennende Zigarette in einem Sketch partout nicht verzichten wollte.

Sein 1934 eröffnetes „Panoptikum für Nonsens“ musste er nach zwei Monaten wieder schließen, und auch ein zweiter Versuch 1935 missglückte dem sonstigen Sonntagskind.

Politisch scheute Karl Valentin die Auseinandersetzung. Dem Nazi-Regime stand er zwar skeptisch gegenüber, äußerte sich aber nicht öffentlich. Dennoch arbeitete er mit satirischen Metaphern wie „Auf zum Endsieg“ oder „Das letzte Aufgebot“. Bekannt sind auch seine Bühnenworte „Heil..., heil..., heil...! ja wie heißt er denn nur – ich kann mir einfach den Namen nicht merken.“ Oder auch: „Wie gut es doch ist, dass der Führer nicht Kräuter heißt.“
 
Von 1939 an hatte Valentin eine neue Bühnenpartnerin, die auch seine Geliebte wurde: Die 35 Jahre jüngere Annemarie Fischer ersetzte auf der Bühne Liesl Karlstadt. Karl eröffnete die Ritterspelunke, eine Theater-, Kneipen- und Panoptikum-Mixtur, die er allerdings im Juni 1940 wieder schloss, bevor die NS-Behörde den Lagerraum für Requisiten zum Luftschutzkeller machte.

Mit Liesl Karlstadt sollte er 1940 im Deutschen Theater seine letzten erfolgreichen Auftritte haben. 1947 und 1948 trat Karl Valentin nach jahrelanger Trennung wieder gemeinsam mit Liesl Karlstadt auf. Unterernährt starb Karl Valentin im Februar 1948, am Rosenmontag, an einer Lungenentzündung.

Ich möchte diesen Artikel mit den Worten von Christoph Schlingensief beenden: Valentin ist für mich einer der Größten!


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

31.08.2009, 13.25 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Karl Valentin, Liesl Karlstadt, Sämtliche Werke ,

Beam mich in den Urlaub

BossanovaBossa Nova. Klingt nach Sommernacht und kühlen Drinks. Für mich der perfekte Soundtrack für heiße Nächte, genauso wie Bar- und Loungemusik aus Kuba und anderen karibischen Ländern. Der Trend zu den coolen Sounds ist seit einigen Jahren ungebrochen und ich finde, man kann (und will) sich dem auch gar nicht entziehen.

Weil ich mir in meinem Alter nicht mehr die Nächte in irgendwelchen Clubs um die Ohren schlage, ist es schön, wenn sich die südlichen Klänge auf der heimischen Terrasse ausbreiten und sich der Feierabend irgendwie ein wenig lässiger anfühlt.

Ich kann vom Urlaub träumen oder mir vorstellen, weißer Strand und zart brandendes Meer lägen gleich hinter dem Rasen. Die Tageshektik verschwindet mehr und mehr und macht Platz für Entspannung.

Nun will ich der Art von Musik nicht Unrecht tun und sie komplett in den Hintergrund verweisen, aber man kann natürlich auch wunderbar dazu lesen. Zum Beispiel mal wieder südamerikanische Autoren wie Isabel Allende, Carlos Fuentes oder Mario Vargas Llosa. Die finden Sie natürlich bei Jokers zum kleinen Preis.

Es muss also nicht immer der ganz große Urlaub sein – manchmal bewirkt ein wenig Chillout-Musik in Begleitung eines stimmungsvollen oder spannenden Buches auch schon ganz viel. Probieren Sie es doch einfach mal aus, es kostet ja schließlich nicht viel:

Chillout-Musik

(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

31.08.2009, 13.19 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kino & Film | Tags: Bossa Nova, Chillout, südamerikanische Autoren,

Geheimtipp für Kultur-Begeisterte

Kürzlich war ich am Wochenende mit einem Freund unterwegs. Er hat lange in der Straubinger Gegend gewohnt und kennt sich in der Gegend relativ gut aus. Über seine Freunde bekamen wir einen Geheimtipp. Mitten im Wald bei Rimbach, auf einer uralten Burgruine, sollte ein Theaterstück der wirklich anderen Art aufgeführt werden. „Da Judas vom Woid“ heißt das Stück, das in bestem Niederbayerisch in die Welt der Passionsspielvorbereitungen eines kleinen Dorfes entführt.

Es war ein unerwartetes Spektakel. Wir rechneten mit einem netten Bauernstück und kamen zu einem Theatergenuss der Extraklasse. Mit Leib und Seele agierten die Schauspieler als Judas, Jesus, Maria Magdalena und andere an der Passionsgeschichte beteiligten Figuren. In handgenähten Kostümen, die sehr authentisch wirkten, zogen sie Hunderte von Zuschauern, die Vorführung war ausverkauft, in ihren Bann.

Vor der Kulisse des Waldes, der langsam im Dunkel der Nacht verschwand, entfaltete sich ein aktuelles und brisantes Thema. Das Publikum erlebte mit, wie Schritt um Schritt das „Ich“ der Schauspieler verschwand und einer anderen Persönlichkeit Platz machte, von der man nicht wissen konnte, welche Grundzüge bereits vor der Rolleneinnahme vorhanden waren.

Fasziniert verfolgten mein Freund und ich das Schauspiel, und wir waren beileibe nicht die einzigen, die „Da Judas vom Woid“ als eine der besten Inszenierungen mit gesellschaftskritischem Inhalt erachteten.

Sehen Sie selbst, die Reise lohnt sich:

http://www.libu.de/judas.htm


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

31.08.2009, 10.10 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kulturgeschichte | Tags: Da Judas vom Woid, Theaterstück,

Dann doch lieber das Original

König ArthurMeine Frau bekam von ihrer besten Freundin ein Ticket für „Excalibur“ in Kaltenberg geschenkt: eine keltische Rock-Oper, so die Ausschreibung. Die beiden Freundinnen schenken sich gegenseitig zu diversen Anlässen im Jahr immer „Zeit“ – kombiniert mit Karten für Konzerte, Theater, Circus oder dergleichen. „Normalerweise“ gehen sie gerne auf Konzerte von Alt-Rocker, auf diese Weise besuchten sie schon Auftritte von den Rolling Stones, den Ärzten, Mark Knopfler, Joan Armatrading und vielen anderen Stars. Eine „Rock-Oper“ klang da natürlich sehr verlockend.

Die Zusatzaufführung, für die sie Tickets hatten, war ausverkauft. So dauerte es bis gut nach Beginn von „Excalibur“, bis die Publikumsmassen Einlass in das Areal fanden. Doch voller Vorfreude auf die musikalische Verarbeitung des Epos brachte sie das Gedrängel und Geschubse nicht aus der Ruhe.

Selbstverständlich wollte ich von meiner Frau genau wissen, wie „Excalibur“ war. „Nun ja“, entgegnete sie, „eine Rock-Oper war es nicht – eher Kuschelrock mit szenischen Einlagen“. Sie war also etwas enttäuscht von dem Akt. Die Geschichte um Excalibur wäre zu kurz gekommen, meinte sie, auf der anderen Seite wäre es wohl auch schwer, den großartigen Mythos in eine „Rock-Oper“ zu packen. Ihre Enttäuschung kann ich ihr nicht verübeln. Es ist wirklich schwierig, im Theater, im Musical und im Film Lesestoff so zu verarbeiten, dass Fans den Zauber des Buches auch auf der Bühne wieder finden.

Deshalb habe ich mich auf die Suche nach dem „Original“ der König Artus-Sage in unser Lager begeben und bin fündig geworden!

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

31.08.2009, 10.04 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: König Artus, Artus-Sage, Ritter der Tafelrunde, Excalibur,

Bücher sind trendy

Bücherleser sind alles andere als langweilig. Der „typische“ Bücherwurm, der sich mit dicker Hornbrille, Bauchansatz, Cordhose und Pullunder lieber im stillen Kämmerlein seinen Büchern widmet und nur selten ins Tageslicht tritt, scheint endgültig Vergangenheit zu sein. Das zumindest ergab eine Untersuchung von TNS Infratest. Das Marktforschungsunternehmen deckte bei der „erlebnisorientierten“ Zielgruppe, die gern Trendsportarten wie Inline, Skateboard und Kickboard betreibt, eine erstaunliche Affinität zu Büchern auf.

Mit 36 Prozent bildet diese Gruppe einen wesentlichen Teil der 14- bis 49-Jährigen. Mehr als die Hälfte, also 51 Prozent davon, lesen laut Untersuchung in ihrer Freizeit mindestens einmal im Monat Bücher. Im Vergleich dazu ist die Gesamtbevölkerung mit 48 Prozent beinahe lesefaul. Der Grund liegt möglicherweise im relativ hohen Bildungsstand: 28 Prozent der Trendsportler hat Abitur oder sogar einen Hochschulabschluss. In der gesamten Bevölkerung sind dies gerade mal 23 Prozent.

Noch ein Vorurteil räumt die Untersuchung somit aus: Dass stylische Base-Jumper, Surfer oder Halfpipe-Springer nur auf Spannung und Spaß aus sind und sich nicht im Geringsten für die leisen Töne des Lebens interessieren. Lesen und Action – wer jemals glaubte, dies passe nicht zusammen, muss jetzt wohl umdenken.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

31.08.2009, 09.46 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Base-Jumper, Surfer, Halfpipe, lesen,

Humor hilft heilen

LachenEigentlich bin ich kein großer Fan von Ratgebern. Entsprechend skeptisch war ich, als mir eine Freundin jüngst den derzeitigen Kassenhit zum Thema „Glück“ in die Hände legte. „Vielleicht hilft es ja auch dir, du kannst es definitiv gebrauchen“, sagte Susanne und überreichte mir „Glück kommt selten allein“ von Dr. med. Eckart von Hirschhausen. Eben jenen kannte ich noch von „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“.

Weil ich von Haus aus ein neugieriger Mensch bin, gab ich dem Buch eine Chance – und wurde nicht enttäuscht. Schon beim Vorwort, das ich in den meisten Fällen eher schnell überfliege, fingen meine Mundwinkel an, sich unkontrolliert nach oben zu ziehen. Tatsächlich handelt es sich bei diesem Buch nicht um einen Ratgeber. Es ist vielmehr eine sehr intelligente Untersuchung des buchstäblich unfassbaren Themas Glück. Viele schöne Anekdoten aus dem Leben des Komikers Hirschhausen, überraschend lustige Witze, Wortspiele und Illustrationen verwandeln die Lektüre schnell in ein echtes Glückserlebnis.

Und das vielleicht Schönste: Hirschhausen verfolgt mit diesem Buch nicht nur den üblichen Autoren-Wunsch, das eigene Glück durch hohe Verkaufszahlen zu vermehren. Vielmehr spendet er von jedem verkauften Buch einen Euro an die Stiftung „Humor hilft heilen“, die er vor einem Jahr gründete. Seitdem möchte die Organisation nach eigenen Aussagen „Spender und Akteure vernetzen, Ärzte, Pflegekräfte und Clowns weiterbilden und therapeutisches Lachen in Medizin, Arbeitswelt und Öffentlichkeit fördern“. Ein alles andere als lachhafter Vorsatz, wie ich finde!


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

31.08.2009, 09.32 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Humor hilft heilen, Glück kommt selten allein, Eckart von Hirschhausen,

Ich lese sie gern nörgeln

Die FahrtWas ich an Sibylle Berg mag: Sie kann gut schreiben, ihre Charaktere wirken immer ein bisschen verloren, sie nennt auch unangenehme Dinge beim Namen und sie kann unnachahmlich schimpfen, zetern, motzen, nörgeln und zynisch sein.

Ich weiß, das klingt jetzt alles ganz schön negativ, aber Frau Berg macht das auf eine sehr nonchalante Art. Sie macht es so, dass man, wenn man ein Bergsches Werk gelesen hat, nicht mehr selbst schimpfen und nörgeln muss, weil das ja gerade auf unübertroffene und sehr effiziente Weise bereits erledigt wurde. Gern lässt sie Menschen in der Nähe und in der Ferne das Glück suchen. Klar, dass das meist schief geht. Kommt ja immer irgendwas dazwischen. Ein Tsunami oder die lästigen Mitmenschen.

In „Die Fahrt“ begeben sich die unbelehrbaren Glückssucher an die exotischsten Orte, um Sinn zu finden. Andere bleiben zu Hause und hoffen dort darauf, dass endlich etwas passiert. Wie wahrscheinlich alle Berg-Leser glaube auch ich daran, dass sich hinter der vordergründigen Misanthropie, hinter all dem Ekel und der brillant formulierten Wut so etwas wie zarte Menschenfreundlichkeit verbirgt. Ihre Figuren sind immer scharf konturiert und werden in ihrem Scheitern ausgeleuchtet. Gerade deshalb kommt oft Sympathie auf mit diesen Menschen, die alles daran setzen, ihrem belanglosen Leben ein paar beseelte Momente abzutrotzen. Das alles ist in der eleganten Unverblümtheit geschrieben, wie ich sie an Sibylle Berg schätze. Mein Tipp: Unbedingt lesen!


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

31.08.2009, 08.51 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Sibylle Berg, Die Fahrt, Glückssucher, Misanthropie,

Der Mond bleibt faszinierend

Waren sie wirklich oben? Oder ist die Mondlandung der Amerikaner vor 40 Jahren nichts als ein riesiger Schwindel? Die Verschwörungstheorien treiben in diesen Tagen wieder viele bunte Blüten. Angeblich sei die Mondlandung in irdischen Studios aufgenommen worden. Da ist vom Wind die Rede, der die amerikanische Flagge auf dem Mond zum Flattern brachte, obwohl dort gar kein Wind weht. Und von fehlenden Rußspuren rund um die Landefüße von Apollo 11. Die damals üblichen Computer seien außerdem nicht in der Lage gewesen, in Echtzeit das lunare Geschehen zu verfolgen, geschweige denn die Rückflugbahn zu berechnen. Und warum kann man die auf dem Mond verbliebenen Reste des Mondmobils auch mit den besten Kameras nicht entdecken?

Magischer MondNun hat der Mond schon immer die Menschen, die Kunst und auch die Literatur beeinflusst. Man denke etwa an die bronzezeitliche Himmelsscheibe von Nebra, an Jules Vernes „Reise zum Mond“, Pink Floyds berühmtes Album „Dark Side of the Moon“, einschlägige Ratgeber und Mondkalender oder an Caspar David Friedrichs stimmungsvolle Mondscheinbilder. Dessen Malerfreund Carl Gustav Carus fasste die Wirkung des Mondes poetisch zusammen: „Denn wie der die Erde umkreisende Mond den Pulsschlag der Gewässer der Erde, die Ebbe und Flut des Meeres bestimmt, so wirkt die Erscheinung des Mondlichts mit sehr entschiedener Sicherheit auf den Herzschlag unseres Seelenlebens, auf das Gemüt!“

Viel Vergnügen also mit unseren Büchern zum Thema Mond, natürlich mit Bestpreis und ohne Verschwörungstheorie...


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

31.08.2009, 08.43 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: In der Presse | Tags: Mondlandung, Mondbücher, Carl Gustav Carus,

Kafka, der unsterbliche Klassiker

KafkaAn einem Dritten wurde er geboren, an einem Dritten starb er: Nur 41 Jahre war Franz Kafka alt, als er am 3. Juni 1924 verstarb. Vier Wochen später, am 3. Juli, hätte er Geburtstag gefeiert. Franz Kafka ist ein Autor der europäischen Moderne, der internationale Bedeutung erreichte. Hierzulande gibt es wohl keine Schule, in der nicht zumindest eines seiner Werke im Unterricht gelesen wird.

Doch Kafkas Werke sind mannigfaltiger Interpretation unterworfen, bei ihm verschwimmt die Grenze zwischen öffentlichen Schriften und privater Kommunikation ständig. Obwohl sich schon Heerscharen von Literaturwissenschaftler über seine Texte gemacht haben, werfen sie noch immer schwierige editorische Probleme auf, die nicht nur Herausgeber und Verlage, sondern auch die Leser betreffen.

Die meisten seiner literarischen Texte vollendete und publizierte er nicht, auch seine drei Romane „Der Verschollene“, „Der Process“ und „Das Schloss“ blieben fragmentarisch. Viele Tagebucheinträge, Aufzeichnungen oder Briefe von Kafka sind von derart hohem sprachlichem und formalen Niveau, dass man sie fast für einen beabsichtigten und bewusst ausformulierten Nachlass an die Welt erachten könnte. Kafka selbst schien nicht stringent zwischen Privatem und Öffentlichem zu unterscheiden. Für seine Textentwürfe und Ideen wie auch für seine privaten Notizen verwendete er oft den gleichen Schreibblock.

Sein Leben ist geprägt von tiefen und intensiven Freundschaften, doch sein Liebesleben war eher tragisch als erfüllt, selbst wenn er in den letzten Lebensmonaten doch noch eine starke Beziehung zu erleben schien. Seine diversen Verlobungen und Entlobungen zuvor deuten darauf hin, dass Franz Kafka seine eigenen Vorbehalte Bindungen gegenüber nie überwinden konnte.

Für alle, die sich noch mehr für Kafka interessieren, habe ich einen Lebenslauf dieses facettenreichen Menschen zusammengestellt.

1883 Am 3. Juli wird Franz Kafka in Prag geboren.
1885-1888 Geburt zweier Brüder, beide sterben als Kleinkinder.
1889-1892 Die Schwestern Gabriele, Valerie und Ottilie werden geboren.
1889-1893 Besuch der Deutschen Volks- und Bürgerschule.
1893-1901 Besuch des Altstädter Deutschen Gymnasiums und Abitur.
1901 Beginn des Jura-Studiums an der Prager Deutschen Universität.
1902 Oktober: Begegnung mit Max Brod. Beginn der lebenslangen Freundschaft.
1904 Beginn der Arbeit an der 1. Fassung von Beschreibung eines Kampfes. Begegnung mit Oskar Baum.
1906
  • Juni: Promotion.
  • Oktober: Beginn des einjährigen Rechtspraktikums am Landes- und am Strafgericht.
1907
  • Beginn der Arbeit an der 1. Fassung von Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande. Begegnung mit Hedwig Weiler.
  • Oktober: Anstellung als Hilfskraft bei einer Versicherungsgesellschaft.
1908
  • März: Veröffentlichung kleiner Prosastücke unter dem Titel Betrachtung in der Zeitschrift Hyperion.
  • 30. Juli: Eintritt in die halbstaatliche Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen in Prag. Beginn der erhaltenen Tagebucheintragungen. Erste Begegnung mit Franz Werfel.
  • September: Reise mit Max Brod und dessen Bruder Otto nach Norditalien. Ausflug zu einem Flugtreffen, das Kafka in seinem Text Die Aeroplane in Brescia beschreibt.
  • Herbst: Arbeit an der Zweitfassung von Beschreibung eines Kampfes.
1910 Oktober: Reise mit Otto und Max Brod nach Paris.
1911 August/September: Reise mit Max Brod in die Schweiz, nach Italien und Frankreich. Freundschaft mit dem Schauspieler Jizchak Löwy. Kafka und sein Schwager Karl Hermann gründen die Erste Prager Asbest-Fabrik.
1912
  • Arbeit an der 1.Fassung des Romans Der Verschollene, die Kafka später vernichtet.
  • Juni/Juli: Reise mit Max Brod nach Leipzig und Weimar. Begegnung mit den Verlegern Kurt Wolff und Ernst Rowohlt. Aufenthalt im Naturheilsanatorium Jungborn bei Stapelburg im Harz.
  • August: Erste Begegnung mit Felice Bauer, seiner späteren Verlobten.
  • September: Beginn des intensiven Briefwechsels mit Felice Bauer. Das Urteil entsteht. Tägliche Arbeit an der 2. Fassung von Der Verschollene.
  • Dezember: Die Verwandlung entsteht.
1913
  • Januar: Abbruch der Arbeit an Der Verschollene.
  • März: In Berlin erstes Wiedersehen mit Felice Bauer.
  • Mai: Der Heizer (das 1. Kapitel von Der Verschollene) erscheint im Kurt Wolff Verlag.
  • Juni: Das Urteil erscheint im Jahrbuch Arkadia (hrsg. von Max Brod). Beginn der Freundschaft mit dem Schriftsteller Ernst Weiß.
  • September/Oktober: Reise allein nach Wien, Venedig, Gardasee. Sanatorium Dr. von Hartungen in Riva.
1914
  • 1. Juni: Verlobung mit Felice Bauer.
  • 12. Juli: Bei einer von Kafka als „Gerichtshof“ empfundenen Auseinandersetzung in Berlin wird die Verlobung aufgelöst.
  • 28. Juli: Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg (Beginn des Ersten Weltkriegs).
  • August: Beginn der Arbeit am Roman Der Process.
  • Oktober: In der Strafkolonie entsteht.
  • Dezember: Das Fragment Der Dorfschullehrer entsteht.
1915
  • Januar: Kafka gibt die Arbeit am Process auf. Erneute Annäherung an Felice Bauer.
  • April: Reise nach Ungarn.
  • Juli: In einem Sanatorium in Rumburg (Rumburk) in Nordböhmen.
  • Oktober: Die Verwandlung erscheint bei Kurt Wolff.
1916
  • Juni: Kafka wird aus beruflichen Gründen vom Militärdienst freigestellt.
  • Juli: In Marienbad gemeinsamer Urlaub mit Felice Bauer. Neuerlicher Entschluss zur Heirat.
  • November: Kafka liest in München In der Strafkolonie
  • Im folgenden Winter entstehen dort zahlreiche kürzere Erzählungen und Fragmente, darunter Ein Landarzt, Schakale und Araber, Beim Bau der chinesischen Mauer und Auf der Galerie.
1917
  • April: Ein Bericht für die Akademie entsteht.
  • 10. August: Lungenblutsturz.
  • September: Kafka bittet wegen der diagnostizierten Tuberkulose um Pensionierung, was jedoch abgelehnt wird. Er übersiedelt zu seiner Schwester Ottla nach Zürau.
  • Oktober: Kafka beginnt, aphorismenartige Texte zu schreiben.
  • Ende Dezember: Endgültige Trennung von Felice Bauer.
1918
  • Mai: Ende der Beurlaubung.
  • Oktober: Sturz der österreichisch-ungarischen Monarchie, Proklamation der Tschechoslowakei als Republik. Kafka erkrankt an der Spanischen Grippe.
  • Ende November: Kafka fährt nach Schelesen (Želizy), wo er bis März in einer Pension lebt.
1919
  • Ende Januar: In Schelesen Begegnung mit der Prager Angestellten Julie Wohryzek.
  • Sommer: Verlobung mit ihr.
  • Oktober: In der Strafkolonie erscheint bei Kurt Wolff. Kafka sagt die geplante Heirat ab.
  • November: In Schelesen schreibt Kafka den Brief an den Vater.
1920
  • März: Ernennung zum „Anstaltssekretär“.
  • April: Kafka fährt für drei Monate auf Kur nach Meran.
  • Mai: Bei Kurt Wolff erscheint Ein Landarzt. Kleine Erzählungen.
  • Juli: Er löst die Verlobung mit Julie Wohryzek auf.
  • Dezember: Beginn eines achtmonatigen Kuraufenthalts in Matliary in der Hohen Tatra.
1921 Februar: Beginn der Freundschaft mit dem Studenten Robert Klopstock.
1922
  • Januar: Beginn der Arbeit an dem Roman Das Schloss.
  • Februar: Kuraufenthalt in Spindelmühle (Špindlerův Mlýn) im Riesengebirge.
  • Frühjahr: Ein Hungerkünstler entsteht.
  • Juni: Forschungen eines Hundes entsteht. Kafka fährt für etwa drei Monate nach Planá in Südböhmen.
  • 1. Juli: „Vorübergehende“ Pensionierung.
August: Abbruch der Arbeit an Das Schloss.
1923
  • Juni: Letzte erhaltene Tagebucheintragung.
  • Juli: Kafka fährt für ca. einen Monat nach Müritz an der Ostsee, wo er Dora Diamant trifft.
  • September: Kafka übersiedelt nach Berlin-Steglitz. Er bezieht wechselnde gemeinsame Wohnungen mit Dora Diamant.
  • November/Dezember: Eine kleine Frau und Der Bau entstehen. Verschlechterung von Kafkas Gesundheitszustand.
1924
  • März: Rückkehr nach Prag. Josefine, die Sängerin entsteht.
  • April: Kafka reist in das Sanatorium „Wiener Wald“ in Ortmann, Niederösterreich. Hier erfolgt die Diagnose der Kehlkopftuberkulose. Überführung in die Universitätsklinik Wien, später in das Sanatorium Dr. Hugo Hoffmann in Kierling bei Klosterneuburg.
  • 3. Juni: Kafka stirbt gegen Mittag.
  • 11. Juni: Bestattung auf dem jüdischen Friedhof in Prag-Straschnitz.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

31.08.2009, 08.40 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Autor, Franz Kafka,

Sommer: ein Gedicht

Es sind kurze Sätze oder Strophen, die so wunderbar passen: „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr“ ist so eine Zeile, die mir an langen Herbstabenden in den Kopf kommt. Genauso geht es mir mit dem Frühling. Wenn ich über eine taufeuchte Morgenwiese schlendere, murmelt Hölderlin in meinem Kopf:

Es kommt der neue Tag aus fernen Höhn herunter,
Der Morgen, der erwacht ist aus den Dämmerungen,
Er lacht die Menschheit an, geschmückt und munter,
von Freuden ist die Menschheit sanft durchdrungen.

Ein neues Leben will der Zukunft sich enthüllen,
Mit Blüten scheint, dem Zeichen froher Tage,
Das große Tal, die Erde sich zu füllen,
Entfernt dagegen ist zur Frühlingszeit die Klage.

Was aber ist mit dem Sommer? Lange war der Sommer, was Poesie betrifft, für mich nicht belegt. Bis ich neulich über ein Gedicht von Hermann Hesse „stolperte“. August heißt es und ich will es Ihnen nicht vorenthalten.

August

Das war des Sommers schönster Tag,
Nun klingt er vor dem stillen Haus
In Duft und süßem Vogelschlag
Unwiederbringlich leise aus.
In dieser Stunde goldnen Born
Gießt schwelgerisch in roter Pracht
Der Sommer aus sein volles Horn
Und feiert seine letzte Nacht.

Klicken Sie doch einfach mal bei uns vorbei: Jokers hat zahlreiche Werke von Hermann Hesse im Angebot!

(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

31.08.2009, 08.38 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Hermann Hesse, Sommergedicht, August-Gedicht,

Ein Leseverführer

Die AmeisenzählungAls Leser wissen Sie es genauso gut wie ich: Viele Bücher sind mittelmäßig, manche sind schlecht. Da kann man schon mal fast vergessen, dass es sie tatsächlich gibt, die Bücher, die man in einem Rutsch liest und darunter vergisst, etwas zum Abendessen zu kaufen.

Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“ gehört dazu – ein E-Mail-Roman, der jeden gefangen nimmt, der weiß, wie anziehend sprachlicher Austausch sein kann. Zwei einander fremde Personen schreiben sich wie besessen Mails, sie sind voller Nähe und naturgemäß doch auch voller Distanz. Faszinierend, wie sich die Mailpartner gegenseitig Geheimnisse offenbaren und sich langsam ein intensiver Flirt entwickelt.

Ich neige nicht zur romantischen Lektüre, daher war ich zuerst skeptisch. Aber das Buch war ruckzuck ausgelesen – ich glaube, da hat mich Daniel Glattauer tatsächlich auf meinem ansatzweise romantischen Fuß erwischt. Das mag daran liegen, dass hier keine Gefühlsduseleien vorkommen, kein Kitsch und keine Sonnenuntergänge, sondern packende und kluge Dialoge.

Eben das kann Daniel Glattauer aus dem Effeff – wie gut, dass der Mann noch mehr geschrieben hat. „Alle sieben Wellen“ heißt der Nachfolgeband des Bestsellers. Und wie pointiert der Wiener Journalist das Alltagsleben porträtieren kann, beweist er auch mit der Sammlung seiner Kolumnen, die bei uns zum Taschenbuch-Preis zu bekommen ist:

Die Ameisenzählung


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

31.08.2009, 08.22 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Daniel Glattauer, romantische Lektüre, Ameisenzählung,

Man on the moon: 40 Jahre Mondfieber

First ManMondlandung. Das Thema begeistert mich, wie Sie sehen können. Der Erden-Mond ist der bislang einzige Himmelskörper, der von Menschen betreten wurde. Die amerikanischen Apollo-Astronauten brachten 382 kg Mondgestein zur Erde. Auch die Russen „stahlen“ dem Mond einige Gramm: 300 g des Mondmaterials brachten sie mit den Raumsonden Luna 16, Luna 20 und Luna 24 auf die Erde.

Apollo war nicht das erste Raumgefährt, das dem Mond einen Besuch abstattete: Schon 1959 besuchte ihn die sowjetische Raumsonde Luna 2. Doch das Ereignis, das in die Geschichte einging, war die erste Landung von Menschen auf dem Mond: am 20. Juli 1969. Die letzte menschliche Mondlandung fand im Dezember 1972 statt. Dann statteten ihm nur noch High-Tech-Geräte Besuche ab: Im Sommer 1994 wurde er sehr umfangreich durch das kleine Raumfahrzeug Clementine und dann noch einmal 1999 von Lunar Prospector kartographiert.

Am 20. Juli 1969 landete der "Eagle", die Mondfähre der Apollo 11, auf der Mondoberfläche und setzte im "Meer der Stille" auf. Rund 600 Millionen Fernseh-Zuschauer sahen auf ihren Schwarz-weiß-Geräten dabei zu, wie Neil Armstrong und Edwin Aldrin den Mond betraten. Zehn Jahre lang hatte die amerikanische Weltraum-Behörde NASA auf diesen Augenblick hingearbeitet, gut 25 Milliarden Dollar wurden in das Projekt investiert.

Seitdem wurde der kleine Trabant gut untersucht, wir wissen sehr viel über ihn: Der Mond zeigt eine schwache geologische Aktivität. Die von den Apolloastronauten installierten Seismometer registrieren jährlich etwa 500 „Mondbeben“. Die Mondbeben sind schwächer als die meisten Erdbeben. Die Stärke beträgt etwa 2 auf der Richterskala, einige der stärksten Mondbeben erreichten aber auch schon einen Wert von 5. Nicht eine irdische Plattentektonik, sondern der Gravitationseinfluss der Erde ist Ursache für die Mondbeben. Die Häufigkeitsspitzen der Beben liegen beim Apogäum- und Perigäum-Durchgang (alle 14 Tage).

Wer war der Mann, der als erstes menschliches Wesen seinen Fuß auf den Mond setzte? Neil Armstrongs Spruch wurde weltbekannt: "That´s one small step for a man, one giant leap for mankind." Ein anderes Zitat von ihm lautet: „I believe every human has a finite number of heartbeats. I don´t intend to waste any of mine.”

„First Man - The Life of Neil A. Armstrong” ist eine besonders detailreiche Biografie, die Sie den Mann hinter dem Astronauten verstehen lässt.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

17.08.2009, 10.54 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Englische Bücher | Tags: Mondlandung, Neil A. Armstrong, Apollo,

Mein Leben als Leser

Nick HornbyOh, jetzt muss ich mich wieder gut konzentrieren, das ist keine leichte Kost. Denken Sie das auch manchmal, wenn Sie sich einen neuen Bestseller auf den Nachttisch legen?

Dabei kann vermeintlich leichte Kost auch gute Literatur sein. Englischen Autoren gelingt diese Verbindung schon immer recht gut. Nick Hornbys Bücher gehören für mich in diese Kategorie: Ich fühle mich blendend unterhalten, die Charaktere sind witzig, aber nicht flach, überall perlt ein wenig Ironie zwischen den Zeilen.

Denken Sie an „About A Boy“, verfilmt mit dem herrlich schnöseligen Hugh Grant oder an „High Fidelity“, das es ebenfalls als Film (mit John Cusack) gibt. In beiden Fällen nicht so richtig erwachsen gewordene Männer, die sich mit Mitte 30 als wohlhabende Junggesellen ohne Lust auf Verantwortung oder als liebeskranke Musikfreaks durchs Leben hangeln.

Gut als Film, als Buch noch besser: „A Long Way Down“ erzählt von vier Selbstmordkandidaten, die sich in der Silvesternacht zufällig auf dem Dach einen Hochhauses treffen, von ihrem Plan aber erst einmal Abstand nehmen und schließlich zu einer skurrilen Gemeinschaft werden.

Von einem solchen Autor möchte man nicht nur alles lesen, sondern auch gern wissen, welche Lektüre ihn selbst fasziniert. Mit „Mein Leben als Leser“ tut uns Vielleser Nick Hornby diesen Gefallen und zeigt uns seinen – offensichtlich überquellenden – Bücherschrank von Dostojewski bis Salinger. Nicht im Sinne eines „Literaturkanons“, sondern als vergnügliche und informative Lesetipps. Wer mag, kann den Titel bei uns auch im englischen Original finden. Nick Hornby gibt es bei uns zum gewohnt unschlagbaren Preis:

Mein Leben als Leser - Nick Hornby


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

17.08.2009, 09.45 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Nick Hornby, Leichte Kost, Mein Leben als Leser,

Luna, Selene, Artemis: Was wir wissen wollen

MondführerEr hat viel Namen, der stille Begleiter der Erde: Die deutsche Sprache ist eine der wenigen, die ihm den männlichen Artikel „der“ verpasst. Doch egal, wie wir ihn nennen mögen, unseren Mond, Luna, Selene oder Artemis: Als einzig natürlicher Satellit der Erde ist er seit langer Zeit nicht aus unserer Mythologie wegzudenken. Doch was hat es wissenschaftlich mit dem Himmelsgestirn auf sich?

Seine Umlaufbahn ist 384.400 km von der Erde entfernt, sein Durchmesser umfasst 3.476 km, seine Masse beträgt 7,35•1022 kg.

Die Mondgeburt wird auf ein katastrophales Ereignis in der Frühgeschichte des Sonnensystems zurückgeführt: Der Mond entstand, als ein etwa marsgroßer Protoplanet Theia mit der Erde zusammenstieß. Nicht nur Computersimulationen, auch Isotopenvergleiche mit dem Mondgestein, die Apollo-Astronauten zur Erde mitbrachten, sprechen für diese Annahme.

Durch die so genannte „gebundene Rotation“ zeigt der Mond der Erde beständig dieselbe Seite: Während einer Erdumrundung vollführt er exakt eine Drehung. Das liegt an der „Libration“. Wenn der Mond im Perigäum steht, kann ein Erdenbewohner mehr von der rechten Seite des Mondes sehen, wenn er im Apogäum steht, etwas mehr von der linken Seite (Libration in Länge). Durch die Neigung der Bahnebene zur Rotationsachse um 6,7° kann der Beobachter im Laufe eines Monats zeitweilig über den Nordpol bzw. über den Südpol hinwegsehen.

Der Mond ist 81 Mal leichter als die Erde. Die Anziehungskraft des Mondes ist ganze 6-mal geringer als die der Erde.

Die gegenseitigen Anziehungskräfte zwischen Erde und Mond bewirken faszinierende Effekte wie zum Beispiel die Gezeiten: Die Anziehungskraft des Mondes ist auf der mondzugewandten Seite am stärksten und auf der gegenüberliegenden etwas schwächer. Ich versuche mich einmal an einer vereinfachten Darstellung: Da die Erde, insbesondere durch die Ozeane, nicht „starr“ ist, wird sie entlang der Linie zum Mond gestreckt. Unsere Perspektive zeigt zwei kleine Ausbuchtungen der Erde, eine in Richtung auf den Mond zeigend und eine genau gegenüber. Der Effekt wirkt sich auf unser Wasser wesentlich stärker aus als auf die feste Erdenkruste, so dass die Wasserausbuchtungen höher sind. Da die Erde wesentlich schneller um die eigene Achse rotiert, als der Mond sie umkreist, wandern diese „Ausbuchtungen“ um die Erde und treten durch zwei Fluten am Tag in Erscheinung.

Woher ich das alles weiß? Aus unserem Buch „Der Kosmos Mondführer“. Jetzt für nur 4.50 im Angebot!

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

05.08.2009, 14.22 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Kosmos Mondführer, Luna, Selene, Mondwissen,

Eine Hommage an seine Mutter

Die Asche meiner Mutter„Die Asche meiner Mutter“ war sein berühmtestes Werk – Frank McCourt ist dieser Tage im Alter von 78 Jahren verstorben.

Seine Kindheitserinnerungen, die er erst nach seiner Pensionierung als Lehrer verfasste, wurden international millionenfach verkauft. Die Eltern, irische Einwanderer in New York, kehrten nach einigen Jahren in der Armut Brooklyns zurück in ihre Heimat, nur um dort in noch größerem Unglück zu leben.

Der stets betrunkene Vater verließ die Familie, um in Liverpool zu arbeiten, schickte jedoch nie Geld und blieb schließlich ganz fort. Die Mutter und Frank, das älteste der Geschwister, mussten versuchen die Familie durchzubringen. Doch drei der sieben McCourt-Kinder starben durch die elenden Lebensumstände.

Für die autobiographische Schilderung dieser von Armut, Alkoholismus und Arbeitslosigkeit geprägten Kindheit in Irland erhielt Frank McCourt 1997 den Pulitzerpreis. Und es ist kaum zu glauben, aber trotz des ernsten Themas gelingt es Frank McCourt in seinem Buch immer wieder, auch den typisch irischen trockenen Humor durchblicken zu lassen: „Schlimmer als die gewöhnliche unglückliche Kindheit ist die unglückliche irische Kindheit", heißt es in „Die Asche meiner Mutter“.

Wie der Titel schon andeutet, ist das Buch eine Hommage an die Mutter des Autors, die sogar betteln ging, um die Familie ernähren zu können. McCourt selbst erfüllte sich seinen Kindheitstraum, ging mit 19 Jahren zurück nach Amerika und arbeitete viele Jahre als Englischlehrer in New York.

Den Bestseller Frank McCourts können Sie bei uns als Hörbuch-Schnäppchen entdecken, basierend auf der großartigen deutschen Übersetzung von Harry Rowohlt:

Die Asche meiner Mutter


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

05.08.2009, 14.22 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Frank McCourt, Irland, Die Asche meiner Mutter, Hörbuch-Schnäppchen,

Wildtiere oder wilde Tiere

NashornIn Kolumbien setzten sich Tierschützer dafür ein, dass die Nilpferde, die aus dem Privatzoo des verstorbenen Pablo Escobar entlaufen waren, von der Abschussliste entfernt werden. Schlussendlich sei es ja eine Liebesgeschichte der besonderen Art, wenn ein Nilpferdmann und eine Nilpferdfrau ausbüchsen, um in freier Wildbahn eine Familie zu gründen.

Pepe, der Macho, hat es leider nicht geschafft: Er wurde schon im Juni getötet, weil die entflohenen Tiere zum Abschuss freigegeben wurden. Aber seine Herzensdame mit ihrem gemeinsamen Nachwuchs haben nun eine neue Chance. Aufgrund der vielen Proteste hat Umweltminister Carlos Costa die Anordnung zurückgenommen, durch die er die Nilpferdhorde zum Abschuss freigab. Davor war von den regionalen Behörden orakelt worden, dass die Nilpferde wohl alsbald zum Angriff auf den Menschen übergehen würden.

Kolumbiens Nilpferde dürfen also vorerst weiter in der Wildnis leben und ich freue mich darüber. Ich glaube nicht, dass Wildtiere immer gleich so wild sind, dass sie Menschen anfallen. Wer einmal die sagenhaften Aufnahmen des Fotografen-Ehepaars Seitre bewundert hat, wird die wilden Tiere auch mit anderen Augen sehen: Die prächtigen Bilder zeigen Kinder im Spiel und Umgang mit Wildtieren. „Komm, Nashorn, nimm ein Bad mit mir“ heißt der Fotoband, den wir nun für nur 4.95 anbieten.

(Geschrieben von Matthias Stöbener)

05.08.2009, 14.22 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Nashorn, Pablo Escobar, Abschuss,

Das Buch und der Fortschritt

28.07.2009, 13.58 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Erste Bücher, Gutenberg, Erfindung,

Autos rollen bergauf

Optische IllusionenDas Wetter meinte es bislang nicht allzu gut mit uns: Statt Baggersee und Eisdiele rief an manchem verregneten Wochenende der überdachte Balkon. Doch auch da kann es durchaus lustig sein: Meine Frau und ich bekamen Besuch von Freunden, die gerade aus ihrem Urlaub in Schottland zurückkamen.

Ich selbst kenne Schottland kaum. Bislang war ich nur zweimal in Edinburgh, und doch fand ich dieses Land faszinierend. Was mir allerdings bislang entging, war ein besonderes Phänomen namens „Electric Brae“. Es ist wohl eine der bekanntesten tatsächlich existierenden optischen Täuschungen. Croy Brae wird der Berg in der schottischen Unitary Authority South Ayrshire im Süden des Firth of Clyde von den Einheimischen genannt, und seine Berühmtheit erreichte er durch einen außergewöhnlichen visuellen Effekt: An der Straße geparkte Autos scheinen bergaufwärts zu rollen.

„Electric Brae“ wurde die Straße deswegen genannt, weil anfangs magnetische Gesteine als Ursache des Paradoxons vermutet wurden. Heute weiß man, dass es sich um eine optische Täuschung handelt, die allerdings durch und durch real wirkt. Obwohl die Straße messbar bergab führt, scheint sie aufgrund des einzigartigen Bergpanoramas im Hintergrund bergauf zu führen.

Ich finde optische Illusionen faszinierend, führen sie uns doch immer wieder vor Augen, wie subjektiv unsere Wahrnehmung ist! Wenn auch Sie sich für dieses Thema begeistern, werfen Sie doch einmal einen Blick in unser Angebot zu optischen Täuschungen!


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

17.07.2009, 08.50 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: optische illusionen, electric brae, Edinburgh,

Ich, Dreyfus

Ich, DreyfusIch, DreyfusIm Juli wurde es auf die Top-Ten-Bestenliste der Sachbücher gesetzt. Jeden Monat präsentieren die Süddeutsche Zeitung, das Buchjournal, das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels, der Norddeutsche Rundfunk und Telepolis ihre Empfehlungen. „Der Fall Dreyfus“ von Louis Begley geht der Funktion von Antisemitismus und Rassismus in einer vermeintlich liberalen Gesellschaft nach und zieht Parallelen zwischen der Teufelsinsel und Guántanamo.

