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Tag: Freundschaft
Bert Brecht und Lion Feuchtwanger
Marta Feuchtwanger erzählt unter anderem vom Beginn dieser ungewöhnlichen Männerfreundschaft, die nicht immer unproblematisch war: „Brechts Vater kam aus Augsburg zu Lion, um ihn um Rat zu bitten. Sein Sohn habe jetzt vor, das Medizinstudium aufzugeben, um Schriftsteller zu werden. Und da wollte er Lion fragen, der doch schließlich schon ein bekannter Autor sei, ob er glaube, dass sein Sohn genügend Talent habe, um es zu etwas zu bringen. Feuchtwanger antwortete: ‚Ich bin sonst nicht der Ansicht, dass man einem jungen Menschen anraten soll, Schriftsteller zu werden. Aber wenn Brecht nicht schreibt – der ist nämlich ein Genie -, wäre es eine Sünde.’ Da hat der Vater gesagt: ‚Schön, ich werde Ihren Rat befolgen und ihm auch weiter seinen Scheck schicken.’ Als er an der Tür war, drehte er sich noch einmal um und sagte: ‚Sehen Sie, ich bin Fabrikant, ich fabriziere wunderbares weißes Papier, und dann bedrucken Sie es.’“
Auch der umfangreiche Briefwechsel zwischen Brecht und Feuchtwanger ist sehr aufschlussreich und informativ (Lion Feuchtwanger. Briefwechsel mit Freunden 1933 – 1958, Band 1. Aufbau-Verlag. Berlin). Der Freundschaft zwischen Brecht und Feuchtwanger entstammen sogar drei gemeinsam erarbeitete Stücke: „Das Leben Eduards II“, „Kalkutta, 4. Mai“ und „Die Geschichte der Simone Machard“.
Dabei wäre die Freundschaft beinahe in die Brüche gegangen, weil sich Brecht in Feuchtwangers Roman „Erfolg“ sehr ungünstig charakterisiert empfand. Dort hat Feuchtwanger mit der Figur des Kaspar Pröckl seinem Freund Bert Brecht ein literarisches Denkmal gesetzt, das diesem ganz und gar nicht gefiel, wie man leicht verstehen kann, wenn man nur einige Stellen in dem wunderbaren Roman, der so etwas wie ein Zeitdokument ist, liest: „Der Kerl roch wirklich wie Soldaten auf dem Marsch“, oder an anderer Stelle: „die anstrengend, unmanierliche, schrille, schreiende Stimme Pröckls“. Brecht soll sogar wiederholt auf Feuchtwanger eingeredet haben, diese Stellen zu entschärfen. Aber Feuchtwanger wollte dies offensichtlich nicht, da es sich schließlich um einen Roman und nicht um eine Dokumentation handelte. Hätte er sich von seinem Freund dazu erweichen lassen, wäre dies gewissermaßen eine Bankrotterklärung seines künstlerischen Schaffens gewesen.
Brecht und Feuchtwanger haben sich zeitlebens gegenseitig sehr viel gegeben, vom politischen Durchblick bis hin zum dramatischen Bewusstsein. Nachzulesen in: „Schatten über München“. Eine Dokumentation von Reinhart Hoffmeister. Langen Müller, München, sowie in Volker Skierka: „Lion Feuchtwanger. Eine Biographie, erschienen im Quadriga Verlag J. Severin, Berlin, oder im oben erwähnten Briefwechsel bzw. in „Nur eine Frau“ von Marta Feuchtwanger. Aufbau-Verlag, Berlin.
Wer mehr über diese seltsam anmutende Seite Brechts erfahren will, dem seien die hier erwähnten Bücher wärmsten ans Herz gelegt. Wenn er nicht bei uns im Shop etwas findet!
http://www.jokers.de/suche/index.html?com=bertolt+brecht&search.x=0&search.y=0&f=search.getsearch&tracksearch=true
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
26.02.2010, 08.51 | (0/0) Kommentare | PL
Auf ein Wort
Stil und Etikette sind in wie nie zuvor. Der gute alte Knigge verkauft
sich in Neuauflagen für Büro, Heim, Freundeskreis, ja sogar für den
Sport so gut wie nie. Und doch scheint es mir, als hätten die Menschen
in den letzten Jahren die Rücksicht auf andere verloren. Ein Eindruck,
der sich in den letzten Monaten massiv verstärkt hat. Und zwar genau in
der Zeit, in der die Menschen doch so besonders gut und freundlich
hätten zueinander sein sollen: in der Advents- und Weihnachtszeit.
Angefangen mit einer guten Bekannten, die plötzlich mit einem
gebrochenen Bein an ihre Wohnung im 4. Stock gefesselt wurde. Die
Selbständige ist ledig und erzählte mir, dass ihr niemand aus ihrem
großen Freundeskreis zu Hilfe kam. Nicht einmal eingekauft hat jemand
für sie. Es geht weiter mit einer Bekannten, die plötzlich am Unterleib
operiert werden musste - und der genau eine Freundin die Hand hielt.
Der Rest scheute sogar das Telefonat.
Ich könnte noch viele weitere Beispiele aufzählen von Menschen in Not,
denen nicht die Freunde beistanden, die über genug Zeit, Geld und Ruhe
verfügten. Nur Menschen, die selbst wissen, wie hart der Wind des
Lebens bläst, kümmern sich manchmal. Die meisten aber verfolgen die Not
anderer aus sicherer Distanz. Aus irgendeinem Grund, so scheint es mir,
haben sie Angst, das Unglück könnte auch ihnen ihre Gesundheit, ihre
Haus, ihren Job oder ihren Lebenspartner rauben.
So ist es kein Zufall, dass zum Jahresende die Selbstmordrate um ein
Vielfaches den Jahresdurchschnitt übertrifft. Denn all jene, die zu
Weihnachten keine Familie haben, bei der sie bleiben können, haben
plötzlich auch keine Freunde mehr, die ihnen zumindest einmal eine
Weihnachtskarte schicken. Irgendwie traurig.

28.01.2008, 15.26 | (0/0) Kommentare | PL



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