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Halloween

HalloweenWer dachte, Halloween sei typisch amerikanisch, irrt wahrscheinlich: Sicher ist zwar nur wenig auf dieser Welt, aber laut den alten Überlieferungen ist Halloween auf einen keltischen Brauch zurückzuführen. Die vierte Jahreszeit der Kelten nämlich, Samhain, war die wichtigste Saison unserer Vorfahren: Am Sommerende war die Ernte eingebracht, die Großfamilien trafen in ihren Gehöften zusammen, Mystik lag in den langen nebeligen Nächten in der Luft. Man glaubte, dass die Zeit brüchig würde: An einem bestimmten Abend Ende Oktober würden die Verstorbenen vom Jenseits ins Diesseits gleiten. Deshalb stellte man ihnen Opfer bereit, versorgte die Toten in den eigenen Wohnzimmern mit Speis und Trank. Der Tod war keine mit Furcht beladene Angelegenheit bei den wagemutigen Kelten - die einzige Angst bestand darin, durch die Brüchigkeit der Zeit selbst von einer Dimension in die nächste zu schliddern.

HalloweenMit dem Aufleben des Christentums wurden die traditionellen Bräuche und die Geistergläubigkeit durch andere Riten ersetzt: Allerheiligen löste, so die Deutung, das ursprüngliche Samhain-Fest ab. Als All Hallows´ Day wird Allerheiligen in den USA begangen - der Vorabend nannte sich All Hallows´ Eve. Mit der Zeit wurde schließlich Halloween daraus - das spektakuläre Kinderfest, immerhin in den USA die zweitwichtigste Feierlichkeit des Jahres!

Auch hier in Europa ist es inzwischen fast schon Tradition, Halloween zu feiern - viele Kinder freuen sich wochenlang auf die spukige Nacht, basteln, malen und üben Schmink- und Verkleidungstricks...

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31.10.2006, 21.32 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kulturgeschichte

Die Entdeckung des Single-Daseins

Das Leben trifft manche Menschen schon hart. Zum Beispiel eine gute Freundin von mir. Nach 10 Jahren Ehe hat sie sich jetzt von ihrem Mann getrennt. Und vor wenigen Tagen ging auch noch ihr Fernseher kaputt. Zwei Ereignisse, an denen sie hart zu knabbern hatte. Zumindest bis zu meinem Besuch bei ihr neulich. Ich schaute mal wieder vorbei, um sie ein bisschen aufzumuntern und aus ihrem Elend zu schrecken.

„Ich weiß gar nicht, was ich mit meiner Freizeit anstellen soll!“ begrüßte sie mich schon an der Haustür. Ihre Freunde könnten sie nicht jeden Tag ablenken, die Bücher, die ich ihr zu Beginn ihres Single-Daseins gebracht hatte, hätte sie bereits ausgelesen. Und überhaupt: Dies sei das erste Mal in ihrem Leben, dass sie sich ohne Freund/Mann allein mit sich selbst beschäftigten müsse. „Na, dann wird es aber höchste Zeit!“, rief ich entsetzt aus. Und erzählte ihr die Geschichte eines starken, unabhängigen Mädchens.

Pipi LangstrumpfDie junge Frau, die übrigens Hauptfigur einer Buchreihe ist, lebt allein in einem großen Haus, hat weder Fernseher noch CD-Player, geschweige denn eine Spiele-Konsole. Sie ist Single, hat bis auf einen weit entfernt lebenden Vater keine Familie, keinen Job und ihre Freunde stehen ihr auch nicht nonstop zur Verfügung. In ihrer grenzenlosen Freizeit beschäftigt sie sich ausschließlich mit sich, ihren Tieren und ihrem Haus. Sie vertieft sich gern in ihre Muschelsammlung, malt und zeichnet, tanzt und sprüht geradezu vor Ideen. Sie fliegt mit ihrem Bett über die Weltmeere, spaziert dank Spezialkleber auf der Zimmerdecke herum und verprügelt Einbrecher …

Na ja, alles nicht unbedingt leicht nachzuahmen, aber immerhin: Als ich meiner Freundin von dieser Person erzählte, für die Einsamkeit etwas Schönes, Kreatives, Bereicherndes bedeutet, besserte sich ihre Laune schlagartig. „Wer ist denn dieser Über-Single?“, fragte sie mich. Ich verriet ihr den Namen des wohl coolsten Mädchens der Welt: Pipi Langstrumpf.

29.10.2006, 12.00 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kinder und Jugend

Wunderland Indien

Indien ist auf dem Vormarsch. Fast täglich liest man in den Zeitungen von seiner aufstrebenden Wirtschaft, seinen bahnbrechenden technischen Entwicklungen und seiner innovativen Jugend. Indien ist vielleicht schon in wenigen Jahren eine der größten, wenn nicht gleich die größte Wirtschaftsmacht der Welt. Der Westen muss sich anstrengen, will er da noch mithalten. Indien, alt und gleichzeitig hochmodern – dieses Land versetzt mich in ehrfürchtiges Staunen.

IndienErst recht, nachdem ich neulich las, dass die Wiege der Literatur unter anderem in Indien stand. Noch lange bevor in unseren Breiten Walther von der Vogelweide zu Papier und Tinte griff, wurde bereits in den indischen Sprachen Sanskrit, Tamil und Pali geschrieben. Die „Veden“ (Sanskrit für „Wissen“) zum Beispiel, die heiligen Schriften des Hinduismus, verfassten die alten Inder schon um 1300 vor Christus. Allerdings wurden sie zu dieser Zeit noch nicht niedergeschrieben, sondern mündlich weitergegeben. Immerhin handelte es sich ja um heilige Texte.

Ab dem 5. Jahrhundert vor Christus beförderte der Buddhismus das indische Pali und machte es zu einer wichtigen Literatursprache. Neben anderen Werken sind vor allem die Schriften des Theravada-Buddhismus in dieser Sprache verfasst.

