Jokers Blog Österreich

Kennen Sie weiland?

Es ist schon lustig, welche Verwirrung sieben kleine Buchstaben stiften können...

Eine Bekannte lag zu Ostern am Gardasee gemütlich im Liegestuhl und blätterte in einem Nachrichtenmagazin. Da sprang ihr ein Wort ins Gesicht, das sie zwar schon gehört hatte, dessen Bedeutung ihr aber nicht bewusst war. "Weiland" hieß das Wort.

Meine Bekannte fragte ihren Mann: "Weiland? So hat doch unser letzter Nachbar mit Nachnamen geheißen! Aber das kann doch nicht sein, dass hier ein Herr oder Frau Weiland gemeint ist! Weißt du, was weiland meint?" Doch auch ihr Mann wusste nichts mit dem Wort anzufangen. Und so verbiss sich meine Bekannte in die "Problemstellung". Sie begann unter den deutschsprachigen Urlaubern rings um ihren Liegestuhl zu recherchieren. Dabei wurden die abenteuerlichsten Theorien über die Bedeutung des Wortes „weiland“ entwickelt. Die Bedeutungsvorschläge reichten von "wahrscheinlich" über "denn" bis hin zu "das könnte der Name des Dackels der Mutti sein". Tatsächlich kannte keiner ihrer Miturlauber dieses Wort. Und der Weg zum nächsten Duden, erst recht zum nächsten Internet-Anschluss war - von den Liegestühlen aus gesehen - weit.

So blieb der Bekannten nichts anderes als zu raten. Sie versuchte das Wort semantisch herzuleiten. Wei-land. Doch sie konnte keinen der beiden Seme identifizieren. So wich sie auf andere Sprachen aus. "Vielleicht whyland?", schlug Günther vor, der Zimmernachbar im Hotel.

LupeSchließlich hielt es meine Bekannte nicht mehr aus und bat die hübsche Dame an der Rezeption einen kurzen Blick ins Internet am Hotel-Terminal werfen zu dürfen. Die Dudenseite verriet meiner Bekannten zumindest, dass es sich um ein veraltetes Wort handelte, und eigentlich vom Dativ Plural des Wortes "Weile" abgeleitet ist. Weitere Informationen hätten 25 Cent gekostet …

Weil sie diese 25 Cent nicht zahlen wollte, surfte meine Bekannte flott weiter, sie wollte ja die Geduld der Rezeptionistin nicht überstrapazieren. Auf kurzefrage.de, einem Forum für die unterschiedlichsten Fragen des Lebens, fand sie schließlich, was sie so dringend suchte: Ein User namens Nutria hatte vor ihr schon das gleiche Problem gehabt und hatte wissen wollen: "Was heißt weiland?". Die Antwort kam vom User Stardust: "weiland = vormals, einstmals, ehemals - aus dem mittelhochdeutschen "wielen(t)" = Dativ Plural zu Nomen >wil(e<) für weile."

Aufgeklärt und befriedigt konnte sich meine Bekannte jetzt wieder in ihren Liegestuhl legen. Deutsche Sprach – schwere Sprach.

30.04.2007, 01.11 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches | Tags: Duden

Vollidiot im Kino

Ich kann zwar eigentlich nicht mitreden, aber aus vielen Gesprächen hat sich mir der Eindruck aufgedrängt: Wer Single in einer Großstadt ist, muss ein harter Brocken sein. Doch wer hat es schwerer, Frauen oder Männer?

Locker-flockige Großstadtsingle-Romane in der Frauen-Liga gibt es mittlerweile so viele, dass es den Rahmen dieses Blogs sprengen würde, sie alle aufzuzählen. Die bekanntesten Autorinnen dieser neuen Art von Frauenromanen sind wohl Helen Fielding („Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“) und Marian Keyes („Pusteblume“, „Wassermelone“, „Rachel im Wunderland“).

Film Die Männer-Liga führt Tommy Jaud mit „Vollidiot“ an. Insofern ein Novum, als es dieses Mal ein berufstätiger Mann um die 30 ist, der in einer Großstadt seinen Traumpartner sucht. In diesen Tagen ist bereits die „Vollidiot“-Verfilmung in manchen Kinos angelaufen. Die Hauptrolle spielt Oliver Pocher. Ein deutscher Comedian, der nicht gerade für seine sensible Lebensphilosophie bekannt ist, sondern eher für brachialen Hau-Drauf-Humor. Unvergessen sein Auftritt bei „Wetten dass“, als er das unvorteilhafte Aussehen einer Dame im Publikum bewitzelte.

Mit diesem Repräsentanten des männlichen Großstadtsingles möchte ich lieber nicht in Berührung kommen. Und deshalb bleibe ich lieber bei der literarischen Vorlage des Films und spar mir den Kino-Besuch...

30.04.2007, 00.45 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kino & Film | Tags: Kino, Vollidiot,

Mal was ganz anderes

Karol WojtylaKarol WojtylaWussten Sie, dass Karol Wojtyla gedichtet hat? Bevor er als Oberhaupt der katholischen Kirche in den Vatikan einzog, lebte der Priester und Professor in der Nähe des polnischen Krakau. Schon früh begann er, seine Gedanken und Gefühle in bewegenden, sensiblen Gedichten festzuhalten, seine künstlerischen Aktivitäten umfassten sogar die Mitwirkung in einer Experimentaltheatergruppe. Und daneben war Krieg und herrschten die Nazis in Polen.

Man kann es ihnen nicht absprechen: Die Texte des späteren Doktors der Philosophie und Professors der Moraltheologie sind schon im Jugendalter geprägt von der tiefen Ein- und Weitsicht eines außergewöhnlichen Menschen.

Es gibt seine Gedichte sogar vertont auf CD. Kein anderer als der geniale Schauspieler Peter Fitz liest die Strophen mit seiner eindringlichen Stimme. Untermalt von einer angenehmen Musik wird dieses Hörbuch zum Kunstgenuss für Freunde des unvergessenen Papstes. Einige wenige Exemplare dieses ungewöhnlichen Werkes haben wir für Sie noch auf Lager – wenn Sie also den ehemaligen Papst von seiner ganz persönlichen Seite her kennen lernen wollen, sollten Sie zugreifen.

30.04.2007, 00.28 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Karol Wojtyla, Lyrik, Papst, Poesie,

Vom Polytechniker zum Humoristen

Wilhelm Busch„Ach, was muss man oft von bösen Kindern hören oder lesen!“ Ob Wilhelm Busch damit auch sich selbst gemeint hat? Wenn man seine Eltern noch befragen könnte, hätten sie sicherlich die eine oder andere Anekdote aus dem Leben des berühmt-berüchtigten Maler und Autor zu erzählen… Sollte der Erstgeborene der Kaufmannsfamilie Busch doch schließlich Maschinenbauer werden!

Am 15. April 1832 kam Wilhelm Busch in Wiedensahl zur Welt – der kleine Ort liegt nahe bei Hannover. Lange jedoch blieb Wilhelm nicht unter der Obhut seiner fürsorglichen Eltern: Als 1841 sein Bruder Otto geboren wird, schickt man den Stammhalter kurzerhand zu seinem Onkel nach Göttingen. Im Privatunterricht bereitet der wohlwollende Onkel den kleinen Wilhelm so gut vor, dass dieser 1847 die Aufnahme für die Polytechnische Schule zu Hannover besteht. Maschinenbauer wollte er jedoch nie werden, schon von frühester Kindheit an bewies Wilhelm ein ausgeprägtes künstlerisches Talent.

