Jokers Blog Österreich

Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Nebensächliches

Der Ghostwriter der Poesiealben: Cäsar Flaischlen

Poesiealbum.jpgIch traue mich fast zu wetten, dass auch eingefleischten Lyrik-Freunden ein Name nur in Ausnahmefällen ein Begriff sein wird: Der des am 12.5.1864 in Stuttgart als Sohn eines Offiziers geborenen Cäsar Flaischlen nämlich.
Zunächst widmete sich der Dichter dem Buchhandel, studierte dann jedoch in Berlin, Heidelberg, Leipzig, Freiburg und Zürich, promovierte und siedelte 1890 nach Berlin über, wo er 1896 bis 1900 die Kunstzeitschrift "Pan" redigierte.

Seine ersten Gedichte erschienen im Jahr 1884, 20 Lenze zählte Flaischlen zu der Zeit.

Gestorben ist Cäsar Flaischlen am 16.10.1920 im Sanatorium Horneck, sein Ehrengrab auf dem Stuttgarter Pragfriedhof besteht noch heute.

Gut, nachdem Sie nun die groben Rahmendaten aus seinem Leben wissen, möchte ich Ihnen sein wohl berühmtestes Gedicht vorstellen – und auch hier traue ich mich zu wetten, nämlich dass Sie es ganz sicher schon einmal gehört haben, höchstwahrscheinlich sogar haben Sie selbst die erste Strophe in irgendeines der früher so beliebten Poesiebücher geschrieben: Und wahrscheinlich haben Sie auch damals nicht gewusst, wer Urheber dieser Verse war.

Hab Sonne im Herzen,

ob's stürmt oder schneit, 

ob der Himmel voll Wolken, 

die Erde voll Streit! 

Hab Sonne im Herzen,

dann komme, was mag!

das leuchtet voll Licht dir
den dunkelsten Tag! 



Hab ein Lied auf den Lippen,

mit fröhlichem Klang 
und
macht auch des Alltags

Gedränge dich bang! 

Hab ein Lied auf den Lippen, 

dann komme, was mag! 

das hilft dir verwinden

den einsamsten Tag! 



Hab ein Wort auch für andre

in Sorg und in Pein

und sag, was dich selber 

so frohgemut läßt sein: 

Hab ein Lied auf den Lippen, 

verlier nie den Mut, 

hab Sonne im Herzen,

und alles wird gut!

Erinnern Sie sich? Zumindest an die erste Strophe? Und haben diese Worte Ihnen nicht ein kleines Lächeln auf die Lippen gezaubert? Dann schenken Sie diesen Reim doch weiter: Zum Beispiel als ersten Eintrag in dem niedlichen Poesiealbum, das wir von Jokers gerade im Angebot haben.

Poesiealbum bei Jokers

02.09.2010, 16.39 | (0/0) Kommentare | PL

Gegen den "Kikeriki-Journalismus": Der Otto-Brenner-Preis

45.000 Euro sind beim Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus ausgeschrieben: Bis zum 13. August 2010 ist die Bewerbung für die Auszeichnung möglich. Print-, Hörfunk- oder Fernsehbeiträge werden prämiert, die dem Motto "Kritischer Journalismus - Gründliche Recherche statt bestellter Wahrheiten" folgen. Auch Publikumsvorschläge für preiswürdige Beiträge sind willkommen. Gesellschaftlich relevante aber vernachlässigte Themen sollen mit dem Journalisten-Preis ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt werden. Journalistinnen und Journalisten sollen so ermutigt werden, Missstände in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu benennen oder auch unbequeme Fragestellungen zu untersuchen. Ziel ist es vor allem auch, diejenigen Beiträge hervorzuheben, die sich vom "Mainstream" der Berichterstattung durch eine eigenständige und gründliche Rechercheleistung absetzen und in Sprache, Stil und Darstellungsweise überzeugen.

Der Namensvetter des Preises war der gewerkschaftlich aktive Politiker Otto Brenner, der Zivilcourage zum Maßstab seines Handelns machte. Als langjähriger Gewerkschaftsvorsitzender der IG Metall forderte er den "aufrechten" Gang von Politikern ein. "Nicht Ruhe und Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratisch e Wachsamkeit", polemisierte er 1968.

