Jokers Blog Österreich

Vermehrschweinchen

MeerschweinchenWie hart das Schicksal manche Menschen treffen kann, erfuhr ich jüngst wieder, als ich eine gute alte Freundin traf. Mit 31 Jahren hat sie es jetzt zu vier stolzen Meerschweinchen gebracht, aber immer noch nicht zu dem Haustier, das sie eigentlich viel lieber hätte: eine Katze.

„Die fressen mir die Haare vom Kopf, und dumm sind die Schweine auch“, so ihre Klage. Und dann der größte Fehler der kleinen Fellbälle: „Immer wenn ich sie ein bisschen auf dem Schoß habe, pinkeln sie.“ Und so versucht sie schon seit 15 Jahren, die Meerschweinchenpopulation in ihrem kleinen Haushalt drastisch zu verringern.

MeerschweinchenDen klassischen Fehler gegenüber Tieren, die sich unkontrolliert vermehren, hat sie schon begangen: Sie nahm ein zweites Tier einer Art auf. Es war ein Pflegefall aus dem Bekanntenkreis – jemand hatte die (Meerschweinchen-) Schnauze voll und suchte ein neues Heim für den kleinen Quieker), das ihr als Männchen vorgestellt wurde. Es kam, wie es kommen musste: Das Tier war kompatibler zu ihrem „Ausgangsschweinchen“ (das tatsächlich ein Männchen war), als gewollt. Wenige Wochen später waren es dann vier Meerschweinchen.

Nun ist ja die Lebenserwartung bei so schreckhaften Fluchttieren nicht allzu hoch, und so war vor kurzem der Schweinchenanteil in dem Haushalt meiner Freundin auf zwei geschrumpft, die, mittlerweile sechs Jahre alt, würdevoll ihren Alterssitz genossen. Doch dann wurde eine Bekannte schwanger und hatte plötzlich keinen Platz und keine Zeit mehr für ihre Meerschweinchen. Jetzt hat meine beste Freundin wieder den Stall voller Nager! Und die Katze ist mal wieder in weite Ferne gerückt. Sie könnte ja die Kleinen fressen oder zumindest zu Tode erschrecken. „Naja, damit könntest du zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.“ Als ich ihr das vorschlug, dauerte der anschließende Vortrag über die Vorzüge der „Fellwürste“ fast eine Stunde. Und zur Strafe darf ich jetzt „Krümel“, „Mausi“, „Mucki“ und „Scully“ füttern, saubermachen und mir von ihnen auf den Schoß pinkeln lassen, wenn meine Freundin demnächst für vier Wochen nach England verreist.

Keine Ahnung, warum die Tierchen nicht Vermehrschweinchen heißen …

28.08.2006, 09.32 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln

Verkopft

Eine Freundin studierte Philosophie: Noch immer knabbert sie an einem der Rätsel, die ihr diese Wissenschaft mit auf den Weg gab. Manchmal ist es äußerst unterhaltsam, einige Zeit mit ihr zu verbringen. Denn aus heiterem Himmel holen sie plötzlich die großen Fragen ein.

Regenbogen Letztens bewunderten wir beispielsweise einen farben- prächtigen Regenbogen: Seine wunderschöne Farben leuchteten aus einem blass violetten Himmel herab. "Sieh nur, dieses zarte Grün!", seufzte ich. Auch sie war sprachlos angesichts dieses Naturspektakels - aber nicht lange. Dann machte er sich wieder bemerkbar, dieser kleine zweifelnde Quälgeist, der ihr so manche unruhige Nacht bescherte: "Aber siehst du wirklich dasselbe Grün wie ich?", fragte sie mich und ich blickte sie überrascht an. "Ja, wir sehen die unterschiedlichen Wellenlängen des Lichts, das auf die Netzhaut unseres Auges trifft, als bestimmte Farben - aber um diese Wellenlänge als Farbe zu ERKENNEN, ist noch ein rein subjektiver Interpretationsvorgang unseres Gehirns notwendig. Dieses Grün ist mithin ganz und gar privat - es entsteht erst in deinem Bewusstsein. Wer sagt, dass dieses Grün, das du siehst, nicht in Wahrheit mein Rot ist? Vielleicht ist tatsächlich ALLES, was wir erleben, zu sehen glauben, nur aufgrund einer sprachlichen Konvention vergleichbar.

Ich war nahe am Verzweifeln: Wie konnte meine Freundin nur die Faszination dieses Augenblicks mit ihren philosophischen Gedanken hinterfragen? Wie gerne wollte ich ihr klar machen, dass es in manchen Momenten gar nicht darauf ankommt, das zu begreifen, was "die Welt im Innersten zusammenhält".

Aber leider fühle ich mich in der Welt der großen Denker, in ihrem Vokabular etwas fremd - ich wusste schlichtweg nicht, wie ich meine Erkenntnis in Worte packen sollte. Und da nahm ich mir fest vor, wieder ein wenig in unserer Philosophen-Bibliothek zu schmökern: Nächstes Mal würde ich ihr deutlich machen können, dass ein Regenbogen auch einfach mal nur genossen werden kann. Ohne Zweifel, ohne Hinterfragen.

Ich warne Sie vor zu viel Nachdenken!

26.08.2006, 09.54 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches

Spazieren gehen oder spazierengehen?

Die neue RechtschreibungSeit kurzem gelten die neuen Rechtschreibregeln, die zum x-ten Mal überarbeiteten, an den österreichischen Schulen. Und so mancher verzweifelt: Was ab nun im Unterricht verbindlich ist, wurde in unzähligen Fachdiskussionen entworfen, geändert, revidiert und schließlich beschlossen. Vor allem die Normen zur Getrennt- und Zusammenschreibung oder auch die Kommasetzung sind betroffen.

