
Die Wahrheit liegt irgendwo weit draußen …
An einem verregneten Sonntag vor ein paar Wochen habe ich das gemacht, was ich schon seit Urzeiten endlich mal wieder tun wollte: Ich ging ins Planetarium. Verklärt von vielen Jahrzehnten, die seit meinem letzten Besuch vergangen waren, war ich zunächst etwas enttäuscht, als ich in den Kuppelraum kam und die Vorführung begann. Ich erfuhr nichts Neues über Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun, die Planeten unseres Sonnensystems, ich erfuhr auch nichts Neues über die Größe unserer Sonne (1.392.520 km), die Sternzeichen und den Sternenhimmel.Dann aber wachte ich auf: Der Film, den ich sah, stellte die These auf, dass es noch keinem Außerirdischen gelungen sein könne, auf der Erde zu landen, weil die Entfernungen zwischen den Planeten unserer Galaxie einfach zu groß seien, als dass ein Außerirdischen-Leben, auch wenn es fünfmal so lang wäre wie das menschliche, ausreichte diese Entfernungen zu überwinden. Nach dem Film habe ich mich in meinem Bekanntenkreis umgehört und stieß dabei mehrfach auf die Annahme, dass wir sogar in unserer Galaxie allein seien. Aber ich interviewte auch passionierte Akte-X- und Star-War-Fans, die sich natürlich für extraterrestrisches Leben und dafür aussprachen, dass Außerirdische schon auf der Erde gelandet seien.
Die Frage, was wahr ist, habe ich mir schon als Pubertierender gestellt. Damals las ich Erich Däniken und war fest davon überzeugt, dass Ägypter und Azteken Besuch von den Sterne hatten. Anders seien die Pyramiden z. B. nicht erklärbar. Damals glaubte ich noch an Wunder und daran, dass Mysteriöses jeden Tag in mein Leben einbrechen kann. Der Alltag schien mir viel zu banal, um nicht mit Träumen von „kleinen grünen Männchen“, Raumfahrern aus fernen Galaxien bevölkert zu werden. Im Laufe des Erwachsenwerdens gewöhnte ich mir dann den Wunder- und Mysterienglauben ab.Im Planetarium aber brach die alte Frage wieder auf: Sind wir Menschen wirklich allein im Universum? Zeugt es nicht von Selbstüberschätzung, das zu glauben? Auf der anderen Seite: Welche Planeten bieten überhaupt die Möglichkeit für Leben? Ich spürte: Da weiß ich einfach zu wenig dazu und so werde ich mich in der nächsten Zeit vielleicht doch mal etwas genauer mit der Astronomie beschäftigen, denn die Frage lässt mich nicht los. Wir haben ja genug Bücher im Angebot.
Astronomie bei Jokers
29.09.2006, 09.05 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Naturwissenschaften
Wie einst John Wayne
Während mir Sala aus seiner Heimat erzählt, schleift er das Rasiermesser. Ich bin das nicht mehr gewohnt, dass ich von einem fremden Mann mit umgehängten Handtuch und einem langen Rasiermesser von den Stoppeln um mein Kinn herum gründlich entsorgt werde. Erst Schaum, dann Massage, dann Rasiermesser, dann Rasierwasser, dann heißes Tuch. Genau so wurde ich von Sala rasiert, wie man das aus den alten Wildwestfilmen kennt. Den einen Streifen versuchte ich zu verdrängen, bei dem der böse Revolverheld erste den Frisör mit seinem Colt niederknallt und dann sein Opfer im Frisörsessel von hinten mit dem Rasiermesser …. Urrrrghhhh.
