Jokers Blog Österreich

Rubens heute

Meine Frau schleppte kürzlich einen Stapel Zeitschriften nach Hause. Frauenzeitschriften. Mit ungefähr 5 von diesen Magazinen in der Hand verschwand sie für Stunden. Irgendwann am späten Abend begann ich dann doch, mir Sorgen zu machen: Was denn los sei, wollt ich wissen? Zur Antwort bekam ich nur ein kurzes Schnauben. Also setzte ich mich neben sie auf die Couch, schnappte mir auch so ein Heft und begann, es durchzublättern. Nach 2 Minuten war ich fertig und holte mir das nächste. Nach 5 Minuten konnte ich es nicht mehr ertragen: "Sag mal, Liebes, bringen die auch was anderes als Superschnelldiäten?" "Es ist FRÜHLING! Wir Mädels wollen unseren Körper in Form bringen!" kam postwendend zurück. Mir schwante Böses. War wieder die Zeit der Rohkost angebrochen?

Entmutigt überflog ich die verschiedenen Artikel - bis meine Augen an einem Gemälde hängen blieben: Eine nackte Dame mit reichlich Rundungen räkelte sich auf einem Diwan. Klar: Am 30. Mai ist der 366. Todestag Rubens! Ich wurde unsicher. Gefiel mir nun diese beleibte Muse auf dem Bild oder nicht? Heimlich verglich ich die antike Schönheit mit einem Foto eines spindeldünnen Models. Ich weiß nicht recht. Ich sah meine Frau an und fand sie einfach perfekt: Irgendwas zwischendrin zwischen Supermodel und Rubensfigur. Ganz leise, fast schon kleinlaut sagte ich zu ihr: "Du, das Idealbild der Figur ist so was von kulturell bedingt" und schob ihr das Rubens- Bild zu. Sie guckte es sich an und ihre Augen wurden immer größer. Und dann blätterte sie von ihrer Diät-Seite weiter zu den Rezeptvorschlägen. Innerlich dankte ich Rubens.

Rubens bei Jokers

30.05.2006, 13.26 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kunst

Kein Märchen!

Angenommen, Sie haben einen schönen Garten vor dem Haus, den Sie mit Liebe pflegen, und morgen kommt der Gesetzgeber und sagt: Schöne Gärten sind für alle da. Weg mit Ihrem Zaun, auch andere Leute wollen Ihren Garten nutzen und bitte stellen Sie auch genügend Stühle auf, damit sich jeder setzen kann, der bei Ihnen vorbeikommt.

Sie glauben, das sei unrealistisch? So etwas macht der Gesetzgeber nicht? Doch, bei unseren Nachbarn in Deutschland sind die PolitikerInnen auf eine solche Idee gekommen. Aus Geldnot wollen sie dort das Urheberrecht ändern. Im Entwurf eines neuen Paragraphen 52b UrhG legen sie fest, dass es an elektronischen Leseplätzen in öffentlichen Bibliotheken, Museen und Archiven möglich sein soll wissenschaftliche Werke ohne Bezahlung durch die öffentlichen Institutionen zu lesen. Darüber hinaus rät der Bundesrat der Bundesregierung, dass öffentliche Bibliotheken Kopien dieser Werke gratis als graphische Datei verschicken dürfen, selbst dann, wenn der Verlag das Werk kostenpflichtig in elektronischer Form anbietet. Angeblich fördere dies den Wissenschaftsstandort Deutschland.

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Auf den ersten Blick vielleicht. Aber mal ehrlich: Wie lange würden Sie als Verlag oder als Autor, der sie von Ihrer Arbeit leben müssen, kostenlos für andere Leute arbeiten? Oder im Vorgarten-Beispiel: Wie lange würden Sie Ihren Garten für Hinz und Kunz mit Rosen bepflanzen und sauber halten? Sehen Sie! Hoffen wir mal, dass unsere Politiker sich darab kein Beispiel nehmen.

29.05.2006, 11.07 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein

Der Bär ist los!