Alfred Dreyfus´ Lebens- und Leidensweg ging in die Geschichte ein. Der jüdisch-französische Hauptmann Alfred Dreyfus (1859 - 1935) wurde 1894 wegen angeblichen Landesverrats verurteilt und lebenslänglich auf die gefürchtete und berüchtigte "Teufelsinsel" in Französisch-Guyana verbannt.

Für alle Leseratten, die Romane mögen, die sich an der tatsächlichen Historie orientieren, haben wir nun ein besonderes Buch im Angebot: Die Autorin Bernice Rubens verarbeitet die realen Ereignisse in einer beeindruckenden und fiktiven Romanerzählung. In ihrer Geschichte wird Alfred Dreyfus zum Schuldirektor, der einen Schüler ermordet haben soll. In einem Aufsehen erregenden Prozess wird er trotz Mangels an Beweisen zu lebenslanger Haft auf der Teufelsinsel verurteilt. Nur seine Familie ist von Dreyfus´ Unschuld überzeugt. Und dann stößt die Anwältin Rebecca Morris bei ihren Nachforschungen zu dem Fall auf ein Geheimnis...


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

17.07.2009, 08.50 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Dreyfus, Justizskandal, Antisemitismus, Bernice Rubens,

Das Gemüsebeet rockt wieder!

KartoffelnIch habe gewusst, dass das irgendwann kommen würde: Das Gemüsebeet rockt wieder! Jahrzehnte lang hat man Gartenliebhaber milde belächelt, sie für rückständig gehalten. Das alles ist vorbei. Selbst Radieschen ziehen ist kein bisschen gestrig, sondern total in. Jedenfalls in den USA, wo die schicken Öko-Jünger den Trend angeben. Die allerdings – so sie es sich leisten können – gönnen sich auch gleich den professionellen Gärtner dazu, der ihnen das Beet anlegt und das Gemüse schließlich gewaschen anliefert. Denn Öko ist toll, aber schmutzige Hände halt nicht so sehr. Aber das gute Gefühl, selbst Gepflanztes, Gepflegtes und Gegossenes zu verzehren, bleibt. Man weiß, was drin ist (Vitamine) und was drauf ist (kein Insektizid, höchstens eine Schnecke).

Ob sich dieser Trend bis zu uns vorarbeiten wird? Ich denke schon. Und ob das etwas mit der allgegenwärtigen Krise zu tun hat? Die Vermutung liegt natürlich nahe, aber ich glaube, dass die neue Wertschätzung des Selbstgeernteten einfach in der Luft liegt. Ich selbst habe es zwar noch nicht über ein leidlich bewachsenes Kressebeet auf der Fensterbank hinaus gebracht, aber wer weiß, vielleicht schlummert in mir doch ein großes Gärtnertalent, das auf seine Erweckung wartet. Mein Vater jedenfalls pflegt seinen Garten auch mit 75 noch. Ein bisschen Vaterblut werde ich schon geerbt haben!

Klar, dass wir auch für Gemüsegelüste die passenden Bücher bereithalten.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

17.07.2009, 08.50 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Gemüse, selbst ernten, Öko-Garten,

Struwwelpeter auf Englisch

Kennen Sie Heulalius von Heulenburg oder Polycarpus Gastfenger? Wahrscheinlich nicht. Hinter diesen albern-exotischen Namen verbirgt sich der Arzt und Autor Heinrich Hoffmann, dessen 200. Geburtstag kürzlich gefeiert wurde. Wenn Sie auch Heinrich Hoffmann nicht kennen, kennen sie aber sicher dessen berühmtes Kinderbuch „Struwwelpeter“.

Ganz schön wüst, Hoffmanns Geschichten! Da werden dem kleinen Konrad die Daumen abgeschnitten, ein Haus samt Paulinchen geht in Flammen auf und Robert wird vom Sturm auf Nimmerwiedersehen davongetragen. Ich wette, Sie erinnern sich auch noch an bestimmte Textstellen oder die recht drastischen Zeichnungen. Aus heutiger Sicht pädagogisch ein absolutes „No go“. Etliche Eltern möchten ihre Kinder mit solch rigorosen Erziehungsmethoden auf keinen Fall mehr konfrontieren.

Dennoch: der „Struwwelpeter“ gehört für mich zur Kindheit dazu, genau wie Michel aus Lönneberga und die Super-Göre Pippi Langstrumpf. Mit ihren antiautoritären Streichen sind die beiden Letzteren die Fortführung von Suppenkaspar und Zappel-Philipp. Heute würden die kleinen Quälgeister als hyperaktiv gelten, damals hieß das schlicht „unartig“.

Ich habe die Bücher von Heinrich Hoffmann im Regal stehen, zum einen aus nostalgischen Gründen. Und außerdem braucht man manchmal auch als Erwachsener im Alltag dieses anarchische Gefühl ...

Den „Struwwelpeter“ gibt es bei uns sogar auf Englisch – und natürlich zu einem Top-Preis:



Mehr Kinderbücher auf Englisch finden Sie hier:

http://www.jokers.at/1/1301000/for-children.html?wea=1253014

17.07.2009, 08.50 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Englische Bücher | Tags: Struwelpeter, Heinrich Hoffmann,

Bilderpics gestartet

Jokers schläft nicht. Ständig gibt es neue Ideen. Mehr als wir umsetzen können. Eine schöne Idee allerdings haben wir vorgestern online gebracht: www.bilderpics.at , eine Datenbank für lizenzfreie Bilder. In unserer Presseerklärung schreibt unsere Pressedame Frau Großkinsky:

„Ambitionierte Hobbyfotografen haben auf der neuen Plattform die Möglichkeit, ihre Bilder einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren und sie zur nichtkommerziellen Nutzung weiterzugeben. Wenn es der Einsender erlaubt, können die Bilder auch zu kommerziellen Zwecken weitergegeben werden. Die Registrierung als Bilderpics-Mitglied ist kostenfrei.

Wolf Nikrandt, unser Geschäftsleiter sagte dazu: „Das große Interesse an den Jokers Foto-Wettbewerben und an unserem E-Card-Portal hat uns auf die Idee gebracht, eine solche Bilder-Plattform zu schaffen.“ Pro Quartal wurden bei verschiedenen Jokers-Aktionen jeweils über 2.000 Bilder online gestellt. Herr Nikrandt: „Wir sind der Meinung, dass mehr Menschen etwas von dieser großen Zahl an spannenden Fotos haben sollten. Mit Bilderpics ist eine neue Web-2.0-Anwendung entstanden, für die sich Jokers als Sponsor gern engagiert.“

Wer die neue Bild-Datenbank von Jokers nutzen will, kann sich unter www.bilderpics.at kostenlos registrieren und ein Mitgliedskonto einrichten. Nur die Suche und Anzeige der Fotos in einer kleinen Auflösung sowie das Lesen von Beiträgen ist auch ohne eine Registrierung möglich.

Als registrierter Nutzer kann man jedes Bild in hoher Auflösung herunterladen. Somit ist Bilderpics auch eine Fundgrube für alle Nutzer, die auf der Suche nach kostenfreien Fotos sind. Auch Illustrationen oder Zeichnungen können in digitaler Form online gestellt werden.“

Dem kann ich noch hinzufügen, dass der Jokers Fotowettbewerb in Zukunft immer auf www.bilderpics.at stattfindet. Er läuft ein Quartal lang und es gibt immer attraktive Preise für die teilnehmenden Fotografen. Pro Jahr werden vier verschiedene Wettbewerbe ausgeschrieben. Aktuell wird das schönste Bild zum Thema „Bunt“ gesucht und mit einem DVD-Player belohnt.

Am 7. Juli sind wir mit dem neuen Service in die Öffentlichkeit gegangen. Und in drei Tagen sind schon mehr als 200 Bilder eingereicht worden. Ein schöner Start, finde ich.




(Geschrieben von Matthias Stöbener)

17.07.2009, 08.46 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Bilderpics, lizenzfreie Bilder, Gratis-Bilder, Pics, Bilddatenbank,

Nietzsche und Rilke gingen vor ihr auf die Knie

Nach dem Tod des geliebten Vaters, General Gustav von Salomé, verließ die 18-jährige Lou mit ihrer Mutter St. Petersburg. Sie ließen sich in Zürich nieder. Lou durfte studieren.

Die Begegnung mit Friedrich Nietzsche brachte Lou von Salomé nicht nur die Philosophie näher. Nietzsche war entflammt, machte der Studentin zwei Heiratsanträge. Vergebens. Erfolgreicher war Rainer Maria Rilke. Mit ihm begann sie ein heftiges Liebesverhältnis. Da war Lou schon verheiratet mit dem Sprachwissenschaftler Friedrich Carl Andreas. Die Ehe bestand nur auf dem Papier.

Lou, mittlerweile erfolgreiche Autorin von psychologisch tiefgründiger „Frauenliteratur“ (den Begriff gab es noch nicht), lernte viele „Kollegen“ kennen: Hauptmann, Tolstoi, Schnitzler…

Bei Sigmund Freud begann sie als 50-Jährige das Studium der Psychoanalyse. In diesem Fach praktizierte sie bis zu ihrem Tod mit 78 Jahren in Göttingen.

(Geschrieben von Peter Konietschke)

08.07.2009, 15.38 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Lou von Salomé, Friedrich Nietzsche, Rainer Maria Rilke, Friedrich Carl Andreas,

Sei doch mal spontan!

Wege der AchtsamkeitPaul Watzlawick hat Bücher darüber geschrieben und auch im Alltag witzeln wir gerne über paradoxe Kommunikation. Das beste Beispiel für diese seltsame Gesprächsführung ist vielleicht die Aufforderung einer Frau an ihren Mann, ihr doch gefälligst mal „ganz spontan“ Blumen mitzubringen. Das Paradoxe hierbei ist, dass sobald die Aufforderung zu spontanem Verhalten ergeht, gerade das nicht mehr möglich ist.

Sehr häufig verhalten wir uns so absurd. Haben Sie zum Beispiel schon beobachtet, wie sich Paare streiten? Manchmal gibt einer von beiden zähneknirschend nach und etwa folgende Szene spielt sich ab: Er oder sie lehnt sich mit verschränkten Armen, die eng an den Körper gepresst sind, zurück, schiebt die Unterlippe vor und beißt die Zähne zusammen. Mit gefurchter Stirn und gerunzelten Braunen wird dann ein Zugeständnis an den anderen abgegeben. Der Zusatz „Das mache ich, weil du mir wichtig bist“ oder dergleichen wird durch die nonverbale Kommunikation ad absurdum geführt.

Nun haben wir eine Audio-CD im Angebot, die mir besonders zusagt: Professor Eurich stellt in „Wege der Achtsamkeit“ Elemente der emphatischen Kommunikation, die zentralen Kriterien des achtsamen und bewussten Umgangs miteinander, vor. In seinem Vortrag, der im Rahmen des Würzburger Kongress »Identitäten« am Mai 2008 stattfand, erfährt der Hörer alles Wissenswerte zur gewaltlosen Kommunikation.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

03.07.2009, 10.09 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Gewaltlose Kommunikation, Claus Eurich, Achtsamkeit,

150 Jahre und kein bisschen alt

Sherlock Holmes, die berühmteste Figur von Arthur Ignatius Conan Doyle. Welcher Zufall genau dem gewieften Detektiv Geburtshilfe verlieh, ist ungewiss. Der Schotte Conan Doyle war ursprünglich Arzt, veröffentlichte aber schon in seinem 28. Lebensjahr seine erste Geschichte von Holmes und Watson.  

Doch Doyle, der später einen seiner Vornamen (Conan) zu seinem Nachnamen umfunktionierte, schrieb bei weitem nicht nur bürgerliche Kriminalgeschichten. Nach seiner Rückkehr aus dem Burenkrieg beschäftigte er sich beispielsweise in „The Great Boor War“ mit dem südafrikanischen Geschehen.

Auch Schicksalsschläge hatte der begnadete Autor zu verkraften. So fiel z. B. sein Sohn im 1. Weltkrieg.

Zum 150. Todestag des schottischen Talents haben wir eine Reihe seiner Werke ins Programm genommen: Stöbern Sie einfach mal in unserem Angebot.

Das Leben des Arthur I. C. Doyle

1859: 22. Mai. Arthur Ignatius Conan Doyle wird als Sohn eines Beamten im schottischen Edinburgh geboren.

1882: Nach Abschluss des Medizinstudiums in Edinburgh praktiziert Doyle als Arzt in Southsea.

1887: In der Erzählung "A Study in Scarlet" taucht zum ersten Mal die Figur des Detektivs Sherlock Holmes auf.

1890: Tätigkeit als Schiffsarzt.

ab 1891: Doyle arbeitet als frei schaffender Schriftsteller. Er publiziert regelmäßig kurze Abenteuer seines Helden Sherlock Holmes im "Strand Magazine". Doyle gilt deshalb als Begründer des modernen Kriminalromans. Watson, der Assistent, wird zur Identifikationsfigur für das Lese-Publikum. Ebenfalls 1891 erscheint der erste Sammelband "The Adventures of Sherlock Holmes: mit durchschlagendem Erfolg.

1893: Doyle wollte den Meisterdetektiv nach dem Erscheinen des zweiten Sammelbands "The Memoirs of Sherlock Holmes" sterben lassen, gab aber dem Druck von Verleger und dem Leserwunsch nach mehr Crime-Stories mit Holmes nach: So folgen auf die ersten zwei Sammelbände mit "The Return of Sherlock Holmes" (1903/04) und "The Case Book of Sherlock Holmes" (1927) noch zwei weitere.

um 1896: Doyle, politisch konservativ eingestellt, nimmt als Arzt freiwillig am Burenkrieg teil.

1900: Nach seiner Rückkehr veröffentlicht er die Schrift "The Great Boor War" ("Der Krieg in Südafrika").

1901/02: Die Erzählung "The Hound of the Baskervilles" erscheint.

1902: Doyle wird wegen seiner Verdienste im Burenkrieg geadelt.

um 1918: Doyle wird Mystiker und Spiritualist, eventuell als Reaktion auf den Tod seines Sohns im Ersten Weltkrieg.

1930: 7. Juli. Arthur Conan Doyle stirbt in Crowborough (Sussex).

ab 1959: Die Geschichten von Sherlock Holmes werden in deutscher Fassung in Form der Sammelbände "Sherlock Holmes Abenteuer" (1959), "Sherlock Holmes Methoden" (1964), "Sherlock Holmes Rückkehr" (1964) und "Sherlock Holmes Abschied" herausgegeben.

Sherlock Holmes bei Jokers


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

30.06.2009, 23.23 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Conan Doyle, Burenkrieg, Sherlock Holmes, Todestag,

Kriminell gut

KnochenascheEtwas enttäuscht war ich, als mein Freund Gregor bei unserem letzten gemeinsamen Videoabend ausgerechnet die eine Folge der Krimiserie „Bones – die Knochenjägerin“ einlegte. Darin kämpft eine forensische Anthropologin namens Dr. Temperance "Tempe" Brennan zusammen mit ihrem professionellen Wissenschaftsteam und einem gut aussehenden FBI-Agenten gegen das Verbrechen. Ich hatte noch nie eine Folge gesehen.

An Hand von teilweise winzigen Knochenstücken rekonstruieren die Verbrechensjäger Opfer und Todesursache. Was auf den ersten Blick sehr weit hergeholt klingt, wird in der Serie sehr wissenschaftlich, schlüssig und sehr, sehr spannend erklärt.

Doch was das Beste ist: Die Anthropologin schreibt nicht nur in der Serie, sondern auch im wahren Leben unter dem Namen Kathy Reichs nicht minder spannende Bücher. Das war der Ausschlag, dass ich mir mit „Totgeglaubte leben länger“ zum ersten Mal nach langer Zeit wieder einen waschechten Krimi kaufte.

Ich wurde nicht enttäuscht. Ähnlich wie Umberto Eco unterlegt Reichs ihre Romane gern mit fundiertem und sauber recherchiertem Wissen. Man lernt eine Menge über Forensik, die Altersbestimmung von Knochen und Material sowie im genannten Buch die christliche und jüdische Glaubensgeschichte. Das Ganze ist in eine spannende Geschichte verpackt und dank perfider Fälle ziemlich gruselig.

Ob das aber der Beginn einer Leidenschaft für Kathy Reichs ist, wird sich zeigen. Mal sehen, vielleicht lasse ich mir noch „Knochen zu Asche“ aus dem Jokers Lager kommen.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

30.06.2009, 20.30 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Kathy Reichs, Bones, Krimiserie, Totgeglaubte, Knochen zu Asche,

Schwiegermutters neues Vokabular

Meine Schwiegermutter hat seit Kurzem einen Lieblingsausdruck. Jedes Mal, wenn sie über irgendetwas staunt, sagt Sie: „Das ist ja voll krass!“ Meine Schwiegermutter ist eine sehr aufgeschlossene und weltoffene Frau. Dennoch ist ihr neuer Slang symptomatisch für unsere Zeit. Denn wie Tilman Spengler in seinem neuen Buch "Sind Sie öfter hier? Von der Kunst, ein kluges Gespräch zu führen" feststellt, sind die Zeiten der hohen Redekunst lange vorbei. Wenn sie denn je existiert haben.

Wie Spengler erklärt, sah sich schon Kurt Tucholsky Anfang des vergangenen Jahrhunderts berufen, den Umgangston seiner Mitmenschen zu dokumentieren. Mit „Herrn Wendriner“ sah der Schriftsteller seinen Zeitgenossen buchstäblich „aufs Maul“ und schuf so einzigartige Gesprächsmitschnitte wie: "Gräßlich, so'n feuchter Regentag. Haben Sie Ihren Schirm? Ich nehm immer 'n Schirm mit". Besonders tiefgründiger redete man anscheinend auch gestern nicht.

Welche Vokabeln neben „Hammer“, „voll krass“ und „cool“ heute noch in sind, zählt das Lexikon des frühen 21. Jahrhunderts „Sprechen Sie Gegenwart“ auf. Das habe ich übrigens gestern meiner Schwiegermutter zum Geburtstag geschenkt. Jetzt weiß sie, was „Ego-Shooter“, „Blackberrys“ und „Extensions“ sind. Außerdem findet sie es „extrem okay“, im „Unterschichtenfernsehen“ Gerichtsshows zu sehen, während sie mir nebenbei mit ihrem neuen Handy „Spam“ „simst“. Da habe ich mir was Schönes eingebrockt!


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

30.06.2009, 20.18 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln | Tags: Slang, Gegenwartssprache, Umgangston, Vokabular,

Der Technik-Freak am Dirigentenpult

KarajanDie Rede ist von Herbert von Karajan, seinerzeit jüngster Generalmusikdirektor Deutschlands.

Seine Begeisterung für Technik beschränkte sich nicht allein auf die vielen Möglichkeiten, Musik aufzuzeichnen. Karajan liebte schnelle Autos, flog seine Privatflugzeuge selbst und steuerte seine schnittigen Yachten hart am Wind übers Mittelmeer. Als er wieder einmal zu einer Aufführung an der Mailänder „Scala“ erschien, wurde er gefragt: „Kommen Sie noch per Flugzeug oder schon mit dem Untersee-Boot?“

Der Maestro gab sich betont lässig, dirigierte schon mal im Rollkragen-Pullover, was fast als skandalös galt. Sein Umgang mit dem Jetset, seine Villen in St. Tropez und St. Moritz, seine Ehen – es gab Schlagzeilen.

Wer je unter Karajan musizierte, kennt ihn anders: ein besessener Perfektionist, der weder sich selbst noch das Orchester schonte, bis der letzte Klang so saß, wie er es wollte. Über 200 Millionen Tonträger hat Karajan verkauft, der am 16. Juli vor 20 Jahren in Salzburg starb.


(Geschrieben von Peter Konietschke)

30.06.2009, 09.18 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kino & Film | Tags: Herbert Karajan, Scala, Schlagzeilen, Perfektionist,

Die Maus ist wieder da!

Die MausHaben Sie als Kind auch oft „Die Sendung mit der Maus“ gesehen? Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob dieses Kinderprogramm immer noch läuft. Ich habe die kluge Maus und den witzigen Elefanten jedenfalls geliebt!

Heute würde man die Sendung „pädagogisch wertvoll“ nennen. Ich kann mich an keine andere Kindersendung, die so viele Fragen altersgerecht beantwortet hat wie „Die Sendung mit der Maus“. Vor allem dann, wenn es um komplizierte Fragen ging, auf die Erwachsene oft keine Antwort haben, sprang das orangene Nagetier gerne ein. Da wurde erläutert, wie Gott da sein kann, wenn man ihn doch nicht sieht oder Geheimnisse des Universums erklärt. Aber die Maus wusste auch Rat zur modernen Technik oder kannte sich mit der Geschichte aus.

Jetzt habe ich die Maus in unserem Programm wieder entdeckt: als Buch. Die Maus zum Blättern, Anfassen und einfach Liebhaben!


(Geschrieben von Matthias Stöbener)


30.06.2009, 08.16 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kinder und Jugend | Tags: Die Maus, Sendung mit der Maus, Bücher Die Maus,

Der neue Jokers Imagefilm

30.06.2009, 08.10 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Jokers, Jokers goes to Hollywood,

Sehnsucht nach Weite und Freiheit

Dschingis KhanDschingis Khan: Jeder hat schon etwas von ihm gehört. Noch immer erinnere ich mich daran, wie ich als Kind im Fernsehen einen Spielfilm über den berühmten Mongolen-Herrscher sah. Dieser Streifen hat mich so beeindruckt, dass ich bis heute einzelne Bilder davon im Kopf habe.

Aber sonst? Was wissen wir über den Imperator aus dem Osten wirklich? Was wissen wir über die Mongolen, die im Mittelalter unter eben jenem Dschingis Khan vereint wurde? Warum haben sie die Grenzen ihres Reiches bis nach Europa erweitern wollen?

Eine Freundin träumt von dem einmaligen Steppenland des Dschingis Khan, seit sie den Film „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ im Kino sah. Und jetzt hat sie tatsächlich für Anfang September eine Reise in die Mongolei gebucht. Zwei Wochen wird sie auf einem Kamel-Treck unterwegs sein.

Als ich sie fragte, weshalb die unbedingt in dieses Land reisen will, wusste sie keine rechte Antwort zu geben. Eine unbestimmte Sehnsucht bringt sie dazu, vor Ort Weite und Freiheit nachempfinden zu wollen. Ich habe sie überredet, einen Fotoapparat mitzunehmen. Normalerweise weigert sie sich beharrlich, ihre Reiseindrücke woanders als in ihrem Herzen festzuhalten. Wenn sie zurückkehrt, lässt sie mich sicherlich an einigen Erlebnissen teilhaben.

Ich habe ihr derweil schon einmal die geeignete Vorbereitungslektüre herausgesucht. Die Romanbiografie „Dschingis Khan“ beschreibt spannend und anschaulich das Leben und Wirken des großen Mongolenführers im 12. Jahrhundert.


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

30.06.2009, 08.02 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Dschingis Khan, Mongolei, Romanbiografie, Mongolenführer,

Siebenschläfer

BauernregelnFrüher war der 27. Juni noch ein ganz großer Tag. Heute ist der „Siebenschläfer“ längst kein Feiertag mehr, dennoch ist er nicht wie so manch anderer früherer Festtag in Vergessenheit geraten. Denn wer wissen will, wie der bevorstehende Sommer wird, der achtet ganz genau auf das Siebenschläfer-Wetter.

„Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag” oder „Siebenschläfer Regen - sieben Wochen Regen” oder „Ist der Siebenschläfer nass, regnet’s ohne Unterlass” oder „Regnet’s am Siebenschläfertag, es sieben Wochen regnen mag” oder „Wenn die Siebenschläfer Regen kochen, dann regnet’s ganze sieben Wochen” sind nur einige Wetterweisheiten, die nach wie vor große Bedeutung finden. Dieses Jahr macht die Vorschau auf den Siebenschläfer den Wetterfröschen Hoffnung: Warm und trocken soll´s werden.

Mich erstaunt immer wieder, wie oft die alten Bauern- und Wetterregeln tatsächlich Recht haben. Richtig Laune machen mir Wind-Wetter-Sprüche wie  „Südwest – Regennest“, „Auf Nordwind mit Regen folgt Hagel oft, der alles erdolcht“, „Westwind und Abendrot machen die Kälte tot“. Manchmal habe ich Freunde und Bekannte verblüfft, die tagelang den Wetterbericht studieren, um eine Bergtour zu planen! Ich gucke dann einfach, aus welcher Richtung der Wind kommt und gebe meine private Vorhersage ab. Nicht selten mit Erfolg.

Wenn auch Sie Wetterfrosch werden wollen (und vielleicht sogar bessere Vorhersagen als der Wetterbericht abgeben wollen), habe ich heute eine optimale Buchempfehlung für Sie: Für weniger als 3 € haben wir gerade „Die besten Wetter- und Bauernregeln“ im Angebot!


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

30.06.2009, 07.44 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches | Tags: Wetterregeln, Siebenschläfer, Bauernregeln,

Bücher auf Knopfdruck

Stellen Sie sich vor: Sie brauchen dringend ein längst vergriffenes Buch. Sie gehen in Ihre Buchhandlung und lassen sich auf Knopfdruck dieses Buch einfach ausdrucken, schneiden und als Taschenbuch binden. 300 Seiten in drei Minuten.

Utopie? Mitnichten! Eine dieser Wundermaschinen steht bereits in einer Londoner Filiale der Buchhandelskette „Blackwell’s“. Sie soll aussehen wie ein überdimensioniertes Kopiergerät und trägt den Namen „Espresso Book Machine“.

Das „Time Magazine“ erkor die Maschine zur Erfindung des Jahres. In London stehen rund eine halbe Million vergriffener Titel zum Ausdruck zur Verfügung. Meist Werke mit abgelaufenem Copyright. Man bemüht sich jetzt um eine rasante Erweiterung des Angebots.

Viele der Titel, die es bei Jokers gibt, werden bald vergriffen und dann sehr begehrt sein. Darum unsere Empfehlung: Bestellen Sie diese Bücher jetzt auch einfach per Knopfdruck. Drücken Sie den Button „In den Warenkorb“. Das erspart die Reise nach London …

(Geschrieben von Peter Konietschke)

30.06.2009, 01.05 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Espresso Book Machine, Erfindung des Jahres, vergriffen,

Jahr Preisträger Deutscher Verleihtitel Regie
1955 Marty Marty Delbert Mann
1956 Le monde du silence Die schweigende Welt Jacques-Yves Cousteau
Louis Malle
1957 Friendly Persuasion Lockende Versuchung William Wyler
1958 Летят журавли (Letjat schurawli) Wenn die Kraniche ziehen Michail Kalatosow
1959 Orfeu Negro Orfeu Negro Marcel Camus
1960 La dolce vita Das süße Leben Federico Fellini
1961 Une aussi longue absence Noch nach Jahr und Tag Henri Colpi
Viridiana Viridiana Luis Buñuel
1962 O Pagador de Promessas Fünfzig Stufen zur Gerechtigkeit Anselmo Duarte
1963 Il Gattopardo Der Leopard Luchino Visconti
1964* Les Parapluies de Cherbourg Die Regenschirme von Cherbourg Jacques Demy
1965* The Knack ...and How to Get It Der gewisse Kniff Richard Lester
1966* Un homme et une femme Ein Mann und eine Frau Claude Lelouch
Signore & signori Aber, aber, meine Herren... Pietro Germi
1967* Blowup Blow Up Michelangelo Antonioni
1968
Filmfestspiele aufgrund der Mai-Unruhen abgebrochen
1969* If.... If... Lindsay Anderson
1970* MASH M.A.S.H. Robert Altman
1971* The Go-Between Der Mittler Joseph Losey
1972* Il Caso Mattei Der Fall Mattei Francesco Rosi
La classe operaia va in paradiso Der Weg der Arbeiterklasse ins Paradies Elio Petri
1973* The Hireling Botschaft für Lady Franklin Alan Bridges
Scarecrow Asphalt-Blüten Jerry Schatzberg
1974* The Conversation Der Dialog Francis Ford Coppola
1975 Chronique des années de braise Chronik der Jahre der Glut Mohamed Lakhdar-Hamina
1976 Taxi Driver Taxi Driver Martin Scorsese
1977 Padre padrone Padre Padrone – Mein Vater, mein Herr Paolo Taviani
Vittorio Taviani
1978 L'Albero degli zoccoli Der Holzschuhbaum Ermanno Olmi
1979 Apocalypse Now Apocalypse Now Francis Ford Coppola
Die Blechtrommel Die Blechtrommel Volker Schlöndorff
1980 All That Jazz Hinter dem Rampenlicht Bob Fosse
影武者 (Kagemusha) Kagemusha – Der Schatten des Kriegers Akira Kurosawa
1981 Człowiek z żelaza Der Mann aus Eisen Andrzej Wajda
1982 Missing Vermißt Constantin Costa-Gavras
Yol Yol – Der Weg Şerif Gören
Yılmaz Güney
1983 楢山節考 (Narayama bushiko) Die Ballade von Narayama Shōhei Imamura
1984 Paris, Texas Paris, Texas Wim Wenders
1985 Otac na službenom putu Papa ist auf Dienstreise Emir Kusturica
1986 The Mission Mission Roland Joffé
1987 Sous le soleil de Satan Die Sonne Satans Maurice Pialat
1988 Pelle erobreren Pelle, der Eroberer Bille August
1989 Sex, Lies, and Videotape Sex, Lügen und Video Steven Soderbergh
1990 Wild at Heart Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula David Lynch
1991 Barton Fink Barton Fink Joel Coen
1992 Den goda viljan Die besten Absichten Bille August
1993 霸王別姬 (Bàwáng Bié Jī) Lebewohl, meine Konkubine Chen Kaige
The Piano Das Piano Jane Campion
1994 Pulp Fiction Pulp Fiction Quentin Tarantino
1995 Подземље (Podzemlje) Underground Emir Kusturica
1996 Secrets & Lies Lügen und Geheimnisse Mike Leigh
1997 طعم گيلاس (Ta'm-e gilass) Der Geschmack der Kirsche Abbas Kiarostami
うなぎ (Unagi) Der Aal Shōhei Imamura
1998 Μια αιωνιότητα και μια μέρα (Mia aioniotita kai mia mera) Die Ewigkeit und ein Tag Theo Angelopoulos
1999 Rosetta Rosetta Jean-Pierre Dardenne
Luc Dardenne
2000 Dancer in the Dark Dancer in the Dark Lars von Trier
2001 La stanza del figlio Das Zimmer meines Sohnes Nanni Moretti
2002 The Pianist Der Pianist Roman Polański
2003 Elephant Elephant Gus Van Sant
2004 Fahrenheit 9/11 Fahrenheit 9/11 Michael Moore
2005 L'Enfant Das Kind Jean-Pierre Dardenne
Luc Dardenne
2006 The Wind That Shakes the Barley The Wind That Shakes the Barley Ken Loach
2007 4 luni, 3 săptămâni şi 2 zile 4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage Cristian Mungiu
2008 Entre les murs Die Klasse Laurent Cantet
2009 Das weiße Band Das weiße Band Michael Haneke

28.06.2009, 14.20 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Das Geheimnis ihres Erfolgs

Sie gehen weg wie warme Semmeln und sind genauso schnell wie diese in aller Munde: Bestseller. Wenn alle das lesen, was alle lesen, muss mehr dahinter stecken als „nur“ ein gutes Buch: Bestseller bringen zum Ausdruck, was die Menschen bewegt. Ob „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche oder Michael Winterhoffs „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ – Bestseller sprechen dem Volk aus der Seele.

Und das „Beste“ an solchen Bücher ist: Um sie feiern oder kritisieren zu können, muss man sie nicht einmal gelesen haben – zu Körperhygiene und Kindererziehung hat ja jeder was zu sagen.

Das „Blöde“ an Bestsellern: Sie lassen sich nicht wirklich planen – weder von den Verlagen noch von den Autoren. Der Weg, der direkt in die Bestseller-Listen führt, liegt im Dunkeln – und viele bleiben auf der Strecke.

Um einige davon kümmern sich dann diejenigen, die aus Prinzip alles meiden, was alle lesen – die gibt es nämlich auch noch. Und das ist gut so.


(Geschrieben von Kathrin Kirschbaum)

28.06.2009, 07.40 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Bestseller, Kindererziehung, Körperhygiene, Bestseller-Listen,

Jokers Texter stellt Roman-Debut vor



Abendtermin für die Jokers-Werbegruppe: Dirk Neu, unser Kollege aus der Textabteilung, las am Freitag im Augsburger Hempels-Club das erste Kapitel aus seinem Roman-Debüt. "Der Schemen" ist der Titel des noch unveröffentlichten Werks.

Im Mittelpunkt steht ein Mann namens Pohl, der in einer REHA-Klinik in allerlei Irrungen und Wirrungen gerät. So wird aus der anfänglichen Liebesgeschichte rasch ein spannender Mystery-Krimi.

Neu (36) schreibt in einem markanten, lakonischen Tonfall. Seine Charaktere sind überzeugend und lebendig, die Schauplätze originell. Wir sind schon ganz gespannt, wie es weiter geht. Aber der Kollege verrät nichts, egal wie wir ihn in den Mittagspausen "löchern". Wenn "Der Schemen" erstmal erschienen ist, hat er schon einige neugierige LeserInnen sicher!

Timm Boßmann

27.06.2009, 12.13 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Werbung Texter Dirk Neu Roman Schemen

Alptraum der Bücherfreunde: Eselsohren und Fettflecken

grauenvollDie meisten Leser gehen ja recht sorgsam mit ihren Büchern um. Da wird vorsichtig umgeblättert. Der Schutzumschlag bleibt Schutzumschlag. Ältere Bestände der Bibliothek werden hin und wieder vom Staub befreit. Wertvolle Titel kommen in die Glasvitrine. So soll es sein.

Ziemlich schräg sind die Bücher-Nutzungsvorschläge des großen Humoristen Heinz Erhardt. Er empfahl Bücher als Instrumente zur Zermalmung lästiger Kerbtiere, als Sitzunterlage für Kleinkinder, denen ein paar Zentimeter zur Suppe fehlen oder gar als Wurfgeschosse bei Auseinandersetzungen älterer Ehepaare.

Haarsträubend sind die Vorschläge des Verlages mixtvision, wie man mit seinem Buch umzugehen hat, das er bewusst „KeinBuch“ nennt: (Bibliophile hören hier auf zu lesen!) Fahren Sie mit dem Rad drüber. Beschmieren Sie es mit Fett. Beträufeln Sie es mit Rotwein. Werfen Sie es aus dem Fenster. Stopp! Ich kann nicht weiter. Lesen Sie selbst: www.keinbuch.com

(Geschrieben von Peter Konietschke)


14.06.2009, 19.58 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Heinz Erhardt, mixtvision, Keinbuch,

Schmidts gewalt´ger Zettelkasten

Zettels TraumAlle im Laufe seines Literatenlebens notierten Ideen, Bruchstücke, Kernsätze und Ansätze hatte der Schriftsteller Arno Schmidt in Zettelkästen gesammelt: auf 120.000 Schnipseln!

Als Hauptwerk des Arno Schmidt gilt denn auch „Zettels Traum“. Ein gewaltiges Buch von 1.334 Seiten im Format DIN A 3. Auf seiner Schreibmaschine 3-spaltig getippt, mit unzähligen Randbemerkungen, Einklebungen, Zeichnungen und handschriftlichen Notizen versehen.

Dieses Typoskript war in keiner Schriftsetzerei für den Druck vorzubereiten. Also fotografierte man es und verlegte es als Faksimile. Als es 1970 endlich erscheinen konnte, kostete es stolze 295,- DM.

Trotz dieses hohen Preises wurden innerhalb von drei Monaten 2.000 handsignierte Exemplare verkauft. Wie viele davon wirklich gelesen wurden, das sei dahingestellt. Denn Schmidt war ein begnadeter Worterfinder, der ebenso „kreativ“ mit Satzbau und Zeichensetzung umging. Von den Gedankensprüngen einmal abgesehen…



(Geschrieben von Peter Konietschke)

14.06.2009, 08.57 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Arno Schmidt, Zettels Traum, Typoskript,

Train Days

„Jetzt habe ich so viel gearbeitet, jetzt darf ich mir auch mal einen kleinen Spleen gönnen“, erzählt mir eine Freundin. Seit sie vor ein paar Wochen das Lied „Train Song“ von Tom Waits hörte, ließ sie der Gedanke nicht mehr los, das Szenario, das der große Musiker besingt, nachzustellen. Jetzt ist es soweit: Kurz entschlossen buchte sie einen Flug nach Kansas City, um von dort in einen Zug nach St. Louis zu steigen, mit dem „Train Song“ im Ohr und dem Gefühl der Freiheit, die hart bezahlt wurde. Am Samstag geht es los, nach 4 Tagen wird sie zurück sein.

Train DaysIch persönlich halte diese Idee ja für ziemlich abgefahren, aber auf der anderen Seite bin auch sehr gespannt auf ihre Erlebnisse, die sie mir hoffentlich ausführlich berichten wird. Meine Frau und ich überlegten, was wir unserer Freundin als Zeitvertreib für den langen Flug schenken könnten. Einen Reiseführer für Kansas City hielten wir für unangebracht, sie will sich schließlich nicht die Stadt ansehen, und was Musik angeht – nun, da sind wir ein wenig vorsichtig geworden. Wer weiß, ob sie nicht an den Nordpol abhaut, wenn in irgendeinem Song die eisige Kälte der Antarktis besungen wird …

Aber ich würde nicht bei Jokers arbeiten, hätte ich nicht bald das passende Geschenk gefunden: „Train Days“ heißt die spannende und auf Deutsch übersetzte Autobiografie von Eddy Joe Cotton, der als 19-Jähriger abhaut, um auf Güterzügen durch Amerika zu fahren – ohne Ziel vor Augen.

Vielleicht nimmt unsere Freundin den Roman zum Anlass, ihre eigene „Zuggeschichte“ zu schreiben?






(geschrieben von Matthias Stöbener) 

14.06.2009, 08.49 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Train days, Zuggeschichte, Train Song, Kansas City,

Kinderlieb: Zum 200. Geburtstag von Heinrich Hoffmann

StruwelpeterAls Weihnachtspräsent für den kleinen Sohn waren sie ursprünglich gedacht, die Bildergeschichten des Arztes Heinrich Hoffmann: Doch der im Jahre 1845 veröffentlichte „Struwwelpeter“ sollte weit mehr als einen kleinen Jungen erfreuen. Oder gehören Sie etwa zu den wenigen Menschen, die in ihrer Kindheit nicht mit dem reich illustrierten Buch in Berührung kamen?

Als Kind faszinierten und erschreckten mich die Geschichten um den Daumenlutscher, dem der Daumen abgetrennt wird, oder das brennende Kind gehörig – und damit war ich bei weitem nicht allein. Heute wird diskutiert, ob die schaurigen Geschichten wirklich „kinderlieb“ sind. Übrigens: Unter diesem Pseudonym (Reimerich Kinderlieb) publizierte Hoffmann seinen „Struwwelpeter“.

Hoffmann verfasste die Geschichten, um die kindlichen Aggressionen seines Nachwuchses zu zügeln, heißt es. Naiv war Heinrich Hoffmann jedoch sicherlich nicht. Als Arzt war er ein Revolutionär, der als einer der ersten körperliche Ursachen für das so genannte „Irresein“ annahm und sich in einem harten Kampf für verbesserte Bedingungen in geschlossenen Anstalten für psychisch Kranke einsetzte. So wurde er zu einem Vordenker der modernen Psychiatrie.

Auch politisch war der Struwwelpeter-Autor sehr aktiv. Er gehörte 1848 zu den gewählten Mitgliedern des Vorparlaments in der Frankfurter Paulskirche und war an der Vorbereitung der ersten deutschen Nationalversammlung beteiligt.

Am 1. Mai jährte sich der Geburtstag des Mediziners, Politikers und Autors zum 200. Mal. Seinen wohl bekanntesten Nachlass, den „Struwwelpeter“, haben wir nun in englischer Ausgabe im Angebot!


(geschrieben von Matthias Stöbener)

07.06.2009, 22.19 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Englische Bücher | Tags: Struwwelpeter, Reimerich Kinderlieb, Heinrich Hoffmann,

Wenn jemand eine Reise tut…

Weltkarte… so kann er was erzählen“, heißt es bei Matthias Claudius (1740 - 1815) in Urians Reise um die Welt. Wer Bücher liebt, der weiß, dass es auch anders geht. Manch ein Autor hat kaum einen Fuß vor die Tür gesetzt und dennoch viel erzählt.

Ein besonders kurioses Beispiel hierfür ist die strenge Favell Lee Mortimer (1802 - 1878). In ihren Reiseführern zog die Engländerin über andere Länder und Völker her – ohne je dort gewesen zu sein!

Kein Vorurteil wird ausgelassen: Russen seien versoffen, Türken faul, ganz Italien eine Mörderbande etc. Böser Nationalchauvinismus könnte man meinen. Doch auch mit ihren Landsleuten ging Frau Mortimer hart ins Gericht: Die Engländer seien in Gesellschaft unangenehm und ließen Kinder in Fabriken schuften! Das relativiert so manches wieder. Ähnlich wie die Schlusszeilen in Claudius´ Reiselied: „… und fand es überall wie hier, fand überall `n Sparren, die Menschen grade so wie wir, und ebensolche Narren.“


(Geschrieben von Dirk Neu)

07.06.2009, 11.34 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Reise, Favell Lee Mortimer, Urians Reise, Matthias Claudius,

Ein Tabuthema

Mit manchen Büchern ist es wie mit Männern“, sagte neulich meine Freundin Susanne. „Sie sehen gut aus, doch wenn man sich dann mit ihnen beschäftigt, sind sie eine einzige Enttäuschung.“

Susanne hatte gerade „Mängelexemplar“ von Sarah Kuttner gelesen und war wütend. Aus persönlicher Affinität zum Thema hatte sie sich das Buch gekauft, in dem die Ex-MTV-Moderatorin Depressionen thematisiert. „Ich bin völlig vorurteilsfrei rangegangen, ohne zu beachten, dass es sich um das Erstlingswerk einer bis dahin literarisch unbeleckten Moderatorin handelte. Auch bissige Vorwürfe, Kuttner würde sich damit nur an den Erfolg ihrer Zeitgenossin Charlotte Roche mit „Feuchtgebiete“ hängen, habe ich gutwillig ignoriert.“

Susanne selbst leidet seit ihrer Jugend unter gelegentlichen depressiven Schüben. Ihren Alltag meistert sie dennoch ohne Schwierigkeiten. Doch das Thema beschäftigt sie immer wieder. Umso heftiger fiel ihre Reaktion auf „Mängelexemplar“ aus.