Ich konzentriere mich auf die orientalische Musik vom CD-Player. Orientalische Western gibt's nicht. Von dem Karl-May-Streifen „Durchs wilde Kurdistan" mal abgesehen. Ich schließe vertrauensvoll die Augen und spüre das gebogene Rasiermesser über meine Kehle kratzen, dann gleiten. Als ich die Augen wieder öffne, staune ich schwer. Sala hat nun eine kleine Fackel in der Hand. Nanu, denke ich mir, hat er nicht nur Kunst studiert, war er auch in der Artistenschule um sein Kunden gut unterhalten zu können? Ich staune noch mehr. Sala fährt mit der Mini-Fackel, die er in Alkohol eingetaucht und mit einem Feuerzeug entzündet hat, in die Löcher der Ohren und der Nase. Was hat er mit mir vor? Ist das eine Killer-Methode der orientalischen Cowboys? Will er mich innerlich grillen? Nein, er brennt mir nur die hervorstehenden Haare aus der Nase und den Ohren. Gute Methode, denke ich und schweige tapfer. Es riecht in Salas Salon nach verbranntem Horn. Genauso wie bei den Western-Helden, wenn die einer Kuh das glühende Brenneisen für ein Brandzeichen auf das qualmende Fell drücken.Hallo Männer, seht ihr einen türkischen Frisör-Salon, dann geht rein und lasst euch rasieren und ausbrennen. Ihr kommt mit einem stolzen Gang raus wie einst John Wayne.
27.09.2006, 10.46 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln
Ganz schön jung
Junge 37 Jahre wird sie alt: Tanja Kinkel, eine der erfolgreichsten deutschen Schriftstellerinnen. Am 27.09.1969 ist die Bambergerin geboren worden. Heute lebt sie in München und blickt auf ein stolzes Schaffen zurück. Mehrere Bestsellererfolge küren ihre Laufbahn. "Götterdämmerung", "Der König der Narren" oder "Die Puppenspieler" - mehrmals hat die Dr. phil. bewiesen, dass sie uns Leser mit spannenden und fesselnden Romanen in ihren Bann ziehen kann. Meist verknüpfen ihre Geschichten packende Ereignisse in Krimiattitüde mit atemberaubender Leidenschaft - die große Liebe ist eines der wunderbarsten Themen der hoch gelobten Autorin.Bereits achtjährig begann die große Erzählerin zu schreiben - zuerst kleinere Geschichten und Gedichte, aus denen aber schon bald gewaltige Romane wurden. Ihr Erstlingswerk "Wahnsinn, der das Herz zerfrisst", 1990 erschienen, zählt auch heute noch zu den meist gelesenen Liebesromanen. Doch nicht nur in Deutschland ist Tanja Kinkel zum Lieblingskind des Buchhandels avanciert: Viele ihrer Werke, so zum Beispiel "Der König der Narren", wurden in mehrere Sprachen, u. a. sogar Spanisch, übersetzt.
Heute also feiern wir den Geburtstag der Bestseller-Autorin - und wir haben unsere Regale geplündert und können Ihnen zu diesem erfreulichen Anlass gleich zwei ihrer Romane anbieten - schmökern Sie mit uns!
27.09.2006, 08.41 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren
Youtube und diverse Oldies
Mani hat ein Portal im Internet entdeckt, das vor allem von den jungen Internet-Usern auf der ganzen Welt intensiv genutzt wird: www.youtube.com! „Schau doch mal, ob du da was über die Troggs und ihren Hammer-Hit Wild Thing findest", bat ich Mani. Tatsächlich: Er gab bei youtube-search die gewünschte Band und den Titel ein und schon sahen wir auf dem Bildschirm die Troggs in den gestreiften Anzügen der wilden Sixties durch die Londoner U-Bahn toben. Sofort setzte ich mich zu Hause hin und gab bei youtube Rock-Legenden wie Elvis, Deep Purple, Led Zeppelin, Bob Dylan, Kinks, Equals und Rolling Stones ein.Das war ein Spass, was da alles kam! Da freut sich der Sound-Archäologe. Aber ich entdeckte auch total verrückte Filmchen und Werbespots. Ein Bärtiger macht Nena nach und Harry Potter quatscht total doofes Zeug. Halbwahnsinnig machte mich das Song-Video "God's away on business" von Tom Waits. Ist sehr, sehr schräg, aber echt stark was der Sänger da in einem düsteren Haus erlebt.