Da läuft ein Bär durchs grünhügelige Allgäu, durch die Alpen und schert sich nicht um die Grenzen zwischen Österreich, Schweiz und Deutschland. Es ist allerdings nicht der mütterliche Bär, der seinem Kind die Milchflasche in den Mund steckt. Seit 1912 sind die beiden Bären das Logo für die Kondensmilch zum Kaffee. Das liegt daran, dass die dazugehörige Milchfirma aus dem Schweizer Kanton Bern stammt, der den Bären als Wappentier hat. Der Kaffeeemilch-Bär wanderte mit seiner Firma 1917 in das Allgäu. Wer den alten gezeichneten Dosenmilch-Werbebären sieht, erkennt schnell, wie grimmig Bären dreinschauen können. Der moderne Milch-Bär hingegen grinst freundlich, als könne er keinem Menschen etwas zuleide tun.
Weil der echte Bär im Allgäu, der vor einigen Tagen auftauchte, aus Hunger schon ein Schaf gerissen hat, ist die Bevölkerung in heller Aufregung und streitet über das Lebensrecht des Bären. Einem Bär ist halt leichter beizukommen als einem Vogelgrippe-Virus, weswegen Hunderttausende von Hühnern abgeschlachtet und vernichtet werden. Ohne ein natürliches Hungergefühl zu bekämpfen.
Für die Medien ist der Bär ein gefundenes Fressen. Jetzt erfahren die Menschen um den Bodensee herum, wie man sich verhalten soll, wenn vor einem der Bär auftauchen sollte. Hunderte von Fotografen und Kameraleuten warten aufgeregt darauf, dass Meister Petz auf der Suche nach Nahrung und einem Gefährten vor ihre Linse kommt. Sollte das zu lange dauern, können sie ja das nette Lied von Balu, dem kuscheligen Bären aus dem Dschungelbuch-Trickfilm, vor sich hinsummen: „Versuch's mal mit Gemütlichkeit ..." Das Dschungelkind Mowgli lernt vom alten Balu, dass Honig und Nüsse genau so gut schmecken wie rohes Fleisch. Vielleicht liegt neben den gestressten Reportern auch noch eine Tüte bunter Gummi-Bären, die sie zur Entspannung kauen können.
Sollten die Journalisten schlimmen Hunger bekommen, müssen sie sich nicht auf ein Schaf stürzen, nein, sie können sich auch auf den Bären stürzen, der zu Römerzeiten im Colosseum getötet und dann - bis auf die Milz - genüsslich verspeist wurde. Das Fell des Bären diente als feste Kleidung und Sattel. Sein Fett, die Galle, das Blut und die Hoden wurden zur Heilung von Krankheiten verwendet und in der Landwirtschaft zur Bekämpfung von Raupen, Läusen und Frostschäden. Ob Sie aber mit ihm klarkommen? Sicherer für die ausharrenden Journalisten, denen der Magen knurrt, ist sicher das Verspeisen von Beeren.

26.05.2006, 19.07 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: In der Presse

Traumdeuten nach Freud?

Ein Freund rief mich kürzlich ziemlich verstört an: Einen grässlichen Albtraum habe er die Nacht zuvor gehabt. Ich seufzte innerlich: Wieso nur habe ich irgendwann einmal in geselliger Runde meine Freunde drauf aufmerksam gemacht, dass ich mich einmal ausgiebig mit der Traumdeuterei nach Freud beschäftigte? Seitdem gibt es kein Entrinnen: Nicht nur ihre schönen Träume (das wäre ja noch angenehm), nein, auch ihre schrecklichsten Gespenster, die sie im Schlaf heimsuchen, müssen sie mir erzählen. Immer in der Hoffnung auf eine adäquate Deutung durch mich, logisch.

Ich würde mich selbst nun nicht gerade als Freudianer bezeichnen, Fan der Psychoanalyse bin ich nun wirklich nicht, aber seine Eingabe, den Traum als Symptom zu behandeln, war genial. Denn schließlich folgt aus dieser Ansicht, dass die Psychoanalyse und mithin die Psychologie auch zum Verständnis des "normalen" Seelenlebens hilfreich sind. Träume sind schlussendlich nicht krankhaft, sondern auch bei einem psychisch gesunden Menschen vorhanden - gute wie schlechte. Mit dieser Erkenntnis etablierte sich die Psychologie als neue und gründliche Seelenkunde, zumindest sah Freud dies so.

Aber zurück zu meinem Freund: Ohne auf Freuds Interpretationen zurückzugreifen, riet ich ihm einfach, bald in den Urlaub zu fahren - ein bisschen Abstand von dem Alltagstrubel soll so manchem geholfen haben, Albträume loszuwerden.