1851 schließlich folgte Wilhelm seinem Herzen und begab sich an die Kunstakademie in Düsseldorf, wechselt jedoch bereits ein Jahr später an die Königliche Akademie der schönen Künste in Antwerpen. Nach einer überstandenen Typhus-Erkrankung beendet Busch seine künstlerische Erstausbildung in München an der Akademie der Bildenden Künste, 1865 wird seine erste Bildergeschichte veröffentlicht: „Max und Moritz“ sollte den umtriebigen Künstler endlich berühmt machen.

Busch, der nie selbst eine Familie gründete, zieht nach dem Tod seines Schwagers zu seiner Schwester Fanny Nöldeke ins Pfarrwitwenhaus in seinem Geburtsort Wiedensahl und übernimmt die Vaterrolle für seine drei Neffen. Mit seiner Schwester sollte er auch bis an sein Lebensende zusammen bleiben, bevor er am 9. Januar 1908 in Mechtshausen stirbt.

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26.04.2007, 20.53 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Wilhelm Busch, Autor,

42

Kürzlich holte mich ein Freund von der Arbeit ab – es war ein herrlicher Frühlingstag. Spontan beschlossen wir, in dem nahe gelegenen See ein kurzes Bad zu nehmen – bis mir einfiel, dass ich weder Badehose noch Handtuch dabei hatte.

Nun gut, die fehlende Badehose stellte kein großes Problem dar, dankbar erinnerte ich mich an die Boxershorts, die ich unter meiner Flanellhose trug. Aber das Handtuch?

Douglas AdamsMacht nichts, du kannst meines benutzen, tröstete mich mein Freund und ich war erstaunt – wie kam es, dass er ein Badetuch dabei hatte? War unser Ausflug an den See doch nicht so spontan, wie es schien?

Doch, er war es: Grinsend zog mich mein Freund damit auf, dass ich die goldene Regel des Universums gebrochen hatte. Ich verstand nur Bahnhof, bis er mich aufklärte: Habe immer ein Handtuch dabei, heißt das wichtigste Gebot in „Per Anhalter durch die Galaxis“. Nun begann ich zu verstehen. Klar, mein Freund war Fan von Douglas Adams. Ich hatte das witzige Buch zwar auch gelesen, doch mir kaum Einzelheiten merken können.

Später, am See, fragte ich ihn im Gespräch, was denn wohl der Sinn hinter allem sei. „42“ war seine schlagfertige Antwort. Zunächst konnte ich mit dieser Antwort überhaupt nichts anfangen, doch dann dämmerte es mir: auch so ein Hitchhiking-Zitat.

Wollen Sie mehr wissen?

26.04.2007, 19.15 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Douglas Adams, Buch, Autor,

Die Frage nach dem Glück

Sind Sie glücklich? Haben Sie sich überhaupt schon einmal diese Frage gestellt? Wenn nein, haben Sie Glück gehabt. Wenn ja, kennen Sie ja bereits den Abgrund an Gedanken, der sich auftut, begibt man sich einmal auf die Suche nach dem eigenen Glück. Falls auch Sie schon das eine oder andere Mal an Ihrer eigenen Metaphysik verzweifelten, hier ein Tipp: Schlagen Sie doch einfach mal bei Samuel Beckett nach!

Der irisch-britisch-französische Schriftsteller, und es ist wirklich schwer, eine Nationalität für ihn bestimmen zu wollen, gilt als einer der bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts – 1969 wurde er sogar mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Samuel BeckettAm 13. April 1906 wurde Samuel Beckett in Dublin geboren – vielleicht ist die berüchtigte Unglückszahl 13 in seinem Geburtsdatum Anlass gewesen, dass sich Beckett so konsequent über den Irrsinn der Sinnsuche im Unsinn lustig machte. Wer weiß. So viel ist sicher: „Warten auf Godot“ ist sein berühmtestes Werk, doch auch seine anderen Schriften sind lesens- oder hörenswert. Mein aktueller Favorit ist das Hörbuch „Glückliche Tage“: Für mich existieren wenige andere Werke, die derart grotesk die Absurdität des Daseins auf die Schippe nehmen und beständig mit einer gehörigen Portion Satire den Hörer vor dem sicheren Wahnsinn befreien.

Die Glücksfrage hat sich nach dem Genuss dieses einzigartigen Werkes erledigt – befriedigt schaltet man den CD-Player ab, lehnt sich mit einer Tasse Tee zurück und freut sich, dass das Leben eben ist, wie es ist.

25.04.2007, 20.41 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Samuel Beckett, Autor, Philosophie,

Für philosophische Mathematiker und mathematische Philosophen

Kürzlich unternahm ich mit Freunden einen Ausflug ins Mühlviertel. Wir hatten diesen Tag lange geplant, denn es ist nicht einfach die Terminkalender zu koordinieren. Besonders bei dem Sohn meines Freundes waren nur noch wenige freie Tage übrig, bereitet er sich doch gerade auf seine Matura vor: Schwerpunkt Mathematik. Und so kamen wir nicht umhin, uns während der Autofahrt mit diversen Problemen der Statistik und Scholastik beschäftigen zu müssen.

Als Autofahrer bin ich von meinem Navigationssystem verwöhnt: An jeder Kreuzung sagt es mir genau, ob ich links oder rechts abbiegen muss. Gut, manchmal irrt sich sogar das System … Mein Navi ist zur Zeit allerdings kaputt – ganz altmodisch druckte ich mir deshalb die Landkarte eines Internet-Routenplaners aus. Was natürlich dazu führte, dass wir irgendwann in der Pampa standen und keinen blassen Schimmer mehr vom Weg hatten.

Rene DescartesMindestens drei Mal hatte ich bereits den magischen Satz „Wahrscheinlich müssen wir da lang!“ hervorgebracht, während meine Mitfahrer immer misstrauischer wurden. Bis sich dann der Maturant zu Wort meldete. Mit einem dicken Grinsen überredete er mich, immer wenn ich dachte, wir müssten links abbiegen, die rechte Abzweigung zu nehmen und umgekehrt.

Bald fanden wir den richtigen Weg zurück. Der Sohn meines Freundes zitierte den großen Philosophen Descartes: „Alles, was nur wahrscheinlich ist, ist wahrscheinlich falsch.“ Ich spann Descartes in Gedanken ein bisschen weiter: Wenn man sich nur konsequent daran hält, dass die Wahrscheinlichkeit eine hohe Irrtumsrate mit sich bringt, sollte man sich für den Weg entscheiden, der weniger wahrscheinlich wirkt – und man kommt an!

Ich hätte nicht gedacht, Philosophie und Wahrscheinlichkeitsrechnung so ein wunderbares Gespann abgeben. Und für alle freiwilligen und unfreiwilligen mathematischen Philosophen oder philosophischen Mathematiker habe ich einen Geheimtipp: Falls Sie wieder einmal an abstrakten Formeln verzweifeln – gönnen Sie sich doch einfach ein paar Zeilen von und über Descartes!