Mein Geheimtipp ist der das Song-Video „Hurt" von Johnny Cash. Ich musste dabei weinen, so schön traurig ist es. Ehrlich. Anschauen und mitweinen!
www.youtube.com
25.09.2006, 09.13 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches
Ein Verein sucht Wörter
Auf der Start-Seite meint der Fernseh-Moderator und -Wetterfrosch Elmar Gunsch, ein Mitbegründer dieses Vereins: "Nähmen wir die Missentwicklung unserer Sprache widerspruchslos hin, könnten wir uns in absehbarer Zukunft nur noch in Formeln unterhalten." Naja, das Wort „Missentwicklung" ist für mich jetzt nicht das schönste Wort des Jahres, das vom VDS gerne gesucht wird.Gegründet wurde der VDS am 14. November 1997 und zählt heute schon gut 27.000 Mitglieder in über 100 Ländern. Leitspruch: „Uns vereint die Begeisterung für die deutsche Sprache und der Überdruss an der Vermanschung des Deutschen mit dem Englischen zu Denglisch; uns geht das pseudokosmopolitische Imponiergehabe vieler Zeitgenossen, wie es sich insbesondere im hemmungslosen Gebrauch von überflüssigen Anglizismen äußert, gewaltig auf die Nerven." Das ist doch eine klare Aussage mit treffenden Worten, oder? Verlockt zum Mitmachen, finde ich.
Dieser Sprach-Verein sucht auf seinem Internet-Portal passende deutsche Wörter für englische Begriffe wie „no-go-area", „online" oder „event", die uns regelrecht überfluten. Da kommen dann recht lustige, manchmal auch recht skurrile und manchmal auch recht gute Ersatz-Wörter dabei heraus. Darüber wird dann im „Forum" heftig hin und her debattiert. Manchmal debattiere ich auch mit. Und meistens erhalte ich ein recht interessantes Echo auf meine Meinung.Ich mag beim „Forum" besonders die Diskussions-Seite „Klartext". Hier meldet sich auch mal ein VDS-Mitglied und berichtet: „Zur Übertragung von "Fast Food" ins Deutsche kamen die sprachwitzigen Einsender auf Neuschöpfungen wie Issfix, Dampfmampf, Raschnasch oder das entzückende Ruckizuckifutti, unter den böseren waren Hudelmahl, Trottelfutter, Fettreinwürger. Insgesamt kamen rund 3500 Vorschläge."
Für das Jahr 2006 hat der VDS den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Günther Oettinger, zum „Sprachpanscher 2006" gewählt. Warum? Oettinger hatte gesagt: "Englisch wird die Arbeitssprache, Deutsch bleibt die Sprache der Familie und der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest." Das ist den VDS-Mitgliedern bitter aufgestoßen.
Übrigens: Auch über ein so genanntes Denglisch-Wort wie Sprach-Scout würde bei „Klartext" sofort debattiert. Ich schlage hier gleich mal Sprach-Pfadfinder dafür vor.
Hier geht es zum Sprach-Verein
23.09.2006, 10.31 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kulturgeschichte
Serkan schreibt und liest
Als ich gestern im Nachmittagssonnenschein über den Rathausplatz lief,sah ich Serkan auf einer Bank sitzen und in ein Büchlein kritzeln. Man kann sagen, der lag lässig auf der Bank, wie einst Goethe auf dem berühmten Bild von seiner Italienreise. Nebenbei trank Serkan mit einem Röhrchen aus einem Pappbecher. Serkan macht ein Praktikum im Buchhandel. Daher kenne ich ihn. Neulich habe ich ihn sogar mal zufällig in einer anderen Stadt getroffen. Er war dort als Schauspieler bei einem Treffen von Schultheatern. Er ist als bulgarischer Türke in Deutschland aufgewachsen. Er spricht ein schönes Deutsch und hat eine sympathische Stimme. Das hat er beim Theater gelernt.Neulich habe ich Serkan auf einem Zeitungs-Foto gesehen. Im Lokalteil. Der Fotograf hat Serkan erwischt, als dieser in einem Park auf einen Baum in einer Astgabel saß und völlig versunken in einem Buch las. Ich fragte Serkan, was er denn da trinkt. Einen Milchshake mit Vanille und Erdnuss, sagte er. Sehr empfehlenswert. Sehr lecker. Ich holte mir bei dem nahen SB-Café das gleiche Getränk und setzte mich auf die Bank zu ihm. Er machte gerade noch ein paar Notizen in sein Tagebuch, in das er nicht nur seine Erlebnisse rein schreibt. Auch seine Gedanken und Ideen. Ebenso kleine Gedichte.
