Jokers Blog Österreich

Das beste Eis der Welt

Eissortiment.jpgGestern, nach Feierabend, stand ich vor dem kleinen Café an der größten Kirche hier und genehmigte mir noch einen Espresso. Stehend an einem Tisch. Die Sonne brannte immer noch herunter. Ich drückte mich in den Schatten, den mir die Hauswand spendierte. Plötzlich hielt ein Transporter. Vier Männer luden ein größeres Möbelstück ab und schleppten es stöhnend zu meinem Erstaunen in das kleine Café. Es handelte sich nicht um ein Klavier, sondern um eine neue Eis-Vitrine. Die Männer schnauften und schwitzten. Sie taten mir Leid. Ich half ein wenig mit. Zumindest mit klugen Worten. Aber nach einer halben Stunde hatten sie die neue Eis-Vitrine Marke „La Squada" im Café aufgebaut. Der Schweiß lief ihnen in Strömen von der Stirn. Ich schwitzte ein wenig aus Solidarität mit. Sie stiegen nach verrichteter Arbeit in ihren Transporter und fuhren davon. Dann kam der Eis-Lieferant und füllte die neue Eistruhe auf. Zehn Eis-Sorten passten in das Prachtstück hinein: Aprikose, Erdbeere, Zitrone, Schokolade, Vanille, Nuss, Mokka, Pistazie, Joghurt-Heidelbeer und Amarena. Herrliches Eis.

Eistuete.jpg„Eine Kugel für 50 Cent“ brachte der Besitzer ein Schild für Webezwecke draußen an. Günstig. Kann man echt nicht meckern. Das bunte Eis machte mich total an. Ich wollte der erste Eis-Kunde sein. Aber ich hatte mein restliches Klimpergeld schon mit dem Espresso verbraucht. Schade, schade, dachte ich mir. Nur eine Kugel Eis, das würde es voll bringen. Ich versuchte, mich mit ein paar kulturhistorischen Gedanken zum Thema Eis, abzulenken. Wer hat das Eis eigentlich erfunden? Waren es wirklich die luxuriösen Römer, die es sich vom Apennin bringen ließen, das als tolle Nachspeise zerstoßen und mit Früchten vermischt wurde? Trotz meiner geschichtlichen Gedanken wurden meine Augen in Richtung Eistruhe immer länger. Bis sie auf ein Heftchen stießen, das mir der Café-Inhaber unter die Nase hielt. Es war die Gebrauchsanweisung für die wunderbare neue italienische Eistruhe. Ich sollte lesen, wie die Temperatur von dem Ding eingestellt werden konnte. Die Gebrauchsanweisung war in deutscher Sprache. „Diese Eis-Vitrine kommt aus Österreich“ klärte mich der Italiener auf. Ich blätterte die Gebrauchsanweisung durch und stieß auf das gefragte Thema. Das las ich vor und der Café-Besitzer testete die Funktion gleich erfolgreich. Tja, so nobel spielt das Leben manchmal. Ich hatte das Glück des Tüchtigen und durfte mir drei Gratis-Kugeln Eis aussuchen. Ich nahm Pistazie, Zitrone und Aprikose in der Waffel. Mmmmm! Leckerschlecker. Ich Glückspilz. Kühl bleiben zahlt sich halt doch aus, lobte ich mich, weil ich mir schon überlegt hatte, ob ich schnell einen Banküberfall durchziehen sollte, um an das herrliche Eis zu kommen.

Im Café dudelte das Radio. Bei Klassik-Radio wurde eine kleine Geschichte über das Eis erzählt. Auch, dass Maggie Thatcher, die als eiserne Lady Großbritannien regierte, das Soft-Eis erfunden haben soll. So etwas, wer hätte das gedacht? Ich nicht. Aber hätte ich gedacht, dass ich den Abend mit dem besten Eis der Welt, einem Gratis-Eis beenden würde? Wie gesagt, kühl bleiben!

Und wem die Geschmacksrichtungen Pistazie, Zitrone und Aprikose nur noch ein gelangweiltes Gähnen entlockt, für den habe ich hier noch ein paar ganz besondere Spezialitäten entdeckt:
Guten Appetit ?

30.06.2006, 20.23 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln

Kunst als Ding an sich?