Bis heute hat Indien in seinen verschiedenen Sprachen immer wieder die schönsten literarischen Blüten hervorgebracht. Unter anderem eins meiner Lieblinswerke: Arundhati Roys „Gott der kleinen Dinge“. In einer poetischen, blumigen, ausdrucksstarken Sprache, wie man sie nur von dem Pilgerland der Hippies erwarten kann, beschreibt die Autorin das Leben in Indien. Zwar geht es vorrangig um eine Familientragödie zwischen Kastensystem, Rassismus und Kindesmissbrauch. Doch widmet sich das Buch auch dem Zauber der kleinen Dinge „am Wegesrand“, die das Leben so lebenswert machen. Die perfekte Literatur, wenn ich mir nach der täglichen Lektüre der Tageszeitung, wieder einmal Sorgen mache um die Wirtschaftslage unseres Landes…

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27.10.2006, 09.27 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kulturgeschichte

Gibt es das noch?

Neulich las ich eine Liebesgeschichte, die mich wirklich berührte. In „Das böse Mädchen“ erzählt Mario Vargas Llosa von einer Romanze, die fast 40 Jahre überdauert. Er erzählt von grenzenloser Liebe, allerdings nicht im klassischen Stil.

Wo die Sehnsucht das Herz berührtEr liebt sie, sie liebt ihn, und wenn sie nicht gestorben sind - dann lieben sie sich noch heute? Von wegen! Im Gegenteil: Er liebt sie, aber sie betrügt, belügt und verlässt ihn über all die Jahre immer aufs Neue. Nach wilden Abenteuern kehrt sie jedoch immer wieder zu ihm zurück (in Wahrheit liebt sie ihn nämlich auch). Er geißelt sich zwar ob seiner Dummheit, doch seine Liebe ist stärker, und so beginnt die Romanze von Neuem – bis sie ihn wieder von einem Tag auf den anderen verlässt. Diese „Intermezzo-Beziehung“ dauert das ganze Leben der beiden an. Bis sie ein letztes Mal zu ihm zurückkehrt und dann – man höre und staune - bis zu ihrem Lebensende bei ihm bleibt. Nach 38 Tagen des Zusammenlebens im Alter erliegt sie schließlich dem Krebs.

Diese Geschichte beschäftigte mich, und ich begann zu grübeln: Kenne ich irgendjemanden, der ähnlich ausdauernd in seiner Liebesfähigkeit ist oder war?

Ein Zeichen der heutigen Zeit ist ihre Kurzlebigkeit. Im Jahr 2003 lag laut Bundeszentrale für politische Bildung die Scheidungsrate in den alten Bundesländern bei 44 Prozent, in den neuen bei 37 Prozent. In Großstädten ging sogar knapp die Hälfte aller Ehen in die Brüche. Immerhin heißt das, dass knapp jede zweite Ehe gut geht. Also ein bzw. zwei Leben lang hält. Wirklich getröstet hat mich diese Erkenntnis nicht. Eine Ehe kann aus vielen Gründen halten, die nicht unbedingt etwas mit Liebe zu tun haben. Also: Wo ist die wahre Liebe, die trotz großer Widrigkeiten ein Leben lang hält?

Tango fuer dreiTatsächlich fand ich sie. Der Stiefvater einer guten Freundin hat nach fast 50 Jahren seine Jugendliebe, die er über die Jahre nie ganz vergessen hatte, doch noch geheiratet. Schon mit 18 Jahren hatte sich Martin in Elisabeth verliebt. Doch sein Freund war schneller. Und so musste der von Haus aus schüchterne junge Mann zusehen, wie seine große Liebe einen anderen heiratete. Die beiden lebten viele Jahre glücklich und zufrieden. Irgendwann heiratete schließlich auch Martin. Auf gemeinsamen Festen begegneten sich die zwei Pärchen oft, feierten miteinander. Bis schließlich vor 10 Jahren Elisabeths Ehe in die Brüche ging. Martin hielt an seiner fest, zumal er in den gemeinsamen Jahren Sabine wirklich gern gewonnen hatte – bis sie ihn wegen eines anderen Mannes sitzen ließ. Der Zufall wollte es, dass Martin und Elisabeth sich auf der Beerdigung eines gemeinsamen Freundes nach Jahren wieder trafen. Die alte Liebe war sofort wieder da. Jetzt, beide sind mittlerweile weit über 60 Jahre alt, genießen sie ihr Leben zu zweit, und „nichts kann uns mehr trennen“, wie Martin erst neulich wieder betonte. Mario Vargas Llosa hätte es nicht schöner schreiben können …

Lust auf Liebesromane?

25.10.2006, 09.12 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches

Vorsicht: Bissig

Knoblauch gegen VampireAls ich neulich einen alten Schulfreund besuchte, machte ich eine erstaunliche Entdeckung: Nicht nur, dass er einen sehr individuellen Einrichtungsstil hatte! Ich sage nur: dunkelrote Tapeten, Samtvorhänge und Kerzen überall. In seiner Wohnung gab es auch keine Spiegel. Als ich ihn darauf ansprach, gestand er mir: „Ich bin ein großer Vampirfan.“ Zum Beweis zeigte er mir sein Bücherregal. Es war erstaunlich. Noch nie hatte ich eine so umfangreiche Bibliothek zum Thema Blutsauger gesehen. Als Laie in diesem literarischen Sektor kannte ich nicht viele Titel. Bram Stokers „Dracula“ fiel mir ins Auge.