26.05.2006, 10.02 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kulturgeschichte

Gegen den Trend

Während der so genannte stationäre Buchhandel entweder zurückgeht oder stagniert, freut sich der Versandbuchhandel über steigende Umsätze. Im letzten Jahr sollen es etwa 10 Prozent Umsatzzuwachs gewesen sein. Online hat man etwa 7 Prozent zugelegt. Und das, obwohl es doch im Internet keine Beratung im klassischen Sinn gibt.
buchregal.JPG
Ein weiterer Trend ist die Zunahme von Gebrauchtbuchbörsen im Web. Immer mehr Menschen würden ihre alten Bücher über Internetauktionshäuser oder andere Gebrauchtbuch-Plattformen wieder verkaufen.

Was mich in dem Zusammenhang interessiert: Aus welchen Gründen kaufen Sie im Internet Bücher? Und: Würden Sie eine Gebrauchtbuchbörse von Jokers nutzen, wenn es keine Einstellgebühren gäbe?

24.05.2006, 08.40 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein

Vom Märchenprinzen wachgeküsst...

"Wer hätte das gedacht?", entfuhr es mir gestern Abend, als ich mich mit Beate zum gemütlichen Kneipenbummel traf. Einmal im Vierteljahr ziehe ich mit meiner besten Freundin um die Häuser, und wir bringen uns gegenseitig auf den neuesten Stand der Gemütslage des anderen. Dabei ist mir eine Veränderung an Beate aufgefallen, wie ich sie nie für möglich gehalten hätte: Beate, Anfang 30, ledig, selbständige und vor allem erfolgreiche Geschäftsfrau war noch vor zwei Jahren glühender "Sex and the City"-Fan und verschlang jeden Roman, der nur ansatzweise nach tougher, unabhängiger Powerfrau mit abenteuerlichen Männergeschichten roch. Doch gestern erschien sie mir so vollkommen anders.
"Ich habe meinen Märchenprinz gefunden", rückte sie endlich nach dem zweiten Glas Wein heraus. "Seit langer Zeit bin ich wieder verliebt. Wir wollen nächsten Monat zusammenziehen." Auch die Hausarbeit sieht sie plötzlich im ganz neuen Glanz: "Ich mach jetzt an der VHS einen Kochkurs. Das musste schon lange mal sein. Liebe geht ja schließlich auch durch den Magen." Donnerwetter! Ein bis dato überzeugter Single ist zum verkuschelten Hausmenschen mutiert!
Die Entwicklung schlägt sich, was mich besonders interessiert, auch in Beates Bücherwahl nieder, denn jetzt kommt ihre poetische Ader zur Geltung, “quasi wach geküsst vom Märchenprinzen". Sie erzählte mir, dass sie nicht nur die gesammelten Gedichte von Joseph von Eichendorff liest, sondern sich neuerdings auch sämtlichen Märchen von Hans Christian Andersen angenommen hat. Nur so könne sie die passenden Worte finden für ihr gerade so glückliches Seelenleben.



Nun denn! Ich freue mich für sie. Denn so froh habe ich sie schon lange nicht mehr gesehen. Und so höre ich schon die Nachtigall - und zwar trapsen. Zumindest, was ihr zukünftiges Familienleben angeht...

22.05.2006, 10.00 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln

Biergartenzeit

Gestern bin ich mit meinem neuen Rad heimgefahren. Aber nicht gleich. Ich radelte an meiner Stammkneipe vorbei. Da hielt ich, bestellte mir als Radler ein Radler und setzte mich in den kleinen Biergarten, an dessen Rand der Wirt Max gerade Blumen pflanzte. Am Biertisch saßen noch zwei Männer. Sie sprachen über Autos. Einer war ein Fan amerikanischer Straßenkreuzer. Er war mit seinem Buick da. Dreißig Jahre alt. Mindestens. Er erzählte von seinem schlimmsten Tag, den er jemals erlebte. Er fuhr einmal mit einem wertvollen Cadillac in Richtung Wien. Plötzlich rauchte es aus dem Armaturenbrett. Er haute die Bremse rein. Die Feuerwehr kam. Das Auto war fast schon ganz abgebrannt. Die Sitze waren nämlich dick mit Kokosfasern gefüllt. Luxuriös eben. Er musste weinen, als sein Straßenkreuzer nur noch Schrott und Asche war. Dann erzählte der andere was von raffinierten Auto-Dieben.