Letztens führte ich ein sehr interessantes Streitgespräch mit einem Freund. Wir waren auf dem Weg zurück aus einem verlängerten Wochenende und steckten, natürlich, im Stau fest. Es hatte geregnet, die Luft schimmerte noch. Wir hatten den Motor abgestellt, starrten vor uns hin, als wir plötzlich einen doppelten Regenbogen entdeckten.

Wir trauten unseren Augen kaum: Schillernd und leuchtend spannten sich zwei farbenprächtige Bogen auf. "Das ist wahre Schönheit", bemerkte mein Freund. "Die Schönheit als eigenständige Entität." Ich jedoch war anderer Meinung: Wie kann die Schönheit als Ding an sich existieren?

Meiner Ansicht nach entsteht Schönheit als Interpretationsvorgang: Die Schönheit liegt also im Auge des Betrachters. Selbstverständlich existiert die Natur auch ohne den Menschen als "Konsument", die beeindruckenden Naturspektakel finden auch ohne das menschliche Auge als Referenz statt. Und doch sind sie vollkommen wertfrei, weder schön noch hässlich, vielmehr SIND sie einfach.

Nein, Schönheit an sich gibt es nicht, Schönheit entsteht in meinem Kopf. Man sagt, dass die Fähigkeit, Kunst zu schaffen und zu genießen, den Menschen vom Tier unterscheidet. Vielleicht ist es so. Doch in Asien werden Elefanten trainiert, Bilder mit dem Rüssel zu malen. Können sie ihre Gemälde nach ästhetischen Kriterien wertschätzen? Ich bezweifle es.

Die Tauben, die sich unter meinem Dach eingenistet haben, erzeugen wunderbare Melodien, wenn sie unter den Ziegeln spazieren - doch fühlen sie sich als Komponisten? Manchmal aber will ich gar nicht weiter über diese philosophischen Hintergründe nachgrübeln. Manchmal will ich einfach genießen. Vor allem, wenn es einen überzeugenden Anlass gibt: Am 14.07. feiern wir den 400. Geburtstag von Rembrandt. Wenn ich seine Kunstwerke betrachte, lasse ich mich vollkommen auf dieses Gefühl ein, Schönheit zu erleben. Dann interessiert es mich nicht mehr, ob diese Schönheit als Ding an sich oder nur in meinem Kopf entsteht.

Kunst bei Jokers

28.06.2006, 20.14 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kunst

Nie mehr ohne mein Lexikon

Ich spreche gut Spanisch. Eigentlich. Zumindest dachte ich das bis vor kurzem. Da brachten mich nämlich einige Ereignisse während eines Kurzurlaubs an der spanischen Küste an meine sprachliche Grenze.

Wüssten Sie spontan, was "Die Antriebswelle meines Autos hat sich im Relies festgekrallt" bedeutet? Oder wie man ein Anti-Warzen-Mittel in der Apotheke bestellt, das für Kleinkinder geeignet ist? Meine Übersetzungsversuche müssen sich recht abenteuerlich angehört haben. Nicht, dass sie etwas gebracht hätten: In der Werkstatt wollten sie erst einen Ölwechsel vornehmen und in der "farmacia" gaben sie mir Aspirin. Was damit endete, dass ich einen ganzen Ferientag verlor und wir die Babywarzen des Kindes meiner Freunde erst mal unbehandelt ließen. Dafür werden uns die Kopfschmerzmittel so schnell nicht ausgehen.

Was brachte mich dazu, ohne Lexikon loszudüsen? Fühlte ich mich wirklich so sprachsicher, in allen Situationen das passende Wort zu finden? Eigentlich schon. Aber, wie man sieht, wurde ich schnell eines besseren belehrt. Denn als Nicht-Muttersprachler kann man eine Sprache noch so gut sprechen - niemals wird man tatsächlich jeden möglichen Begriff kennen.

Und mal ehrlich: Können Sie mit Exaktheit auf Deutsch definieren, was die Antriebswelle im Auto ist? Ich nicht. Geschweige denn auf Spanisch. Eines haben mir die Erfahrungen dieser Reise gebracht: Ich werde nie mehr ohne mein Lexikon losziehen. Sicher ist sicher.