Der Otto-Brenner-Preis ist bereits zum sechsten Mal ausgeschrieben, die Preisverleihung findet am 2. November 2010 in Berlin statt. Eine unabhängige Jury prämiert drei intensiv recherchierte und anspruchsvolle Beiträge (1.-3. Preis, 10.000, 5000 und 3000 Euro). Hinzu kommt ein mit 2000 Euro dotierter Medienprojekt-Preis.

Der Brenner Preis "Spezial", der die beste Analyse (Leitartikel, Kommentar, Essay) mit 10.000 Euro belohnt, soll dazu beitragen, dem Trend zum "Kikeriki-Journalismus" (Heribert Prantl) und der unkritischen Übernahme einer Mehrheitsmeinung entgegenzuwirken. "Demokratie braucht Vielfalt, gerade in den kommentierenden Darstellungsformen. Der Preis will daher Texte prämieren, die Aufklärung fördern, die anregen und aufregen", lautet der Leitspruch der Jury. Träger des "Spezial"-Preises der Otto Bren ner Stiftung sind unter anderem Christian Bommarius (Berliner Zeitung) und Christian Semler.

Jurymitglieder sind Sonia Seymour Mikich (Monitor), Prof. Dr. Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung), Harald Schumann (Der Tagesspiegel), Prof. Dr. Volker Lilienthal (Rudolf-Augstein-Stiftungsprofessur für Praxis des Qualitätsjournalismus an der Universität Hamburg), Prof. Dr. Thomas Leif (netzwerk recherche) und Berthold Huber (Verwaltungsratsvorsitzender der Otto Brenner Stiftung). Man darf gespannt sein, wer 2010 die Lorbeeren einheimst.


25.08.2010, 17.23 | (0/0) Kommentare | PL

Bettwäsche: der neue (literarische) Bezug zu Arthur Miller

Die Kaufentscheidungen mancher Frauen werde ich wohl nie ganz verstehen. So erzählte mir zum Beispiel Susanne neulich, dass sie vor drei Jahren ein Buch gekauft hatte, nur weil sie der Titel an ihre Lieblingsbettwäsche erinnerte. Ja, der Zusammenhang erschloss sich auch mir erst spät. Nämlich erst dann, als sie mir den Buchtitel („Pippa Lee“ von Rebecca Miller) und den Designernamen (Pip Studio) ihrer Bettwäsche nannte.

Ohne meine Freundin wäre ich wohl nie im Leben auf die beiden Namen gestoßen. Denn weder kann ich mit den großformatigen, bunten Blumenmotiven der Amsterdamer Designerin etwas anfangen, noch kannte ich bis dato Rebecca Miller. Spätestens nach der jüngsten Kino-Verfilmung des Romans weiß ich aber, dass es sich bei Letzterer um die Tochter des amerikanischen Schriftstellers Arthur Miller und der deutschen Fotografin Inge Morath handelt. Auch die Handlung des Romans rund um die lebenslustige Pippa ist mir mittlerweile aus Programmheften geläufig. Nach 20 Ehejahren bricht sie noch einmal aus, um das wilde Leben ihrer Jugend zu genießen.

In die Verlegenheit, mit Susanne zusammen den Film anzusehen, werde ich wohl nicht kommen. Denn das Buch hat sie schon längst wieder vergessen. Auch die bunte Bettwäsche ist wieder out. Sie steht jetzt nach eigenen Worten „mehr auf Clean Chick“. Bin ja gespannt, welcher literarische Bezug sich daraus noch entwickelt …



18.08.2010, 12.22 | (0/0) Kommentare | PL

Verblüffendes rund ums Auto

Es gibt Geschichten, die sind einfach unglaublich. Zum Beispiel die, dass ein Tierarzt plötzlich zum Erfinder des Luftreifens wird. So geschehen anno 1888 im damals sicher noch idyllischen Dublin.