Neben Fachliteratur über „Vlad Tepes“ in Siebenbürgen oder Titeln wie „Vampirglaube in Osteuropa“ (dazu erzählte er mir, dass er, um quasi die „Fakten“ zu überprüfen, früher sogar eine mehrwöchige Reise durch Siebenbürgen unternommen hatte), stand in seinem Regal alles an Vampir-Romanen, was ihm im Laufe der Jahre in die Finger gekommen ist. Und das ist wahrlich eine Menge …

Als erstes, so erklärte er mir, ist da natürlich John Polidori, der mit „Der Vampyr“ im Jahre 1819, also noch 78 Jahre vor Bram Stoker, die wohl älteste Erzählung zum Thema schrieb. Daneben steht J. S. Le Fanus „Camilla“ von 1872, veröffentlicht immerhin noch 25 Jahre vor dem „Dracula“. Vom Klassiker Stokers selbst besitzt mein Freund immerhin vier alte Ausgaben.

VampirIn den 90er-Jahren sei er dann, wie mein früherer Schulkamerad erzählte, um Anne Rice mit ihren „Vampir-Chroniken“ nicht herum gekommen. „Interview mit einem Vampir“ ist das bekannteste Werk. Es folgten zahllose weitere „Folgen“, mit mehr oder weniger Erfolg, wie ich erfuhr. Er habe sie alle gelesen. Dann entdeckte er noch den deutschen Grusel-Barden Wolfgang Hohlbein, der sich mit seiner „Chronik der Unsterblichen“ ebenfalls des Themas „Vampire“ bediente. Ebenfalls beeindruckt hat ihn der als „Dracula, der 2. Teil“ propagierte Roman „Dracula the Undead“ von Freda Warrington – der bis heute zu Unrecht, wie mein Freund betonte, relativ unbekannt blieb. Daneben dicht an dicht im Regal noch eine Unmenge weiterer Romane über Blutsauger, bis hin zu Werken, die sich an vampirhaltige Fernsehserien wie „Buffy, im Bann der Dämonen“ oder „Angel – Jäger der Finsternis“ anlehnen.

Sogar Kinder dürften das Thema mittlerweile erschöpfend kennen. Zwar war mein Freund, als seine Vampir-Passion begann, schon zu alt für Kinder-Vampir-Grusel, aber trotzdem steht auch das komplette Werk von Angela Sommer-Bodenburg, „Der kleine Vampir“ in seiner Bibliothek, zumindest die klassischen Folgen, von Band eins, „Der kleine Vampir“, bis Band acht, „Der kleine Vampir liest vor“.

Nachdem ich all dies gesehen hatte, konnte ich nicht anders: Ich bat meinen Schulfreund um ein strahlendes Lächeln. Seine Eckzähne waren normal kurz. Ich war erleichtert. Allerdings verließ ich seine Wohnung vorsichtshalber noch vor Sonnenuntergang …

Übrigens: Selbst hier treiben Vampire ihr Unwesen!

23.10.2006, 08.56 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln

Gebt Phantàsien eine Chance!

Neulich feierte meine Nichte Geburtstag. Als ich ihr jenes Buch schenkte, das mich, als ich in ihrem Alter war, am meisten beschäftigte, sah sie mich bestürzt an. „Die unendliche Geschichte?“ fragte sie stirnrunzelnd. Das weitere Gespräch ergab, dass sie sich, wenn schon Literarisches, dann lieber etwas über Pferde gewünscht hätte. „Hanni und Nanni“ fiel mir dazu spontan ein. „Wie heißt das Buch?“ wollte sie wissen. Schmerzlich wurde ich mir bewusst, welch Niete ich in Sachen Jung-Mädchenliteratur war. Doch in diesem Fall waren mangelnde Kenntnisse nicht das Problem. Akzeptabel wäre wohl eins der vielen Wochenheftchen rund ums Pferd gewesen, doch wirklich gepunktet hätte ich bei meiner kleinen Nichte erst, wenn mein Präsent ein echtes Pony gewesen wäre. So viel zum Thema Bücher.

Trotzdem nahm ich mein Geschenk nicht zurück, im Gegenteil. Ich schaffte sogar den Sprung zu ihrem geliebten Thema „Pferde“. Ich erzählte ihr, wie sehr mich als Mädchen die Geschichte des kleinen Atrèju bewegt hatte, der auf seinem Pferd „Artax“ quer durch Phantàsien reitet, um ein Heilmittel für die schwerkranke „Kindliche Kaiserin“ zu finden. In Wahrheit war es eher jener Menschenjunge Bastian Balthasar Bux und sein Schicksal in der phantastischen und der realen Welt, das mich in meiner Jugend so gefesselt hatte. Nur die Liebe zum Buch rettet ihn aus seinem grauen und teilweise trostlosen Umfeld.

momoSoll ich ehrlich sein? Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Erst vor wenigen Tagen stieß ich auf ein Zitat, das mich innehalten ließ. „Der magische Bereich des Imaginären ist eben Phantásien, in das man ab und zu reisen muss, um dort sehend zu werden. Dann kann man zurückkehren in die äußere Realität, mit verändertem Bewusstsein, und diese Realität verändern oder sie wenigstens neu sehen und erleben.“ Natürlich stammt das Zitat von Michael Ende. Menschen, die ihm nahe standen, berichten noch heute, dass er sein Leben lang gegen die Bedeutungslosigkeit der Welt antreten wollte. Das Nichts, das Phantásien in der unendlichen Geschichte zu schlucken droht, war als Parabel gedacht für eine ganz reale Bedrohung unserer Gesellschaft. Nur Kunst und Literatur könnten der Welt wieder Sinn geben. So der Glaube von Michael Ende.

jim knopfNatürlich habe ich als Achtjähriger noch nicht so tief geblickt. Mich faszinierten vor allem die endlose Fantasie, die mystischen Figuren, die unergründlichen Landschaften, und natürlich die tapferen Helden aus Endes Geschichten. Neben der „Unendlichen Geschichte“ zählen „Momo“ und „Jim Knopf“ seitdem zu jenen Büchern, die ich bis heute an die 15 Mal gelesen habe. Und ich bin mit meiner Begeisterung bei weitem nicht allein. Bis heute haben Endes Werke eine Gesamtauflage von über 20 Millionen verkauften Exemplaren weltweit erreicht. Sie wurden in 45 Sprachen übersetzt und haben spätestens mit den mehr oder weniger gelungenen Verfilmungen Weltruhm erlangt.