Macht das Sinn? Jetzt schon fühle ich mich oft genug als Analphabet, wenn ich am Computer einen Text schreibe, nach den Regeln, die ich vor vielen Jahren in der Schule vermittelt bekam: Mein Orthografie-Programm markiert immer mehr Wörter als Fehler. Ach, waren das Zeiten, als man in der Schule einfach nur sitzenblieb und sich nicht überlegen musste, ob man korrekterweise sitzen bleibt. Als man spazierenging und nicht spazieren ging.

Obwohl: Manchmal bestätigen die Ausnahmen auch die Regeln: Zusammengesetzte Verben zum Beispiel, die bleiben oder lassen beinhalten, können zusammen oder getrennt geschrieben werden. Welche Verwirrung! Damit Sie den Überblick behalten, fasse ich hier die wichtigsten Abänderungen der Rechtschreibreform zusammen:

S-Schreibung: Bei kurzem Vokal wird das Wort mit Doppel-S geschrieben - Fluss, Mass, muss oder bisschen. Bei langen Vokalen bleibt das 'ß' - Straße, Spaß.

Drei gleiche Buchstaben: Wenn bei Zusammensetzungen drei gleiche Buchstaben aufeinander treffen, wird keiner davon gestrichen - Schifffahrt ist das gängigste Beispiel. Alternativ ist auch die Schreibung mit Bindestrich möglich - Schiff-Fahrt.

Getrennt- und Zusammenschreibung: Ist der erste Teil eines Wortes ein Verb, wird getrennt geschrieben - wie 'spazieren gehen'. Auch Verbindungen mit dem Wort 'sein', wie zum Beispiel 'da sein', werden getrennt geschrieben. In Ausnahmefällen ist die Zusammenschreibung möglich. Sie gilt für übertragen gebrauchte Verbindungen von zwei Verben, die als zweiten Bestandteil die Verben 'bleiben' oder 'lassen' haben - zum Beispiel 'in der Schule sitzenbleiben'.

Groß- und Kleinschreibung: Tageszeiten nach den Adverbien wie 'gestern' oder 'heute' werden groß geschrieben - heute Mittag, gestern Abend. Einzelne Begriffe wie 'pleitegehen' werden wieder klein und zusammen geschrieben.

Zeichensetzung: Die Kommaregeln sind vereinfacht. Bei Hauptsätzen, die mit 'und' beziehungsweise 'oder' verbunden sind, kann ein Komma gesetzt werden - muss aber nicht - "Ich ärgere mich(,) und mein Freund ärgert sich auch." Bei Infinitivgruppen muss ein Komma nur gesetzt werden, wenn diese mit als, anstatt, außer, ohne oder um eingeleitet wird. Dies gilt zum Beispiel für den Satz: "Sie aß ein Eis, um sich abzukühlen."

Capito? Und jetzt noch die wichtigste Regel:

Flexibilität: Wenn Sie nicht mehr zur Schule gehen, können Sie sich eine individuelle Rechtschreibung leisten. So wie ich. Genießen Sie, dass niemand mehr weiß, wie geschrieben wird und zeigen Sie Ihre Individualität auch!


Fehlerfrei schreiben gefällig?



24.08.2006, 09.36 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein

Der kleine Prinz

AffenbrotbaumMichael Adanson ist tot! Und zwar schon seit 200 Jahren. Das ist jetzt nichts Besonderes, allerdings hatte der französische Botaniker erst vor wenigen Tagen seinen Todestag, nämlich am 3. August. Zufällig stieß ich auf diese Nachricht, als ich mal wieder ein bisschen im Internet stöberte. Löste sie doch ein altes Rätsel, das sich mir seit meiner Kindheit gestellt hatte: Was ist eigentlich ein Affenbrotbaum.

Michael Adanson war nämlich die denkwürdige Person, die jenem komisch anmutenden Gewächs seinen Namen gab, nämlich „Adansonia“. Der gemeine Bücherfreund, wie er sich in mir darstellt, kennt den Baum allerdings nur unter seinem wesentlich populäreren Zweitnamen. Ihn hat der Baum schlicht und ergreifend, weil die Affen, die sein Verbreitungsgebiet in Afrika oder Madagaskar bewohnen, seine Früchte in großen Mengen, quasi wie Brot, vertilgen.

Der kleine PrinzEine weitere Erkenntnis ereilte mich, als ich der Nachricht schließlich auch ein Bild beigefügt fand. Und zwar – wer hätte das gedacht! – von einem Affenbrotbaum. Nun verstand ich endlich auch die Angst des Kleinen Prinzen, und ich nahm nach 20 Jahren zum ersten Mal wieder mein ehedem heiß geliebtes Buch von Antoine de Saint-Exupéry zur Hand. In der Tat, so ein „Baobabs“, wie die Pflanze noch genannt wird, hätte dem Planeten des Kleinen Prinzen durchaus gefährlich werden können! Aber glücklicherweise hat sein Bewohner selbst erkannt: „Bevor Affenbrotbäume groß werden, fangen sie ja erst damit an, klein zu sein“, und empfiehlt frühzeitiges Ausgraben. „Zuweilen macht es ja wohl nichts aus, wenn man seine Arbeit auf später verschiebt. Aber wenn es sich um Affenbrotbäume handelt, führt das stets zur Katastrophe. Ich habe einen Planeten gekannt, den ein Faulpelz bewohnte. Er hatte drei Sträucher übersehen ...“

Ach, wie fühle ich heute mit dem Kleinen Prinzen! Fast schon mehr als in meiner Kindheit. Denn: Ich selbst verfüge ja eigentlich auch über einen eigenen kleinen Planeten. Meinen Balkon, auf dem ich liebevoll jedes einzelne Pflänzchen hege, pflege und wachsam beäuge. Wie sahen die kleinen Affenbrotbäumchen noch mal aus?

