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Blogeinträge (themensortiert)
Thema: Sachbücher
Glück in Brooklyn
Brooklyn ist keine feine Gegend. Nicht so wie die schicke New Yorker Stadtteilschwester Manhattan, wo alles glänzt und funkelt. Nein, in Brooklyn geht es bunt zu und etwas rau, hier mischen sich alle nur denkbaren ethnischen Gruppen, und die Bewohner befinden sich nicht unbedingt immer auf der Gewinnerseite des Lebens. Ein wunderbares Biotop für einen Schriftsteller, den genau diese Gegensätze und die weniger glatten Biographien von Menschen interessieren.
Zum Beispiel für Paul Auster, der selbst in diesem pulsierenden Stadtteil New Yorks lebt. Wer seine „Brooklyn Revue“ zur Hand nimmt, bekommt genau das, was draufsteht: eine faszinierende, schillernde, farbige, derbe, humorvolle, philosophische Großstadt-Revue voller eckiger Charaktere. Es gibt eine kleine Ausreißerin, einen Ex-Galeristen, christliche Fundamentalisten, massenhaft gescheiterte Existenzen und natürlich den Erzähler Nathan, einen krebskranken Versicherungsmann, der sich von seiner soeben überstandenen Krankheit und seinen gescheiterten Beziehungen erholen will.
Paul Auster liebt sie alle. Das spürt man beim Lesen. Er blickt nicht herab auf die Getriebenen und Gescheiterten, sondern gibt ihnen eine Stimme und zeigt uns die vielen menschlichen Gesichter dieser Riesenstadt. Der Reigen der kauzigen Brooklyner Gestalten endet an einem Tag, der Geschichte schrieb: am Morgen des 11. September 2001, wenige Stunden, bevor das World Trade Center wie ein Kartenhaus zusammenfällt. Und weil er so schön ist, gibt es in diesem speziellen Fall den letzten Satz des Romans hier im Blog: „Aber noch war es erst acht Uhr, und als ich unter dem strahlend blauen Himmel die Straße entlang spazierte, war ich glücklich, mein Freund, so glücklich wie nur je ein Mensch auf dieser Erde.“
Die „Brooklyn Revue“ bei Jokers
Bild Brooklyn Bridge: Jens Kühnemund/pixelio
24.08.2010, 14.58 | (0/0) Kommentare | PL
„Bücher“ von Hermann Hesse
Schon des öfteren habe ich Sie an dieser Stelle an meiner Leidenschaft für die Poesie teilhaben lassen: Ich habe Ihnen von und zu meinen Lieblingsautoren Gedichte vorgestellt, Lebensläufe, Anekdoten und Geschichten. Ein Name kam dabei immer wieder vor: Hermann Hesse, der große Dichter und Autor mit dem ausgefüllten und nicht immer einfachen Leben und dem Hang zur Melancholie. Als Folge vieler bewegender und dramatischer Ereignisse war Hermann Hesse sogar in psychotherapeutischer Behandlung bei einem der Schüler von C.G. Jung. Er überstand nicht nur einen Nervenzusammenbruch, der durch die Erkrankung seiner ersten Frau an Schizophrenie mit verursacht wurde, er erlebte auch zwei Eheschließungen und zwei Kriege. Aufgrund politischer Umstände schrieb Hesse später unter dem Pseudonym Sinclair, auch seine vielen Umzüge zeugen von seiner inneren Zerrissenheit.
Die meisten kennen und schätzen Hesse aufgrund seiner Erzählungen und Geschichten, und doch verspricht ein Blick in seine zahlreichen Verse und Gedichte einen Kunstgenuss ohnegleichen: Hermann Hesse trifft ins Herz. Seinen 133. Geburtstag möchte ich nutzen, um Ihnen eines seiner Gedichte nahe zu bringen. Denn wenn ein Bücherfreund ein Gedicht vor allen anderen kennen muss, dann ist es Hesses „Bücher“:
Alle Bücher dieser Welt
Bringen dir kein Glück,
Doch sie weisen dich geheim
In dich selbst zurück.
