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Heinz, der kleine Anarchist
Der Comedian Mario Barth füllt riesige Hallen, Atze Schröder hat einen lustigen Ruhrpottakzent, Anke Engelke lässt es als Lady richtig krachen und Hape Kerkeling ist ein großer Unterhaltungs-Könner. Nichts gegen die Herrschaften einzuwenden, die sind alle auf ihre Art sehr komisch.Tief in meinem Innersten habe ich jedoch schon immer eine ganz und gar uncoole Vorliebe für Heinz Erhardt. Jetzt, da er anlässlich seines 100. Geburtstags wieder überall zu sehen und zu hören war, wirkt das vielleicht nicht ganz so seltsam, aber im Normalfall wird man – so man sich zu dieser Humorvorliebe bekennt – doch eher belächelt.
Auf viele wirkt Heinz Erhardt mit seinem bärenhaft-drolligen Äußeren und seinen ulkigen Wortspielereien einfach furchtbar altmodisch und betulich. Aber diese unnachahmlichen Wort- und Satzverdrehungen, das virtuose Spielen mit der Sprache in Verbindung mit seinem tölpelhaften Charme – ich fand das immer äußerst liebenswert. Außerdem blitzt hinter den oberflächlich betrachtet putzigen Gedichten oft eine gehörige Portion anarchischer Witz hervor. Das vermutet man zunächst gar nicht, wenn man den pausbäckigen Brillenträger in der bundesrepublikanischen Wirtschaftswunderwelt der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts herumkaspern sieht. Vielleicht macht gerade das den Reiz für mich aus: Heinz Erhardt steht für eine ganz andere Welt als unsere, alles an ihm ist langsamer, bedächtiger, aber trotzdem nach wie vor witzig und treffsicher.
Der in Riga geborene Komiker studierte Klavier und Komposition in Leipzig und kam dann über seine Tätigkeit als Radiomoderator in die Öffentlichkeit. Zum Glück, finde ich, denn er gehört unbestritten zu den besten deutschen Komikern. Heinz Erhardt bringt uns immer noch zum Lachen und ist ein absolutes Original.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
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