Es klingelte. Ein weiterer Gast kam mit seinem Rad an. Auch ein neues Rad. Ein supersportliches BMX-Rad. Ich stand auf und schaute es mir an. Die Dämmerung ging in die Nacht über. Er zeigte mir die Bremsen mit Öl-Hydraulik. Wow! Die Teleskop-Gabel konnte ein- und ausgeschaltet werden. Wow! Bergauf aus, weil nicht günstig. Ich durfte das Rad hochheben. Leicht wie eine Feder. Wow! Dann ging ich zu meinem Rad. Der Wirt, ein Biker, kam hinzu. Ich ließ ihn raten, wo der Dynamo sitzt, für die Lampe. Er wusste es nicht. Ich wusste es vor dem Radlkauf ebenfalls nicht. Bei meinem neuen Rad ist nämlich der Dynamo in der dicken Nabe des Vorderreifens verborgen. Ich bekam den Eindruck, ganz gut mit dem Straßenkreuzer-Besitzer mithalten zu können, der gleich noch ein Bier bestellte und beschloss, das Auto stehen zu lassen.

Stolz radelte ich durch die dunklen Straßen und erinnerte mich an mein letztes Rad, das mir vorigen Sommer gestohlen wurde. Na gut, ich hatte es vor dem Freibad abgestellt, unabgesperrt. Heimlich hatte ich mir gewünscht, dass es jemand mitnimmt. Mit diesem Rad, gebraucht gekauft, konnte ich mich nie richtig anfreunden. Was will ich damit sagen? Vielleicht, dass man öfters baden sollte? Oder vielleicht, dass ein Fahrradlicht durch die Nacht den Blick in die Zukunft gestattet? Ich glaube, ich will mitteilen, dass der Sommer eine gute Zeit zum Fahrradfahren ist und ich öfters radeln sollte - auch wenn´s nur bis zum nächsten Biergarten ist.

20.05.2006, 10.00 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches

Was hat Dracula, das Fuchur fehlt?

Nennen Sie mich ruhig einen Träumer oder gar einen Idealisten. Aber Literaturverfilmungen stehe ich grundsätzlich skeptisch gegenüber. Es gibt wenige Bücher, die ich unbedingt auf der Leinwand zum Leben erweckt haben muss. Meistens habe ich die gelesenen Bücher so lieb gewonnen, habe die Charaktere, die Schauplätze, die Handlungen in meiner Fantasie so schön ausgeschmückt, dass ich gar nicht wissen will, wie dies alles wohl ein Regisseur sehen könnte: Welche Schauspieler die Hauptrollen spielen, ob die Dialoge nur sinngemäß oder (wie es mir natürlich am liebsten wäre) wörtlich übernommen wurden, und welche Szenen dem Schnitt zum Opfer fielen – all dies entzaubert Bücher für mich ein bisschen.

Doch es gibt Ausnahmen: 21 Jahre, nachdem Patrick Süßkind „Das Parfum“ geschrieben hat, wagt sich jetzt der relativ junge und innovative Tom Tykwer (man kennt ihn von „Lola rennt“) an die Verfilmung. Und das, nachdem Kult-Regisseur Stanley Kubrick das Buch als „unverfilmbar“ bezeichnet hatte. Wie wird Jean-Baptiste Grenouille wohl dargestellt werden? Der unmenschliche Junge ohne eigenen Körpergeruch, der dafür über einen überirdischen Geruchssinn verfügt, und, um das perfekte Parfum herzustellen, 25 junge Mädchen umbringt und ihren Duft stiehlt.

Meine größte Sorge gilt immer der Atmosphäre. Diese sublime und schwebende, leicht romantische Stimmung des Frankreich im 18. Jahrhundert. Die vielen Stimmungswechsel, welche die Literatur doch mit so völlig anderen Stilmitteln - der reinen Sprache - erzeugt als der Film. Mit Schaudern denke ich da an früher zurück, als die Verfilmung der „Unendlichen Geschichte“ gerade ihren Lauf nahm. Als leidenschaftlicher Fan der Werke von Michael Ende konnte ich damals kaum mehr eine Originalzeile Text wiederfinden - ganz zu schweigen von den Figuren. Zum Beispiel hatte ich den Glücksdrachen Fuchur im Buch als luftiges Fantasiewesen kennengelernt. Im Film erschien er mir als netter Kinderliebling mit Dackelanleihen – aber doch sehr farblos.