Dort ist alles was du brauchst,
Sonne, Stern und Mond,
Denn das Licht, danach du frugst,
In dir selber wohnt.
Weisheit, die du lang gesucht
In den Büchereien,
Leuchtet jetzt aus jedem Blatt –
Denn nun ist sie dein.
09.08.2010, 16.06 | (0/0) Kommentare | PL
Gedichte gegen die WM
Also jetzt, wo so langsam an Urlaub und faule Nachmittage auf der Gartenliege zu denken ist (und gerade mal kein WM-Fußball läuft), brauchen Sie natürlich eine entsprechende Lese-Empfehlung. Eine, die nicht schwer im Magen liegt und trotzdem anspruchsvoll ist. Da passt die kurze Form doch besonders gut – sprich: Gedichte.
Friedrich Hölderlin „Hundert Gedichte“ möchte ich Ihnen da ans Herz legen. Ob Dichtung über Natur oder Freundschaft, über die Liebe oder die Jahreszeiten, alles ist in diesem wunderschönen Bändchen zu finden.
Um 1800 entstanden gelten Hölderlins Werke in der Literaturgeschichte als einer der Höhepunkte der europäischen Poesie. Der Poet machte auch die Bekanntschaft der Dichtergrößen Goethe und Schiller. Aber ich möchte hier nicht zu viel Ehrfurcht verbreiten, die sprachliche Schönheit der Dichtung Friedrich Hölderlins erschließt sich auch so.
Um das Leben des Dichters aus Lauffen am Neckar ranken sich viele Geschichten und Mythen. Kein Wunder, denn immerhin verbrachte er 36 Jahre im später nach ihm benannten „Hölderlin-Turm“ in Tübingen, offenbar dem Wahnsinn verfallen. Jahrelang hatte er sich zuvor als Hauslehrer bei vermögenden Familien durchgeschlagen und nebenbei seine Werke verfasst. Auf einer dieser Stellen traf er auch seine große Liebe Susette Gontard, eine Frankfurter Bankiersgattin. In der Figur der „Diotima“ seines berühmten Briefromans „Hyperion“ erlangte sie literarische Unsterblichkeit.
Friedrich Hölderlin hat viele spätere Dichter mit seinem Werk beeinflusst, etwa Stefan George oder Ingeborg Bachmann. Eine schillernde Dichterpersönlichkeit also, die uns ein Werk von großer Intensität und Schönheit hinterlassen hat. Genießen Sie die „Hundert Gedichte“ des Ausnahme-Dichters – quasi als literarisches Ausgleichsprogramm zur WM.
http://www.jokers.de/3/14788316-2/buch/hundert-gedichte.html
„Hundert Gedichte“ von Friedrich Hölderlin bei Jokers
Bild Friedrich Hölderlin: wikimedia
12.07.2010, 17.16 | (0/0) Kommentare | PL
So muss der Himmel klingen
Ein Bekannter sagte neulich zu mir „Chopin kann dein Leben verändern“. Und er erzählte mir, wie er gezeichnet von zu strenger Musik-Didaktik in der Schule viele Jahre ausschließlich Popmusik hörte. Jeder Klassik hatte er sich nach Schulabschluss beharrlich verschlossen. Als er aber bei einer nächtlichen Autofahrt „aus Versehen“ im Klassiksender Chopin hörte, fühlte er sich nach eigenen Aussagen wie verzaubert.
Mir war es vor vielen Jahrzehnten nicht anders ergangen. Damals hörte ich meine Jugendliebe auf einer Mitternachtsparty am Klavier die Nocturnes Nr. 7 in Cis-Moll spielen. Noch immer jagt es mir bei der Erinnerung einen Schauer über den Rücken. Doch anders als mein Bekannter fand ich so schon früh zur Klassik.