Meiner Meinung nach sind die Darsteller völlig eindimensional gestaltet. Die inhaltlichen Zusammenhänge werden überhaupt nicht aufgearbeitet. Und die Protagonistin ist eine verzogene Göre, die zwar ihren Job verloren hat. Aber ansonsten besitzt sie alles, was den meisten Depressiven in Wirklichkeit fehlt. Sie hat eine liebende Mutter, die sie fürsorglich pflegt, eine sichere Heimat und Freunde, die sich für sie aufopfern. Auch das gesellschaftliche Unverständnis gegenüber Menschen, die aus psychischen Gründen mal nicht so funktionieren, wie sie sollten, wird völlig ausgeklammert. Der einzige Pluspunkt des Buches ist, dass es ein Tabuthema aufgreift und darstellt, wie manche Menschen unter der Leistungsgesellschaft leiden. Doch das scheint mir schon alles.“


(geschrieben von Matthias Stöbener) 

07.06.2009, 08.04 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Tabuthema Depression, Sarah Kuttner, Mängelexemplar,

Literaturlexikon für Kids

Bei uns liegt das „Leseratten-Gen“ in der Familie. Meine Nichte – Sie kennen sie schon, zumindest virtuell - ist eine begeisterte Büchernärrin. Doch wie die Kleinen heute so sind, bemühen sie auch durchaus oft und gerne das Internet, wenn sie etwas nachschlagen wollen oder etwas nicht wissen.

Und im Literaturbereich gibt es viele Begriffe, die eben nicht jedes Kind versteht. Während wir früher dicke Lexika wälzen mussten, bis wir uns schlau gemacht hatten (und genau deswegen ganz oft erst gar nicht nachgeguckt haben, was beispielsweise ein „Drama“ ist), klicken die Kinder heute einfach mal kurz ins Internet.

Aber welche Seiten gibt es, die Kindern einfach erläutern, was z. B. Lyrik bedeutet oder wer Astrid Lindgren ist? Meine Nichte verriet mir einen Geheimtipp, der unter jungen Lesefreunden heiß gehandelt wird: www.rossipotti.de ist nämlich eine geniale Literaturseite für Kinder und Jugendliche, die alles, was Leseratten zu Büchern und Autoren wissen wollen, einprägsam und verständlich erläutert.

Die lustige Lexikonratte Klops sammelt dabei literarische Begriffe und erklärt all die schwierigen Wörter aus dem Literatur-Fachjargon kindgerecht. Selbst als „alter Lese-Hase“ kann man noch manches auf der Seite lernen.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.05.2009, 22.44 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kinder und Jugend | Tags: Literaturlexikon, Kinder-Literaturlexikon, Rossipotti, Literatur-Magazin,

Wieviel Tier darf´s denn sein?

Der Fisch in unsSchutztiere sind aus der Mythologie und vielen Eingeborenen-Religionen bekannt. Und vielleicht freut sich der ein oder andere, dass sein persönliches Schutztier ein wagemutiger Löwe, ein starker Tiger oder gar ein imposanter Elefant ist. Autoren von Castaneda bis Allende haben Geschichten um die Begegnung zwischen Mensch und Schutztier verfasst. Und viele Menschen glauben, dass wir mehr, als uns bewusst ist, mit Tieren gemein haben.

Wir haben uns zwischenzeitlich daran gewöhnt, dass wir etliche Gene mit Schweinen, Kühen und natürlich auch Affen teilen. Aber wie weit können wir die Evolutionsleiter hinunter klettern, bis sich unser Verstand weigert, Gemeinsamkeiten mit „niederen Tieren“ wie Fischen oder Würmern und Bakterien zu akzeptieren?

Von der Logik her ist es uns klar: Der Mensch ist nichts weiter als ein höher entwickeltes Tier, Resultat der Evolution. Das Werk „Der Fisch in uns“ erzählt die spannende Geschichte, wie unser Organismus genau so geworden ist, wie er heute ist. Angeblich gehört dazu auch ein Anteil Fisch in uns. Anhand neuester Ergebnisse aus Paläontologie und vergleichender DNA-Forschung schildert der Autor Neil Shubin, wie er das evolutionsgeschichtliche Bindeglied zwischen Fisch und Landlebewesen entdeckte.

Anno 2006 machte er einen Fund von enormer Bedeutung: Er entdeckte Tiktaalik, eben genau das bis dato fehlende Bindeglied zwischen Fisch und Landwesen. In seinem Buch berichtet Shubin davon, wie Tiktaalik gefunden wurde und zeigt packend die Konsequenzen dieses sensationellen Fundes auf.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.05.2009, 20.56 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Tiktaalik, Schutztiere, Gemeinsamkeiten Tier und Mensch,

Vorpubertäre Schwierigkeiten

Versteh dein SchulkindWer glaubt, bis zur Pubertät der Sprösslinge würden Eltern ein sorgenfreies und unbekümmertes Leben genießen, irrt gewaltig: Denn auch Zehn- und Elfjährigen stellen Eltern vor so manche Herausforderung.

Als wir Ostern zusammentrafen, klagte mir meine Schwester ihr Leid: Meine kleine Nichte, die im Herbst elf wird und gerade die 5. Klasse eines Gymnasiums besucht, gibt ihr so manches Rätsel auf. Und das, obwohl Partys, Lippenstift und Jungs noch nicht die allerhöchste Priorität einnehmen.

Die Leistungen in der Schule gleichen einer Berg- und Talfahrt, auf eine 1 in Latein kann eine 5 folgen, auf eine 2 in Mathe eine 6 in der Ex. Und obwohl die Kleine Klassensprecherin ist, hat sie manchmal Angst vor dem Schulweg, weil dort die älteren Jungs lauern und böse Sprüche klopfen.

Natürlich geht es ihr oft gar nicht gut dabei. Und so kann es sein, dass meine Nichte manchmal weinend nach Hause kommt. Und wenn mir theoretisch klar ist, weshalb gerade dieses Alter so extrem belastend für Kinder ist, weiß ich doch praktisch auch keinen guten Rat.

Natürlich ist es schwierig für Schüler, von der Grund- in eine weiterführende Schule zu wechseln. Sie müssen sich neue Freundschaften aufbauen, sie müssen lernen sich eigenständig zu behaupten. Und das belastet Eltern und Kinder gleichermaßen.

Versteh dein Schulkind ist ein Ratgeber, der hier vielleicht weiterhilft. Das Buch erklärt nicht nur anschaulich, welche Herausforderungen auf dem Weg in die Pubertät auftreten, sondern gibt auch Anleitungen, wie Eltern ihre Heranwachsenden in dieser kritischen Phase unterstützen können.


(geschrieben von Matthias Stöbener) 

31.05.2009, 20.45 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kinder und Jugend | Tags: Vorpubertät, Schulkind, Wechsel aufs Gymnasium,

Grand Prix und Mode

Wahrscheinlich können auch Sie es nicht mehr hören und sehen: An den Tagen nach dem Grand Prix scheint sich die ganze Welt nur noch darum zu drehen, weshalb welches Land auf welchen Platz kam. Und weil kaum noch einer wirklich an der Musik interessiert ist, mit der die Bands und Sänger um die vorderen Plätze kämpften, richtet sich das Augenmerk des Publikums immer mehr auf Nebensächlichkeiten des Wettbewerbs. So kann der Zuschauer sogar schon online abstimmen, welches Outfit das schönste oder hässlichste war! Beim Voting mitmachen können Sie hier: http://eurovision.ndr.at


ModeIch persönlich halte die Modetrends, die Stars vorgeben, für ziemlich überflüssig. Nichtsdestotrotz stimmt es natürlich, dass das Erscheinungsbild sehr, sehr wichtig ist. Kleider machen eben Leute. Aber was hat es eigentlich auf sich mit der Mode? Wie kommt es, dass sich heute so vieles nur um Markennamen und Labels dreht? Wer sind die wichtigen Namen in der Branche, welche Stile waren Saison-Eintagsfliegen und kamen nie wieder?

Das Werk „Mode“ geht der Geschichte eines der uns beeinflussenden Gesellschaftsfaktoren nach. Vom Mittelalter bis heute zeichnet die Autorin die Entwicklung der Trends und „Must Haves“ nach. Und eins ist sicher: Der einen oder anderen Sängerin hätte ein Blick in diese Modefibel VOR dem großen Grand Prix Auftritt wahrlich nicht geschadet…


(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.05.2009, 17.19 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: In der Presse | Tags: Mode, Grand Prix, Musik, Wettbewerb, Modetrends,

Haydn-Jahr

Die meisten bei Jokers sind schon in Sommerstimmung, und doch merkt man an den nächtlichen Temperaturen, dass immer noch Frühjahr ist. Immer, wenn die Jahreszeiten wechseln, kommt mir das wunderbare Gedicht „The Seasons“ von James Thomson in den Sinn, der von 1726 – 1730 lebte. Hier ein Auszug:

“Wide o’er the brim, with many a torrent swelled,
And the mixed ruin of its banks o’erspread,
At last the roused-up river pours along:
Resistless, roaring, dreadful, down it comes,
From the rude mountain and the mossy wild,
Tumbling through rocks abrupt, and sounding far;
Then o’er the sanded valley floating spreads,
Calm, sluggish, silent; till again, constrained
Between two meeting hills, it bursts a way
Where rocks and woods o’erhang the turbid stream”

Die JahreszeitenKlingen diese Zeilen nicht wie ein verlockendes Versprechen? Besingen diese Verse nicht die Schönheit unserer Welt?

Was wenige wissen: Genau dieses Gedicht inspirierte den großen Komponisten Joseph Haydn zu seinem Oratorium „Die Jahreszeiten“. 2009 ehrt Österreich den unvergleichlichen Komponisten zu seinem 200. Todestag mit einem „Haydn-Jahr“. Zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen vor allem in und um Wien gedenken seiner.

Bei Jokers finden Sie jetzt viele Musik-CDS mit den schönsten und wichtigsten Werken von Haydn: Auch „Die Jahreszeiten“ sind dabei!


(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.05.2009, 14.06 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Josef Haydn, 200. Todestag, Wien, Haydn-Jahr,

700 Werke: Eberhard Hungerbühler

Felix HubyVielleicht, nein, wahrscheinlich haben Sie schon einmal seinen Namen gelesen, ziemlich sicher haben Sie ihn aber auch gleich wieder vergessen: Drehbuchautoren wird leider meist keine besondere Beachtung geschenkt. Nicht einmal von denen, die seine Filme lieben (z. B. „Tatort“), auch nicht von den Leseratten unter uns (Wer kennt die Peter-Heiland- oder Bienzle-Krimis nicht?), ja, nicht einmal ich, der ich bei einem Verlag arbeite, wusste bis vor kurzem, dass Eberhard Hungerbühler alias Felix Huby einer der erfolgreichsten deutschen Drehbuchautoren ist: Mehr als 700 Werke gehen auf sein Konto.

Aufmerksam auf den gleichermaßen außergewöhnlich fleißigen wie talentierten Schreiberling bin ich erst geworden, als meine kleine Nichte letztens über die Schule jammerte. Sie habe „null Bock“ das Abi zu machen und schließlich habe Felix Huby das Gymi auch ohne Abi verlassen. Ich staunte – So was wusste die Kleine, hatte aber schon in der 5. Klasse die Lust aufs Lernen verloren?

Ich konnte, da ich selbst wenig über Huby wusste, wenig mehr als Durchhalteparolen betreffs der Schule entgegenhalten. Doch dann setzte ich mich an den Computer und stieß auf die Homepage des Autors www.felixhuby.de. Sein Schaffen beeindruckte mich so sehr, dass ich beschloss, ihm zu Ehren diesen Blog-Artikel zu verfassen. Denn Eberhard Hungerbühler ist wohl einer der wenigen Vorzeige-Schriftsteller, bei denen Quantität nicht im Kontrast zur Qualität steht.

Am 21. Dezember 1938 wurde Huby in Dettenhausen, einem Dorf bei Stuttgart, geboren. Der heute 70-jährige lebt in Berlin und kann auf ein umfangreiches Lebenswerk zurückblicken, das kaum eine literarische Gattung unberührt ließ. Wir von Jokers haben zwei seiner Kriminalromane im Programm – schauen Sie doch am besten gleich mal selbst.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.05.2009, 11.13 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Felix Huby, Tatort, Bienzle, Eberhard Hungerbühler ,

Kleistjahr 2011

Wir haben noch nicht mal 2010, und doch laufen die Vorbereitungen für das Kleist-Jahr 2011 bereits auf Hochtouren: Wie die Nachrichtenagentur ddp mitteilte, gab der Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder), Martin Patzelt (CDU), bekannt, dass die Eröffnungsveranstaltung zu dem großen Jubiläumsjahr in Frankfurt stattfinden wird, die Abschlussveranstaltung in Berlin. „Die großen Veranstaltungen, die in Deutschland laufen sollen, sind mit der Kleist-Gesellschaft sowie der Landes- und Bundesregierung abgestimmt, und insofern kann man als gesetzt ansehen, dass die Eröffnungsveranstaltung in Frankfurt (Oder) stattfindet und die Abschlussveranstaltung in Berlin“, sagte er wörtlich. „Der Auftakt des Jubiläumsjahres soll in die Musikfesttage an der Oder im März 2011 eingebunden werden, schon um die Sprachbarriere zu überwinden“, teilte er weiterhin mit. Man rechnet also mit vielen ausländischen Gästen.

Ich habe es nicht gewusst: Frankfurt an der Oder ist die Geburtsstadt des im Oktober 1777 geborenen Heinrich von Kleist. Am 21. November 1811 starb er bei Berlin am Kleinen Wannsee. Somit jährt sich 2011 sein Todesjahr zum 200. Mal. Der noch nicht einmal 40 Jahre alte junge Mann starb keines natürlichen Todes. Er beging Selbstmord. Er hinterließ einen umfangreichen literarischen Nachlass. Mit am bekanntesten dürften „Der zerbrochene Krug“ sowie „Die Marquise von O...“ sein. Wir von Jokers haben nun ein besonders empfehlenswertes Übersichtswerk im Angebot: „Kleist für Eilige“. Es liefert nicht nur die wichtigsten Informationen über das Leben und Schaffen des Autors, sondern macht, meine ich, richtig Lust darauf, Kleist in voller Länge zu genießen.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.05.2009, 09.56 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Kleistjahr, 200ster Todestag, Frankfurt (Oder), Heinrich von Kleist,

Mehr von Milan Kundera

Am 1.4.1929 wurde einer meiner Lieblingsautoren in Brno (Brünn, Tschechien) geboren.
Und ich stehe, glaube ich, nicht allein mit meiner Meinung da. Dass wir zurzeit leider keine Restauflagen seiner Werke im Angebot haben, liegt auch daran, dass es selten Restauflagen von ihm gibt.

Milans Vater, Ludvík Kundera (1891-1971), war Musikwissenschaftler und Rektor der Musik-Hochschule in Brünn. Milan selbst begann seine Autorenkarriere früh. Schon zu Schulzeiten verfasste er Gedichte. Später studierte er Musik, Filmwissenschaften und Literatur an der Prager Karls-Universität und schlug sich als Jazz-Musiker durch. Nach erfolgreichem Studienabschluss und einigen Assistenz-Jahren übernahm Milan Kundera eine Professur an der Filmfakultät der Prager Akademie für Musik und Dramatik; er publizierte Gedichte, Essays und Theaterstücke.

Bei den Literaturzeitschriften “Literarni noviny” und “Listy” war er Redaktionsmitglied, 1948 trat Kundera in die Kommunistische Partei ein, 1950 wurde er wegen „individualistischen Neigungen“ aus der Partei ausgeschlossen. Jahre später versuchte er sich noch einmal als Parteimitglied, bis 1970 hielt er durch.

Als Autor machte er sich nach Gedichtsammlungen erst durch das dreibändige Prosawerk „Das Buch der lächerlichen Liebe“ einen Namen, es erschien zwischen 1958 und 1968. In seinem ersten Roman, „Der Scherz“ (1967), setzte er sich mit dem Stalinismus auseinander.

Nach dem sowjetischen Einmarsch am 21.08.1968 verlor er als einer der Hauptakteure der Reformbewegung des „Prager Frühlings“ seine Lehrstelle. Seine Werke wurden aus den Landes-Bibliotheken entfernt, ihm wurde 1970 ein Publikationsverbot auferlegt. Nun verlegte er seine Öffentlichkeitsarbeit ins Ausland. Sein zweiter Roman, „Das Leben ist anderswo“, erschien 1973 in Paris.
1975 folgte Kundera einem Ruf an die Universität Rennes (Bretagne, Frankreich). 1979 entzog ihm die tschechische Regierung nach Erscheinen des „Buches vom Lachen und Vergessen“ die tschechische Staatsbürgerschaft, alle Folgewerke durften in der CSSR nicht mehr veröffentlicht werden. 1981 nahm Milan Kundera schließlich die französische Staatsbürgerschaft an.

Heute lebt er zusammen mit seiner Frau, Vera Hrabankova, in Paris. Bekannte Romane sind das 1994 erschienene Werk “Die Langsamkeit” und “Die Identität” von 1998.“Die Unwissenheit” erschien 2000 zunächst in spanischer Fassung unter dem Titel “La Ignorancia”. Die Veröffentlichung in der Originalsprache Französisch und in Deutsch erfolgte einige Monate später.

Das international erfolgreichste Buch Kunderas ist “Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins” aus dem Jahre 1982. Dieser Roman wurde auch verfilmt.

Ich hoffe, dass Milan Kundera bald einen neuen Roman fertig stellt. Ich habe nämlich schon alles von ihm gelesen und warte auf mehr!


(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.05.2009, 09.48 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Milan Kundera, Unerträgliche Leichtigkeit, Langsamkeit,

Criminale-Reise

Als besonderen Leckerbissen hatten wir in unserem Online-Adventskalender eine Reise nach Singen am Hohentwiel verlost: Der Besuch des Criminale-Festivals stand auf dem Programm! Dieses Ereignis ist tatsächlich einmalig: Vom 6. bis 10. Mai 2009 mutierten die Region um Singen am Hohentwiel und das benachbarte „Land am Rheinfall“ rund um Schaffhausen zum aufregenden „Tatort“. Über 260 deutsche, österreichische und Schweizer Krimiautoren sorgten mit Lesungen dafür, dass die Besucher des Spektakels überall eine „Mordsspannung“ erlebten. Insgesamt gab es circa 150 Veranstaltungen rund um das Thema Krimis und Thriller! Eine geschenkte Fahrt zur Criminale kommt da natürlich für einen Krimi-Fan einem Lotto-Sechser gleich.
Barbara ScholzBarbara Scholz war eine der glücklichen Gewinnerinnen des Criminale-Besuchs, gesponsert von Jokers. Diese Zeilen erreichten uns:

„Nach einer langen entspannten Zugfahrt sind wir gut in Hemmenhofen in dem wunderbaren Hotel Höri am Bodensee eingetroffen. Dort hat man uns sehr zuvorkommend als Gäste begrüßt und wir haben die wunderschöne Suite mit Seeblick bezogen.

Donnerstag hatten wir dann die Möglichkeit Singen/Schaffhausen zu erkunden. Ein Besuch des Rheinfalls von Schaffhausen war natürlich Pflicht. Freitag stand dann Konstanz auf dem Programm und Criminale 2009später bei der Preview des neuen Tatortes vom Bodensee, mit Eva Matthes, in der Stadthalle Singen, wurde die ein oder andere Ecke der Stadt dann gleich wiedererkannt.
Samstag blieb dann noch Zeit für einen Besuch auf der Blumeninsel Mainau. Es war ein Farbspiel, obwohl zu dieser Jahreszeit noch nicht so viel in Blüte steht. Für jeden Gartenliebhaber ein Genuss. Am Sonntag haben wir, wie auch an den anderen Abenden die Annehmlichkeiten des Hotel in Anspruch genommen.

Alles in allem eine wundervolle Reise und ich bin froh, dass ich die Gewinnerin dieses wunderbaren Preises war. Herzlichen Dank noch einmal dafür!“

Und wir von Jokers freuen uns sehr, dass das Krimi-Festival so viel Spaß bereitete!


(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.05.2009, 08.56 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Criminale, Singen, Schaffhausen, Reisegewinn,

CDs zum Darwin-Jahr

DarwinWir feiern dieses Jahr den 200. Geburtstag des großen Forschers Charles Darwin. Er wurde am 12. Februar 1809 in Shrewsbury, England, als zweiter Sohn und fünftes von sechs Kindern geboren. Darwin stammte aus einer wohlhabenden Familie von Medizinern und Forschern: Sein Vater Robert Waring Darwin war Arzt, sein Großvater Erasmus Darwin Naturforscher. Im Alter von 16 Jahren ging Darwin zum Medizinstudium an die Universität Edinburgh. Dieses Studium schloss er jedoch nicht ab, sondern wechselte nach Cambridge, um dort Theologie zu studieren.

Wenige Monate nach erfolgreichem Abschluss des Theologiestudiums bekam Charles Darwin die Chance seines Lebens: Er konnte in der Rolle des Naturforschers und „Gentleman Companion“ Kapitän Robert FitzRoy auf einer Weltreise mit dem Forschungsschiff Beagle begleiten. Die Besatzung sollte die Küsten von Südamerika vermessen, um die englischen Seekarten zu verbessern.

Fast fünf Jahre dauerte die Reise, die Darwin zur Erkenntnis und Entwicklung seiner Evolutionslehren brachte: Er stellte fest, dass die ausgestorbenen Arten Südamerikas eng mit den lebenden Arten verwandt sind, zum anderen bemerkte er, dass die Vögel (Finken und Spottdrosseln), die er auf mehreren Galápagos-Inseln gesammelt und ursprünglich für eigene Rassen gehalten hatte, unterschiedlichen Arten zugeordnet werden konnten. Der Rest ist Geschichte.

Noch heute, 200 Jahre nach Darwins Geburt, wird die Frage nach dem Themenkreis Schöpfung oder Evolution heiß diskutiert. Auf gleich drei Audio-CDs können Sie die Stellungnahme bedeutender Persönlichkeiten hören. Neben anderen wichtigen Meinungen mit dabei: Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI.): Schöpfungsglaube und Evolutionstheorie - Karl Jaspers: Der Weltschöpfungsgedanke - Carl Friedrich von Weizsäcker: Am Anfang schuf Gott... - Adolf Butenandt: Was bedeutet Leben unter dem Gesichtspunkt der biologischen Chemie? - Ludwig von Bertalanffy: Die Evolution der Organismen.


(geschrieben von Matthias Stöbener) 

31.05.2009, 08.48 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Darwin-Jahr, Schöpfung, Evolution,

„Na Servus“

MuenchenVon Köln ins schöne Bayern verschlagen hat es neulich Rita, eine Freundin meiner Frau. Genauer gesagt nach München. Dort fand die junge Kölnerin einen neuen Job als Produktmanagerin in einem großen Verlag und zog kurzerhand mit Sack und Pack in die Landeshauptstadt Bajuwariens. Zur Freude meiner Frau, die jetzt in Augsburg gleich viel näher bei Rita wohnt und sich ergo öfter mit ihr treffen kann. Doch beim nächsten Treff der beiden beschwerte sich Rita fürchterlich.

Zu groß sei der Unterschied zwischen Kölnern und Münchnern. Alle Vorurteile fand sie bestätigt: Das Leben in München sei viel zu teuer, die „Eingeborenen“ arrogant, schnöselig und ignorant. Nebenbei ergänzte die Freundin, dass Sie kaum ein Wort verstünde.

Dieses Dilemma kam mir bekannt vor. Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich aus Neugier, wie Bayern und seine Bewohner vom „Rest“ Deutschlands wahrgenommen werden, „Na Servus“ von Sebastian Glubrecht gelesen. Darin schildert der Berliner seinen Umzug nach München sowie alle klassischen Probleme eines „Zugroastn“. Denn dass die Bayern einem „Preißn“ das neue Leben in ihrer Umgebung nicht gerade leicht machen, ist bekannt. Eben jene Hassliebe thematisiert Glubrecht, wenn er seinen Hauptdarsteller Ochsen reiten oder auf dem Oktoberfest schuhplatteln lässt. Köstlich.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

28.05.2009, 15.27 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kulturgeschichte | Tags: Sebastian Glubrecht, Köln, München, Bayern,

1000 places to see

1000 Places to see before you dieEs ist das Geburtsland vieler großer Autoren, unter anderem auch von Milan Kundera. Wer einmal selbst in der Tschechei war, weiß, wie schön dieses Land ist. Allein Prag ist mit kaum einer anderen Hauptstadt zu vergleichen, ihre eigentümliche Schönheit und ihr Charme ziehen jeden Besucher in den Bann.

In „1000 places to see before you die“, dem Reiseführer der ganz anderen Art, findet so auch Prag eine besondere Erwähnung. In der Online-Ausgabe dieses genialen Urlaubbegleiters finden Sie eine wunderbare Beschreibung des „alten Stadtplatzes“:

http://www.1000beforeyoudie.com/Place.aspx?placeId=14

Wir von Jokers können Ihnen „1000 places to see before you die“ auch auf Deutsch bieten. Zur Zeit haben wir gerade die deutschen Ausgaben für Touristen der USA/Kanada sowie des Dreiländerecks Deutschland, Österreich, Schweiz im Angebot. Und soll ich Ihnen was verraten? Auch, wenn ich kein Tourist in meinem Heimatland bin, so habe ich doch die Geheimtipps und die „Must have seen“-Orte begeistert nachgeschlagen. Das hat meiner Frau und mir eine persönliche Liste für Wochenendziele gebracht. Man kann direkt vor der Haustür anfangen.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

28.05.2009, 15.27 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Reiseführer, 1000 Places,

Jokers Blog als Diplomarbeitsthema

Matthias StoebenerÜber meinen Kollegen Timm Bossmann erreichte mich folgende Mail: „Über eine Verlinkung bin ich auf Ihren Jokers Blog aufmerksam geworden. Ich studiere Internationales Management (…) und arbeite gerade an meiner Abschlussarbeit zum Thema Corporate Blogs (…) Da ich meine Arbeit sehr praxisorientiert gestalten will, würde ich mich sehr freuen, wenn es möglich wäre, Ihnen einige Fragen zu Ihrem Blog zu stellen. Anbei sende ich Ihnen daher einen kurzen Fragebogen.

Es war nicht das erste Mal, dass ich StudentInnen Auskunft zum Jokers Blog geben musste, aber diesmal dachte ich: Vielleicht sind die Fragen und Antworten auch für Sie als Leser dieses Blogs interessant. Und so lade ich Sie ein, dem Interview zu folgen. Übrigens: Mit „Corporate Blog“ ist einfach ein Blog gemeint, das nicht von einer Privatperson, sondern einer Firma wie Jokers geführt wird.

Frage: Warum und seit wann betreiben Sie einen Corporate Blog (CB)?

In unserem Katalog, der monatlich erscheint, haben wir eine Rubrik, die sich „Plaudereien“ nennt und Ereignisse rund um Bücher und Literatur etwas näher beleuchtet. In einem Katalog sind die Plätze für „Plaudereien“ allerdings sehr begrenzt, weil der Druck und Versand sehr teuer ist und wir im Katalog natürlich vor allem verkaufen müssen, damit der Katalog sich auch rechnet. So kam uns vor Jahren die Idee, dass unser Blog eine kostengünstige Möglichkeit sein könnte, die „Plaudereien“ ins Internet zu übertragen und dort öfter und intensiver zu Themen rund um Jokers, Bücher und die Literatur zu „plaudern“.

In unserem Blogarchiv können Sie sehen, dass wir schon seit Mai 2005 bloggen.

Frage: Wer betreibt diesen Corporate Blog (Mitarbeiter, CEO oder PR-Agentur)?

Zunächst planten wir, dass alle Mitarbeiter aus dem Internetbereich, bloggen, aber sehr schnell stellte sich heraus, dass nicht jeder schreiben kann oder schreiben will. Es macht ja auch ein bisschen Arbeit. Und nicht jeder Mensch wird Schriftsteller. Nach ein paar Wochen habe also nur noch ich, Matthias Stöbener, gebloggt. In letzter Zeit hat auch unser Werbeleiter Timm Bossmann ein paar Beiträge eingestellt.

Frage: Wie häufig bloggen Sie?

Manchmal jeden Tag, manchmal ein paar Tage nicht. Manchmal schreibe ich mehrere Blogs auf einen Schlag, stelle sie aber über ein paar Tage verteilt ein. Es kommt auf die Muse an, die mich küsst.

Frage: Über welche Themen wird gebloggt?

Über alles, was mit Jokers, der Literatur, unserem Angebot und Büchern zusammenhängt. Es müssen nicht Bücher aus unserem Programm sein. Jokers führt ja nur die Bücher, die als Restauflagen oder Mängelexemplare günstiger sind als Bücher, die sich noch in der Preisbindung befinden. Und da ich nicht nur solche Bücher lese, schreibe ich hin und wieder auch über Bestseller oder Titel, die sonst im Gespräch sind.

Frage: Wie ist das Feedback auf Ihren Corporate Blog?

Ich bin ganz froh, dass die wenigsten Leser des Blogs Feedback geben. Denn als höflicher Mensch würde ich jedem auch antworten. Und das würde mich wohl so viel Zeit kosten, dass ich andere Aufgaben im Online-Marketing Jokers vernachlässigen müsste. An manchem Feedback aber merke ich, dass das Jokers Blog sehr genau gelesen wird. Meist sind es positive Rückmeldungen, aber auch mit negativen habe ich kein Problem, denn man kann ja eine Sache immer aus verschiedenen Richtungen betrachten. Manche Kunden nutzen das Kontaktformular im Blog auch, um sich über etwas, was nicht gut gelaufen ist, zu beschweren, etwa wenn sie sich von unserem Kundenservice nicht gut betreut fühlen – was zwar nicht oft vorkommt, aber wer ist schon fehlerlos? Das ist für mich sehr wichtig, denn so bekomme ich hautnah mit, was läuft und kann manchmal regulierend oder im Sinne des Kunden eingreifen.

Frage: Ist Micro-Blogging interessant für Sie? Begründen Sie bitte kurz Ihre Antwort.

Ja klar twittere ich auch. Wer mich „verfolgen“ will kann das unter http://www.twitter.com/jokers_de_1 tun.

Micro-Blogging geht für mich ein bisschen in Richtung des Schopenhauerschen Igelbildes: Man kommt sich durch die wenigen Zeichen sehr nahe, weil man sehr auf den Punkt kommen muss, aber wieder doch nicht so nahe, dass die Stacheln weh tun. In dieser Gemeinschaft der Microblogger bekommt man sehr schnell sehr viel mit. Schneller als per Zeitung oder Newsdienst. Und ungefiltert. Und von verschiedenen Standpunkten. Und Menschen, die in den Medien arbeiten, wie ich, sollten, meine ich auf der Welle von Trends reiten.

Frage: Wie sind ihre Erfahrungen bezüglich Risiken und Chancen ihres Corporate Blogs?

Die Frage verstehe ich nicht so ganz. Deshalb kurz und bündig: Meine Erfahrungen sind absolut positiv und Risiken sehe ich wenige, wenn ich ehrlich bin. Eher Chancen. Aber nicht Richtung Verkaufe, sondern in Richtung Markenprägung („Jokers, das sind doch die mit dem Buch-Blog“).

Frage: Lässt sich ein positiver Effekt auf das Unternehmensimage erkennen?

Ich kann Ihnen da keine Zahlen nennen. Und die Leser dieses Blogs schreiben auch nicht jeden Tag: Super, das hast du klasse gemacht! oder „Jokers ist ein supertolles Angebot, ich wüsste gar nicht, wie ich ohne Jokers und das Blog von euch leben sollte“, aber hin und wieder bekomme ich ermunternde Worte und dann sehe ich, dass das Bloggen doch ein wichtiges Angebot ist und Menschen, die bei Jokers günstig einkaufen, auch das Blog als etwas sehen, was Jokers besonders macht und von anderen „Nur-Buchverkäufern“ positiv abhebt.

Frage: Lohnt sich ein Corporate Blog hinsichtlich des finanziellen Aspektes?

Ein klares Nein. Vor Jahren haben wir gemessen, wie viele Menschen ein Buch kaufen, das ich im Blog auf den Jokers Shop verlinke. Das haben wir aufgegeben, weil es sich nicht lohnt. Über das Blog verkaufen wir nicht bzw. nur spärlich. Jeder Controller würde mir das Blog sofort aus der Hand schlagen. Aber der finanzielle Input hält sich auf der anderen Seite auch in Grenzen, so dass mein Chef das Blog befürwortet. Denn Jokers ist anders als andere Buchverkäufer. Und die Leute hier, mich eingeschlossen, sind Bibliophile und von dem, was sie machen „besessen“. Und „Besessene“ müssen halt von dem reden, von dem sie voll sind: Büchern und Literatur.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

28.05.2009, 15.22 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Blog, Online-Marketing, ,

Eine spanische Bestsellerautorin

Corín Tellado ist tot: Im Alter von 81 Jahren starb die berühmte Autorin von Liebesromanen in einem Krankenhaus in Gijón, der nordspanischen Hafenstadt. Am 12 Oktober 1946 wurde ihr Erstlingswerk veröffentlicht, bis heute verfasste sie mehr als 4000 Titel, von denen mehr als 400.000.000 Stück verkauft wurden.

Colín Tellado, die unter dem Namen María del Socorro Tellado geboren wurde, ist die meist gelesene spanische Schriftstellerin. Nur Miguel de Cervantes, der berühmte Autor von Don Quijote kann sich in der spanischen Literatur an Reichweite mit ihr messen. Am 25. April 1927 wurde die Liebesroman-Autorin in Asturias geboren, ihre literarische Karriere dauerte mehr als ein halbes Jahrhundert. Unter ihrem Alias Ada Miller verfasste sie auch erotische Geschichten, doch ihr Hauptwerk umfasst neben Kinder- und Jugendbüchern romantische Erzählungen.

Dabei machte sie jedoch trotz ihrer rosaroten Liebesromane keinen Hehl aus ihrer ambivalenten Einstellungen gegenüber der von Männern dominierten Welt. In Interviews betonte sie beispielsweise stets, dass auch noch ihre Enkelinnen keineswegs vollständige Gleichberechtigung erleben würden und sie prangerte an, dass die Welt von einer männlichen Gesetzgebung regiert wird.

Für alle Jokers Freunde, die des Spanischen mächtig sind, habe ich als besonderen Link-Tipp die Homepage von Corín Tellado: Unter http://www.corintellado.com finden sich zahlreiche Informationen und einige Interviews, die mit der wunderbaren Autorin geführt wurden. Für ihr gesamtes Werk erhielt sie mehrere Auszeichnungen, vor allem in ihrer Heimatregion Asturien in Nordspanien.



(geschrieben von Matthias Stöbener)

24.05.2009, 19.31 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Colín Tellado, Liebesromane, Bestsellerautorin,

Wunderbare Harmonie im Garten

Feng Shui im GartenEben feierten die Chinesen Neujahr. Um dieses große chinesische Fest mitzuerleben, flog eine Freundin meiner Frau im März nach Asien. Und als sie zurückkam, hatte sie virtuelle Bilderstapel von chinesischen Bauten und Parks bei sich. Meine Frau und ich waren erstaunt: Denn auch wenn Millionenstädte immer und naturgegeben gedrängt und leicht chaotisch wirken, strahlten die meisten Fotos chinesischer Metropolen eine heitere Gelassenheit aus. Wie geht das?, wollten wir von unserer Freundin wissen. Und die erzählte uns von Feng Shui.

Anfang der 2000er Jahre brach der Feng Shui-Boom in China aus: Moderne IT-Unternehmen orientierten sich in ihrer Innen- und Außenarchitektur an dieser Gestaltungslehre. Feng Shui, eine der fünf großen praktischen Künste des Taoismus, ist die Lehre vom Leben in Harmonie mit der Umgebung, eine Kunst, die in China seit Jahrhunderten in der Wissenschaft und Baulehre umgesetzt wurde. Feng Shui ist ein wundervolles Muster von Wind und Wasser, wirkt spielerisch und doch durch und durch kraftvoll. Die deutsche Übersetzung von Feng Shui entspricht diesen beiden Elementen, eben Wind und Wasser.

Die moderne Raumpsychologie berücksichtigt seit einigen Jahren auch in der westlichen Welt diese chinesischen Lehren der Ausgeglichenheit und Balance, insbesondere in den Großstadtzentren und in Neubauten von Hightech-Konzernen finden sie Anwendung. Aber auch Privatleute wie Sie und ich können sich die Schönheit und Energie von Feng Shui nach Hause holen. Am einfachsten ist es, man fängt mit dem Garten an! Mit dem Buch „Feng Shui im Garten“ erfährt man anschaulich und in kleinen Portionen, wie man ein Stückchen Grün zu einem Ort der Kraft und Erholung machen kann. Auch wenn Sie nicht an die magische Energie von Feng Shui glauben: Die Gestaltungsideen und praktischen Anleitungen machen es ganz einfach, das Schönste aus Ihrem Garten herauszuholen!


(geschrieben von Matthias Stöbener)

24.05.2009, 08.33 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Feng Shui, Feng Shui im Garten, Gestaltungsideen für den Garten,

Der letzte Welterklärer

Zwischen den FrontenEr gilt laut SPIEGEL als der „letzte Welterklärer“: Peter Scholl-Latour. Der Nahostexperte hat nun seinen 85. Geburtstag gefeiert. Südostasien, China, Afrika, Vorderer Orient, Vereinigte Staaten – Scholl-Latour war nahezu überall auf der Welt und gilt auch als Experte für den Islam. All das macht ihn zu einem überaus beliebten Talkshowgast. Der eloquente Journalist eignet sich mit seinen oft kontroversen Thesen natürlich hervorragend für Fernsehdiskussionen. Er eckt an und ist alles andere als unumstritten in der deutschen Medienszene, unter anderem auch deshalb, weil er sich bisweilen kritisch gegenüber den USA äußert.

Wie auch immer man zu seiner politischen Gesinnung und seinen Sichtweisen auf die Krisenregionen der Welt stehen mag, eines steht fest, wie ich finde: Er versteht es, den oft auf die eigene Umgebung beschränkten Blick auf die Gegenden zu richten, die von unhaltbaren Zuständen geprägt sind. Die Menschen, die dort leben, verschwinden nach kurz aufflackerndem Interesse in der Regel schnell aus unserem Blickfeld. Peter Scholl-Latour weist mit seinen Filmen und Büchern immer wieder auf die Pulverfässer und Konfliktherde der Welt hin. Mit fast jedem seiner insgesamt 29 Titel landete der Journalist auf den Bestsellerlisten und ist damit Deutschlands erfolgreichster Sachbuchautor.

Machen Sie sich selbst ein Bild vom „Welterklärer“ Scholl-Latour und beschäftigen Sie sich mit seiner jahrzehntelangen Tätigkeit als Journalist und Korrespondent. Mag man ihm auch nicht in allem zustimmen, so ist die Beschäftigung mit seinem umtriebigen und gefährlichen Berufsleben doch zweifellos eine spannende Lektüre.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

24.05.2009, 01.22 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Peter Scholl-Latour, Welterklärer, Islamexperte, Sachbuchautor,

Die Gewinner des Video-Gewinnspiels von Jokers stehen fest

Die Jury hatte es nicht leicht beim Video-Geburtstagsgewinnspiel von Jokers. Tagelang hat sie sich durch die 85 Filme, die eingingen, geklickt, Punkte vergeben und abgewogen. Wir von Jokers waren total überrascht, wie viel Mühe sich die verschiedenen Filmteams gemacht haben, uns zu 10 Jahre Bestehen zu gratulieren und welche witzigen Ideen dabei umgesetzt wurden. Erst nach Tage dauernden Diskussionen standen die Gewinner fest.

Jetzt bitte Trommelwirbel und Tusch: Zu den GewinnerInnen

Alle Gewinner bekommen für Ihre Leistung je 500 Euro von uns. Das Ergebnis heißt aber nicht, dass die anderen 75 Filme nicht auch gut oder sehr gut waren! Wir versprechen: Jeder Filmemacher bekommt in absehbarer Zeit eine neue Chance von Jokers!

Noch eine nette Geschichte zum Filmgewinnspiel am Rand. Nicht jeder hat die Möglichkeit, die Zeit oder die Lust, Filme zu drehen. So erreichte uns während des Gewinnspiels folgendes Gedicht:


Jubiläumsgruß auf einem Grabstein

Hier ruhet ein Depeschen-Abonnent,
der voller Ekel vor sich selbst bekennt:
Ich habe oft – drum muss ich hier verwesen –
kein Buch bestellt und deshalb nicht gelesen.

Oh schändlich ist’s, Autoren zu missachten,
die sich doch sicher solche Mühe machten.
Das Jokers-Angebot hat mich dahingerafft.
Ich hab es einfach nicht komplett geschafft.

Banause war ich, finstrer Ignorant.
Und als ich nach zehn Jahren das erkannt,
da hab ich mich, oh Freunde und Genossen,
zum Jubiläum konsequent erschossen.

Herzliche Glückwünsche!

Peter Borjans-Heuser

Wir haben über diese Art der Beteiligung am Video-Gewinnspiel herzlich gelacht, wie Sie sich vorstellen können! Wir sind dankbar solche humorvollen Kunden zu haben.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

BLW 19.05.2009, 23.16 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Gewinner, Gratulieren, Kassieren,

Wunderbares Lebenselixier

WasserKein Grundrecht, aber ein Grundbedürfnis sei Wasser. Fakt ist, dass ein Mensch Wasser braucht, um zu überleben. Doch Wasser ist für viele weit mehr als „nur“ ein Mittel zum Zweck: Kein anderes Element fasziniert und begeistert uns Menschen so sehr. Doch auch, wenn wir sehr viel über die scheinbar unendlichen Weiten der Weltmeere wissen, wenn wir viele ihrer Bewohner kennen, bleiben die Ozeane noch weitgehend ein Rätsel. Immer wieder werden in unglaublichen Tiefen bislang unerforschte Lebensformen entdeckt.

In der Mystik und Romantik wird das nasse Element zum Symbol für Sinnlichkeit und Magie. Und vielleicht haben auch Sie schon die Erfahrung gemacht, dass der Blick über die glitzernde Oberfläche eines Sees die Gedanken und den Geist ungemein beruhigt.