Hingegen scheint Bram Stokers „Dracula“ ein schier unerschöpflicher Schatz für immer wieder neue Verfilmungen zu sein. Alle Jahre wieder erscheint er neu auf der Leinwand, mehr oder weniger werksgetreu aber doch immer wieder mit der typischen Stokerschen Stimmung.

Es bleibt wohl, wie in allem, einfach eine Frage des Geschmacks, was besser ist - die Verfilmung oder die Vorlage. Natürlich werde ich mir auch diese anschauen, neugierig wie ich bin. Aber es kann passieren, dass ich das Buch mit ins Kino schmuggle und heimlich mitblättere. Und wenn ich dann mindestens einmal das auf der Leinwand Gesagte wiederfinde, bin ich auch schon wieder besänftigt…

19.05.2006, 09.54 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Belletristik

Sprechen Sie Esperanto?

Wie lange ist es her, dass die Welt das erste Mal seit der biblischen Sprachverwirrung mit der Schöpfung der Kunstsprache Esperanto neue Hoffnung schöpfte? Hoffnung auf grenzenlose, internationale Verständigung?
Keiner mag sich mehr so recht erinnern... Esperanto war eine Totgeburt. Kaum jemand spricht mehr von dieser Sprache, kaum jemand spricht sie. Wie eine bizarre Mischung aus allen bekannten Sprachen klingt so mancher Satz in Esperanto, jeder glaubt, ein wenig zu verstehen. Finparolo zum Beispiel kann man mit etwas Kreativität leicht als Epilog erkennen, aber bei Nirealigas internacian interkomprenighon (Wir arbeiten an der Völkerverständigung) hört der Spaß schon auf. Ist das nun ein skandinavischer Dialekt oder hat jemand beim Italienisch-Unterricht nicht aufgepasst? Ach, du mein armes Esperanto!
Die Idee war gut, schien unschlagbar: Eine einzige weltweite Sprache soll die Nationen vereinen. Aber es blieb bei der Theorie. Unsere Kinder quälen sich weiter auf dem neusprachlichen Zweig des Gymnasiums mit drei Fremdsprachen herum, Englisch ist immer noch die beste Wahl, will man sich im Ausland verständigen. Das Ziel einer weltweiten Muttersprache Esperanto war zu weit, nicht einmal der Weg dahin konnte ausfindig gemacht werden.
Nun gut, die bekannten Sprachen sind abenteuerlich genug. Wenigstens findet man leichter ein bewährtes Englisch-Lexikon als ein Esperanto-Wörterbuch. Nicht einmal wir von Jokers haben so was.

18.05.2006, 08.27 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Nebensächliches

Tag des Internets

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen: Für jeden Anlass gibt es einen besonderen Tag im Jahr. Wir freuen uns über Mutter- und Vatertag, der internationale Frauentag ist scheinbar mehr für die Alt-Emanzen reserviert, der Tag des Buchs, und, eine ganz neue Erfindung, der Girls-Day, sind weitere Beispiele für "Gedenk-Tage". Nicht alle dieser Tage dienen dem Kommerz, tatsächlich wurden einige davon ins Leben gerufen, um die Wichtigkeit, die Tragweite, außergewöhnlicher Erfindungen in Erinnerung zu rufen. Der Tag des Internets, der am 17. Mai begangen wird, ist ein Paradeexempel.

Fast jeder bewegt sich heute im weltweiten Netz: Grenzenlose Kommunikation und Information sind mit dem Web möglich geworden. Es ist eine gut bekannte Tatsache, dass das Internet auf militärische Motive zurückzuführen ist. Aber kaum jemand weiß, dass die Wurzeln des Internets fast fünfzig Jahre zurückreichen: Mit dem Start der berühmten Sputnik im Jahre 1957, dem ersten (russischen) Satelliten im All, sahen sich die Amerikaner zur Reaktion gezwungen: Die ARPA (Advanced Research Projects Agency) wurde gegründet. Und diese Institution trug entscheidend zur Entwicklung des Internets bei: Am 30.08.1969 wurde das weltweit erste Netz, das APRANET, an das System der Brown-University angeschlossen. In der Folgezeit wurden verschiedene Internet-Protokolle entwickelt, bis schließlich in den siebziger Jahren das TCP/IP zum Standardprotokoll für die "Sprache" der Computer wurde - dieses Protokoll wird noch heute benutzt.