Ähnlich muss es wohl auch Maarten 't Hart ergangen sein. Eins der Lieblingsmotive seiner Romane ist die klassische Musik, vor allem Johann Sebastian Bach. Poetisch wie warmherzig erzählt der niederländische Autor zum Beispiel im „Schneeflockenbaum“ die rührende Geschichte zweier Jungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Da ist einerseits der charmante Mädchenschwarm Jouri und andererseits sein introvertierter Freund, der namenlose Ich-Erzähler, der „den ganzen Tag furzt wie ein Waldesel“. Auch der Erzähler erlebt eine Offenbarung, als er die Klassik entdeckt und erkennt, „Diese Musik spielt man im Himmel“. Stück für Stück erkundet er die alte Plattensammlung Jouris Vater und bemerkt dabei, „dass sich in meiner Seele Kräfte verbargen, von denen ich bis dahin nichts gewusst hatte.“ Wenn das nicht Poesie ist, die Leben verändert …
„Mozart und ich“ von Maarten 't Hart bei Jokers
http://www.jokers.de/3/13632081-1/buch/mozart-und-ich-m-audio-cd.html
09.07.2010, 17.07 | (0/0) Kommentare | PL
Hinter verschlossenen Türen
Was haben Joanne K. Rowling und Simon Beckett gemein? Beide mussten erst einmal viele Klinken putzen, bevor sie mit ihren Büchern erfolgreich wurden. So hatte Simon Beckett mit „Voyeur“ bereits alle wichtigen Verlagshäuser in Großbritannien abgeklappert, bis ihn der Independent-Verlag Allison & Busby entdeckte. Das Erstlingswerk reicht zwar noch nicht ganz an den Thrill seiner späteren Romane um den Forensiker David Hunter, ist aber ebenso leicht lesbar und hält den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in Atem.
Dabei verliebt sich der Schöngeist und Kunsthändler Donald Ramsey in seine jugendliche Assistentin Anna. Doch diese ist mit Marty liiert und lässt sich auch vom attraktiven, aber eitlen Zeppo nicht dazu verführen, Marty zu verlassen. Seine Obsession treibt Ramsey schließlich sogar zu Mord und Totschlag, bis er schließlich bekommt, was er will. Doch das ist etwas völlig anderes, als der Leser vermutet hätte …
Ähnlich wie in „Obsession“ lässt Beckett den Leser wieder aus der Außenseiterperspektive hinter verschlossene Türen blicken. Dabei entdeckt er menschliche Abgründe, die in jedem schlummern könnten. Für mich noch immer der beste „Gruselfaktor“ moderner Literatur.
07.05.2010, 09.53 | (0/0) Kommentare | PL
Enfant terrible
Mal wieder hat es eine Klassiker-Neuverfilmung ins Kino geschafft: „Das Bildnis des Dorian Gray“, Oscar Wildes großer – und übrigens einziger – Roman, ist derzeit in den Lichtspielhäusern zu sehen. Ben Barnes gibt den jungen Mann, der im London Ende des 19. Jahrhunderts sein Leben völlig dem schönen Schein widmet und statt seiner selbst sein Bild altern lässt. Eine faszinierende Geschichte!
Als der ebenso reiche wie gutaussehende Dorian Gray das Porträt, das der Maler Basil Hallward von ihm angefertigt hat, sieht, wünscht er sich, niemals zu altern. Sein Wunsch, stattdessen mögen die Spuren seines Lebens nur auf seinem Abbild zu entdecken sein, erfüllt sich. Von dem Dandy Lord Henry Wotton wird der noch unverdorbene Jüngling zu einem Leben voller Genuss verführt. Es ist ausschweifend und voller Reize, aber da es auch voller Herzlosigkeit und ohne Moral ist, nimmt das Porträt des schönen Dorian bald unverkennbar scharfe Züge an. Der junge Aristokrat nämlich schreckt vor nichts mehr zurück, verliert alle moralischen Schranken und führt über zwanzig Jahre lang ein rücksichtsloses Leben in Saus und Braus. Sein Bildnis wird in dieser Zeit immer scheußlicher – und zwar so sehr, dass er es schließlich wegen seiner Hässlichkeit verstecken muss. Am Ende bereut Dorian Gray zwar den teuflischen Pakt, auf den er sich eingelassen hat, doch es ist bereits zu spät ...