QuizDort lebte nämlich ein kleiner Junge, Johnnie, seines Zeichens Sohn des Tierarztes John Boyd Dunlop und stolzer Besitzer eines gummibereiften Dreirads. Leider jedoch hinterließ dieses Gefährt tiefe Furchen in dem gepflegten Garten des Doktors. Kurzerhand zerschnitt der Tierarzt daraufhin seine Gummischürze und klebte die einzelnen Streifen zu einem Schlauch zusammen, als Ventil bediente er sich eines Babyschnullers. Mit einer Fußballpumpe bläst Dunlop den zum Schutz mit Segelstoff umwickelten Schlauch auf und tauft ihn „Pneu“ (griechisch pneuma = Luft). Ein Glück, dass kurz vorher Carl Benz das Automobil erfunden hatte! Eisenbeschlagene Holzräder waren dafür nicht geeignet, schon bald schwebten die Autos der neuen Generation auf ihren Luftreifen …

Ich habe keine Ahnung, ob diese Anekdote stimmt oder fiktiv ist. Fakt ist allerdings, dass eben jener Tierarzt als Erfinder des Luftreifens gilt: Und noch heute sind ja die „Dunlop“-Reifen sehr beliebt.

Überhaupt: Die Geschichte des Automobils weist zahlreiche unglaubliche Begebenheiten auf. Nicht nur damals, sondern auch in jüngeren Jahren verblüfft uns die Auto-Szene mit erstaunlichen Anekdoten. 180 Fragen und Antworten rund ums Auto finden Sie in dem Quiz „Auto“. Hier sind so manche Aha-Erlebnisse garantiert, zum Beispiel, wenn es um die Frage geht, was „Audi“ bedeutet, was es mit dem „Elchtest“ auf sich hat u.v.m …


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

26.02.2010, 09.19 | (0/0) Kommentare | PL

Münchhausens Tipps

SchweinehundEs hilft alles nichts, es ist mal wieder so weit: das Jahr neigt sich dem Ende entgegen und die Zeit der guten Vorsätze beginnt. Selbst wenn man dem Ganzen entfliehen möchte, beinahe in allen Magazinen und Zeitungen, auf sämtlichen Fernsehkanälen wird man damit konfrontiert: der bessere (wahlweise auch gesündere, sportlichere, geselligere, ausgeglichenerer) Zeitgenosse ist gefragt im neuen Jahr.

Der ärgste Feind des Besserwerdens: der innere Schweinehund. Das hinterlistige Tier sagt uns mit verführerischer Stimme, dass es doch viel kuscheliger ist, auf dem Sofa zu liegen als sich nach Feierabend noch einmal zum Joggen in den Wald zu begeben. Es flüstert uns ein, dass es Ok ist, immer wieder die wirklich letzte Zigarette zu rauchen. Und dass die Garage eigentlich gar nicht zugemüllt ist und ruhig noch ein wenig auf ihre Entrümpelung warten kann.

Haben Sie den inneren Schweinehund schon oft besiegt? Der Autor Marco von Münchhausen (ja, der Jurist ist tatsächlich ein entfernter Verwandter des berühmten Lügenbarons, aber das nur am Rande) rät dazu, das hartnäckige Vieh nicht zu bekämpfen, sondern sich mit ihm zu verbünden. Und schon sollen die Dinge weniger schwierig werden. „So zähmen Sie Ihren inneren Schweinehund“ heißt der Titel.

Die These ist verblüffend einfach: Es muss nicht immer alles zu hundert Prozent perfekt werden, diese Hürde stellen sich die meisten Schweinehund-Opfer selbst auf. Manchmal reichen auch 70 Prozent, Hauptsache, man fängt überhaupt erst einmal mit seinem Vorhaben an. Und wenn man dann das innere „Ich muss“ durch ein „Ich möchte“ ersetzen kann, ist man auf dem richtigen Weg, sich das Leben deutlich zu erleichtern. Klingt gut, oder?

Sie können dem Jahresende nun gelassener begegnen, es gilt nur noch einmal den inneren Schweinehund zu überwinden und das Buch zu lesen. Mit dem Schnäppchen-Preis machen wir es Ihnen extra einfach, Ihre guten Vorsätze umzusetzen ..


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

30.12.2009, 18.10 | (0/0) Kommentare | PL

Schenken à la Tante Frieda

WeihnachtenBeim Entrümpeln eines meiner Bücherregale fand ich neulich einen echten Schatz. Zwischen dicken Bildbänden über Inneneinrichtung eingeklemmt entdeckte ich eine Sammlung alter Weihnachtslieder und –Texte, die ich vor langer Zeit bei der Wohnungsauflösung meiner Oma gefunden hatte. Damals schob ich sie erst einmal ins Regal und vergaß sie dann. Bis jetzt.