26.06.2006, 20.13 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches

Wind unter meinen Flügeln

Vor einiger Zeit wollte ich mal wieder Fliegen gehen: Die spanischen Pyrenäen standen auf meiner Wunschliste schon seit langem ganz oben. Die Organisation des Trips gab ich dabei jedoch leider aus der Hand. Ein zeitraubender Fehler, wie mir bald klar wurde: Paragleiten ist, eigentlich einleuchtend, hochgradig von den Wetterbedingungen abhängig. Normalerweise startet man keinen Ausflug zum Fliegen, ohne sich vorher mit Wetterprognosen, Windvorhersagen und so weiter auseinandergesetzt zu haben. Doch genau diese Aufgabe überließ ich dieses Mal meinem spanischen Freund. Zumal ich mich nicht besonders in Sachen Meteorologie auskenne. Mein Kumpel allerdings schon - zumindest behauptete er das. Doch das Wochenende stand von Anfang an unter keinem guten Stern: Es begann damit, dass der Flieger erst mit zweistündiger Verspätung von Wien nach Madrid abhob - wegen eines starken Gewitters in Madrid. Von der spanischen Hauptstadt aus wollten wir am übernächsten Tag weiter in die Pyrenäen: Eine ziemlich langwierige, anstrengende Fahrt. Doch irgendwann waren wir tatsächlich in Castejon de Sos angekommen - voller Vorfreude auf einige tolle Flüge. Wir quartierten uns in einer kleinen Pension ein und zogen am nächsten Tag los zum Startplatz: 2 Stunden bergauf mit gut 20 kg auf dem Rücken - das macht nicht wirklich Spaß. Aber wenn man dann, endlich schweißnass oben angekommen, feststellt, dass die Windfahne wunderschön bergabwärts zeigt, weil ein ziemlich rasanter Rückenwind seine Späßchen treibt, ist das frustrierend. Gelinde gesagt. Nach vierstündiger Wartezeit, in der der Wind immer mehr auffrischte (dabei stur die falsche Richtung beibehielt), kletterten wir den Berg wieder hinab. Mit dem ganzen Gewicht. Was war schief gegangen? Vor allem eins: Ich hatte mich auf die Angaben meines Freundes verlassen, das Wetter gecheckt zu haben. Hatte er aber natürlich nicht. Er ist ja Spanier. Und Spanier sind in dieser Hinsicht ziemlich blauäugig: Wird schon passen, lautet die Devise. Manchmal passt es halt dann doch nicht. Wenn sich der überregionale Wind durchsetzt, nützt es beim Fliegen wenig, wenn es "sonst immer stimmt". Aber es ist auch meine eigene Schuld: Weil ich nie rechte Lust hatte, meine meteorologischen Kenntnisse ein wenig aufzufrischen, habe ich ihm aus Bequemlichkeit einfach vertraut. Idiotisch - weil es nämlich gar nicht so schwer ist, sich ein wenig Durchblick zu verschaffen. Wieder zu Hause durchforstete ich gleich unser Programm nach Büchern zum Thema Wetter. Und wurde fündig. Jetzt schmökere ich bis zum nächsten Kurzurlaub jeden Tag ein wenig im "Bergwetter". Ein bisschen mehr über das Wetter zu wissen schadet nämlich nie: Auch bei Bergwanderungen spielen Wind und Wetter ja eine erhebliche Rolle.

23.06.2006, 23.00 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches

Vom Colloseum zur Allianz-Arena

Kürzlich bestaunte ich in Rom das beeindruckende Kolosseum. Unglaublich, dass bereits in der Antike solch gigantische Bauten entstehen konnte... Doch damals wie heute galt: Das Volk muss unterhalten werden. Damals natürlich mit fragwürdigen Mitteln, wie wir heute glauben.Brot und Spiele (panem et circenses) war das Motto. Tausende stürmten in die Arenen, um sich Gladiatorenspiele zu Gemüte zu führen. Heute sind es die riesigen Fußballstadien, die regelmäßig vom Jubel Zehntausender widerhallen. Der Sport ist im 21. Jahrhundert ein nationales wie internationales Großereignis und bedeutender Wirtschaftsfaktor. Die entstandenen Bauten sind architektonische Meisterleistungen: Sie bestechen mit ausgefeilter Technik und überzeugender Ästhetik. 2006 ist das Jahr des Sports - nicht nur wegen des Fußballs. Das Architekturmuseum der TU München zeigt deshalb eine Ausstellung der ganz besonderen Art: In der Pinakothek der Moderne können noch bis zum 3. September Bilder, Fotos, Filme, Animationen und Modelle in der Ausstellung "Architektur + Sport. Vom antiken Stadion zur modernen Arena" bestaunt werden. Von antiken Arenen und Stadien über mittelalterliche Turnierplätze, Fechtgebäude der Renaissance und Ballhäuser der frühen Neuzeit bis zu den modernen Sportbauten und olympischen Anlagen: Die komplette Geschichte der Sportarchitektur kann anschaulich nachvollzogen werden. Ich werde auf alle Fälle den nächsten verregneten freien Tag für einen Besuch nutzen!

