
Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: Alter
Dunkles Mittelalter?
Jetzt sprießen sie wieder wie Pilze aus dem Boden: die Mittelaltermärkte. Fast an jedem Wochenende kann man sich nun wie ein Landsknecht, eine Marketenderin oder ein edler Ritter fühlen. Ganz Passionierte hüllen sich sogar in eigens angefertigte Gewänder, setzen leinene Hauben auf und tragen spitzes Schuhwerk. Dann werden deftige Speisen aufgetischt und ein Humpen aus gebranntem Ton mit dunklem Bier oder Met gefüllt – fertig ist unser Bild vom Mittelalter. Nur dass wir für das Spektakel Eintritt zahlen, im klimatisierten Auto oder mit dem High-Tech-Fahrrad angereist sind und unter dem Leinenwams Funktionsunterwäsche tragen. Klar, dass der sommerliche Mittelalter-Zinnober in ganz Deutschland kaum ansatzweise etwas mit der realen Epoche zu tun hat.
Von dunklen Katen, strohgefüllten Bettlagern voller Ungeziefer, Armut, Hunger, Aberglauben und Krankheiten möchte man ja auch eigentlich nicht so viel wissen. Aber irgendwie übt dieses Zeitalter auf uns eine ganz große Anziehungskraft aus. Vielleicht, weil die Welt von damals so überschaubar scheint. Alles war ein paar Nummern kleiner, und jeder kannte seinen Platz in der Gesellschaft. Und außerdem gab es sie ja tatsächlich, die Ritter im Kettenhemd, die Minnesänger, Gaukler und Edeldamen. Faszinierende Gestalten einer immer noch einflussreichen Zeit.
Vielleicht haben Sie ja Lust, einmal hinter die Kulissen des Mittelalters zu blicken und mehr darüber zu erfahren, wie das Alltagsleben damals tatsächlich aussah, wie man mit der Umwelt umging, was auf dem Speiseplan stand und wie die gesellschaftliche Position von Mann und Frau war. Sehr spannend! Denn es gibt zu entdecken, dass das Mittelalter gar nicht so „dunkel“ war, wie wir meist glauben.
"Streifzüge durch das Mittelalter" bei Jokers
"Mensch und Umwelt im Mittelalter" bei Jokers
Bild: Codex manesse Heinrich von Breslau/wikimedia
27.08.2010, 07.40 | (0/0) Kommentare | PL
Warum Rentner nie Zeit haben

Geht es Ihnen auch so? Früher war ein Jahr wie eine Ewigkeit, alleine die Sommerferien glichen einem nicht endenden Jahrzehnt… Und heute? Wir schreiben das Jahr 2010, ich erinnere mich aber genau, wie wir alle dem Jahrtausendwechsel schon Jahre zuvor entgegenfieberten.
So ist das mit dem Älterwerden, und die Theorien zum subjektiven Zeitempfinden sind zahlreich: Meine Lieblingsthese ist diese: Je älter wir werden, desto schneller scheint die Zeit zu vergehen. Alleine deswegen, weil wir doch schon einige Erinnerungen und Erfahrungen mehr haben als Kinder – unser Gehirn vergleicht angeblich stets die bereits gelebte Zeit mit eben jener Zeitspanne, die uns gerade bewusst ist. Nehmen wir mal an, Sie sind 45 Jahre alt: Was sind denn schon 12 Monate zu den 540 bereits gelebten Monaten? Treiben Sie das Spiel ruhig weiter und rechnen Sie mal nach, wie viele Wochen, wie viele Tage schon auf Ihr Lebenszeitkonto gehen… Wahrlich: Was sind da schon 24 Stunden?