Vor dem Hintergrund der derzeitigen Wirtschaftskrise erstrahlt dieser Schatz noch einmal so hell. Denn die insgesamt 40 Seiten mit dem Titel „Viele shöne (sic) Weihnachtslieder – aufgeschrieben für Männlein und die Mama von Tante Frida“ zeigen, wie man auch mit wenig Geld, aber viel Liebe ein schönes Geschenk bereitet. Im Jahr 1923, zu einer Zeit, in der man in Deutschland für ein Kilogramm Brot rund 233 Mrd. Reichsmark zahlte, hatte „Tante Frida“ meinem Opa ein wertvolles Geschenk bereitet, ohne große Ausgaben.

Ich wusste gar nicht, welche Künstler ich in meiner Familie hatte. Denn nicht nur, dass die Texte auf den DIN A3 großen Kartonseiten in Schönschrift verfasst waren. Jedes Lied erhielt sogar eigene Illustrationen, die auf einem Niveau gezeichnet waren, wie es ein Laie wie ich niemals hinbekäme. Auch die Noten wurden mit fachkundiger Hand gezeichnet und stimmen bis auf den letzten Ton.

Noch sind Bücher keine Luxusartikel. Aber eine Inspiration habe ich mir schon für Weihnachten geholt. Zumindest die Weihnachtskarten werde ich wieder etwas persönlicher gestalten, vielleicht mit kleinen Zeichnungen. Denn einen Stern, einen Weihnachtsbaum oder einen kleinen Engel bekomme sogar ich noch hin. So wird das Weihnachtsfest wieder ein Stück persönlicher. Und das ohne Extra-Kosten.


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

08.11.2009, 12.26 | (0/0) Kommentare | PL

Siebenschläfer

BauernregelnFrüher war der 27. Juni noch ein ganz großer Tag. Heute ist der „Siebenschläfer“ längst kein Feiertag mehr, dennoch ist er nicht wie so manch anderer früherer Festtag in Vergessenheit geraten. Denn wer wissen will, wie der bevorstehende Sommer wird, der achtet ganz genau auf das Siebenschläfer-Wetter.

„Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag” oder „Siebenschläfer Regen - sieben Wochen Regen” oder „Ist der Siebenschläfer nass, regnet’s ohne Unterlass” oder „Regnet’s am Siebenschläfertag, es sieben Wochen regnen mag” oder „Wenn die Siebenschläfer Regen kochen, dann regnet’s ganze sieben Wochen” sind nur einige Wetterweisheiten, die nach wie vor große Bedeutung finden. Dieses Jahr macht die Vorschau auf den Siebenschläfer den Wetterfröschen Hoffnung: Warm und trocken soll´s werden.

Mich erstaunt immer wieder, wie oft die alten Bauern- und Wetterregeln tatsächlich Recht haben. Richtig Laune machen mir Wind-Wetter-Sprüche wie  „Südwest – Regennest“, „Auf Nordwind mit Regen folgt Hagel oft, der alles erdolcht“, „Westwind und Abendrot machen die Kälte tot“. Manchmal habe ich Freunde und Bekannte verblüfft, die tagelang den Wetterbericht studieren, um eine Bergtour zu planen! Ich gucke dann einfach, aus welcher Richtung der Wind kommt und gebe meine private Vorhersage ab. Nicht selten mit Erfolg.

Wenn auch Sie Wetterfrosch werden wollen (und vielleicht sogar bessere Vorhersagen als der Wetterbericht abgeben wollen), habe ich heute eine optimale Buchempfehlung für Sie: Für weniger als 3 € haben wir gerade „Die besten Wetter- und Bauernregeln“ im Angebot!


(Geschrieben von Matthias Stöbener)

30.06.2009, 07.44 | (0/0) Kommentare | PL

Kommt die Lunchbox zurück?

FruehstueckIch hatte mir geschworen, so gut wie nichts zum Thema Krise zu schreiben. Aber nun habe ich in der Zeitung etwas zu diesem allgegenwärtigen Thema gelesen, das mich nicht zum sofortigen Umblättern bewegt hat. Der Artikel beschreibt eine Mittagspause in England.