All dies beeindruckt meine Nichte natürlich wenig. Deshalb hoffe ich, dass bei ihr wie bei unzähligen andere Kindern zuvor nach wenigen Zeilen der gleiche Effekt wie bei mir eintritt und sie das Buch nicht mehr aus den Händen geben will. Auch wenn sie es nicht aus einem Antiquariat geklaut hat und damit auf den Dachboden ihrer Schule geflohen ist…

Michael Ende bei Jokers

21.10.2006, 09.55 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kinder und Jugend

Kein Eis am Stiel mehr

Endlich ist er wieder da: der Herbst. Meine Lieblingsjahreszeit. Selten sind die Tage so golden und klar wie im Oktober. Selten liegt in der Luft so ein melancholisch verträumter Hauch von Abschied. Und immer, wenn die Bäume wieder bunt, die Hagebutten rot werden und der Herbstwind das Laub vor sich her treibt, geht mir Georg Trakls „Verklärter Herbst“ durch den Kopf.

Verklärter Herbst

Gewaltig endet so das Jahr
Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
Und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
Gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Es ist der Liebe milde Zeit.
Im Kahn den blauen Fluß hinunter
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht –
Das geht in Ruh und Schweigen unter.

Und ich muss gestehen: Ich freue mich auf das „Schweigen“, auf die dunkle Jahreszeit, auf die Ruhe. Dass ich mich wieder ohne schlechtes Gewissen in meinen gemütlichen Lesesessel setzen und ausgiebig der Literatur frönen darf. Nennen Sie mich ruhig einen Melancholiker. Aber ich genieße einfach die ruhige Zeit des Jahres. Ich freue mich, dass es wieder erlaubt ist sich zurückzuziehen in die eigenen vier Wände. Wenn draußen keine Sonne lacht, keine Vögel tirilieren, kein Badesee, kein Beach-Volleyball und kein Eis am Stiel im Freien lockt. Dann ist für mich die Zeit, zu lesen, zu schreiben. Oder einfach wieder ein bisschen mehr zu mir zu finden.

19.10.2006, 09.27 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein

Die Zukunft der Kinderbücher

Es ist soweit: Die Frankfurter Buchmesse lockt abertausende von Besuchern mit einem bunten Potpourri an neuester Literatur, modernsten High-Tech-Endgeräten und zahlreichen anderen Neuerscheinungen. Was mich dieses Jahr allerdings besonders fasziniert, ist der Boom von interaktiven Kinderbüchern.

In Zeiten, in denen der Computer immer mehr auch die Kinderzimmer dominiert, PC-Spiele und allerhand anderer technischer Schnickschnack schon auf dem Gabentisch von 3-Jährigen liegen, kommt die schönste Beschäftigung bei Kindern zu kurz: Oder kennen Sie noch ein Kind, das freudestrahlend sein neuestes Bilderbuch im Kindergarten herzeigt?

KinderbuecherDoch die aktuellen Entwicklungen im Kinderbuch-Bereich setzen nun neue Akzente: Lesen wird zum interaktiven Abenteuer. Geschichten, die das Kind selbst bestimmt, indem es den Ausgang selbst erdenkt, Figuren, denen das Kind selbst Persönlichkeit gibt, kurz: Erzählungen, auf die das Kind aktiv Einfluss nimmt, sind der Renner in der Sparte Kinder- und Jugendliteratur.

Psychologisch gesehen bringt die Interaktivität zahlreiche Vorteile: Denn nicht nur die Kreativität und Vorstellungskraft werden dabei geschult, auch das Erinnerungsvermögen und soziale Kompetenzen wie Empathie werden spielerisch trainiert - weit, weit mehr, als dies bei einem Computerspiel je der Fall sein kann.

Also schlendere ich staunend durch das vielfältige Angebot der Frankfurter Buchmesse und überlege schon einmal, welche Titel Kindern und Jugendlichen zusagen könnten.

17.10.2006, 09.06 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kinder und Jugend

Der Vorleser

Die Themen Frührente und Altersteilzeit sind in aller Munde. Die Generation, die dazu erzogen wurde, ihr Leben lang zu schuften und zu ackern, erreicht nun die magische 60-Jahre-Grenze und beschließt, nun auch einmal etwas für sich zu tun. So kann man es überall lesen.

All die langen Arbeitsjahre hindurch mühten sie sich, ihre Familie zu ernähren und abzusichern, und nun möchten sie die Früchte ihrer Mühsal einholen. Ich finde das in Ordnung. Ich kenne gleich drei Männer, die gerade dabei sind, ihr neues Leben nach der Arbeit zu planen. Gänzlich unterschiedlich sind dabei die Vorstellungen: Der eine will Reitlehrer werden, der andere noch ein Haus bauen: Wo bleibt da das Freizeitvergnügen, frage ich mich im Stillen, wenn sie nun doch wieder tatkräftig zupacken wollen ... Der Dritte jedoch plant ein Leben ganz nach meinem Geschmack: Vorleser will er werden. Ja, Sie haben richtig gelesen: VORLESER. Für Erwachsene.