Sie müssen nicht auf den Grund des Meeres abtauchen, um die Schönheit von Wasser erleben zu können. In dem Werk „Wasser: Welten zwischen Himmel und Erde“ entführt Sie der renommierte Naturfotograf Art Wolfe in ein beeindruckendes Unterwassertheater. Genießen Sie dieses an zauberhaften Augenblicken reiche Werk! Wir haben das Glück, in einem Land ohne Wassermangel zu wohnen …


(geschrieben von Matthias Stöbener)

17.05.2009, 20.41 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Wasser, Ozean, Wassermangel, Sinnlichkeit, Weltmeere,

„Altmodische“ Hobbys sind richtig trendy

HäkelnIn den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts klapperten sie überall, in den neunziger Jahren galten sie als Trendaccessoire der Hollywood-Promis, jetzt sind sie wieder da: die Strick- und Häkelnadeln. Selbermachen ist das neue Ding überhaupt. Gemeint sind natürlich nicht Tante Edeltrauds kratzige Wollsocken und der dazu passende Ringelschal aus bunten Resten, die man statt der ersehnten Carrerabahn unter dem Weihnachtsbaum fand. Gemeint sind Unikate, die man voller Stolz selbst herstellt.

So ein richtig altmodisches Hobby wie Nähen oder Stricken ist mehr als salonfähig geworden – es ist total angesagt. Im Internet gibt es plötzlich sehr erfolgreiche Portale für Selbstgemachtes, sogar ein neues Magazin für selbst hergestellte Mode (mit beiliegendem Schnittmuster!) haben ein paar findige junge Münchnerinnen aus der Taufe gehoben. Das alles hat nichts mehr mit den verstaubten tantigen Heften zu tun, die sich automatisch vor das geistige Auge drängen. Und kommen Sie mir jetzt bloß nicht mit der Finanzkrise – nach dem Motto: man kann sich ja jetzt nicht mehr so viele schicke Klamotten leisten, da muss man wohl selber schneidern. Ich bin mir sicher, dieser Trend hat damit nichts zu tun.

Was zählt, ist Spaß am besonderen, auch mal nicht so perfekten Charme von selbst gemachten Dingen. Und schauen Sie außerdem mal auf die Säume von Sachen, die Sie in einem der typischen Läden einer deutschen Fußgängerzone erworben haben. Sind die etwa alle gerade? Na also. Die eigene Kreativität wieder zu entdecken – sei es beim Filzen, Schmuckherstellen oder Stricken – das tut nicht vor allem Büchermenschen gut, die sonst immer nur lesen oder mit krummem Rücken über ihrer Computertastatur kauern. Lassen Sie sich hier inspirieren!


(geschrieben von Matthias Stöbener)

17.05.2009, 20.31 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Handarbeit, Stricken, Häkeln, Nähen,

Rettet die Eselsohren!

LesezeichenKürzlich stöberte ich in einer Buchhandlung in den Neuerscheinungen: Das kann bei mir durchaus mal eine geschlagene Stunde dauern, denn ich liebe es, ein neues Buch aufzuschlagen, sein „Aroma“ zu riechen, ein paar Zeilen zu überfliegen… Doch dieses Mal wurde ich schon nach ein paar Minuten gestört: Eine andere Kundin erkundigte nach den neuen E-Book-Readern. Also Geräten, die es erlauben, elektronische Bücher zu „lesen“.

Die wissbegierige Frau fragte dem Buchhändler Löcher in den Bauch: Ist es möglich, seine eigenen Lesezeichen in die Seiten zu „falten“, mit einem Marker oder Bleistift, je nachdem, was man gerade zur Hand hat, Passagen zu markieren, kann man vorne eine persönliche Widmung in das E-Book hineinschreiben, wenn man es als Geschenk überreicht?

Ich gesellte mich zu dem Verkäufer, der sich wirklich Mühe gab, der Kundin die Vorteile des E-Book-Geräts zu erläutern: Ja, man könne Passagen markieren, man könne auch elektronische Lesezeichen setzen, sogar eine Widmung wäre machbar.

Ich runzelte die Stirn: Elektronische Lesezeichen? Keine schönen Knicks mehr in den Seitenecken? Ich will mein Buch mit in die Badewanne oder an den Strand nehmen, ich will Kaffee drauf vergießen können, ohne dass mir der Prozessor durchqualmt, ich will handschriftlich meine Gedanken dazukritzeln, ich will mein geliebtes Buch mit all jenen Gebrauchsspuren verleihen können. Denn das verbindet, gibt Aufschluss über die Seele des Lesenden.

Einmal, es ist Jahre her, lieh mir eine Freundin „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“. Viele Seiten waren von Tränenspuren gezeichnet. Ich habe sie nie darauf angesprochen, aber ich las dieses Buch mit ihren Augen, empfand ihre Emotionen.


(geschrieben von Matthias Stöbener) 

11.05.2009, 08.52 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Eselsohren, E-Books, E-Book-Geräte, E-Book-Reader,

Mode-Models etc.

Die Bewerberinnen um den Titel „Germany’s Next Topmodel“. Sie laufen und laufen und laufen. Und manchmal sieht das auch schon ganz gut aus, wenn die Mädchen über den Laufsteg kommen. Meist natürlich noch nicht so. Da fehlt dann doch der Feinschliff und es wird eher gestakst, getrampelt oder unsicher geschlichen. Jedenfalls noch nicht elegant und souverän geschwebt.

Egal – die Quote ist gut, wenn Heidi Klum und ihre Mitstreiter aus dem Modebusiness die Mädels mit kritischem Blick beurteilen, sie loben oder wieder nach Hause schicken, wo sie dann (hoffentlich!) wieder zur Schule gehen oder was Gescheites lernen.

Natürlich ist auch in der momentanen Staffel wieder der zu erwartende Zickenterror Teil des Konzepts, was die Zuschauerin – ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass ein Großteil der Quote Damen zu verdanken ist – vor dem Fernsehgerät halten soll, wenn das ganze Posen und Rumstaksen und In-die-Kamera-lächeln doch mal etwas fad werden sollte. Es gibt immer eine, die rumstänkert und allen auf den Wecker fällt. Mal sehen, wie weit die Nervensäge es diesmal schafft… Da kann man schon mal fast vergessen, dass es irgendwie auch um Mode geht.

Für mich ist die Grundfrage, wenn ich mal zufällig per Zappen in die Sendung gerate: Schaffen es die Girls, einen Look zu verkörpern oder sind sie nicht viel mehr als dröge Kleiderständer? Schon recht interessant, wie unterschiedlich die Mädchen rüberkommen …

Mode war und ist in jeder Kultur eine wichtige Angelegenheit; sie ist gar nicht das oberflächliche Thema, wie man oft denkt. Wer sich mit der Geschichte der Mode beschäftigt, sieht auch den Spiegel der jeweiligen Gesellschaft mit all ihren Normen, Zwängen und Möglichkeiten vor sich. Stile und Materialien der Kleidung sagten schon immer viel darüber aus, wen man vor sich hat. Falls Sie also Lust haben, sich mit der Entwicklung der Mode oder mit dem Werk eines einzelnen Modeschöpfers zu beschäftigen, haben wir Passendes für Sie im Angebot!


xtreme-fashion  armani 
http://www.jokers.at/3/14430388-2/buch/mode.html
http://www.jokers.at/3/14706474-1/buch/xtreme-fashion.html
http://www.jokers.at/3/15523097-1/buch/armani-backstage.html


(geschrieben von Matthias Stöbener) 

10.05.2009, 11.32 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Mode, Armani, Models,

Das Licht bringt es an den Tag

HeimwerkenEben freuen wir uns darüber, dass es wieder länger hell ist. Dass diese längere Helligkeit auch einen ganz gewaltigen Haken hat, darüber spricht niemand. In meiner lichtdurchfluteten Wohnung kann ich jetzt leider wieder sehen, was da so alles im Argen liegt. Die Parkett-Fußleisten beginnen sich hier und da zu lösen, Bücherregale biegen sich, was nach neuen Regalböden schreit. Unser Balkon sieht nicht wie der ursprünglich geplante mediterrane Traum aus, die Wohnzimmerwände könnten auch mal wieder einen Anstrich gebrauchen, vom klassischen Topos des tropfenden Wasserhahns in der Küche ganz zu schweigen.

Nun bin ich ja aber nicht Handwerker geworden, sondern habe aus gutem Grund einen Beruf mit Büchern gewählt, was ich nicht müde werde zu Hause zu verkünden. Dennoch spüre auch ich in diesen Frühlingstagen das Bedürfnis, mit eigenen Händen etwas (hoffentlich) Sinnvolles zu tun, zu schleifen und zu hobeln, zu spachteln und zu hämmern. Die wirklich entscheidenden Dinge überlasse ich zwar nach wie vor den Profis (dafür ist mir der häusliche Frieden zu viel wert). Aber an Kleinigkeiten und Verschönerungsarbeiten wage ich mich, denn Spaß macht es ja schon irgendwie! Und es macht auch stolz, wenn man abends sieht, was man tagsüber heimwerkerisch geleistet hat. Wer schon einmal einen Kabelschlitz gestemmt oder Großvaters alten Tisch abgeschliffen hat, weiß, wovon ich rede.

Wertvolle Hinweise von Fachleuten sind da für eher selten werkelnde Freizeithandwerker wie mich von unschätzbarem Wert. Legen Sie sich ein Buch mit Tipps und Tricks also möglichst vor Beginn größerer Frühjahrs-Heimwerker-Aktionen zu…


(geschrieben von Matthias Stöbener)

10.05.2009, 11.13 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Heimwerken, Licht, Frühling, Verschönerungsarbeiten,

Parkinson bald heilbar?

Jetzt bei JokersVerblüfft las ich einen Bericht, der in dem Fachmagazin CELL (2009: 136: 964-977) erschien. Demnach ist es dem Forscher Rudolf Jaenisch vom Whitehead Institute for Biomedical Research in Cambridge im US-Staat Massachusetts und seinem Kollegenteam erstmalig geglückt, dopaminerge Neuronen aus Hautzellen zu bilden. Morbus Parkinson ist eine degenerative Krankheit, bei der Neuronen, die Dopamin zur Kommunikation mit anderen Nervenzellen benutzen, in den Basalganglien ausfallen. So wird u. a. der Parkison-typische Tremor ausgelöst.

Seit vielen Jahren bemühen sich Wissenschaftler auf der ganzen Welt um Methoden, die Funktion der dopaminergen Neuronen wiederherzustellen. Es gibt inzwischen Medikamente, die dem Körper von außen L-Dopa, die Vorstufe des Dopamin, zuführen und so dafür sorgen, dass der Dopaminhaushalt im Gehirn angehoben wird. Doch der Traum der Mediziner ist es, dopaminerge Neuronen „wiederherstellen“ zu können. Die Stammzellenforschung bemüht sich seit geraumer Zeit, vor allem aus den Stammzellen, die aus abgetriebenen Embryonen gewonnen werden, dopaminerge Nervenzellen zu produzieren. Denn Stammzellen besitzen als einzige Zellen die Fähigkeit, sich in jede x-beliebige Nervenzellen zu verwandeln. Doch dabei besteht immer die Gefahr, dass diese fremden Zellen vom Empfängerorganismus abgestoßen werden.

Der große Durchbruch gelang nun, als aus Hautzellen von Parkinson-Patienten dopaminerge Nervenzellen erschaffen werden konnten. Das funktionierte dadurch, dass die Fibroplasten der Patienten mit vier Genen ausgestattet wurden, die sie in den Zustand einer induzierten pluripotenten Stammzelle (iPS) brachten. Diese iPS können nun in dopaminerge Neuronen ausdifferenziert werden.

Natürlich wird es noch ein langer Weg sein, der auch zahlreiche Tierversuche bedeutet, bis tatsächlich Parkinson-Patienten geheilt werden können. Und dennoch: Der erste Schritt ist getan. Das Forscherteam um Jaenisch musste nicht einmal die gefürchteten Viren als Gentransporter benutzen. Wenn Sie mehr über Morbus Parkinson und ähnliche Erkrankungen wissen möchten: HIER haben wir medizinische Literatur für Sie zusammengestellt.


(geschrieben von Matthias Stöbener) 

10.05.2009, 08.13 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: In der Presse | Tags: Morbus Parkinson, Rudolf Jaenisch, dopaminerge Neuronen,

Einfache, aber kunstvolle irische Geschichten

DublinerWie oft ich „Dubliner“ von James Joyce schon gelesen habe? Schon öfter als viele meiner anderen Bücher jedenfalls. Jeder, der beim Namen James Joyce zusammenzuckt, kann sich entspannen. Es geht hier nicht um „Ulysses“ oder „Finnegan’s Wake“ – diese Werke gelten als schwierig und anstrengend und stehen auch in meinem Bücherregal nur teilweise gelesen herum.

Keine Sorge, „Dubliner“ ist völlig anders. Die Sammlung von 15 Kurzgeschichten des irischen Schriftstellers ist weder kompliziert noch überintellektuell, sondern zeichnet das Bild des unteren und mittleren Dubliner Bürgertums in einfachen, aber kunstvollen Geschichten. Diese Geschichten sind chronologisch geordnet, sie beginnen in der Kindheit, einige handeln von der frühen Erwachsenenzeit, schließlich endet die Sammlung mit der Erzählung „Die Toten“ – diese hat John Huston 1987 verfilmt, der Film war für einen Oscar nominiert.

Man trifft in Joyces Kurzgeschichten auf ein junges Mädchen, das die geplante Flucht mit dem Geliebten aus lauter Angst doch nicht antritt, den zum ersten Mal verliebten Jungen und die einsame alte Jungfer ebenso wie eine durchtriebene Pensionswirtin und frustrierte ältere Männer, die sich fragen, ob ihr Leben so läuft, wie sie es sich gewünscht hatten. James Joyce zeichnet die Figuren seiner Heimatstadt realistisch und klar, er zeigt, wie sie sich etwas vormachen, vor sich selbst davonlaufen und sich in ausweglose Situationen manövrieren.

Zunächst wirken die Erzählungen fast banal, doch was beim Lesen kaum auffällt ist, dass jede Geschichte komplett durchkomponiert, strukturiert und fast unmerklich von Motiven durchzogen ist. Auch wenn Joyce vermeintlich typisch irische Verhaltensweisen darstellt und karikiert, zeigt sich in seinen Kurzgeschichten immer auch das Allgemeingültige.

Geschrieben wurde der Geschichten-Zyklus zwischen 1904 und 1907, und die Themen sind nach wie vor aktuell: Lebenslügen, Geldsorgen und Träume von einer besseren Existenz. Klingt doch wieder joyce-mäßig anstrengend? Nein, „Dubliner“ ist einfach ein Meisterwerk und zwar eines, das den Vorteil hat, dass man es genießen kann, ohne sich einen Knoten ins Hirn zu lesen.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

30.04.2009, 14.25 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Kurzgeschichten, James Joyce,

Eine ungewohnte Sicht der Dinge

Eine völlig neue Perspektive eröffnete mir neulich ein Geschenk meiner Schwägerin. Sie hatte mir zu Weihnachten „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak geschenkt, ein Buch, das lange auf seinen Einsatz warten musste. Meine Schwägerin hatte gemeint: „Du wirst es lieben!“ Uns so schlug ich das 580-Seiten-Werk dieser Tage auf und stand ab der ersten Seite in seinem Bann.

Ich bin nach Kräften bemüht, dieser ganzen Angelegenheit eine fröhliche Seite zu verleihen, aber die meisten Menschen haben einen tief sitzenden Widerwillen, der es ihnen unmöglich macht, mir zu glauben, so sehr ich auch versuche, sie davon zu überzeugen. Bitte glaubt mir: Ich kann wirklich fröhlich sein.“ So lässt sich der Tod in dem Buch vernehmen. Dennoch ist „Die Bücherdiebin“ alles andere als düster, sondern richtig amüsant, wie ich finde.

Das Buch beginnt im Jahr 1939, als Liesel Meminger gerade mal neun Jahre alt ist. Der Tod begegnet dem Mädchen zum ersten Mal, als Liesels kleiner Bruder stirbt. Seit dem ersten Anblick ist er von ihr fasziniert. Er begleitet ihren schweren Lebensweg durch die Nazizeit und beobachtet dabei immer wieder, wie Liesel ihre Liebe zu Büchern lebt. Aus Mangel an Geld stiehlt das Mädchen Bücher, wo sie sie findet. Der Tod begleitet Liesel staunend und mit viel Liebe zu den Wirrungen des Lebens bis zu ihrem Ende im hohen Alter und spricht sie schließlich auf ihre eigene Autobiographie an.

Dank der Leichtigkeit seiner Worte, der bildhaften Sprache und der augenzwinkernden Ironie Zusaks schmelzen die Seiten der „Bücherdiebin“ beim Lesen schnell dahin. Empfehlenswert!

(geschrieben von Matthias Stöbener)

30.04.2009, 09.27 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Die Bücherdiebin, Tod, Markus Zusak,

Grusel, Tragik, Spannung

Die SchmetterlingsfrauMit manchen Autoren geht es mir wie mit Bands, die ich immer wieder höre. Ich sammle ihre Werke wie Briefmarken, stöbere immer wieder darin herum, zitiere zu manchen Gelegenheiten daraus und freue mich wie ein Kind auf ihr nächstes Werk.

Eine dieser Autorinnen ist die Schwedin Marie Hermanson. Schon mit dem ersten Buch, das ich vor einigen Jahren von ihr las, fing ich Feuer. „Die Schmetterlingsfrau“ erzählt die Geschichte einer jungen, einsamen Frau, die im Dschungel von Borneo etwas ins Bein sticht. Zurück in der Heimat erfährt sie, dass in der Stichstelle ein seltener Schmetterling heranwächst. Prompt nimmt sie ein Schmetterlingsforscher unter seine Fittiche und hält sie in einer Art Gewächshaus, als wäre sie selbst eine seltene Tierart. Doch plötzlich bekommt sie Zweifel: Das, was in ihrem Bein so juckt und krabbelt, sind das wirklich Schmetterlinge?

Eine Mischung aus Grusel, Spannung, Tragik und Atmosphäre durchzieht ihr gesamtes Werk. Auch „Der Mann unter der Treppe“ und „Muschelstrand“ sind ungewöhnliche Geschichten um das Leben, die Liebe und die Grausamkeiten des Alltags.

Sie können sich vielleicht vorstellen, wie ich mich freute, als ich kürzlich ihr neuestes Buch „Pilze für Madeleine“ in der Hand hielt. Es handelt von Holger Haglund, dem „Pilzkönig“, der in seinen berühmten Seminaren Frauenherzen dahin schmelzen lässt. Er verliebt sich in Madeleine. Doch auch sein Sohn hat ein Auge auf die reiche Schlossbesitzerin geworfen. Es kommt zum großen Gerangel um die Schöne, wobei Holgers Pilzsammlung eine tragende Rolle spielen wird … Was sich auf den ersten Blick ein bisschen nach Ingrid anhört, ist sicher wieder ein Meisterwerk aus Hermansons Hand. Ich bin auf jeden Fall schon sehr gespannt.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

30.04.2009, 09.15 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Marie Hermanson, Die Schmetterlingsfrau, Pilze für Madeleine,

Kinder der Nacht

Classic Vampire StoriesDie letzten Ferien hier in Bayern sind gerade ein paar Tage vorbei. Da  sollte man ja eigentlich erwarten, dass Schüler wie Lehrer nun gleichermaßen erholt in den Alltag starten, aber weit gefehlt: Meine Schwester, die Englisch an einem Gymnasium unterrichtet, und meine Nichte in der 5. Klasse sind beide richtig, richtig geschafft von der freien Woche. Nicht etwa, weil sie so oft auf Karnevalsfeiern gewesen wären, nein: Beide hat der Vampir-Virus erwischt.

„2.500 Seiten habe ich gelesen, ich bin sooo müde, ich habe nie vor halb 2 Uhr geschlafen“, klagt mir meine Schwester ihr Leid, und meine kleine Nichte schaut auch ziemlich übermüdet aus der Wäsche. Auf stolze 500 Seiten hat es das junge Fräulein gebracht. Was mich dabei so überrascht, ist, dass Mutter wie Tochter zur Zeit dem selben Thema verfallen sind: Vampirgeschichten.

Auf meine Frage, ob sie nicht Arbeiten hätte korrigieren müssen, erwidert meine Schwester schlau, dass sie durchaus mit ihrer Lektüre etwas zur Vorbereitung auf das weitere Schuljahr getan hätte. Zum einen, weil Vampir-Geschichten gerade der Hit bei Kindern und Jugendlichen sind (man muss ja auf dem Laufenden bleiben!) und zum anderen, weil sie zahlreiche der Stories auf Englisch gelesen hat. Und das trägt ja zur Weiterbildung in ihrem Unterrichtsfach bei!

Ich schmunzle und stimme ihr zu. Was ich nicht erzähle: Dass ich selbst ein paar Kurzgeschichten in „Children of the Night: Classic Vampire Stories“ gelesen habe – ohne eine Ausrede zu haben.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

30.04.2009, 08.35 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Englische Bücher | Tags: Vampire

Kommt die Lunchbox zurück?

FruehstueckIch hatte mir geschworen, so gut wie nichts zum Thema Krise zu schreiben. Aber nun habe ich in der Zeitung etwas zu diesem allgegenwärtigen Thema gelesen, das mich nicht zum sofortigen Umblättern bewegt hat. Der Artikel beschreibt eine Mittagspause in England.

Die Briten sind ja seit jeher für ihre Exzentrik bekannt, das macht sie für mich so sympathisch. Sie möchten mit ihren Gefühlen anderen Menschen keinesfalls zu nahe treten und sind zugleich ungeheuer pragmatisch. Dies lässt sich nun in Zeiten der Finanzkrise offenbar wieder trefflich beobachten, wie der Zeitungsartikel zeigt.

Der in London lebende deutsche Autor des Textes hatte sich mehrfach einen Korb geholt, als er mit seinen englischen Kollegen mittags etwas essen gehen wollte. Und das bei den höflichen Briten! Das verwunderte ihn dann doch. Er bekam nach einer Weile heraus, dass das tägliche Mittagessen seinen Kollegen schlicht zu teuer geworden ist – dank Finanzkrise, die viele Dinge des Lebens in der sowieso schon extrem teuren Stadt London fast unerschwinglich macht. Dass dies den Engländern peinlich war, kann man sich vorstellen. Doch wie der Autor sah, hatte man inzwischen aus der Not eine Tugend gemacht: Auf den Schreibtischen der Kollegen fanden sich nun die guten alten Lunchboxen wieder. Belegte Brote mit Frischkäse, Gurkenscheiben und Tomaten statt überteuerter Edel-Häppchen im hippen Stehimbiss.

Ok, es fehlt natürlich der mittägliche kleine Spaziergang, plaudern lässt es sich auch besser auswärts und immer diese Brösel in der Tastatur, das ist natürlich auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber gesünder und leckerer ist wahrscheinlich allemal. Man kann nach eigenem Gusto mit verschiedensten Zutaten experimentieren und die Zutaten sind immer frisch. Preiswerter natürlich auch, das war ja schließlich der Auslöser des aktuellen Mach-dein-Brot-selbst-Booms in der britischen Hauptstadt.

Inzwischen gibt es die praktischen Boxen für das von zu Hause mitgebrachte Essen dort wieder allerorts zu kaufen. Ob dieser Trend auch bis zu uns nach Deutschland schwappt? Ich möchte Ihnen zwar nicht raten, die liebgewordene Mittagspause mit den Kollegen ständig zugunsten von selbst geschmierten Schnittchen ausfallen zu lassen. Aber darüber nachdenken ist ja erlaubt. Sie könnten etwas Gesundes zu sich nehmen und gleichzeitig bei Jokers stöbern. Oder den Jokers Blog lesen. Das klingt doch auch nicht schlecht, oder?

Feine Ideen für Frühstück und gesunde Snacks finden Sie hier:

Rezeptideen zum Frühstück


Die 100 besten Snacks

Übrigens auch noch günstiger als ein durchschnittliches Mittagessen!

(geschrieben von Matthias Stöbener)

30.04.2009, 07.00 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches | Tags: Frühstück, Trend,

Nicht nur Engländer sind exzentrisch

016.511.672.jpgIch mag Exzentriker. Sie geben einem eine Vorstellung davon, dass es im Leben noch um andere Dinge geht, als pünktlich die Steuererklärung abzugeben, mit dem Hund zum Tierarzt zu gehen oder abends den Fernseher einzuschalten. Normalerweise denke ich bei Exzentrikern automatisch an die Briten. Die haben ja irgendwie ein Abo auf skurrile Typen und außergewöhnliche Zeitgenossen.

Aber es gibt einen französischen Autor, der mir ebenfalls sofort einfällt, wenn es um Kapriziöses geht, und das ist Marcel Proust. Sehen Sie sich einmal ein Foto des Mannes mit dem umschatteten Blick an: So sehen echte Dandys aus. Ich habe vor längerer Zeit – mit mäßigem Erfolg übrigens – versucht, den ersten Band seiner „Suche nach der verlorenen Zeit“ im Original zu lesen. Es war sehr anstrengend, aber so faszinierend, dass ich mir gleich die deutsche Übersetzung, „In Swanns Welt“, besorgt habe und diese dann mit großem Vergnügen gelesen habe. Man taucht sofort ein in die Welt des gehobenen französischen Bürgertums und in die Erlebnisse des kleinen Jungen, der in Combray seine Welt entdeckt.

Derzeit ist im Münchener Literaturhaus eine Ausstellung über Proust im Spiegel seiner Korrespondenz zu sehen. Ein engagierter Sammler hat sowohl privat wie auch beruflich motivierte Briefe des Franzosen zusammengetragen. Einmal in das Leben dieses faszinierenden Autors zu blicken, der nach dem Tod seiner Mutter fünf Monate in seinem Zimmer verbracht hat, ist auf jeden Fall ein Erlebnis. Dafür müssen Sie aber nicht unbedingt nach München fahren. Bei uns gibt es Marcel Prousts Leben auch zu entdecken.

22.04.2009, 08.34 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Naturwissenschaften | Tags: Marcel Proust, In Swanns Welt, Combray, Dandy, Exzentriker,

Mein Erlebnis mit der

Der anstehende Frühling und die Hoffnung auf warme Sonnentage zum Fahrradfahren trieben mich neulich zur Fahrradwerkstatt um die Ecke. Ich wollte meine verrostete Fahrradkette und die etwas schwächlichen Bremsen wieder auf Vordermann bringen lassen und so frisch und mobil dem Frühling entgegen radeln.

In der Werkstatt angekommen empfing mich der Chefmechaniker mit lapidarem Gruß: "Das macht heute mal unsere neue Kraft!" und zeigte auf den hinteren Teil der Werkstatt. Ich schob mein Rad zu dem geheißenen Ort, wo besagte "Kraft" mich schon erwartete und sich sofort ans Schrauben machte.

"Na, die Kette macht´s auch nicht mehr lang," sprach die "Kraft" und verarztete mein Rad in Sekundenschnelle. Mir blieb kaum Zeit zum Staunen. So flugs ging das. Ich konnte schier nicht erkennen, bei wem ich mich für die Pronto-Hilfe bedanken konnte. Nicht, dass das Namenschild fehlte: Auf der Brust der Mechaniker-"Kraft" stand wohl der Nachname "Huber“. Doch mir machte mehr der Vorname, genauer, das Geschlecht Kopfzerbrechen. Denn ich konnte selbst beim besten Willen nicht sagen, ob es sich bei der eher zarten, aber agilen Gestalt um eine Mechanikerin oder einen Mechaniker handelte.

Meine Unsicherheit wurde weiter gesteigert, als er/sie mich immer deutlicher an Virginia Woolfs "Orlando" erinnerte. Helle Haut und Augen, mittellange Haare, schlanke, aber nicht zerbrechlich wirkende Figur und eine starke, aber nicht unfreundliche Ausstrahlung - mein/e Mechaniker/in und die androgyne Romanfigur, die im Laufe der Geschichte ihr Geschlecht wechselt, schienen sich bis aufs Haar zu gleichen.

All dies machte mich so verlegen, dass ich, an der Kasse angelangt, nicht wusste, wem ich da danken und Trinkgeld hinterlassen durfte. Daheim zog ich gleich den Roman hervor und entschloss mich, die "Kraft" beim nächsten Fahrradproblem einfach nach dem Vornamen zu fragen und damit das peinliche Problem endgültig aus der Welt zu schaffen. Die Fahrradsaison ist ja noch lang.

Mehr zu Virginia Woolf

21.04.2009, 08.23 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Kraft, Fahrrad, Fahrradwerkstatt, Romanfigur, Orlando,

Eine gelungene Überleitung?

Letztes Wochenende gönnten meine Frau und ich mir das, was wir unsere „Movie-Night“ nennen: Jeder von uns sucht einen Film aus, den wir dann zusammen sehen. Die Regel ist, dass sich jeder aussuchen darf, was er will, ohne Rücksicht darauf, ob es dem anderen gefällt oder nicht.

Ich wählte einen Action-Film, meine Frau kam mit „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“. Gemäß unserer Abmachung schwieg meine Frau während des Actionfilms, unterdrückte tapfer ihr Gähnen und schimpfte auch nicht wie sonst manchmal über eine angeblich fehlende Handlung.

Dann legte sie ihren Film ein. In Erwartung eines romantischen Liebes-Desasters biss ich die Zähne zusammen und dachte, dass Filme selten mehr als 1,5 Stunden Laufzeit haben. Doch schon nach 5 Minuten wünschte ich mir, der Streifen würde ewig dauern. Im Handumdrehen tauchte ich in die Welt des Robert Zimmermann ein, der, natürlich (!), seine Probleme mit der Liebe hatte – aber auf eine ganz und gar eigene, mitreißende Art. Na ja, Zimmermann hat ja gewissermaßen Bob Dylan als Namensvetter. Der hieß nämlich ursprünglich Robert Allen Zimmerman. Geboren wurde am 24. Mai 1941 in Duluth, Minnesota. Bob Dylan beeinflusste Generationen von Musikern und Fans mit seinen Texten und Songs. Seine Autobiografie haben wir nun im Angebot.

Das war doch jetzt mal eine gelungene Überleitung zum Verkaufen, oder?

http://www.jokers.at/3/15623049-1/buch/chronicles.html?wea=1253014

21.04.2009, 08.16 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kunst | Tags: Bob Dylan, Actionfilm, Movie-Night, Robert Allen Zimmerman,

Verlosung: 5.000 Euro sind zu gewinnen!

Dieses Jahr feiern wir unseren zehnten Geburtstag. Deshalb verlosen wir unter allen Gratulanten, die auf www.jokers-spiele.at einen gefilmten Glückwunsch einreichen, insgesamt 5.000 Euro! Bei den Gratulations-Filmen sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: Ob lustig, frech oder verrückt – drehen Sie Ihren ganz persönlichen Glückwunsch-Film zu Jokers zehntem Geburtstag und stellen Sie ihn auf einem der bekannten Video-Portale ins Internet ein. Sobald Ihr Film dort veröffentlicht ist, können Sie Ihre Bewerbung um den Titel des originellsten Gratulanten unter www.jokers-spiele.at einreichen. Hier finden Sie auch alle weiteren Informationen zu diesem Gewinnspiel.

Eine Jury wählt aus allen Geburtstagsfilmen, die bis spätestens 30. April 2009 in eines der bekannten Video-Portale eingestellt werden, die zehn originellsten aus und prämiert sie mit je 500 Euro.

So einfach geht’s: Glückwunsch-Video drehen, im Internet auf einem der großen Video-Portale einstellen, Bewerbung bei www.jokers-spiele.at einreichen und mit ein bisschen Glück 500 Euro Glückwunsch-Prämie gewinnen.

Jokers drückt die Daumen!

BLW 14.04.2009, 08.06 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Geburtstagsfilm, Jokers, Video drehen, Gewinnspiel, Glückwunsch-Film,

Heinz, der kleine Anarchist

Heiz ErhardtDer Comedian Mario Barth füllt riesige Hallen, Atze Schröder hat einen lustigen Ruhrpottakzent, Anke Engelke lässt es als Lady richtig krachen und Hape Kerkeling ist ein großer Unterhaltungs-Könner. Nichts gegen die Herrschaften einzuwenden, die sind alle auf ihre Art sehr komisch.

Tief in meinem Innersten habe ich jedoch schon immer eine ganz und gar uncoole Vorliebe für Heinz Erhardt. Jetzt, da er anlässlich seines 100. Geburtstags wieder überall zu sehen und zu hören war, wirkt das vielleicht nicht ganz so seltsam, aber im Normalfall wird man – so man sich zu dieser Humorvorliebe bekennt – doch eher belächelt.

Auf viele wirkt Heinz Erhardt mit seinem bärenhaft-drolligen Äußeren und seinen ulkigen Wortspielereien einfach furchtbar altmodisch und betulich. Aber diese unnachahmlichen Wort- und Satzverdrehungen, das virtuose Spielen mit der Sprache in Verbindung mit seinem tölpelhaften Charme – ich fand das immer äußerst liebenswert. Außerdem blitzt hinter den oberflächlich betrachtet putzigen Gedichten oft eine gehörige Portion anarchischer Witz hervor. Das vermutet man zunächst gar nicht, wenn man den pausbäckigen Brillenträger in der bundesrepublikanischen Wirtschaftswunderwelt der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts herumkaspern sieht. Vielleicht macht gerade das den Reiz für mich aus: Heinz Erhardt steht für eine ganz andere Welt als unsere, alles an ihm ist langsamer, bedächtiger, aber trotzdem nach wie vor witzig und treffsicher.

Der in Riga geborene Komiker studierte Klavier und Komposition in Leipzig und kam dann über seine Tätigkeit als Radiomoderator in die Öffentlichkeit. Zum Glück, finde ich, denn er gehört unbestritten zu den besten deutschen Komikern. Heinz Erhardt bringt uns immer noch zum Lachen und ist ein absolutes Original.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

12.04.2009, 21.21 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln | Tags: Heinz Erhardt

Suppen sind eckig

Welche Form hat für Sie Champignoncremesuppe? Bestimmt sagen Sie jetzt „flüssig“. Doch für manche Menschen ist Champignoncremesuppe nicht einfach nur flüssig, sondern vor allem rund und je nach Würze mit harten Spitzen. Oder nehmen wir den Namen Reinhard. Welche Farbe hat er für Sie? Braun? Oder vielleicht doch Nachtblau?

Das Phänomen, Formen und Farben mit ungewohnten Dingen zu verknüpfen, nennt man Synästhesie, habe ich gerade gelernt. Derzeit bekanntestes Beispiel dafür ist Daniel Tammet. In seinem Buch „Wolkenspringer – von einem genialen Autisten lernen“ schildert der Brite, der seit Geburt unter dem Asperger-Syndrom, einer leichten Form des Autismus, leidet, wie er in wenigen Tagen Fremdsprachen perfekt sprechen lernt und sich endlose Zahlenkolonnen merken kann. Wenn er sich etwa die Kreiszahl Pi bis auf die 22.514te Stelle merkt, erfasst der 30-Jährige die Dinge intuitiv und sucht nach eigenen logischen Regeln.

Um Deutsch zu lernen, brauchte der so genannte Savant oder „Inselbegabte“ knapp eine Woche. Dabei entdeckte er, dass viele langen, dünnen Gegenstände im Deutschen mit „Str“ beginnen. Zum Beispiel Straße, Strahlen oder Strumpf. Kleine runde Dinge hingegen beginnen gern mit den Buchstaben „Kn“, wie etwa Knopf, Knolle oder Knospe. Das Besondere an der Synästhesie liegt im vernetzten Denken. Menschen wie Tammet denken nicht in isolierten Kategorien, sondern verbinden Informationen mit verschiedenen Regionen im Gehirn. So kommt es, dass Geschmacksrichtungen plötzlich Formen annehmen oder Wörter und Zahlen Farben.

Im Kindesalter sind die Anlagen zur Vermischung von Sinneseindrücken bei den meisten Menschen noch erhalten. Doch sie werden im Laufe des Lebens systematisch abtrainiert, zu Gunsten des logischen Verstandes. Eigentlich schade, wie ich finde.

(geschrieben von Matthias Stöbener) 

12.04.2009, 10.53 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches | Tags: Inselbegabte, Synästhesie,

Fragen und Antworten zu Thomas Mann

Thomas MannSchon früher hatte ich mir die Frage gestellt, wer Thomas Mann als Privatmensch, als Vater war? Entlang dieser Frage habe ich mich auch mit Golo Mann, einem seiner Söhne, beschäftigt. Er ist mit seinen Werken über die Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (1958) und Wallenstein (1971) bekannt geworden. Den Wallenstein habe ich vor vielen, vielen Jahren mal begonnen zu lesen, doch irgendwann brach ich ab. Die drei Bände harren immer noch ihres Lesers.

Am 27. März 1909 wurde Golo in München geboren. Somit würde er diesen Monat seinen 100. Geburtstag feiern! Golo Mann verstarb nach einem bewegten Leben am 07. April 1994 in Leverkusen. Bereits im Jahre 1933 emigrierte er mit seiner Familie nach Frankreich, um von dort 1940 in die USA zu fliehen. Ab 1943 war er amerikanischer Staatsbürger und trat in die Army ein, im April 1944 ging er als Radio-Kommentator nach London. Dort arbeitete er für die deutschsprachige Abteilung der American Broadcasting Station in Europe. Im Frühjahr 1946 verließ er die Army und begann sich historischen Studien zu widmen.

Wie war es für Golo Mann, einen Vater zu haben, der wohl latent homosexuell veranlagt war? Wie war es, einen Vater zu haben, der im französischen Exil eine Depression durchzustehen hatte? Wie war er, der berühmte Autor Thomas Mann, wenn er nicht im Rampenlicht stand? Die beiden Audio-CDs „49 Fragen und Antworten zu Thomas Mann“ haben mir die eine oder andere Antwort auf meine Fragen gegeben.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

12.04.2009, 07.53 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Thomas Mann, Hörbuch,

Eine Horizonterweiterung

„Slumdog Millionär“ – dieser Film über einen Slumbewohner, der den Millionenjackpot in der indischen Ausgabe der Sendung „Wer wird Millionär?“ knackt, hat in diesem Jahr acht Oscars bekommen. Jetzt läuft er auch bei uns in den Kinos. Nun bin ich zwar begeisterter Kinogänger, aber von Filmen, die in Indien spielen, halte ich mich im Allgemeinen sehr, sehr fern.

Auch wenn das mit Sicherheit ein Vorurteil ist, denke ich da nämlich sofort an Bollywood – und das ist mir alles zu bunt, zu süß, zu laut und hat für meinen Geschmack entschieden zu viele Tanzszenen. Aber „Slumdog Millionär“ ist ja trotz einiger Anleihen bei diesem auch bei uns populären Genre kein Schmachtfetzen. Und der britische Regisseur Danny Boyle zeichnet immerhin für den grandiosen Film „Trainspotting“ verantwortlich, so dass ich mir den in Indien gedrehten „Slumdog Millionär“ sicherlich ansehen werde.

Der Film handelt von einem Tag im Leben eines früheren Straßenjungen aus Mumbai, den 18jährigen Jamal Malik, der die Chance hat, 20 Millionen Rupien in einer Quizshow zu gewinnen. Der Moderator dieser Show, also quasi der indische Günther Jauch, hält Jamal aufgrund seiner Herkunft für einen Betrüger und benachrichtigt die Polizei. Der zuständige Kommissar jedoch lässt sich von dem Jungen sein Leben erzählen, wobei diese Rückblenden darüber Aufschluss geben, warum Jamal die richtigen Antworten auf alle Fragen parat hat. Dass der junge Quizshow-Teilnehmer außerdem seine verloren geglaubte große Liebe wieder findet, trägt sicher manches zu einem gelungenen Kinoabend dazu.

Vielleicht geht es Ihnen wie mir und Sie haben die indische Literatur und die Vielfalt des Subkontinents bislang auch sträflich wenig beachtet. Horizonterweiterung kann ja nie schaden, also nehmen Sie doch diesen Film als Anlass, um sich einmal mit der Jahrtausende alten Kultur Indiens zu beschäftigen, sei es durch einen Bildband über die prachtvollen Baudenkmäler des Landes oder einen Roman der auch hierzulande bekannten Schriftstellerin Arundhati Roy.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.03.2009, 17.35 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: slumdog millionär, Indien, Arundhati Roy,

Welttag der Poesie

An den „Stellenwert der Poesie, an die Vielfalt des Kulturguts Sprache und an die Bedeutung mündlicher Traditionen“ wird seit 2000 am 21. März jedes Jahr erinnert. Die Unesco hat diesen Tag, der für uns Literatur-Liebhaber eine besondere Bedeutung hat, „eingerichtet“. Uns von Jokers war dieser spezielle Tag Anlass genug, unseren großen Lyrikpreis auszuschreiben. Noch bis zum 31. März haben Sie Zeit, Ihr eigenes Gedicht einzureichen. Als Siegerpreis winken 2.000 Euro! Dazu gibt es weitere Preise im Wert von ca. 5.000 Euro!

Und weil es so gut in diese Jahreszeit und zu meiner momentanen Gefühlslage passt, möchte ich Ihnen ein Gedicht für die Zeit zwischen Winter und Frühling, zwischen Bangen und Hoffen, zwischen Sehnsucht und Erfüllung vorstellen. Gedichtet von Hugo von Hofmannsthal.

Es läuft der Frühlingswind
durch kahle Alleen,
seltsame Dinge sind
in seinem Wehn.

Er hat sich gewiegt,
wo weinen war,
und hat sich geschmiegt
in zerrüttetes Haar.

Er schüttelte nieder
Akazienblüten
und kühlte die Glieder,
die atmend glühten.

Lippen im Lachen
hat er berührt,
die weichen und wachen
Fluren durchspürt.

Er glitt durch die Flöte
als schluchzender Schrei,
an dämmernder Röte
flog er vorbei.

Er flog mit Schweigen
durch flüsternde Zimmer
und löschte im Neigen
der Ampel Schimmer.

Es läuft der Frühlingswind
durch kahle Alleen,
seltsame Dinge sind
in seinem Wehn.

Durch die glatten
kahlen Alleen
treibt sein Wehn
blasse Schatten

Und den Duft
den er gebracht,
von wo er gekommen
seit gestern Nacht.





(geschrieben von Matthias Stöbener) 

31.03.2009, 13.41 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Hugo von Hofmannsthal, Frühling, Welttag der Poesie,

Deutsch in einer Woche

griechischHaben Sie in der letzten Zeit auch in den Medien diesen schüchternen jungen Mann gesehen? Der hinter seinen Brillengläsern so nett und normal aussieht, aber einer der wenigen Ausnahmegenies der Welt ist?

Daniel Tammet heißt er und hat mich unglaublich beeindruckt. Weniger mit dem Können, die Zahl Pi bis sonst wohin rezitieren zu können – das ist so dermaßen jenseits meines Vorstellungsvermögens und meiner Lebenswelt, damit kann ich recht wenig anfangen –, sondern mit seiner offenkundigen Fähigkeit, binnen kürzester Zeit eine ihm bis dahin fremde Sprache zu erlernen und zwar nicht auf dem unteren Touristen-Niveau.