Internet

Was ist Ihre bevorzugte Beschäftigung im Internet? Nutzen Sie es vorwiegend als unbeschränkte Informationsquelle, verlieren Sie sich gerne im digitalen Einkaufsparadies, chatten oder mailen Sie gerne? Egal, wie Sie das Internet auch nutzen: Für mich ist das WWW eine der bedeutendsten Erfindungen der Neuzeit!


17.05.2006, 08.16 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches

Das Geschäft mit der Magie

Ein Bekannter von mir aus München arbeitet als freiberuflicher Informatiker für verschiedene deutsche Firmen. Dabei richtet er zum Beispiel auch 0190-Nummern ein und betreut sie. Unser österreichisches Pendant dazu ist die "0930". Man(n) kennt ja diese Werbespots aus dem Nachtprogramm der privaten Fernsehsender. Deswegen denkt unsereiner, wenn er "0190" bzw. "0930" hört, natürlich sofort an "Ruuuuf miiiich aaaaan", mit sanfter oder auch fordernder Stimme ins Ohr geflüstert... Doch mein Bekannter klärte mich auf: Den meisten Umsatz versprechen nicht Erotik-Hotlines, sondern Esoterik-Beratungen. Das Geschäft mit der Magie blüht.

Was er mir erzählte, schockierte mich zutiefst: Viele, viele Menschen rufen jede Woche teure Orakel-Hotlines an, um sich in allerlei Lebensdingen Hilfe von oben zu sichern. Die „Hellseherin“ oder der "Hellseher" haben meist nur ein Interesse: Das Telefonat in die Länge zu ziehen. Angeblich z. B. benötigt man für eine Ferndiagnose allerlei Hilfsmittel, die der Anrufer dann während des Telefonats zusammensuchen muss. Das dauert natürlich, und der Gebührenzähler tickt. Nach knapp einer Stunde, so erzählte mir mein Bekannter, wird das Gespräch wie von Zauberhand unterbrochen, was der "Prophet" selbstverständlich auch voraussieht. Mit Vorhersehung hat das aber wenig zu tun: Die Unterbrechung bei Gebühren-Hotlines nach einer Stunde ist nichts weiter als eine eingebaute technische Sicherheitsmaßnahme. Also muss noch mal angerufen werden, und noch mal und... So kommen ganz schnell einige Stunden und ganz viele Euros zusammen.

Wie gut, dass ich keinen Hang zum Aberglauben verspüre. Von Hellsehern kann ich zumindest nicht ausgenutzt werden.

15.05.2006, 08.24 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches

Spacig...

Kürzlich saßen wir in einem Meeting zusammen. Von unserem Jokers-Programm zur Seefahrt anlässlich des 500. Todestags von Christopher Columbus kamen wir zur Luft- und Raumfahrt. Am Ende - wir waren alle schon etwas erschöpft - wurde unsere Besprechung sehr lustig: Unser Werbeleiter zückte plötzlich seinen Stift, krümmte sich auf nicht wirklich anmutige Weise in seinem Stuhl nach hinten und tat so, als ob er seine Notizen kopfüber in die Luft malen würde.



Wir waren alle ziemlich baff, bis er kicherte: "Was hat uns die Raumfahrt gebracht, fragte mal ein weiser Mann." Wir starrten ihn an. "Ganz einfach: Die Teflonpfanne und diesen Stift hier. Mit diesem Wunderwerk kann man kopfüber unter Wasser schreiben!" Ja, stellten wir lachend fest: Diese Funktion benötigt man auch unbedingt mehrmals am Tag. Oder zumindest, um lange Meetings aufzuheitern!

11.05.2006, 13.03 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Jokers intern

