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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Lernen

1089 oder Das Wunder der Zahlen

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15.04.2011, 09.22 | (0/0) Kommentare | PL

Nachbarn, die keine Bücher lesen

Ich habe neue Nachbarn bekommen. Ich lud die zwei neuen Mieter gleich zu einem Kennenlernkaffee in meine Wohnung. Das Gespräch war sehr nett, weshalb ich kurze Zeit später gern die Gegeneinladung in die Nachbarwohnung annahm. Mittlerweile wohnte das noch relativ junge Pärchen schon einige Monate da und kannte mich als Nachbarn bereits. Allerdings mehr als mir lieb war. So begrüßte man mich mit „Schön, dass du uns besuchst. Wir dachten schon, du wärst ein Einsiedlerkrebs, so selten wie du Besuch bekommst.“

Huch! Was war das denn? Wurde ich da etwa überwacht? Es schien so, denn im weiteren Gespräch erfuhr ich, was meine geschätzten Nachbarn noch so von mir wussten: „Deine Erkältung vor ein paar Wochen hat sich ja ganz schön hingezogen. Wir konnten dich wochenlang husten hören.“ „Du hast einen komischen Musikgeschmack. Black und RnB hörst du gar nicht, oder?“ und als Krönung: „Du gehst gar nicht mehr weg, stimmt´s? Für das Nachtleben bist du wohl schon etwas zu alt.“

Die beiden gaben sich ganz einer Fähigkeit hin, um die ich sie als eher schweigsamer Mensch beneide. Sie sprachen ununterbrochen und meist sogar gleichzeitig. Dabei erfuhr ich schon nach kurzer Zeit, dass die Friseuse und der Arbeitslose gern den Feierabend mit Wodka, Red Bull und ein paar Joints ausklingen lassen. Auch von seiner Zeit im Knast, seinen sexuellen Abenteuern, dem gemeinsamen Besuch einiger Rave-Partys nebst unverzichtbarem Tablettengebrauch und diversen weiteren Vorlieben erfuhr ich, ohne mich im Geringsten wehren zu können. Die beiden überschütteten mich mit Details aus ihrem Privatleben, die ich aus reiner Höflichkeit ertrug.

Doch es kam noch schlimmer. Auch die Mitbewohner des Hauses wurden thematisiert. Ich erfuhr, dass die freundliche Dame im Parterre zunehmend dement werde, dass der muskulöse Herr im 1. Stock gern Stringtangas im Leopardenlook trüge, und dass der Sohn der Dame im 2. Stock verunglückt sei.

Das Pärchen, das ich bislang als jung und eher aufgeschlossen empfunden hatte, wetterte zum Schluss mit steigender Aggression gegen ausländische Mitbewohner, die „Türken im Viertel“ und „all das faule Gesocks“. Auch die „Studierten“ bekamen ihr Fett weg. „Die ganzen Typen, die sich für was Besseres halten, nur weil sie ständig Bücher lesen, gehören doch auch alle weg.“

Ich war so perplex, dass mir die Worte fehlten. Ziemlich schnell verabschiedete ich mich und ging in meine Wohnung zurück. Was soll man tun, wenn man solche Nachbarn hat? Ausziehen? Ich habe mir vorgenommen, diese Begegnung als Warnung zu sehen vor dem, was geschieht, wenn Menschen keine Bücher mehr lesen.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

15.02.2009, 17.56 | (0/0) Kommentare | PL

Rosige Zukunft

SchuelerDer Schulbuchmarkt stagniert wegen tendenziell zurück gehenden Schülerzahlen? Kein Problem für die Schulbuchverlage. Der Bildungsmarkt ist groß und Bildungsdienstleistungen lassen sich ausbauen!

Da ist z. B. der Privatschulmarkt. Gerade hat sich Klett mit Schweizern zusammengetan, um Privatschulen zu gründen, denn immer mehr Eltern wollen ihre Kinder auf einer Privatschule sehen. Man setzt sich damit von der Unterschicht und Familien mit Migrationshintergrund ab. Vermutlich werden hier noch andere Bildungsverlage nachziehen. Privatschulen finanzieren sich durch Gebühren, möglicherweise sind auch Städte als Zuschussgeber zu gewinnen. Noch sind 80 Prozent der Privatschulen kirchlich, aber das wird sich wohl bald ändern. Klett zieht das Projekt gleich als Ganztagsschule auf, damit entfällt für Eltern mit dem nötigen Kleingeld auch gleich die lästige Nachmittagsbetreuung.

Ein weiteres Feld, das sich Bildungsverlage in den letzten Jahren erobert haben, ist die Nachhilfe. Hier ist Cornelsen mit etwa 1.000 Ablegern des Studienkreises schon lange im Geschäft, aber auch Duden Paetec und neuerdings auch Klett.

Und dann sollte man nicht die private und berufliche Weiterbildung vergessen. Auch da sind die früheren Schulbuchverlage zu Dienstleistern geworden. Und mit ihren verschiedenen Fernschulen erwirtschaften sie schon ganz beträchtliche Umsätze. Der Tag der ersten Verlagsuniversität ist sicher nicht mehr fern.