Der Kleine Prinz bei Jokers


22.08.2006, 08.00 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches

Bitte warten

Fünf-Minuten-SpieleWarten Sie auch so gern wie ich? An der Eisdiele, vor den Umkleiden oder der Kasse zum Schwimmbad. Ferienzeit ist Wartezeit. Und am allerschönsten wird es auf der Autobahn! In Megastaus, in denen sich Urlauber auf Ihrer Reise gen Süden bis zu 100 Kilometer weit stauen. Herrlich! Diese Gelegenheiten nutze ich immer wieder gerne, ein paar Kapitel in meinem derzeitigen Lieblingsbegleiter „Der Weg zum gelassenen Leben“ von Duncan Steen zu studieren. Somit schlage ich für gewöhnlich zwei Fliegen mit einer Klappe: Ich erweitere meinen Horizont und kann das Gelesene gleich praktisch umsetzen. Denn selten neigt man so gern zum Wutausbruch wie in einer endlosen Warteschlange.
Block-& Bleistift-Spiele
Die Lage tendiert oft noch mehr zum Verkrampfen, wenn mehr als eine Person an meiner Seite wartet. Der Klassiker ist dabei die Fahrt in den Familienurlaub. „Sind wir schon da?“, „Papa, mir ist laaaangweiliiiiig“ schallt es dann vom Rücksitz. Richtig spannend wird es im Stau. Dann greift nicht einmal mehr das alte „Wir bilden Wörter aus Autokennzeichen“-Spiel. Und selten kann man die Kleinen so dermaßen für ein Buch begeistern, dass sie sich die ganze Fahrt (inklusive Standzeiten) darin komplett vertiefen. Zum Glück habe ich jetzt in unserem Repertoire nicht nur eine kleine Spiele-Sammlung extra für lange Fahrten und Wartezeiten im Auto gefunden!

Spielen bei Jokers


14.08.2006, 11.11 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher

Augsburger Festtag

Bertolt BrechtIn Augsburg, dem Sitz der deutschen Jokers-Kollegen, wird heuer ein wichtiger Jahrestag begangen:
Vor fünfzig Jahren, am 14.08.1956, ist der Augsburger Literat Bertolt Brecht in Berlin gestorben.

Die Dreigroschenoper, Die Heilige Johanna der Schlachthöfe, Mutter Courage, Der gute Mensch von Sezuan, Der Kaukasische Kreidekreis: Bertolt Brechts Stücke werden von China bis Lateinamerika auf der ganzen Welt aufgeführt.

Seine Werke fesseln, prangern an, überspitzen und haben immer einen politisch-moralischen Hintergrund: Bert Brecht, der linksgerichtete Querdenker, erlebte im Laufe seines Lebens eine wahre Odyssee. Viele, viele Jahre verbrachte er im Exil - seine Flucht vor der Staatspolitik führte ihn über Skandinavien nach Amerika, über die Schweiz schließlich nach Berlin.

Der Begründer des Epischen Theaters nannte seine Erzählmethode den "Verfremdungseffekt": Der Zuschauer sollte mit seinen Schauspielen zum Nachdenken, zum Analysieren angeregt werden - nicht das Mitfühlen stand bei Brecht im Vordergrund.

Bert Brecht, der den berühmten Ausspruch prägte "Wer A sagt, muss nicht B sagen. Er kann erkennen, dass A falsch war" bezog, ohne Rücksicht auf persönliche Verluste, stets eindeutig Position - in politischen und privaten Angelegenheiten. Der Vater von vier Kindern war zweimal verheiratet: Seine erste Ehe mit der Opernsängerin Marianne Zoff zerbrach kurz nachdem er seine zweite Frau Helene Weigel kennen lernte. "So verging die Zeit, die auf Erden mir gegeben war", wie Brecht in "An die Nachgeborenen" formulierte.

Die Stadt Augsburg gedenkt ihres großen Sohnes im Jahre 2006 mit zahlreichen Ausstellungen, Symposien und Veranstaltungen. In der Innenstadt erinnern vier eindrucksvolle Statuen an den revolutionären Dichter.

Hommage an Bertolt Brecht

14.08.2006, 07.34 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren

Fata Morgana mit Knigge

Sommer-Mode! Ein heikles Thema. Was darf Mann, was darf Frau anziehen, wenn die Sonne gnadenlos vom Himmel brennt? Was sagen Sie zu Männern, die Sandalen mit Socken tragen? Was sagen Sie zu dicken Frauen, die bauchfrei herumlaufen? Was sagen Sie zu Männern, die im Unterhemd am Fensterbrett den Tag beobachtend verbringen? Was sagen Sie zu Frauen, bei denen die Unterwäsche aus der Hose schaut?

Ästhetik-Verstoss? Sie finden das geschmacklos? Ich kenne Leute, die schauen bei solchen Ästhetik-Verstößen einfach weg. Ich bin ja sehr tolerant, aber bei manchem Anblick friert sogar mein liberales Grinsen ein. Gestern ist mir das wieder passiert.