VorleserWie er sich das konkret vorstellt? Genau das ist das Spannende an seinem Plan: Ein Plan existiert nicht. Er stellt sich vor im Garten im Schaukelstuhl zu sitzen, vielleicht eine Pfeife schmauchend seinem liebsten Hobby zu frönen: eben dem Schmökern. Laut will er die wunderbaren Zeilen, die herrlich tragischen, romantischen und mitreißenden Geschichten vortragen, sich dabei jedes Wort auf der Zunge zergehen lassen. Da sein Garten inmitten eines Wohngebiets liegt, würden die Nachbarn automatisch teilhaben an diesem Vergnügen, würden mitlauschen und sich für die literarischen Abenteuer immer mehr begeistern. Und irgendwann, irgendwann würden sie sich dann allabendlich bei ihm einfinden, sich um ihn herum versammeln, auf Sitzkissen oder einfach im Gras liegend zuhören. Und er ließe seine Stimme anschwellen, die großen Worte all der großartigen Schriftsteller erklingen …

Welch´ schöne Vorstellung! Mir selbst fehlen leider noch einige Jahre bis zu einer solchen Altersteilzeit oder Frührente …

15.10.2006, 09.50 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln

Bleib weg, o Schlaf

Je sehnlicher man ihn herbeiwünscht, desto länger bleibt er aus. Andererseits übermannt er einen genau dann, wenn man ihn am wenigsten gebrauchen kann. Bei der Lektüre dröge geschriebener Biographien, in nervenden Meetings. Sogar am Telefon bei langweiligen Gesprächen mit Tante Herta, die zum x-ten Mal über ihre geschwollenen Beine referiert. Oder eben am Steuer. Letzteres ist natürlich der gefährlichste Ort für ein Schläfchen. Und doch kommt es immer wieder vor. Besonders auf langen Strecken pennen Lkw-, Pkw- und sogar Motorradfahrer weg. Sie erwachen schließlich im Krankenhaus oder gar nicht mehr.

„Jaja, das passiert halt den anderen, die nicht genügend Pausen einlegen“, dachte ich mir bisher immer. Und dann dies: Vor wenigen Tagen fuhr ich nach einem anstrengenden Wochenendseminar zurück nach Hause. Alle 100 Kilometer legte ich brav eine halbe Stunde Pause ein, trank vier Tassen Kaffee, lief mehrmals um mein Auto, machte Kniebeugen, brachte den Kreislauf in Schwung und war überzeugt, mir kein Hotelzimmer nehmen zu müssen. „Das halte ich locker durch“, dachte ich.

schlafenDer Verkehr war ruhig, die Strecke schnurgerade, die Stimmung friedlich. Ich fuhr entspannt, gelassen, mit unaufregenden 130 km/h dahin. Bis ich plötzlich aufschrak. Ich wollte nur den Arm zum Blinker heben, und doch war es mir, als würde ich jäh aus dem Schlaf gerissen. Meine Augen waren die ganze Zeit geöffnet gewesen, und doch musste ich eingeschlafen sein. Das war Alarm genug, und ich fuhr auf den nächsten Parkplatz, um mich hier etwas „abzulegen“. Sofort schlief ich ein und erwachte erst, als der neue Tag schon längst angebrochen war. Ausgeruht brachte ich den Rest der Strecke hinter mich, ohne dass sich das „Trauma“ noch einmal wiederholte.

Diese Episode gab mir natürlich zu denken. Generell habe ich nächtens keine Probleme. Ich kämpfe weder mit zu wenig, noch mit zu viel Schlaf. Und das Phänomen einfach wegzunicken, ist mir nur aus Unizeiten bekannt. Wenn die Party am Abend zuvor lang gedauert hatte, konnte es schon einmal passieren, dass mir in der ein oder anderen Vorlesung die Augen zu fielen.

Aber man kann auch mit offenen Augen schlafen. Viele Vogelarten wie Enten, Tauben oder Hühner schlafen mit halb geschlossenen Augen bzw. einem geschlossenen und einem offenen Auge. Von Katzen erzählt man sich ähnliches. Auch die Meerschweinchen einer Freundin habe ich unter ähnlichem Verdacht. Fliegen, Spinnen, Regenwürmer und alle Tiere, die keinen Lidschlag haben, „schlafen“ mit offenen Augen. Aber die sitzen eher selten am Steuer. Bei allen anderen blinzelfähigen Tierarten ist es Brauch die Augen zu schließen, wenn das Sandmännchen angeklopft hat.

Recherchen im Internet brachten mich schnell auf Seiten, die sich mit „Mysteriösem“ beschäftigten. Schlaf als Eintritt in die Welt des Mystischen … In meinem Fall hätte der Sekundenschlaf im Auto sogar den Eintritt ins Jenseits bedeuten können. Übermüdet werde ich mich definitiv nicht mehr ans Steuer setzen.

13.10.2006, 17.06 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches

Und der Literaturnobelpreis geht an …

Erst vor wenigen Tagen fand wieder eins der jährlichen Ereignisse statt, die ich stets mit großer Achtung verfolge: Am 12. Oktober wurde die wohl höchste offizielle Auszeichnung im Bereich Literatur, der Literaturnobelpreis, vergeben. Seit der ersten Verleihung im Jahr 1901 an den französischen Poeten und Philosophen Sully Prudhomme wurde die Ehrenauszeichnung bis heute an 103 Personen verliehen.

Der schwedische Erfinder und Chemiker Alfred Bernhard Nobel (geboren am 21. Oktober 1833 in Stockholm, gestorben am 10. Dezember 1896 in San Remo) hatte in seinem Testament festgelegt, dass mit seinem Erbe eine Stiftung geschaffen werden sollte, deren Zinsen „als Preise denen zugeteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“. Mit einem „Nobelpreis“ für Literatur sollte derjenige geehrt werden, der „das Vorzüglichste in idealer Richtung geschaffen hat“.