Die Briten sind ja seit jeher für ihre Exzentrik bekannt, das macht sie für mich so sympathisch. Sie möchten mit ihren Gefühlen anderen Menschen keinesfalls zu nahe treten und sind zugleich ungeheuer pragmatisch. Dies lässt sich nun in Zeiten der Finanzkrise offenbar wieder trefflich beobachten, wie der Zeitungsartikel zeigt.

Der in London lebende deutsche Autor des Textes hatte sich mehrfach einen Korb geholt, als er mit seinen englischen Kollegen mittags etwas essen gehen wollte. Und das bei den höflichen Briten! Das verwunderte ihn dann doch. Er bekam nach einer Weile heraus, dass das tägliche Mittagessen seinen Kollegen schlicht zu teuer geworden ist – dank Finanzkrise, die viele Dinge des Lebens in der sowieso schon extrem teuren Stadt London fast unerschwinglich macht. Dass dies den Engländern peinlich war, kann man sich vorstellen. Doch wie der Autor sah, hatte man inzwischen aus der Not eine Tugend gemacht: Auf den Schreibtischen der Kollegen fanden sich nun die guten alten Lunchboxen wieder. Belegte Brote mit Frischkäse, Gurkenscheiben und Tomaten statt überteuerter Edel-Häppchen im hippen Stehimbiss.

Ok, es fehlt natürlich der mittägliche kleine Spaziergang, plaudern lässt es sich auch besser auswärts und immer diese Brösel in der Tastatur, das ist natürlich auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber gesünder und leckerer ist wahrscheinlich allemal. Man kann nach eigenem Gusto mit verschiedensten Zutaten experimentieren und die Zutaten sind immer frisch. Preiswerter natürlich auch, das war ja schließlich der Auslöser des aktuellen Mach-dein-Brot-selbst-Booms in der britischen Hauptstadt.

Inzwischen gibt es die praktischen Boxen für das von zu Hause mitgebrachte Essen dort wieder allerorts zu kaufen. Ob dieser Trend auch bis zu uns nach Deutschland schwappt? Ich möchte Ihnen zwar nicht raten, die liebgewordene Mittagspause mit den Kollegen ständig zugunsten von selbst geschmierten Schnittchen ausfallen zu lassen. Aber darüber nachdenken ist ja erlaubt. Sie könnten etwas Gesundes zu sich nehmen und gleichzeitig bei Jokers stöbern. Oder den Jokers Blog lesen. Das klingt doch auch nicht schlecht, oder?

Feine Ideen für Frühstück und gesunde Snacks finden Sie hier:

Rezeptideen zum Frühstück


Die 100 besten Snacks

Übrigens auch noch günstiger als ein durchschnittliches Mittagessen!

(geschrieben von Matthias Stöbener)

30.04.2009, 07.00 | (0/0) Kommentare | PL

Suppen sind eckig

Welche Form hat für Sie Champignoncremesuppe? Bestimmt sagen Sie jetzt „flüssig“. Doch für manche Menschen ist Champignoncremesuppe nicht einfach nur flüssig, sondern vor allem rund und je nach Würze mit harten Spitzen. Oder nehmen wir den Namen Reinhard. Welche Farbe hat er für Sie? Braun? Oder vielleicht doch Nachtblau?

Das Phänomen, Formen und Farben mit ungewohnten Dingen zu verknüpfen, nennt man Synästhesie, habe ich gerade gelernt. Derzeit bekanntestes Beispiel dafür ist Daniel Tammet. In seinem Buch „Wolkenspringer – von einem genialen Autisten lernen“ schildert der Brite, der seit Geburt unter dem Asperger-Syndrom, einer leichten Form des Autismus, leidet, wie er in wenigen Tagen Fremdsprachen perfekt sprechen lernt und sich endlose Zahlenkolonnen merken kann. Wenn er sich etwa die Kreiszahl Pi bis auf die 22.514te Stelle merkt, erfasst der 30-Jährige die Dinge intuitiv und sucht nach eigenen logischen Regeln.