25.04.2007, 08.12 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Naturwissenschaften | Tags: Philosophie, René Descartes, Buch,

Man kann nicht nicht kommunizieren

Paul WatzlawickEiner der letzten großen „Aufklärer“ des 20. Jahrhunderts starb kürzlich: der Kommunikationspsychologe Paul Watzlawick. Er ist 85 Jahre geworden und im kalifornischen Palo Alto gestorben.

Es ist schwer, das Lebenswerk des gebürtigen Österreichers in wenigen Zeilen zusammenzufassen, noch diffiziler ist es, ihm eine adäquate Berufsbezeichnung zu verleihen: War der Allrounder auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften nun Philosoph, Philologe, Psychologe, Soziologe, Kommunikationswissenschaftler oder schlichtweg nur Autor? Seine Biografie ist wie sein Intellekt reichhaltig, seine Lebensstationen umfassten neben dem österreichischen Villach, seinem Geburtsort, auch Italien, die Schweiz und schließlich Kalifornien.

Bekannt wurde Watzlawick außerhalb des akademischen Leserkreises vor allem durch seinen humorigen Antiratgeber „Anleitung zum Unglücklichsein“. Treffend und scharfsinnig nahm er in diesem außergewöhnlichen Leitfaden die natürliche Tendenz des Menschen, sich selbst sein Leben zu vermiesen, aufs Korn. In der Kommunikationspsychologie glänzte er mit provozierenden Aussagen wie „Man kann nicht nicht kommunizieren“, Sprüchen, die eine ganze Generation von klugen Leuten wiederholt hat.

Sein Tod hat mich persönlich sehr getroffen: Seit vielen Jahren lese ich in seinen Werken, immer wieder erhielt ich Anregungen, mein eigenes Weltbild zu überdenken. Sein Tod war nach Angaben seiner Familie die Erlösung von einer schweren Krankheit. Auch über seinen Tod hinaus werde ich mich an seinen Büchern freuen.

Anregungen von Watzlawick

24.04.2007, 08.58 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Autor, Paul Watzlawick,

Spinne im Supermarkt

Neulich beim Einkaufen: Als ich durch die Gemüseabteilung schlenderte, traf ich zufällig Günther, einen alten Bekannten meiner Frau. Wir kamen ein wenig ins Plaudern und schoben nebenbei unsere Einkaufswagen vor uns her. Dabei griffen wir beide mal links, mal rechts und sammelten die gewünschten Lebensmittel ein. Bis Günther vor einer großen Kiste mit Bananen abrupt stehen blieb.

Spinne„Ich trau mich nie, da rein zu fassen“, gestand er mir. Der Grund: „Vielleicht ist ja eine Spinne mit den Bananen in den deutschen Lebensmittelhandel gereist.“ Irgendwie kam mir die Geschichte bekannt vor, und so fragte ich nach, woher Günther denn diese Befürchtung habe. Die Antwort: „Die Bekannte meiner Freundin hat das mal von ihrer Tante erzählt bekommen.“ Und schon fiel bei mir der Groschen, woher auch ich von dieser Mähr wusste: Es war die klassische Geschichte von der „Spinne in der Yucca-Palme“.

Der Clou solcher modernen Märchen ist, dass sie niemand persönlich erlebt hat. Immer sind mehrere Personen „dazwischen geschaltet“. „Der Bekannte eines Bekannten hat erzählt, er kennt da jemanden, der“ und so weiter. Auf diese Weise beginnen diese Geschichten meist. Und dann folgt Schauerliches aus dem Alltag. Von der Vogelspinne, die eines Tages aus der Erde der neu erworbenen Yucca-Palme steigt. Vom Wissenschaftler, der über Nacht eine tote Ratte in Coca Cola einlegt, die am nächsten Tag bis auf das Skelett zersetzt ist. Von der nächtlichen Anhalterin, die in Wahrheit ein bärtiger Massenmörder ist und in der Tasche eine Axt versteckt.

Günther kannte diese modernen Schauermärchen freilich nicht. Er wolle er sie auch gar nicht kennen, wie er mir ausdrücklich zu verstehen gab. Zum Schluss musste ich für ihn in die Bananenkiste greifen …

Märchen und Sagen bei Jokers

23.04.2007, 08.20 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln | Tags: Märchen, Buch,

Fleischlos (un-)glücklich

„Vegetarier sind doch auch nur Menschen.“ Mit diesem zugegeben unbedachten Spruch habe ich mir neulich ziemlich was eingebrockt.

Meine Frau und ich waren bei einer lieben Freundin zum Essen eingeladen. Außer uns waren noch ein paar weitere gute Bekannte da, und so wurde der Abend schnell zu einer fröhlichen Runde. Als das Essen gereicht wurde, trennte sich die Spreu vom Weizen. Das heißt, die Fleischesser trennten sich von den Vegetariern. In unserer Runde war es Christine, die um mehr Salat bat und dafür auf die Frikadellen verzichtete. Bernd, der neben mir saß, hatte schon gut dem Wein zugesprochen. Und so mäkelte er: „Immer diese Extrawürste.“ Ich zog mit meinem Spruch nach, und schon war es passiert.

Wurzelgemuese„Ich kann dieses Gelaber nicht mehr hören“, wetterte Christine los. „Seit 10 Jahren esse ich schon kein Fleisch mehr. Noch nie habe ich versucht, einen Fleischesser zum Vegetarier zu machen. Doch ständig will man mich zum Fleischessen zwingen.“ Peinlich berührt starrten Bernd und ich auf unsere Frikadellen.

Zu allem Überfluss meldete sich meine Frau auch noch zu Wort. „Uns würde es auch mal ganz gut tun, auf Fleisch zu verzichten. Ab sofort ernähren wir uns nur noch vegetarisch.“ Meinen Teller durfte ich noch leer essen, aber schon am nächsten Tag zog mich meine Frau in den nächsten Buchladen. Als wir ihn mit einem Stapel vegetarischer Kochbücher im Arm wieder verließen, dachte ich bei mir: Irgendwie hat sich Christine jetzt zehn Jahre fleischloses Essen gerächt.


20.04.2007, 09.49 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln | Tags: Vegetarier, Buch, kochen,

Mutter und das Lesekränzchen

Viele BuecherMeine Mutter ist einem Lesekränzchen beigetreten. Bislang hat sie sich eigentlich immer dagegen gewehrt, „in einem Haufen alter Tanten Kaffe zu trinken und dabei über irgendwelche Schundromane zu labern“, wie sie es ausdrückt. Doch dann nahm sie ihre beste Freundin Christa einfach mal mit zu Ihren „Lese-Mädels“. Und jetzt ist meine Mutter passionierte Leserin. Denn, was für eine Überraschung, die Damen ihres kleinen Heimatdörfchens lesen gar keine Schundromane! Sondern ziemlich gute Literatur, wie ich meine.

Eingestiegen ist meine Mutter mit „Die Wand“ von Marlen Haushofer. Naja, was heißt „eingestiegen“? Sie kam irgendwann mal auf mich zu und fragte: „Hast du das Buch? Das wollte ich mal lesen.“ Und natürlich stand der Roman in meinem Regal. Zumal ich selbst, als ich „Die Wand“ letztes Jahr gelesen hatte, ziemlich beeindruckt von der Geschichte war. Es geht um eine Frau, die sich aus unerklärlichen Gründen in einer einsamen Berghütte von einer unsichtbaren Wand umschlossen findet. Scheinbar die einzige Überlebende weit und breit, versucht sie in der Einsamkeit nur mit einigen wenigen Tieren an der Seite, zurechtzukommen. Ein sehr bedrückendes, aber großartiges Werk.