Ich sitze neben einer Brücke, bei einem Denkmal auf einer Bank. Kleine Zwischenrast. Die Sonne scheint volle Pulle. Dreißig Grad im Schatten! Zwei Radler mit kleinem Anhänger fahren vorbei. Komisches Zeug ist in ihren Anhängern. Wollen sie zum Picknicken oder in den Schrebergarten? Ich staune, wozu kann das Zeug gut sein? Ein Opa schiebt mit einem Wagen vorbei. Sein Enkel sitzt auf merkwürdigen Dingen in dem Wagen. Ich staune. Dann kommt ein Radler mit nacktem Oberkörper vorbei. Er hat auch einen Anhänger an seinem Fahrrad. Drin ist dubiose Ware. Ich staune. Noch mehr beschäftigt mich der Anblick des halbnackten Radlers. Er ist nur mit kurzer Hose und Sandalen mit Socken ausgestattet. Sein Oberkörper ist braun gebrannt, so gut ein normaler europäischer Oberkörper braun gebrannt sein kann. Ist das auch eine Sommer-Mode? Ich finde diesen Kleidungs-Stil eigenartig. Muss das sein? Warum dürfen das nur Männer? Ich habe noch nie eine Frau mit nacktem Oberkörper im Sommer durch die Stadt fahren sehen. Am Strand oder im Bad, ja da sind die Oben-ohne-Frauen schon Alltag. Vor längerer Zeit habe ich einen Mann in unserer Stadt gekannt, der ist im Sommer immer mit nacktem Oberkörper auf dem Rad gefahren. Der sah wie Sitting Bull auf seinem Mustang aus. Neben ihm sind immer zwei Schäferhunde gelaufen. Das hat toll gewirkt. Aber dieser Radler mit dem Anhänger, der sah aus wie ein Mann aus dem Finanzamt, der auch mal wissen wollte, wie es ist, wenn einen der Staat ohne Hemd stehen lässt. Kein schöner Anblick, fand ich. Umgangsformen Beim Weiterradeln war ich gespannt, wann ich den ersten halbnackten Auto-Fahrer hinter der Scheibe erblicken würde. Dieser Anblick fehlte mir noch diesen Sommer.

Hitze macht frei! Ein paar Grad mehr und schon werden alle Konventionen über Bord geworfen. So schnell kann das gehen. Ansonsten braucht es Jahrzehnte, bis sich die Sommer-Mode ändert. Aus braven Anzugträgern am Sparkassenschalter werden am Feierabend Amazonas-Indianer. Ist wie Karneval mitten im Sommer.

Nach der Zwischenrast radle ich weiter. Die Hitze ist enorm. Die Luft über der Straße flirrt. Ich komme zu einem Berg. Zum Müllberg. Dort sehe ich, wie die Leute ihre Anhänger in einen Containern leeren. Sie haben Schutt transportiert. Das war´s! Unglaublich! Der halbnackte Radler ist auch dabei. Vielleicht macht er es richtig und ich falsch? Vielleicht sollte ich meine Kleidung auf den Müll werfen? Alles. Kann ich dann die Hitze besser überstehen? Dürfen Menschen in Not-Situationen alle Rücksicht auf Moden und Verhaltensregeln vergessen?

Eine Fata Morgana taucht auf. Mittendrin ein Herr namens Adolph Freiherr von Knigge. Ich erkenne ihn kaum. Er sieht aus wie ein Tuareg. Diese Wüstenbewohner. Die in der größten Sahara-Hitze in dunkle Kleidung gehüllt sind, von oben bis unten. Was wollte mir Knigge damit sagen? Ich weiß es nicht, die Fata Morgana verschwand zu schnell.

Umgangsformen - ein moderner Knigge von Inge Wolff!

12.08.2006, 10.54 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher

Bayreuths Festspiele: ein Traum wird wahr

Vor wenigen Jahren hatte ich das große Glück, den Bayreuther Festspielen beiwohnen zu können: Ich kam in den Genuss der Aufführung des „Fliegenden Holländers“!

Es war ein außerordentliches Kunsterlebnis: Inmitten der malerischen Kulisse der wunderschönen Stadt liegt, hoch auf dem Grünen Hügel, das Festspielhaus. Vor lauter Staunen angesichts der in Pelz und Glitter gehüllten Damen, der noblen Anzüge von Lagerfeld und Co. vergaß ich fast, mir das prachtvolle, 1872 erbaute Festspielhaus anzusehen. Dabei lohnt es sich wirklich!
Wagner bei JokersVor 130 Jahren fanden die ersten Festspiele zu Ehren des großen Komponisten Richard Wagner statt: Mit dem „Ring der Nibelungen“, meiner Lieblingsoper. Vorletzten Dienstag, den 25.07., wurden nun die diesjährigen Festspiele mit der Wiederaufnahme des „Fliegenden Holländers“ eröffnet - ganz Bayreuth erstrahlte im Prunk dieses gigantischen Ereignisses.

Die Prominenz aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft ließ es sich nicht nehmen, ehrenvoll über den roten Teppich schreiten: Ein bedeutendes Ereignis für den Regisseur und Dramatiker Tankred Dorst, der in Bayreuth dieses Jahr seine erste Oper inszenierte.

Insgesamt stehen bis zum 28. August 30 Vorstellungen auf dem Spielplan. Doch, wie kann es anders sein: Alle Aufführungen im knapp 2000 Plätze bietenden Festspielhaus sind seit langem ausverkauft. So bleibt mir nur, in meinen Erinnerungen zu schwelgen und bei mir zu Hause einer Reproduktion der wunderbaren Wagner-Opern zu lauschen.