Der Ire Oscar Wilde, der das Buch 1890 verfasste, war ein bunter Vogel, das enfant terrible des prüden viktorianischen England. Kein Wunder also, dass er in seinem Roman die Dekadenz der britischen Oberschicht mit größter Scharfsichtigkeit porträtiert. „Das Bildnis des Dorian Gray“galt bei seinem Erscheinen als überaus anrüchig und unmoralisch. Wildes Zeitgenossen wussten das Buch, heute ein Klassiker der Weltliteratur, noch nicht wirklich zu schätzen.
Aber Sie wissen es sicher zu schätzen, dass wir dieses hervorragende Buch nicht nur im Angebot haben, sondern auch noch in hochwertiger Ausstattung und zu einem fast skandalös niedrigen Preis.
http://www.jokers.de/3/15851875-1/buch/das-bildnis-des-dorian-gray.html
27.04.2010, 15.10 | (0/0) Kommentare | PL
Deutsch brachte Twain zum Schwitzen
Wenn Sie wissen, wer Samuel Langhorne Clemens ist, können Sie sich gleich bei »Wer wird Millionär« anmelden. Dass sich hinter diesem Namen der weltberühmte Autor Mark Twain verbirgt, weiß wirklich nicht jeder.
Dieser Tage ist der 100. Todestag des amerikanischen Schriftstellers, der mit seinen Geschichten über Tom Sawyer und Huckleberry Finn aus keinem Kinderzimmer-Buchregal wegzudenken ist.
Was für die Mädchen Pippi Langstrumpf ist, sind für die Jungs die beiden kleinen Abenteurer vom Mississippi: frech, wild und ganz weit weg von jeglicher Autoritätshörigkeit Kinder müssen sie einfach lieben! Weniger bekannt ist, dass der Amerikaner Mark Twain als ruheloser Weltenbummler in seinem Leben viel in Europa unterwegs war und darüber den faszinierenden und humorvollen Bericht »Bummel durch Europa« verfasst hat. Auf mehreren Reisen entdeckte er die »Alte Welt« und hielt sich auch lange in Deutschland auf. Besonders gut gefielen ihm Heidelberg und Berlin, wo er jeweils einige Monate verbrachte.
Twain versuchte sogar sehr eifrig Deutsch zu lernen mit bescheidenem Erfolg, wie er selbst glaubte. Denn die deutsche Sprache habe so viele Fallstricke, dass ein Ausländer niemals in der Lage sein werde, eine deutsche Zeitung zu lesen und zu verstehen. »Die schreckliche deutsche Sprache« heißt daher auch das Buch, in dem er sich mit dem Deutschen und seinen Absonderlichkeiten befasst.
Für uns Muttersprachler ein großes Vergnügen, wenn der Amerikaner sich etwa über die typische Teilung von Verben auslässt, die der Deutsche so schön in seinen Sätzen versteckt, dass der Deutschlernende sie nur mit größter Konzentration finden und zu einem sinnvollen Ganzen zusammenfügen kann. So von außen betrachtet wirkt unsere Sprache wirklich höchst kompliziert ... Allein die zusammengesetzten Wörter wie »Wiederherstellungsbestrebungen« lassen Twain ins Schwitzen geraten und bei den verschiedenen Endungen der Fälle ist dann schließlich der Ofen aus. Und zwar so sehr, dass er für die Abschaffung des Dativs plädiert Bastian Sick, bitte weghören! Aber Mark Twain gibt freimütig zu, dass das Deutsche für die Bereiche Natur, Zuhause und Gemütlichkeit besonders schöne Worte bereithält und richtig gut klingt. Na, immerhin!