Auch meine Mutter war begeistert. „Bis auf den Schluss, wo alle Tiere sterben“. Natürlich. Sie war so begeistert, dass sie jetzt nicht nur regelmäßig zum Lesekränzchen geht. Nein, sie hat sogar die Führung übernommen und sucht jetzt selbst aus, was sie lesen will. Ihre Quelle: mein Bücherregal.

19.04.2007, 09.35 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein | Tags: Lesekränzchen

Totes Geld

Neulich haben wir uns darüber unterhalten, warum der Euro bei uns nicht richtig beliebt ist. Die einen meinten, weil seit seiner Einführung alles teuro wurde, die anderen, weil die alten DM-Geldscheine einfach schöner waren.

Was ist eigentlich auf den Euro-Geldscheinen abgbildet? Ich fischte mir einen zusammengefalteten 10-Euro-Schein aus dem Geldbeutel. Er ist rötlich. Vorne und hinten. Auf der Seite mit der Europa-Fahne zeigt er mir ein oben gerundetes Portal. Auf der anderen Seite sehe ich eine steinerne Brücke mit runden Bögen. Der Wasserspiegel, ja sowas, das habe ich vorher nie gesehen, wird von drei Buchstabenzeilen gebildet. Eine Europa-Karte ist noch abgebildet. Sie reicht von Island bis zur Türkei. Immerhin. Falls sie doch mal aufgenommen wird? Aber wo ist auf dem Schein ein kleines bisschen Leben zu finden? Nirgends. Keine Blume, kein Tier, kein Mensch.

Europa HandbuchIch glaube, ich komme der Unbeliebtheit des Euros auf die Schliche. Es ist ein totes Geld. Herzlos. Das sollte schnell geändert werden. Auch wenn es heißt: Geld macht nicht glücklich. Es soll aber beruhigen. Und wenn ich so einen leblosen Geldschein sehe, rege ich mich auf. Schließlich sind es immer noch die Menschen, die eine Arbeit machen, etwas herstellen, das durch Geld erworben werden kann. Wie wär´s mal mit Roman-Figuren auf den Geldscheinen, die in der europäischen Literatur mit Geld zu tun haben? Oder mit den Autoren dieser Geschichten? Ich denke dabei auch an Horaz, der meinte: „Zuerst für Geld gesorgt, für bares Geld, dann gibt sich´s mit der Tugend von selbst.“ Thomas Jefferson sagte: „Verfüge nie über Geld, ehe du es hast!“ Und Abraham a Santa Clara wusste dies: „Wer will kommen zu Geld, muss sich tummeln in der Welt.“

Ach, wie schön wär ein Bild auf einem Euro-Schein – und wenn´s nur der Fünf-Euro-Schein wäre - das den Minnesänger Walther von der Vogelweide abbilden würde. Der sagte einst: „Du, lass dir nicht zu weh sein nach dem Gelde, doch auch zu unwert halt es nicht.“ Ich bin mir sicher, so einen Geldschein, mit dem alten Vogelweide-Walther, den würde ich mögen. Damit würde mir der Euro besser ans Herz wachsen.

Was es sonst noch zu Europa zu sagen gibt, finden Sie hier!

18.04.2007, 23.00 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches | Tags: Europa, Euro,

Midlife-Crisis!

Martin, einer meiner besten Freunde hat Geburtstag: 45 wird der gute Mann. Wahrlich kein schönes Alter für jemanden, der wie ich irgendwie noch zum alten Schlag gehört. Sind wir armen Jungs nicht alle in dem Glauben aufgewachsen, ein Mann müsse drei ganz konkrete Dinge in seinem Leben erfüllen?

Martin wohnt noch immer in einer Mietswohnung, hat folglich kein Haus gebaut, ein Kind hat er auch noch nicht gezeugt und das mit dem Pflanzen eines Baums – nun, er ist schon froh, wenn seine Geranien auf dem Balkon blühen.

Zitate fuer MaennerMartin hat eine Midlife-Crisis. Der anstehende Geburtstag macht es nicht besser, weiß er doch, dass er blödsinnige Geschenke wie T-Shirts mit dem Aufdruck „Bitte über die Straße helfen!“ etc. zu erwarten hat. Wie ein Tattergreis allerdings wirkt Martin auf mich noch nicht – eigentlich ist der adrette Sportler, der auch gerne mal zum Bier oder zur Zigarre greift, immer noch ein Frauenschwarm – dachte ich zumindest. Denn dann erzählte er mir, dass sich doch irgendetwas geändert hat, zwar zum Wohlgefallen seiner Lebensgefährtin, aber doch auf Kosten seines Selbstwertgefühls: Kürzlich meinte doch tatsächlich eine Bekannte zu ihm, er wirke auf sie so wunderbar „beruhigend“.

Dieser Spruch kam mir irgendwie bekannt vor – und schlagartig war die Idee für ein unterhaltsames Geburtstagsgeschenk geboren: Wir bei Jokers haben nämlich ein durch und durch witziges Zitatenbuch für Männer, und eben genau darin findet sich ein Zitat von Jean Gabin: „Es ist für einen Mann beunruhigend, wenn er anfängt, auf Frauen beruhigend zu wirken.“ Genau das passende Präsent für einen Mittvierziger in der Midlife-Crisis! Ich bin auf Martins Gesichtsausdruck gespannt, wenn er mein Geschenk bei seiner Party öffnet…

17.04.2007, 08.15 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln | Tags: Buch, Zitate,

Wer war der erste Krimi Autor?

Zurzeit werden ja gerne Krimis gelesen. Sogar ein düsterer Heimat-Krimi wie „Tannöd“, geschrieben von der ziemlich unbekannten Autorin Andrea Maria Schenkel, steht auf dem ersten Platz in den Bestseller-Listen. Längst ist der Krimi aus der Schmuddelecke befreit worden. Durch gute Autoren und spannende Themen, die oft aktuelle Probleme auf unterhaltsame Weise ansprechen.

Sherlock HolmesAber wer hat eigentlich den ersten Krimi, die Kurzform für Kriminal-Roman, aufs Papier gebracht? Wer hat den ersten literarischen Kommissar erfunden? Wer hat Sherlock Holmes in die Bücher verholfen? Wir wissen, in einem Krimi, egal ob Kurzgeschichte, Novelle oder Roman, geht es immer um ein Verbrechen. Und um die Aufklärung dieses Verbrechens. Oft durch einen Detektiv, der vom Herrscher, vom Staat oder privat beauftragt ist. Heutzutage jagen auch weibliche Kommissare die Gangster. Meistens geht es um einen Mord. Oder mehrere.

Die Literatur-Experten streiten sich noch immer, wem der erste Krimi zuzurechen ist. War es „Unterm Birnbaum“ von Theodor Fontane, war es Edgar Allan Poe mit „The Murders in the Rue Morgue“ oder war es F. M. Dostojewskij mit „Schuld und Sühne“? Aber auch Autoren wie Dickens, Fielding, Hoffmann und Balzac werden bei dieser Krimi-Pionier-Suche in die Debatte geworfen. Wie soll ich hier durchblicken? Ich nehme mir vor, die alten Schmöker selbst durchzukauen. Wie ein literarischer Detektiv.