Alle Wagner-Opern günstig bei Jokers



10.08.2006, 11.12 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kulturgeschichte

Eine Story-Jägerin

Am 2.8.1942 wurde Isabel Allende, die bekannte chilenische Schriftstellerin, in Lima geboren. Sie ist Nachkommin des chilenischen Politikers mit dem wunderschönen Namen Salvador Allende. Salvador bedeutet so etwas wie „der Erretter“. Ich bin begeisterter Allende-Leser: Fast alle ihre Romane habe ich richtiggehend verschlungen. Sogar ihre Jugendbücher wie „Die Stadt der wilden Götter“ schenkten mir wunderbare Lesestunden – und das in meinem Alter!

Das GeisterhausDoch was mich besonders an der adretten Autorin begeistert, ist ihre Einstellung zur Kreativität und Inspiration: Auf ihrer Web-Seite www.isabelallende.com beschreibt sie, wie wohl gesonnen ihr die literarischen Musen doch sind: Sie erzählt von sich selbst, dass sie einfach eine gute Zuhörerin und eine „Story“-Jägerin ist. Sie liebt es, Geschichten zu lauschen, den kleinen Anekdoten und Vorkommnissen des täglichen Lebens beizuwohnen. Aus diesen winzigen Erlebnissen, für andere Augen banal und unwichtig, entstehen in ihrem Geist die faszinierendsten Erzählungen.

Ach, für mich ist Isabel Allende eine der ganz Großen der modernen Literatur, eine wahre Wörter-Zauberin! Und zu Ehren ihres Geburtstages mache ich heute früher Feierabend und schmökere zum wiederholten Male in ihrem spannenden „Geisterhaus“. Vielleicht wollen Sie es mir ja gleich tun?

Allende bei Jokers


08.08.2006, 15.22 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren

Joachim Ringelnatz

"Bist du schon auf der Sonne gewesen?
Nein? - Dann brich dir aus einem Besen
Ein kleines Stück Spazierstock heraus
Und schleiche dich heimlich aus dem Haus
Und wandere langsam in aller Ruh
Immer direkt auf die Sonne zu."


So beginnt mein Lieblingsgedicht "Bist du schon auf der Sonne gewesen?" des wunderbaren Lyrikers und Malers Joachim Ringelnatz. Er zählt zu den bekanntesten deutschsprachigen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts und wurde am 07.08.1883 in Wurzen bei Leipzig geboren. Gestorben ist er am 17. November 1934 in Berlin. Somit feiert er heute also Geburtstag!

Ich hatte leider ZeitSeinen ungewöhnlichen Namen legte sich der tragik-komische Autor selbst zu: In seinen Jugendjahren fuhr er zur See, diente später als Leutnant und Kommandant im Krieg - Ringelnatz ist vermutlich die Verballhornung für „Ringelnass“, den seemännischen Ausdruck für Seepferdchen. Und die bringen bekanntlich Glück.

Die Schifffahrt taucht auch immer wieder in seinen satirischen Gedichten auf: Sein beliebtester Held war Kuttel Daddeldu, der wild-sentimentale Seemann mit dem zu großen Herzen, der regelmäßig Schiffbruch erleidet - allerdings im Hafen. Prinzipiell also ein glücklicher Schiffbruch.

Joachim RingelnatzRingelnatz selbst ist allerdings kaum als Glückkind zu bezeichnen: Sein abenteuerliches und buntes Leben, seine große Klappe und nicht zuletzt seine politische Grundgesinnung brachte ihn in so manches Bedrängnis. Im Februar 1933 erhielt er Auftrittsverbot, seine gesamten Veröffentlichungen wurden beschlagnahmt und seine Gemälde aus der Berliner Nationalgalerie vom Naziregime als "entartete Kunst" entfernt. Schließlich konnte er die Medizin nicht mehr finanzieren, die er aufgrund einer schweren Krankheit benötigte. So verstarb er im November 1934 schwer verarmt in seiner Wohnung Am Sachsenplatz in Berlin.

"So lange, bis es ganz dunkel geworden.
Dann öffne leise dein Taschenmesser,
Damit dich keine Mörder ermorden.
Und wenn du die Sonne nicht mehr erreichst,
Dann ist es fürs erste Mal schon besser,
Dass du dich wieder nach Hause schleichst."


So endet mein Lieblingsgedicht. Und irgendwie trifft es zu auf diesen großen, tragischen Dichter.

07.08.2006, 08.33 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren

Im Freibad

Hinter mir bauen Eltern ein Zelt auf. Neben mir rollt eine Kühlkiste heran. Vor mir wird eine Decke ausgebreitet. Wo ich bin? Im Freibad natürlich! Im Schatten eines Baumes. Wo sonst auch bei diesem heißen Sommer-Wetter? Ich liege auf meinem großen Handtuch unter dem Schatten eines Baumes. Den habe ich noch erwischt, weil ich früh genug ins Bad geradelt bin. Andere müssen Sonnenschirme in den Rasen rammen, damit sie von der Sonne nicht in eine lebendige Bratwurst verwandelt werden.