Serkan erzählte mir, dass er zur Zeit besonders die Gedichte von Hölderlin, Rilke und Celan mag. Und er wollte wissen, was ich gerade so lese. Ich sagte ihm, ich habe ein dickes Gedichte-Buch von Bert Brecht auf dem WC. Mein Motto ist: Nur ein Gedicht am Tag. Das kommt dann besonders gut, finde ich. Dann kann sich die Poesie in einem gut entfalten, wie eine Blume, und noch lange nachwirken.
Wir hatten mit unseren Pappbechern in der Hand und dem Röhrchen im Mund ein intensives Gespräch über Poesie. Dann las mir Serkan noch ein eigenes Gedicht vor, während die Abendsonne orange-rot-farbig unterging. Dieser Tag ist für mich schön ausgeklungen. Ich werde das nächste Mal wieder halten, wenn ich Serkan mit einem Buch sitzen sehe.
Wenn Sie dichten – vielleicht ist dann die Gedichte-Datenbank von Jokers was für Sie?
www.jokers-lyrik.at
21.09.2006, 09.17 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren
Von der Wespe gestochen
Neugierig wie ich bin, begann ich schon nach dem ersten Treffer – der Schmerz trieb mich dazu – nachzuforschen, was das Tier wohl dazu bewogen haben könnte, seinen Stachel ausgerechnet in mein Fleisch zu versenken. Ich sollte vielleicht nicht unerwähnt lassen, dass ich beim ersten Wespenstich einfach nur auf dem Balkon meines Sohnes saß und ein Buch las.
Meine Recherchen ergaben eindeutig: Das Tier muss sich auf irgendeine Weise bedroht gefühlt haben. Von mir bedroht? Wie kann ich als friedlich lesender Feierabend-Literat einen gefährlichen Eindruck für eine Wespe erwecken? Ich fand keine Antwort auf diese Frage. Gut. Die Stiche, die mir in den folgenden Wochen beigebracht wurden, landeten die Wespen alle in der Natur, sozusagen „in freier Wildbahn“. Klar, in der Natur auf einem Terrain, das nicht immer vom Menschen in Besitz genommen wird, kann man sich als Wespe schon mal provoziert fühlen. Ich sehe es ein. Auch meine Bekannten, die gestochen wurden, waren alle in der Natur in action.Doch auch ein guter Freund wurde „hinterrücks“ beim Lesen in Ruhestellung versehrt. Es kann also nicht nur an einer durch Bewegung in freier Natur hervorgerufenen Provokation liegen, dass man gestochen wird. Ich forschte also weiter. Und siehe da: Meine weiteren Nachforschungen ergaben Erschütterndes. Auch schwarze oder farbenfrohe Kleidung, Parfum, Haarspray, Shampoo oder Sonnenmilch kann die Tierchen zum Stechen verführen. Also im Prinzip alles. So eine Wespe ist offensichtlich ein reizbares Tier.
Ich habe die Ursachenforschung resigniert aufgegeben. Ich werde mich nicht gegen die Stiche schützen können. Wahrscheinlich hat mich der erste Stich deshalb erwischt, weil der Wespe das Buch nicht gefiel, das ich las. Es war ein Ratgeber zur Schädlingsbekämpfung ...
19.09.2006, 07.30 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches
Rocker oder Popper?
Ich erklärte: Seit frühester Jugend sparte ich, um mir ein Album – damals selbstverständlich noch auf Vinyl gepresst – nach dem anderen zu kaufen. Mein erstes war „Rubber Soul“. Es folgten „Revolver“, „Abbey Road“, die „Magical Mystery Tour“, der Soundtrack zu „Yellow Submarine“ und selbstverständlich das legendäre „White Album“. Selbstredend haben auch zahllose Single-Scheiben sowie das Blaue und das Rote Album, alles bedruckt mit dem original Apple-Label, den Weg in mein Plattenregal gefunden. Auf Klavier konnte ich schon mit zehn Jahren „Hey Jude“, „The long and winding road“ und „Let it be“ spielen. Bereits damals verknotete ich mir die Finger, als ich versuchte auf der Gitarre „While my guitar gently wheeps“ nachzuspielen.