Baker Street 2Völlig klar dürfte allerdings sein, dass Sherlock Holmes, samt seinem Freund und Kollegen Watson, der erste berühmte Verbrecher-Jäger war, der mehr mit dem Verstand als mit der Waffe Mörder dingfest machte. Geschaffen hat das erfolgreiche Spürnasen-Duo der Autor Sir Arthur Conan Doyle. Doyles berühmter Detektiv, der mit seiner karierten Mütze auch viele Filme und Hörbücher bevölkert, machte durch den Verkaufserfolg seinen Schöpfer zum Sklaven. Zum Schreib-Sklaven. Als sich Doyle von Holmes nach unzähligen Fortsetzungen befreien wollte, ließ Holmes seinen Pfeife rauchenden Detektiv in eine tiefe, tiefe Schlucht stürzen. Jedoch dauerte Doyles Freiheit von Holmes nicht lange. Die Leser - und dann auch die Verleger - verlangten nach weiteren aufregenden Abenteuern, bei denen Sherlock Holmes den Mörder suchte. Doyle musste Holmes wieder aus der Schlucht heraus schreiben, wo er laut seinem Erfinder irgendwie überlebt hatte.

Durch Doyle wurde der stets schlau kombinierende Detektiv unsterblich. Und ich glaube, Holmes ist in unserer Zeit bekannter als sein Schöpfer. Eine ungewöhnliche Karriere für den Helden eines Romans.

Hier finden Sie die Abenteuer von Sherlock Holmes

16.04.2007, 22.14 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Krimi, Autor, Sherlock Holmes,

Heat me up!

Head me upMit dem ersten Frühlingserwachen der letzten Wochen sieht man sie wieder durch die Straßen ziehen: In farbenprächtige Shirts, Hosen und Röcke gehüllt streifen Jugendlichen durch die fast schon laue Luft. Unsereiner wagte in seinen "wilden Jahren" höchstens einmal, Dunkelschwarz mit Hellschwarz zu kombinieren, heute jedoch darf gelassen ein pinkfarbenes Hemd mit einem orangeroten Rock getragen werden.

Auf so mancher Brust prangt ein Slogan, ob weiblich oder männlich. "Zicke" ist noch einer der harmloseren Ausdrücke auf den bunten Shirts. Wer bezeichnet sich denn gerne als Zicke, fragte ich mich letztens in der Mittagspause.

Ich bin der BossUnd heute sehe ich die T-Shirts in unserem Shop: Schwarz wie die Nacht, anschmiegsam wie Nachbars Katze, versüßt mit einem eingehenden Spruch. „Heat me up“ steht in großen Lettern auf dem einen, verführerisch leuchtet mir der rote Hintergrund entgegen. Darunter Zeilen Goethes: „Es dringen Blüten aus jedem Zweig und tausend Stimmen aus jedem Gesträuch.“

Ich ringe noch mit mir, ob ich mir nicht eins zulege. Eigentlich bin ich ja eher der Hemdentyp, aber vielleicht für den Sommer, wenn ich mich leger bewege?

Unsere "Modeecke" ist hier!


13.04.2007, 18.55 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Frühling, T-Shirts,

Lach mal wieder

Hermann HesseIch bin immer wieder erstaunt, wie viele Menschen behaupten, über sich selbst lachen zu können, es dann aber nicht tun. Stattdessen herrscht Verbissenheit. Manchmal wenn ich zum Beispiel mit dem Auto in der größten Rushhour mitten in der Stadt unterwegs bin, überlege ich mir, wie viel weniger Aggression, wie viel weniger Krieg und Leid es wohl gäbe, wenn tatsächlich alle Menschen über sich lachen könnten.

Ich persönlich bin auch nicht gerade der geborene Humorist, der in jeder Situation vor sich hin kichert. Doch immer, wenn mir überhaupt nicht mehr zum Lachen ist, wenn alles trostlos erscheint, denke ich an Hermann Hesses „Steppenwolf“. An die „Geschichte eines Menschen, der darunter leidet, dass er zur Hälfte ein Mensch, zur Hälfte ein Wolf ist. Die eine Hälfte will fressen, saufen, morden und dergleichen Dinge, die andere will denken, Mozart hören und so weiter … Aus diesem Gegensatz entstehen Störungen, und es geht dem Mann nicht gut, bis er entdeckt, dass es zwei Auswege aus seiner Lage gibt: sich entweder aufzuhängen oder aber sich zum Humor zu bekehren. So etwa erklärt Hesse selbst das Grunddebakel eines jeden Menschen. Für dieses Werk bekam Hesse übrigens den Literaturnobelpreis. Nur schade, dass ihn trotzdem scheinbar wenige Menschen verstanden haben.

Hermann Hesse bei Jokers


12.04.2007, 09.08 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren | Tags: Hermann Hesse, Autor, Humor,

Die Mathematik der Knoten

Unzufrieden mit mir und meinem Äußeren stellte ich den Gürtel um ein Loch weiter – dieser Winter ist nicht spurlos an mir vorbei gegangen. Wie lange ist es her, dass ich Sport machte, frage ich mich, als ich mit meinen Freunden bei einem Feierabend-Bier zusammen sitze – wir wollen gleich darauf ins Kino, den neuen Kletter-Film „Am Limit“ ansehen: Zwei aus unserer Vierergruppe gehen in ihrer Freizeit gerne klettern, ganz begeistert erzählen sie von ihrem letzten Ausflug in die Berge.

„Komm doch einfach mal mit uns in die Halle“, meinen sie, als ich mir ein kalorienarmes Bier nachordere: „Du wirst sehen, das macht dich schnell wieder fit und bringt enorm Spaß!“

Mathematik der KnotenEin wenig zögerte ich schon, aber nach dem Film war alles klar – ich wollte das einfach ausprobieren. Der Sport schien ideal für mich – unabhängig von festen Trainingszeiten und dem Wetter könnte ich schließlich beinahe immer, wenn ich Zeit fände und Lust hätte, in die Halle zum Üben. Also verabredeten wir uns für den folgenden Tag im Sportzentrum. Wirklich motiviert fuhr ich hin, sah ich mich doch schon als Dritten im Bunde der Huber-Brüder, doch die Realität holte mich schnell ein: Wie zieht man bitte diesen Gurt an? Schließlich hatte ich mich in die Bein- und Bauchschlaufen gequält, knotete das Seil irgendwie um den Gurt, wollte endlich beginnen. „Halt“, stoppte mich da aber mein Begleiter, „was ist denn DAS für ein Knoten?“ Verwundert betrachtete ich meinen Bauch – was da direkt vor meinem Nabel prangte, war doch ein ganz normaler Knoten! Was wollte mein Freund also?