Nur manchmal wird es mir richtig deutlich, dass ich keine 20 mehr bin: Dann nämlich, wenn ich 20-Jährige sehe und von ihnen als „Kinder“ denke. So jung sehen sie aus, so kindlich verhalten sie sich… Ich in ihren Augen bin hingegen wohl ein Greis, genau so, wie uns früher alle über 30 vorkamen…
„Was heißt hier alt?“ von Lo von Gienanth ist eines meiner derzeitigen Lieblingsbücher. Der Untertitel „Anstiftung zum Eigensinn“ spricht für sich und bedarf keiner weiteren Erläuterungen.
Ach, lieber Leser, Älterwerden kann so amüsant sein!
21.04.2010, 10.10 | (0/0) Kommentare | PL
Wo Bücher töten können
Bücher können schrecklich heimtückisch sein. Sie können sogar töten. Das glauben Sie nicht? Dann kommen Sie mal mit in „Die Stadt der träumenden Bücher“, dort werden Sie sehen, dass ich recht habe ... Dass Lesen ein Abenteuer wird, wenn man die Tür öffnet zu Buchhaim, wo die träumenden Bücher zu Hause sind und es verführerisch nach Druckerschwärze, Papier und Leim duftet. Genau diese verlockende Tür nämlich öffnet der junge Dichter Hildegunst von Mythenmetz, der unbedingt das Geheimnis eines geerbten Manuskripts ergründen möchte. In der geheimnisvollen Stadt trifft er auf leidenschaftliche Bücherjäger und seltsame Buchlinge, bis er sich fast in der labyrinthischen Welt der Bücher verliert. Autor der herrlich verrückten Geschichte ist Walter Moers, der Tausendsassa unter den deutschen Autoren der Gegenwart. Moers, der auch als Comiczeichner und Illustrator arbeitet, ist mit „Käpt’n Blaubär“ und dem „Kleinen Arschloch“ einem großen Publikum bekannt geworden – keine Frage, der Mann hat einen brachialen Humor und Sinn fürs Groteske. Alles ist in der Regel wahnsinnig übertrieben und politische Korrektheit ist definitiv Fehlanzeige.
Was ich wirklich bewundere, ist seine überbordende, alle Grenzen sprengende Phantasie. Was Walter Moers einfällt, ist einfach kaum zu glauben: Sprachspiele, wilde Zeichnungen und eine eigentümliche Mischung alter Mythen und Sagen gemixt mit den Fakten der postmodernen Welt.
Da ich auch Sie als Bücherjäger einschätze – sonst wären Sie ja nicht bei Jokers unterwegs, oder? – lege ich Ihnen diesen über 400 Seiten feinsten Lesestoff zum fantastischen Preis gern ans Herz!
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
22.12.2009, 09.58 | (0/0) Kommentare | PL
Ein Buch mit Suchtfaktor
Doch angesichts meines Urlaubs überkam mich der Wunsch, mal wieder ein dickes Buch zu lesen, in dem man über einige Tage richtig versinken kann. Das Buch „Die Tore der Welt“ (engl. „World without End“) ist nicht nur spannend geschrieben, sondern Follet zeigt sich wieder als Meister der Spannungsbögen und der ausgefeilten Charakterentwicklung. Seine Geschichten in den über 1200 Seiten sind nie verworren oder unübersichtlich. Die Handlung ist gut recherchiert und überraschend wohl durchdacht. Mittelalter-Klischees und Rollenstandards bedient Follet sichtbar ungern.
Und dann ist da natürlich noch dieser Suchtfaktor, der sich schon nach wenigen Zeilen einstellt und dafür sorgt, dass ich mich am Abend vor dem Einschlafen schon auf den nächsten Tag freue, wenn ich endlich weiter lesen kann. Genauso hatte ich es mir gewünscht.