Als ich all diese Erinnerungen vor meinen Freunden ausbreitete, wurden ihre Stirnfalten immer tiefer. Bis es schließlich aus einem herausbrach: „Du bist ja ein Popper!“ „Unverschämtheit. So etwas Dummes hat ja nie einer zu mir gesagt“, war meine erste Reaktion. Meine Freunde klärten mich auf: Richtig cool sei nur gewesen, wer schon als Knabe richtig rockte. Laute Gitarrenriffs, speckige Lederjacken und wilde Partys ... Ich versuchte mit den psychedelischen Trips der Fab Four zu „Lucy in the sky with diamonds“ und ihren vielen Indien-Reisen dagegen zu halten. Vergeblich. Jetzt laufe ich bei meinen Kumpels als „Popper“. Ich nehme es gelassen. Immerhin waren die Beatles die beste Band des letzten Jahrhunderts. Allein schon deshalb, weil von John, Paul, George und Ringo keiner von einer Palme gefallen wäre …Beatlemania
17.09.2006, 09.05 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln
Anregungen
Am 4.10. ist es wieder so weit: Pünktlich zum Abschluss der Wiesn eröffnet die weltweit bedeutendste Buchmesse in Frankfurt zum x-ten Mal ihre Pforten. Natürlich werde ich hinfahren, aus vielen Gründen: Zum einen gehört es zu meiner beruflichen Verpflichtung, mir diese bunt schillernde Welt der Neuerscheinungen und literarischen Highlights anzusehen, zum anderen finde ich es auch als Privatmann einfach klasse, an all den beeindruckenden Ständen vorbeizuschlendern, mal dieses Buch, mal jene Hörbuchausgabe in die Hand zu nehmen, den Vorträgen zu lauschen und mich ein wenig mitreißen zu lassen von dem wunderbar internationalen Trubel. Vielleicht kann ich an Ess-Ständen alle möglichen indischen Leckereien naschen. Indien ist 2006 nämlich das Gastland der Buchmesse. Sicher werde ich mich an den farbenprächtigen Dekorationen der ausländischen Aussteller delektieren können.Doch einer Veranstaltung sehe ich jedes Jahr mit besonderer Vorfreude entgegen: der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Börsenvereins des Buchhandels. 2006 wird der deutsche Soziologe und Schriftsteller Wolf Lepenies mit der großen Ehrung ausgezeichnet. Lepenies ist der Autor von "Melancholie und Gesellschaft", "Aufstieg und Fall der Intellektuellen in Europa" oder "Benimm und Erkenntnis". Laut Statut des Börsenvereins wird seit 1950 jährlich eine Persönlichkeit ausgezeichnet, die "die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat." Auf Wolf Lepenies treffen diese Kriterien nach Überzeugung der Jury in vollem Maße zu. Ich habe noch nichts von ihm gelesen, vielleicht regt mich Frankfurt und die Preisverleihung an, eines seiner Bücher in die Hand zu nehmen. Meistens aber ist es so – ich kenne das: Frankfurt bietet Anregungen und Autoren, die noch nicht auf meinem Radarschirm aufgetaucht sind. Aber genau das ist das Spannende an Frankfurt.
Mehr zu Frankfurt in unserem Special:
15.09.2006, 09.34 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Autoren
Ich will mitreden
Europa Mitte der 80er Jahre: Die Parfümindustrie erlebt einen ungeahnten Aufschwung. Frauen, die sonst nie zum Duftzerstäuber griffen, schnüffeln plötzlich begeistert in den Drogerien an den Proben. Männer können plötzlich guten Gewissens die betörenden Flacons zum Geburtstag ihrer Ehegattin mitbringen, ohne dass die werte Dame angesichts der objektiven Ideenlosigkeit stinkig werden.Das Parfüm-Fieber hatte uns alle ergriffen. Kein anderer als Patrick Süsskind, der deutsche Drehbuchautor und Schriftsteller, löste diese Massenbewegung aus: Sein Bestseller-Krimi "Das Parfum" erschienen 1985 und eroberte die internationalen Bestsellerlisten im Sturm. 15 Millionen verkaufte Exemplare, übersetzt in 46 Sprachen: Kaum ein Land, in dem es nicht plötzlich anfing zu duften.
Natürlich gab es auch viele Gegner Süsskinds, viele offizielle und selbst ernannte Moralapostel, die ihre Abscheu vor der makaberen Geschichte nicht verbargen: Welch´ krankes Hirn kommt auf solche Ideen?, fragen sie laut.