Mein Ich und seine Freunde

Es war Freitag Abend. 19 Uhr vorbei. Ich saß immer noch hinter meinem Computer, das Wochenende klopfte laut an die Tür, aber ich durfte es noch nicht hereinlassen: Es stapelten sich noch unzählige Dokumente zur Bearbeitung. In mir nörgelte eine kleine Stimme: Alle sind sie schon weg, und du sollst hier sitzen? Mach Feierabend und gönn´ dir ein Bier! Doch bevor ich darauf reagieren konnte, meldete sich etwas anderes zu Wort: Spinnst du? Du siehst doch, wie viel Arbeit hier noch zu tun ist - lass andere ruhig schon im Wochenende sein, ich bleibe hier, bis auch der allerletzte Text fertig lektoriert ist! Ich stutze ein wenig. Was stritt sich da in meinem Inneren gerade mit so lautstarken Worten? Saß auf meiner linken Schulter das berühmte Teufelchen und debattierte mit dem Engelchen? So ähnlich hätte es auch der berühmte Vater des Unterbewussten, Sigmund Freud, gesehen. Am 06.05. jährte sich sein Geburtstag zum 50 Mal: 1856 wurde der Begründer der Psychoanalyse geboren. Nur, dass er religiöse Begriffe weg ließ, um unser Es, Ich und Überich zu definieren. Mein Es forderte also den Feierabend ein, während mein Überich mich zu Fleiß mahnte. Und ich? Was tat ich? Ich stand auf, packte mein Zeugs zusammen, ging nach Hause - und arbeitete dort ohne diese Belästigungen eines Unterbewusstseins in Ruhe weiter.

09.05.2006, 12.50 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kulturgeschichte

Unmögliche Werke?!

Heute möchte ich auf einen meiner "Lieblingsmaler" aufmerksam machen. Wobei das Wort Maler eigentlich nicht zutreffend ist. Grafiker wäre treffender. Oder Meister des Kupferstichs. Seine Grafiken sind weltbekannt. Seine Spezialität: unmögliche Bilder. Von Künstlerkollegen lang nicht als einer der ihren akzeptiert. Dafür von Wissenschaftler und Mathematiker sehr geschätzt.

Maurits Cornelis Escher wurde 1898 in Holland geboren und verblüffte die Welt mit seinen phänomenalen Einfällen. Er zeichnete Landschaften, Kristalle, Tiere und Gebäude, bei denen auf den ersten Blick alles stimmte, weitere Blicke jedoch immer mehr offenbarten, dass M. C. Escher unmögliche Konstruktionen, fantastische Welten, auf dem Blatt erschaffen hatte. Ein Bach kann in einer Escher-Grafik gleichzeitig hinauf- und hinunterfließen. Alle seine mysteriös wirkenden Bilder haben eine magische Aziehungskraft. Hier bestimmt der Schein das Sein.





Irgendwann werde ich das Escher-Museum besuchen. Untergebracht im ehemaligen Palais der Königin in der Altstadt von Den Haag vermittelt es einen Eindruck vom Leben und Wirken Eschers.

08.05.2006, 09.57 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Kunst

Nietzsche contra Wagner

Am Feiertag gönnte ich mir einen Latte Macchiatto in meinem Lieblingscafé. Andächtig tauchte ich gerade mein Amaretto-Keks in den Schaum, als mich eine Stimme von hinten überraschte: "Ich hab´ noch deinen Nietzsche!" Ich drehte mich, etwas perplex, um. Kleinlaut stand da eine alte Bekannte vor mir! Ja, stimmt, sie hat noch meinen Nietzsche - vor ungefähr einem Jahr lieh ich ihr meine Ausgabe des "Zarathustra". Die Lücke im Bücherregal füllte ich alsbald mit einem Werk über Wagner - was gar nicht so weit hergeholt ist: Nietzsche hatte nämlich ziemlich viel zur Wagnerischen Musik zu sagen - und nicht nur Gutes, obwohl seine Einwände, wie er selbst betont "physiologischer Natur" waren.

Physiologische Kritik an einem Musikstück? Was hat es nur damit auf sich? Um das genauer nachvollziehen zu können, muss man Nietzsche kennen: Das Genie des Wortes vermochte es wie kein anderer, mit seinen Sätzen zu erstaunen. Man denke nur an "Gott ist tot"... Welch´ Aufschrei ging und geht da durch das Menschengeschlecht!

Oh ja, ich liebe Nietzsche. Aber Wagner auch. Also habe ich an jenem Feiertag kurzerhand beschlossen, meiner Bekannten auch meine Wagner-Ausgabe zu "leihen".

Nietzsche bei Jokers

Wagner bei Jokers



04.05.2006, 17.16 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kulturgeschichte

Trouble

Am Wochenende gab es wieder Trouble im Land des Wilden Westen: Nicht ganz nach großzügiger Cowboy-Manier zeigte sich Präsident Bush "not amused" über die spanische Version der amerikanischen Nationalhymne.