Daniel Tammet saß im Fernsehstudio eines deutschen Spätabendunterhalters und wurde zu seinen Begabungen interviewt, er antwortete auf Deutsch. Langsam zwar und bedächtig, doch grammatikalisch so korrekt und mit derart präzisem Wortschatz, dass sich viele Muttersprachler davon etwas abschauen könnten. Er hat mit Hilfe einer Sprachtrainerin innerhalb einer Woche soviel Deutsch gelernt, dass er das Gespräch souverän bewältigen konnte. Auch diese Trainerin zeigte sich überwältigt von Tammets Sprachtalent.

Daniel Tammet spricht über zehn Sprachen und hat eine eigene Sprache, das „Mänti“, erfunden. Der junge Brite ist ein „Savant“, besitzt also eine so genannte Inselbegabung. Daniel Tammet hat das Asperger-Syndrom, eine leichte Form des Autismus, eine häufige Wahrnehmungsstörung unter den Inselbegabten. Wie viele Autisten hat auch er Schwierigkeiten im Alltag und liebt die Routine immer wiederkehrender Rituale. All das kann man in seinem aktuellen Buch „Wolkenspringer“ nachlesen. Auf mich machte Daniel Tammet einen sehr freundlichen Eindruck und wirkte deutlich bescheidener und sympathischer als die anderen Talkshow-Gäste aus Politik und Wirtschaft. Und besseres Deutsch sprach er auch …
Selbstverständlich würden Sie mir nicht glauben, dass Sie mit unseren Sprachkursen eine neue Sprache innerhalb einer Woche lernen können. Das verspreche ich Ihnen auch nicht, aber diese Eile muss ja auch gar nicht sein – bis zum Sommerurlaub ist noch genügend Zeit. Hier finden Sie eine Auswahl an Sprachkursen für viele Sprachen.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.03.2009, 12.24 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nachdenkliches

Die weiße Rose

Die Geschwister SchollEs gibt zahlreiche Filme, die den Widerstand im Nationalsozialismus behandeln. Gerade verzeichnete „Operation Walküre“ einen großen Kinoerfolg. Manchmal vergisst man bei so vielen Action-Bildern aus Hollywood, dass hinter dem Leinwandspektakel reale Geschichten stecken: Leidensgeschichten von Menschen, die in ihrem verzweifelten Versuch, Hitlers Regime zu stoppen, ihr Leben ließen.

Die wohl bekanntesten Widerstandskämpfer Bayerns waren die Geschwister Hans und Sophie Scholl. Sie erreichten als Mitglieder und führende Köpfe der Weißen Rose, einer Münchener Studentengruppe, eine traurige Berühmtheit. Während des Zweiten Weltkriegs waren sie im Untergrund-Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv. Mit Flugblättern versuchten sie gegen den Krieg und die Hitler-Diktatur vorzugehen. Und sie gaben ihr Leben in diesem Kampf.

Hans und Sophie Scholl wurden am 18. Februar 1943 beim Auslegen von Flugblättern an der Münchner Universität von dem Hausmeister Jakob Schmid entdeckt und denunziert. Bereits am 22. Februar 1943 hat sie der Volksgerichtshof zum Tod verurteilt. Noch am selben Tag tötete man sie im Gefängnis München-Stadelheim durch die Guillotine.

Michael Verhoeven übernahm die Regie der Verfilmung der „Weißen Rose“: Ohne aufdringliche Hollywood-Kunsteffekte erzählt dieser Film die tragische und doch hoffnungsträchtige Geschichte der Geschwister Scholl.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

22.03.2009, 09.57 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Weiße Rose, Sophie Scholl, Hans Scholl, Widerstand, Volksgerichtshof,

Illustrierte Geschichte der Medizin

Geschichte der MedizinVor kurzem plagte mich eine schwere Erkältung: Mein Hals war entzündet, meine Nase zu, mein Kopf schmerzte. Natürlich war ich damit auch psychisch nicht auf der Höhe. Vor allem meine Frau bekam meine schlechte Laune ab. Ich hatte keine Zeit zum Arzt zu gehen, und wahrscheinlich hätte der mir auch nur irgendwelche Medikamente aufgeschrieben. Also beschloss meine Frau, mich mit alten Hausmittelchen zu kurieren. Sie ließ mir ein heißes Eukalyptusbad ein, braute mir einen Ingwer-Tee und beruhigte meine gereizten Schleimhäute mit einem Kamille-Inhalationsaufguss. Und siehe da: Es wirkte. Ich fühlte mich am nächsten Tag gleich viel besser. Ganz ohne Medikamente. Man braucht also nicht immer die moderne Medizin. Klar: Auch früher überlebten Menschen manche Verletzungen und Krankheiten.

Schon zu Homers Zeiten gab es Darstellungen von Verwundungen und Heilungen. Die Medizin war schon lange vor Christi Geburt eine angesehene Kunst. Noch heute schwören unsere angehenden Ärzte den Eid des Hippokrates. Und das Jahrtausende nach seiner Schaffenszeit! Hippokrates lebte von 460 – 380 v. Chr., durch ihn wurde die Medizin, die schon lange vorher ausgeübt wurde, zur praktischen Kunst. Unter seinem Namen wurden etwa siebzig Bücher verfasst, er war derjenige, der behauptete, dass jede Krankheit organische Ursachen hat. Er schuf die Basis unserer westlichen Medizin. Heute sehen Medizinphilosophen Krankheiten unter etwas anderen Voraussetzungen. Sie sagen, dass organische Schädigungen psychische Ursachen haben können, stellen also Hippokrates in gewisser Weise auf den Kopf.

Für alle, die sich kulturhistorisch über die Entwicklung der Medizin und der ihr zugrunde liegenden Philosophie informieren möchten, haben wir das reich bebilderte Werk „Illustrierte Geschichte der Medizin“ im Angebot. Hier können Sie detailliert nachschlagen, wie jede Epoche mit Grippe und Co. umging.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

22.03.2009, 09.04 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nachdenkliches | Tags: Medizingeschichte, Medizinphilosophie, Hippokrates,

BB

BB111 Jahre wäre diese berühmt-berüchtigte Person dieses Jahr geworden. Ich spreche nicht von Brigitte Bardot, die Rede ist von Augsburgs international bekanntestem Sohn, Bertolt Brecht (wohl gemerkt mit zwei „t“ im Vornamen!). Augsburg versucht mit zahlreichen Führungen und Wanderungen auf seinen Spuren an ihn zu erinnern, doch auch Brecht affine Gruppierungen und Vereine warten mit Veranstaltungen wie Slams, Konzerten etc. auf.

Brecht, der angeblich einmal sagte, das Beste an Augsburg sei der Zug nach München, war nie auf den Mund gefallen. So wird ihm zugeschrieben, schon während seiner Schulzeit äußerst vorlaut gewesen zu sein: „Die Volksschule langweilte mich 4 Jahre. Während meines 9-jährigen Eingewecktseins an einem Augsburger Realgymnasium gelang es mir nicht, meine Lehrer wesentlich zu fördern. Mein Sinn für Muße und Unabhängigkeit wurde von ihnen unermüdlich hervorgehoben.“

Brecht lebte in wirren Zeiten: Er machte das Notabitur, musste zum Sanitätsdienst beim Militär, wurde zum Pazifisten, begann an der LMU in München zu studieren. Und schrieb schon mit zwanzig das Theaterstück „Baal“; am 8. Dezember 1923 wurde es in Leipzig uraufgeführt.

Es gäbe noch viel über ihn zu erzählen, doch am besten ist es, Sie machen sich selbst ein Bild von diesem begnadeten und äußerst auffallendem Mann: Wir haben anlässlich seines 111. Geburtstages viele seiner Werke im Angebot.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

15.03.2009, 17.02 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Bertolt Brecht, Augsburg, Realgymnasium, Baal,

Wo zunehmen nicht schaden kann

Eine andere Art VitamineJedes Frühjahr ist es dasselbe: Meine Frau und ich wälzen Reisekataloge, um unser nächstes Urlaubsziel auszusuchen. Ich bin für einen gemütlichen Strandurlaub, sie würde ganz gerne aktiv werden und zum Beispiel viele Bergtouren machen. Und jedes Jahr neckt sie mich mit dem alten Scherz: Sie kneift mich in den Bauch, der nach den vielen Feiertagen NATÜRLICH ein wenig weicher geworden ist, und schmunzelt: „Na, mit diesem Bäuchlein kannst du dich do eh nicht in eine Badehose zwängen – da fehlt noch viel zur Strandfigur!“

Worauf wir uns dieses Jahr einigen, ist noch nicht raus. Aber das Problem mit der etwas weicheren Taille ist natürlich auch noch nicht gelöst. Also stibitze ich wieder die diversen Frauenmagazine meiner Frau und blättere nach, welches Gemüse die wenigsten Kalorien hat, welche Vitamine gleichzeitig Fett schmelzen lassen und was die einfachste Crash-Diät ist. Ich werde dann auch die eine oder andere Blitz-Magerkur ausprobieren und spätestens am dritten Tag übel gelaunt das Handtuch werfen.

Dann werde ich mich darauf besinnen, dass ich eben keine 20 mehr bin und dass in meinem Alter ein Waschbär- statt einem Waschbrettbauch durchaus auch attraktiv sein kann. Bilde ich mir einfach mal ein. Und dann werde ich mich wieder dem widmen, was mir gut tut und meine Laune gleich um 100 Prozentpunkte steigen lässt: Ich gönne mir philosophische Vitamine. Als Audio-CDs. Denn hier lesen Theo Roos, Elke Heidenreich und Alan Bangs die schönsten Schmankerl und Leckerbissen aus der philosophischen Delikatessenküche der letzten Jahrhunderte. Auf dem Gebiet zunehmen kann nicht schaden. Bon appétit!


(geschrieben von Matthias Stöbener)

15.03.2009, 16.55 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: philosophische Vitamine, Hörbuch, Elke Heidenreich,

Effi Briest lässt mir keine Ruhe

Effi BriestIch muss noch einmal auf „Effi Briest“ zu sprechen kommen. Sie gehört zu meinen Lieblingsromanen, obwohl ich das Fontane-Werk in der Schule lesen musste. Ein junges Mädchen aus guter Familie heiratet den deutlich älteren Baron Innstetten, einen früheren Verehrer ihrer Mutter, und zieht mit ihm in die Provinz nach Hinterpommern. Während er dort als Landrat arbeitet, ist die noch immer kindliche Effi oft allein in ihrem großen Haus, in dem es ihr zu spuken scheint. Nicht wirklich glücklich an der Seite ihres spröden Ehemannes, lässt sie sich auf eine heimliche Affäre mit Major von Crampas ein. Erst Jahre später - die Affäre ist längst vorüber, das Ehepaar Innstetten lebt mit Tochter in Berlin, Effi fühlt sich in der pulsierenden Großstadt endlich wohl – entdeckt Baron Innstetten verräterische Briefe, fordert Crampas zum Duell und tötet ihn dabei. Effi wird von Ehemann und Eltern verstoßen, lebt mit ihrer Haushälterin in einer kleinen Wohnung und darf die Tochter erst nach Jahren wieder sehen. Als sie dabei erkennt, dass sich das Kind völlig von ihr entfremdet hat, schwindet jeglicher Lebensmut. Effi stirbt, wie man so sagt, an gebrochenem Herzen.

Ein Buch, das nicht nur den oft absurden preußischen Ehrenkodex, sondern auch die Männer, die ihn gegen besseres Wissen anwenden, in die Mangel nimmt. So richtig gut kommen wir Männer bei Fontane ja oft nicht weg … Und in „Effi Briest“ bezahlt die Frau mit dem Leben. Vielleicht erschien das der Regisseurin Hermine Huntgeburth nicht mehr zeitgemäß. Jedenfalls kommt Effi in ihrer Neuverfilmung des Stoffes nicht nur mit dem Leben davon, sondern geht emanzipiert und zielstrebig in ihre eigene selbstbestimmte Zukunft. Der Kinofilm ist frisch angelaufen und wie Julia Jentsch (bekannt aus „Die fetten Jahre sind vorbei“ und „Sophie Scholl - Die letzten Tage“) die Effi spielt und Sebastian Koch ihren Ehemann Baron Innstetten, das werde ich mir auf jeden Fall ansehen. Dass Effi Briest nun in einer Leihbücherei arbeitet – nun ja, das ist nichts für Literatur-Puristen, aber schauen wir mal … Pur und garantiert ohne modische Änderungen finden Sie bei uns preiswerte Ausgaben des Originals als Buch und Hörbuch.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

15.03.2009, 16.42 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Effi Briest, Fontane, Instetten, Crampas, Neuverfilmung,

Eine neue Art der Bücherverbrennung?

FeuerDie Zeiten werden rau. Nicht nur auf dem Bankenmarkt, in deutschen Schulen, auf der Straße oder im Dschungelcamp. Nein, auch im Umgang mit Büchern. Und dabei meine ich noch nicht einmal den hart umkämpften Markt der Bestseller. Ich meine den Stellenwert von Büchern an sich.

Wenn es um Bücher geht, die, sagen wir mal, nicht so gelungen sind. Die nach der Lektüre weggelegt werden und bei denen man sich sicher ist, sie nie wieder aufzuschlagen. Selbst Bücher, die man nach wenigen Seiten wieder gelangweilt, entrüstet oder genervt zuschlägt und am liebsten in die Ecke feuert, ja selbst diese Bücher genossen bislang noch eine gewisse Art der Würde und eine Vielzahl an Möglichkeiten der Entsorgung.

Ungeliebte Bücher konnte man verschenken, auf dem Bücherflohmarkt verscherbeln, unter wackelige Tischbeine schieben oder sogar in bestimmten Städten auf geheimnisvolle Buchreisen schicken. Wenn ein Buch trotz allem den Weg in die Mülltonne fand, dann nur verdeckt im Altpapier, verschämt und heimlich.

Das hat sich geändert. Mit Denis Scheck, dem Moderator der Sendung „Druckfrisch“, landen Bücher, die dem 44-Jährigen nicht behagen öffentlich im Müll. Mehr noch: Er untermalt seine Entscheidung mit massiven, teilweise derben Ausdrücken, die man so von seriösen Literaturkritikern nicht gewohnt ist.

Mir persönlich stößt diese neue Art der Literaturkritik sauer auf. Zu sehr erinnert mich Schecks Verhalten Bücherverbrennungen. Literatur ist immer noch, so finde ich, Kunst. Kunst ist aber subjektiv. So wie Meinungen. Wenn die Meinung anderer Menschen öffentlich beschimpft, beleidigt und in den Müll geschmissen wird, dann ist das ein deutliches Alarmsignal, dass irgendetwas nicht mehr stimmt in dieser Gesellschaft.


(geschrieben von Matthias Stöbener) 

15.03.2009, 16.18 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Literaturkritik, Denis Scheck, Druckfrisch,

Ein verstörender Autor

Kafka„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.“ Vor einigen Monaten gab es einen Wettbewerb zum schönsten ersten Satz – für mich gehört der Beginn der Erzählung „Die Verwandlung“ von Franz Kafka unbedingt zu den schönsten ersten Sätzen der deutschsprachigen Literatur.

Der junge Handlungsreisende Samsa hat sich in ein abstoßendes Tier verwandelt, wird von seiner Familie in seinem Zimmer eingesperrt, misshandelt und vernachlässigt. Der Vater bewirft ihn sogar mit Äpfeln. Ein Apfel bleibt in Gregors Rücken stecken und verletzt ihn so stark, dass er schließlich stirbt.

Diese Erzählung ist zweifellos ein Meisterwerk der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts und wohl mit das bekannteste Werk des Prager Schriftstellers. Geschrieben wie ein nüchterner Tatsachenbericht, zeigt „Die Verwandlung“ die Untiefen der menschlichen Psyche in der geschilderten Grausamkeit besonders deutlich. Und als ich zum ersten Mal „In der Strafkolonie“ gelesen habe, hat mir auch diese Lektüre, ich gebe es zu, ganz schön zugesetzt. Kafka erzeugt darin durch die Darstellung eines ausgeklügelten Folterinstruments einen sehr subtilen Horror, der durch seine typisch lakonische Erzählweise noch verstärkt wird. Nichts für schwache Nerven.

Der Schriftsteller war im „normalen Leben“ Jurist in der „Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen“ und schrieb daher oft nachts. Ob das wohl etwas mit seinen Themen zu tun hatte? Natürlich haben sich die Fachleute den Kopf über die Bedeutung des Kafkaschen Kosmos zerbrochen. Selbst ich habe in einer der höheren Schulklassen darüber eine Hausarbeit geschrieben. Kafkas Welt wimmelt von Konflikten, Ausweglosigkeiten und scheinbar sinnlosem Tun. Seine Werke sind verstörend, ja, so möchte ich das sagen. Aber sie sind auch so faszinierend, dass man sich ihrer Wirkung kaum entziehen kann.


(geschrieben von Matthias Stöbener) 

15.03.2009, 12.34 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Kafka, Gregor Samsa, Erzählungen, Strafkolonie,

Effi Briest

Ich gehe gerne ins Kino, wie Sie ja vielleicht schon wissen. Besonders gerne aber schaue ich mir Literaturverfilmungen an. Seit einigen Jahren dürfen wir uns über richtig große Literatur auf den Leinwänden freuen. „Stolz und Vorurteil“ und „Die Buddenbrooks“ sind nur die letzten Beispiele für gelungene Literaturverfilmungen, wie ich finde.

Und jetzt kommt „Effi Briest“! Es soll eine moderne Adaption des Klassikers von Theodor Fontane sein, die auch junges Publikum begeistert, heißt es. Und was bei Fontane noch sein tragisches Ende findet (es waren Zeiten, in denen die aufgesetzte Moral einfach über jede Art von romantischen Gefühlen siegen musste), geht 2009 im Kino besser aus. Obwohl ich denke, dass es ein begnadeter Autor wie Theodor Fontane gar nicht nötig hat, auf „modern“ getrimmt zu werden. Seine Werke unterhalten trotz, oder vielleicht gerade wegen ihres eigentümlichen Stils auf wunderbare Weise:

Frühling

Nun ist er endlich kommen doch
In grünem Knospenschuh;
"Er kam, er kam ja immer noch"
Die Bäume nicken sich's zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,
Nun treiben sie Schuss auf Schuss;
Im Garten der alte Apfelbaum,
Er sträubt sich, aber er muss.

Wohl zögert auch das alte Herz
Und atmet noch nicht frei,
Es bangt und sorgt; "Es ist erst März,
Und März ist noch nicht Mai."

O schüttle ab den schweren Traum
Und die lange Winterruh:
Es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag's auch du.

Ja, es klingt wundersam altertümlich, zugegeben. Das „Frühlingsgedicht“ ist sprachlich heute sicher nicht „cool“. Und doch: Zu seiner Zeit war „Frühling“ eines der trendigsten Gedichte überhaupt. Immerhin lebte Theodor Fontane mitten im 19. Jahrhundert (1819-1898)!

Wer ein wenig stöbern will, hier haben wir allerhand von dem deutschen Dichter zusammengestellt.



(geschrieben von Matthias Stöbener)

15.03.2009, 10.29 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Theodor Fontane, Effi Briest, Frühlingsgedicht,

Darwin-Jubel

2009 ist ein Jahr, das mit Jubiläen nicht geizt. In diesen Tagen wird gerade eines in den Gazetten und Buchläden begangen: Charles Darwins Geburtstag jährt sich zum 200. Mal.

Der englische Naturforscher schuf mit seinem Werk „Die Entstehung der Arten“ das Basisbuch zur Evolutionstheorie. Wer sich mit diesem Grundlagenwerk, dem Leben Darwins oder mit der Evolutionsgeschichte auseinandersetzen möchte, findet Lektüre en masse.

Wirklich abenteuerlich kommt „Darwin. Das Abenteuer des Lebens“ daher, hat doch der Autor Jürgen Neffe die berühmte Reise Charles Darwins, auf der dieser wichtige Erkenntnisse für seine Abstammungstheorien gesammelt hat, wiederholt. So bekommt der Leser eine wissenschaftliche Reportage und einen spannenden Reisebericht in einem – denn die Schiffsreise mit der „Beagle“ führte Darwin rund um die Welt, an so exotische Orte wie die kapverdischen Inseln, Rio de Janeiro, Feuerland, die Galápagos-Inseln, Tahiti, Neuseeland, Madagaskar und Australien.

Wenn Sie es - wie ich - bisher noch nicht an diese fernen Gestade geschafft haben, ist die Lektüre dieser Reisebeschreibung ein echter Gewinn und erzeugt Sehnsucht nach Ferne. Kein Wunder, dass eine derartig stationenreiche Reise fast fünf Jahre dauerte. Was die Ehefrau wohl zu dieser ausgedehnten und gefährlichen Dienstreise sagte …?

Die Reise Darwins im Originaltext können Sie hier als Buch erstehen.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

15.03.2009, 10.24 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Darwin, Evolutionstheorie, Entstehung der Arten,

Rettete Alchemie dem 19-jährigen Goethe das Leben?

Dem jungen Goethe geht es schlecht, sehr schlecht. Man schreibt das Jahr 1768 als der damals 19-Jährige unter starken Schmerzen mit dem Tod ringt. Goethes Familie bittet den Alchimisten Dr. Merz inständig um Hilfe. Dieser gibt dem Drängen schließlich nach und verabreicht Goethe einen geheimnisvollen Trunk, zu dessen Zusammensetzung sich der Doktor aber beharrlich ausschweigt.

Der Überlieferung nach wird Goethe binnen weniger Stunden gesund. Vielleicht auch aus diesem Grund bekennt sich Goethe zur Alchemie und forscht selbst auf diesem Gebiet. Zeugnis seiner diesbezüglichen Leidenschaft ist seine Aussage "Die Alchemie war schon immer meine heimliche Geliebte".

In seiner Tragödie Faust setzt Goethe schließlich seinem Lebensretter und der Alchemie eine Art Denkmal.

Mehr zu Goethe!

02.03.2009, 07.54 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Goethe, Alchemie, Faust,

Jokers Jahresplaner als Widget

Jedes Jahr vor Weihnachten bekommen so genannte Mein-Jokers-Kunden, also Kunden, die bei uns einen Account haben, eine 128 Seiten starken Literaturkalender von uns geschenkt. Darin sind kurze literarische Texte, Terminübersichten, Seiten für Notizen und natürlich viele Einträge, was sich im jeweiligen Jahr an literarischen Ereignissen oder Jubiläen feiern lässt.

Jokers JahresplanerLetztes Jahr kam mir die Idee, warum diesen Jahresplaner nicht auch als Widget fürs Desktop umsetzen? Aber wer macht das für uns? Bei der Suche nach einer Agentur, die so was umsetzen kann, stieß ich auf Motive Cross Communication  aus Nürnberg. Zusammen mit unserer Hausagentur iosoft habt es die Agentur geschafft, den Jokers Jahresplaner als Widget direkt auf die Desktops unserer Kunden zu bringen. Mit dem Jokers Jahresplaner bieten wir Literaturinteressierten ab sofort einen besonderen interaktiven Literaturkalender als kostenloses Desktop-Widget. Die Anwender erhalten wichtige Literaturtermine und spezielle Aktionen bzw. Produktwerbung direkt auf den Desktop ihres Computers und können zusätzlich eigene Notizen und Termine anlegen. Man hat also alles in einem kleinen Termincenter mit einem Klick im Griff.

Falls es jemand ausprobieren möchte, hier der Link:

Jokers Jahresplaner

Und natürlich bin ich sehr interessiert daran, hier Rückmeldung zu bekommen, wie wir das Widget noch verbessern können.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

28.02.2009, 17.14 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Jahresplaner, Widget, Desktop-Widget, Gadget, Literatur-Widget,

Ein Dichter mit Humor

Vielleicht haben Sie es schon entdeckt: Derzeit schenkt Ihnen Jokers einen Gedichtband des österreichischen Autors Ingo Baumgartner. Kostenlos liegt er Ihrer Bestellung bei. Wenn Sie bei „Mein Jokers“ angemeldet sind.

Im Zuge meiner Recherche zu diesem Heimatdichter stieß ich auf eine wunderbare Seite: www.gedichte.com . Dort finden Sie allerlei Unterhaltsames, Schönes, Humoriges und Literarisches zu allen Themen, die uns Menschen zu bewegen. Nun, das ist noch nicht das Besondere an dieser Seite, denn Literaturforen gibt es inzwischen ja wie Sand am Meer.

Das wirklich Besondere ist, dass dort einige Autoren im Forum schreiben. Ganz und gar unbezahlt, ganz nah am Volk, im echten Dialog mit den Lesern. Wie eben zum Beispiel auch Ingo Baumgartner, der uns dort unter dem Namen „Ibrahim“ schöne Geschichten und Gedanken schenkt. Wie die Anekdote vom Löwen. So stellt sich „Ibrahim“ auf http://www.gedichte.com/showthread.php?t=53645 die Frage, wie man sich einem Löwen nähert:

Ingo BaumgartnerDer Löwe ist nicht nur der König der Tiere sondern auch äußerst schreckhaft. Wissen Sie eigentlich, wie man sich diesem prächtigen Geschöpf nähert? Regel Nummer eins: Schleichen Sie sich niemals von hinten an. Auch unter den Löwen gibt es Angstbeißer, seelisch aus dem Gleichgewicht gebrachte Naturen. Regel Nummer zwei: Wenn Sie sich von vorne nähern, strecken Sie dem Leu Ihre Hand entgegen. Sollte diese plötzlich fehlen, versuchen sie es mit der verbliebenen. Und jetzt die wichtigste Vorsichtsmaßnahme: Sprechen Sie beruhigend auf das Tier ein. Etwa so: „Ja, mein liebes Miezekatzi, bist ja ein gar reizendes Muzi. Hast so große Zahndi. Und brummen kann mein Kätzchen, so schön tief brummen. Und wie es die Lippilein hinaufziehen kann, damit man die Zahndilein besser sieht. Und das Rachilein kann es aufreißen, mein Muzikatzi!“ Spätestens jetzt sollte Ihnen der Löwe die Hand lecken. Tut er es nicht, haben Sie noch ungefähr zwei Sekunden Zeit, um sich der herrlichen Schöpfung zu erfreuen.

Wie sein erfreutes Publikum mit diesen Ratschlägen umgeht, lesen Sie am besten selber nach.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

28.02.2009, 15.28 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln | Tags: Ingo Baumgartner, Gedichte, Löwen-Annäherung,

Ein bisschen Sommer

ApfelManchmal kann ich mich für atmosphärischer Erzählungen sehr begeistern. Je schöner die Details, je lebhafter die Bilder, die der Autor beschwört, umso mehr versinke ich in der Handlung. Besonders stark gelingt mir das im Winter, wenn es grau und kalt ist vor der Haustür. Dieses Jahr habe ich eine besondere Perle gefunden: „Der Geschmack von Apfelkernen“. Darin schildert Katharina Hagena die Kindheit auf dem Land so schön, dass eigene Erinnerungen an Omas Apfelbäume, an den Geschmack von Johannisbeeren und den Geruch von blühenden Gärten wieder lebendig werden.

Iris, die Protagonistin, erbt das Haus ihrer Oma und muss nach deren Beerdigung die Formalitäten regeln. Sie verbringt einige Tage in dem alten Haus mit dem großen Garten voller Erinnerungen, forscht in der Vergangenheit ihrer Familie und beginnt ein Techtelmechtel mit einem alten Freund.

Weniger die Handlung, vielmehr der verträumte Stil der Beschreibungen macht dieses Buch so einzigartig. Man sieht den lichtdurchfluteten Garten, die taunassen Blüten, die kühlen Räume des Hauses direkt vor sich. Man meint fast, die knarzenden Stufen der Holztreppen, das Rauschen des nahe gelegenen Wäldchens, das Singen der Sommervögel über den Feldern mit eigenen Ohren zu hören. Genau das Richtige, wenn draußen die Welt vor Winterkälte wie erfroren wirkt.



(geschrieben von Matthias Stöbener)

28.02.2009, 15.18 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Katharina Hagena, Der Geschmack von Apfelkernen, atmosphärische Erzählung,

Der Mann, der Winnetou spielte

Pierre BriceElf Karl-May-Filme, sieben davon mit Lex Barker und drei mit Stewart Granger als treuem Gefährten an seiner Seite, in einem Zeitraum von wenigen Jahren: 1962 bis 1968 verzeichnete Pierre Brice mit „Winnetou“ die größten Erfolge seiner Karriere. Kaum jemand weiß etwas über das „frühere“ oder gar das private Leben des Apachenhäuptlings. Zu sehr wird Brice mit seiner Indianer-Rolle identifiziert. Doch bevor sein unglaublicher Aufstieg als Westernstar begann, hatte der gut aussehende Franzose schon einiges erlebt.

Mit 19 Jahren meldet sich Pierre Brice (er wurde am 6. Februar 1929 geboren) freiwillig zum Indochinakrieg: Dort betätigte er sich als Fallschirmjäger und kehrte 1951 mehrfach ausgezeichnet nach Frankreich zurück. Anschließend versuchte er sein Glück als Vertreter in der „Foodbranche“ und als Fotomodell, schauspielerte in einigen Theaterstücken und ergatterte eine Nebenrolle in einer ausländischen Filmproduktion. Und so geschah es, dass er in den 60er Jahren auf der Berlinale dem Produzenten Horst Wendlandt begegnete – dieser suchte gerade nach der Starbesetzung für seinen ersten „Winnetou“. Den Rest der Geschichte kennen Sie.

Der Bildband „Pierre – wie ich dich sehe“ ist ein Porträt der ganz besonderen Art. Hella Brice, die Frau an der Seite des legendären Winnetou, beleuchtet in einer geglückten Auswahl privater Bilder und Schnappschüsse das Leben ihres „Häuptlings“. Der umfangreiche Fotoband zeigt situative Porträts, aufschlussreiche Backstage-Fotos und spontane Schnappschüsse. Gemeinsam mit Pierre hat Hella auch frühe Aufnahmen aus seiner Kindheit, Jugend und seiner ersten Militär- und Berufsjahre ausgesucht.

Anlässlich des 80. Geburtstages des großen Kriegers, den er am 6.2. feiern konnte, bieten wir Ihnen den Bildband von Hella Brice zum bekannt günstigen Jokers Preis an!



(geschrieben von Matthias Stöbener)

28.02.2009, 15.03 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Winnetou, Pierre Brice, Hella Brice,

Tanzlieder, manchmal recht düster

Balladen„In Deutschland erhält das Wort Ballade seit dem 16. Jahrhundert die Bedeutung Tanzlied, dieses Lied beinhaltet eine Erzählung in Liedform. Parallel zum Begriff der Ballade hat sich in Deutschland der Terminus Romanze eingebürgert. Eine Romanze bedeutet ein episches, volkstümliches meist erzählendes Lied. Der Begriff Romanze entspringt dem Spanischen romance. Romanze und Ballade werden daher lange Zeit synonym verwendet. Heute versucht man die Begriffe zu trennen, indem man Romanzen einen komischen Charakter unterstellt und im Kontrast dazu den Balladen eher den düsteren, ernsten Aspekt.“

So wissenschaftlich-nüchtern wird auf der Seite (übrigens ein toller Surf-Tipp!) www.balladen.de eine Ballade definiert. Die Gelehrten der Seite haben sicher Recht. Und irgendwie scheint auch das Wort Ballade mit dem Spanischen verwandt: Finden Sie nicht, dass es sich ein wenig wie „bailar“, also „tanzen“ anhört?

Und doch: Eine Ballade ist oft schwermütig, oft eher melancholisch, als dass sie zum Tanzen und Feiern einladen würde. Der „Erlkönig“ ist ein solches Beispiel. Ich lernte ihn vor Jahrzehnten in der Schule auswendig. Und noch heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich seine Strophen lese. Aber eine Ballade ist nicht zwangsläufig düster oder unheimlich: Der „Zauberlehrling“ beispielsweise ist durchaus amüsant und unterhaltsam.

Hier zur Erinnerung die erste Strophe des Klassikers von Goethe:

„Hat der alte Hexenmeister
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort und Werke
merkt ich und den Brauch,
und mit Geistesstärke
tu ich Wunder auch“

Für alle Freunde dieser wunderbaren Literaturgattung haben wir gerade das „Balladenbuch“ im Angebot: Hier finden Sie die wunderbarsten deutschen Balladen mit wertvollen Holzschnitten nach Entwürfen bedeutender Künstler des 19. Jahrhunderts.



(geschrieben von Matthias Stöbener)

28.02.2009, 14.54 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nachdenkliches | Tags: Balladen, Tanzlieder, Epische Dichtung, Erlkönig, Zauberlehrling,

Ein Rückblick auf amerikanische Zeitgeschichte gefällig?

Nun ist Barack Obama bereits eine Weile im Amt. Ihnen ist sicher schon aufgefallen, dass über diesen 44. amerikanischen Präsidenten schon eine ganze Menge Bücher erschienen sind. Überall locken Tische bedeckt mit Titeln über den charismatischen Politiker, ja sogar über seine Ehefrau Michelle sind mehrere Werke auf dem Markt. Einmal ganz abgesehen von „Yes we can“-T-Shirts in allen Farben des Regenbogens.

Vielleicht haben auch Sie die Amtseinführung Obamas mit seinem sympathischen Versprecher bei der Vereidigung live im Fernsehen verfolgt und dem Präsidenten und seiner Frau dabei zugesehen, wie sie sich von Ball zu Ball getanzt haben. Ganz unberührt gelassen hat wohl niemanden diese Wahl.

Mich hat die US-Präsidentenwahl mit ihrem langwierigen und komplizierten Vorlauf dazu gebracht, mich einmal mit der amerikanischen Zeitgeschichte zu beschäftigen. Klingt trocken, ist aber überaus spannend.

Sich zum Beispiel mit Obamas Vorgänger George W. Bush und dessen Irakpolitik zu beschäftigen, kann einen Leseabend schon sehr interessant - wenn auch nicht immer nur angenehm- machen. Da kann ich z. B. das Buch „Politik der Wahrheit“ empfehlen.



Oder wer es satirisch mag, ist auch mit „Kapitale Lügner“ gut bedient.




(geschrieben von Matthias Stöbener)

28.02.2009, 14.50 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Amerikanische Zeitgeschichte, George W. Busch, Politik der Wahrheit,

Lieben Sie feine Ironie?

Sie heißen Antal Szerb, János Székely, Imre Kertész oder Sándor Márai: ungarische Autoren, die die Literatur des 20. Jahrhunderts mitgeprägt haben und es wert sind, entdeckt oder wiedergelesen zu werden.

50 Jahre völlig in Vergessenheit geraten, wurde man auf Sándor Márai aufmerksam, als sein Roman „Die Glut“ 1999 in einer Neuübersetzung auf Deutsch erschien. Eine tragische Dreiecksbeziehung voller Leidenschaft, Verrat , Treue und Stolz und ein großer Erfolg auf dem Buchmarkt. Márais wichtigste Werke sind inzwischen alle auf Deutsch erhältlich.

Auch Imre Kertész gehört vor allem mit seinem „Roman eines Schicksallosen“ – der Schilderung seiner KZ-Erlebnisse – zweifellos zu den großen europäischen Schriftstellern. Eine Liebeserklärung an das Leben ist Antal Szerbs „Reise im Mondlicht“, auf der ein junger Mann während der Hochzeitsreise seine frisch angetraute Frau am Bahnhof vergisst – ein witziges, melancholisches und auf altmodische Weise charmantes Buch. Wer sich einen 800-Seiten-Wälzer zutraut, dem sei „Verlockung“ von János Székely empfohlen: eine ebenso schillernde wie realistisch-traurige Schilderung Ungarns in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, in denen Liftboy Béla zum Günstling einer reichen Frau wird.

Eines steht fest – einen Hauch von Melancholie muss man vertragen können, wenn man sich diesen Autoren nähert, aber: Es lohnt sich! Wer ein Faible für feine Ironie, Untertöne und poetisches Erzählen hat, wird sich für diese ungarischen Autoren begeistern. Als Einstieg empfehle ich: Lassen Sie sich doch einfach einmal etwas vorlesen und lauschen den Hörbüchern:

Imre Kertész         
       



(geschrieben von Matthias Stöbener)

28.02.2009, 14.35 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Ungarische Autoren, Antal Szerb, János Székely, Imre Kertész, Sándor Márai,

Ein bekennender Ausdauersportler

CleverKürzlich hörte ich ein Radio-Interview mit Wigald Boning. Sie kennen ihn sicher aus der Wissens-Show “Clever!” mit Barbara Eligmann. Dort erklären die beiden naturwissenschaftliche Phänomene auf so unterhaltsame und vor allem effektvolle Weise, dass es sogar den Deutschen Fernsehpreis dafür gab. Viele kennen den Mann mit den knalligen Anzügen und dem Kassengestell auch noch als einen Part des Ulk-Gesangsduos “Die Doofen” oder aus der herrlich albernen Comedy-Show der 90er Jahre “RTL Samstag Nacht”.

Im Radio-Interview sprach Wigald Boning allerdings über sein Buch “Bekenntnisse eines Nachtsportlers” - was für ein Titel! Und tatsächlich zeigt sich der Comedian als Meister der sehr speziellen Leibesertüchtigung - sporteln zu nachtschlafender Zeit und an allerlei skurrilen Örtlichkeiten ist ja nicht jedermanns Sache. Aber die Sache des Herrn Boning ist es und er versteht es, seine nächtliche Sportpassion auf sehr vergnügliche Weise zu schildern. Er bräuchte nun einmal, so erzählt der in Bayern lebende Oldenburger, die sportliche Herausforderung und nachts oder sehr früh morgens hätte man halt seine Ruhe. Wer, wie ich, dem Komiker eher null sportliches Tun zugetraut hätte, wird durch sein Buch eines besseren belehrt. Als bekennender Ausdauersportler ist er sicher deutlich fitter als viele Schreibtischhocker und wahrscheinlich sieht er beim Joggen und Tretbootfahren auch noch lustiger aus …

Von Wigald Boning und Barbara Eligmann gibt es bei uns zum Jokerspreis:

Clever! Das Wissensbuch

(geschrieben von Matthias Stöbener)

28.02.2009, 14.23 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Wigald Boning, Nachtsportler, Schreibtischhocker,

Was man an Tucholsky kaum kennt

Sehnsucht nach der SehnsuchtVielleicht der eloquenteste Journalist der Weimarer Republik: Kurt Tucholsky. Schon zu Lebzeiten teilten sich die Deutschen in Bewunderer und Neider. Das Wort "Soldaten sind Mörder" wird ihm zugeschrieben. Selbst heute sorgt es noch für Zündstoff. Tucholsky verstand es wie kein anderer, die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse aufs Korn zu nehmen. Er verließ Deutschland, wanderte nach Paris aus, doch suchte er sein ganzes Leben nach diesem Gefühl der „Heimat“, das ihm verwehrt blieb. Er litt unter diversen körperlichen und psychischen Krankheiten. 1933 wurde er von den Nazis ausgebürgert. Im schwedischen Exil beging Kurt Tucholsky im Jahre 1935 Selbstmord.

In unserem Kulturportal finden Sie viele Details zum Leben und Wirken des Autors. http://www.jokers-kultur.at/kulturportal/kurt-tucholsky....2.//

Wenigen ist Tucholsky als Lyriker bekannt. Diese Strophen beleuchten meiner Meinung nach vortrefflich das künstlerische Schaffen des Poeten Tucholsky:

In stiller Nacht und monogamen Betten
denkst du dir aus, was dir am Leben fehlt.
Die Nerven knistern. Wenn wir das doch hätten,
was uns, weil es nicht da ist, leise quält.
Du präparierst dir im Gedankengange
das, was du willst - und nachher kriegst das nie ...
Man möchte immer eine große Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke –
C'est la vie -!

Sie muss sich wie in einem Kugellager
in ihren Hüften biegen, groß und blond.
Ein Pfund zu wenig - und sie wäre mager,
wer je in diesen Haaren sich gesonnt ...
Nachher erliegst du dem verfluchten Hange,
der Eile und der Phantasie.
Man möchte immer eine große Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke –
Ssälawih -!

Man möchte eine helle Pfeife kaufen
Und kauft die dunkle - andere sind nicht da.
Man möchte jeden Morgen dauerlaufen
und tut es nicht. Beinah ... beinah ...
Wir dachten unter kaiserlichem Zwange
an eine Republik ... und nun ist´s die!
Man möchte immer eine große Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke –
Ssälawih -!

Ja, Kurt Tucholsky verfasste sogar zahlreiche Liebesgedichte – bzw. das, was er darunter verstand. Denn auch hier fehlt es ihm keineswegs an Wortwitz, gnadenlos ehrlich bleibt er auch in der Liebe, zynisch manchmal und doch wiederum sehnsuchtsvoll beschreibt er das Werden und Vergehen von Leidenschaft. In „Sehnsucht nach der Sehnsucht“ finden Sie die besten seiner „Liebesgedichte“ – jetzt zum Valentins-Sonderpreis!

(geschrieben von Matthias Stöbener)

28.02.2009, 12.38 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Kurt Tucholsky, Liebesgedichte, Lyriker,

Geschichte leicht gemacht

Das Schönste an Hörbüchern ist, wie ich finde, dass sie mich so unmittelbar aus dem Alltag heraus in die literarische Welt entführen. Noch stärker wird dieser Effekt, wenn aufwändig gestaltete Hörspiele um großartige Literatur gebaut wurden. Mein Lieblingshörbuch ist zur Zeit „Baudolino“ von Umberto Eco. Immer wieder lege ich es gern ein: zum Einschlafen, zum Autofahren, zum Putzen (wenn mich mal meine Frau dazu drängt) oder einfach zum Entspannen.

34 bekannte Stimmen, darunter Michael Mendl, Peter Fricke oder Friedrich Karl Praetorius, untermalt von schönster Orchestermusik und tollen Klangeffekten ziehen mich immer wieder sofort in ihren Bann. Fürwahr eignet sich Ecos großartiges Mittelalterepos um den lügenbegabten Bauernjungen Baudolino bestens für die Umsetzung als großformatiges Hörspiel. Wie von Eco nicht anders zu erwarten, ist der Roman bis oben hin gefüllt mit historischen Ereignissen, Anspielungen und Erklärungen.