Heute, Jahrzehnte später, Jahrzehnte, in denen die Welt mit Büchern wie "American Psycho" gehörig desensibilisiert wurde, empört sich kaum jemand mehr angesichts der subtilen und offenkundigen Gewalt in "Das Parfum". Heute wird das Buch als Weltliteratur gehandelt.
Demnächst kommt "Das Parfum" in die europäischen Kinos: Ich bin gespannt, auf welche Weise die Regisseure Bernd Eichinger und Tom Tykwer die gruselige Geschichte des Pariser Psychopathen umzusetzen vermögen. Denn: Dass ich mir den Film ansehen werde, steht außer Frage. Man kann erwarten, dass er ein echter Kinohit wird - und ich will schließlich mitreden können!
13.09.2006, 09.35 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: In der Presse
Untergegangenes wiederbelebt
In ihrem Lerneifer geht sie keineswegs chronologisch vor: Sie öffnet ihr "Kleines Lexikon der untergegangenen Wörter" an beliebiger Stelle und guckt einfach mal, was ihr da ins Auge springt. Und dann versucht sie, dieses neue alte Wort in Alltagsgesprächen anzuwenden: So kann es sein, dass sie deshalb nicht mit zum Schwimmen kommt, weil sie gerade ihre "Blume" hat, oder dass sie einen Mann "ausfensterte". Und wenn die Zeugemutter, die Natur, mal wieder mit einem wunderbaren Regenbogen-Schauspiel glänzt, so kommt ihr das durch und durch "englisch", engelhaft, vor. Zum "Harnpropheten", also dem Arzt, geht sie äußerst ungern und statt guter Besserung wünscht sie nun "gute Auffkunft".Heimlich habe ich mir nun dieses sagenhafte Werk auch besorgt: Das nächste Mal, wenn ich sie treffe, werde ich mich dann, wenn ich mal für kleine Jungs muss, mit den Worten entschuldigen, dass ich eben mal hofiren gehen muss...
11.09.2006, 08.37 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kulturgeschichte
Bob Marley gegen Milbenallergie!
Was jetzt aber Mediziner herausfanden, ist durchaus eine Meldung hier im Blog wert: Hardrock gegen Schmerzen, sprang mir als Überschrift einer Online-Zeitung kürzlich ins Auge. Natürlich habe ich gleich mal nachgeklickt und staunte nicht schlecht, als ich las:Musik hilft gegen Krankheiten. Flötenmusik gegen Tinnitus, Pink Floyd gegen Übergewicht, Rockmusik statt Narkosemittel. Ein ganzer Wissenschaftszweig, namentlich die Musikmedizin, beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Harmonien und Disharmonien auf den menschlichen Organismus. Angeblich kann sogar die geeignete Musik einem Herzinfarkt vorbeugen.
Ich finde das richtig klasse - zumal sich meine Frau schon öfter beschwerte, wenn ich zu Hause Bob Marley aufdrehte statt Staub zu wischen. Aber jetzt habe ich ja eine stichhaltige und echt medizinische Entschuldigung: Ich will nur meiner Milbenallergie entgegenwirken. Und wenn ich die los bin, stört ein wenig Staub in der Wohnung ja gar nicht mehr. Und damit sie sich nicht so aufregt, bringe ich ihr einfach eine CD von Eric Clapton aus unserem Musik-Programm mit ...09.09.2006, 09.18 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Nebensächliches
Das sitzt!