„Sag bloß, du kannst keinen Achter-Knoten?“, lachte er mich aus. Etwas verschämt verneinte ich auch die Frage nach dem Halbmaster: Was soll ein halber Mast mit einem Knoten zu tun haben? Das war echt höhere Mathematik für mich. Doch mein Kletter-Max wollte mir nun unbedingt zeigen, wie man einen echten Kletterknoten knüpft – nach dem fünften missratenen Versuch gab ich deprimiert auf. Es kann doch wohl nicht sein, dass meine Kletteraktivitäten an fehlender Kontenknüpfkompetenz scheitern! Schließlich konnte ich mich beileibe nicht daran erinnern, als Kind irgendwelche Schwierigkeiten mit Schnürsenkeln gehabt zu haben…

Schlussendlich sorgte mein Freund für eine anständige Sicherung mittels Achter und Halbmast, nach einer halben Stunde Kletterversuchen an der angeblich leichten 3er-Wand begrub ich meine sportliche Motivation bis zum nächsten Frühjahr und fuhr heim. Am nächsten Tag fand ich ein Buch in meinem Briefkasten: „Mathematik der Knoten“ heißt es. Als Widmung von meinem Freund fand ich auf der ersten Seite den Spruch: „Nimm´s nicht so tragisch – Knoten sind tatsächlich höhere Mathematik. Und du bist ja eher für deine literarischen Affinitäten bekannt…“ Ja, dachte ich und dichtete ihm einen Dankesvers.

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11.04.2007, 03.50 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln | Tags: Mathematik, Knoten, Buch,

Pokern

Gestern habe ich an einem Bauzaun ein Plakat gesehen. Ein Club kündigte einen Poker-Abend an. Mit einem attraktiven Hauptpreis. Pokern ist ja gerade sehr in. Durch den neuen James-Bond-Film „Casino Royale“, in dem fest gepokert wird. Übrigens: „Casino Royale“ wurde bereits 1966 als James-Bond-Abenteuer verfilmt. Mit Sean Connery, Peter Sellers, David Niven und - man lese und staune: Woody Allen.

SpielkartenGibt es noch Leute, die nicht wissen wie ein Poker-Spiel funktioniert? Hm. Es gibt diverse Poker-Varianten. Viele. Ich habe schon gehört vom Draw Poker, vom Stud Poker und vom Texas Poker. Ich weiß, dass man beim Pokern gute Chancen hat zu gewinnen, wenn sich unter den fünf Karten, die ich natürlich mit einem Poker-Face in der Hand halte, ein „Full House“ oder ein „Straight Flush“ befinden. Möglichst viele gleiche Karten sind im Poker immer gut. Wie das nun aber mit dem Einsatz ist, das ist mir nicht bekannt. Auf jeden Fall weiß ich ganz sicher, dass Poker mit Spielkarten gespielt wird. Selbst im Internet, wo inzwischen Spielcasinos Spielwütige anlocken, werden die Poker-Karten virtuell dargestellt. Ich investiere mein Geld allerdings lieber in echte Spielkarten und ein Buch über Spiele. Mit Freunden zusammensitzen, quatschen, trinken und um Zündhölzer spielen, das macht mir mehr Spaß als im Internet zu zocken.

Full HouseWeibliche Spieler sind normalerweise vernünftiger als männliche. Poker-Spielerinnen sind die Ausnahme, habe ich gehört. Frauen spielen lieber Rommé oder Canasta. Mit den Spielkarten halte ich eines der ältesten Druckerzeugnisse in der Hand. „Gebetbuch des Teufels“ wurden sie früher genannt und deshalb verflucht. Viele wurden damit schon arm. Schon im 15. Jahrhundert soll es der „Spielteufel“ gewesen sein, der die Spielkarten-Herstellung forcierte. Zuerst wurden die einfarbig gedruckten Karten mit der Hand ausgemalt. Dann auch mit Schablonen. Später gleich farbig auf Karton gedruckt. Von den allerersten Spielkarten sind keine mehr erhalten. Warum? Man spielte mit ihnen, bis sie total verschlissen waren. Ans Aufheben im Museum hat damals niemand gedacht. Bis auf Karten, wie wir sie zum Beispiel aus der Ambraser Sammlung kennen, die mit Bildern von Ringern oder Berufen bedruckt sind. Sie waren jedoch nicht zum Spielen, sondern nur zum Anschauen gedacht.

Das ist wohl die beste Methode sein Geld vor dem Verspielen zu retten. Ich kann sie nur empfehlen. Wie wär’s also mal mit einem Besuch in einem Museum für Spielkarten? Ein paar Kartenspiele sind vielleicht doch noch rechtzeitig den hitzköpfigen Kartenspielern in den dämmrigen Wirtsstuben vor fünfhundert Jahren aus den Händen gerissen worden. Wahrscheinlicher allerdings ist, dass einige Druckstöcke und -platten für Kartenspiele übrig geblieben sind. Mit denen kann auch noch später ein Kartenspiel reproduziert werden.

10.04.2007, 21.15 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches | Tags: Poker, Casino Royale, ,

Der anregende Stuhl in der Hofbibliothek

Ich ging eine alte Treppe hoch zur Wiener Hofbibliothek. Schon an der Türe stand ein Mann in Uniform. Mehrer Männer in Uniform bewachten die literarischen Schätze in der alten Bibliothek von Wien. Staunend, ja ehrfürchtig betrat ich den riesigen, ja gigantischen Saal dieser barocken Bibliothek. Erbaut 1716 nach den Plänen von Joseph Emanuel Fischer von Erlach und seinem Sohn. Zuerst drang mein Blick geradeaus vor. Zwischen einer Reihe von alten Buchregalen hindurch verlor sich mein Blick im Schummrigen zwischen hellen Skulpturen und großen Globuskugeln. Dann ließ ich meinen Blick in die Höhe schweifen. Über eine Wand aus unzähligen Buchrücken. Nach zwei wunderbar bemalten Tonnengewölben bildete eine wohl dreißig Meter hohe Kuppel den faszinierenden Mittelpunkt dieser historischen Bibliothek. Dann folgten wieder zwei lange Tonnegewölbe. Ich bekam schier eine Genickstarre. Dieser herrlich gestaltete Bibliotheks-Himmel überdeckt eine Fläche von über tausend Quadratmetern. An den hohen Bücherregalen standen rollbare Treppen. Zwischen den Bücherwänden, die alle mit einheitlich gebundenen Büchern ausgestattet waren, war die einer oder andere Geheimtüre leicht geöffnet. Dahinter waren Zimmer zu sehen, in denen früher sicher die Wissenschaftler oder die Ärzte oder die Juristen mit Perücken auf dem Kopf die Lektüre studierte hatten.



Nachdem ich mich unter der mächtigen Kuppel hingesetzt hatte, um im Paradies der Bücher ein wenig zu meditieren, kam ein Uniformierter auf mich zu. Ich dachte schon, ich hätte etwas Unerlaubtes getan. Mich vielleicht auf einen Stuhl niedergelassen, der gar nicht zum Hinsetzen gedacht war. Auweia! Doch es kam anders. Wenn ich später etwas Besonderes sehen möchte, würde er mir das gerne zeigen, sagte der Uniformierte freundlich zu mir. Gut, nach einer Weile nahm ich dieses Angebot wahr. Er zeigte mir einen hölzernen Stuhl, in dessen Sitzfläche die Löcher so angeordnet waren, dass sie einen Stern bildeten. Den Stern der Sowjets. Auf diesem Stuhl war nach dem Zweiten Weltkrieg ein literaturbegeisterter General der siegreichen sowjetischen Armee gesessen, wurde mir berichtet. Der hatte sich diesen Stuhl für seine Aufenthalte hier in der Wiener Hofbibliothek extra anfertigen lassen. Der General hatte sich in eine Wienerin verliebt, die ihm die Hofbibliothek gezeigt hatte. Der General war ein Russe aus Moskau. Er war ein Freund der deutschen Literatur. Sein Vater war Bibliothekar gewesen. Deswegen soll dieser General auch verhindert haben, dass die Wiener Hofbibliothek ausgeraubt wurde.