Bisher wurden überwiegend englischsprachige Autoren ausgezeichnet, dicht gefolgt von Verfassern aus dem französischen, dem deutschen und dem spanischen Sprachraum. Bis heute sind insgesamt zwölf deutschsprachige Schriftsteller ausgezeichnet worden. Es sind der Historiker Theodor Mommsen (1902), der Philosoph Rudolf Eucken (1908), die Schriftsteller Paul Heyse (1910), Gerhart Hauptmann (1912), Carl Spitteler (1919), Thomas Mann (1929), Hermann Hesse (1946), die Dichterin Nelly Sachs (1966), die Autoren Heinrich Böll (1972), Elias Canetti (1981), Günter Grass (1999) und die bisher einzige österreichische Preisträgerin Elfriede Jelinek (2004).

Orhan PamukIn diesem Jahr ging der mit 1,1 Mio. Euro dotierte Nobelpreis zum ersten Mal an einen türkischen Schriftsteller. Orhan Pamuk erhielt ihn, da er „auf der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt neue Sinnbilder für Streit und Verflechtung der Kulturen gefunden“ habe, wie es in der Begründung des Nobelkomitees der Schwedischen Akademie heißt. Pamuk, der aus Istanbul stammt, wurde ausgezeichnet für seine Mittlerrolle zwischen Orient und Okzident. Schon vergangenes Jahr erhielt er dafür den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Als seine bekanntesten Werken gelten „Die Weiße Festung“, „Schnee“ und „Rot ist mein Name“.

Die Auszeichnung selbst wird jährlich am 10. Dezember, dem Todestag Nobels, durch den schwedischen König überreicht.

Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Literaturnobelpreis

http://www.nobelpreis.org/literatur.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Pamuk

13.10.2006, 09.45 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: In der Presse

Rilke sei Dank

Am Wochenende gab ein Freund die Einweihungsfeier seiner neuen Wohnung: Stolz führte er uns Gäste durch das schmucke Einfamilienhaus, sogar ein Kinderzimmer für die zukünftigen Nachkommen ist mit dabei. Ich war ein wenig verblüfft: Stellte doch dieser Freund immer Sinn und Zweck von Besitztümern mehr als in Frage!

Doch auf mein Drängen hin, mir den Grund für seine plötzliche Sesshaftigkeit zu verraten, konterte der ehemalige Weltenbummler mit einer Strophe aus einem meiner Lieblingsgedichte:

"Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben."

RilkeEr weiß nur zu gut, dass ich, wenn ich einen Vers von Rainer Maria Rilke höre, keine weiteren Fragen mehr stelle - so auch dieses Mal nicht. Was gäbe es denn noch zu bezweifeln, noch zu hinterfragen, wenn man sich diesen gewaltigen Worten gegenübersieht? Diese Zeilen drücken alles aus, was so manchem von uns, besonders jetzt zum Beginn des Herbstes durch den Sinn geht: Es ist die Zeit gekommen, zur Ruhe zu finden. Es ist die Zeit gekommen, durchzuatmen, vergangene Umtriebigkeit hinter sich zu lassen, sich zurück zu lehnen. Die Seele Frieden finden zu lassen, vielleicht mit dem geliebten Partner ins Heim zurückkehren und die Welt da draußen einfach sein zu lassen.

Ja, ich verstehe meinen Freund, den stolzen Besitzer des neuen Eigenheims. Rilke sei Dank.

Mehr Rilke bei Jokers

11.10.2006, 10.39 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren

Nachlese

Das große Frankfurter Kulturspektakel ging mit überwältigendem Erfolg zu Ende: Ganze 7.272 Aussteller, ein neuer Rekord in der Geschichte der Buchmesse, boten den zahlreichen Fach- und Privatbesuchern ein umfangreiches Programm. Mehr als 2.500 Veranstaltungen - für jeden Geschmack das richtige Rahmenprogramm.

Vor allem asiatische Länder, insbesondere auch China, Gastland des Jahres 2009, glänzten mit einem reichhaltigen Literaturangebot: Von asiatischen Comics bis hin zu spannender Unterhaltungsliteratur war alles, was das Schmökerherz begehrt, auf der diesjährigen Messe zu finden.



Besonders die Bildung stand im Rampenlicht: Schließlich war Indien das Gastland - um 1,3 Prozent reduziert sich dort nach amtlichen Angaben die Analphabetismusrate jährlich. In 20 Jahren können somit um die 95 % aller Inder schreiben und lesen. Damit würde Indien Deutschland, dessen Analphabetismusquote bei ca. 10 Prozent liegt, sogar übertreffen. Wenn es so weitergeht mit der Bildung in Indien. Und mit den Bildungsproblemen in Deutschland.

Um Schritt mit der fortschreitenden Digitalisierung der Medien zu halten, will der Deutsche Börsenverein des Buchhandels mit einem neuen Internetauftritt namens VTO (Volltextsuche Online) Verlegern und Buchhändler den Verkauf von digitalen Daten ermöglichen. Das Projekt wendet sich direkt gegen Googles Buchsuche oder Amazons Search Inside. Man will das Feld der Digitalisierung von Büchern nicht amerikanischen Bigplayern überlassen.

Alles in allem bin ich zufrieden mit der diesjährigen Messe: Ich habe nicht nur viele Anregungen für unser künftiges Jokers-Programm mit nach Hause gebracht - auch als Privatmann bin ich beim langen Schmökern in den Musterexemplaren richtig auf meine Kosten gekommen: Sogar das erste gedruckte Kochbuch aus dem 15. Jahrhundert konnte ich bestaunen! Auch ein Vortrag von Professor Dr. Manfred Spitzer über Lesen und Lernen in Halle 4 Saal Europa hat mich beeindruckt. Lesen, so stellte er fest, sei eine Gehirndroge, die uns glücklich macht. Da kann ich ihm nur zustimmen.