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
20.09.2009, 08.46 | (0/0) Kommentare | PL
Thema Alter
Erst recht, wenn ich von Jubiläen bekannter Persönlichkeiten lese. Wie etwa von Udo Jürgens, der mit 74 Jahren jetzt ein neues Album herausgebracht hat, und von dem Zeitschriften wie der „Spiegel“ schwärmen: „Udos Stimme hat sich verändert: Sie will nicht mehr so viel. Sie klingt jetzt lässig alt. Es singen Zuversicht, Gelöstheit, die totale Entspannung.“
Gänzlich anders vom Altern spricht der amerikanische Schriftsteller Philip Roth in seinem neuen Roman „Jedermann“. Denn für den 73-Jährigen ist Altern kein Kampf, „das Alter ist ein Massaker“. Entsprechend beginnt das Buch mit der Beerdigung der namenlosen Hauptfigur. In zahlreichen Rückblicken erzählt Roth die Geschichte eines normalen Amerikaners, der seine mit dem Alter zunehmenden Krankheiten nur schwer akzeptieren kann. Im Mittelpunkt stehen der körperliche Verfall und das Altern. Eine Geschichte, die alles andere als verklärt und „entspannt“ ist.
Philip Roth bei Bücher-Wiki
14.04.2008, 08.51 | (0/0) Kommentare | PL
Besessener Sammler
Sie haben sich überschlagen: Kein Feuilleton, das ihn nicht betrauert und gerühmt hat, den Schriftsteller Walter Kempowski, der jüngst mit 78 an Krebs gestorben ist. Selbst in seinen letzten Tagen hat er noch an einem neuen Buch geschrieben.Beinahe unglaublich, was der Mann alles zu Papier gebracht hat: „Tadellöser & Wolff“, „Uns geht´s ja noch gold“, „Deutsche Chronik“, „Das Echolot“, „Alles umsonst“ … Allein das „Echolot“ ist mit seinem mehr als 9.000 Seiten ein Mammutwerk, bei dem ich mich gefragt habe, wie es jemand alleine schafft, ein solches Werk auf die Beine zu stellen.
„Das Echolot“ habe ich mir angetan. Als es erschien, wurde es überall so stark beworben, dass auch ich mich diesem Werk nicht entziehen konnte. Ich habe mich eingelesen und sogar zwei der Bände geschafft. Aber ehrlich: Die Lektüre des „Echolots“ hat mir den ganzen Kempowski verdorben. Ich habe selten ein so ermüdendes Werk gelesen. Irgendwann hatte ich es satt, die Briefe der Frontsoldaten an ihre Mütter, Väter, Geliebten zu lesen. Hat man ein paar gelesen, kennt man sie alle. Was soll ich 9.000 Seiten davon lesen? Nach den ersten 1.000 Seiten dachte ich immer noch, jetzt muss aber etwas Entscheidendes kommen – doch es kam nichts. Mein Voyeurismus war längst befriedigt.
Danach habe ich natürlich nie mehr ein Kempowski-Buch in die Hand genommen. Vielleicht ein Fehler. Denn laut Feuilletons soll er einer der meistgelesenen deutschen Autoren sein, die FAZ nennt ihn gar einen Jahrhundertschriftsteller, die TAZ erkennt einen Chronisten der deutschen Geschichte in ihm und die FR betitelt ihn gar als Archivar des babylonischen Chores. Vielleicht kommt ihm die FR damit am nächsten, jedenfalls habe ich es noch nicht geschafft, in Walter Kempowski in erster Linie den Dichter zu sehen. Für mich ist er nach dem „Echolot“ vor allem der besessene Sammler. Kempowski als Dichter harrt bei mir noch der Entdeckung. Wir von Jokers haben im Moment sogar ein Buch von ihm günstiger im Programm: Im Block. Darin erzählt er von seiner Gefängnishaft in Bautzen. Ob ich hier den Dichter in ihm entdecken kann? Ich weiß nicht.
08.10.2007, 08.35 | (0/0) Kommentare | PL
Der Traum vom Schwertkampf
Jochen hat sich sogar konkret aufgemacht, den klassischen und daher mühsamen "Weg zum Schwert" zu gehen und mit Aikido begonnen. Diese japanische Selbstverteidigungs- und Kampfkunst führt, wenn man einige Jahre fleißig geübt hat, zur ersehnten "Schwertform". Leider reichte es bei Jochen nicht weiter als bis zum Gelben Gürtel, dann verließ ihn der Mut.