RettungsringOft gehe ich nicht ins Wasser, weil es um mich herum so spannend zugeht. Ist sehr unterhaltsam, dieses Treiben zu beobachten. Da ist der türkische Familien-Clan, der aus Omas und Opas, aus Kindern und Enkeln einen großen Kreis bildet, ausgestattet mit Dutzenden von Schüsseln aus denen diverse Leckereien gezaubert werden. Verwaltet von der Oma, die in voller Montur in der Sonne sitzt und nicht schwitzt. Wie sie das macht? Das deutsch-russische Pärchen, sie vollmollig und blond, er bodygebuilded mit Tattoos, baut sich ein Lager mit Sonnenzelt. Er steckt die Teile falsch zusammen und beschimpft sie, weil sie die Gebrauchsanweisung nicht mitgenommen hat. Zwei junge Mädchen wechseln ihren Platz, weil sie von Ameisen misshandelt werden. Damit kommen sie ein paar Meter näher an die Decke der braunhäutigen und schwarzhaarigen jungen Männer, die mit einem Ball schon öfters zufällig die jungen Mädchen getroffen haben. Eine Bio-Mutter erklärt ihrem zweifelnd dreinblickenden Kind, dass Steckerl-Eis ungesund ist. Ein Stück Melone muss auch reichen. Diese wird dramatisch auseinander geschnitten. Dann werden die Schalen in die Freibadbraune Tonne geworfen. Die Tonne für Essensreste. Die steht nur fünf Meter von mir entfernt. Sie wird von gelbschwarzen Wespen umkreist. Weil ich meine Weintrauben ausgepackt habe, sind die Wespen auch bei mir zu Gast. Eine Flucht ist unmöglich. Inzwischen ist jeder Quadratmillimeter Wiese im Freibad belegt. Was tun? Hätte ich jetzt nur einen richtig dicken Schmöker dabei! Wieso fahre ich ohne Buch ins Bad? Wie kann das passieren? Mit einem fetten Lese-Schinken könnte ich den Kampf gegen die Wespen aufnehmen. Jetzt bleibt mir nichts anderes übrig als wieder ins kalte und nasse Wasser zu steigen. Wo ich doch gerade ein Kilo Sonnencreme auf meiner Haut verteilt habe! Und wie soll ich jetzt mitbekommen, wie die Sache mit den Mädels und den Jungen mit dem Ball weitergeht?

Dicke Schmöker zur Wespenjagd finden Sie bei Jokers





06.08.2006, 14.42 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches

Uhrgeschäfte

In einem Second-Hand-Laden kaufte ich mir auf dem Heimweg eine originell aussehende Uhr. Sehr günstig. Dann bemerkte ich, dass die Uhr nicht ging. Batterie leer wahrscheinlich. Auf meinem Weg lag ein Schmuck- und Uhrengeschäft. Ich ging rein. Eine Frau sah meine Uhr an. „Das haben wir gleich“, sagte sie. „Mein Sohn macht das.“ Ein Winkel war mit einem Vorhang vom Laden abgetrennt. Da saß der Sohn. Eine Wand war in dem Laden entfernt worden. Dadurch ging der Blick in einen weiteren Raum, der früher ein Geschäft für handgemachte Marionetten war. „Was kommt denn hier rein?“, erkundigte ich mich. „Die Werkstatt für meinen Sohn“, sagte die Frau. Dann reichte sie mir meine Uhr. „Jetzt ist eine neue Batterie drin“, sagte sie. Das kostete mich fünf Euro.

Zeit Ich ging weiter. Ist Uhrmacher ein Beruf mit Zukunft? Sah so aus. Warum sollte sonst die Frau ihren Laden für ihren Sohn erweitern? Ich kam ins Überlegen. Wäre ja schön, wenn nicht nur Konzerne ständig expandieren. Auch Handwerker haben also noch eine Chance. Beim Zeitschriften-Kiosk legte ich mir eine Illustrierte zu. Mit Verwunderung musste ich später beim Durchlesen feststellen, dass in dem Heft die Werbung für Uhren gut vertreten war. Teure Luxus-Uhren bis zu 25.000 Euro wurden mit einer ganzen Seite beworben, praktische Uhren für 150,- Euro mit einer Spalte. Scheint also ein gutes Geschäft zu sein, das Geschäft mit den Uhren, dachte ich mir. Hätte ich nicht gedacht. In dem Heft war sogar ein Bericht über einen Uhrmacher in Glashütte. Wie präzise diese Leute arbeiten mit dieser merkwürdigen Lupe, die ins Auge geklemmt wird. Mir blieb es trotzdem ein Rätsel, wie Uhrmacher all diese winzigen Teilchen zu einem Gerät zusammenschrauben konnten, das exakt Tag, Stunde, Minute und Sekunde angeben konnte.

Unruh Ich hatte schon gehört, dass es Sammler von Uhren gibt. Und ich hatte schon gesehen, dass Zeitschriften und Bücher nur über Armband-Uhren existieren. Aber gibt es schon einen Roman über einen Uhrmacher? Alchemisten, Kartenmacher, Philosophen, Kanonengießer, Spione, Detektive, Piraten, Künstler, Medicusse, Mönche und Wanderhuren, die wurden schon in Büchern verewigt. Aber Uhrmacher? Da hat wohl noch keiner dazu Zeit gehabt. Ist das nicht spannend, über einen Menschen zu schreiben, der die Zeit in den Griff bekommen will? Mit Hilfe einer Sonnen-Uhr. Oder mit einer Sand-Uhr. Oder mit einer Wasser-Uhr. Oder mit einer mechanischen Uhr.

Ich nahm meine neue Uhr vom Arm. Nachdem ich sie vorsichtig vor mir auf den Tisch gelegt hatte, sah ich sie lange an. Die beiden Zeiger drehten sich über dem Ziffernblatt. Sollte ich einen Roman über einen Uhr-Macher schreiben? Warum nicht? Aber vorher sollte ich noch einiges erledigen. Abendessen einkaufen, abspülen, abtrocknen, Wäsche waschen, Gerümpel vors Haus stellen, Grillsachen für Morgen herrichten, meinen Freund anrufen, wann es morgen losginge mit der Grillerei, dazu die Badesachen, weil wir doch am Baggersee grillen, ach es gab noch so viele Dinge zu erledigen. Ich verlor schier den Überblick. Tatendurstig stand ich auf und drehte mich im Kreis. Wie ein Uhrzeiger.