11.10.2006, 08.51 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren

Verdi: ein ungewöhnlicher Künstler

Was ungewöhnlich beginnt, hat gute Chancen auch ungewöhnlich zu enden - das Leben des großartigen Komponisten Giuseppe Verdi ist ein solches Beispiel. Die erste bekannte "Anormalität" im Leben Verdis ist schon seit Geburtsdatum: Bis heute ist unbekannt, ob der berühmte Musiker nun am 09. oder 10. Oktober 1813 in Le Roncole bei Parma das Licht der Welt erblickte. Sicher ist allerdings, dass er am 27. Januar 1901 in Mailand im stolzen Alter von 88 Jahren verstarb.

„Nabucco“, „Aida“, „Rigoletto“, „Il trovatore“ und „La traviata“ sind die wohl bekanntesten Opern des Komponisten, der ein großes Faible fürs Landleben hatte: Nachdem der politisch engagierte Artist enttäuscht das Ausbleiben des sozialen Fortschritts in Italien feststellte, zog sich der 1872 zum Senator des Königreichs Italien ernannte Verdi auf sein Landgut zurück und beschränkte sein Engagement auf persönliches Tun.

VerdiSo errichtete er, bereits selbst hoch betagt, ein Altersheim in Mailand für ehemalige Musiker. Dieses Seniorenheim bezeichnete der einzigartige Komponist dann auch als sein Lebenswerk, das beste, was er geschaffen hat. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass seine Opern bis heute gefeierte Klassiker auf allen internationalen Bühnen sind. Auch Kantaten, Kammermusik und Geistliches schuf das musische Genie - ich persönlich liebe sein Ave Maria, geschaffen für einen vierstimmigen Chor a cappella.

Herzlichen Glückwunsch, also, Herr Verdi, zum Geburtstag. Auch wenn wir nicht genau wissen, wann Sie genau geboren sind, geraten Sie nicht in Vergessenheit!

Verdi bei Jokers

10.10.2006, 16.16 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kulturgeschichte

Der Blick aus dem Weltall

SternenkundeDie Crew der "Atlantis" beendete ihren zweiten Weltraumeinsatz: Mehr als sieben Stunden hielten sich die Astronauten außerhalb ihrer Raumfähre im Weltall auf. Faszinierend, denke ich mir. Zu gerne würde ich selbst einmal einen Blick von dort oben zu uns herunter werfen. Wenn ich unseren kleinen blauen Planeten denn überhaupt in diesem Gewirr von Sternen und Monden erkennen würde!

Vielleicht geht es Ihnen ja ähnlich: Manchmal, in einer wunderschönen sternenklaren Nacht, blickt man mit seinem Partner in den dunklen Himmel, bewundert all das Blinken und Glitzern - bis plötzlich der Partner wissen will, welches dieser Blinklichter denn nun die Venus, bekannt auch als Göttin der Liebe, sei. Natürlich hat man keine Ahnung - vielleicht bekommt man mit einiger Mühe noch die Namen der Planeten unserer Milchstraße zusammen: Der Spruch "Mein Vater Erklärt Mir Jeden Sonntag Unsere Neun Planeten" hilft da gewaltig - Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, Pluto. Aber ERKENNEN ist wieder gänzlich etwas anderes.

Damit ich nicht mehr überfordert bin, die einzelnen Sterne und Planeten zu benennen, habe ich mir ein Computerprogramm besorgt und mir den Sternenhimmel erklären lassen. Und Sie werden es nicht glauben: Es hat gehörig viel Spaß gemacht. Weil es nämlich nicht nur schön ist, die näheren und weiteren Sterne identifizieren zu können, sondern weil die Aussicht auf "da oben" einfach auch überwältigend ist - und auf dem Bildschirm so lange man will bestaunt werden kann. Nicht nur läppische sieben Stunden, die die Astronauten außerhalb ihrer Raumkapsel hatten.

Sternenkunde bei Jokers

09.10.2006, 10.12 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches

Kleine Wortkunde für Motorradneulinge

Also manchmal erstaunen mich meine Freunde immer wieder. Zum Beispiel eine gute Bekannte, die ich neulich zufällig im Cafe traf. Dass sie schon seit zehn Jahren ein Motorrad hat, war mir bekannt. Dass es seit vielen Jahren unbenutzt in ihrer Garage steht, auch. Dass sie sich deshalb diesen Sommer zusätzlich ein neues, „großes“, gekauft hat, nicht. Und dann auch noch das: Mit ihrer neuen Kawasaki W 650 fuhr sie zwei Wochen nach dem Kauf eben mal so nach England. Zum Ace-Cafe-Treffen, dem so genannten „Ace Day“. Davon hatte ich noch nie zuvor etwas gehört, aber sie klärte mich Gott sei Dank auf.

BikeSo erfuhr ich, dass sich hier jährlich Motorradliebhaber aus aller Welt treffen, um bei Rockabilly-Sound mit Gel in den Haaren, schwarzer Lederjacke und weißem Seidenschal über „Cafe Racer“ zu diskutieren. „Schon wieder so ein Begriff, der mir nix sagt“, entfuhr es mir. Um ehrlich zu sein, stellte ich mir unter „Cafe Racer“ eher ein Gefährt à la Comic-Held „Werner“ vor, das mit Cafe fährt, als das ganz spezielle Motorrad, von dem sie mir anschließend vorschwärmte.