22.06.2006, 22.58 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kunst

Determinismus pur

Wenn man einfach so ein bisschen surft und die große weite Internet-Welt an sich vorbei ziehen lässt, sich tragen lässt von einer lockeren Assoziationskette, vielleicht einmal den großen Ereignissen der Weltgeschichte nachstöbert und ein bestimmtes Datum eingibt, kann es sein, dass man, ganz überraschend, über die Philosophie stolpert. Unter anderem über den Determinismus.

Denn eine Internetseite wandelt ein beliebtes Beispiel zur Erklärung des Determinismus so ab: Schon heute ist entweder wahr oder falsch, ob Anna Schmidt am 20.Juni 2065 heiratet. Denn eine Aussage ist immer entweder wahr oder falsch, und dies zeitlos, also über die Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg. Innerhalb des theologischen Determinismus führt dies natürlich zu einer ganz speziellen Problematik: Wenn Gott weiß, dass Anna an genanntem Tag in der Zukunft heiratet, dies also feststeht - wo bleibt denn dann unsere hoch gelobte Willensfreiheit? Wenn alles in und um die Welt determiniert ist, wie können wir uns frei entscheiden? Wie können wir so zum Beispiel auch für unsere eigenen Taten, ob gut oder böse, zur Rechenschaft gezogen werden?

Leider bringt der Gedanke, dass halt "Einiges" vorherbestimmt ist und das "Meiste" nicht, im rein logischen Sinn wenig: Denn die deterministische Idee gilt nur dann, wenn tatsächlich immer ein "Laplacescher Dämon", ein überirdisches Wesen, in alle Naturgesetze beständigen Einblick hat. Aber, wie wir alle wissen: Die minimale Abänderung einer der Ausgangsbedingungen führt wiederum zu einem komplett anderem Ergebnis... Dem menschlichem Verstand ist es unmöglich, diese Kausalbedingungen auch nur ansatzweise zu erkennen...

Dasselbe gilt für die "hinreichenden Ursachen": Wer um alles in der Welt kann das Konglomerat hinreichenden Ursachen erkennen, die zwangsläufig ein bestimmtes Ereignis zur Folge haben? Alles ganz schön verwirrend. Vielleicht einigen wir uns doch darauf, dass Anna am 20. Juni jenes zukünftigen Jahres heiratet, weil sie ihren Egon oder Bert oder Xavier ganz einfach liebt. Und wenn es um Gefühle geht, hilft ja bekanntlich die ganze Logik nichts.

Philosophie bei Jokers

16.06.2006, 13.58 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Sachbücher

Book-Crossing

Letztens saß ich in der muffligen U-Bahn in Wien. Als ich endlich einen Sitzplatz ergatterte und dennoch immer noch eine halbe Stunde Fahrt vor mir hatte (ich wollte einen Bekannten vom Flughafen abholen), war mein Ärger groß: Ich hatte mein Buch vergessen, um mir die öde Fahrt zu versüßen. Was gibt es Langweiligeres als die öffentliche Verkehrsmittel ohne Lesestoff... Was ist eigentlich aus den Bücherzügen und -bussen geworden, die vor gar nicht allzu langer Zeit angekündigt wurden? Doch nur ein Marketing-Gag der Bahn?

Ich starrte wütend vor mich hin, als plötzlich ein roter Farbklecks meine Aufmerksamkeit erregte: Steckte doch, eingeklemmt zwischen Polster und Wand, ein abgegriffenes Taschenbüchlein in der Ritze! Ich schnappte es mir, es war ein englischer Titel von einem mir bis dato unbekannten Autor. Ich blätterte gleich mal drauf los, las einige der vergnüglichen Passagen schnell durch, schnupperte an dem vergilbten Papier. Und dann entdeckte ich gleich auf der ersten Seite einen Namen und den Herkunftsort: This book belonged to Susan Herwith, New Zealand, stand da handschriftlich hingekrakelt. Und darunter stand eine Nummer mit dem Hinweis: Bookcrossing.com Wow! Ich hielt ein echt weit gereistes Buch in meinen Händen, von Neuseeland aus hatte es einen Weg zu mir gefunden! Ich nahm es mit.