Eine Lieblingsstelle des Generals waren die Gedanken einer liebenden Frau in dem Roman „Godwi“ von Clemens Brentano, die der General seiner Wiener Freundin beim Abschied zitierte: „Seufzend blickte ich nach dem wunderheimlichen Sopha, der Wiege so mancher süßen Annäherung, trat in die Bibliothek, verhüllte meinen Busen, damit mein Herz nicht zutage liege, setzte mich auf einen unbequemen Stuhl und legte das letzte Päckchen Briefe vor mich auf den kalten Marmortisch.“ Danach hat der General seiner Wiener Freundin nicht nur alle ihre Liebesbriefe an ihn zum Abschied überreicht, weil er nach Moskau zurück musste. Er hat ihr auch seinen Stuhl mit dem Stern in der Sitzfläche als Andenken geschenkt, den sie aber wiederum der Hofbibliothek überließ, wusste der Uniformierte. Sie war nämlich die Tochter des damaligen Bibliotheks-Direktors gewesen.

Ich durfte mich sogar auf den legendären Stuhl des Generals setzen und eine Weile nachdenken. Der Uniformierte stellte sich wie eine Leibgarde neben mich. Dabei zitierte er aus dem Gedächtnis: „Ich hatte alles vergessen, sie und mich, der Kuss, den er mir raubte, hatte den ganzen stolzen Tempel meiner Weisheit zusammengestürzt. Der Kontrast war so groß, dass er mich stärkte. Ich nahm alle meine Gewalt zusammen, und bat ihn, gleich den andern Tag wegzureisen. Er kniete vor mir, und bat auch, nun musste ich befehlen, und er reiste.“ Er habe sich dieses Buch von Brentano gekauft, nachdem er die Geschichte vom Stuhl des Generals erfahren habe, erklärte mir der Uniformierte. Er habe nach der Schule keine Bücher mehr gelesen. Aber durch den General und seinen wundersamen Stuhl sei er motiviert worden wieder in ein Buch - und dann - in viele andere zu schauen.



Ich beschloss, wenn ich mal viel Zeit und genügend Geld habe, was wahrscheinlich nie der Fall sein wird, mir auch einen Stuhl extra für meine Bibliothek machen zu lassen. Aber welches Symbol soll meine Sitzfläche dann zieren? Vielleicht ein Fragezeichen?

09.04.2007, 01.23 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches | Tags: Wien, Hofbibliothek,

Dracula in Wien

Bram StokerWien kommt in vielen Büchern vor. Doch beim berühmtesten Grusel-Roman aller Zeiten taucht Wien schon im ersten Satz auf: „3.Mai/Bistritz - Am 1. Mai um 20.35 Uhr Abfahrt aus München. Ankunft in Wien um 6.46 Uhr mit einer Stunde Verspätung.“ Richtig, es ist der erste Satz aus „Dracula“, dem Vampir-Bestseller des Irländers Bram Stoker. Der erste „Dracula“-Satz stammt aus dem fiktiven Tagebuch eines Jonathan Harker, der den unheimlichen Graf Dracula auf seiner Burg in Transsylvanien aufsuchen musste. Der Graf, der sich später als wüster Blutsauger herausstellte, wünschte einen Wohnsitz in London. Harker war der Angestellte einer Londoner Immobilien -Agentur.

„Dracula“ war der Höhepunkt der zweiten Gothic-Novel-Welle, die im deutschsprachigen Raum Schauer-, Grusel- oder Sensationsromane genannt werden. Für meinen Wien-Trip hatte ich mir Stokers Kurzgeschichten mitgenommen. Gleich die erste, mit dem Titel „Draculas Gast“, führt mich nach Österreich. Ein Brite geriet in der Walpurgisnacht auf einen verwunschen Friedhof in einem leeren Dorf in der Steiermark. Dort erlebte er vor dem riesigen Grabmal der Gräfin Dolingen von Gratz Schreckliches: Eine Frauenleiche wurde vom Blitz wiederbelebt. Dann fiel ein Wolf über ihn her. Soldaten retteten ihn vor der Bestie. Auf dem Rücken eines Pferdes, hinter einem Soldaten sitzend, gelangte der Engländer wieder zurück nach München. Wieder bestens versorgt im Hotel „Vier Jahreszeiten“ erfuhr der Brite den Grund seiner Rettung. Es war ein Telegramm, das im Hotel eingetroffen war. „Tragen Sie ja Sorge um meinen Gast. Wie oft drohen Gefahren durch den Schneefall, von Wölfen, von der Nacht. Verlieren Sie keine Sekunde, sobald sie vermuten, es könnte ihm etwas zugestoßen sein.“ Absender: Graf Dracula! Diese Geschichte war von Stoker eigentlich als Einleitungs-Erzählung zu seinem „Dracula“ gedacht gewesen.

DraculaAuch die anderen Grusel-Geschichten von Stoker machten mir Lust auf mehr Gänsehaut. Ich ging ins Literatur-Haus von Wien und ließ mir die literarischen Angstmacher-Produkte von österreichischen Autoren zeigen. Sie präsentierten mir die Bücher von Karl Hans Strobl (1877-1946), geboren in Iglau, gestorben in Perchtoldsdorf. Mit seinem Roman „Eleogabal Kuperus“ hatte Strobl das Vorbild für den Filmbösewicht Dr. Mabuse geschaffen. Geschichten wie „Die knöcherne Hand“ oder „Gespenster im Sumpf“ gehören zu seinen bekanntesten. Mit seiner Story vom „Grabmal auf dem Pére Lachaise“ schrieb er auch eine mysteriöse Vampir-Geschichte. Ein weiterer österreichischer Grusel-Autor war Gustav Meyrink, geboren 1868 in Wien, gestorben 1932 in Starnberg. Verfilmt wurde Meyrinks Schauerroman „Der Golem“. Eine alte Sage aus Prag. Besonders fasziniert hat mich natürlich Meyrinks Erzählung „Walpurgisnacht“. Damit schloss sich der Kreis. Ich war auch mit dem Zug, über München, wie einst Jonathan Harker, nach Wien gekommen. Und Meyrink war nach München gegangen, wo er als Bankier und Journalist arbeitete und beim Kabarett „Simplicissimus“ aufgetreten war.

Was soll ich sagen? Nachdem es draußen, vor dem Literaturhaus, langsam dämmrig wurde, wanderte über meinen Rücken ein komisches Kribbeln. Ich nahm mir vor, diese Nacht in meinem Hotelzimmer das Licht brennen zu lassen. Und lesen, zum Einschlafen, konnte ich später im Bett nur richtig lustige Angstvertreiber-Sachen.

Fortsetzung folgt.

06.04.2007, 01.00 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches | Tags: Dracula, Wien,

Brauchen wir ein Multi-Media-Grab?

Was feiern Sie lieber: Geburtstage oder Todestage? Ich nehme mal an, Sie feiern lieber einen Tag der Ankunft als einen Tag des Abschieds. Also den Geburtstag. Dann geht's Ihnen wie mir.