Und so lernte ich im Gespräch noch andere vollkommen neue Begriffe wie: „Stummellenker“, „Ochsenaugenblinker“ oder „Höcker“. Bis dato unbekannt war mir auch, dass Motorräder nackt sein können, wenn sie ohne Verkleidung ausgestattet sind, Bikini tragen, wenn sie um das Licht herum eine „Maske“ haben, oder „Jogurt-Becher“ heißen, wenn sie vollverkleidet sind. Auch Begriffe wie „Nockenwelle“, „aufpilzen“ und „aufbohren“, deren Erläuterung hier aber den Rahmen sprengen würde, durfte ich in dem Gespräch mit meiner Freundin lernen. Am meisten hat mich jedoch beeindruckt, dass sie quasi in einem Sitz die kompletten Kilometer nach London „geschrubbt“ ist und dabei fast alle wichtigen Städte - zumindest im Vorbeifahren - gesehen hat – in 24 Stunden…

Bikersprache und noch ein Bikerlexikon


07.10.2006, 09.03 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln

Geburtstag verschlafen

GötterlehreIch habe ihn verschlafen, den 250. Geburtstag von Karl Philipp Moritz. Klar! Wer kennt ihn denn noch? Die „Götterlehre“ war sein populärstes Buch. Ein Nachschlagewerk zur klassischen Mythologie, das die antiken mythologischen und epischen Dichtungen nacherzählt. Wir hatten das Buch noch bis vor kurzem im Programm. Daneben hat er den ersten „psychologischen“ Roman in deutscher Sprache geschrieben: Anton Reiser, eine stark autobiografisch geprägte Schrift. Auch eine psychologisch orientierte Zeitschrift gibt der Gymnasiallehrer und spätere Professor heraus, der nicht Schauspieler werden kann und einen Suizidversuch hinter sich hat.

Er lebt nur 36 Jahre ein Leben von verschiedenen Strömungen, ein bewegtes und begnadetes Leben. Vielleicht ist es nicht übertrieben ihn ein Genie zu nennen. Jedenfalls hat er sich ständig weiterentwickelt, war immer fruchtbar, hat ungezählte Schriften zu den verschiedensten Themen verfasst. Er wusste über Schönheit so Grandioses zu sagen wie über die Freimaurer. Ständig versuchte er sein Ich in eine gesunde Balance zur Umwelt zu bringen. Darin macht er mir einen ganz modernen, aktuellen Eindruck. Auch wir haben uns jeden Tag mit den verschiedensten Strömungen und Themen auseinanderzusetzen. Und sind jeden Tag gefährdet unsere eigene Linie zu verlieren.

03.10.2006, 02.05 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren

Sehr geehrte Damen und Herren

mailMails mit diesem Aufmacher bekomme ich jeden Tag. Ich verstehe es nicht. Wenn mir schon jemand an meine Adresse schreibt, kennt er sie doch eigentlich. Und dann braucht er nicht mehr „Sehr geehrte Damen und Herren“ zu schreiben, sondern kann schreiben „Hallo Matthias“ oder „Guten Tag, Herr Stöbener“ oder „Na, wie geht es dir, altes Haus?“ Aber „Sehr geehrte Damen und Herren“ animiert mich nicht besonders eine Mail zu lesen.

Gerade kam wieder so eine „Sehr geehrte Damen und Herren“-Mail rein. Ich wollte sie schon wegkicken, als ich reinlas:

„…unsere Redakteure haben aus den über zehn Millionen deutschsprachigen Web-Seiten eine Auswahl der 6.000 besten Internet-Adressen getroffen und diese im Web-Adressbuch für Deutschland 2007 veröffentlicht. Auch Ihre Web-Seite www.jokers.de wurde als eine der Besten aus dem Bereich Einkaufen in unserem Internet-Guide vorgestellt! ...“

Unterschrift Dipl.-Pol. Mathias Weber (Geschäftsführer)

Wunderbar, dachte ich, und freute mich. Ein kleiner Angestellter wie ich, der mit Ärmelschonern am Computertisch festklebt, kann solches Lob selten genießen. Und dann dachte ich: Vielleicht sollte ich meine Einstellung gegenüber „Sehr geehrte Damen und Herren“-Mails ändern und sie alle erstmal lesen, bevor ich sie weglösche …

02.10.2006, 20.41 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Jokers intern

Intellektuelle Freiheit?

Verbannte BuecherEs ist verblüffend, aber leider wahr: Auch im Jahre 2006 ist die Informationsfreiheit nicht ganz so verbreitet, wie wir gerne glauben würden. Oder war Ihnen bekannt, dass weltweit, auch in den westlichen Ländern, Jahr für Jahr weitere Bücher auf die Liste der "schwarzen Bücher" gesetzt werden? Bücher also, die nicht mehr verkauft werden dürfen, die zensiert oder schlichtweg verboten werden? Die Gründe hier für sind uns Lesefreunden meist nicht ersichtlich - denn keineswegs sind es nur "böse" Titel, die der Allgemeinheit nicht zugänglich gemacht werden.

Seit 25 Jahren setzt sich die ALA, die American Library Association, in ihrer jährlichen "Banned Books Week" für die intellektuelle Freiheit ein: Auf ihren Internetseiten veröffentlicht die Organisation Listen der "banned" oder "challenged books". Erstaunlich, welche Meisterwerke sich darunter befinden: Neben Orwells "1984" sind auch andere Klassiker wie "Of Mice and Men", das viele Schüler im Englischunterricht lesen, darunter. Auch "A Clockwork Orange", ein Meisterwerk, das viele von uns auch als Theaterstück kennen, oder "Naked Lunch" und "One Flew Over the Cockoo´s Nest" ("Einer flog übers Kuckucksnest") zählen zu der scheinbar schädlichen Literatur.

Alle diese Exemplare habe ich zu Hause in meinem Bücherschrank, viele davon noch aus der Schulzeit - ich frage mich, in wie weit mich diese Erzählungen an Leib und Geist gefährdet haben ... Vielleicht haben jene, die bestimmen, welches Buch auf die schwarze Liste kommt, keines davon selbst gelesen. Denn wenn sie den Inhalt kennen würden, so wüssten sie, dass diese wichtigen, großartigen Bücher keineswegs schlechtere Menschen aus uns machen - höchstens eigenständig denkende Leser.

Verbannte Bücher

01.10.2006, 09.15 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bücher allgemein

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