So löst der Lügner Baudolino darin viele von der Geschichtsschreibung unbeantwortet gelassene Rätsel des 12. Jahrhunderts. Man erfährt zum Beispiel, warum Karl der Große heilig gesprochen wurde oder wie die Gebeine der Heiligen Drei Könige nach Mailand und danach in den heutigen Kölner Dom kommen konnten.

In Geschichte hatte ich schon immer ein ganz gutes Gedächtnis. Mit diesem Hörbuch kann ich mich nicht nur entspannen, sondern bin nach den vielen Wiederholungen auch voll informiert über König Barbarossa, den Vierten Kreuzzug und und und. Selbst über den Verbleib des Heiligen Grals weiß ich etwas – zumindest aus Baudolinos Sicht.



(geschrieben von Matthias Stöbener)

28.02.2009, 12.23 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Baudolino, Umberto Eco,

Wenn jeder Mensch alle Menschen liebte

SchillerZur Zeit überschlagen sich die Ereignisse: Politische Unruhen, Wirtschaftskrise, ein neuer Präsident für die USA, Verschrottungsprämie und unzählige andere Schlagzeilen füllten die Zeitungstitel der letzten Wochen. Wer denkt bei so viel Unruhe noch an Literatur?

Und doch: Ein wenig Muse für Kultur sollte sich jeder nehmen. Schließlich feiern wir 2009 wieder ein großes Jubiläum: Friedrich Schiller, der große deutsche Vorzeige-Dichter, wäre im November 250 Jahre alt geworden. Und seine Heimatstadt Marbach begeht dieses Jubiläum mit zahlreichen Veranstaltungen zu seinen Ehren.

Schiller, mit vollem Namen Johann Christoph Friedrich von Schiller, wurde am 10. November 1759 in Marbach am Neckar geboren und starb am 9. Mai 1805 in Weimar. Die Stadt Marbach adelte den Dichter im Jahre 1802. Unglaublich, was Friedrich Schiller schrieb, welch unerschöpfliche Kreativität ihn Tag für Tag aufs Neue zur Feder greifen ließ – eine Übersicht über seine wichtigsten Werke finden Sie unter:

http://www.friedrich-von-schiller.de/werkverzeichnis.htm

Ich persönlich liebe „Die Räuber“ sehr. Ursprünglich schrieb Friedrich Schiller das Bühnenstück übrigens keineswegs fürs Theater, nur auf Drängen eines Intendanten adaptierte er das Drama für die Bühne. Doch auch seine philosophischen Briefe haben es mir angetan. Schiller war nämlich durchaus nicht nur ein talentierter Erzähler: Er zählt auch zu den größten deutschen Denkern des 18. Jahrhunderts. Eines meiner Lieblingszitate ist aus dem Werk „Philosophischen Briefe: Theosophie des Julius“:

„Wenn jeder Mensch alle Menschen liebte, so besäße jeder einzelne die Welt.“

Doch stöbern Sie doch einfach selbst in unserem Schiller-Jubiläums-Angebot.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

28.02.2009, 12.05 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Jubiläumsjahr, Friedrich Schiller, Die Räuber,

Eine Buchverfilmung, die anregt

Im Kino läuft seit einiger Zeit „Buddenbrooks“. Mit einem Großaufgebot an deutschen Stars. So sind unter anderem Armin Mueller-Stahl, Iris Berben und die Jungstars Jessica Schwarz und August Diehl zu sehen. Bei nasskaltem Winterwetter mal einen guten Film ansehen - das hat was. Wenn der dann auch noch auf dem berühmten Roman von Thomas Mann beruht und man sich auf diese Weise ein wenig Bildung auf angenehme Art verschaffen kann – umso besser!

Thomas MannDer Kinoliebhaber in mir sagt: feine Sache! Tolle Schauspieler, wunderbare Kostüme, ein guter Regisseur, das wird ein schöner Filmabend. Der Büchermensch in mir aber hat auch etwas zu sagen: Wäre es nicht etwas, die „Buddenbrooks“ zu lesen? Im Gegensatz zum Film an einem Abend nicht zu schaffen, aber wer will das auch? So hat man einige Stunden Genuss. Herrliche Mannsche Schachtelsätze, feine Beobachtungsgabe, Charme, Ironie und Menschenkenntnis. Der Roman über das Leben der Lübecker Kaufmannsfamilie ist mehr als hundert Jahre alt, aber dennoch immer aktuell und hat nichts von seinem Reiz verloren. Heißt es.

Senator Thomas Buddenbrook, seinen Bruder Christian und die Schwester Tony von ihrer Kindheit an zu begleiten, an den diversen Hochzeiten, Geburten, Familienfesten und Begräbnissen der Patrizierfamilie teilzunehmen, das ist es doch, was wir Leser wollen.

Vorletzte Woche war ich mit meiner Frau im Film „Buddenbrooks“. Wirklich sehenswert. Viele Szenen davon sind im Augsburger Kurhaus bzw. Parktheater gedreht. Opulent, sage ich Ihnen. Und die Kleider, das Rauschen der Stoffe, die sinnlichen Beleuchtungen, die spröde Erotik hinter seidenen Tüchlein! Anschließend verschlang meine Frau den Mann-Wälzer. Und hat ihn schon an eine Kollegin verliehen. Sollte er wieder seinen Weg zu uns finden, folgt auf Victor Hugos Elende der deutsche Sprachgenuss.

Von dem wohl bekanntesten Roman Thomas Manns wurden bislang etwa sechs Millionen Exemplare verkauft.

Ihr Exemplar gibt es hier!

Zum günstigen Taschenbuch-Preis natürlich!



(geschrieben von Matthias Stöbener)

28.02.2009, 10.18 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Buddenbrooks Film, Thomas Mann, Parktheater, Buchverfilmung,

Bücherblogs auf einen Blick

Bücher sind ein schier unerschöpflicher Schatz. Man kann endlos darüber diskutieren, neue Seiten darin oder darum entdecken, alte Klassiker neu interpretieren, neue Autoren kennen lernen, alte Autoren ehren – und natürlich gibt es unendlich viele Meinungen dazu. Einige davon hat Peter Unruh auf http://literatur.relevantblogs.de gesammelt.

Liebhaber des geschriebenen Wortes finden hier Blogs zu allen möglichen literarischen Themen. Darunter finden sich Rezessionen zu verschiedenen Sparten, zum Beispiel zu Krimis und Thrillern auf der „Krimi-Coutch“, religiöse Themen wie etwa die „Top Ten der Engelsbücher“ auf www.transatlantik.de oder auf ZWABlog  Informatives rund um antiquarische und vergriffene Bücher.

In den nächsten Wochen sollen auch die Themengebiete „Design“ und „Fotografie“ aufgenommen werden. Besonders schön finde ich persönlich die Abteilung „Buchhändleralltag und Kundenwahnsinn“, die den täglichen Alltag im Buchverkauf anschaulich und durchaus amüsant erzählt.

Die Seite listet immer die letzten fünf Schlagzeilen der Blogs auf und bietet eine kurze Vorschau zum Anklicken. Das macht es Bücherfreunden besonders einfach, die neuesten Meldungen und Meinungen Gleichgesinnter zu finden.

Und natürlich ist unser Jokers Blog ab sofort auch dabei.



(geschrieben von Matthias Stöbener)

28.02.2009, 10.07 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Relevantblogs, Bücherblogs, Literaturblogs,

Fasching oder Karneval

KarnevalWir sind auf dem Höhepunkt der närrischen Zeit: Die Welt feiert Karneval und wir feiern mit. Egal, in welchem Bundesland wir leben, jetzt kramen viele von uns seine bunten Kostüme hervor, um auf den Straßen das wilde Treiben mitzumachen. Nur dass es in vielen Bundesländern anders heißt: Die einen gehen zum „Fasching“, die anderen zum „Karneval“, die Dritten feiern die „Fasnacht“.

Das Wort "Karneval" taucht in Deutschland erstmals im Jahr 1699 schriftlich auf. Zu dieser Zeit existierten die Begriffe "Fasnacht" und "Fasching" schon einige Jahrhunderte im alemannischen und bairischen Sprachraum: Als direkte Übersetzung der lateinischen Begriffe. Das lateinische Stammwort für unseren heutigen Karneval bildet „caro“, übersetzt Fleisch. Aus dessen Ableitungen "carnislevamen", "carnisprivium", "carnetollendas" und "carnelevale" bzw. "carne vale" - letzteres bedeutet so viel wie "Fleisch ade!" - hat sich wohl im Spätmittelalter das Wort "Carneval" entwickelt.

Das Wort "Fasching" geht sprachgeschichtlich auf das Mittelhochdeutsche "vastschanc" zurück, verkürzt und umgangssprachlich "vaschang, was den "Ausschank vor dem Fasten" meinte. Das Wort "Fas(t)nacht" kommt von "vas(t)(en)nacht" und meinte zunächst allgemein die "Nacht vor dem Fasten".

Köln gilt als die Hochburg der Narren und angeblich weiß keiner so gut zu feiern wie die Jecken: Der Rosenmontag oder auf kölsch „Rusemondaach“ (Ruse = Rosen) erinnert an den Sonntag Lätare. Dieser wird in Köln seit dem 16. Jahrhundert als „Halbfasten“ gefeiert. An diesem Tag, der Mitte der Fastenzeit, lebte die Erinnerung an den vergangenen Karneval noch einmal auf. Das religiöse Büßen und Fasten wurde für einen Tag unterbrochen. Der Rosensonntag hieß demzufolge auch „Mittfasten“. In Rom weihte der Papst am Sonntag eine Lätare, eine mit Moschus und Balsam gefüllte Rose, die dann in einer Prozession durch die Straßen getragen wurde.

Als der Karneval 1823 reformiert wurde, hat man das Lätarefest übernommen und bis 1832 beibehalten. Aus dem Mittfasnachtstag wurde der Rosenmontag. Wo auch immer Sie also wohnen und egal, ob Sie nun Fasching, Karneval oder Fasnacht feiern: Ihre Partylust geht auf eine uralte Tradition zurück!

(geschrieben von Matthias Stöbener)

28.02.2009, 08.29 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kulturgeschichte | Tags: Fasching, Karneval, Fasnacht,

Sind wir nicht alle ein wenig „Rabbit“?

John UpdikeDer große amerikanische Autor John Updike ist tot und geben Sie es zu: Wir sind alle ein bisschen „Rabbit“. So heißt die Hauptperson in John Updikes berühmten Romanen, zwei von ihnen brachten ihm den Pulitzer-Preis ein. Als Vertreter der bürgerlichen Mittelschicht, mit mehr oder weniger Glück im Berufs- und Liebesleben, ist Harry „Rabbit“ Angstrom irgendwie einer von uns.

John Updike hat es in seinen Büchern immer wieder geschafft, seinen Lesern den Spiegel vorzuhalten. Dies tat er ohne Bösartigkeit, aber mit scharfsichtigem Blick für all die kleinen Lebenslügen, Unzulänglichkeiten und Fehler, die auch seinen literarischen Personen dauernd unterlaufen.

Alles andere als perfekt sind sie und versuchen sich in ihren Klein- und Vorstädten durchs Leben zu „wurschteln“. Und dass diese Vorstädte von Hintergründigem und Zwischenmenschlichem nur so wimmeln, sehen wir jede Woche bei „Desperate Housewives“. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Ganz nebenbei erzählt Updike in seinen Romanen Jahrzehnte amerikanischer Zeitgeschichte. Einem größeren Publikum wurde er durch die Verfilmung der „Hexen von Eastwick“ bekannt, in der sich drei geschiedene Vorstadtfrauen - gespielt von Susan Sarandon, Cher und Michelle Pfeiffer - um einen begehrten Singlemann und Kunstsammler (gespielt vom großartigen Jack Nicholson) bemühen.

Sein zuletzt auf Deutsch erschienenes Buch „Landleben“, die erotische Biographie eines 70jährigen Computeringenieurs der ersten Generation, hat mir selbst allerdings nicht so gut gefallen wie seine früheren Werke, die mehr zarte ironische Anspielungen als Eindeutigkeiten enthielten.

Updike selbst hat für sein umfangreiches Werk zahlreiche Literaturpreise erhalten, er wurde außerdem in schöner Regelmäßigkeit als Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt, erhielt ihn jedoch nie. Schade, schade.

Updike bei Jokers

(geschrieben von Matthias Stöbener)


28.02.2009, 02.52 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: John Updike, Landleben, Rabbit,

Vampir-Regal

VampireEigentlich habe ich gedacht, das Thema sei durch. Nach der zigsten Auflage Bram Stokers Dracula, nach dem zigsten Teil der „Vampire Chronicles“ von Anne Rice, nach unzähligen Filmen, Comics und Serien schien es mir, als wäre das Thema Vampire endgültig blutleer. Der Besuch meines Lieblingsbuchhändlers neulich belehrte mich etwas Besseren.

Auf der Suche nach englischsprachigen Heldenepen stieß ich auf ein riesiges Regal namens „Vampire“. Dass Stephenie Meyer mit ihren Teenie-Phantasien insgesamt vier Mal in den Top 25 der Spiegel-Bestseller vertreten ist, war mir zwar bekannt, aber ich habe dem keine Bedeutung beigemessen. Ich hielt es für einen Trend unter Pubertierenden. Doch dieses Regal war voll mit Büchern jeder Art zum Thema Vampire. Von schicken, blutsaugenden Großstadtsingles à la „Sex and the city“ über pseudowissenschaftliche Abhandlungen zu „echten Vampiren“ in Los Angeles bis hin zu schier endlosen Schmachtromanen rund um den Vampir als gefährlichen aber leidenschaftlichen Retter der einsamen Frau.

Wenn es sich um einen extra Thementisch mit einigen Exemplaren gehandelt hätte, gut. Oder meinetwegen auch um eine Fensterauslage, dekoriert in schwarzem Samt, mit Kerzenständern, Totenschädeln und Kreuzen - meinetwegen. Aber gleich ein eigenes Regal? Zwischen „Lebenshilfe“, „Esoterik“ und „Englischen Romanen“ plötzlich auf „Vampire“ zu stoßen, war irgendwie seltsam. Ich meine, wie oft kommt es schon vor, dass Buchläden gleich eine eigene Rubrik eröffnen? Wie sieht es denn dann mit anderen Genres aus? Wenn Vampire das Recht auf eine eigene Abteilung haben, dann hätten doch zum Beispiel auch weiße Ritter, Elfen, Geister, Kobolde und Klabautermänner ein eigenes Regal verdient – oder?


(geschrieben von Matthias Stöbener)

21.02.2009, 22.50 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Vampire, Stephenie Meyer, Teenie-Phantasien,

Neue Auszubildende im Internetbereich

Seit Anfang Februar freut sich Jokers über eine neue Auszubildende: Frau Daniela Spölgen. Heute kam sie zu mir ins Internet und ich darf ihr die nächste Woche zeigen, wie bei uns das Internet "funktioniert". Dabei hoffe ich, dass es ihr so viel Spaß macht, dass Sie sich beruflich nichts anderes mehr vorstellen kann.

Ich bat Frau Spölgen, kurz etwas über sich zu erzählen, was sie hier tut:

Ich mache seit September 2008 eine Ausbildung zur Medienkauffrau bei der Verlagsgruppe Weltbild GmbH, zu der auch Jokers gehört. Während der Ausbildung durchläuft man alle wesentlichen Abteilungen, wie z. B. die Finanzbuchhaltung, die Produktion, den Vertrieb etc., um das Tagesgeschäft in einem Verlag möglichst genau kennen zu lernen. Man hat aber auch die Gelegenheit, einen Blick in eines der Tochterunternehmen von Weltbild zu werfen. Daher kommt es, dass ich seit Anfang Februar bei Jokers bin und versuche, die Mitarbeiter
tatkräftig zu unterstützen.

Besonders gefällt mir, dass Jokers viel kleiner ist als Weltbild und ich so in kurzer Zeit von jedem Bereich etwas mitbekomme. Alles ist nicht so anonym wie in einer großen Firma. In regelmäßigen Abständen gibt es Lehrgespräche, in denen mir theoretisches Wissen vermittelt wird, welches ich anschließend gleich in der Praxis anwenden kann. Bisher bekam ich einen Einblick in die Werbung und in die Steuerung der Katalogproduktion, kenne also jetzt die verschiedenen Print-Werbemittel von Jokers, kann Werbekosten berechnen und weiß, wie ein Katalog geplant und aufgebaut wird.

Seit heute bin ich im Bereich Internet, wo ich hoffentlich alles über Newsletter, Werbung im Internet und Seitengestaltung erfahren werde. Wie Sie sehen, darf ich hier schon mal ganz praktisch  üben, einen Blog zu verfassen.

17.02.2009, 14.58 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Auszubildende, Medienkauffrau, Azubi,

Die schönste Liebesgeschichte der Welt

In der früheren DDR gehörte es zur Schulliteratur, auch in Frankreich kommt es einem Dauer-Bestseller gleich: das Buch "Dshamilja" von Tschingis Torekulowitsch Aitmatow ist nur hierzulande nicht allzu bekannt. „Dshamilja“ ist das erste und das mit Abstand verbreitetste Werk des kirgisischen Autors, der am 12. Dezember 1928 in Scheker im Talas-Talm geboren wurde und erst letztes Jahr am 10. Juni 2008 in Nürnberg starb.

IHier lieg ich von der Lieb erschlagench selbst habe den Roman erst kürzlich gelesen: Liebesgeschichten sind normalerweise nicht so ganz nach meinem Geschmack, selbst, wenn sie Weltklasse haben. Aber meine Frau legte mir „Dshamilja“ so ans Herz, dass ich das Büchlein schlussendlich doch zur Hand nahm. Und in einem Rutsch durchlas.

Jede Zeile ist reinste Poesie. Und ich weiß nicht wieso meine Assoziationen einen solch unverständlichen Weg gehen, aber diese Erzählung erinnert mich an die Gedichte von John Donne.

“No man is an island, entire of itself; every man is a piece of the continent, a part of the main. If a clod be washed away by the sea, Europe is the less, as well as if a promontory were, as well as if a manor of thy friend's or of thine own were. Any man's death diminishes me because I am involved in mankind; and therefore never send to know for whom the bell tolls; it tolls for thee.”

„Niemand ist eine Insel, in sich selbst vollständig; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinentes, ein Teil des Festlands. Wenn ein Lehmkloß in das Meer fortgespült wird, so ist Europa weniger, gerade so als ob es ein Vorgebirge wäre, als ob es das Landgut deines Freundes wäre oder dein eigenes. Jedes Menschen Tod ist mein Verlust, denn mich betrifft die Menschheit; und darum verlange nie zu wissen, wem die Stunde schlägt; es gilt dir selbst.“

Das ist eines der bekanntesten Zitate des englischen Dichters, der bereits anno 1631 starb. Zum Sonderpreis von nur EUR 2.95 bieten wir Ihnen „Hier lieg ich von der Lieb erschlagen“, eine zweisprachige (englisch-deutsche) Sammlung seiner schönsten Gedichte.



(geschrieben von Matthias Stöbener)

15.02.2009, 18.41 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Englische Bücher | Tags: Dshamilja, Tschingis Torekulowitsch Aitmatow, John Donne ,

Umkehren!

UmkehrenWenn ich noch einmal das Wort Krise höre, bekomme ich Sie! Ehrlich gesagt bin ich das tägliche Rezessions-Gebrüll der Medien mehr als Leid. Jeden Tag erschlagen Zeitungen, Nachrichten und so genannte „Krisenticker“ uns alle mit neuen Horrormeldungen. „Banken brechen ein“, „Rezession trifft deutsche Unternehmen mit voller Wucht“, „Absatzeinbruch“, „Schlimmste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit“ – ich kann es nicht mehr hören! Von allen Seiten erreicht uns die Botschaft: „Habt Angst! Es wird schrecklich! Es wird verheerend! Wir werden alle untergehen!“

Wie Balsam legte sich da ein Interview mit Peter Sloterdijk auf meine krisengebeutelten Nerven, das ich kürzlich in der Süddeutschen las. Darin stellte er nüchtern fest, dass es in Deutschland keine „Krise“ gäbe. Denn das Wort Krisis stamme aus der Medizin und bezeichnete den Zustand eines Organismus zwischen Tod und Genesung. Die deutsche Wirtschaft steht keineswegs vor der Auslöschung. Vielmehr sei es endlich Zeit, umzudenken und sich auf echte Arbeit und Werte zu besinnen.

Angesichts maßloser Börsenspekulanten und Gewinnerwartungen, die in keinem Maß zur Leistung stehen, erklärte er Harry Potter als den eigentlichen Helden dieser Epoche. Die Potter-Romane „überredeten eine ganze Generation, den Zauberer in sich zu entdecken. Das englische Wort Potter bedeutet übrigens ‚Töpfer‘, einen Handwerker, der Hohlkörper verfertigt. Nur Verlierer glauben heute noch an die Arbeit, die Übrigen betreiben magische Töpferei und lassen ihre strukturierten Produkte fliegen.“

Anders als die Marktschreier der Krise sieht der Philosoph den Ausweg aus dem Dilemma nicht im Untergang, sondern in der Umkehr: Entsprechend heißt sein neuestes Buch „Du musst dein Leben ändern“.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

15.02.2009, 18.23 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: In der Presse | Tags: Harry Potter, Rezession, Sloterdijk, Krisengerede,

Riff-Ranger

Wunder der TiefeTauchen, Schnorcheln, Abenteuer erleben, ab und an ein wenig bloggen – und ansonsten in der Sonne liegen und braun werden. Wem würde so ein Job nicht gefallen?

Und genau deswegen ist die Seite http://www.islandreefjob.com/ seit Tagen auch kaum erreichbar: Weltweit bewerben sich Hunderttausende auf die Stelle Riff-Ranger am Great Barrier Reef, die mit sage und schreibe 80.000 EUR für 6 Monaten ausgeschrieben ist.

Die Anforderungen sind dabei gar nicht einmal so hoch: Englisch muss der Bewerber natürlich können, ein wenig Schnorcheln und Tauchen - und das war´s dann eigentlich auch schon. Dann muss er noch in einem Videoclip erläutern (auf Englisch), weshalb genau er der geeignete Kandidat für den Riff-Ranger-Job wäre – und das Glück haben, aus einer halben Million Bewerber herausgefiltert zu werden. Und die ganze Welt schaut zu: Wer wird das große Los ziehen? Wer darf für ein halbes Jahr Hausmeister am Riff spielen?

Einen kurzen Moment überlegte ich, ob ich nicht vielleicht auch... nur als Versuch... aber dann war die Seite wieder offline, der Server überlastet. Also werde ich mich wohl nicht auf diesen Traumjob bewerben und stattdessen weiter in Bildbänden über Australien und die wunderbare Unterwasserwelt am Great Barrier Reef schwelgen. Dafür bekomme ich zwar keine 80.000 Euro in sechs Monaten, ziehe aber auch nicht den Neid ganzer Nationen auf mich. Und wenn ich dann zum Beispiel „Wunder der Tiefe“ durchblättere, nun ja, dann frage ich mich schon, ob ich tatsächlich der geeignete Kandidat dafür wäre, ganz alleine in solche Tiefen vorzudringen... Ich glaube, ich bewundere die Schönheit der Meere doch lieber vom sicheren Landboden aus.



(geschrieben von Matthias Stöbener)

15.02.2009, 18.13 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Great Barrier Reef, Riff-Ranger, Wunder der Tiefe ,

Nachbarn, die keine Bücher lesen

Ich habe neue Nachbarn bekommen. Ich lud die zwei neuen Mieter gleich zu einem Kennenlernkaffee in meine Wohnung. Das Gespräch war sehr nett, weshalb ich kurze Zeit später gern die Gegeneinladung in die Nachbarwohnung annahm. Mittlerweile wohnte das noch relativ junge Pärchen schon einige Monate da und kannte mich als Nachbarn bereits. Allerdings mehr als mir lieb war. So begrüßte man mich mit „Schön, dass du uns besuchst. Wir dachten schon, du wärst ein Einsiedlerkrebs, so selten wie du Besuch bekommst.“

Huch! Was war das denn? Wurde ich da etwa überwacht? Es schien so, denn im weiteren Gespräch erfuhr ich, was meine geschätzten Nachbarn noch so von mir wussten: „Deine Erkältung vor ein paar Wochen hat sich ja ganz schön hingezogen. Wir konnten dich wochenlang husten hören.“ „Du hast einen komischen Musikgeschmack. Black und RnB hörst du gar nicht, oder?“ und als Krönung: „Du gehst gar nicht mehr weg, stimmt´s? Für das Nachtleben bist du wohl schon etwas zu alt.“

Die beiden gaben sich ganz einer Fähigkeit hin, um die ich sie als eher schweigsamer Mensch beneide. Sie sprachen ununterbrochen und meist sogar gleichzeitig. Dabei erfuhr ich schon nach kurzer Zeit, dass die Friseuse und der Arbeitslose gern den Feierabend mit Wodka, Red Bull und ein paar Joints ausklingen lassen. Auch von seiner Zeit im Knast, seinen sexuellen Abenteuern, dem gemeinsamen Besuch einiger Rave-Partys nebst unverzichtbarem Tablettengebrauch und diversen weiteren Vorlieben erfuhr ich, ohne mich im Geringsten wehren zu können. Die beiden überschütteten mich mit Details aus ihrem Privatleben, die ich aus reiner Höflichkeit ertrug.

Doch es kam noch schlimmer. Auch die Mitbewohner des Hauses wurden thematisiert. Ich erfuhr, dass die freundliche Dame im Parterre zunehmend dement werde, dass der muskulöse Herr im 1. Stock gern Stringtangas im Leopardenlook trüge, und dass der Sohn der Dame im 2. Stock verunglückt sei.

Das Pärchen, das ich bislang als jung und eher aufgeschlossen empfunden hatte, wetterte zum Schluss mit steigender Aggression gegen ausländische Mitbewohner, die „Türken im Viertel“ und „all das faule Gesocks“. Auch die „Studierten“ bekamen ihr Fett weg. „Die ganzen Typen, die sich für was Besseres halten, nur weil sie ständig Bücher lesen, gehören doch auch alle weg.“

Ich war so perplex, dass mir die Worte fehlten. Ziemlich schnell verabschiedete ich mich und ging in meine Wohnung zurück. Was soll man tun, wenn man solche Nachbarn hat? Ausziehen? Ich habe mir vorgenommen, diese Begegnung als Warnung zu sehen vor dem, was geschieht, wenn Menschen keine Bücher mehr lesen.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

15.02.2009, 17.56 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches | Tags: Nachbarschaft, Bücher lesen, Kennenlernen,

ALK

ALKHaben Sie es gelesen? Mit mehr als 5 Promille ist am Wochenende ein 33-jähriger Mann aufgegriffen worden – und er hat es überlebt. Obwohl nach medizinischen Einschätzungen ein Alkohol-Pegel von 4 Promille bereits tödlich sein kann. Jener Mann hatte 5,18 Promille im Blut – um kurz nach 4 nachmittags.

Immer wieder hört man von solchen „rekordverdächtigen“ Zahlen: 5,52 Promille soll mal ein Radfahrer gehabt haben, ein LKW-Fahrer wurde angeblich sogar mit über 7,5 % angehalten. Das heißt, dass diese Menschen trotz der bereits „letalen Dosis“ sogar noch in irgendeiner Weise bewegungsfähig waren – sie konnten ja Radeln bzw. Fahren …

Ich habe keine Ahnung, wie viel ein Mensch trinken muss, um derart unglaubliche Promillewerte zu erreichen. Und, ganz ehrlich gesagt: Ich weiß nicht, ob ich das wissen muss. Denn ich selbst werde nie, niemals so viel Alkohol auf einmal trinken. Wozu denn auch?

Dennoch interessiert mich das Thema „Alkohol“ aus medizinischer Sicht – und so bin ich auch über das „fast medizinische Sachbuch“ mit dem Titel „Alk“ von Simon Borowiak gestolpert: Der Autor hatte selbst gerade eine Entwöhnungstherapie hinter sich, als er es verfasste. Hier beschreibt er wichtige physiologische Hintergründe, die Biologie des Alkoholismus, die Methodik der Entziehung und viele andere spannende Fakten.

Und für alle, die sich ihr Gläschen Wein oder Bier dennoch nicht nehmen lassen wollen, findet sich unter

http://www.onmeda.de/ratgeber/rauchen_alkohol_drogen/tests/promille_rechner.html

ein aussagekräftiger Promillerechner.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

15.02.2009, 17.41 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Alkohol, Promille, Alkohol-Pegel,

Immer diese Vorsätze …

Abnehmen mit dem inneren SchweinehundMit dem neuen Jahr kamen auch bei mir wieder mal die guten Vorsätze. An oberster Stelle natürlich das Abnehmen. Nachdem ich aber grundsätzlich bei Diäten mangels Selbstbeherrschung scheitere, soll es dieses Jahr per Sport gehen. Und zwar mit jenem Sport, den ich bis vor drei Jahren regelmäßig betrieb, nämlich mit Joggen. Aufgehört hatte ich damals, weil am linken Fuß die Bänder anrissen. Die Verletzung ist zwar mittlerweile ausgeheilt, doch die Angst vor neuen Verletzungen blieb.

Ein kurzer, atemloser Sprint zum Bus zeigte mir schließlich, dass ich handeln muss. So beschloss ich, wieder mit dem Laufen zu beginnen und zwar mit Strategie. Deshalb besorgte ich mir einige hilfreiche Ratgeber. Darunter „Lauf dich schlank!“, „Laufen – der Ratgeber für Ausrüstung, Technik, Training, Ernährung und Laufmedizin“ und zur Motivation „In 12 Wochen zum Marathon“. Lachen Sie nicht!

Ich kenne jetzt den Unterschied zwischen aerober und anaerober Verbrennung, kenne meinen optimalen Belastungspuls und habe sogar schon einen Trainingsplan aufgestellt. Doch jedes Mal, wenn ich mir vornehme zu laufen, komme ich einfach nicht von der Couch hoch. Ich brauche wohl noch einen weiteren Ratgeber: „Abnehmen mit dem inneren Schweinehund“ …

(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.01.2009, 17.37 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Abnehmen, Schweinehund, Couch, Trainingsplan,

Gesucht – gefunden: Katalogsuchmaschine

Die Zeiten, in denen man mühsam die Ergebnisseiten auf Google und Co. nach Bestellbarem durchforsten musste, sind endgültig vorbei. Ein Bekannter gab mir neulich den Tipp für eine umfassende Suche der besonders effektiven Art. Unter www.produkte24.com, einer Katalogsuchmaschine mit rund 2,5 Million Besuchern im Monat, findet sich alles, was das Herz begehrt.
Egal, ob es sich um Bücher zum Thema „Joggen“, um Schuhe, Musikinstrumente, Einbauküchen oder Autoradios handelt. Man gibt einfach den Suchbegriff ein und schon listet die Seite sämtliche Kataloge, die das Gewünschte verzeichnen. Und es geht noch weiter. Die Kataloge können entweder als PDF-Datei geöffnet und auf die Festplatte geladen oder direkt auf der Seite durchgeblättert werden.
Eine sehr nützliche Suchmaschine für Internetnutzer mit hohen Ansprüchen, die sich nicht auf „Zufallstreffer“ verlassen möchten.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.01.2009, 16.57 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches | Tags: Katalog, Kataloge, Kataloge online, Katalogsuchmaschine,

Reise ins Glück

 „Lass nicht zu, dass ein Mensch nach einer Begegnung mit dir nicht ein klein wenig glücklicher ist als vorher“, so oder ähnlich äußerte sich einmal Mutter Theresa. Manchmal sind es nicht nur Begegnungen mit Menschen, die uns ein klein wenig glücklicher machen – manchmal sind es auch Begegnungen mit ganz besonderen Büchern, die es schaffen, ein Leuchten in die Augen zu zaubern.

Dieses Jahr habe ich zu Weihnachten gleich an vier Freunde Ausgaben des Romans „Reise oder die Suche nach dem GlueckHectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ verschenkt. Weil für mich dieses Büchlein eine eigentlich banale, aber doch tröstende Erleuchtung beinhaltet: Wir sind nicht alleine in unserer Suche nach dem Glück, die mal mehr, mal weniger panisch erfolgt. Wirklich entziehen können wir uns dieser Suche nicht, aber manchmal können wir uns ganz bewusst auf die Reise begeben, um uns selbst ein Stückchen näher zu kommen.

Sie können sich vorstellen, wie ich gejubelt habe, als ich erfuhr, dass „Hectors Reise“ nun als Hörbuch verfügbar ist – auch bei uns! Und jeder, der da einmal hineinhört, wird gefangen werden von dem wunderbaren Zauber, den diese Geschichte ausübt.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.01.2009, 13.53 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Hectors Reise, Glück, Mutter Theresa, Sich selbst näher kommen ,

LA VIDA NO ES TAN BREVE COMO SE PIENSA

50 Jahre wurde er nur alt, der chilenische Autor Roberto Bolaño. Geboren am 28. April 1953 in Santiago de Chile, starb er am 15. Juli 2003 in Barcelona an den Folgen einer Leberzirrhose. Hierzulande kennt man ihn kaum, den zwischen den Nationen zerrissenen Schriftsteller, der in den spanisch sprechenden Ländern als außerordentliches Talent gehandelt wurde.

Nicht alle seine Werke finden sich in deutscher Übersetzung, sein Hauptwerk jedoch, für das er 1999 den Premio Herralde de Novela und den Premio Rómulo Gallegos erhielt, "Los detectives salvajes" ist als „Die wilden Detektive“ auch im deutschsprachigen Raum etwas bekannt.

Eine Woche lang war der junge Linke anno 1973 nach dem Militärputsch in Chile inhaftiert. Nach seiner Flucht verbrachte er den Rest seines Lebens im Exil und lebte in El Salvador, in Mexiko und schließlich in Spanien.

Zu Weihnachten bekam ich seine „Telefongespräche“ geschenkt. Diese Kurzgeschichten bannten mich, wusste ich doch oft nicht, ob das, was er hier so stilsicher, so formvollendet beschreibt, seiner Fantasie entsprang oder vielleicht autobiografisch angehaucht ist. Ich machte mich schließlich auf eine Online-Suche nach dem großen Autor – und entdeckte auf Youtube eine alte Interviewaufzeichnung mit ihm. Wer spanisch versteht, wird sich daran freuen

http://www.youtube.com/watch?v=NiUdeiW6_1w&NR=1 Wer dieser Sprache nicht mächtig ist, darf sich dennoch einen ganz besonderen Satz des Lyrikers nicht entgehen lassen: „La vida no es tan breve como se piensa“, sagt er. Übersetzt: „Das Leben ist nicht so kurz, wie man annimmt.“ Ein schönes Wort, das gut zu dieser Zeit zwischen den Jahren passt.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.01.2009, 13.37 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Roberto Bolaño, Telefongespräche, Leben, Aphorismus ,

Abenteuer oder Expedition in den Irrsinn?

Mit dem Wind zum NordpolIch bin ein Fan von Abenteuerberichten. Ja, ich liebe es, von gewagten Ausflügen in den Urwald, in die Gebirge, in die Wildnis zu lesen. Es kann vorkommen, dass ich mich einen ganzen Abend zurückziehe, weil ich unbedingt zu Ende lesen muss, wie XY seinen 15. Berggipfel innerhalb von 24 Stunden schaffte.

Manchmal war diese eher passive Begeisterung für gefährliche Expeditionen schon Zielscheibe freundschaftlichen Spotts: Ob ich denn wirklich glauben würde, dass all diese Extremtouren so umgesetzt worden wären? Die meisten Abenteuer, die man in Büchern lesen könne, würden doch der puren Fantasie des Autors entspringen.

Bis vor kurzem glaubte ich im Großen und Ganzen an den Wahrheitsgehalt solcher Berichte. Schließlich hießen sie ja auch „Berichte“ und nicht „Erzählungen“. Aber an Heiligabend wurde ich eines Besseren belehrt. Ich fand „Globus Dei“ auf dem Gabentisch. In diesem „Expeditionsroman“ plappert Helge Schneider fröhlich schreibend von seiner gewagten Weltreise vom Nordpol bis Patagonien. Natürlich hat er sie ganz allein unternommen. Sie begann mit einer Heißluftballonfahrt an den Pol.

Nach vier Seiten der zwar lustigen, aber dann doch bald enervierenden Schilderung war selbst mir klar, dass es sich um bloße Fiktion handelte. Anfangs ist sie zwar ganz amüsant zu lesen, aber dann wird sie zu viel, zu übertrieben. Deshalb stürzte ich mich freudig auf ein anderes Geschenk meiner Frau: „Mit dem Wind zum Nordpol“. Das Buch beschreibt die (wirkliche!) Fahrt von David Hempleman-Adams im Jahre 2000. Er wagte es tatsächlich, ganz alleine in einem Heißluftballon das gewaltige Abenteuer dreier schwedischer Ballonfahrer nachzustellen, die anno 1897 bei ihrer Heißluftballon-Expedition zum Nordpol den Tod fanden. Das Buch fanden anscheinend auch unsere Einkäuferinnen so mitreißend, dass sie es in unser Programm aufgenommen haben.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.01.2009, 11.57 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Nordpol, Abenteuerbericht, Globus Dei, David Hempleman-Adams,

Auf Nummer sicher

SkivergnuegenSeit Wochen vergeht kaum ein Tag, an dem nicht von weiteren Skiunfällen in den Bergen berichtet wird: Das traumhafte Winterwetter lockte zahlreiche Wintersportler auf die Pisten, um sich mit Ski, Snowboard oder Rodel zu vergnügen. Doch die Kälte sorgte im Handumdrehen für vereiste Abfahrten, die hart wie Beton wurden. Viele lebensbedrohliche Zusammenstöße von Freizeitsportlern zeigten, wie gefährlich dieses schöne Hobby sein kann.

Was soll man tun, fragen sich die Medien: Helmpflicht einführen? Eine „Ski-Polizei“ für die Sicherheit der Pisten engagieren? Pisten sperren, wenn sie vereist oder überfüllt sind? Es ist schwierig, hier zu einer sinnvollen Entscheidung zu gelangen: Wie können Berge sicherer gemacht werden, ohne dass über Kontrolle und Vorschriften die Selbstverantwortung der Menschen beschnitten wird?

Ich selbst fahre schon länger nicht mehr in die berühmten Skigebiete – mir ist es dort einfach zu voll, zu laut, zu dreckig. Nichtsdestotrotz will ich nicht auf das Vergnügen verzichten, das mir eine verschneite Winterlandschaft bereitet. Also wähle ich Routen, die nicht so überlaufen sind.

Wenn auch Sie Alternativen zu den bekannten Touristenbergen suchen, empfehle ich Ihnen das Buch „Skitouren in Nordtirol“. Dieses Werk zeigt Ihnen die besten Skitouren für Anfänger bis hin zu Profi-Tourengängern. Und das Beste: Alle Tourendaten können aus dem Internet herunter geladen und auf ein Navi gespielt werden – so ist auch die Orientierung im einsamen Gelände ganz sicher!


 (geschrieben von Matthias Stöbener)

31.01.2009, 09.45 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nachdenkliches | Tags: Wintersport, Skitouren, Nordtirol ,

Träumen erlaubt

Luxus-SchlittenAmerika war schon immer ein Auto-Land. Schier endlose Highways, auf denen Luxusschlitten cruisen und chromblitzende Fernlastwagen hupen. So stellt man sich das hierzulande vor.

Detroit wird mit der "North American International Auto Show" einmal im Jahr zum Zentrum der Aufmerksamkeit der internationalen Autofan-Gemeinde. Zwischen dem 11. und 25. Januar 2009 sind dort die aktuellsten Design- und Technikentwicklungen der Automobilbranche zu bewundern.

Bei weitem nicht alle Neuheiten stehen unter dem Motto „Umweltschutz“. Manchmal geht es den Auto-Produzenten scheinbar um Nostalgie. Denn mit „Neuheiten“ wie einem Elektromotor oder Motoren, die schadstoffreduziert sind, können Edel-Schlitten wie der SLR in der „Stirling Moss“-Edition nicht aufwarten – dafür aber mit 650 PS und Spitzengeschwindigkeiten bis 350 km/h.

Wer also mal schlappe 750.000 EURO übrig hat, bekommt die faire Chance, einen der weltweit nur 75 produzierten Sportwagen von Mercedes zu ergattern. Mal sehen, wie viele Aufträge nach Detroit den Untertürkheimern ins Haus stehen.

Aber zugegeben: Auch ich träume gerne, auch mir gefallen schöne Autos. Ich staune über die schönen Bilder, die in „Automobil Design“ zu bewundern sind. Dieses umfangreiche Nachschlagewerk stellt jedes Jahr alle Entwicklungen der Auto-Branche mit neuen Studien und Serienmodellen aller Marken von A bis Z zusammen. Das ist meine Variante, ein wenig am Detroit-Flair teilzuhaben.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.01.2009, 09.29 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Automobil-Design, Detroit, North American International Auto Show ,

Aus 1 mach 10!

1 EuroVielleicht geht es Ihnen auch so: Anfang Januar bin ich immer pleite. Schließlich zollte man nicht nur in Form von Geschenken dem gerade vergangenen Fest seinen Tribut – auch alle möglichen wichtigen und unwichtigen Versicherungen buchen zum Jahresanfang die fällige Prämie vom Konto ab. Da bleibt dann nicht mehr viel übrig, wenn alle Unkosten abgezogen sind.

Und dennoch. Bücher gehören für mich zum täglichen Leben wie mein Frühstücksbrot. Ich kann und will einfach nicht auf das Lesen verzichten. Natürlich werde ich mir im Januar nicht die in Leder gebundene Ausgabe des Gesamtwerks von Charles Dickens leisten. Das bedeutet aber nicht, dass ich darauf verzichten muss, mich mit neuem Lesefutter einzudecken: Denn gerade jetzt im Januar sind die Abende noch lange und das Fernsehprogramm ist nicht anspruchsvoller geworden. Es bleibt also viel, viel Zeit zum Schmökern.

Und weil wir von Jokers denken, dass es Ihnen im Januar ähnlich geht wie mir, haben wir in unserer Rubrik „Nur 1 EUR“ ganz viel neuen Lesestoff im Angebot. Hier finden Sie nicht nur praktische Lernhilfen und Lebensratgeber, sondern auch viele Romane, sogar auf Englisch. Und wenn man sonst durchschnittlich 10 € für ein Buch ausgibt, bekommt man damit fürs gleiche Geld ganze 10: Na, das sollte mich über den Januar bringen!

(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.01.2009, 09.18 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: 1 Euro, Januar, Lesefutter,

Edgar Allen Poe

Am 19. Januar 2009 wäre er zweihundert Jahre alt geworden: Es gibt wohl niemanden, auf den die dichten Erzählungen des Autors Edgar Allan Poe keine besondere Faszination ausüben.