FriedhofMich verblüffen deswegen immer wieder die Daten von runden Todestagen, die mir aus Zeitungen, Chroniken, Internetseiten oder Literatur-Kalendern entgegen springen. Der 125. Todestag von Dante Gabriel Rosetti, der 20. Todestag von Primo Levi und der 125. Todestag von Ralph Waldo Emerson am 27. April 2007. Was? Sie kennen weder einen Rosetti noch einen Emerson? Von Primo Levi hat man schon mal was gehört. Na, dann haben wir erst recht keinen Grund den Todestag von Rosetti oder Emerson zu feiern.

Jetzt haben wir aber diese Namen gelesen. Das ist wie der Name auf einem fremden Grabstein. Manchmal bleibe ich vor einem Grabstein stehen und schaue mir einen fremden Namen an. Welches Schicksal mag sich wohl dahinter verbergen? Wann wurde die oder der Fremde geboren? Wann musste er von dieser Welt scheiden? Welchen Beruf hatte er? Ist der Gatte auch schon gestorben? An manchen Grabsteinen sind Fotos.

Neulich habe ich gelesen, dass ein modern denkender Steinmetz Grabsteine mit Bildschirm und Speicherplatte anfertigen will. Dann könnte man Filme aus dem Leben des Toten auf dem Monitor am Grabstein anschauen. Dann würden wir mehr über ihn erfahren. Natürlich wäre es dann vorbei mit der Ruhe auf dem Friedhof. Gut, die Leute vor dem Multimedia-Grabstein könnten Kopfhörer aufsetzen. Trotzdem wäre vor manchen Promi-Gräbern ein arges Gedränge und Getümmel. Und ob uns durch einen Film der Tote im Gedächtnis wieder etwas lebendiger wird, das möchte ich bezweifeln. Für solche Wiederbelebungen ist meine Phantasie besser geeignet. Ich setzte hierbei auf Erinnerungs-Arbeit mit viel Literatur.

Zeitlose ErinnerungenNehmen wir doch mal diesen Ralph Waldo Emerson, der vor 125 Jahren in dem Ort Concord im US-Staat Massachusetts verstarb. Nach Adam Riese müsste das am 27. April 1882 gewesen sein. Was war zu dieser Zeit los? Ich schnappe mir mein dickes Buch mit Geschichtsdaten. Nebenbei mache ich mir einen Tasse Tee. Den neuen Bio-Tee Ananas-Ingwer. Engländer trinken gerne Tee. Obwohl, Emerson wurde in Boston, in den Vereinigten Staaten von Amerika, geboren, stand noch bei seinen Daten. Ich erinnere mich an eine Boston-Tea-Party. Ging’s dabei nicht um die Unabhängigkeit der nordamerikanischen Siedler von England? Wann war denn diese Party und was war die Folge? Ich blättere weiter. Schon bin ich mitten drin in der Vergangenheit. Ach, so war das! Aha. Soso. Der Tee mundet wunderbar. Ich strecke meine Füße von mir, lese von Erfindungen und Entdeckungen, Geburten und Todesfällen, Revolutionen und Friedenschlüssen - und entspanne mich behaglich.

Auch wenn ich in Zukunft keine Todestage feiern werde, hat mancher doch was für sich, speziell der von Ralph Waldo Emerson. Ich bekomme sogar heraus, dass Robert Koch 1882 gegen den Erreger der Tuberkulose ein Mittel namens Tuberkulin entwickelt hat. Aber wo ist Ralph Waldo Emerson? Welches Schicksal steckt hinter diesem Namen? Ich blättere weiter.

Nachschlagewerke bei Jokers

05.04.2007, 09.38 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Naturwissenschaften | Tags: Buch, Todestag,

Eddy hat es geschafft

Wer Wien besucht, sollte auch den Prater besuchen. Und dort sollte er im Riesenrad fahren. Der Prater und das Riesenrad tauchen schließlich immer wieder in der Literatur auf. Sie gehören zusammen und sind legendär.

Nun gut, am dritten Tag in Wien fuhr ich mit der U-Bahn zum Prater. Der Himmel war bewölkt, der Wind blies ab und zu. Aber die Sonne schien auch ab und zu. Gleich nach dem Eingang zum Prater steht rechts das Riesenrad. Es ist wirklich riesig.

Prater WienNachdem ich die Eintrittskarte gekauft hatte, ließ ich mich mit einem uniformierten Angestellten des Riesenrads fotografieren. Er strahlte neben mir mit einem wienerisch charmanten Lächeln unterm Zwirbelbart in die Kamera. Er zeigte mir danach den Vorraum zum Einstieg. Hier war die Geschichte des Praters in ausgedienten Zirkuswagen mit kleinen Modellen nachgestellt. Die Wagen drehten sich auf einer großen Holzscheibe. An den Wänden zogen bekannte Figuren Österreichs vorbei, die dorthin gemalt worden waren.

Dann stieg ich in das Riesenrad. Eine beeindruckende Konstruktion. Eine Kabine fasst mindestens zehn Menschen. In meiner Kabine waren drei Mitfahrer. Es war noch nicht die Zeit und das Urlaubswetter, bei dem die Touristenmassen über den Prater strömen. In manchen Kabinen konnte ich auch Tische und Stühle entdecken, die wohl eine kleine Party im Riesenrad zuließen.

Wir drehten uns nach oben. In unserer Kabine war eine große Holzbank. Meine Höhenangst verschwand langsam, als ich registrierte, dass die Kabinen recht stabil gebaut sind. Auch wenn der Wind blies, machte das nichts aus. Ganz oben, als ich über den Prater und seine vielen Buden, von der Geisterbahn bis zum Weinzelt, blicken konnte, verlor sich meine Höhenangst. Ich fotografierte fleißig Wien von oben. Es war eine wunderbare Fahrt im Riesenrad. Unvergesslich. Ich stieg aus und sah mich noch ein wenig im Souvenirshop des Riesenrads um. Natürlich nahm ich dort einige Ansichtskarten mit, die ich meinen Freunden senden wollte.

Prater WienAm nächsten Tag besuchte ich ein typisch wienerisches Café, in dem sich Tische voller Zeitungen und Magazine befanden. Ich schnappte mir einige davon. Beim Kellner orderte ich das Sonderangebot Kaffee Melange mit einem Stück Sacher-Torte. Dann blätterte ich entspannt in meinem Lesestoff. In einem österreichischen Magazin war ein Artikel über den Prater und das Riesenrad. Den nahm ich mir vor. In dem flott geschriebenen Bericht wurde ein gewisser Eddy vorgestellt. Er war mal Handwerker gewesen, dann abgestürzt, obdachloser Alkoholiker geworden, ein Penner in Wien. Dazu bekannte sich Eddy öffentlich. Aber: Er hatte es seit einiger Zeit wieder geschafft. Eddy war nun Angestellter beim Riesenrad. Das konnte man auf einem Foto auch deutlich sehen. Eddy stand da in seiner schönen Uniform mit einem strahlenden Lächeln unterm Zwirbelbart an der Cassa beim Riesenrad. Es war der Mann, mit dem ich mich vor dem Einstieg ins Riesenrad fotografieren ließ. Ich transportierte ein süßes Stück Sacher-Torte zum Mund und dachte mir: Wie klein doch selbst so eine große Stadt wie Wien sein kann!

Fortsetzung folgt.

03.04.2007, 12.51 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches | Tags: Wien, Reise, Prater,

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