Die Bildungsverlage werden in den nächsten Jahren noch mehr zu umfassenden Bildungsdienstleistern werden, weil sich der Staat immer mehr aus diesem Bereich zurückzieht und Bildung privatisiert. Die soziale Auslese wird damit verschärft, denn nur Eltern ab der Mittelklasse werden das Geld haben, ihren Kindern auch in Zukunft noch die beste Bildung zukommen zu lassen. Aber das juckt keinen Politiker und die Bildungsverlage freut´s. Denn lebenslanges Lernen bedeutet auch lebenslange Einnahmen.


29.02.2008, 16.37 | (0/0) Kommentare | PL

Ein Big Mac, eine Cola und einmal die Matura, bitte

AbiturJa, McDonalds bietet jetzt auch die Matura an. In Großbritannien. Dort wird die Kluft zwischen staatlichen Qualifizierungen und Firmenausbildungen immer größer und soll überwunden werden. Die Anerkennung der fundierten Ausbildungskurse von McDonalds und anderen Firmen ist ein erster Schritt zur kompletten Privatisierung der Bildung.

Natürlich ist es nicht so, dass die Anwärter aufs Abitur oder einen Hochschulabschluss ihre Auszeichnung zum Lunch serviert bekommen. Auch McDonalds erstellt Zeugnisse genauso wie staatliche Institutionen nach erfolgreich bestandenen Prüfungen.

Für uns Kontinentaleuropäer wirkt das britische System noch seltsam. Es hat aber den Vorteil, dass bereits die schulischen Ausbildungen praxisbezogener sind als in manch anderem Land. In unseren Landen müssen Schüler noch ein wenig auf ihren harten Holzbänken ausharren und Mathe, Physik und Co. ganz trocken und theoretisch büffeln, bis sie den begehrten Abschluss in der Hand halten. Ob sich Deutschland, Österreich oder die Schweiz jemals zu einem vergleichbaren Umsturz des Schulwesens entscheiden, bleibt fraglich.

Um unseren Kids dennoch das Lernen ein wenig zu erleichtern, haben wir ein spezielles Lernpaket im Angebot, das die Schüler von der 5. Klasse bis zur Matura führt: Die umfangreiche Box "Schule und Abitur, Komplettausgabe" macht die Schüler mit 17 CDs, 85 Software-Titeln und 2 DVDs fit für ihre wichtige Abschlussprüfung.


21.02.2008, 16.59 | (0/0) Kommentare | PL

Wild entschlossen

japanischDer normal gebildete Mensch in meinem Umfeld spricht zwei Fremdsprachen, mindestens eine davon fließend. Viele haben außerdem irgendwann mal eine dritte gelernt, die sie zumindest noch als Bruchstücke im Urlaub oder in Form von verstaubten Redewendungen zu Familienfeiern oder Betriebsfesten hervorkramen können. Ein paar wenige Talentierte sprechen eine vierte Fremdsprache, meist deshalb, weil sie einen halbjährigen Studienaufenthalt in einem exotischen Land, wie etwa Peru, Norwegen oder Estland absolviert haben. Doch diese Sprachtalente sind spärlich gesät. Und ich kenne niemanden, der mehr als vier Fremdsprachen spricht.

Umso erstaunter war ich, als ich neulich von einem 22-jährigen Studenten las, der sage und schreibe 35 Sprachen fließend sprechen soll. Angeblich beherrscht er unter anderem Altpersisch, Baktrisch, Sogdisch, Sakisch, Pashto, Urdu, Hindi, Farsi, Panjabi, Sindhi, Baluchi, Sanskrit, Pali, Gandhari, Kurmandschi-Kurdisch, Latein, Griechisch, Arabisch, Französisch und natürlich Englisch. Ehrlich: Von manchen dieser Sprachen hatte ich noch nie etwas gehört.

Sein Geheimnis beim Sprachenlernen: Wie andere täglich Sport machen, so lernt er täglich Vokabeln und paukt Grammatik. Eine durchaus einleuchtende Logik, finde ich. Und ich fühle mich ein bisschen ertappt. Denn wie lange schon wollte ich endlich fließend Italienisch sprechen und dem Gestopsel beim Italiener endlich ein Ende machen. Allein schon, weil Fremdsprachenlernen für das Gehirn so gesund sein soll, wie leichtes Joggen für den Kreislauf.

Und so habe ich es jetzt angepackt und (mal wieder) meinen Einsteiger-Kurs in Italienisch heraus gekramt. Dieses Mal bin ich wild entschlossen, im nächsten Italien-Urlaub fließend mit meinem Lieblings-Kellner zu plauschen. Als nächstes ist Russisch dran – wegen meiner Moskauer Freundin Olga, und zwar kommenden Sommer. Und wenn ich dann noch nicht genug habe, schaue ich mal hier nach, was ich als nächstes lernen könnte.


26.11.2007, 13.12 | (0/0) Kommentare | PL

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