Zu Hause machte ich mich im Internet schlau: Bookcrossing ist ein weltweites Netz, in dem jeder seine gelesenen Bücher in die Freiheit der wilden Welt entlassen kann: Versehen mit einer Nummer, die die Rückverfolgung des Aufenthaltsorts des Buchs per Internet ermöglicht, schickt man seine Schmöker auf Reisen. Und beobachtet dann gespannt, wohin es die Lieblingsstücke verschlägt... In diesem Fall nach Österreich, in eine Wiener U-Bahn. Natürlich meldete ich mich gleich als neuer Zwischen-Leser an.

Diese Idee hat etwas ganz Besonderes: Nicht nur, dass dies die beste Entsorgung der ausgedienten Bücher ist - auf diese Weise kann der stolze Vorbesitzer auch so manchen Weltenbummel erleben - zwar nur digital, aber immerhin... Étwas abgewandelt scheint der bekannte Songtext in meinen Ohren wiederzuhallen: "Will you still need me, will you still read me, when I´m 64?" Jetzt, meine lieben, alten Bücher, dürft ihr im Alter die ganze Welt erobern!

13.06.2006, 13.55 | (2/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Bücher allgemein

Der Dalai Lama und Tim und Struppi

"Dalai Lama ehrt Tim und Struppi sowie Erzbischof Tutu" las ich kürzlich in einem Online-Nachrichtenportal. Und zwar genau in dieser Reihenfolge: Als ob es nicht schon außergewöhnlich genug wäre, dass der Dalai Lama en persona Comicfiguren ehren würde, nein, sie scheinen sogar wichtiger zu sein als der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu.

Warum um alles in der Welt sind Comics dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter so wichtig, fragte ich mich und las fasziniert weiter. Und wurde schlauer: "Tim in Tibet" hieß eine Folge von 1959, die in China kurzerhand umbenannt wurde: "Tim im chinesischen Tibet". Im selben Jahr, also 1959, floh der Dalai Lama vor der chinesischen Besatzungsmacht aus Tibet nach Indien. Die Hergé-Stiftung, die zu Ehren des Autors gegründet wurde, rief die chinesische Version von "Tim in Tibet" 2001 zurück. Es handelte sich schließlich um eine unerlaubte Titeländerung.

Irgendwo hier liegt auch die Parallele zwischen der Ehrung der Comichelden und der Helden aus Fleisch und Blut: Erzbischof Tutu ist bekannt für seinen geistigen Kampf gegen Apartheid und Ungerechtigkeit. Er hat weltweit zahlreiche Exil-Tibeter motiviert und inspiriert. So wie eben auch "Tim und Struppi".

09.06.2006, 13.17 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches

Der Ball rollt wieder!

Jetzt ist es soweit: Der Ball rollt wieder und Millionen von Fußballfans fiebern mit ihrem Nationalteam dem Pokal entgegen... Wer wird Weltmeister? Nichts anderes scheint in den nächsten Wochen mehr wichtig. Doch was machen die Millionen Menschen, die das runde Leder gar nicht interessiert? Der Fernseher ist blockiert, die Kneipen sind mit grölenden Fans überfüllt, und auch im Supermarkt stolpert man über Knirpse im Trikot.

Wie soll ich dem Fußball ausweichen? Ich weiß mir keine Abhilfe mehr. Lesen ist selbst zu Hause kaum mehr möglich, denn meine Frau gehört zum Lager der Fußballfans. Mit ihren Freundinnen und Bekannten blockiert sie das Wohnzimmer, vor dem TV werden Proseccoflaschen und Sechsertragerl geleert, Chipstüten überall...

Ich ziehe mich vor den Computer zurück, der steht zum Glück im Arbeitszimmer, schlürfe eine Melange und tobe mich bei unserem neuen Online-Spiel aus: Die Jokers Fußball-Meisterschaft ist selbst für Leute wie mich etwas!

Hier geht´s zu unserem Jokers Fußballspiel

09.06.2006, 10.38 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches

Paulinchen, die Pyromanin?