„Nimm Platz!“ – Bisher bin ich dieser Aufforderung stets gefolgt, indem ich mir einfach die nächste freie Sitzgelegenheit geschnappt habe. Was aber alles in der Tisch-Etikette so seinen Platz hat, erfuhr ich erst neulich. Bei einem recht heiteren Umtrunk erzählte mir ein Kollege von der so genannten „Westfälischen Reihe“. Da es sich bei dem Herrn um einen großen Fleischliebhaber handelte, nahm ich an, er sprach von einer Würstchen-Kette. Groß war seine Entrüstung, als ich ihm meine Vermutung offenbarte. Ich erfuhr, dass es sich um eine Sitzordnung handelte, bei der abwechselnd Männer und Frauen am Tisch „bunt“ positioniert werden. Meine anschließenden Recherchen ergaben sogar, dass es sich bei dieser Anordnung um eine geschickte Methode handeln soll, Konflikte bei Gesprächsrunden zu vermeiden, bzw. das Zusammensein zu harmonisieren.Doch die subtile Einflussnahme bei Tisch kann noch weiter getrieben werden: Sitzen sich zwei Streithähne gegenüber, so soll dies den Konflikt zum Eskalieren bringen, da sich die Opponenten Auge um Auge, Zahn um Zahn konfrontieren. Ans Eck gesetzt, würden die Streithammel jedoch konstruktiv zusammenarbeiten. Nicht ganz so neu war mir die Erkenntnis, dass, wer Wichtiges zu sagen hat oder einfach nur wichtig ist, am Kopfende sitzt. Saß schon früher bei Familientreffs die Oma am Tischende, so sitzt auch heute selbstverständlich der Chef an der Stirnseite des Besprechungstischs. Sitzt, passt und hat Luft – möchte man da sagen. Auf jeden Fall werde ich das nächste Mal weniger auf die Weichheit der Sitzfläche und mehr auf die Sitzordnung achten.
Wer sich für Umgangsformen allgemein interessiert: Hier gibt es Literatur dazu!
07.09.2006, 07.07 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kulturgeschichte
Von Depressionen verfolgt
"Die einzig wahre Quelle der Kunst ist unser Herz, die Sprache eines reinen kindlichen Gemütes. Jedes echte Kunstwerk wird in geweihter Stunde empfangen und in glücklicher geboren, oft dem Künstler unbewusst aus innerem Drange des Herzens. Schließe dein leibliches Auge, damit du mit dem geistigen Auge zuerst siehest dein Bild. Dann fördere zutage, was du im Dunkeln gesehen, dass es zurückwirke auf andere von außen nach innen."Dieses bekannte Zitat von Caspar David Friedrich fasst vortrefflich die außergewöhnliche Sichtweise des bedeutenden deutschen Malers zusammen: Stets war er bemüht, seinen Mitmenschen mehr zu geben als "nur" kunstvolle Gemälde. Er, dessen Werke oftmals verlassene Individuen in weiten Landschaften zeigen, würde heute Geburtstag feiern: Am 05.09.1774 wurde er in Greifswald geboren, am 07.05.1840 starb er. Sein Leben war geprägt von einer beinahe ungreifbaren Sehnsucht, der stetigen Suche nach innerem Frieden und Ruhe. Oft begab sich der große Künstler der Romantik, der an Depressionen erkrankt war, auf lange Bergwanderungen. Um unsterblich zu sein, müsse man sich dem Tod stellen, meinte er und bezog sich auf die Neigung, oft Tod, Untergang und Verderben in Gemälden festzuhalten. Dies macht sich auch in seiner Farbwahl bemerkbar: Mehrmals verwendet er die Farbe violett, das Symbol für Trauer und Melancholie, in seinen Bildern.
Diese Schwermut zieht sich durch sein gesamtes Werk, auch wenn viele seiner bezaubernden Landschaftsmalereien Friede und Einklang fast spürbar verströmen. Doch insbesondere die Natur war für Caspar David Friedrich immer ein mystisches, beinahe spirituelles Erleben: In ihr fand er seine innere Stille, die er suchte und dennoch nicht auf Dauer ertrug."Alles ist Stille-Stille-Stille um mich her; allein und immer allein; es tut mir wohl, aber immer möchte ich es nicht so haben", schrieb er einst an seine Frau - seine Werke spiegeln dies vortrefflich wider. Ihm ist es gelungen, sein Seelenbildnis an seine Bewunderer zu vermitteln.