Tipp: Mark Twain bei Jokers
15.04.2010, 16.17 | (0/0) Kommentare | PL
Raritäten

Ja, aber sind denn E-Mails keine Briefe? Gut, sie sind nicht mehr per Hand auf Papier niedergeschrieben, aber sie ähneln doch dem, was Briefe früher waren: Mittel zu dem Zweck, dem Empfänger eine Botschaft zu übermitteln – oder ihm auch einfach nur zu zeigen, dass man an ihn denkt.
Ich sehe es ähnlich, und eigentlich bin ich froh, dass ich nicht mehr allzu viele handgeschriebene Briefe erhalte. Wer schreibt denn heute noch leserlich genug, dass es eine Freude wäre, die Zeilen zu lesen? Über Mails freue ich mich jedoch immer. Die Leserlichkeit ist gewährleistet und Rechtschreibkorrekturprogramme sorgen dafür, dass auch der Orthografie Genüge getan wird.
Einen Nachteil hat das Ganze jedoch: Alles Digitale ist mehr als vergänglich. Wer hebt schon Mails auf, wer legt sie ab, wer liest sie nach Jahren noch einmal? Das war früher anders: Gott sei Dank, sage ich, gab es zu Schillers Zeiten noch keine Computer. Dann hätten wir heute nämlich nicht das Vergnügen, seine zahlreichen Briefwechsel mit großen Persönlichkeiten wie Goethe, Lotte v. Lengefeld und Caroline v. Beulwitz, Gottfried Körner oder Georg Göschen und anderen nachverfolgen zu können. Und da würde uns wirklich etwas entgehen. Über 2.200 Briefe verfasste Schiller!
Ein Brief an Goethe zum Beispiel lautet so – achten Sie auf die wunderbare, ausgefeilte Wortwahl, auf die eloquenten Formulierungen:
Hochwohlgeborner Herr,
Hochzuverehrender Herr Geheimer Rath!
Beiliegendes Blatt enthält den Wunsch einer Sie unbegrenzt hochschätzenden Gesellschaft, die Zeitschrift, von der die Rede ist, mit Ihren Beiträgen zu beehren, über deren Rang und Werth nur Eine Stimme unter uns sein kann. Der Entschluß Euer Hochwohlgeboren, diese Unternehmung durch Ihren Beitritt zu unterstützen, wird für den glücklichen Erfolg derselben entscheidend sein, und mit größter Bereitwilligkeit unterwerfen wir uns allen Bedingungen, unter welchen Sie uns denselben zusagen wollen.
Hier in Jena haben sich die HH. Fichte, Woltmann und von Humboldt zur Herausgabe dieser Zeitschrift mit mir vereinigt, und da, einer nothwendigen Einrichtung gemäß, über alle einlaufenden Manuscripte die Urtheile eines engern Ausschusses eingeholt werden sollen, so würden Ew. Hochwohlgeboren uns unendlich verpflichten, wenn Sie erlauben wollten, daß Ihnen zu Zeiten eins der eingesandten Manuscripte dürfte zur Beurtheilung vorgelegt werden. Je größer und näher der Antheil ist, dessen Sie unsre Unternehmung würdigen, desto mehr wird der Werth derselben bei demjenigen Publicum steigen, dessen Beifall uns der wichtigste ist. Hochachtungsvoll verharre ich
Euer Hochwohlgeboren gehorsamster Diener und aufrichtigster Verehrer
Jena 13. Juni 1794
F. Schiller.
Als Rarität bieten wir Ihnen einige wenige Exemplare des Werkes „Schöne Briefe“ an: Eine besondere Auswahl von Schillers Briefen wird in dieser luxuriösen und bibliophilen Ausgabe in Faksimiles und Transkriptionen mit Erläuterungen vorgestellt. Ein echtes Fundstück für alle Literaturbegeisterten!