Mensch, jetzt sitz doch mal still« wie oft habe ich als Kind diesen Satz von meiner Mutter gehört! Wenn draußen die Sonne schien, die Vögel sangen und meine Freunde bereits auf dem Bolzplatz das vierte Tor schossen, ich aber erst noch brav zu Ende essen musste, konnte ich mich nur mühsam am Esstisch halten. »

Alter Zappelphilipp« entfuhr es meiner Mutter gerne. Woran sie und viele Menschen damals bei diesem Ausspruch niemals gedacht hätten, ist heute weit verbreitet. Psychologen würden der Figur aus dem »Struwwelpeter«, die vor lauter Unruhe schließlich gleich den kompletten Esstisch umreißt (»Was der Vater essen wollt, unten auf der Erde rollt«), ohne lange zu zögern eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS) attestieren. Auch das Ruhelose-Beine-Syndrom (Restless Legs Syndrom RLS) wird heutzutage gerne mit dem Zappelphilipp verbunden.

Die Geschichte von »Hans-guck-in-die-Luft« könnte ebenso von einem Kind handeln, das an ADS leidet. »Die gar traurige Geschichte mit dem Feuerzeug«, in der Paulinchen höchst dramatisch verbrennt (»Es brennt die Hand, es brennt das Haar, es brennt das ganze Kind sogar«) wurde von den Skandal-Musikern Rammstein gar pyroman interpretiert.

Nicht, dass ich auch nur ansatzweise hyperaktiv gewesen wäre! Wie die meisten Kinder war ich ein vollkommen normaler Junge. Genauso ein normales Kind wie Carl, der Sohn Heinrich Hoffmanns. Weil er kein geeignetes Bilderbuch fand, entschied sich der Arzt im Jahre 1844 kurzerhand, das Weihnachtsgeschenk für seinen Sohn selbst zu machen. In ein leeres Schreibheft schrieb und zeichnete er »Geschichten und lustige Bilder für Kinder von 36 Jahren«. Vor allem die Moral war ihm wichtig, handelte sein Werk ja hauptsächlich von bösen Kindern, die ihren Eltern nicht folgen, und denen daher etwas Schlimmes als Strafe widerfährt.

Heute wie damals sind Eltern wie auch Kinder gleichermaßen fasziniert von den teils lustigen, teils martialischen (»Weh! Jetzt geht es klipp und klapp mit der Scher' die Daumen ab«) Geschichten.

Und die Moral von der Geschicht? Der Struwwelpeter ist einfach ein Klassiker. Für brave wie böse Kinder und Erwachsene mit viel Platz für Fantasie und Interpretation.

08.06.2006, 15.46 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kinder und Jugend

Ein Muskelprotz unter den Fischen?


Ist Ihnen schon einmal eine „Muskellunge“ begegnet? Mir auch noch nicht. Zumindest bis gestern. Da stieß ich beim Stöbern in ein paar alten Fachzeitschriften auf die Überschrift: „Muskellunge frisst Bisamratte“. Im ersten Moment überkam mich ein Schaudern und vor meinem geistigen Auge entstanden Szenen wie aus alten Horrorstreifen der frühen 80er-Jahre. Doch beim zweiten Hinsehen entpuppte sich das Blatt als Fachorgan für Angler, und das „Monster“ als seltener Fisch der Hecht-Familie, wie er heute vor allem noch in Nordamerika vorkommt.
Der Name an sich klingt sehr seltsam, hat aber weder mit „Muskel“ noch mit „Lunge“ zu tun. Nähere Recherchen ergaben, dass er sich aus einem Wort der Ojibwa, einem nordamerikanischen Indianervolk, ableitet. Aus „maashkinoozhe“ (in etwa gleichbedeutend mit „hässlicher Hecht“) wurde „Muskellunge“. Ein Wort - eine vollkommen andere Bedeutung: Hatte ich bei näherem (und weniger intuitivem) Nachdenken über den Begriff noch die Assoziation „Marathon-Läufer“, wäre ich ohne weiteres Nachschlagen niemals auf die Bezeichnung für einen Fisch gekommen. Und das, obwohl dieses Phänomen gerade unter Tiernamen sehr häufig zu finden ist. Das „Schlehen-Federgeistchen“ zum Beispiel ist ein Schmetterling – allerdings sieht er (anders als die „Muskellunge“, die weder etwas „muskulöses“ an sich hat, noch an ein Atmungsorgan erinnert) auch tatsächlich aus wie ein kleines Geistchen… Der Palpenläufer mag zwar auch bei gutem Willen zunächst nach Marathon klingen, gehört aber tatsächlich zu den Spinnentieren.
Solche Namen sind für mich immer eine großartige Gelegenheit, ein bisschen in den Untiefen der Etymologie zu schmökern. Das Standardwerk ist dabei „der große Störig“, das Wörterbuch der deutschen Sprache. Allerdings lässt sogar er ein paar Fragen offen, die mich interessieren würden. Zum Beispiel: Hat der „Störig“ gar mit dem „Stör“ zu tun? Und hilft mir bei dieser Frage (wie bei der „Muskellunge“) etwa auch das „illustrierte Lexikon der Fische“ weiter?...