Um Deutsch zu lernen, brauchte der so genannte Savant oder „Inselbegabte“ knapp eine Woche. Dabei entdeckte er, dass viele langen, dünnen Gegenstände im Deutschen mit „Str“ beginnen. Zum Beispiel Straße, Strahlen oder Strumpf. Kleine runde Dinge hingegen beginnen gern mit den Buchstaben „Kn“, wie etwa Knopf, Knolle oder Knospe. Das Besondere an der Synästhesie liegt im vernetzten Denken. Menschen wie Tammet denken nicht in isolierten Kategorien, sondern verbinden Informationen mit verschiedenen Regionen im Gehirn. So kommt es, dass Geschmacksrichtungen plötzlich Formen annehmen oder Wörter und Zahlen Farben.

Im Kindesalter sind die Anlagen zur Vermischung von Sinneseindrücken bei den meisten Menschen noch erhalten. Doch sie werden im Laufe des Lebens systematisch abtrainiert, zu Gunsten des logischen Verstandes. Eigentlich schade, wie ich finde.

(geschrieben von Matthias Stöbener) 

12.04.2009, 10.53 | (0/0) Kommentare | PL

Nachbarn, die keine Bücher lesen

Ich habe neue Nachbarn bekommen. Ich lud die zwei neuen Mieter gleich zu einem Kennenlernkaffee in meine Wohnung. Das Gespräch war sehr nett, weshalb ich kurze Zeit später gern die Gegeneinladung in die Nachbarwohnung annahm. Mittlerweile wohnte das noch relativ junge Pärchen schon einige Monate da und kannte mich als Nachbarn bereits. Allerdings mehr als mir lieb war. So begrüßte man mich mit „Schön, dass du uns besuchst. Wir dachten schon, du wärst ein Einsiedlerkrebs, so selten wie du Besuch bekommst.“

Huch! Was war das denn? Wurde ich da etwa überwacht? Es schien so, denn im weiteren Gespräch erfuhr ich, was meine geschätzten Nachbarn noch so von mir wussten: „Deine Erkältung vor ein paar Wochen hat sich ja ganz schön hingezogen. Wir konnten dich wochenlang husten hören.“ „Du hast einen komischen Musikgeschmack. Black und RnB hörst du gar nicht, oder?“ und als Krönung: „Du gehst gar nicht mehr weg, stimmt´s? Für das Nachtleben bist du wohl schon etwas zu alt.“

Die beiden gaben sich ganz einer Fähigkeit hin, um die ich sie als eher schweigsamer Mensch beneide. Sie sprachen ununterbrochen und meist sogar gleichzeitig. Dabei erfuhr ich schon nach kurzer Zeit, dass die Friseuse und der Arbeitslose gern den Feierabend mit Wodka, Red Bull und ein paar Joints ausklingen lassen. Auch von seiner Zeit im Knast, seinen sexuellen Abenteuern, dem gemeinsamen Besuch einiger Rave-Partys nebst unverzichtbarem Tablettengebrauch und diversen weiteren Vorlieben erfuhr ich, ohne mich im Geringsten wehren zu können. Die beiden überschütteten mich mit Details aus ihrem Privatleben, die ich aus reiner Höflichkeit ertrug.

Doch es kam noch schlimmer. Auch die Mitbewohner des Hauses wurden thematisiert. Ich erfuhr, dass die freundliche Dame im Parterre zunehmend dement werde, dass der muskulöse Herr im 1. Stock gern Stringtangas im Leopardenlook trüge, und dass der Sohn der Dame im 2. Stock verunglückt sei.

Das Pärchen, das ich bislang als jung und eher aufgeschlossen empfunden hatte, wetterte zum Schluss mit steigender Aggression gegen ausländische Mitbewohner, die „Türken im Viertel“ und „all das faule Gesocks“. Auch die „Studierten“ bekamen ihr Fett weg. „Die ganzen Typen, die sich für was Besseres halten, nur weil sie ständig Bücher lesen, gehören doch auch alle weg.“

Ich war so perplex, dass mir die Worte fehlten. Ziemlich schnell verabschiedete ich mich und ging in meine Wohnung zurück. Was soll man tun, wenn man solche Nachbarn hat? Ausziehen? Ich habe mir vorgenommen, diese Begegnung als Warnung zu sehen vor dem, was geschieht, wenn Menschen keine Bücher mehr lesen.

(geschrieben von Matthias Stöbener)

15.02.2009, 17.56 | (0/0) Kommentare | PL

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