Unruh von Hansjörg Betschart


05.08.2006, 12.16 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches

Trau dich!

Neulich bekam ich einen Brief von Alfred Hornauer. Kennen Sie ihn auch? Also, wenn Sie verheiratet sind, dann könnten Sie ihn kennen. Er ist der Chef meines Standesamtes. Er führt die amtlichen Trauungen durch. Er besiegelt mit einer Urkunde als offizieller Vertreter der Kommune den Bund des Lebens, den zwei Personen schließen.

HochzeitspaarVon einem Journalisten wurde er gefragt, an welche besonderen Vorkommnisse er sich bei den tausenden von Trauungen erinnere, die er durchgeführt hat. Einmal habe eine Frau NEIN statt JA gesagt, wusste Hornauer zu berichten. Die hätte aber nur Spaß gemacht. Später habe sie dann schon JA gesagt zu ihrem zukünftigen Gatten. Ganz anders in Film und Literatur. Da wimmelt es von Hochzeiten, bei denen die Braut oder der Bräutigam NEIN statt JA sagt. Noch schöner sind die Filme und Bücher, bei denen der wirkliche Geliebte, die wirkliche Geliebte bei der Trauungszeremonie auftaucht und dann die Braut, den Bräutigam vor den Augen der entsetzten Hochzeitgäste mit nimmt. Der falsche Partner steht dann dumm da - mit den unnützen Ringen in der Hand. Da ist die Schadenfreude groß. Das sind Momente im Leben, mit denen niemand rechnet. Keine und keiner rechnen will. Im richtigen Leben sicherlich zu Recht, wie Alfred Hornauer bestätigt.

frisch verheiratetAls einen wunderbaren Beruf hat Alfred Hornauer seine Arbeit im Standesamt in dem Brief an mich bezeichnet. Verschwiegen hat er mir allerdings, was er sich denkt, wenn er Leuten begegnet, die er verheiratet hat, die sich aber scheiden haben lassen. Ist das nicht frustrierend? Oder denkt er sich, dass auch in anderen Berufen nicht alles perfekt klappt? Sagt er sich: Nichts hält ewig, auch wenn es mit größter Mühe und Liebe hergestellt wird? Auf jeden Fall ist eine Trauung weitaus unkomplizierter als eine Scheidung. Damit beschäftigen sich dann Rechtsanwälte und Richter. Dann geht es auch um den Besitz und die Kinder. Vielleicht sollte der oder die eine oder andere vor dem Standesbeamten doch öfters NEIN sagen?

Die Kandidatin - wenn der schönste Tag des Lebens zum Alptraum wird!

04.08.2006, 16.29 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches

Die Insekten sind los!

Kürzlich hatte der Kleine meiner Freunde Geburtstag. Ich tue mich immer etwas schwer, das richtige Geschenk für kleine Jungs zu finden - vor allem, wenn sie schon zu groß zum Autospielen sind. Der Bub wurde 11 Jahre alt und ich war ratlos - bis ich dann aber beim Stöbern auf eine faszinierende Zeitungsnotiz stieß: Die Phasmide leben!


PhasmidWenn sie bisher keine Ahnung hatten, was ein Phasmid ist, seien Sie beruhigt: Bis vor wenigen Tagen wusste ich es auch nicht. Phasmide sind nichts weiteres als meist flügellosen Stockinsekten: Im Zoo von Melbourne existieren heute zehn erwachsene und 40 Jungtiere sowie 1000 Eier der ausgestorben geglaubten Balls Pyramid Phasmide.
Balls Pyramid ist eine kleine Felsengruppierung, eine Art Insel etwa 20 km südöstlich von Lord Howe Island vor der Küste Australiens: noch unerreichbarer als Lord Howe Island selbst, das nur 400 Touristen jährlich betreten dürfen. Eine unglaubliche Fauna konnte sich auf Lord Howe Island ungestört weiterentwickeln - das ist heutzutage so ungewöhnlich, dass dort einige Tiere ihr Dasein fristen können. Vor rund 90 Jahren jedoch wurde Lord Howe Island jedoch von einer Rattenplage heimgesucht: Ein Schiff verunglückte  die Ratten, die bekanntlich das sinkende Schiff verlassen, fanden auf Lord Howe ein wahres Paradies. In kurzer Zeit vernichteten sie zahlreiche Insektenspezies. Unter anderem, so glaubte man bis vor wenigen Jahren, auch die "Landhummer" genannten Phasmide. Mit einer enormen Größe beeindruckten die nachtaktiven Insekten die Einheimischen: Bis zu 15 cm wurden die Weibchen groß.
Doch die Ratten schafften es nicht, die beeindruckenden Rieseninsekten auszurotten, auch wenn sich auf Lord Howe kein einziges Exemplar mehr findet. Die Wissenschaft steht vor einem Rätsel: Die Phasmide flüchteten nämlich kurzerhand auf die benachbarte Felseninsel - flügellos und schwimmunfähig. Vielleicht erreichten die Landhummer Balls Pyramid auf Treibholz ausharrend, das dort angeschwemmt wurde? Wer weiß.
Doch so viel ist sicher: Sie überlebten Jahre auf dem nackten Felsen. Forschern ist es gelungen, einige Tiere in künstlichem Ambiente aufzuziehen: Heute, wie gesagt, existieren wieder 50 Tiere - wesentlich mehr als die Handvoll, die auf Balls Pyramid entdeckt wurde.
Und nun nähert sich die Zeit, in der die Balls Pyramid Phasmide reexportiert werden sollen: Ziel ist, sie wieder auf Lord Howe Island anzusiedeln.