Viele Jahre später versuchte er es noch einmal mit einem Schnellkurs bei einer Erwachsenen-Bildungseinrichtung. "Aikiken - die Kunst das Schwert zu führen" lehrte ihn, in wenigen Monaten einen langen Holzstab möglichst elegant gegen einen, zwei und sogar drei Gegner zu schwingen. Jedoch nur theoretisch. Das meiste davon vergaß er, mangels Übung, in kürzester Zeit wieder.
Doch in all den vergangenen Jahren rumorte es in Jochens Träumen. Die alte Sehnsucht, sich im klassischen Schwertkampf dem Gegner zu stellen, nicht umständlich mit Worten oder gar hintenrum per Gericht und Anwalt zu kämpfen, nein! Auge um Auge dem Gegner ins Gesicht zu blicken und den Kampf direkt auszutragen, diesen alten Wunsch konnte mein Freund nie ganz ablegen.Ein stabiles Fundament habe er sich schon zugelegt, indem er alles gelesen habe, was es zu Schwertkunst, Kendo, Aikiken oder Samurais in Buchform gibt. Doch das ist alles nur theoretisch. Und deshalb geht es Jochen jetzt ein drittes Mal an. Dank Emil, der schon seit vielen Jahren zusammen mit Gleichgesinnten den Schwertkampf trainiert. Und sich dabei mitunter, wie jüngst geschehen, schon einmal die Hand bricht. Ein solcher Haudegen ist Jochen allerdings nicht. Ihm reicht es schon, die Philosophie dahinter zu spüren, sich den Konflikten mit dem Schwert in der Hand stellen zu können. So, wie es die Idole Jochens in seiner Kinder- und Jugendzeit taten.
Ich persönlich kann mit dem Thema nicht allzu viel anfangen. Doch Jochens Leidenschaft für Tolkien und klassische Heldensagen kann ich durchaus verstehen. Ein kleiner Meister, ein kleiner Held steckt doch in jedem.
17.09.2007, 00.41 | (0/0) Kommentare | PL
Der gewisse Unterschied
Jüngst brach eine Kollegin diese Diskussion vom Zaun: Ob es denn nicht komisch sei, wenn eine ältere Frau einen jüngeren Mann habe. Konkret ging es um eine gemeinsame Bekannte. Die 42-jährige hat erst vor kurzem ihren sechs Jahre jüngeren Freund geheiratet. Die beiden sind seit fünf Jahren liiert. Meine These: Wäre es anders herum gewesen, wäre also der Mann älter als die Frau, hätte sich niemand sonderlich gestört. Doch unsere Bekannte wird mit ihrem "jungen" Mann stets schief angeschaut. Zwar störe sie das nicht weiter, wie sie mir erst neulich versicherte, aber auf die Dauer könne es schon lästig werden. Ich für meinen Teil wundere mich mehr über Männer wie Max Frisch, dessen "Stiller" ich derzeit wieder lese. Der Schweizer Schriftsteller heiratete mit 57 Jahren die 29-jährige Marianne Oellers. Das sind immerhin stolze 28 Jahre Altersunterschied. Für unsere Bekannte würde das bedeuten, sie wäre mit einem 14-Jährigen zusammen. Auch Max Frisch muss sich Gedanken gemacht haben. In "Homo Faber" lässt er den Protagonist Walter Faber unwissentlich eine Liaison mit seiner eigenen Tochter eingehen. Allerdings schrieb Frisch dieses Buch 1957, genau fünf Jahre, bevor er Oellers traf.
Am besten wäre, wenn es die Leute einfach jedem selbst überlassen würden, um wie viel jünger oder älter er seine Lebenspartner wählt. So lange diese volljährig sind ...
10.09.2007, 09.10 | (0/0) Kommentare | PL



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