Edgar Allan PoePoe selbst war alles andere als vom Glück verwöhnt: Er verlor sehr früh seine Eltern; als Waise wurde er von einer Pflegefamilie aufgenommen, doch auch die Pflegemutter starb sehr jung. Edgar selbst schied schon mit gerade mal vierzig Jahren aus der Welt der Lebenden: Hoch verschuldet, sein Leben von Alkoholexzessen geprägt, depressiv und arm – das war das wenig glückliche Dasein von Edgar Allen Poe. Er wurde im Laufe einer seiner Vortragsreisen am 7. Oktober 1849 orientierungslos in Baltimore, Maryland, aufgefunden und ins Krankenhaus gebracht – wo er starb.

„Nicht in der Erkenntnis liegt das Glück, sondern im Erwerben der Erkenntnis,“ sagte er einmal – was wohl dem Ausspruch „Der Weg ist das Ziel“ entspricht. Poes Weg war steinig, er war schwer – und er war viel zu kurz. Und doch hat er uns ein Sammelsurium an einzigartigen Erzählungen hinterlassen, Fantasy- und Horrorgeschichten, erschreckend düstere Geschichten.

Hier

haben wir einige seiner beliebtesten Werke für Sie zusammengestellt.

Und hier

können Sie testen, was Sie über den düsteren Dichter wissen.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.01.2009, 09.02 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Edgar Allen Poe, Horrorgeschichten, Fantasygeschichten ,

Was heißt schön?

SpiegelWas ist mit unserer Zeit geschehen? Was soll ich meiner jungen Nichte erzählen, die mit ihren 10 Jahren schon in den Spiegel guckt und feststellt, ihre Nase ist zu lang? Was soll ich ihr entgegnen, wenn sie erzählt, die Mutter ihrer Freundin hat sich kürzlich „neue Augen“ machen lassen. Damit meint die Kleine, dass jene Mutter sich liften ließ.

Soll ich sagen, dass das normal ist? Dass wir in einer Welt des Scheins leben, in der jeder, der mitreden will, glaubt, er müsse der Natur Einhalt gebieten? Ich erinnere mich noch gut daran, wie meine Großmutter früher meine Schwester, sie war ein paar Jahre älter als meine Nichte heute ist, beiseite nahm: „Iss gesund, bewege dich draußen, und ein wenig Nivea Creme – dann bleibst du so, wie du bist.“ Das Aussehen meiner Oma gab ihr Recht. Sie selbst hatte kaum Falten, sie wurde sehr alt, und vor allem: Wir liebten sie, auch wenn sie mit den Jahren ein wenig runder um die Taille wurde.

Arthur Schopenhauer hat einmal in einem Nebensatz geschrieben, „dass alles Schöne, was der Welt gehört, sich selbst zerstört und nicht erträgt die rohe Menschenhand“. Gut, Schopenhauer meinte sicher nicht jene chirurgischen Eingriffe, die schief gehen: Statt jung und schlank wachen die Damen und Herren ziemlich entstellt aus ihrem „Schönheitsschlaf“ auf. Schopenhauer bezog sich wohl eher auf die natürlichen Schauspiele, auf all jene schönen Bilder der Natur, die sich uns präsentieren: Berggipfel im Schnee, Flüsse im Morgenrot, ein Wald im Nebel... Diese natürliche Schönheit büßt ihre Anmut ein, wenn Berglifte sie durchziehen, Ströme begradigt und gestaut werden, der Wald abgeholzt...

Genauso so, wie der Liebreiz eines menschlichen Gesichts schwindet, wenn das chirurgische Messer sich daran austobt. Das ist zumindest meine ganz persönliche Meinung. Weil für mich Schönheit auch in fehlender Perfektion liegt: Eben in jener Biegung des Flusses, in jener unberührten Wildheit des Gipfels, in der unebenen Silhouette der Bäume... In jener Lachfalte am Auge, in jenem Schwung der Hüfte, in jenem schiefen Zahn …

(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.12.2008, 19.51 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches | Tags: Schönheit, Perfektion, Schopenhauer,

70 Jahre alt

boyleEr erhielt den PEN/Faulkner-Preis, sein „World´s End“ wurde von den Kritikern hoch gelobt, er gilt als einer der besten Pop-Literaten Amerikas, er wurde im Jahre 1948 in Peekskill geboren. Er ist der Sohn eines Busfahrers und einer Sekretärin. Er machte seinen Abschluss in Englisch und Geschichte an einer State University, nämlich einer Zweistelle der State University von New York in Potsdam. Er umging den Kriegsdienst in Vietnam, indem er als Lehrer an einer Highschool jobbte. Er verfiel den Drogen.

1977 erarbeitete er sich den Doktortitel in englischer Literatur und nahm 1978 einen Lehrauftrag an der Universität South California für Kreatives Schreiben an. Seit 1986 hält er nun eine Professur für Englisch an der Universität South California inne und lebt mit seiner Frau in den Bergen Kaliforniens.

Natürlich haben Sie längst erraten, um wen es sich bei dieser Kurzbiografie handelt: T.C. Boyle beeindruckt mit dieser ungewöhnlichen Lebensgeschichte. Das erste Werk von Boyle, über das ich „stolperte“, war „Drop City“. Seitdem zähle ich mich zu seinen getreuen Lesern.

Am 2.12. wurde er 70 Jahre alt – und speziell zu diesem Anlass haben wir ein Audiopaket ins Programm genommen, das ebenso ungewöhnlich ist wie T.C. Boyle selbst. „Talk Talk“ heißt die Box aus 4 CDs, die Ihnen beinahe 5 1/2 Stunden beste und spannungsgeladene Unterhaltung bringt!

(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.12.2008, 16.05 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: T. C. Boyle, Talk Talk, Drop City,

By a lady

Jane AustenAm 16. Dezember hätte sie Geburtstag gehabt: Eine der ersten Frauen der Geschichte, die den Biss und die Chance hatten, sich als Schriftstellerin durchzusetzen. Es geht um die 1775 in Steventon / Großbritannien geborene Jane Austen. Sie wurde weltberühmt: Vor Kurzem wurde sogar wieder eines ihrer Werke fürs Kino verfilmt! „Sense and sensibility“ heißen sowohl der Roman als auch der Film, der zahlreiche Zuschauer für das Erzähltalent Austens begeisterte.

Sieben Geschwister hatte die außergewöhnliche Lady, die ihre ersten literarischen Gehversuche mit kritischen Satiren machte. Ihrer eigenen Jane AustenArt von Zynismus und unterschwelliger oder gar offener Kritik der gesellschaftlichen Lage blieb Jane Austen zeitlebens treu: Auch ihre wegen formaler Perfektion hoch gelobten Romane wie „Emma“ beschönigten die soziale Lage junger lediger Frauen der damaligen Zeit keineswegs. Was Jane Austen wie keine andere beherrschte, war die Darstellung des Spannungsbogens zwischen Vernunft und Gefühl. Im frühen 19. Jahrhundert war es in England nicht an der Tagesordnung, dass eine Lady ihrem Herzen folgen konnte. Vielleicht ist es das, was uns heute noch so an Jane Austens Werken bewegt: die großen Leidenschaften, die gegen Missverständnisse, gegen Konflikte jeder Art kämpfen müssen. Und nicht immer siegen.

Stöbern Sie doch mal in unserem Austen-Spezialprogramm – hier finden Sie neben vielen Büchern auch zahlreiche Verfilmungen ihrer Klassiker!



 

(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.12.2008, 12.50 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Jane Austen, Steventon, Emma ,

Zum Abtauchen

Hand aufs Herz: Was war dieses Jahr Ihre Lieblingsurlaubslektüre? Ich hatte zugegebenermaßen gleich mehrere Bücher, die ich parallel verschlang. Doch meine Frau vertiefte sich in einen ganz besonderen Leckerbissen, gegen den sie sich ursprünglich verwehrt hatte: in „Den Schwarm“ von Frank Schätzing. Sie war gefesselt. Mehr noch, das Buch beeinflusste unseren Urlaub am Meer so sehr, wie ich es von einem Thriller über Wale nie gedacht hätte.

UnterwasserweltGebannt verbrachte meine Frau die Zeit am Pool, am Meer und abends auf dem Hotelzimmer lesend. Mehr noch: Am dritten Tag bat sie mich sogar, mit ihr die Küste auf weitere Informationen zum Meer und seinen Bewohnern abzusuchen. Allerdings gab es in dem kleinen italienischen Fischerdorf keine Museen, Delfinarien oder Ausstellungen, die ihren Wissensdurst befriedigt hätten. Nur Fischer, die sie schließlich eifrig zu interviewen begann. Doch ihr Italienisch reichte für die Fragen der Meereskunde nicht aus.

Ich bot ihr an, auf dem Heimweg beim nächsten Meereskunde-Museum oder Delfinarium Halt zu machen, um ihren Wissensdurst zu stillen. Dort verbrachten wir einen ganzen Tag voller Studien zu diversen Meeresbewohnern und Algen.

Meine Frau ist immer noch Feuer und Flamme für das Meer und seine Bewohner. „Der Schwarm“ ist längst ausgelesen, doch die Unterwasser-Leidenschaft ist geweckt. Sie will, dass wir uns im nächsten Jahr zu einem Tauchkurs anmelden. Ich hoffe heimlich, dass sie bis dahin wieder ihre Liebe für soliden Festlandboden entdeckt hat. Denn im Moment kann ich mir einen Tauchurlaub noch nicht vorstellen.

 

(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.12.2008, 12.15 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Tauchurlaub, Schätzling, Delfinarium,

Geschmackssache

Vor einiger Zeit besuchte ich meine Schwägerin. In ihrem Buchregal stand auch ihr derzeitiges Lieblingsbuch „Der Schatten des Windes“. Mehr aus Höflichkeit denn aus Interesse sagte ich: „Das muss ich auch mal lesen.“ Prompt lieh sie mir das Werk von Carlos Ruiz Zafón aus und wartete seitdem auf meine Meinung zu dem Buch.

Natürlich habe ich das Buch bald aufgeschlagen und mich abends im Bett rein gelesen. Auch am nächsten und übernächsten Abend. Ich bin bis Seite 121 gekommen, doch dann legte ich es weg. Nun sind 5 Monate vergangen und es liegt noch immer am gleichen Platz. Die 562 Seiten sind mir im Moment zu mächtig. Die Spannung, die sich laut Werbetext „schon mit der ersten Seite“ einstellt, lässt bei mir auf sich warten. Die Handlung, die meine Schwägerin so berührte, lässt mich völlig kalt. Kurz, das Buch packt mich einfach nicht. Und um mich durch die restlichen 440 Seiten zu quälen, fehlt mir die Motivation.

Doch wie soll ich ihr das sagen? Mit welchen Worten gibt man ein geliehenes Buch zurück, das dem Verleiher am Herzen liegt, einen selbst aber völlig kalt lässt? Nach zwei quälenden Familientreffen, in denen sie wissen wollte, wie mir das Buch gefällt und ich mich wand, entschied ich mich für Ehrlichkeit.

Beim nächsten Treffen erklärte ich, dass mir die sprachliche Schönheit besonders gefallen hatte, ich aber mit dem Inhalt nicht sehr viel anfangen konnte. Trotz gut gemeinter Aufrichtigkeit verübelte sie mir mein Urteil. Das war wohl das letzte Mal, dass mir meine Schwägerin ein Buch geliehen hat. Um ehrlich zu sein, bin ich froh. Denn Literatur ist Geschmackssache.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.12.2008, 12.04 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches | Tags: Geschmackssache, Bücherwahl,

Armes Europa

Und noch einmal Google! Die europäischen Verleger halten die Einigung zwischen Google, den amerikanischen Verlagen und Autoren für einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einem Monopol Googles auf dem internationalen Medienmarkt. Besonders kritisiert wird der in dieser Einigung festgeschriebene Umgang mit dem Urheberrecht. In Amerika hat man nämlich festgelegt, dass Google auch rechtlich geschützte Texte scannen und veröffentlichen kann, so lange nicht der Rechtsinhaber dem widerspreche. Man spricht dabei vom Opt-out-Prinzip.

Dieses Prinzip kommt in Europa gar nicht gut an. Und mal ehrlich: Wollten Sie, dass jemand so lange ihr Auto gratis benutzen kann, als die dem nicht widersprechen? Ich kann den Ärger europäischer Verleger also gut verstehen. Sie meinen, das Vorgehen in Amerika schwäche die europäische Urheberrechtspraxis. Und damit mögen sie Recht haben. Denn warum soll in Europa nicht möglich sein, was in Amerika Praxis ist?

Und deshalb setzen die europäischen Verleger auf das europäische Digitalisierungsprojekt Europeana. Am 20. November 08 wurde es mit zwei Millionen Digitalisaten (so heißen digitalisierte Inhalte) freigeschaltet. Um schon ein paar Tage darauf nicht mehr erreichbar zu sein, weil angeblich so viele UserInnen zugegriffen hätten, wie auf der Homepage des Projekts zu erfahren war.

Eine riesige Blamage, meine ich. An dem Projekt beteiligt sind viele europäische Bibliotheken, z. B. auch die Bibliothèque nationale de France und die Deutsche Nationalbibliothek. Das Ziel ist, alle europäischen Texte über dieses Portal der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aber wenn die Europäer nicht dazu fähig sind? Wenn ihnen Google vormachen muss, wie so etwas geht? Armes Europa. Noch braucht man die Hoffnung nicht aufzugeben, dass die Europeana irgendwann kommt. Der nächste Anlauf soll Mitte Dezember kommen. Ich bin gespannt.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.12.2008, 12.01 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Opt-out-Prinzip, Europeana, Digitalisate, Digitalisierungsprojekt ,

Goethe im Koffer

GoethekofferWir wollen uns dieses Jahr nur Kleinigkeiten zu Weihnachten schenken. Einstimmiger Familienbeschluss. „Eigentlich“ bin ich damit ja sehr einverstanden, ich halte von diesen Geschenk-Orgien nicht viel. Aber schlimm wird es, wenn man das augenscheinlich „ideale“ Geschenk für jemanden entdeckt hat … Meine Schwester Klara zum Beispiel ist ausgeprägter Goethe-Fan. Sie hat unzählige Reclam-Heftchen des großen Meisters, und hre Liebe zu ihm zeigt sich an den zerfledderten, zerlesenen Büchlein.

Tja, und jetzt ist es vor Weihnachten passiert: Ich habe das ideale Geschenk für sie entdeckt: den „Goethe-Koffer“. Alle Werke des genialen Dichters, 33 Bände, in einem Koffer! Wie angewurzelt blieben meine Finger auf der Tastatur hängen: 199 statt 498 Euro. Das wäre zwar ein Geschenk, von dem sie ein Leben lang zehren könnte – aber natürlich trotz Preissenkung immer noch ein Sümmchen.

Ich hielt ein paar Tage Krisenrat mit mir selbst. Wenn ich meiner Frau einmal Schmuck schenke, ist das wesentlich teurer als der Jokers Goethekoffer! Dann sprach ich mit meiner Frau, dem Mann meiner Schwester und meiner zweiten Schwester: Wir haben alle vier zusammenlegt, um Klara den Koffer zu schenken! Und vielleicht darf ich mir ja das eine oder andere Werk mal ausleihen...



(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.12.2008, 11.52 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kulturgeschichte | Tags: Goethekoffer, Goethe sämtliche Werke, Goethe-Werke,

Der Buchhandel muss sich neu definieren

Die Debatte um das E-Book oder sagen wir die Digitalisierung von Inhalten nimmt kein Ende. Der technische Fortschritt ist nicht aufzuhalten, obwohl es die Buchhändler gerne sähen. Man wird immer seltener in eine Buchhandlung gehen müssen, um die Texte zu erhalten, die man erwünscht. Seit Jahren ist Google dabei, alle rechtefreien Buchinhalte zu scannen. Nun hat Google in Amerika mit den Verlagen und Autoren gegen eine geringe Gebühr ausgehandelt, dass die Suchmaschine auch urheberrechtlich geschützte Werke der Öffentlichkeit kostenlos zugänglich machen darf. Die allumfassende Bibliothek im Internet ist greifbar nahe. Zumindest in den Vereinigten Staaten.

In Europa denkt man noch über folgende Alternativen nach: Die öffentliche Hand übernimmt eine Veröffentlichung aller in der Landessprache erschienenen und noch erscheinenden Werke oder die Verlage eines Landes schließen sich zusammen, um eine eigene Internetplattform für eine digitale Landesbibliothek zu schaffen. So versuchen es z. B. die deutschen Verlage mit ihrer Plattform Libreka!, um sich die Verfügungsgewalt über ihre Inhalte nicht durch einen offensiven amerikanischen Suchmaschinen-Betreiber nehmen zu lassen.

Würden die Verlage ihre Inhalte mit den Inhalten der Landesbibliotheken vereinen, hätte man sicher das Gleiche erreicht, was Google versucht. Nur dass die Gewinngenerierung im Land bliebe und nicht nach Amerika abflösse. Es muss also unser aller Anliegen sein, dass nicht irgendwann die Amerikaner die Macht über unsere deutschsprachigen Inhalte erhalten.

Das alles hilft Verlagen und Autoren – nicht aber dem Buchhandel. Denn für den Buchhandel gibt es noch kein überzeugendes Modell, wie er von der Digitalisierung der Verlagsinhalte profitieren könnte. Im Gegenteil: Es sieht so aus, als dass er sich vielen anderen Waren öffnen muss, um zu überleben, ja sich im Grund umdefinieren muss, will er als Kulturbasis einer Stadt überleben.

Link: http://www.libreka.de <br><br>
(geschrieben von Matthias Stöbener)<br><br>

31.12.2008, 11.35 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: E-Book, Digitalisierung, Buchhandel, Libreka!,

Die Logik meiner Nichte

33 einfache DingeMeine kleine Nichte ist verzweifelt: Sie ist zwar schlau, aber wirklich verstehen kann sie mit 10 Jahren die politisch-ökonomischen Zusammenhänge noch nicht. Da tut sich ja manch Erwachsener schon schwer genug! Was sie zur Zeit belastet ist, dass der Umweltschutz zurückgestellt werden soll – wegen der internationalen Finanzkrise, wegen des finanziellen Fiaskos bei den Autobauern, wegen der Rezession...

In ihrer Kinderlogik dürfen die „Großen“ weiterhin unsere Erde mit Schadstoffen und Abgasen kaputtmachen, damit niemand seine Arbeit verliert. Und dann werden in einigen Jahren Mittel gefunden werden müssen, um die gestiegene Belastung der Umwelt wieder rückgängig zu machen.

„Macht es nicht viel mehr Sinn, Onkel“, fragt mich das junge Mädchen, „wenn man den Menschen, die Autos bauen, Arbeit im Umweltschutz geben würde?“ Ich weiß nicht recht, was ich ihr antworten soll – mit dieser bestechenden Kinderlogik kann mein akademischer Verstand nicht mithalten. Ich sage ihr, dass jeder Einzelne etwas dazu beitragen kann, unsere Erde zu schützen. Z. B. dadurch, dass wir das Auto auch mal stehen lassen, um mit dem Fahrrad zum Einkaufen zu radeln.

Sie macht große Augen: „Aber ich habe doch noch gar keinen Führerschein! Können wir Kinder denn gar nichts machen? Bei der Frage musste ich passen.

Wieder in der Arbeit bin ich über den Titel „33 einfache Dinge, die du tun kannst, um die Welt zu retten“ gestolpert. Ein Buch, das exakt für solche intelligenten und aktiven Kinder wie meine Nichte geschrieben ist. Ich werde es ihr noch vor Weihnachten schenken. Vielleicht schmökere ich auch mal darin.



(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.12.2008, 11.03 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kinder und Jugend | Tags: Kinderlogik, Umweltschutz für Kinder, Umweltfragen,

Kulturschaffende am Ende der Verdienstleiter

zu wenigVon den Übersetzern weiß man es. Schon seit Jahren wabert ein Streit in der Buchbranche, was denn eine angemessene Entlohnung von Übersetzern bedeutet. Mit dem Ergebnis, dass die Übersetzer meist immer noch viel zu wenig für ihre kulturschöpferische Arbeit verdienen. Einer Gesellschaft, die darauf aufbaut, dass sie sich mit Wissen und Bildung auf ihrem Wohlstandsniveau hält, wird es nicht mehr lange möglich sein, Bankern, die gigantische Werte vernichten, Jahresgehälter von Millionen in den Rachen zu werfen, während sie gleichzeitig Menschen, die im Kulturbereich Werte schaffen, mit einem Hungerlohn abspeiset.

Viel Arbeit und wenig Geld, das ist auch die Überschrift eines Börsenblatt-Artikels zu den Einkünften von BuchillustratorInnen. 732 von ihnen haben ihre Einkünfte offengelegt. Mit erschreckendem Ergebnis. Fast 66 Prozent der Illustratoren können von ihrem Verdienst keine Familie ernähren. Etwa ein Drittel hat einen zweiten Beruf und mehr als 40 Prozent sind auf das Einkommen ihres Partners angewiesen, um überlegen zu können. Ganz konkrete Zahlen: 45 % verdienen im Schnitt unter 12.000 Euro netto im Jahr, etwa 16 % kommen bis 18.000 netto, etwa 12 % auf bis zu 24.000 netto.

Und es wird in den nächsten Jahren sicher nicht besser, denn der Kostendruck der Verlage nimmt zu. Um das auszugleichen, müssten die Illustratoren noch mehr Bücher illustrieren – oder in Länder auswandern, wo sie besser verdienen. Auch an dem Beispiel der Illustratoren zeigt sich, dass die Hochschätzung von Kultur in unseren Breiten meistens nur einem Lippenbekenntnis gleichkommt. Jungen Menschen zu einem Beruf in der Kulturindustrie zu raten, kann nur noch mit einem schlechten Gewissen getan werden.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.12.2008, 10.52 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kulturgeschichte | Tags: Illustratoren, Verdienst von Kulturschaffenden, Hungerlohn ,

Jokers goes to Hollywood

Solche Gesichter sieht man auch nicht alle Tage: Gestern kamen zwei Mitarbeiterinnen zu mir, um mir zu sagen, dass da ein sonderbarer Verrückter in der Küche steht und unseren Kaffee trinkt. Mit einer komischen Mütze auf dem Kopf, bunten Klamotten, überall Glöckchen – aber die Schuhe, die wären irre... Ob sie einen Arzt rufen sollten, wollten sie wissen. Aber das war nicht nötig: Bei Jokers war nur der Film zu Gast...

Garitz Esposito


Ja, Jokers goes to Hollywood: Regisseur Andreas Garitz dreht einen Blockbuster über die Abenteuer des Superhelden „Joker“ bei der Rettung in Not geratener Bücher... Naja, eigentlich ist es „nur“ ein Imagefilm. Aber für einen Tag durften sich die Jokers-Mitarbeiter fühlen wie am Set von „Batman“. Überall Kabel, Lichter, Hektik - und natürlich Lampenfieber: denn einige der Kollegen durften mitspielen. Als Joker mit dabei: Fabio Esposito, der schon bei einigen Eröffnungen von Jokers-Läden mit seinem schauspielerischen Können für Stimmung sorgte.

Esposito Schill


„Der Joker setzt den Rotstift an!“ ... und macht die Preise nieder. Gern. Solange es Grafikerin Svenja Schill nicht zu bunt wird...


(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.12.2008, 10.42 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Fabio Esposito

Schriftsteller auf Droge

Heinrich BoellDass nicht alle bekannten Schriftsteller so abstinent und selbstkontrolliert gelebt und geschrieben haben wie Thomas Mann wusste ich. Auch, dass viele Autoren wie Novalis (Opium), Goethe (Alkohol), Gottfried Benn (Kokain), Aldous Huxley (LSD) oder Benjamin von Stuckrad Barre (Kokain) Drogen, Pilze und andere Substanzen benutzten, um ihr Bewusstsein zu erweitern, mehr über sich und die Welt zu lernen oder schlicht besser schreiben zu können, ist hinläufig bekannt. Dass Klaus Mann, Georg Trakl und Hans Fallada daran sogar gestorben sind, auch.

Doch welches Drama sich hinter der Geschichte eines der wichtigsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit verbirgt, erfuhr ich erst neulich. Wir kamen auf das Thema über die Lieblingsband eines Arbeitskollegen. Dieser schwärmte mir von Fergy, der Sängerin der Black Eyed Peas vor, die er aufregend, wenngleich „fertig wegen zu viel Chrystal Meth“, also Methamphetamin, fand. Aber die Droge hätte ja auch schon Heinrich Böll gern genommen.


Und tatsächlich. Meine Recherchen bestätigten das Gehörte: Während des 2. Weltkriegs bat Böll seine Eltern in Briefen mehrfach darum, ihm Pervitin zu schicken. Die „Panzerschokolade“ oder „Hermann-Göring-Pillen“ halfen den Soldaten damals ihre Angst im Schützengraben zu überwinden sowie Leistung und Konzentration zu steigern. Auch als der Krieg lange vorbei war, soll Böll weiterhin „Panzerschokolade“ genascht haben …

Und von Heinrich Böll kann man hier günstig naschen!

(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.12.2008, 09.58 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Heinrich Böll, Panzerschokolade, Methamphetamin, Pervitin,

Zahme Zoo-Insassen

StrickzooIch lese ja, wie Sie bereits wissen, Montags äußerst gerne die Schlagzeilen des Wochenendes – und dieses Mal musste ich herzhaft über eine Meldung unter „Verschiedenes“ lachen: Gleich mehrere Zootiere sind aus ihren Gehegen in verschiedenen Tierparks ausgebüchst. Der Grund ist ungewiss, vielleicht ahnten sie den hereinbrechenden Winter und dachten, ihre Spuren würden vom Schnee verweht werden. Oder sie wollten nur noch einen kleinen Ausflug starten, bevor die Kälte endgültig hereinbricht.

Die entkommenen Zoobewohner waren ein Steinbock und zwei Kängurus – beide Tierarten sind für ihre weiten und gekonnten Sprünge bekannt. Sowohl der Steinbock als auch die Kängurus hielten gleich über mehrere Tage die Suchmannschaften in Trab. Denn die Tiere dachten gar nicht daran, sich einfangen zu lassen.

Schlussendlich jedoch wurden alle drei Tiere wieder in ihre jeweiligen Zoos gebracht: Eines der Kängurus hatte es nicht so gut getroffen, es wurde verletzt in einem Waldstück gefunden. Ein Schäferhund hatte es angefallen. Das zweite Sprungtier hatte sich auf einem Bauernhof verschanzt. Der Steinbock wurde durch ein Betäubungsgewehr am weiteren Entspringen gehindert.

Ich weiß nicht, ob ich traurig oder froh sein soll, dass die Tiere nun erneut hinter Gittern sitzen. Ich hätte ihnen die Freiheit gegönnt. Auf der anderen Seite bin ich mir nicht sicher, wie die Überlebenschancen für Kängurus bei einem Meter Schnee stehen...

Auf alle Fälle hat mir diese Meldung endlich eine Anregung beschert, was ich meiner Mutter, eine leidenschaftliche Handarbeiterin, zu Weihnachten schenken könnte: Die Anleitung „Strickzoo“! Dieses Buch gibt nämlich detaillierte Anleitungen zum Anfertigen von wahrhaft zahmen Zootieren, die sicher nicht an ein Entkommen denken...

(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.12.2008, 08.50 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Zootiere stricken, Strickzoo,

Tag der Menschenrechte

Am 10. Dezember wird der „Tag der Menschenrechte“ begangen. Paradox: Braucht man wirklich eine Erinnerung an etwas, was „von Geburt aus“ gegeben sein sollte? „Alle Menschen verfügen von Geburt an über die gleichen, unveräußerlichen Rechte und Grundfreiheiten.“ Heißt es in der Charta der Vereinten Nationen. Die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ wurde am 10. 12. 1948 verkündet. Die vollständige Erklärung können Sie auf der UNO-Seite nachlesen:

http://www.unric.org/index.php?option=com_content&task=view〈=de&id=105

CDWissen„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“ Das sind die ersten Aussagen der Resolution.

Mit Gewissen begabt... Ein Blick in die internationale Geschichte zeigt, dass das nicht immer zutrifft: Hitler wie Stalin sind wohl mit die furchtbarsten Gestalten. Und sie waren scheinbar nicht mit Gewissen begabt, sind durch ihre Gewissenlosigkeit zu brutalen Diktatoren geworden.

Das Hörbuch „Adolf Hitler - Joseph Stalin, CD“ trägt den Untertitel „Größenwahn ohne Gewissen“. Und auch, wenn Gewaltherrschaften nicht unbedingt ein Thema sind, mit dem man sich abends vor dem Einschlafen beschäftigt, so sollte doch der „Tag der Menschenrechte“ ein Anlass sein, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Wie kann es sein, dass durch die Jahrtausende und Jahrhunderte hindurch der Mensch immer wieder vergisst, dass er mit Gewissen begabt ist?

(geschrieben von Matthias Stöbener)

31.12.2008, 07.38 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Tag der Menschenrechte, Größenwahn, Gewissen, Hitler, Stalin ,

Wo der Tod regiert

Josef WinklerAn Allerheiligen wurde der Georg Büchner-Preis verliehen: Josef Winkler, der österreichische Autor, nahm ihn mit einer fesselnden Dankesrede entgegen. Zu den wichtigsten Werken von Winkler zählen: Wenn es soweit ist, Natura Morta, Römische Novelle, Leichnam, seine Familie belauernd, Roppongi, Requiem für einen Vater sowie Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot.

Der Tod, aber vor allem auch die Vernetzung von Leben und Sterben, sind zentrale Themen des 1953 geborenen Kärntners. Sein individuelles Symbol für den Niedergang sind Gladiolen: Sie sind Winklers zentrale Metapher und werden überall dort sichtbar, wo das Leben dem Tod weicht. Genau diese Blumen schmückten als Dekoration die Bühne des Darmstädter Staatstheaters, in dem Josef Winkler den wichtigsten deutschen Literaturpreis entgegennahm.

Ich will gar nicht versuchen, das Werden des großartigen österreichischen Schriftstellers zu psychologisieren oder zu analysieren: Die Gefahr ist groß, sich in der harten bäuerlichen und durch und durch archaisch-katholisch geprägten Kindheit des Autors zu verlieren. In und durch die Literatur habe sich Josef Winkler gerettet, meinte der Wiener Publizist Ulrich Weinzierl, der die Laudatio auf Winkler hielt.

Egal, was dahinter steckt: Mich fasziniert das Werk Josef Winklers sehr. Und auf eigentümliche Art und Weise erinnert es mich an das literarische Schaffen von Georg Büchner selbst. Aber lesen und vergleichen Sie doch selbst: Besonders empfehlenswert zu diesem Zweck sind Büchners Werke „Woyzeck“ und „Leonce und Lena“.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

07.12.2008, 11.16 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Büchnerpreis, Josef Winkler, Leonce und Lena, Woyzeck,

Präsidenten-Fiktion

Die letzte Liebe des PraesidentenWahrscheinlich haben auch Sie die amerikanische Präsidentschaftswahl aufmerksam in den Medien verfolgt: Wer macht das Rennen? Obama oder McCain? Der Demokrat oder der Republikaner? Schlussendlich geschah das, was noch vor einigen Jahren als Unmöglichkeit galt: Die USA haben den ersten schwarzen Präsidenten der Geschichte!

Wir Nicht-Amerikaner konnten nicht mitbestimmen, wir konnten nur gespannt den Ausgang der Wahlen verfolgen. Den Umfragen zufolge war ein dringendes Anliegen der Amerikaner, das entscheidend den Wahlentscheid beeinflusste, die Sorge um die US-Wirtschaft – hier liege einiges im Argen, meinte die Bevölkerung.

Einen Einblick in das amerikanische System zu erhalten, um tatsächlich kompetent mitreden zu können, ist nicht einfach. Meine amerikanischen Bekannten erzählen mir von 16-Stunden-Arbeitstagen, davon, dass sie keinen Tag Urlaubsanspruch in den ersten beiden Jahren der Betriebszugehörigkeit haben, von maximal einer Woche bezahlter Krankheitszeit pro Jahr. Ich höre bei solchen Erzählungen aufmerksam und erstaunt zu – und bin froh in Europa zu leben.

Sehen wir einmal, welche Flügel nun der neue Präsident dem amerikanischen Traum verleiht. Und was die Präsidentschaft mit den Träumen (und Wahlversprechen) des Kandidaten anstellt. Und nicht nur ich habe mir schon mehrmals die Frage gestellt, weshalb jemand überhaupt ein solches politisches Mandat tragen will. Was geschieht mit einem Menschen, der eine derartige Machtposition hat? Was bleibt von der Person?

Die letzte Liebe des Präsidenten“ heißt der Roman von Andrej Kurkow, der die fiktive Geschichte des ukrainischen Präsidenten des Jahres 2013 erzählt. Wer weiß: Manchmal nimmt die Fiktion die Wirklichkeit vorweg...

(geschrieben von Matthias Stöbener)

07.12.2008, 11.13 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Präsidentenwahl, Andrej Kurkow, Wirtschaft USA ,

Berufswunsch Nobelpreisträger

Meine Schwester hatte geladen: Rund 15 Kinder sammelten sich um den Geburtstagstisch meiner Nichte, die 10 Jahre alt wurde. Nachdem die Torte gegessen war und die Geschenke ausgepackt waren, wollten die Kids natürlich spielen. Doch bei den jungen Gymnasiasten kann man mit Würstchenschnappen oder Topfschlagen nicht mehr punkten. Also wurde kurzerhand „Beruferaten“ gespielt: Die Jungs und Mädchen sollten pantomimisch ihren Traumberuf nachstellen, die anderen Gäste sollten ihn erraten.

NobelpreistraegerEs war eine lustige Runde: Einige der Mädchen hüpften Pirouetten drehend auf einem Bein (Balletttänzerin), ein Junge hielt die Hände um ein imaginäres Lenkrad und „brummte“ (Formel-1-Fahrer), ein anderer reckte sich empor und hob den Zeigefinger (Lehrer). Doch ein Mädchen, so sehr es sich auch mühte, scheiterte an der künstlerischen Darstellung ihres Berufswunsches: Sie legte die Stirn in Falten, verdrehte die Augen, öffnete den Mund halb und zog die Augenbrauen hoch. Keiner wusste, was sie darstellen wollte.

„Ich will Friedensnobelpreisträger werden!“ rief sie schließlich empört. „Das ist doch nicht so schwer!“ Und wirklich: Jetzt, da ich es wusste, meinte ich eine gewisse Ähnlichkeit zu Martti Ahtisaari, dem ehemaligen finnischen Präsidenten und diesjährigen Träger des Friedensnobelpreises, zu erkennen. Weltweit wurde der Diplomat in zahlreichen politischen Vermittlungsmissionen eingesetzt – und mit dem hoch dotierten Preis geehrt.

Wenn ich groß bin, werde ich Nobelpreisträger“ heißt das zauberhafte Bilderbuch, das wir im Angebot haben: Leider ist die Freundin meiner Nichte wohl zu alt für das wunderschöne Büchlein, aber wer weiß – vielleicht kann Ihr Kind aus dem Werk eine Anregung ziehen …

(geschrieben von Matthias Stöbener)

07.12.2008, 10.49 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kinder und Jugend | Tags: Berufswunsch, Nobelpreisträger, Buch Nobelpreisträger,

Der andere Weg

Derandere WegManch einer geht den Jakobsweg: Zu sich selbst finden, sich selbst kennen lernen, sich eine Auszeit nehmen – das sind meist die Beweggründe, die Menschen dazu treiben, für einige Tage oder auch Wochen ihr Haus zu verlassen und sich den Strapazen eines Fußmarsches zu stellen.

Mein Freund Joachim zog letzten Sommer los, um ein Teilstück des Jakobswegs zu absolvieren. Er brach vorzeitig ab, nicht nur, weil er einmal umknickte und sein Knöchel geschwollen war. Er beendete seine Route vor allem deswegen verfrüht, weil er die vielen Mitpilger um sich herum nicht mehr ertragen konnte. Einsam hatte er sich seinen Weg vorgestellt, mühsam und hart. Und dann fand er sich inmitten fröhlich plappernder Wanderer, die genau wussten, wo sie die Nacht verbringen und wo sie ihr nächstes Essen herbekommen würden.

Auf der anderen Seite gibt es viele Menschen, die den Jakobsweg tatsächlich „erleben“: Vielleicht haben sie eine andere Route gewählt, vielleicht eine andere Jahreszeit, ich weiß es nicht. Vielleicht haben sie auch einfach eine andere Einstellung.

So wie Andreas Altmann: Er ging nicht den Jakobsweg, der Einsamkeit und Entbehrung vortäuscht. Er entschied sich für eine Route, die unzählige Menschen schon mit dem Auto gefahren sind. Andreas ging von Paris nach Berlin. 34 Tage, 33 Nächte war er unterwegs. Ohne Geld, ohne Essen, ohne Netz und doppelten Boden startete er im heißen Sommer des Jahres 2003. Was Andreas Altmann auf seinem ganz persönlichen Jakobsweg erlebte, ist in seinem Buch „34 Tage, 33 Nächte“ zu lesen. Eine faszinierende Geschichte!

(geschrieben von Matthias Stöbener)

07.12.2008, 10.43 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Andreas Altmann, 34 Tage, Jakobsweg, Fußmarsch,

Jubiläumsbild von Jokers

Nächstes Jahr feiert Jokers das 10jährige Bestehen. Ich will hier noch nicht verraten, was wir uns für das Jubiläumsjahr an Überraschungen alle überlegt haben, aber ich will schon mal das Bild zeigen, das wir für den Jubiläumskatalog gemacht haben. Sie sehen auf dem Bild alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Jokers in der Augsburger Zentrale. Vorne rechts Frau Birth, über die ich schon einmal berichtet habe. Ihr gegenüber steht auf der linken Seite Herr Bossmann. Ihn will ich mir demnächst hier im Blog vorknöpfen. Etwa in der Mitte links außen Herr Nikrandt, Geschäftsleitung Jokers, leicht erkennbar an der einzigen Krawatte auf dem Bild. Ihm gegenüber auf der Rechten sehen sie mich ganz außen. Vielleicht ist spürbar, dass wir eine gute Truppe sind und gern miteinander arbeiten.



(geschrieben von Matthias Stöbener)

07.12.2008, 10.26 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Jubiläumsbild, Jokers Mannschaft, Jokers Mitarbeiter,

Wut im Heimatdorf

Es ist eine Geschichte wie aus dem Bilderbuch: Ein 35-jähriger Bankangestellter aus einem kleinen Dorf im Allgäu verschwindet von einem Tag auf den anderen spurlos. Weder Freundin noch Familie noch Freunde aus dem Musikverein, in dem er seit Jahren das Flügelhorn blies, noch seine Arbeitskollegen, die ihren Mitarbeiter als zuverlässig und liebenswert beschreiben, können sich erklären, was geschehen ist.

Sein schwarzer VW Golf wird auf einem Parkplatz gefunden. Der Schlüssel steckt, auf dem Beifahrersitz liegen Handy und Bankunterlagen. Auf seinem Konto fehlt kein Geld, die Bank kann keinen Missbrauch feststellen. Nichts deutet darauf hin, dass sich der Finanzberater einfach aus dem Staub gemacht haben könnte.

Auch auf ein Gewaltverbrechen deutet nichts. Die Polizei durchkämmt im Großeinsatz mit Hundestaffeln und Helikoptern weiträumig das hügelige Voralpen-Gelände. Sie findet keine Spur. Es wird nur herausgefunden, dass im Auto ein Fahrrad transportiert worden ist. Ansonsten herrscht in der kleinen Allgäuer Gemeinde Ratlosigkeit.

Bis die Polizei in Spanien knapp eineinhalb Jahre später einen Mann aufgreift, auf den die Beschreibung des Allgäuer Bankangestellten passt. Familie und Freunde sind gleichzeitig erleichtert wie entsetzt. Der Vermisste hat sich offensichtlich heimlich still und leise nach Spanien abgesetzt, wo er ein neues Leben begann. Schließlich schickt dieser ein 150-seitiges Manuskript an den örtlichen Heimatverleger, in dem er seine Geschichte erklärt. Der Titel lautet „Mein zweites Leben“.

Darin schildert der ehemalige Bankangestellte, wie er sich 11.000 Euro angespart hat und dann mit dem Rad und einer Camping-Ausrüstung heimlich nach Spanien abgehauen ist, um ein neues, „gesünderes“ Leben zu beginnen. Das Buch mit einer Auflage von 500 Stück war im Nu ausverkauft. Heute herrscht in dem kleinen Heimatdorf des Mannes vor allem Wut. Viele der ehemaligen Freunde und seine Familie fühlen sich auf den Arm genommen. Zu Recht, wie ich finde. Schließlich ist die Geschichte vom Mann, der eben mal „Zigaretten holen“ ging, für diejenigen, die dieser Mann zurückgelassen hat, in keiner Weise amüsant.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

07.12.2008, 10.07 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: In der Presse | Tags: Aussteiger, Flucht, Auf-Nimmer-Wiedersehen,

Botschaften aus dem All

Ein Fall fuer FreundeMontag morgen lese ich gerne online die neuesten Schlagzeilen des Wochenendes. Es ist einfach herrlich, mit der ersten Tasse Kaffee des Tages eine halbe Stunde durch die News-Portale zu zappen – denn ab und zu findet man wirklich ein originelles Goldkorn. So wie die Glosse auf welt.de  die eine Samstagabend Pro7-Show auseinander nimmt.

Ich selbst habe die Sendung nicht gesehen, aber wenn man der Autorin Glauben schenkt (und bei dieser Show schien sich alles um Glauben oder eben Nichtglauben zu drehen), dann war es ein Programm, das den Preis der dämlichsten TV-Sendung des Jahrzehnts verdient hätte. Auf der Suche nach Außerirdischen waren die Macher und heuerten den Medium- und Medienstar Uri Geller an. Die Aliens hatten just an jenem Abend aber Besseres zu tun, als mit den gläubigen Erdlingen in Kontakt zu treten.

Man kann ja von Außerirdischen halten, was man will – mir ist es auch egal, wenn Tausende behaupten, seltsame Muster in Feldern wären von Marsmenschen-Hand gezauberte Kornkreise – immerhin, so finde ich, geben Aliens immer Stoff zur Unterhaltung her. Man denke nur mal an E.T. oder Alf. Wie viele schöne und lustige Momente hatten wir doch alle mit den Beiden aus dem All!