Die Insekten sind los!Jene Zeitungsnotiz also brachte mir die zündende Idee für das passende Geburstagsgeschenk: Jungs sind ja im Allgemeinen rechte Abenteurer, nicht wahr? Sie wollen entdecken, sich bewähren, schlauer werden: Und natürlich unterhalten. Unser interaktives Spielbuch "Die Insekten sind los!" erfüllt all diese Kriterien für ein gelungenes Geschenk - der KLeine war richtig happy. Wenn die Phasmide wüssten, welche Freude sie einem Kind bereiteten...

03.08.2006, 14.35 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher

Mozart in Moskau

Es war nicht zu verhindern ;-) Olga aus Moskau ist engagiert für das Jokers Blog. Sie haben es so gewollt. Okay. Gerade hat sie mir ihr neuestes Blog geschickt, von mir nur noch etwas grammatikalisch und rechtschreibtechnisch aufgehübscht. Das Wort hat Olga:

Gestern war ich in einem Konzert. Meine Mutter, die immer Ideen im Kopf hat, wie man die Zeit gut verbringen kann, hat mir als Geburtstagspresent eine Karte für das Moskauer Tschaikovsky- Konzerthaus geschenkt. Aufgeführt wurde Mozarts Oper „Don Juan“.

Ich kenne mich in der klassischen Musik, besonders was Opern angeht, überhaupt nicht aus. Früher habe ich gedacht, Opern seien was Langweiliges oder nur ein Ding für Kenner. Gestern habe ich meine Meinung geändert.

„Don Juan“, wie er aufgeführt wurde, war eigentlich keine richtige Oper, alles ging ohne Kostüme und Dekorationen ab. Gesungen haben weltbekannte Stimmen aus sechs verschiedenen Ländern. Donna Anna war Simone Kermes, die berühmte Sängerin aus Deutschland mit einer wundeschönen, kristallklaren Stimme, Don Juan Simone Albergini aus Italien. Die anderen Partien sangen Natan Berg (Kanada, das Publikum war begeistert von seinem Spiel), Natascha Marsch (UK), Michael George (UK). Dirigent war der junge Grieche Theodor Kurentsis. Als er in einem schwarzen T-Shirt und mit Pferdeschwanz auf die Bühne trat, war das Publikum etwas irritiert. Aber schon nach seinen ersten Handbewegungen, nach den ersten Musikklängen bewunderten tausende von begeisterten Zuhörern und Zuschauern die harmonische Einheit des jungen Künstlers und des Orchesters. Der Saal war überfüllt. Im großen, eigentlich schlecht durchlüfteten Raum waren alle Plätze, ja alle Treppenstufen und Gänge besetzt



Neugierig beobachtete ich das Publikum. Die älteren Damen und Herren, richtige Kenner der klassischen Musik, saßen wie versteinert auf ihren Plätzen und lauschten. Doch die Jugend war in Überzahl. Wunderschön gekleidet, mit einem Lächeln auf den Lippen, folgten junge Damen und ihre Kavaliere der Handlung auf der Bühne. Auf einmal wurde mir klar: Egal, ob man ein richtiger Opern-Profi oder nur ein zufällig ins Konzert geratener Laie ist: Die sagenhaft vielfältige und bezaubernde Musik dieses Genies namens Mozart wirkt auf alle gleich, sie erschüttert mit ihrer Schönheit, umhüllt mit ihrer Rätselhaftigkeit, greift mit ihrer Klarheit ans Herz. Unglaublich, wie man aus nur sieben Noten so etwas Schönes komponieren kann!

Nach einer betäubenden fünfzehnminütigen Ovation am Ende des Stückes haben die Sänger wiederholt eine wunderschöne Passage gesungen. Im Blumenregen, begeisterten "Bravo-Rufen" und wellenhaft anbrausenden Applaus des dankbaren Moskauer Publikums standen die glücklichen Stars noch lange auf der Bühne, bis der Beifall endlich nachließ.

Schweigend verließ ich den Saal - fast als letzte. Kein Wort wollte ich verlieren, aus Angst die zauberhafte Stimmung in meinem Herzen zu verletzen. Langsam ging ich auf der Tverskaja Strasse entlang zur U-Bahn-Station. In meinen Ohren klang immer noch die Musik, vor meinen Augen bewegten sich die musikalischen, geschmeidigen Hände des jungen Dirigenten
Mozart.

Als ich einige Zeit später ins Bett ging, wünschte ich mir noch mehr Musik von Mozart zu hören. Und zwar nicht auf einer CD, sondern wieder live, von der Bühne. Ich möchte wieder in Mozarts Musikwelt eintauchen, mit jeder Zelle meines Körpers die Musikklänge erspüren, mein Herz mit ihrer Zauber füllen. Ich griff nach dem Programm von „Don Juan“. Auf der letzten Seite fand ich die Annonce zur nächsten Aufführung: Mitte November wird der Figaro gegeben, Dirigent T. Kurentsis. Da gehe ich bestimmt hin! Mit diesem Gedanken schlief ich glücklich ein.


Übrigens, liebe Olga: Können deine Leser mal ein Bild fürs Blogteam bekommen und vielleicht auch eine kleine Biographie? Ich denke doch, deine LeserInnen wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben!

Ach ja, auch wenn unsere Olga Mozart live erleben will, nicht jeder von uns hat die Gelegenheit dazu und ein bisschen Werbung muss ich auch machen: Hier gibt es Mozart bei Jokers.

01.08.2006, 13.41 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Fremdbeiträge

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