08.06.2006, 11.19 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein

Mein Haus, mein Auto, mein Gebet?

Zuerst ging ein päpstliches Haus durch die Presse: Einen neuen Anstrich bekam der alte Wohnsitz des neuen Kirchenoberhauptes, Papst Benedikt XVI. Nun ist das Auto von Papst Johannes Paul II. in aller Munde bzw. auf allen Bildschirmen: Für den FSO Warszawa M20, einen russisch-polnischen Nachbau eines Ford-Modells aus den 50er Jahren, wurden sage und schreibe XXX (hier füge ich noch die Summe ein, steht im Moment bei 65.000) Dollar auf den Tisch geblättert. Elektronisch, denn das Vehikel wurde bei Ebay versteigert. Ob es wohl noch fährt, mag sich so manch einer verwundert fragen?

Was mich verblüfft ist, welch Aufsehen derartige Besitztümer erregen... Wieso steigt der Verkaufswert eines Objekts mit dem Grad der Berühmtheit seines Besitzers? Was verspricht sich der Käufer von seinem Neuerwerb? Eine weitere Wertsteigerung wohl kaum... Soll etwas von dem Ruhm des ehemaligen Eigentümers auf ihn abfallen? Auch das kann nicht der Beweggrund sein, so viel Geld für ein altes Auto hinzulegen, das nicht mal ein echter Oldtimer ist... Wer kennt denn schon dieses Modell? Ich zumindest hatte bis dato keine Ahnung, dass es existierte... Und auch als Reliquie ist das Fahrzeug noch nicht zu gebrauchen. Seelenheil erwirbt man folglich kaum damit. Was also ist es, das uns so fasziniert auf die berühmten Objekte blicken lässt?

06.06.2006, 10.47 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches

Das Sandmännchen und der MP3-Player

Was ist das doch für eine tolle Zeit, in der wir leben! In den Tagen von MP3-Playern mit bis zu 60 Gigabyte Speicher kann so mancher seine komplette CD-Sammlung handlich und fein säuberlich in den kleinen Kasten gepackt überall mit sich herum tragen. Zum Sport, beim Joggen, beim Radfahren, im Bus und in der Straßenbahn – Musik immer und überall. Bei solch großen Speichermöglichkeiten lade ich grundsätzlich meine Hörbücher gleich mit auf meinen kleinen Player.

Ganze Bücherregale habe ich so schon leer gehört – an den schönsten Orten. Da ergibt sich gleich eine vollkommen neue Form des Nachschlagens! Einfach Hörbuch und Kapitel auswählen, Lieblingsstelle beliebig oft laufen lassen und je nach Bedarf immer wieder zurück „skippen“. Schon kann man die Lieblingsstelle auswendig. Sehr praktisch, um Bekannte und Freunde zu beeindrucken.

Auch abends im Bett schalte ich gern Hörbücher im MP3-Player ein: zum Einschlafen. Dann wirken auch die spannendsten Thriller auf mich wie das Sandmännchen. In weniger als fünf Minuten bin ich meistens eingeschlafen. In bester Absicht, dieses Mal wenigstens bis zum Ende des nächsten Kapitels wach zu bleiben, schalte ich am nächsten Abend wieder das Gerät ein. Doch wieder ist es das Gleiche: Nach ein paar Atemzügen bin ich weg, auch ohne Schäfchenzählen.

Jetzt hab ich allerdings etwas entdeckt: Anstatt langer Romane höre ich ab sofort zum Einschlafen Gedichte! Und zwar gleich die Gedichte und Balladen von Friedrich Schiller. Zum einen kann man die wirklich nicht oft genug hören und zum anderen sollte man die für Smalltalk auf gehobenen Partys auswendig können. Zumindest die Anfänge davon

Hörbücher bei Jokers


02.06.2006, 19.41 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hörothek

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