Caspar David Friedrich bei Jokers
05.09.2006, 09.40 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kulturgeschichte
Alles im Lot auf´m Boot …
Deshalb habe ich mich vor ein paar Monaten bei einem Kanukurs eingeschrieben. Für einen hübschen kleinen Kurzurlaub mit mir allein und viel Ruhe. Vor ein paar Tagen war es dann endlich so weit. Ich hatte mir extra ein schönes Wochenende ganz allein für mich ausgesucht. Mit großen Erwartungen trudelte ich an der vereinbarten Stelle ein, von weitem schon erkennbar an den vielen Booten, die da am Ufer im Gras warteten. Doch etwas stimmte nicht. Als sich schließlich alle Kursteilnehmer versammelt hatten, wusste ich, was es war: Außer mir waren nur Väter mit mindestens einem Sohn dabei! Ich war weit und breit die einzige Einzelperson!Als wir Stunden später, stetig von den Söhnen umjubelt, mit großem Hellau auf dem Wasser schipperten – ich hatte die Ehre und durfte im Zweier-Boot zusammen mit der hübschen Kanuführerin paddeln – erfuhr ich endlich die Hintergründe: Der Kurs war in einem anderen Programm irrtümlich als „Kanukurs für Vater und Kind“ ausgejubelt worden. Und ich als nachgerückter Teilnehmer war ohne Anhang dabei: Zum ursprünglichen Termin im Mai hatte ich leider keine Zeit und wurde quasi auf den Termin im August „verlegt“. Eine Tatsache, die die anderen Väter nicht müde wurden, zu hinterfragen. Die Hoffnung auf Ruhe war längst davon geschwommen.
Es wurde dennoch ein Erfahrungstrip. Ich lernte viel. Neben „Ziehschlägen“ und Wendemanövern unter anderem auch über Erziehungsmethoden und überforderte Väter. Vor allem der Abend in den Zelten war herrlich akustisch. Es gab die unterschiedlichsten Ansätze, wie die Mitreisenden versuchten, ihre von den Abenteuern des Tages aufgedrehten Sprösslinge zum Schlafen zu bewegen. Manche erzählten Gruselgeschichten, manche zählten Sterne. Genau in meinem Nachbarzelt war der verzagteste Vater untergebracht. Seine zwei Kinder sprangen juchzend und lachend im Familienzelt umher. Selbst gegen Mitternacht konnte er mit seinem zarten „Moritz, Felix! Wir wollen jetzt doch langsam schlafen!“ einfach nichts erreichen. Bis schließlich eine andere sonore Stimme aus der Dunkelheit befahl: „Jetzt ist da aber endlich Ruhe!“ Ab da herrschte Stille. Am nächsten Tag sah man den Vater, dem man die Erziehung aus der Hand genommen hatte, ziemlich zerknirscht. Doch auch die anderen Teilnehmer machten Entwicklungen durch. Und war es auch nur beim Durchhalte-Willen. Von den ursprünglich zehn Grüppchen waren am Sonntag nur noch sieben übrig. Ich zumindest hatte durchgehalten und kehrte überglücklich nach Hause zu meinem eigenen Sohn zurück.Vielleicht sollte der ein oder andere Vater doch mal einen Erziehungsratgeber von Jokers zur Hand nehmen. Hier gibt es eine Auswahl!
04.09.2006, 09.44 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln
Wie Pu zu seinem Namen kam
„Falls Du zufällig schon ein anderes Buch über Christopher Robin gelesen hast, erinnerst Du dich vielleicht daran, dass er einmal einen Schwan hatte (oder der Schwan hatte Christopher Robin, ich weiß nicht, welches von beiden) und dass er diesen Schwan Pu nannte. Das war vor langer Zeit und als wir uns verabschiedeten, haben wir den Namen mitgenommen, weil wir nicht glaubten, dass der Schwan ihn noch wollte. Tja, als nun Eduard Bär sagte, er hätte gerne einen aufregenden Namen ganz für sich allein, erwiderte Christopher Robin sofort ohne nachzudenken, er sei Winnie-der-Pu. Und das war er dann eben“,sagt er selbst zu seiner Namenskreation. Obwohl er später dann diese Bärentaufe in eine schönere Geschichte packt: Um lästige Fliegen zu vertreiben, pustete Pu einmal kräftig durch die Nase "pooh!". Und schon war aus dem bürgerlichen Edward Bear "Winnie-the-Pooh" geworden. Lustig, nicht?
Milne erfand die verspielten Stories um den tappsigen Brummbär für seinen kleinen Sohn Christopher Robin, der selbstverständlich gehörig Spaß an Pu hatte - und mit ihm alle anderen Kinder, die Pus Abenteuer begierig verfolgen - inzwischen ganze 8 Jahrzehnte. Happy birthday, Winnie-the-Pooh!
01.09.2006, 08.10 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kinder und Jugend



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