Die müsse auf Englisch gesungen werden, auch von den Millionen spanischer Einwanderer. Da hilft es auch wenig, dass Latino-Popstars wie Gloria Trevi, Ivy Queen und Carlos Ponce "nuestro himno" aufnahmen - ganz im Reggae- und Latino-Beat. Anlass für die Übersetzung der Hymne war die schon seit langem andauernde Diskussion über die rund 37 Millionen illegale Einwanderer der USA.

Zum 1. Mai, der in den USA ein normaler Arbeitstag ist, wurden gigantische Demonstrationen zu Gunsten der vereinfachten Einbürgerung der Ausländer erwartet - bedingt erfüllten sich die Voraussagen. Von den größten Bürgermärschen seit den 60ern sprach man noch einen Tag zuvor, ganz so drastisch wurde es nicht. Doch hat dies wirklich Einfluss auf Bushs Politik? Was macht es aus, Amerikaner zu sein? Wenn es nur die Sprache wäre, hätte die Debatte bald ein Ende. Und leider auch die kultige spanische Version des "Star-Spangeled Banner".

02.05.2006, 15.56 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches

Der Spaß am Grusel

Der Horror-Streifen „Hostel", gedreht von Eli Roth, dürfte in den dunklen Kinos für Angst und Schrecken sorgen. Zwei Männer werden in eine Herberge gelockt, in der ihnen alle Wünsche erfüllt werden sollen. Doch das Hotel in der Slowakei entpuppt sich als Haus des Schreckens. Nicht weit davon liegt die Heimat des düsteren Fürsten „Dracula", der durch Bram Stoker zum größten Horror-Helden wurde. Recht schnell haben die Filmemacher begriffen, dass gruselige Themen, die den Leuten kalte Schauer über den Rücken jagen und eine Gänsehaut verpassen, Kinorenner zu werden versprechen. Schon 1921 kam mit „Nosferatu - eine Symphonie des Grauens" ein Schwarz-Weiß-Streifen in die Kinos, bei dem die Kinogänger aus Angst vor dem furchtbaren Wesen auf der Leinwand in Ohnmacht fielen.
Viele Jahre vorher hatten schon die Verleger und Autoren erkannt, dass viele Menschen gerne Bücher lesen, durch die sie Albträume bekommen. E.T.A. Hoffmann (1776-1822) und Edgar Allan Poe (1809-1849) gehören zu den Vätern der fantastischen Literatur, die sich mit den unheimlichen Seiten des Lebens beschäftigt.



Das Leben von Edgar Allan Poe war voller Schicksalsschläge. Sein Vater verschwand spurlos und seine Mutter verstarb, als er noch keine drei Jahre alt war. Er wurde adoptiert und ging später zur Armee. Seine Ehe mit seiner 13jährigen Cousine Virginia sorgt heute noch für Klatsch und Tratsch.
Übrigens: Einige von Poes Grusel-Geschichten wurden in den 60ern von Roger Corman verfilmt

02.05.2006, 09.47 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren

Endlich Mai!


Googlen Sie gerne? Ich auch.

Es ist einfach unglaublich, wie viele verschiedene Verbindungen zu einem einzelenen Wort existieren. Machen Sie mal die Probe aufs Exempel und geben Sie "Mai" als Suchwort ein - schließlich sind wir mit dem heutigen Tag ja in dem Wonnemonat gelandet.

428.000.000 Resultate in 0,6 Sekunden - wenn das keine (quantitative) Höchstleistung ist! An der Qualität könnte man allerdings etwas meckern. Aber ich bin ja selber Schuld an der Überschwemmung von Suchergebnissen: Manfred Mai hätte ich eingeben sollen, den
suche ich nämlich. Warum? Hier gibt es viele Gründe: Weil er Mai heißt. Weil er paradoxerweise in Winterlingen geboren ist. Weil er Maler und Lehrer lernte. Und schließlich: Weil er begeisterter Leser und begeisternder Autor ist. Kurzum: Weil er so herrlich widersprüchlich ist.



Er schreibt Bücher für Kinder und Erwachsene, Gedichte tanzen genauso leichtfüßig aus seiner Feder wie Jugendromane. Wann er Geburtstag hat, weiß man bis auf das Jahr nicht so genau, 1949 erblickte er das Licht der Welt, ich tippe mal auf Mai.

01.05.2006, 10.53 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren

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