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
22.03.2010, 17.18 | (0/0) Kommentare | PL
Das Verlangen nach Liebe

Aber mit dem vielsagenden Titel „Die große Liebe“ hat sich Hanns-Josef Ortheil bei mir einen sicheren Platz auf dem Gebiet der unkitschigen, sülzfreien, einfach nur tiefromantischen Liebes-Literatur erkämpft. Vielleicht liegt es auch ein wenig daran, dass ich seit geraumer Zeit einen Lesetipp meiner Bekannten Ruth befolge und im Urlaub nun immer Bücher lese, die in meinem aktuellen Urlaubsland spielen. Ich habe das Buch in Italien gelesen. Die Handlung des Titels findet an der Adria statt und lebt davon, dass die Liebe einfach einmal gelingt. Das hat man in Büchern ja sonst nicht so oft, denn unglücklich Liebende sind mit ihren Seelenqualen nun einmal literarisch meist interessanter.
Auch Ortheils Nachfolge-Roman „Das Verlangen nach Liebe“ ist, soviel sei verraten, nichts für Schwarzseher: Nach achtzehn Jahren treffen sich Kunsthistorikerin Judith und Konzertpianist Johannes, früher ein Paar, zufällig in Zürich wieder. Man verabredet sich nun beinahe täglich, berichtet aus seinem Leben, lotet aus, was erneut möglich sein könnte – die alte Anziehung erflammt erneut. Und nein, am Ende erfolgt keine Katastrophe.
Das tut uns Lesern, die wir verzweifelt und unerwidert Liebende in der Literatur so viel häufiger erleben, doch auch mal gut! Wie schön, dass es das Ganze ebenfalls als Hörbuch gibt, so kann man „Das Verlangen nach Liebe“ ganz unmittelbar erleben.
Dass das Hörbuch außerdem ein geradezu unverschämtes Jokers-Schnäppchen ist, traue ich mich fast nicht zu sagen, das klingt so unromantisch ...
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
20.03.2010, 17.07 | (0/0) Kommentare | PL
Ein Autor, der in seinen Bann zieht

Zum Glück für uns Lesehungrige, die wir immer auf der Suche nach neuen Erlebnissen sind, sind die Werke Márais (der übrigens eigentlich Grosschmid hieß) seit Ende der neunziger Jahre wieder auf dem Markt.
Sie eröffnen uns eine Welt, die längst versunken ist, eine Welt der altmodisch-mondänen Hotels, der monokeltragenden Herren und der Damen, die mit Sonnenschirm zum Nachmittagstee flanieren. Hinter dieser großbürgerlichen Fassade des alten Europa lauern bei Sándor Márai aber immer die menschlichen Abgründe, die die Menschen gnadenlos umtreiben, ihnen den Frieden rauben und sie nicht selten ins Verderben ziehen.
Im Roman „Die Fremde“ ist der Autor radikaler als sonst. Der alternde Professor Viktor Askenasi verlässt Frau und Kind und stürzt sich in eine oberflächliche Affäre mit einer Tänzerin. Doch auch dadurch findet er keinen Seelenfrieden, es bleibt eine stets flackernde Unruhe. An der dalmatinischen Küste versucht Askenasi auf Anraten seiner Freunde, durch einen allein verbrachten Urlaub wieder zu sich selbst zu finden. Wie dies gründlich misslingt und schließlich in einer sinnlosen Katastrophe endet, das ist, so komisch das klingt, wunderbar zu lesen. Márai beschreibt den Strudel, in den sein Held gerät, so plastisch, dass man ganz hautnah miterlebt, wie er langsam jegliches Maß verliert und unaufhaltsam in einen unheilvollen Wahn gerät.
Ein faszinierendes Buch und – falls Sie den ungarischen Autor noch nicht kennen – ein perfekter Einstieg in sein Werk. Denn ich prophezeie Ihnen: wenn Sie einmal angefangen haben, werden Sie mehr davon lesen wollen.
In unserer Auswahl von Sándor Márai stöbern.
19.03.2010, 16.56 | (0/0) Kommentare | PL