Auch heute können Kinder noch viel Spaß mit ungewöhnlichen Besuchen aus dem Universum haben. Auf den Audio-CDs „Geschichten aus Mullewapp“ finden kleine Hörer die durch und durch witzige Erzählung „Die Außerirdischen“ – ein super Geschenk, gerade für diese mystische Zeit! ;-)


(geschrieben von Matthias Stöbener)

07.12.2008, 09.32 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kinder und Jugend | Tags: Mullewapp, Aliens, Uri Geller, PRO SIEBEN,

Hollywood trauert

Michhael CrichtonMichael Crichton (geboren am 23. Oktober 1942), der Roman- und Drehbuchautor, dessen Talent Steven Spielberg größer fand „als seine Dinosaurier in ‚Jurassic Park‘“, ist am 4. November im Alter von 66 Jahren gestorben. Seine Werke verkauften sich mehr als 150 Millionen Mal, neben John Grisham und Stephen King gehört er zu den meist gelesenen Bestsellern des Thriller-Genres.

Ihm verdankt die Welt Bestseller wie „Andromeda“ (The Andromeda Strain), „Die Gedanken des Bösen“ (Sphere) oder „Beute“ (Prey) und natürlich Kino-Blockbuster wie „Coma“, „Andromeda – tödlicher Staub aus dem All“, „Jurassic Park“ und die Serie „ER – Emergency Room“.

Crichtons großes Talent war es, wissenschaftlich sauber recherchierte Tatsachen in spannende Geschichten zu verpacken. Dabei gerieten meist irgendwelche Experimente aus den Fugen und drohten die Welt zu zerstören.

Man mag ihm vorwerfen, zu populärwissenschaftlich ausgerichtet gewesen zu sein. Spannend waren seine Werke allemal. Und Crichtons Phantasie war schier grenzenlos. Nicht zuletzt deshalb verdanken wir ihm Einblicke in Welten, die wir selbst uns wohl nie träumen hätten können.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

07.12.2008, 01.58 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek | Tags: Michael Crichton, Jurassic Park, Coma, Andromeda,

Ein Star wollte ich werden

Jede achte bis zehnte Frau erkrankt an Brustkrebs. Das „Mammakarzinom“ ist bei Frauen die häufigste Krebserkrankung. Fast jeder Mensch in Deutschland kennt mindestens eine Frau, die an Brustkrebs erkrankt oder sogar gestorben ist. Bei meiner guten Freundin Susanne ist das eine alte Bekannte, die sie schon als Kind sehr verehrt und geschätzt hatte: die Schauspielerin Liane Hielscher.

Die charismatische Künstlerin wohnte in den 80er Jahren im gleichen Haus wie Susannes Vater und war gut mit der Familie befreundet. „Wir sollten bei ihren vielen Theater-Tourneen ihre Blumen und Pflanzen gießen“, erinnert sich Susanne. „Ich als junges Mädchen war immer wie verzaubert, wenn ich Liane traf. Sie erzählte mir viel vom Theater, vom Film und wie es bei Dreharbeiten zuging. Und sie brachte mir immer neue Autogrammkarten ihrer Kollegen mit.“ Daraus wurde bald eine große Sammlung. Schließlich spielte die Schauspielerin in zahllosen „Derrick“- „SOKO 5113“- und anderen deutschen Serien mit und hatte in „Moselbrück“ sogar eine Hauptrolle.

„Wenn es jemanden gibt, der mir die Liebe zur Kunst und zum Theater beibrachte, dann sie. In dem eher konservativen Wohnhaus war sie damals wie eine Lichtgestalt für mich“, sagt Susanne.

Liane Hielscher war eine starke und sehr kreative Künstlerin, die sich nichts anmerken ließ, als sie Anfang der 90er Jahre an Brustkrebs erkrankte. „Als sie 2000 schließlich daran starb, fiel ich aus allen Wolken“, erzählt Susanne. „Ich hatte sie zwar ein paar Jahre nicht mehr gesehen, doch war es mir unvorstellbar, wie so eine wunderbare Frau den Kampf gegen den Krebs einfach verlieren konnte.“

Erst kürzlich entdeckte ich das Buch, das die Schauspielerin nur wenige Tage vor ihrem Tod fertig geschrieben hatte: „Ein Star wollte ich werden, ich wurde ein Mensch“.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

07.12.2008, 01.55 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Liane Hielscher, Brustkrebs, Derrick, Soko 5113, Moselbrück,

Adventskalender selber machen

AphorismenAm vergangenen Sonntag rief mich meine Nichte ganz aufgeregt an: „Onkel, Onkel – in zwei Wochen ist der 1. Advent!“ Ihre Stimme überschlug sich vor lauter Aufregung. „Hast du schon einen Adventskalender für mich? Einen ganz tollen?“

Ich blickte aus dem Fenster: Es regnete und dicke Nebelschwaden krochen draußen vorbei. „Eigentlich“ war ich noch kein bisschen in Weihnachtsstimmung, vielmehr fand ich es reichlich verfrüht, dass seit Wochen Lebkuchen und Stollen in Supermärkten angeboten werden. Doch dann blickte ich in den Himmel: Obwohl er bleiern und düster über mir hing, konnte ich spüren, wie etwas in mir sich freudig regte: Ja, es ist bald Weihnachten. Aber: Nein, ich habe noch keinen Kalender für meine kleine Nichte.

Dieses Jahr bin ich davon abgekommen, einen Schoko-Kalender zu besorgen. Die Schokolade ist sowieso nicht ideal für Kinder-Milchzähne. Dieses Jahr werde ich selbst einen Kalender basteln: Ich will meiner Kleinen ein riesiges Adventsplakat schenken, mit 24 Türchen: Hinter jedem Fenster wird sich ein Aphorismus verstecken. Einige Sätze werde ich mir selbst ausdenken, andere Weisheiten werde ich mir von großen Denkern und Philosophen ausborgen. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass es der Advent verdient hat, wieder als stille, besinnliche Zeit zu gelten. Ich möchte meiner Nichte Stoff zum Nachdenken schenken, möchte ihr Momente der Einsicht und Zuversicht bescheren.

Für alle, die diese Idee aufgreifen möchten: Das Buch „Der Mensch besteht von Fall zu Fall“ sammelt wunderbare Aussagen von Elazar Benyoëtz, die sich ganz besonders gut für einen derartigen Adventskalender eignen.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

25.11.2008, 14.59 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Naturwissenschaften | Tags: Aphorismen, Adventskalender selber machen, Weihnachtsstimmung ,

Neulich im Hausflur

BesenWas meinen Sie, wie sehen Menschen aus, die „Die deutsche Ideologie“ von Karl Marx lesen, Gustav Maler hören und am liebsten „Tod in Venedig“ sehen? Doch sicher nicht ungepflegt, klein, untersetzt, mit Schürze und Hühneraugen als Concierge in einem Pariser Stadthaus arbeitend. Aber genau das ist die 54jährige Renée, die Muriel Barbery in „Die Eleganz des Igels“ beschreibt. Geboren als Hochbegabte aus reichem Haus, kehrt sie sich bewusst von den Reichen und Schönen ab und führt fortan quasi „unerkannt“ ihr eigenes philosophisches Leben.

Als ich dieses Buch neulich zur Hand nahm, hatte ich die vielen Putzfrauen und Hausfrauen meines Wohnviertels vor Augen. Allmorgendlich sammeln sie sich vor den Haustüren und tauschen, Wischmob und Eimer in der Hand, lautstark Neuigkeiten aus den Wohnhäusern aus.

Wie schön wäre es doch, wenn auch sie, wie Barberys Protagonistin, lieber über die elfte These Feuerbachs philosophierten anstatt über den Job der neuen Mieterin. Doch wer weiß, vielleicht tun sie es ja - und alles Geklatsche ist nur Show …


(geschrieben von Matthias Stöbener)  

25.11.2008, 14.59 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches | Tags: Hausflur, Klatsch, Tratsch, Hausfrauen,

Interkulturelle Bibliothek

In Ballungszentren nutzen 20 bis 35 % Menschen mit Migrationshintergrund öffentliche Bibliotheken. Keine andere deutsche kulturelle Institution wird so intensiv von Einwanderern genutzt. Und was suchen sie dort? Materialien zum Deutschlernen z. B. Aber auch fremdsprachige Literatur. Viele Verlage haben schon auf diesen Trend reagiert und veröffentlichen mehr zweisprachige Bücher als früher.

Nun wurde für die öffentlichen Bibliotheken ein so genanntes interkulturelles Webportal freigeschaltet, das den Bibliothekskunden und den Bibliothekaren den Zugang zu fremdsprachigen Beständen in mehr als 20 Sprachen erleichtern soll. Denn auch in kleinen Orten und kleinen Städten wächst der Anteil an Bibliotheksbenutzern, die fremdsprachige Literatur oder Materialien zum Deutschlernen suchen – ohne dass jedoch die kleinen Bibliotheken dort entsprechend reagieren können. Die Etats sind oft einfach zu gering. Aber die Fernleihe kann hier helfen. Das interkulturelle Bibliotheksportal kann so mithelfen bei der weiteren Integration von Menschen mit Migrationshintergrund.

Zum einen stellt das Portal den Bibliothekaren Informationen und Hilfestellungen zur Verfügung, zum anderen bekommen aber die User selbst Zugang zu den fremdsprachigen Beständen und Quellen von mehr als 20 wichtigen Migrantensprachen. Ein Fernziel im Hintergrund ist auch die Einrichtung einer interkulturellen Bibliothek. Eine solche multikulturelle Nationalbibliothek könnte sicher viel zur Verständigung und Kommunikation zwischen den Kulturen beitragen. Ich hoffe, dass die Initiatoren die gesteckten Ziele verwirklichen können.

(geschrieben von Matthias Stöbener) 

25.11.2008, 14.59 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Interkulturelle Bibliothek, Migranten, Öffentliche Bibliotheken,

Ich freue mich auf China

Die Türkei war 2008 Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. China bereitet sich schon auf diese Rolle im Jahre 2009 vor. Doch chinesische Literatur: Wer hat schon einen chinesischen Autor gelesen? Im Original sicherlich die wenigsten, doch auch in der Übersetzung sind chinesische Werke rar.

Die Erdentage
werden nie den „sechsten Mond“ verwinden,
der sechste Mond, in dem mein Herz erstirbt
wie meine Poesie
und die Ersehnte, in unwirklich blutiger Lache erstickt.
Die Glut der Sonne sprengt im sechsten Mond die Haut,
entlarvt das wahre Bild der Wunden.
An andren Ort zur Überwinterung entfliehn dem blutgetränkten Meer
im sechsten Mond die Fische.
Im sechsten Mond verformt die Erde sich,
die Flüsse fließen tonlos.
Briefe und Karten bleiben zuhauf zurück, ohne die Hoffnung
Dass je sie die Toten erreichen.

"Der sechste Mond", ein Gedicht des chinesischen Poeten Shi Tao. Diese Zeilen wurden in mehr als 60 Sprachen übersetzt, diese Verse gehen um die Welt. Auch, weil der chinesische Verfasser 10 Jahre inhaftiert war. "Der sechste Mond" von Shi Tao, Ehrenmitglied des deutschen P.E.N., geht seit März diesen Jahres als elektronischer Staffellauf von P.E.N..-Postfach zu P.E.N.-Postfach. Hintergründe erfahren Sie unter http://www.penpoemrelay.org/ .

Ich selbst finde das Gedicht wunderbar. Und ich freue mich auf die Buchmesse 2009, wenn uns hoffentlich viele chinesische Autoren ihre Werke präsentieren werden ...

(geschrieben von Matthias Stöbener)

25.11.2008, 14.59 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Fachbücher | Tags: Ehrengast China, Shi Tao, Writers In Prison in China, Der sechste Mond,

Frei abrufbar?

GratisJe mehr du gibst, desto mehr bekommst du. Das war in etwa das Fazit der Eröffnungsrede des brasilianischen Bestsellerautors Paulo Coelho zur Buchmesse. Der international erfolgreiche Schriftsteller hat selbst das Blog „Pirate Coelho“ erschaffen, in dem einige seiner Werke kostenlos abrufbar sind. Coelho geht dabei davon aus, dass dies den Verkauf seiner gedruckten Bücher fördert. Natürlich hat das Marketingdenken auch einen philosophischen Hintergrund: Ideen sollen frei sein und damit auch frei zugänglich.

Die Erfahrung scheint ihm auch im ökonomischen Sinn Recht zu geben: Als Beispiel erwähnt er seinen Bestseller „Der Alchimist“, der Ende der 90er Jahre in Russland gerade mal auf 1000 verkaufte Exemplare kam. Doch als eine Kopie illegal im russischsprachigen Internet erschien, übertraf das Buch auch dort plötzlich alle Verkaufserwartungen.

Viele Autoren zitieren nun Coelho und fordern, dass Verlage alle Bücher kostenlos ins Netz stellen sollen – frei und gratis für jedermann verfügbar. Wie dann allerdings ihre Honorare bezahlt werden sollen, wenn ihre Werke nicht mehr verkauft, sondern verschenkt werden – nun, dass ist eine andere Frage, die sie nicht so einfach beantworten können. Schließlich sind wir nicht mehr im Russland des Jahres 1999, sondern wir befinden uns im Jahr 2008. Und ob No-Name-Autoren die gleichen Erfahrungen machen wie Coelho – das wage ich zumindest zu bezweifeln.

Wie sehen Sie das: Sollten Bücher grundsätzlich kostenfrei im Internet abzurufen sein? Würden Sie sich dann noch ein neues Werk für durchschnittlich 20 EUR kaufen, wenn Sie die Chance auf einen Gratis-Download hätten?

(geschrieben von Matthias Stöbener)

25.11.2008, 14.57 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Paulo Coelho, Bücher-Downloads gratis, Kostenlos Bücher lesen,

Navigierende Reisebuchverlage

NavigationImmer mehr Navigationsgeräte sind nicht einfach mehr nur zum Finden von Straßen geeignet, sondern werden mehr und mehr zu intelligenten umfassenden Guides. So wurden auf der IFA in Berlin Geräte vorgestellt, die nicht nur günstiger sind als früher, sondern auch mehr Funktionen haben.

Navis begleiten heute nicht mehr nur den Autofahrer, sondern auch den Radfahrer, den Wanderer, den Wassersportler … Es gibt Geräte, die mit Wetterdiensten oder Diensten zur Hotelreservierung verbunden sind. Andere Geräte haben Inhalte von Reiseführern parat oder nutzen das Erfahrungswissen von den Benutzern.

Elektronische Reiseführer und Navigationsgeräte wachsen also immer mehr zusammen. Im Hintergrund werden die Reisebuchverlage also auch weiterhin gebraucht, um sauber recherchierte Inhalte in die mobile Navigationswelt zu bringen. Wahrscheinlich werden sich aber nicht alle dieser Verlage auf die neuen technischen Möglichkeiten einstellen können, während ihnen das Printgeschäft immer weniger Umsatz beschert. Denn die Umstellung fordert große Investitionen in die Technik und bis die Reisebuchverlage von dem Boom der intelligenten Allrounder profitieren können, dauert es noch ein wenig.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

25.11.2008, 14.57 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Navigationsgeräte, Freizeitführer, elektronische Reiseführer, Reisebuchverlage,

Le Clézio – noch nie gehört

Sollten Sie schon einmal etwas von Jean-Marie Gustave Le Clézio gehört haben, dann haben Sie mir etwas Entscheidendes voraus. Ja selbst unser Oberkritiker Marcel Reich-Ranicki hat noch nichts von ihm gelesen. Überraschend, so hieß es, ging der Literaturnobelpreis an Le Clézio. Der erste Franzose seit 23 Jahren, der diesen Preis erhält. Die Begründung lautete, er sei „Verfasser des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Exstase“. Eine Million Euro bekommt der Dichter dafür.

Als er eine Pressekonferenz gab, konnte Le Clézio es noch nicht glauben, dass er den begehrten Preis erhielt. „Das ist eine mutige Entscheidung“, sagte er, und „Ich weiß nicht, ob ich den Nobelpreis überhaupt verdient haben“.

In der Zwischenzeit habe ich mich etwas über den Autor informiert. Scheint ein Weltenbummler zu sein und ein Zivilisationskritiker. Er gehört mehreren Kulturen an und weil er mit dem Preis seine Schulden bezahlen will, gönne ich ihm die Million von Herzen.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

25.11.2008, 14.57 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Le Clézio, Literaturnobelpreis, Marcel Reich-Ranicki,

Wegfliegen...

Mythos VogelSchon vor Tagen fiel mein Blick aus dem Fenster und streifte einen Schwarm vorüber ziehender Vögel. Kurz schien es, als ob der bleierne Morgenhimmel sich noch ein wenig mehr verdüsterte. Die Zugvögel begannen ihren Flug Richtung Wärme, zur Sonne hin. Und mir wurde schwer ums Herz: Alleine saß ich in meinem Arbeitszimmer, vor mir leuchtete der Flachbildschirm, und um mich schien sich die unendliche Einsamkeit des Herbstes auszubreiten.

Nehmt mich doch mit, rief ich still den flatternden Vögeln nach, bringt mich in den Süden! Ich will auch ein Vogel sein. Später im Büro fiel meiner Kollegin auf, dass ich versonnen durch die Glasscheibe in die grauen Wolken blickte. „Was ist da?“, wollte sie wissen, „Vögel“, antwortete ich nur knapp, denn ich wollte noch einige Momente länger das wunderbare Bild in mir halten.

Doch die Kollegin war in Plauderstimmung. Sofort begann sie, in freien Assoziationen eine literarische rote Schnur durch das Motiv Vögel zu ziehen. „Die Vögel“ erwähnte sie, auch „Krabat“ und andere Geschichten, deren Protagonisten Vögel waren. Böse wie gute Vögel, verzauberte wie auch reale. Als sie später am Mittag wieder in mein Büro kam, hatte sie sich ein Buch unter den Arm geklemmt: „Mythos Vogel“ führt durch die Geschichte des Vogels. Ich glaube, es gibt wenig Tiere, die derart oft in der Magie, Mystik und auch Religion „gebraucht“ wurden. „Mythos Vogel“ stellt vierzig der gefiederten Geschöpfe vor und beleuchtet sie z. T. auch aus der wissenschaftlichen Perspektive, doch gut für Laien verständlich.

Nachdem ich hier und dort in dem Werk geblättert und gelesen hatte, stand für mich fest: Besser doch kein Vogel sein! Als Vogel lebt man ständig in der Gefahr, in einer Hexenküche zu landen und von ihrer Besitzerin in den Suppentopf geworfen zu werden!

(geschrieben von Matthias Stöbener)

25.11.2008, 14.57 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches | Tags: Mythos, Vogel, Hexenküche, Herbsteinsamkeit,

Insomnia

schlaflos„Mann im Dunkel“ heißt das neueste Buch von Paul Auster. Es fand – im Gegensatz zu seinen bisherigen Werken – keine Gnade vor den unbarmherzigen Kritikern der New York Times. Mit der Begründung, Auster würde sich zu wenig an die traditionellen Werte fiktionaler Literatur halten, verriss die Times das Werk. In der Tat erzählt auch sein neuester Roman, wie schon sein letzter („Reisen im Skriptorium“), die Geschichte verwinkelter, weniger linear als gewohnt. Aber genau das macht meiner Meinung nach die Brillanz dieser Werke Austers aus.

Wie anders als verwinkelt soll man die Geschichte eines durch Krankheit ans Bett Gefesselten erzählen, der Nacht um Nacht an schwerer Schlaflosigkeit leidet? So leidet der Protagonist August Brill in seinem Bett vor sich hin. Die Gedanken drehen sich um seine unglückliche Vergangenheit, um seine Zukunftsangst und um Katastrophen. Er halluziniert von einem amerikanischen Bürgerkrieg, der Millionen Menschen das Leben kostet.

Ein unbedingt lesenswerter Roman für jeden, der die Abgründe kennt, die sich in einer schlaflosen Nacht auftun können.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

25.11.2008, 14.57 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Insomnia, Paul Auster, schlaflos,

Einblicke in den Terrorismus

Einige Jahre dachten wir in Mitteleuropa, dass sich mit dem letzten Attentat der RAF Anfang der 90er Jahre die Jahrzehnte des Terrorismus dem Ende zuneigen würden. Damals, am 01. April 1991 wurde der Chef der Treuhandanstalt, Detlev Karsten Rohwedder, ermordet.

Die Atempause war kurz: Auch wenn sich andere europäische Untergrundorganisationen mehr oder weniger still verhielten, auch wenn beispielsweise immer wieder über die Waffenniederlegung der ETA diskutiert wurde – die Anschläge des „11. September“ versetzten die ganze Welt in Angst und Schrecken. Und mit der Panik und Verzweiflung erwachte erneut eine seltsam morbide Faszination für die Thematik des Terrorismus.

Mein Leben bei al-QaidaEnde September kommt nun der Film „Der Baader-Meinhof-Komplex“ in die Kinos. Das gleichnamige Buch von Ex-„Spiegel“-Chef Stefan Aust ist seit seinem Erscheinen ein Bestseller, jetzt wird es pünktlich zum Kinostart des Films und versehen mit Bildern neu aufgelegt.

Mit der Auflösung der RAF 1998 schien der Terror gebannt. Doch schon arbeiteten neue Terror-Zellen an weiteren blutigen Übergriffen, um ihr politisches Ideal durchzusetzen. „Mein Leben bei al-Quaida“ erzählt autobiografisch vom entsetzlichen Doppelleben des Omar Nasiri. Der Untertitel „Die Geschichte eines Spions“ deutet darauf hin, dass Omar riskante Aufträge zu erfüllen hatte: So sollte er die Trainingslager der Dschihadisten auskundschaften...

Spannend wie ein Krimi liest sich diese Beschreibung der wahnwitzigen Terroristenausbildung, die der Londoner absolvierte. Die tief gehenden Einblicke in die Welt des Dschihad haben mich persönlich am meisten gefesselt. Und ich bin froh, dass Omar Nasiri sich entschied, dieses Buch zu schreiben statt als Terrorist aktiv zu werden, um irgendwann als Filmvorlage zu dienen.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

25.11.2008, 14.57 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: al-Quaida, Omar Nasiri, RAF, 11. September, Terrorismus,

Referate damals und heute

ReferateIch weiß noch genau, wie ich in der 6. Klasse, also in der 1. Klasse des Gymnasiums, mein allererstes Referat halten musste: Über Ariadne sollte ich reden, die Tochter von Minos.

Damals arbeitete noch niemand mit Computern, weder die Lehrer noch wir Schüler. Damals war alles etwas anders. Erst kürzlich war ich baff, als ich meine Nichte besuchte und dort eine CD mit lateinischen Versen und Vokabeln im feinsten Rap-Gesang hörte. Ich musste damals alle Wörter in ein Vokabelheft eintragen und mühsam pauken. Hängen geblieben ist wenig, aber meine Nicht kann jetzt bereits „Happy birthday“ auf lateinisch singen.

Damals also hatten wir noch keine Computer. Erst zu meiner Studentenzeit wurde es langsam üblich, Vorträge und Referate mit Computer-Unterstützung auszuarbeiten. Und heute geht alles ganz einfach, in unsrem digitalen Zeitalter.

Meine Nichte wuchs bereits mit Computern auf: Sie ist heute schneller als ich, wenn es darum geht, irgendetwas im Internet zu finden. Und nun ist sie dran mit ihrem ersten Referat: Doch die Kleinen haben die Auflage, dass sie OHNE Laptop-Unterstützung sprechen müssen – mehr oder weniger frei. Ablesen gilt nicht, auch digitale Präsentationen sind nicht erlaubt. Die Kinder müssen sich also vor die Klasse stellen und ohne die schützende Wand eines Monitors sprechen. Natürlich dürfen sie mit Notizen und einer Gliederung arbeiten, doch welches Kind kann denn heute noch ohne digitale Hilfe arbeiten?

Ich habe überlegt, wie wir es früher machten. Wir schrieben Karteikarten mit den wichtigsten Gliederungspunkten. Das war optimal – so hatten wir alle wichtigen Fakten notiert und waren nicht versucht, ganze Paragraphen anzulesen.

Heute gibt es die „Spickzettelbox Referate“: Vollkommen undigital ist diese Box das ideale Hilfsmittel, um Referate vorzubereiten!


(geschrieben von Matthias Stöbener)

25.11.2008, 14.56 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kinder und Jugend | Tags: Referate halten, Karteikarten, Spickzettelbox,

Krisenresistenter Versandhandel

InterneteinkaufBankenkrise, Konsumkrise? Anscheinend nicht im Versandhandel. Das meint jedenfalls der Versender-Verband bvh. Der hat eine Untersuchung „Distanzhandel in Deutschland 2008“ gemacht und dabei festgestellt, dass es beim Versand über Katalog und Internet immer noch zu Zuwächsen kommt, zwar nur noch um 3, 6 Prozent, aber immerhin.

Am meisten würden Textilien und Schuhe per Katalog und im Internet gekauft, gefolgt von Medien, wozu auch Bücher zählen. Gute Nachrichten also auch für uns von Jokers, vor allem unseren Onlineshop.

Hauptargument für den Einkauf im Versand und Internet ist für die befragten Konsumenten, dass die bestellten Waren bis an die Haustür geliefert werden. Das kann ich gut nachvollziehen, denn auch ich liebe es in der Zwischenzeit übers Internet oder per Katalog zu bestellen. Ich stehe in keiner Parkhaus- und keine Kassenschlange, habe keinen Stress beim Geschäfte-Durchhetzen und muss mich nicht mit muffigen Verkäuferinnen oder Verkäufern herumschlagen, die meistens überfordert sind, wenn ich etwas Genaueres von ihnen wissen will.

Und auch das in der Untersuchung genannte Argument der größeren Auswahl zieht bei mir: Selbst im größten Kaufhaus habe ich nicht die Auswahl, die ich im Internet habe, zumal ich im Internet noch eine Preissuchmaschine nach dem günstigsten Preis bei Produkt X befragen und so oft ganz schön sparen kann. Preisunterschiede von 100 Euro bei gleichem Gerät sind nicht selten.



(geschrieben von Matthias Stöbener) 

25.11.2008, 14.56 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Bankenkrise, Versandhandel, Internet-Einkauf,

Top 10 der Rezensierten

RezensionenDie Mühe muss man sich erst einmal machen! Dieser Tage las ich im Buchreport eine interessante Studie. Fleißige Menschen haben neun Wochen lang in 14 Print-Zeitungen und Magazinen gestöbert und kamen per Hochrechnung darauf, dass in deutschen Tages- und Wochenzeitungen über 20.000 Buchbesprechungen jährlich veröffentlicht werden. Damit steht Deutschland an der Spitze der Kulturen, in denen in den Medien über Bücher berichtet wird. Kaum irgendwo sonst findet sich eine so rührige Rezensionswelt. Das hängt auch mit den Presseabteilungen der Verlage zusammen, die den Zeitungsredakteuren jährlich tausende von Vorabexemplaren gratis zukommen lassen.

So beeindruckend die 20.000 Buchbesprechungen pro Jahr klingen, so ernüchternd ist der genaue Blick auf sie. Da stellt sich nämlich heraus, dass die Neuerscheinungen der beiden Frankfurter Verlage S. Fischer und Suhrkamp am meisten rezensiert werden. Daniel Kehlmann hatte vor Wochen über die Konzentration auf wenige Titel geschimpft. Was nicht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stehe, werden gar nicht mehr rezensiert. So der Schriftsteller.

Gut, so schlimm ist es noch nicht. Aber 20.000 Buchbesprechungen bedeuten nicht, dass 20.000 Bücher in die Mangel genommen werden. Der Buchreport wies genau nach, dass es vor allem die Bücher der Verlage S. Fischer, Suhrkamp, Beck, Rowohlt, Berlin Verlag, dtv, Hanser, Diogenes, Kiepenheuer & Witsch sowie Eichborn sind, die es zu Hauf in die Feuilletons deutscher Printmedien schaffen.

Woran das wohl liegen mag? Sind diese 10 Verlage wirklich diejenigen, die unsere besten Bücher herausbringen? Oder haben sie die besten Presseabteilungen oder die tollsten Buchmessefeste oder warum finden die Bücher von anderen Verlagen nicht so viel Aufmerksamkeit bei deutschen Kritikern?


(geschrieben von Matthias Stöbener) 

25.11.2008, 14.56 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Feuilleton, Literaturkritik, Rezensionen, Buchreport-Studie,

Empfehlen Sie ruhig weiter

Haben Sie schon einmal bei Jokers oder einem anderen Buchshop den Button gedrückt „Dieses Buch, diesen Artikel weiterempfehlen“? Wenn ja haben Sie „ein gutes Werk“ getan. Letztens hat nämlich das Wirtschaftsprüfungsunternehmen „PriceWaterhouseCoopers“ Konsumenten befragt, wie sie auf Bücher aufmerksam werden.

Die meisten, nämlich 55 Prozent der Befragten, gaben an, dass ihnen eine persönliche Empfehlung weitergeholfen habe. Nur 32 Prozent nennen Beratung im Buchhandel, 29 Prozent Besprechung in Zeitung und Zeitschrift, 21 Prozent Bestseller-Listen, 20 Prozent Buchtipps im Fernsehen etc. Sie sehen: Auf Empfehlungen von Freunden und Bekannten reagieren andere Menschen.

Und ich wage sogar die Behauptung: Andere Menschen sind dankbar, wenn man ihnen ein Buch empfiehlt. Denn wie soll man bei etwa 90.000 Neuerscheinungen pro Jahr überhaupt noch durchblicken, was gut und was schlecht ist, was es lohnt zu lesen und was nicht.

Trauen Sie sich also ruhig öfter den Weiterempfehlen-Button bei einem Buchtitel zu drücken und ihn jemand zu empfehlen, den sie kennen oder von dem sie denken, dieses Buch könnte ihm nützlich sein!

(geschrieben von Matthias Stöbener)

25.11.2008, 14.54 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Jokers intern

Buchmesse-Kritik

Gestern in der Mittagspause redete ich mit einem Kollegen noch einmal über die Frankfurter Buchmesse, obwohl sie ja schon längst vorbei ist. Mit Besucherrekorden ging sie zu Ende. Vor allem der Samstag übertraf alle Erwartungen: Weit über 70.000 Personen drängten sich in den Gängen.

Mein Kollege, der auf der Messe war, berichteten Seltsames: Denn während an den Fachtagen zuvor Geschäftskunden und Fachbesucherinnen in Anzug und Kostüm durch die Hallen drängten, gaben sich am Publikumswochenende zahlreiche Fans der Fantasy und Science Fiction ein Stelldichein. Nicht nur, dass Abertausende von jungen und auch älteren Herrschaften sich wie ihr jeweiliger Comic-Held (oder ihre Heldin) kleideten, sie führten auch deren Waffen mit sich: Riesige, selbst gebastelte Schwerter, Hämmer und Bogen aus Pappmaché. Um die Mittagszeit sammelten sich die bunten Heere im Innenhof. Meinem Kollegen bot sich ein außergewöhnliches Bild. Oder haben Sie schon einmal gesehen, wie sich zahllose Wesen ferner Welten vereinen, um sich mit gezückten Waffen gegenüberzutreten?

Was das alles mit der Buchmesse zu tun habe? Mancher fragte sich das. Mein Kollege berichtete von Kritik an dem Treiben. Was diese vielen Rollenspiel-Fans denn da zu suchen haben, beschwerten sich manche andere Besucher, die nicht mehr durch die verstopften Gänge kamen.

Ich verstehe nicht, weshalb sich die Besucher aufregen. Ich finde es sogar aufregend, auf diese Weise ein wenig in die Welt der Fantasy- und Comic-Anhänger hineinschnuppern zu können. Wer bestimmt denn, was Literatur ist und was nicht, wer zur Messe darf und wer nicht?

(geschrieben von Matthias Stöbener)

16.11.2008, 09.42 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Frankfurter Buchmesse, Fantasie-Rollenspiel, Comic-Held,

Die Giftmörderin

Agatha ChristiSchwach in der Orthografie, eine ausgeprägte Affinität zu exklusiven Speisen, leider keine Singstimme, dafür eine einzigartige Fantasie. Vielleicht hätte Agatha Clarissa Miller sich selbst so charakterisiert. Sie kennen Sie nicht? Aber wahrscheinlich unter ihrem Namen Agatha Christie! Sie ist eine meiner Lieblings-Krimi-Schreiberinnen!

Am 15. September 1890 wurde die Bestseller-Autorin als drittes Kind in Torquay geboren. Sehr zum Leidwesen ihrer Mutter lernte die vorlaute Agatha schon vor ihrem 8. Lebensjahr lesen – allerdings nur, weil sie sich von ihren Kindermädchen, so die Legende, Straßenschilder vorlesen ließ. Daher stammte angeblich auch ihre Rechtschreibschwäche. Nach einer für damalige Verhältnisse wohl typischen Kindheit, das einzige wirklich tragische Erlebnis war, dass sie bereits mit 11 Jahren ihren Vater verlor, verlief ihr weiteres Leben wie im Bilderbuch:

1912 lernte Agatha als 22-Jährige auf einem Ball Archibald Christie kennen – er diente im ersten Weltkrieg an der französischen Front. Nur zwei Jahre später heirateten die beiden an Weihnachten 1914 und zogen nach London. Hier begann Agathas Karriere als Krimi-Autorin: Inspiriert von ihrer Arbeit in einer Krankenhausapotheke schrieb sie ihren Mord-Roman. Eine Prise Gift war dabei.

Belgische Kriegs-Flüchtlinge lieferten ihr schließlich die Vorlage für ihren berühmten Detektiv: Penibel ordnungsliebend und richtig schlau, so sollte er sein – der Logiker Hercule Poirot wurde als ihr Roman-Held geboren.

Am 12. Januar 1976 starb Agatha Christie in Winterbrook House – und hinterließ uns zahlreiche mitreißende Geschichten. Anlässlich ihres Geburtstages haben wir ein besonders umfangreiches Programm an Agatha Christie-Werken für Sie zusammengestellt: Vom Hörbuch bis hin zur Biografie finden Sie hier alles Lesens- und Hörenswertes zu der großartigen Dame.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

16.11.2008, 09.14 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Agatha Christie, Hercule Poirot, Krimi-Autorin,

Ein überflüssiger Preis

Fernseh-PreisZum 19. Mal wurde dieses Jahr bereits der „Fernseh-Preis der beleidigten Zuschauer“ verliehen: Die Wandertrophäe, ein Fisch, ging 2008 an Oliver Pocher. Hinter dem Preis steht der Stifter Augustus Hofmann, Verleger und erster TV-Profizuschauer der BRD. Seit 2007 ist der Verein "netzwerk kritischer fernsehzuschauer" (NKF) für die Verleihung zuständig.

Pocher gewann den fragwürdigen Preis durch seine seltsamen Auftritte besonders während der "Siegesfeier" der deutschen Nationalmannschaft am Brandenburger Tor - am 30. Juni 2008 feierte man nach dem verlorenen EM-Finale gegen Spanien.

Ich finde solche Preise irritierend – es reicht doch vollkommen aus, dass sich Fernseh-Moderatoren daneben benehmen. Klar, dass der Preis eine Anti-Auszeichnung ist – aber dennoch: Können wir nicht darauf verzichten? Ist es so spannend, wenn sich jemand im TV einfach nur dumm benimmt? So werden wir nun alle erneut an das peinliche Gehabe von Pocher erinnert... Und außerdem: Das Fernsehen ist längst über seinen Zenit hinaus. Eigentlich dient es doch nur noch dafür, Leute, die nicht wissen, was sie sonst machen sollen, ruhig zu stellen. Ein Medium für die Unterschicht nennen es immer mehr Medienwissenschaftler. Warum also so viel Aufmerksamkeit diesem Medium?

Viel interessanter finde ich Preisverleihungen wie etwa den Egon Erwin Kisch-Preis. Hier ist die Auszeichnung nämlich positiv begründet: Mit dem Kisch-Preis werden die besten deutschsprachigen Reportagen geehrt. Und die wird man sicher auch noch in Jahren gerne noch einmal lesen!

(geschrieben von Matthias Stöbener)

10.11.2008, 13.45 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Preisverleihung, netzwerk kritischer fernsehzuschauer, Oliver Pocher,

Adams Hand

Adams HandKürzlich nutzte ich das schönes Wochenend-Wetter, um einen Ausflug in die Berge zu unternehmen: Meine Frau und ich wanderten einen Berg hoch, um den Drachenfliegern beim Start zuzusehen. Doch unberechenbarer Wind verhinderte, dass sich die Flieger in die Luft wagten, und so schlenderten wir ein wenig auf der dem Berg herum. Von weitem sahen wir ein Kunstwerk emporragen, das wir uns aus der Nähe ansehen wollten: „Adams Hand“ hieß die Skulptur. Zum einem Jubiläum der Bergbahn aufgestellt. Sechs Meter Höhe - und aus feuerverzinktem Stahl gefertigt. Die Finger weisen exakt nach Rom.

Sofort entspann sich zwischen uns eine Diskussion: Was mag diese Hand bedeuten? Ist der Name „Adam“ Zufall oder bezieht sich der Künstler hier auf den ersten Menschen? Und überhaupt: Weshalb stellen Künstler Hände so oft dar? Weshalb bemühen sie sich, mit verschiedenen Posen der Hände Gemütslage und Persönlichkeit von Menschen zu beschreiben?

Hände gelten als Spiegel zur Seele: Ich weiß noch genau, wie oft ich selbst mich als Kind und Jugendlicher bemühte, eine Hand realitätsgetreu zu zeichnen. Es klappte nie. Meine Frau glaubt nicht, dass es an meinem mangelnden Talent liegt. Sie geht davon aus, dass mir bislang nur eine genaue Vorlage fehlte, um eine Hand akkurat malen zu können. Deshalb überredete sie mich, aus unserem Lager das Kunstbuch „Die Hand“ mitzubringen. Es enthält Hand-Detailskizzen berühmter Künstler – und ihm liegt eine Modellhand bei. Diese Modellhand kann in verschiedene Posen gebracht werden, was das Nachzeichnen erleichtern soll. Mal sehen, wann ich dazu komme, die Theorie meiner Frau zu beweisen …


(geschrieben von Matthias Stöbener)

09.11.2008, 23.31 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Hand, Handmodell, Hand malen, Hand skizzieren,

Perfekte Symbiose

Wie gut Katzen und Bücher zusammenpassen, bewies neulich Susannes Kater. Er ist ein lieber schwarzweißer Herr, der nach einem bewegten Leben seine alten Tage bei der Katzenfreundin verbringt. Susanne liebt dieses Tier über alle Maßen, was dankbar erwidert wird. Tag für Tag sitzt der Kater auf dem Schoß der Selbständigen, während sie am PC arbeitet, und zeigt seine Zuneigung mit behaglichem Schnurren. Auch ansonsten weicht er nicht von ihrer Seite. Ob abends beim Lesen, beim Schlafen oder beim Frühstück, der Kater sitzt dabei und schnurrt.

Doch jetzt musste sich Susanne für zwei Wochen von ihrem Liebling trennen. Denn auch eine Selbständige braucht einmal Urlaub. Und so beauftragte sie ihre Mutter, ihres Zeichens selbst große Katzenfreundin, das verschmuste Pelztier zu betreuen. Vor Ort war die „Urlaubsvertretung“ so begeistert von Susannes großer Bücherauswahl, dass sie noch am ersten Tag einige Werke herauszog und sofort zu lesen begann.

Der Kater, der zuvor misstrauisch den neuen Besucher unter der Couch beäugt hatte, wurde neugierig und gesellte sich zu seinem „Ersatzfrauchen“ auf das Sofa. Das Phänomen „Lesende Frau auf Sofa“ kannte er zur Genüge, weshalb er sich schließlich in alter Gewohnheit an die Lesende kuschelte. Susannes Mutter war entzückt. Nicht nur, dass sie hier eine größere Bibliothek als bei sich zu Hause vorfand. Hier gab es auch noch einen anschmiegsamen Kater, der das Lesen noch angenehmer machte.

Als Susanne aus dem Urlaub zurückkam, konnte sie ihre Mutter kaum aus ihrer Wohnung vertreiben. Zu sehr hatte diese sich an die Annehmlichkeiten dort gewöhnt. Schließlich bot sie ihrer Mutter an, so viele Bücher mitzunehmen, wie sie wollte. Mit zwei voll gepackten Einkaufstaschen entließ sie schließlich ihre Mutter. Der Kater durfte bei Frauchen weiterschnurren.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

09.11.2008, 20.38 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Katze, Lesen, Symbiose, Auf der Couch lesen,

Nicht nur Gruselgeschichten

Neulich traf ich eine alte Freundin – ab und zu sitzen wir bei einem Bier zusammen und philosophieren. Normalerweise sind es heitere Gespräche über Gott und die Welt, die wir führen. Doch dieses Mal war sie traurig: Sie fühlt sich alleine, seit ihre Kinder aus dem Haus sind. Als sie sich bemühte, mir dieses Gefühl zu erklären, zitierte sie eine Zeile aus einem Gedicht von Edgar Allan Poe: „And all I loved, I loved alone.“ Irgendwann, vor langer Zeit, hatte ich diese Zeile selbst gelesen, doch sie musste mir das ganze Gedicht vortragen, damit ich mich wieder erinnern konnte:

Alone

From childhood's hour I have not been     poe
As others were; I have not seen
As others saw; I could not bring
My passions from a common spring.
From the same source I have not taken
My sorrow; I could not awaken
My heart to joy at the same tone;
And all I loved, I loved alone.
Then - in my childhood, in the dawn
Of a most stormy life - was drawn
From every depth of good and ill
The mystery which binds me still:
From the torrent, or the fountain,
From the red cliff of the mountain,
From the sun that round me rolled
In its autumn tint of gold,
From the lightning in the sky
As it passed me flying by,
From the thunder and the storm,
And the cloud that took the form
(When the rest of Heaven was blue)
Of a demon in my view.

Ich hatte schon viel von Poe gelesen, doch war er mir als Autor von Gruselgeschichten im Kopf geblieben. An seine Gedichte erinnerte ich mich nicht mehr. Obwohl er zahlreiche beeindruckende Gedichte verfasste! Ich denke, dass es vielen wie mir geht. Und dies ist auch der Grund, weshalb meine Kollegin Frau Dr. Schwarz, die englische Bücher einkauft, ein besonderes Buch ins Programm genommen hat. „Edgar Allan Poe - Selected Poems & Tales“ heißt es und sammelt neben Kurzgeschichten die schönsten Gedichte – auf Englisch natürlich. Ich gehe fest davon aus, dass auch Sie Gefallen an den wunderbaren Worten des großen Poeten finden.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

09.11.2008, 19.56 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Edgar Allan Poe, Selected Works, Horror, Grusel, Gedichte,

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